Auszeichnung treuer Beamter des Postamts Gießen.
Heute morgen fand im hiesigen Postamt die feierliche Uebergabe der Treudienstehrenzeichen (2. Stufe) an 57 Beamte des Postamtes Gießen statt, die für über 25jährige Dienstzeit mit dem Ehrenzeichen bedacht werden konnten. Postamtmann K e i s e r, der derzeitige Leiter des Postamtes Gießen, hielt eine kurze Ansprache in der er den Beamten Dank und Anerkennung aussprach für die bisherige jahrzehnte- lange Arbeit im Dienste der Reichspost, er machte ober auch darauf aufmerksam, daß die Verleihung des Treudienstehrenzeichens die Verpflichtung bedeute, sich mit allem Eifer und unter dem Einsatz des ganzen Könnens auch fernerhin dem Berufe und dem Dienst an der Volksgemeinschaft hinzugeben und dem Führer Adolf Hitler die Treue zu halten. Abschließend übermittelte Postamtmann steifer den treuen Beamten die Glückwünsche des Reichspost- Ministers, des Präsidenten der Reichspostdirektion und des Postamtes Gießen. Gleichzeitig mit seinen persönlichen Glückwünschen überreichte er unter Handschlag die Ehrenzeichen an folgende Beamte:
Treudienst-Ehrenzeichen 2. Stufe haben erhalten: die Oberpostinspektoren Paul Jung, Ludwig Köh-
linger, Heinrich Sahm, Johannes Schäfer, Wilhelm Friedrich, Georg Faust; die Postinspektoren Wil- Helm Altmannsperger, Heinrich Gerbig, Ludwig Keller, Heinrich Kern, Otto Scheller, Bruno Schmöker, Paul Schuld!, Karl Thron, Friedrich Wolf, Ludwig Friedrich, Adam Lotz; der Oberpostsekretär Georg Korell; die Postsekretäre Karl Müller III. Gustav Bindingshaus; die Postassistenten Richard Neubauer, Karl Müller II., Johannes Müller, Friedrich Jung, Heinrich Habicht, Heinrich Fink, Georg Eckhardt, Karl Einhauser, Otto Diehl, Georg Christ, Eduard Brückmann, Heinrich Berg, Ludwig Beck; die Postbetriebsassistenten Karl Hofmann, Otto Kaiser, Johannes Kind, Heinrich Martin, Karl Melius, Georg Hofmann. Georg Heid, Theodor Bünding, Wilhelm Demper, Heinrich Eisenbach, Johann Flach; die Oberpostschaffner August Heß, Christoph Hochstein, Jakob Gerlach, Karl Gladigow, Johannes Haber; die Postschaffner Konrad Enders, Friedrich Groth, Georg Held, Friedrich Hofmann, Ludwig Hofmann, Heinrich Keßler, Ludwig Mohr, Wilhelm Müller.
Gchroitsammelakiion auch auf dem f an de
NSG. In der Zeit tiom 1. Juli bis einschließlich Mitte August findet im Gau Hessen-Nassau eine neue Schrottsammelaktion statt. Sie erfolgt auf Anordnung des Reichskommissars für Altmaterialverwertung für alle Gaue im westlichen Schrott-Entfallgebiet. Die Sammlung alles überflüssigen Alt- /eisens wird in unserem Gaugebiet durch den Reichs- luftschutzbund in Verbindung mit dem Groß» und Mittelhandel des Rohproduktengewerbes durchgeführt.
Die Luftschutzwarte in den größeren Orten werden dafür Sorge tragen, daß alle entbehrlichen Schrott- mengen einige Tage vor dem von den Kreisbeauftragten für Altmaterialerfassung festgelegten Samrn- lungsterrnin im Hof oder Vorgarten bereitgelegt werden. Schwer transportierbare eiserne Gegenstände werden durch die Beifahrer der Händler aus den Wohnungen, Kellern, Mansarden usw. geholt und zu den Lastwagen bzw. Fuhrwerken gebracht. In den ländlichen Gebieten hat die Hitler-Jugend Anweisung, Vorsammelstellen in den Orten einzurichten, um dorthin den in Schuppen, Kiesgruben und dergl. unnütz herumliegenden Schrott zusammenzutragen.
