Ausgabe 
4.9.1939
 
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Ur. 206 Erstes ölan

189. Jahrgang

Montag, September 1939

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Der nördliche Korridor völlig abgeschnitten, przasnysz genommen. Luftwaffe zerstörte wichtige Bahnverbindungen. Zwei polnische Kriegsschiffe versenkt.

X

Berlin, 4. Sept (DRV.Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Von den aus Schlesien und südlich vor­gehenden Truppen drangen nördlich der hohen Tatra und südlich des Industriegebietes starke Kräfte dem aus Krakau zurückweichenden Gegner nach. Ostwärts plock wurde der Weichselübergang erkämpft. Nördlich des Industriegebiets konnten unsere Truppen den zurückgehenden Feind über die Linie Wonie- pol Kamiensk und über die Wartha nordöstlich Wielun im scharfen Vordrängen zurück­drängen. Unfere Truppen haben sich S i e r a d z auf 20 Kilometer genähert.

Die pommersche Kräftegruppe erreichte mit starken Kräften die Weichsel bei Kulm. Das Abschneiden der im nördlichen Korridor stehenden polnischen Kräfte ist damit vollendet. Der deutsche Angriff gegen die Festung Gra ud enz ist im Vordosien in die F o rt- linien eingedrungen.

Die aus Ostpreußen vorgehende Kräftegruppe nahm P r z a s n y s z. Polnische Kavallerie, die nörd­lich Treuburg versuchte, in deutsches Land einzu­dringen, wurde zurückgeworfen.

Die deutsche Luftwaffe führte im Laufe des 3. September vermehrt ihre Angriffe auf militärisch-wichtige Verkehrsanlagen und größere Truppentransporte durch. Der wiederholte Einsatz von Flak und Sturzkampfflie­gern trug wesentlich zu dem raschen Erfolg der aus Schlesien vorgehenden Truppen bei.

Die Bahnverbindungen KutnoWar­schau, Krakau Lemberg, Kielce Warschau Thorn Deutsch-Eylau wurden zerstört. Es sind zahlreiche Zugentgleisungen, Explo­sionen und Brände festgeslellt worden. Der Bahnhof hohensalza liegt in Trüm­mern. In Okecieen bei Warschau wurde das dor­tige Flugzeugwerk schwer beschädigt. Das von den Polen bereitgestellte Reserve- Flugzeugmaterial wurde vernichtet. Bei einem Luftkampf über Warschau wur­den sieben polnische Flugzeuge und ein polnischer, Ballon ohne eigene Ver­luste abgeschossen.

scher Flak und Jäger ein. Diese Abwehr konnte und kann jedoch nicht mehr die Tatsache verschleiern, daß die polnische Luftwaffe durch Ver­nichtung ihrer wichtigsten Stützpunkte schon jetzt aufs schwer st e getroffen worden ist.

Tschenstochau und Vereist genommen.

Durchbruchsversuch derPolnischenKorridortruppen abgewiesen

DNB. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Am Nachmittag des 2. 9. und in den Morgenstunden des 3. 9. drangen die Truppen des deutschen Heeres auf allen Fronten erfolgreich wei­

Berlin, 3. Sept. (DNB.) Wir möchten nicht versäumen, der Welt von einem überaus bemer­kenswerten Widerspruch in zwei politischen Erklä­rungen Mitteilung zu machen. Während Minister­präsident C h a m b er l a i n die von amtlicher deut­scher Seite wiederholt dementierte Lüge erneut ver­breitet hat, daß die deutsche Reichsregierung Polen keinerlei Verhandlungsvorschläge zur Kenntnis gebracht habe und Chamberlain auf diese Behauptung den Abbruch der eng­lischen Beziehungen zum Deutschen Reich maßgeblich stützte, hat der polnische Rundfunk Herrn Chamberlain unfreiwillig Lügen gestraft.

Am Sonntagmorgen um 8 Uhr nämlich hat der Warschauer Rundfunk in seiner Morgensendung an die polnischen Bauern erklären:Deutschland ist wahn­sinnig geworden, weil Polen seine Vorschläge ab gelehnt hat." Wir fragen: Wie kann von der Ablehnung von Vorschlägen seitens Polen die Rede sein, wenn die Warschauer Regie­rung von einem Verhandlungsoorschlag niemals Kenntnis erhalten haben soll? Herrn Cham­berlain wird es schwer fallen, diesen Widerspruch vor der Weltöffentlichkeit aufrechtzuerhalten oder gar zu begründen.

