AeuerFahrOil derReichsbahn imVezirkGießen.
Gültig bis auf weiteres.
Der Fahrplan der Reichsbahn im Bezirk Gießen hat in den letzten Tagen einige Veränderungen durch Ausfall von Zügen und Schaffung neuer Zugverbindungen bzw. durch Aenderung der Ankünfte- und Abfahrtszeiten erfahren. Nachstehend bringen wir den Fahrplan, wie er jetzt für den
Bahnhof Gießen in Gültigkeit ist. Dabei fei betont daß die Reichsbahn eine Gewähr für die Einhaltung dieses Fahrplans nicht übernimmt und Aenderungen jeweils durch Aushang am Bahnhof bekanntgemacht werden.
Ankunst her Züge.
Zeit Zug-Nr. aus Richtung
1.15 4- 771 Frankfurt a.M.
5.14 6 2552 Londorf
5.35 D18 Berlin-Charlottenburg
5.52 4- 403 Wetzlar
6.16 + 580 Grünberg
6.41 6 727 Friedberg
7.08 501 Gelnhausen
7.30 4- 509 Nidda
7.33 4- 703 Friedberg
7.38 o 1608 Betzdorf
7.39 ° 790 Marburg
7.41 • 552 Fulda
7.49 ° D76 Hamburg
8.22 775 Frankfurt a. M.
8.59 421 Koblenz
9.04 _+ 574 Fulda
9.16 2556 Grünberg über Lollar
9.49 786 Marburg
11.15 E71 Frankfurt a. M.
11.45 o 1618 Betzdorf
12.07 o 554 Fulda
12.24 • 773 Frankfurt a. M.
14.03 o 776 Marburg
14.05 4- 717 Friedberg
14.07 S ® 411 Wetzlar
14.24 4- 2558 Grünberg über Lollar
14.29W o 411 Wetzlar
14.45 4- 505 Gelnhausen
15.23 376 Hagen (Hbf.)
16.33 4- 719 Frankfurt a. M.
16.56 4- 562 Fulda
17.16 794 Marburg
17.57 • 2560 Grünberg über Lollar
18.10 707 Frankfurt a. M.
18.35 4-1634 Wetzlar
19.24 1636 Dillenburg
19.35 E72 Hannover
19.36 o 507 Gelnhausen
19.37 4- 473 Limburg
19.56 • 781 Frankfurt a. M.
21.04 ® 415 Koblenz
21.34 ° 513 Gelnhausen
21.34 568 Fulda
21.48 4- 483 Weilburg
22.07 o D75 Frankfurt a. M.
22.31 1644 Dillenburg
23.44 D17 Frankfurt a. M.
Alle oben angeführten Züge verkehren täglich, mit Ausnahme der mit einem ° versehenen Züge, die zeitweise ausfallen können. Ihr Ausfall wird durch Aushang besonders bekanntgegeben.
Die mit einem 4- versehenen Züge verkehren zur
besseren Bedienung des Berufsverkehrs. Mtt einem zeitweiligen Ausfall dieser Züge muß gerechnet werden.
Abfahrt her Züge.
Zeit Zug-Nr. in Richtung
4.36 ° 704 Frankfurt a. M. 4.48 4- 404 Wetzlar 5.22 0 1611 Dillenburg 5.28 o 799 Marburg 5.38 o 504 Gelnhausen 5.47 D18 Frankfurt a. M.
6.21 o 2551 Grünberg über Lollar
6.50 1615 Troisdorf
7.11 4- 792 Friedberg
7.53 o D76 Frankfurt a. M
8.27 ° 506 Gelnhausen
8.37 775 Marburg
8.38 553 Fulda
9.55 786 Frankfurt a. M.
10.32 1625 Siegen
11.19 E71 Hannover
11.23 ,4- 573 Fulda 12.12 o 1627 Troisdorf 12.33 o 773 Marburg 12.39 4- 780 Frankfurt a. M. 12.44 ,4- 555 Fulda 13.42 4-1728 Wetzlar 14.10 4- 416 Wetzlar
14.52 o 796 Frankfurt a. M.
15.15 4- 2555 Grünberg über Lollar 15.17 375 Hagen (Hbf.)
16.16 4-' 446 Limburg 16.38 4- 518 Gelnhausen 17.00 0 2561 Lollar
17.26 o 794 Frankfurt a. M.