Gerade auf dem Lande befinden sich noch große Mengen von Alteisen, die der deutschen Volkswirtschaft für die Aufgaben des Reiches nicht vorenthalten werden dürfen. 30 bis 35 Prozent des Der» wendeten Eisens verkommen alljährlich noch auf
dem Land. Diese Mengen müssen unter allen Umständen erfaßt werden. Der deutsche Bauer hat die Pflicht, in seinem Gehöft einmal eine richtige „Inventur" zu machen. Bestimmt sind auf jedem Hofe zerbrochene Rechen, Hacken, Eggen, abgenutzte Rei- fen von Wagenrädern, gebrochene Wagenachsen und vieles andere mehr zu finden. Meist liegen diese Gegenstände, auch emaillierte Eimer und Töpfe, in irgendeinem Winkel oder Schuppen herum und werden vom Rost zerfressen. Außerdem verschönen sie den Hof wirklich nicht und sind oft Gefahrenquellen für Unfälle. Durch Wiederverwendung vop Schrott wird viel Energie, Kohle, Transport, Arbeit und Material gespart. Schrott ist im besten Sinne ein Rohstoff, den es zu erfassen gilt.
Das Ergebnis der neuen Sammelaktion wird auch diesmal wieder die beste Bürgschaft dafür fein, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden. Auf der einen Seite gewinnen Gehöft und Dorf on Schönheit durch das Verschwinden des alten Eisens, ander- feite wird der Volkswirtschaft durch Einsparung von Millionen Reichsmark Devisen geholfen.
Bauern des Gaues Hessen-Nassau! Es geht um Deutschlands Selbstversorgung mit wichtigen Rohstoffen. Hierzu gehört auch die Sammlung des Alt- eisens. Helft daher alle mit, die Versorgungslage der westdeutschen Schrottverbraucher durch ■ Bereitste!» lung der überflüssigen Schrottmengen zu unterstützen.
„Jeder selbständige Handwerker, der nicht durch eine Lebensversicherung von der Versicherungspflicht befreit i>t, muß sich die Versicherungskarte und bte zu klebten ?8eitragsmarten selbst besorgen." Lei dieser Gelegenheit sei noch darauf hingewiesen, daß es fraglich ist, ob die Frist zum Abschluß von Lebensversicherungen, welche mit Rückwirkung auf den 1. Januar von der Angestelltenoersicherung befreien, über den 30. Juni hinaus verlängert wird. Es empfiehlt sich deshalb in jedem Falle, den Lebensoersicherungsantrag sofort zu stellen, weil sonst die Befreiung erst mit dem Zeitpunkt des späteren Abschlusses der Lebensversicherung ein» tritt.
Vom Truppenübungsplatz zurück.
Im Laufe des heutigen Vormittags kehrte unser Infanterie-Regiment 116 nach mehrwöchiger Abwesenheit zu Uebungstroecfen vom Truppenübungsplatz in seine Garnisonstadt Gießen zurück. Die Tvansportzüge kamen feit 5.45 Uhr in Abständen von einigen Stunden hier an, der letzte Transportzug wird gegen 12.30 Uhr auf unserem Bahnhof eintreffen. Mit der Regimentsmusik an der Spitze marschierten die Truppen, von den Volksgenossen herzlich begrüßt, zu den Kasernen.
Weiter denken und deshalb sparen!