Der Straßburger Sender verbreitete, die deutsche Reichsregierung habe erklärt, Polen hätte die am Abend des 31. August bekanntgegebenen Vorschläge abgelehnt, ^während sich in Wirklichkeit Sie polnische Ablehnung auf andere Vorschläge bezogen habe, die Polen von der Reichsregierung am 29. August übermittelt worden waren. Im gleichen Atemzug behauptet der Sen­der, daß Deutschland sein Manöver mit Hilfe

ter tief auf polnischem Gebiet vor. Tschen­stochau wurde genommen. Ostwärts W i e - l u n wurde die Warthe überschritten. Ein Versuch der im Korridor abgeschnittenen pol­nischen Truppen, nach Süden durchzubrechen, wurde abgewiesen. Berent ist in deut­scher Hand.

Nach der entscheidenden Wirkung des Einsatzes der deutschen Luftwaffe am 2. September be­herrschten die Divisionen der beiden gegen Polen eingesetzten Luftflotten uneingeschränkt den polnischen Luftraum und stehen wieder einsatzbereit in ihren Absprung­häfen. Die Einheiten der bisher nicht ein­gesetzten Luftflotten stehen wie bisher in ihr en Fliegerhorsten bereit.

dreier verschiedener Pläne ausgeführt habe, von denen der erste vor der deutschen Oefsent- lichkeit geheim gehalten wurde und den Zweck hatte, eine polnische Ablehnung zu provozie­ren, während der zweite zu einem Meinungs­austausch hätte fuhren können.

Abgesehen davon, daß es dem Lügensender nicht möglich ist, den dritten Plan näher zu um­reißen, ist der polnischen Regierung am 29. August kein deutscher Plan übermittelt worden. Ueberdtes ist der britische Botschafter Sir Neville Hendersen in der Nacht vom 30. zum 31. August vom Reichsminister des Auswärtigen von Ribben- ttop in allen Einzelheiten von jenem Vorschlag in Kenntnis gesetzt worden, der am 31. August abends der deutschen Oeffentlich- keit bekanntgegeben wurde und der als von Po­len abgelehnt betrachtet werden mußte, nach­dem die polnische Regierung zwei volle Tage mit der Namhaftmachung und Entsendung eines zu Verhandlungen bevollmächtigten Vertreters w a r - t e n ließ.

Frankreich leistet polen Verstand

Berlin-, 3. September (DNB.) Am Sonntag­mittag gegen 13 Uhr hat der französische Bot­schafter in Berlin Eoulondre dem Reichsmini­ster von Ribbentrop davon Mitteilung ge­macht, daß sich Frankreich, falls Deutschland nicht gewillt sei seine Truppen aus Polen zurückzuziehen, ab 17 Uhr verpflichtet fähe Polen Bei st and zu leisten.

Wir wollen siegen und wir werden siegen.