17.40 ° 1635 Dillenburg 18.01 o 565 Fulda 18.20 707 Kassel
18.26 420 Koblenz
18.40 4-: 726 Frankfurt a. M. 18.55 512 Gelnhausen
19.41 E72 Frankfurt a. M.
19.52 [4; 708 Frankfurt a. M.
19.59 4- 482 Limburg
20.10 o 559 Futea 21.17 0 2559 Londorf 22.11 o 075 Hamburg 22.48 782 Frankfurt a. M.
23.08 0 1649 Dillenburg 23.11 4- 569 Grünberg 23.12 4-, 516 Nidda 23.46 D17 Berlin-Charlottenburg
Aus der Gtadi Gießen.
,Es fcptemberlet*
In alemanmschen Gauen sagt man, wenn jetzt die Witterung tagsüber schön hell, warm, dabei frischluftig ist und abends, wie frühmorgens doch schon einen leichten Herbstgeschmack hat: „Es feptemder- let", d. h. es ist normales Septemberwetter. Und das wünschen wir uns auch für dieses Jahr wieder, denn in vielfacher Beziehung ist für die Bauern und Winzer die klimatische Entwicklung dieses Monats bedeutsam. Das zeigen auch verschiedene Bauernregeln.
„An Septemberregen für Saat und Reben ist dem Bauern wie dem Winzer gelegen."
Ja, selbst ein spätsommerliches Donnerwetter ist nicht unerwünscht:
„Vor Septembergewittern braucht der Bauer nicht zu zittern: je öfter sie grollen fürwahr, desto fruchtbarer
’ 5* Nächstjahr."
Im übrigen sagt man, Septembergewitter künden Schnee für Spätwinter und Frühlenz: untd das sind ja wiederum Vorzeichen eines normalen Folgesommers.
Don den einzelnen Kalendertagen haben viele ihren Platz im alten deutschen Bauernsprichwort. Der 1. September ist Aegrdistag:
,^st Aegidius hübsch und rein,
wird's schön den ganzen September sein!"
Am 12. September ist Mariä Namensfest. In Württemberg liegt nun das Saatkorn berstt, getreu dem alten Brauch: „Mariä Name bringt de erschte Same." Zum Lambertstage, dem 17. September, sagt man: „Ist Lambertus trocken zu seh'n, so kann man in jeden Krötenpfuhl Roggen sä'n", nämlich mit der Aussicht, daß er gedeiht. Der wichtigste: ,Lostag" aber — von althochdeutsch „kiozan", das Los werfen, wahrsagen — ist der Michelstag, der 29. September. Da gibt es eine Menge Buernreime und Dolksweisheiten: „Auf nosien Michaelstag ein nasser Herbst auch folgen mag." Und im unteren Maintal, Franken, heißt es:
„Wenn der Nordost an Michel weht, ein harter Winter vor der Türe steht." Und der Rebbauer sagt:
„Friert der Weinstock am Michelstag, friert's ihm auch im Mai danach."
Ein interessantes Wetterorokel sagt unter deutlicher Bezugnahme auf die nunmehr bemerkbare Tag- und Nachtgleiche: „Wie der Wind an Michaeli in den 12 Tagesstunden geht, so geht er an den 12 kommenden Monaten." Weht also Ostwind am 29. September morgens von 6 bis 7 Uhr und ist Westwind am gleichen Tage von 17 bis 18 Uhr, fo gibt es im Oktober viele Ostwinde und im nächstjährigen September vorwiegend Westwinde. Solche detaillierende Wetterregeln sind auch sonst häufig in unserem Volkstum. Im übrigen bleibt der September vom Anbeginn bis zum Ende Beroitschaftszett für den Sämann: es heißt drum vielerorts:
„Wenn der Michel sät, ist's nit zu früh und nit zu fpät!"
W.L.
Dornotizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Paradies für Junggesellen".
Herbstliche Gaben des Waldes.