Die Reisezeit läßt zahlreiche Volksgenossen die Schönheiten der Heimat kennen lernen. Tausende und Abertausende finden an der See, im Gebirge, an unzähligen Plätzen des weiten deutschen Vaterlandes Erholung und Anregung, neue Kraft für die berufliche Arbeit. Nicht jedem Volksgenossen ist es vergönnt, aus seinem laufenden Einkommen die Kosten einer vielleicht auch nur bescheidenen Reise zu bestreiten, wohl jeder muß in dieser oder jener Form auf Ersparnisse zurückgreifen. Und wenn er solche Rücklagen nicht für das Fahrgeld und für die Kosten des Ferienaufenthalts selbst in Anspruch nehmen muß, so sind doch für jede Reise Anschaffungen zu machen. Der Segen des hilfreichen Sparkassenbuches erweist sich gerade in der Ferienzeit immer wieder. Das Sparguthaben ist somit ein getreuer Helfer bei der Feriengestaltung. Auch sonst sollte jeder, der über den Augenblick hinaus zu denken gewohnt ist, sich dieses treuen Helfers bedienen. So ist es schon jetzt angebracht, an das Weihnachtsfest zu denken. Wer in den Wochen vor dem Weihnachtsfest auf sein Sparkassenguthaben zurückgreifen kann, wird es 'leichter haben, die Kosten für die Gestaltung des Weihnachtsfestes zu bestreiten.
Iohreshauptversommlung der Fleischer-Innung.
Gestern nachmittag hielt die Fleischer-Innung für Stadt und Kreis Gießen ihre Jahreshauptversammlung im Cafs Leib in Gießen ab. Obermeister Pi r r konnte dort neben den zahlreich erschienen Berufs- fameraben und Berufskomeradinnen auch den Kreis- fachschaftswalter der DAF. Stein sowie den Vertreter der Kreishandwerkerschaft Klein willkommen heißen. Obermeister Pirr erstattete sodann den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß sich die Innung allen Anforderungen gewachsen zeigte. Er hob hervor, daß der Fleischbezug an Stelle von lebendem Vieh in erheblichem Umfange geschah. Fleisch wurde im Gesamtgewicht von 400 000 Kilogramm bezogen, was einem Wert von 550 000 Mark entsprach. Sodann dankte der Obermeister allen Mitarbeitern, der Geschäftsstelle, wie auch der Nebenstelle Gießen der Häute- und Fettverwertung. Herz- liche Worte des Gedenkens widmete der Obermeister abschließend dem verstorbenen Berufskameraden Eduard Sack, dessen freue Mitarbeit in der Sache der Innung er gebührend würdigte.
Im weiteren Verlause der Versammlung stand die Vertrauensfrage für den Obermeister auf der Tagesordnung. Die Versammlung sprach in voller Einmütigkeit dem bisherigen Obermeister Pirr ihr Vertrauen aus, so daß er auch fernerhin die Innung leiten wird.
Die Versammlung beschäftigte sich sodann mit einer Reihe von Fragen, die die Kontingentierung, die Derbrauchslenkung und die Zusammenarbeit nut dem. Schlachthof betrafen. Prüfungsobermeister Vogt referierte eingehend über das Lehrlingswesen und stellte dabei heraus, daß sich jeder Meister im Interesse eines guten Berufsnochwuchses feiner Verantwortung in der Lehrlingsausbildung bewußt sein müsse. Von den Lehrlingen müsse mehr verlangt werden als seither, damit ein hoher Lei» stungsstand im Beruf auch für die Zukunft gesichert fei.
Kreisfachschaftswalter Stein sprach über die Tarifordnung und über die dazu ergangenen Er- gänAungen, während der Stellvertreter der Kreis- Handwerkerschaft Klein über die Altersversorgung sprach und alle notwendigen Aufklärungen gab.
Mit dem Treuegruß an den Führer schloß Obermeister Pirr die anregende Versammlung.
Elektrizität auf der Ganseburg.
Daß es in der Nähe unserer Stadt bis vor wenigen lagen noch einen größeren landwirtschaftlichen und Wirtschaftsbetrieb gab, der noch ohne Elektrizität auskommen mußte, ist wohl vielen Lesern unbekannt geblieben, aber dennoch gab es so etwas, nämlich auf der ©anfeburg. Die Zuleitung der Elektrizität war seither mit derart hohen Kosten verbunden, daß es dem Eigentümer Gans nicht möglich war, feinen Betrieb auf Elektrizität umzustellen. Nur dem glücklichen Umstand, daß ein weiterer Interessent, nämlich das Gehöft der Straßenmeisterei der Reichsautobahn bei Reiskirchen sich hmzugesellte, ist es zu danken, daß die Anlagekosten auf ein erträgliches Maß zurück gingen.
