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minister Marxel D'e a t im „Oeuvre" einen viel be-
Berlin, 3. Mai. (DBB.) Die deutsche Regierung Hal den fünf schwedischen Borschlägen auf eine Abänderung des Alands-Abkommens im Sinne einer Befestigung der südlichen Alands-Inseln und der Berechtigung zu gewissen anderen militärischen Berteidigungsmahnah- men auf den Inseln z u g e st i m m t. Die Neutralität Schwedens und Finnlands im Falle etwaiger kriegerischer Verwicklungen, die den Ostseeraum berühren, ist dabei eine selbstver - stündliche Voraussetzung. Ebenso selbstverständlich ist. daß die deutsche Haltung gegenüber dem Bölkerbund, dem in dem Alands-Abkom- men gewisse Aufgaben zugewiesen waren, dadurch keine Aenderung erfährt.
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Um die Jahreswende kamen Schweden und Finnland überein, die Signatarmächte der Konvention von 1921, durch die die Neutralisierung und Entmilitarisierung der zu Finnland gehörenden Alandsinseln beschlossen wurde, zu bitten, eine 23 e f e ft i g u n g der südlichen Inseln zu gestatten. Für Finnland ist die Militarisierung auch nur einiger der Inseln schon von ganz erheblicher Bedeutung, aber auch für Schweden, darüber hinaus jedoch für alle Anliegerstaaten der Ostsee, die Sowjetunion ausgenommen. Diese Inseln, zahllose große und kleine Felseneilande, teilweise bewohnt, liegen gerade dort, wo der Bottnische Meerbusen in die Ostsee üb ergeht. An der gleichen Stelle mündet der Finnische Meerbusen
Deutschlands Zustimmung für Befestigung der Alandsinseln
rückgekehrt.
Dor derparlamenisauflösung in Ungarn.
Budapest, 3. Mai. (Europapreß.) Das nach mehrtägiger Pause am Mittwochvormiitag zusam- mengetretene Abgeordnetenhaus stand schon im Zeichen der für Donnerstag angekündigten Parlamentsauslösung. Das Haus nahm als letzten gesetzgeberischen Akt das vom Oberhaus bereits genehmigte verschärfte Judengesetz an. Damit hat das im Oktober 1935 unter der Regierung Gömbös gewählte Parlament seine Aufgabe beendet. Seine vierjährige Tätigkeit stand i m Zeichen d e r großen Reformen, die durch die Verfassungsreform eingeleitet wurden und die Erweiterung der Machtbefugnisse des Re i ch sverwesers und des Oberhauses sowie die Einführung des geheimen Wahlrechtes brachte. 'In dieser Zeit wurde das Jnvestitionsgesetz verabschiedet, durch das eine Milliarde Pengö im Wege
chen, noch bevor England seinen Versuch einer großen Koalitionsbildung unternommen und seine feierliche Garantieerklärung abgegeben habe, hätten sich die Polen den Anschein gegeben, als ob die Danziger Frage geregelt sei. Sie hätten selbst erklärt, Danzig interessiere sie nicht mehr, da der Hafen von Gdingen den ganzen polnischen handel an sich gezogen habe. Unter diesen Umständen wäre die Angliederung Danzigs an Deutschland nur noch eine vielleicht unangenehme aber keineswegs katastrophale Formalität gewesen. Seit zwei Wochen habe sich jedoch die Haltung Polens versteift. Es sei ein etwas starkes Stück, wenn man wegen Danzig Europa in einen Krieg stürzen würde. Die französischen Bauern hätten keinerlei Lust, für die Polen zu sterben. Freundschaft und Allianz mit Polen, soviel man wolle. Ader die Franzosen" können nicht zulassen, daß ihr und ihrer Kinder Leben von der Geste oder von den Worten einer mehr oder weniger spontanen Volkskundgebung in Warschau abhänge. Der Artikel schließt: „An der Seite unserer polnischen Freunde für die gemeinsame Verteidigung unseres Gebietes, unseres Gutes und unserer Freiheit zu kämpfen, das ist eine Perspektive, die man mutig ins Auge fassen kann, wenn es zur Aufrechterhaltung des Friedens dienen soll, aber ^ür Danzig ft e r b e n : Nein!"
Brüssel
weist deutschen Journalisten au«.
Brüssel, 3. Mai. (DNB.) Wie wir erfahren, soll die belgische Regierung die Ausweisung des Brüsseler Vertreters der Rheinisch-Westfälischen Zeitung, F. O Ehlert, beschlossen haben. Dieser Maßnahme soll angeblich ein Wortwechsel zu gründ e- liegen, der zwischen einem belgischen Gendarmeriebeamten und Ehlert anläßlich einer Veranstaltung der deutschen Kolonie in Winterslag (Limburg) am deutschen Nationalfeiertag, die von Ehlert in seiner Eigenschaft als Landesgruppenwalter der Deutschen Arbeitsfront geleitet wurde, stattgefunden haben soll. Dieser Vorfall ist von den
Kanals teilnehmen würde. (Don einer solchen italienischen Forderung ist allerdings nichts bekannt geworden.) „Dort liegt", so schreibt der „Temps" sehr offenherzig, „die wirkliche Gefahr".