Die deutschen Wälder bringen auch im Spätsommer noch eine Fülle von Wildfrüchten hervor. Sie warten nur darauf, daß wir sie ernten. Aus den Früchten der Brombeere läßt sich ein guter Saft zubereiten. Er wirkt in hohem Maße schweißttei- bend und schleimlösend. Brombeermarmelade gehört zu den köstlichsten. Der Saft der Holunderbeere ergibt, mit deutschem Sago oder Getreideflocken zubereitet, erfrischende kalte Fruchtsuppen und im Winter mit Nelken, Zimmt und einer Zitronen« scheibe einen prachtvoll einheizenden Punsch. Die Preißelbeere liefert, mit Zucker gedämpft, ein feines, herhes Kompott. Die Hagebutte, die Frucht der Wildrose, ist am besten nach dem ersten Frost zu ernten. Hagebuttenmark ist ein Nahrungsmittel von besonders hohem Wert, sehr fein im Geschmack und sehr nahrhaft. Die Früchte werden längs durchge- schnitten und die Kerne ausgeschabt, die getrocknet einen schmackhaften Tee ergeben. Die gewaschenen halben Früchte werden in Wasser weichgekocht und erst durch ein Küchensieb, dann durch ein Haarsieb gerührt, dann kocht man sie mtt Zucker zusam
men kurz auf, füllt sie in Gläser und sterilisiert. Außer diesen überall bekannten WiDfrüchten schenkt uns der Wald noch andere, die uns fremder sind. Die Berberitze, auch Sauerdorn genannt, findet sich auf kalkhaltigem Boden in Hecken, Gebüschen und im Wald. Die Frucht ist eine länglich scharlachrote Beere, aus der sich ein erfrischender Saft gewinnen läßt. Die braunen, walnußgroßen Früchte der Mispel sind musartig weich und schmecken säuerlich. Sie eignen sich vorzüglich für Mischfruchtmarmeladen mit Aepfeln, Birnen oder Beeren. Die Schlehe oder der Schwarzdorn schenkt uns eine Fülle von blauschwarzen Beeren, die einen köstlichen Saft liefern. Die Haselnuß ist von besonders großer Nährkrast. Sie enthält 17,4 v. H. Eiweißstoffe, 62,6 v. H. Fett und 7 v. H. Kohlehydrate. Bucheckern werden leider noch viel zu wenig geschätzt. Sie sind ebenso nahrhaft und wohlschmeckend wie Haselnüsse.
Verkehrsunfälle.
Der Kraftfahrer Hermann Schmidt aus Offenbach a. M. erlitt hier in der Ludwigstraße einen Autounfall, bei dem der Mann Brust-, Kopf- und Gesichtsverletzungen davontrug. Der fast neue Per
sonenwagen wurde schwer beschädigt und mußte abgeschleppt werden. Der Verunglückte wurde in die Chirurgische Klinik eingekiefert. — Frau Maria Pröscher, die am Donnerstag in der Licher Straße von einem Auto angefahren wurde und mit starken Verletzungen der Chirurgischen Klinik zugeführt werden mußte, ist hier am gestrigen Sonntag an den Folgen der Verletzungen gestorben. — Der 38 Jahre alte Karl Hofmann aus Rodheim a. d. Bieber fuhr mtt seinem Motorrad einen Radfahrer an. Dadurch kam Hofmann zu Fall und erlitt neben einer schweren Gehirnerschütterung noch erhebliche Schädelverletzungen, die seine Ueberfüh- rung nach der Chirurgischen Klinik erforderlich machten.
Achtung im Straßenverkehr bei Verdunkelung!
Jtidjf ohne jede Beleuchtung fahren.
Der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei weist auf folge»cdes hin: Nicht in Bewegung befindliche Fahrzeuge (Kraftfahrzeuge, Fuhrwerke, Fahrräder und Handwagen) müssen auch bei Verdunkelung aus öffentlichen Straßen nach Maßgabe
An die deutschen Frauen!
Alle Frauen und Mädchen, die noch nicht organl- fiert sind, melden sich zur Mitarbeit bei der firete- frauenfchafl, Frankfurter Straße 1, ober beim Deutschen Roten Kreuz, Hitlerwall 41.
Backhaus, Kreisleiter.
der allgemeinen Vorschriften unter Beachtung der Erfordernisse der Verdunkelung beleuchtet sein. Bei Verdunkelung brennen keine Laternen. Sogenannte „Laternengaragen" gibt es dann nicht mehr.
Die amtlichen Kennzeichen an Kraftfahrzeugen müßen auch bei Verdunkelung lesbar sein. Die Kennzeichenbeleuchtung ist abzublenden, wobei die Lichtquelle jedoch auf eine Entfernung von 100 m sichtbar sein muß.