Durch bie Unterstützung der Gemeinde Großen» Buseck und durch besonderes Entgegenkommen des
Elektrizitätswerkes Gießen ist nun das Projekt zur Ausführung gekommen. Am vergangenen Samstagabend wurde die Neuanlage durch den Vertreter des Elektrizitätswerkes Gießen, Dip.-Jng. S ch a ff- n e r, der Familie Gans übergeben und sofort in Betrieb genommen. Die Zuleitung wurde durch dos Elektrizitätswerk Gießen, die Hausinstallation durch eine Firma von Großen-Buseck mustergültig ausgeführt und funktioniert ausgezeichnet. Die stets gut« geputzte Petroleumlampe, die zwar etwas rußte, dabei aber auch gleichzeitig ein guter Heizofen war, mußte nun dem angenehmeren elektrischen Licht weichen. Alle diejenigen, die die Anlage entstehen ließen, sowie eine Anzahl Freunde und Gönner der Familie Gans hatten sich zu dem „Lichtfest" eingefunden, und nach einer kräftigen leiblichen Stärkung wurde das Lichtfest gebührend gefeiert. Die Ganseburg, die bereits feit ihrem Bestehen ein beliebter Ausflugsort für die Umgebung ist, wird durch diese Neuanlage bestimmt auch in Zukunft das Interesse und der Anziehungspunkt vieler sein.
Oie Lanvesschweineschau in Gießen.
Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau führt die diesjährige Landesschweineschau in der Rhein-Main- Versteigerungshalle in Gießen durch. Mit dieser Schau, die mit Spitzentieren des Veredelten Landschweines beschickt sein wird, verbindet der Landesverband der Schweinezüchter eine Elite-Eber-Der- fteigerung. Die Landesschau beginnt am 14. September mit dem Auftrieb der Tiere, die Ausstellung und die Versteigerung finden am 15. September statt.
Gießener Dochenmarktprelse.
** Gießen, 4. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, Vt kg 15 bis 20, Weißkraut 15 bis öl), gelbe Rüben 25, das Bündel 12 bis 14, rote Rüben, das Bündel 10 bis 15, Römischkohl, H kg 12 bis 15, Bohnen, grün, 30, Erbsen 20 bis 28, Tomaten 32 bis 45, Zwiebeln 15 bis 18, das Bündel 10 bis 15, Rhabarber 12 bis 14, Pilze 50, Kartoffeln, neue, kg 12 bis 13 Pf., alte, kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,40 bis 4 Mart, Frühkartoffeln, 50 kg 10 Mark, Pfirsiche, V» kg 40 bis 42 Pf., Himbeeren 50, Kirschen 30 bis 48, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 38 bis 48, Blumenkohl, das Stück 10 bis 60, Salat 5 bis 12, Salatgurken 20 bis 45, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 15 Pf.
*
** Ei n Fünfundsiebzigjähriger. Am heutigen Dienstag begeht der Ersenbahnoberinspektor i. R. Rechnungsrat Carl Reinig, Friedensstraße 39 wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frische seinen 75. Geburtstag. Herr Reinig ist geborener Gießener, war u. a. in Köln und Essen lange Jahre im Dienste der Eisenbahn tätig und kehrte nach seiner Versetzung in den Ruhestand in seine Vaterstadt zurück. Er ist seit Jahrzehnten treuer Bezieher des Gießener Anzeigers. Unseren herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.
** Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen: 16. Juni Friedrich Schäfer, ohne Beruf, 77 Jahre, Wetzsteingasse 32; 16. Juni Katharine Goffelmeyer, geb. Huck, ohne Beruf, 71 Jahre, Krof- borfer Straße 29; 17. Juni Lokomotivführer i. R. Georg Ott, 86 Jahre, Hinter der Westanlage 15; 17. Juni Hausangestellte Else 2)eiter, 17 Jahre, Hegstrauchweg 14; 23. Juni Landgerichtspräsident i. R. Ludwig Neuenhagen, 61 Jahre, Bergstraße 39;
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6. Fortsetzung. (Nachbruck verboten.)