Drei Tage lang hat man in London dazu ge­braucht, um den Pfeil gegen Deutschland abzu- jchießen, der schon seit Wochen und Monaten loie im Köcher saß. Denn darüber herrscht jetzt nach der verlogenen und intriganten Behandlung des ebenso maßvollen wie großzügigen deutschen Vorschlags zur friedlichen Regelung des Danzig-Korridor- Problems volle Klarheit: England wollte diese oder irgendeine friedliche Regelung in Wahrheit gar nicht. Es wollte einen Kriegsgrund und da er sich nicht finden lassen wollte, weil des Führers Vorschlag selbst für waschechte Demokra­ten, wenn sie einmal ehrlich sein wollen, plausibel und unanfechtbar war, so mußte England seine Zu­flucht zu den fadenscheinigsten Vorwänden nehmen, die an leicht nachgewiesenen Widersprüchen und inneren Unmöglichkeiten bereits in sich zusammen­gebrochen sind. England hat tatsächlich seine Ver- mittlungsbereitschaft im deutsch-polnischen Konflikt nur vorgetäuscht, denn es hat in Warschau keiner­lei Schritte unternommen, die einer ernstgenomme­nen Vermittlungsbereitschaft entsprochen hätten. Man hat in London offensichtlich ein Einlenken Polens gar nicht erwartet und auch gar nicht ge­wünscht, sonst hätte auch nur ein Wink Englands genügen müssen, den Polen klar zu machen, daß der deutsche Vorschlag für sie eine letzte Chance sei, aus der Sackgasse herauszukommen, in die sie sich in blindem Vertrauen auf die englische Blankovoll­macht begeben hatten. Aber diese Vollmacht war schon erteilt worden, weil England zum Kriege ent­schlossen war. Das anmaßende Ultimatum der bri­tischen Regierung setzt nur den Schlußpunkt unter die zynische Politik Englands, die, wie es der Füh­rer uns allen gestern in seinem Aufruf an das deut­sche Volk wieder in wuchtigen Anklagen in Erinne­rung zurückgerufen, sich in demselben Augenblick wieder gegen das Deutsche Reich wandte, in dem es offenbar wurde, daß Deutschland sich unter national­sozialistischer Führung von den furchtbaren Folgen des Versailler Diktats wieder erholte. Britanniens Weltherrschaftsanspruch verträgt kein blühendes Deutschland, das in feinem natürlichen Lebensraum alle nationalen Kräfte entwickelt.

Im Vollgefühl unseres guten Gewissens, das von keiner unüberbrückbaren Divergenz der Interessen beider Völker wußte, haben wir England immer wieder Verständigung und Freundschaft angeboten. Das deutsch-britische Flottenabkommen mit der darin festgelegten -freiwilligen Beschränkung des deutschen Schiffbaues sollte den Engländern jede Befürchtung nehmen, als ob ein wieder erstarktes Deutsches Reich jemals wkeder die Tradition der Flottenrivalität des wilhelminischen Zeitalters er­neuern könnte. In England hat man diese groß­zügige und weitschauende Geste des Führers völlig mißverstanden und statt den Weg freundschaftlicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit zu beschrei­ten, den der Führer gebahnt hatte, jene unaufrich­tige und hinterhältige Einkreisungspolitik einge- fäoelt, sobald das nationalsozialistische Deutschland damit ernst machte, seine Forderung auf friedliche Revision der die Ehre und die Lebensnotwendig-

Warschauer Rundfunk widerlegt Chamberlain

polen ha^ doch Lerhandiungsvorschläge erhalten.

Die S e e st r e i t k r ä f t e waren auch gestern erfolgreich tätig. Zerstörer haben die im Kriegshafen von Heia liegenden feindlichen Schiffe unter wirkungsvolles Feuer genpmmen. Vor der Danziger Bucht wurde ein polnisches U-Boot versenkt. Lust- ancsriffe gegen ©hingen und hela wur­den erneuert und brachten hierbei den polnischen ZerstörerViecher" zum Sinken. Der MinenlegerGreys" wurde schwer be­schädigt.

3m Westen bisher keine Kampfhandlungen.

Die polnische Lustwaffe aufs schwerste getroffen.

......., 3. Sept. (DNB.) Während des Dor- marlches des Heeres hat sich auch am Samstag die absolute Überlegenheit der deutschen über die polnische Luftwaffe klar erwiesen. Der gesamte Luft­raum über dem Kampfgebiet und dem Hinterge­lände wird restlos von der deutschen Luftwaffe beherrscht. Die zahlreichen Angriffe der deutschen Luftwaffe beschränken sich weisungsge­mäß ausschließlich auf militärische Anlagen. Don den Vormittagsstunden an haben deutsche Aufklärer durch Feststellung pol­nischer Heeresbewegungen den Vormarsch des Hee­res wirksam unterstützt. Die rege Aufklärungstätig­keit schuf den Kampfeinheiten die Möglichkeiten zu ständig wiederholten Einzelangriffen.

Nachdem deutsche Panzereinheiten in den Mitagsstunden eine Bahnlinie und bald darauf die Weichsel erreicht hatten, griffen deutsche Kampfstaffeln wiederholt wirksam Weichsel- üb ergänze an. Eine Weichselbrücke und ein Brückenschlag wurden durch zahlreiche Bomben zer­stört. Ein Wald wurde in Brand gesetzt. Besonders wirksam waren fortgesetzte Angriffe deutscher Kampfeinheiten gegen die nach Südosten zurück- aehenden polnischen Kompanien. Hier hatten die Angriffe unserer Luftwaffe eine vielfach deutlich beobachtete vernichtende Wirkung. Ein wichtiger Bahnhof wurde ebenfalls mit Bomben belegt.