Selbstverständlich ist das Fahren ohne jede Be* leuchtung, wie es leider vielfach beobachtet wurde, verkehrsgefährdend und unverantwortlich. Hiergegen wird schärfftens vorgegangen werden.
Zum Regierungspräsihenten ernannt.
Der Führer hat mit soforttger Wirkung den Landrat des Landkreises Offettbach a. M., Dr. Koch, zum Regierungspräsidenten in Innsbruck ernannt. Regierung spräsDent Dr. Koch hat sich bereite zur Amtsübernahme nach Innsbruck begeben.
Regierungspräsvdent Dr. Koch wurde am 29. Oktober 1902 in Halle a. d. Saale als Sohn des Oberkriegsgerichtsrats i. R. Koch, der seit vielen Jahren in Gießen ansässig ist, geboren. An den Universitäten Gießen und Berlin studierte der nunmehrige Regierungspräsident Rechtswissenschaft, nach seinem Studium urtb seiner praktischen Ausbildung war er an mehreren Gerichten in Hessen als Richter tätig. Im Sommer 1933 wurde er in den Stab des Reichsstatthalters in Hessen berufen und dann am 1. März 1934 zum Kreisdirektor des Kreises Oftenbach a. M. ernannt. Als ^-^Sturmbannführer gehört er der Reichsführung ff an, ferner hat et neben feinen engeren Amtspflichten feine Arbeitskraft auch in der Reichsstelle für Raumordnung und im Rhein-Mainischen Gemeindekulturverband der Volksgemeinschaft gewidmet. Vom April 1938 bis April 1939 war er bei der Rückgliederung der Ostmark und der Eingliederung des Sudetenlandes tätig.
Neue Mineralölbezugsscheine und Tankausweiskarten
nicht vor 31. Oktober.
DNB. Amllich wird folgendes mitgeteitt: Dis von den unteren Verwaltungsbehörden ausgegebenen Mineralölbezugscheine und Tankausweiskarten sind zur Deckung des Bedarfs für zwei Monate bestimmt. Sie berechtigen also zur Entnahme von Vergaser- und Dieselkraftstoffen bis zum 31. Oktober 1939. Alle Verbraucher, die Tankausweiskarten und Mineralölbezugscheine erhalten haben, müssen daher mit den ihnen zugebilligten Mengen bis zum 31. Oktober auskommen. Dor Ablauf dieser Frist werden weitere Mineralölbezugsscheine und Tankausweiskarten nur in besonders begründeten Ausnahmefällen ausgegeben.
Kinder im Erholungsaufenthalt.
Eine Bekanntgabe der 71 SB.
Die NSDAP., Hauptamt für Volkswohlfahrt (NSV.) gibt bekannt: Die in Erholungsaufenthalt wellenden Kinder werden laufend in die Heimat zurückbefördert. In einigen Ausnahmefällen verbleiben die Kinder bis auf weiteres in Erholungsaufenthalt. Diese Kinder sind ausnahmslos gut untergebracht und unter ständiger Betreuung der NSV. lieber die Unterbringungsorte der Kinder sind die Ellern bereits in Kenntnis gesetzt oder erhalten in Kürze Nachricht.
Oie Versorgung
von Warmwafferanlagen.
Zur Verbrauchsregelung für Hausbrandkohle wird in einer Richtlinie klargestellt, daß den Zentralheizungsanlagen die zentralen Warmwasser- verforgungsanlagen gleichgestellt werden. Sie sollen grundsätzlich weiterbetrieben werden.. Solange die Zentralheizungsanlagen nicht betrieben
Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Gskar Meister, weröau L Sa.
23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Linkerton bietet Smith II die Zigarrenkiste — der Ausgleich für's Anbrüllen — und der bedient sich mit großer Selbstverständlichkeit.
„Verbindlichsten Dank, Herr Inspektor!" schmunzelt er in strammer Haltung. „Und wenn ich mir eine Bemerkung erlauben dürfte: die helle Sandblattzigarre in der vorigen Kiste hat nicht bloß meiner werten Person besser geschmeckt, sondern dürfte auch dem Herrn Inspektor besser bekommen! Ich stelle deshalb ergebenft anheim, bei einer Ergänzung der Bestände ..."
„9tu aber 'raus!" markiert Linkerton den Empörten und greift nach dem hölzernen Löscher.
Darauf ist Smith II mit einem Sprung an der Tür.