„Du bist ja nicht gescheit, Margit! Das wäre ja--", er sah sie scharf an, „das wäre ja ein
Verzicht, Margit?"
Ihr schönes, ebles Gesicht, das blaß geschminkt war und ohne jebe Falte, übergoß ein berückender Schimmer von Wehmut. „Vielleicht, Werner. Es wird Herbst draußen — wie drinnen." Sie zog den hauchdünnenSpitzenschal ein wenig fester um die Schultern, als fröstle sie.
Vallendar schwieg lange. „Ich verstehe dich nicht, Margit", sagte er dann. Er steckte beide Hände in die Jackettaschen und ging wieder hin und her, den Kopf gesenkt.
Und Margit fühlte, wie es hinter seiner Stirn arbeitete.
„Wir wollen noch ein wenig ausgehen, Margit. Ist es dir recht? Vielleicht in den Klub. Oder sonstwohin."
Sogleich stand sie auf. „Mein Wagen steht vor dem Haus, JÖcmer. Vielleicht treffen wir Pernau im Klub."
Wie ein Junge verzog er den Mund. „Dann wurde nur wieder gefachsirnpelt. Lassen wir den Klub und deinen Wagen! Ich möchte den meinen benutzen. Ich habe keine Lust, mit von deinem Chauffeur spazierenfahren zu lassen. Außerdem — ich hätte eigentlich noch etwas mit Preetz zu be- sprechen."
Er vermied ihren Blick, aber sie erriet seine Gedanken. Die schmerzten sie ein wenig. Sie kannte ihn ganz genau. Und er machte es ihr leicht; er konnte nicht lügen und vor ihr sich verstellen ... „Gut! Bestelle den Wagen, Werner!"
«Nein, wir holen ihn selbst. Ich kann bann sehen, ob Preetz schon roieber brüden ist. Wir fahren burch Berlin, Margit. Du neben mir. Wir machen eine richtige Runbreise. Halten vor jeber Bar und schauen hinein. Zeigen uns, wie?" Er lachte. „Das hat so was Romantisches heute. Der bicke Nebel — unb wir unterwegs. Die Lampen scheinen nur ganz gespenstisch. Man kommt sich vor wie ein Schiffer, der nach bem Feuer ber Leuchttürme späht. Ich kann mir bas so gut oorstellen. Dies ganze Berlin ist heute ein Nebelmeer, unb wir gonbeln barin herum unb erwarten Abenteuer. An jeder Ecke
können sie auftauchen... Weißt du, wo ich am liebsten wohnen möchte, Margit?"
„Wie oft habe ich dir geraten, dir ein Haus zu kaufen! Nicht weit von meiner Villa wäre eines zu haben..."
„Aber Margit!" Er fuhr sich mit allen zehn Fingern durchs Haar. „Ich will doch in keiner Villa wohnen! Pernau erzählt mir auch alle Augenblicke solchen Unsinn. Ich will auf bem ßanbe wohnen! In Bärenbruch — herrlich! Uebrigens: Da müssen wir beibe mal hinfahren, im Frühjahr, wenn bie Saat sprießt... Ober in ber Stabt! Mittenbrin will ich wohnen! Daß ich bas Leden mit beiden Händen greifen kann — bloß die Arme auszustrecken brauche. Ja, am liebsten wohnte ich auf bem Turm ber Kaifer-Wilhelm-Gebächtniskirche, ganz oben. Da könnte ich jeden Abend die Straßen überblicken, die dort Aufammenlaufen, unb--*
Er sah sie an unb schämte sich. Begriff, baß sie burch ihn hinburchblickte. „Also jetzt phantasiere ich nicht länger, Margit, fonbern hole beinen Mantel."
Er eilte hinaus, kam roieber unb legte ihr den Pelz um. Dabei sah er ihr in bie Augen. Plötzlich umfaßte er sie. „Margit — glaube mir: Es gibt keine Frau, bie eine herrlichere Kamerabin sein könnte als du!"