Die militärischen Anlagen bei Hela wurden im Laufe des Samstags wiederholt von Kampfeinheiten angegriffen und wirksam zerstört. An einzelnen Stellen setzte Abwehr polni-

Der Führer Hai sich zurOstarmee an die Front begeben.

Berlin, 3. Sept. (DNB.) Kaum hatte die Be­völkerung der Reichshauptstadt am Sonntagnachmit­tag über den Rundfunk von der provokatorischen Note Englands und von dem deutschen Antwort­memorandum Kenntnis erhalten, kaum waren die Aufrufe des Führers und die Nachricht von feiner bevorstehenden Abreise zur Ostarmee bekanntgewor- den, als auch schon Tausende von Berli­nern in die Innen st a d t strömten und die Wilhelmstraße und den Wilhelmplatz belagerten. Aber es wird dunkel, bis ihr sehnlichster Wunsch Erfüllung wird.

Gleich allen Sttaßen und Plätzen Berlins liegt auch de^ Wilhelmplatz in tiefer Dunkelheit. Wie schwarze Silhouetten heben sich die Reichskanzlei und die Ministerien gegen den fast wolkenlosen, im matten Mondschein erhellten Sternenhimmel ab. Noch immer weht vom Dach der Reichskanzlei d i e Fahne d e s Führers. Noch immer stehen in dichten Mauern die Menschen. Sie wanken und weichen nicht. Man hat den Eindruck, sie würden, wenn sich die Abfahrt verzögern sollte, noch am kommenden Morgen hier ausharren, um dem ersten Soldaten des deutschen Volkes bei seiner Abreise 3ur Front als Ausdruck unwandelbarer Entschlossenheit ihre Grüße zurufen zu können. Männer und Frauen, alte und junge, Arbeiter der Stirn und der Faust, aus den Fabriken und aus den Betrieben, stehen Schulter an Schulter: Volksgenossen und' Kameraden, verbunden durch das stolze Bewußtsein der Unbesiegbarkeit des Vaterlandes und durch das gleiche einigende Band der Hingabe und Liebe zum Führer.

Endlich öffnet sich das Portal der Reichskanzlei. Einige Sekunden erwartungs­vollen Schweigens. In langsamer Fahrt biegt ein Kraftwagen mit vorschriftsmäßig abgeblendenten Scheinwerfern in die Wilhelmstraße ein. Ist es der Wagen des Führers? Nein! Es sind erst die Männer seiner unmittelbaren Begleitung. Aber im zweiten oder dritten Wagen, das muß der Führer sein! Einen Augenblick blenden die Scheinwerferbündel eines Wochenschauwagens auf! Ja, es ist der Führer!

Und da kennen die Menschen kein Halten mehr, durchbrechen die dünnen Ketten der absperrenden

Schutzpolizei, drängen nach vorn, em Jubelschrei erfüllt die Luft und tausendstimmige Heilrufe bran­den 3um nächtlichen Himmel empor.

Wenn auch die in den hinteren Reihen den Füh­rer gar nicht sehen können, der zündende , Funke der Begeisterung dringt von Herz zu Herz'. Heil! Heil! Heil! Und die Rufe pflanzen sich fort die Wilhelmstraße entlang, und sie klingen wie ein Schwur: Führer, befiel, wir folgen in blindem Ge­

horsam, in bedingungsloser Opferbereitschaft, in stahlhartem Willen und Glauben an den Sieg der gerechten Sache. Führer, befiehl,, wir folgen dir, wenn es sein muß, bis in den ot!

Unauslöschlich wird das GrkLtoU dieser welthisto­rischen Stunde, da der Mann, der Deutschlands Größe geschmiedet hat, an die Ostfront zu seinen Soldaten abgefahren ist, sich in die Herzen aller, die dabei gewesen sind, einzugraben.

Neben dem Führer Hauptmann v. Below, der Adjutant der Wehrmacht beim Führer, und ^-Gruppen­führer Schaub. -- Presse-Jllustration-Hoffmann-M,

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