„Uebrigens ... wünschen der Herr Inspektor vom Polizripräsidenten, vom Lordmayor oder vom Jn- nemninisterium zur Konferenz gerufen zu werden?"
„You damned bloody old stuffed fellow! Meinetwegen vom Schah von Persien!"
.^Jawohl, Herr Inspektor!" lacht Smith II und verläßt fluchtartig den Raum.
Draußen hört man ihn dann laut rufen: „Mister Holgerson!"
Sinterten aber läßt sich aufieufzend m feinen Sessel fallen und harrt der Dinge, die da kommen sollen.
Holgerson macht keinen sehr guten Eindruck. Er trägt heute doppelte Forsche zur Schau, redet mit einer Stimme, die auch aus dem Korridor zu hören ist, und benimmt sich wie ein gekränkter Großfürst, als chn der Inspektor bittet, feine Ansicht lieber etroas mehr piano zu den Akten zu geben.
„Und bann, hochverehrter Mister Holgerson", setzt Sinterten fein verbindlichstes Lächeln auf, „haben Sie Erbarmen mit einem armen Polizeimenschen' Sehen Sie diesen Stoß Akten!"
Er legt die Hand auf einen gewaltigen Stoß längst abgelegter Akten, der feit Jahren am gleichen Platz liegt und nicht entfernt werden darf, sondern nur als „Besucherschreck" bient
„Das ist mein Tages Pensum! Und ich schlafe auch gerne in der Nacht ein paar Stunden!"
„Verstehe, verstehe!" nickt Holgerson gönnerhaft. „Die beschränkte Zeit! Nun, eigentlich wollte ich die dramatische Zuspitzung noch eine Welle hinausschieben, um die Spannung zu erhöhen! Aber vielleicht ist's ganz gut, ich decke meine Karten gleich auf.
,Zun Sie's! Ich bttte darum!"
Holgerson zieht noch mtt betonter Geste feine edelsteinbesetzte Uhr. .Herrgott ...! Wenige Minuten bis drei Uhr! Ich habe noch eine Fülle von Besorgungen!"
Ein unwilliges Kopfichütteln, das feine eigene Vergeßlichkeit bedauert. Dann ein Grift in die Tasche seines Sakkos. Umständlich öffnet er die Brieftasche, legt mit großer Gebärde eine schmale Karte vor den Inspektor.
„Bitte!"
„Wollen Sie mir etwa auch ..." Linkerton bleibt der Satz im Halse stecken. Er starrt auf die Visitenkarte. Drei schwarze Sterne. Aus der Rückseite steht zu lesen:
,^Jn den Abendstunden!"
„Wo haben Sie die Karte her?" bellt er los. „Das ist ja ein geradezu herausforderndes Affentheater! Sind wir hier im Kintopp oder in einem europäischen Staat?"
„Bitte, bitte!" entrüstet sich Holgerson verletzt. „Das ist schließlich Ihre Aufgabe, den Absender herauszufinden! Ich halte die Sache ja im Grunde meines Herzens für einen dummen Witz. Allerdings ... mein verstorbener Schwiegervater hat ja auch so eine Nachricht bekommen ... und Mister William Perkins desgleichen. Da kann doch schließlich die Vermutung auftauchen, daß es nicht nur ein Narrenspiel ist, sondern etwas sehr Ernstes! Schließlich bin ich nicht hierhergekommen, um mich anschnauzen zu lassen!"
Linkerton winkt müde ab. „Entschuldigen Sie, aber wenn man so im Dunkeln tappt, wird man nervös. Ist die Karte mit der Post gekommen?"
„Aber nein! Ich sand sie in meiner Jackettasche, heute, kurz vor dem Lunch. Mister Perkins erzählte mir daraus, daß er eine ähnliche Drohung erhalten
habe. Der glaubt ja fest daran. Er hat feine Koffer fchon gepackt."
„Ah ... er will abreisen?"
„Sicher. Sobald hier alles erledigt ift, fährt er nach Schweden zurück.- Ihn quält die Furcht vor dem unbekannten Mörder Tag und Nacht."
Linkerton geht mit großen Schritten auf und ab. Hol's der Henker, das ist eine ganz verteufelte Geschichte. Wie kriegte der Unbekannte die Karte überhaupt in die Tasche Holgersons?
Er fragt, aber der Sänger kann keine Erklärung geben.