Sie legte ihren Kopf an seine Schulter. Kameradin? flüsterten die Gedanken. Nicht Geliebte... Bald werde ich dich verlieren! wußte sie und hörte die starken Schläge feines Herzens. „Du lieber, großer Junge!" sprach sie in ihn hinein, unb in ihrer Stimme schwang ihre ganze Liebe, bie alle Grabe umfaßte, von Schwärmerei bis zu uneigennütziger Mütterlichkeit.
Er horchte dem Tone nach. Sein Arm tag fest um ihre zarte Schulter. Er suchte nach einem Wort, bas ihn befreien sollte, das bie Gefühle erklärte, bie er für sie hegte. Ader er fand es nicht. Es ließ sich nicht ausdrücken ... Zart küßte er ihr silberschim- mernbes Haar und atmete den Dust ein, den es ausströmte. Es kam ihm vor, als dufte es wie eine Rose, die vollerblüht in die Tage des Vergehens schaut. „Komm!" sagte er behutsam, als spräche er ganz etwas anderes. „Komm! Tu deinem großen Jungen den Gefallen! Er gäbe ja sonst doch keine
„Ich weiß es, Werner!" Sie veränderte ihre Stellung nicht. Dann hob sie plötzlich den Kopf unb schlug den Pelzkragen um den Hals.
Es war Vallendar, als sähe er sie zum erstenmal. Es war ein edles, blumenhaft zartes Gesicht. Aber es war ihm nicht mehr so vertraut — nein, nicht mehr so vertraut wie früher ... Er senkte seine Blicke unb öffnete die Tür.
Punkt 9 Uhr kamen bie Wagenwäscher. Das fieben in der Garage begann. Die Motoren brummten. Wenn die Autos aus ber großen Nische, in bie man sie zum Waschen gebracht hatte, herausgefah
ren wurden, spritzten links und rechts kleine Wasserfontänen hoch.
Die Türen der meisten Boxen standen offen. Auch in ihnen waren die Wäscher an der Arbeit. Ganz am Ende des langen Ganges polierten zwei Chauffeure bie Wagen ihrer Herrschaften.
Nun leerte sich der Waschraum. Ein Wagen nach dem andern verschwand in feinem Stall. Die Türen wurden geschlossen.
„Heute roirb's spät Feierabend!" rief der Wagen- Wäscher Hellmuth. „Sonderbar: Zum Ersten wollen alle Leute blitzblanke Wagen haben. Womit bet wohl zusammenhängt?"
„Ouatsch nich tariert, Mensch!" Sein Kamerad Emst Senker schraubte eben einen Schlauch von ber Leitung ab. „Mach zu, daß du den .Garage' in Ordnung kriegst! Wird nett aussehen — nach der Fahrt von Hamburg hierher."
„Richtig — ber .Garage'!" Hellmuth nickte. „Den muß ick wohl piccobello Herrichten — vielleicht läßt dann ber Amerikaner ’n ordentliches Trinkgelb springen. Eigentlich wär es ja Preetz seine Sache."
„Mach schon zu. Mensch! Wer weiß, ob Preetz heute abenb überhaupt noch wieberkommt? Weißt boch, baß seine Frau ein Kinb erwartet!"
„Na, so weit roirb’s ja wohl noch nicht sein. Aber der Preetz hält sich 'ran. Ist schon bas vierte!" Der Wagenwäscher Hellmuth schlenberte durch den langen Gang. Selbstverständlich mußte man Preetz bie Arbeit abnehmen. Konnte man sich ja denken, wie dem zumute war. Immer im Dienst und dann das Gefühl: Zu Hause geht es los? Da liegt die Frau, und die Kinder sind ohne Aufsicht ... Klar, daß man da ein bißchen einspringt!
Als Hellmuth zur Sammelgarage kam, stutzte er. Vor ihm stand der Dücherwagen, links in ber Ecke das „Fräulein", unb zwischen den beiden ber große Mietwagen, den sie einfach „der Garage" getauft hatten, so als Abkürzung für Garagenwagen.