„Ich trage das Jackett feit heute morgen."
. „War die Karte nicht bereits drinnen?^
„Kann ich mir kaum denken. Ich habe meine Zigarettendose, die Geldtasche, meine Haltstabletten und ein paar andere Kleinigkeiten vom Nachttisch ins bie Taschen verteilt. Dabei hätte ich sie fa fühlen müssen."
„Wo waren Sie am Vormittag?"
„Eine Stunde im Kaffeehaus. Was ich sonst getan habe? Gott, wie man so einen Tat totschlägt! Rauchen, Lesen ... ein wenig Ueben ..."
„Und nach dem Lunch war die Karte plötzlich in der Tasche? Seltsam! Sie werden doch zugeben, daß sie irgend jemand hineinprakttziert haben muß! Es bleibt gar kein anderer Ausweg: der Unbekannte befindet sich in Ihrem Hause oder hat zumindest einen Helfer dort. Augenblick, bitte!"
Der Fernsprecher schnurrt. Sinterten reicht den Hörer dem Sänger.
Ein paar Worte nur tönen aus der Membrane. Holgerson springt in höchster Erregung auf, greift sich mit der freien Linken an den Hals, als würde ihn die entsetzliche Nachricht.
„Um's Himmels willen!" flüstert er, läßt den Hörer achtlos sinken und starrt den Beamten an.
„Das ist ja ... entschuldigen Sie mich, Herr Inspektor, ich muß sofort ins Werk! Der Anruf kam von Mister Perkins. Er hat soeben festgestellt, daß die wichtigsten Pläne, unsere neuen Pläne, ge- stohlen sind. Gestohlen aus dem Safe!"
„Die Pläne gestohlen? Die von Hellmers?" Lin- ferton bekommt blanke Augen. Doll Angriffslust springt er auf. „Das paßt ja großartig!" lacht er. „Endlich bekommt die blödsinnige Sache Hand und Fuß! Los! Ich komme mit! ... Smich zwoool"
Der Ruf donnert über die Gänge, aber Smith II ist schneller als das Echo, er steht schon da.
„Herr Inspektor?"
„Einbruch! Photograph! Hafenplätze und Flugzeugstattonen in Alarm, Stadtgrenzen sperren, am Apparat bleiben, Anweisungen abwarten!"
Smith II reißt die Hacken zusammen., Wenn's drauf anfommt, spricht er fein überflüssiges Wort, sondern handelt mit der Sicherheit eines Automaten und dem Scharfsinn eines erfahrenen hellen Kopses. Er wird zum lautlosen Schatten seines Herrn.
Holgerson hat Mühe, dem eilenden Inspektor zu folgen. Im Hof heult schon der Dienstwagen heran.
Smith II führt die Regie, und es klappt.
20.
Mordalarm.
Sinterten tobt. Er kocht vor Wut und Enttäuschung. Aber nur innerlich. Aeußerlich ist er die Ruhe selbst. Lächelt jovial, väterlich, verbindlich, zuvorkommend, roie's ihm gerade passend erscheint. Er vernimmt an Ort und Stelle alle Werkangehörigen, die irgendwie im Laboratoriumsgebäude zu tun haben, den Diener, die Assistenten, die Chemiker: sogar die Putzftau wird hergeholt. Ergebnis: nichts! Rein nichts!
Weiß der Teufel, man könnte den ganzen Kram hinhauen und seiner Wege gehen.
Der Tresor weist keinerlei Spuren einer Beschädigung auf. Er ist nicht erbrochen. Er ist mit einem Schlüssel geöffnet, und bei der modernen Konstruktton kann er nur mit dem richtigen Schlüssel geöffnet sein. Mit sicherem Griff ist nur das Haupt- stück der Pläne entfernt. Ein Fachmann also.
„Wer besitzt einen Schlüssel? Wieviel Schlüssel gibt es hierzu?"
„Zwei. Den einen hat Dokter Hellmers. Den andern Mister Pembroke!"
„Wo ist dieser Pembroke? Wo steckt denn der interessante Mann?"
„Das weiß nie jemand von uns", lächelt der Assistent. „Vielleicht im Werk, vielleicht auch nicht. Er kann sich scheinbar unsichtbar machen. Ich würde ihn auch kaum erkennen. Wir wissen nur, daß er von allen Türen den zweiten Schlüssel hat."
(Fortsetzung folgt)