Klemmt sich denn da die Bremse? staunte Hellmuth. Der Wagen hat ja die ganze italienische Nacht hinten in Gang! Tatsächlich: Im Dunkel des großen Raumes strahlten die Lichter des Wagens, bie bunfelroten Bremslichter und das hellrote „Stopp", das eigens über der hinteren Schutzstange angebracht war; ber erste Besitzer des Wagens hatte wohl besonderen Wert darauf gelegt
Hellmuth drängte sich zwischen der „Verleih" und der Wand durch. Er spähte durch die Scheiben. Sein junges Gesicht wurde blaß. Nur mtt Mühe unter- drückte er einen Aufschrei des Schreckens.
Wie auf der Flucht wandte er sich um, zerriß sich den Aermel am Winker der „Verleih", so schnell drängte er sich vorbei. „Emst! Heinrich! Borne- mann! Kommt mal rasch her! Hier ist was ... Da seht mal selbst! Im Wagen."
Zwei Minuten später war bie Garage Alter Westen von fieberhaftem Leben erfüllt. Die Fahrer, bie noch ihre Wagen brachten ober noch einmal fort
fahren wollten, hielten an. Die Chauffeure, die Nachtdienst hatten, um die Spätwagen abzuholen, kamen aus dem kleinen Zimmer, in dem sie sich aufhielten, bis sie angerufen wurden. Sie alle sammelten sich vor der Garage C und starrten den großen Wagen an, dessen Bremslichter so hell glühten. Gespenstisch leuchtete das „Stopp".
„Der Amerikaner!" flüsterte Hellmuth. — „Ich hab' ihn gleich erkannt ... Lauf doch zum Buch- Halter! Er soll an einen Arzt telephonieren!"
„Dem hilft keip Doktor mehr", raunte der Wagenwäscher Ernst.
„Wo rft denn Huckemann? Huckemann soll Müh. sam holen!"
Der Fahrer Friedrich hetzte schon den Gang hinauf. Er stolperte fast, so eilig hatte er es.
Oben an der Benzintankstelle stand Huckemann. „Was ist denn los, Friedrich?"
„Ist dep. Mühsam noch im Büro?"
„Ja, er rechnet ab. Ist doch der Erste."
„Da unten ist was passiert! Der Amerikaner, den ber Preetz heute von Hamburg geholt hat, sitzt tot in seinem Wagen!"
Fritz Huckemann taumelte einen Schritt rückwärts. „Was denn: Tot? Mir war doch so, als hätt' ich ihn vor 'n er Weile hereinkommen sehen. Wußte allerdings nicht genau, ob er's war."
„Sag' dem Mühsam Bescheid! Er soll die Polizei anrufen und ’nen Arzt! Vielleicht ist er bloß ohnmächtig."
„Ich rufe Doktor Römer an!" Fritz lief ins Büro. Gleich darauf klingelte der Fernsprecher. „Können Sie gleich mal Herkommen, Herr Doktor? Ein Unglück in der Garage ...?"
„Ich komme sofort!
„Hier Polizeirevier. Ja, ich verstehe! -Ein Beamter geht sofort los!"
Die Menschenmenge vor der Sammelgaraae wurde immer größer. Die Kunde von dem Geschehnis lies von Mund zu Mund.
„Daß niemand in die Nähe kommt —!" rief Mühsam aufgeregt. „Arzt und Polizei werden gleich dasein ... Wo steckt denn Preetz? Ich habe doch nach ihm geschickt!"
„Ich passe schon auf, Herr Mühsam!" — Hucke- mann hatte sich vor den Eingang ber Sammelgarage gestellt.
„Wieso brennt denn das Stopplicht?" fragte jemand.
Sie starrten alle hin. Es wirkte unheimlich — jetzt, da man wußte, daß in dem Wagen ein Toter faß.
„Er muß den Fuß auf der Bremse haben", flüsterte Hellmuth. „Nee, so was! Ist ooch keen gutes Vorzeichen für den neuen Mieter."
Der Buchhalter hastete wieder ins Büro. Wo blieb denn nur Prectz? Preetz kannte den Mann doch am besten!
(Fortsetzung folgt.)