Wachsendes Mißbehagen gegen Englands Holle in Aegypten.
Kairo, 3. Mai. (Europapreß-Funkspruch.) 3n der ägyptischen Oeffentlichkeit findet eine scharfe Auseinandersetzung über d i e Rolle Englands in Aegypten statt. Die Presse der nationalistischen Wafd-Partei, die trotz ihrer Oppositionsstellung weitreichenden Einfluß auf die Volksmeinung hat, macht der ägyptischen Regierung den Vorwurf, die Unabhängigkeit und Sicherheit Aegyptens durch ihre anglophile Politik zu bedrohen. Darüher hinaus wendet sie sich gegen b i e englische Militärmission, die zu einer vorher nie gesehenen Stärke aufgeblasen sei. Trotz der Haltung der Regierungspresse, welche diese Vorwürfe zu entkräften versucht, wird die Rolle, die England gegenwärtig in Aegypten spielt, in weiten ägyptischen Kreisen mit zunehmendem Unbehagen und Mißtrauen betrachtet.
Oie deutschen Kriegsschiffe an der iberischen Westküste.
Berlin, 3. Mai. (DNB.) Am 2. Mai lief das Flottenflaggschiff Panzerschiff „Admiral Graf Spee", der Zerstörer „Dieter von Roeder", die 6. und 7. U-Boot-Flottille mit dem Begleitschiff „Erwin Waßner" aus Ceuta in Spanisch- Marokko aus. Der Flottenchef Admiral Boehm ist vom Kalifen in Tetuan empfangen worden. Eine Offiziersabordnung wurde vorn Alkalden der Stadt Ceuta eingeladen. Die Besatzungen nahmen auf Einladung des Kommissars an Ausflügen nach Tetuan teil. Eine Parade der Falangisten wurde vom Kommandanten des „Admiral Graf Spee", Kapitän zur See Langsdorfs, abgenommen. Der Besuch verlief im herzlichen Einvernehmen mit der spanischen Bevölkerung und den Behörden. Besonders nwurde eine Lebensmittelspende an uxilio Social" ausgenommen. Auch die übrigen in Spanien weilenden deutschen See- streitkrafte haben nach fünftägigem Besuch die Häfen verlassen. Vom 6. bis 10. Mai ist das Anlaufen folgender Häfen vorgesehen: Lissabon: Panzerschiff „Admiral Graf Spee", Kreuzer ,Iöln", U-Boot-Flottillen „Hundius" und „Wegener" und das U-Boot-Begleitschiff „Erwin Waßner": Ponte v e d r a : Kreuzer „Leipzig", die Zerstörer „Leberecht Maaß" und „Dieter von Roeder"; Vigo: Panzerschiff „Deutschland"; Arosa - Bucht: 1. Zerstörer-Flottille; El Ferrol: U-Boot- Flottille „Salzwedel" mit U-Boot-Begleitschiff „Saar". — Panzerschiff „Admiral Scheer" ist von einer kurzen Auslands-Ausbildungsreise von Bilbao in Nordspanien in d i e Heimat z u -
Organisation der Armee im Rahmen der Wiederherstellung der ungarischen Wehrhoheit. Das Judengesetz hat das Haus genau dreizehn Monate hindurch beschäftigt. Die wichtigste Aufgabe des Ende Mai und Anfang Juni neu zu wählenden Abgeordnetenhauses wird die Verwirklichung der Bodenreform sein, durch die der soziale Wiederaufbau des Landes abgeschlossen werden soll.
„Sollen wir für Danzig sterben?"
Paris mahnt die Polen zur Besonnenheit.
Paris, 4. Mai (DNB. Funkspruch). Nach wie vor ist die Danziger Frage und die bevorstehende Rede des polnischen Außenministers Beck im Warschauer Sejm das außenpolitische Hauptthema der französischen Presse. Man ist über die starrköpfige Haltung Polens gegenüber den deutschen Vorschlägen einigermaßen besorgt. Es fehlt daher nicht an mahnenden, ja warnenden Stimmen, die der polnischen Regierung nahelegen, sich nicht unnachgiebig zu zeigen, sondern vernünftige Gegenvorschläge zu machen, um weiteren Verhandlungen nicht endgültig die Tür zu verschließen. Auch Rom wünsche eine Entspannung zwischen Warschau und Berlin und lasse Warschau unaufhörlich Ratschläge der Klugheit zukommen und es fordere die polnische Regierung auf, die deutschen Vorschläge in Erwägung zu ziehen und mit dem Führer zu verhandeln. Italien würde sich bemühen, einen Konflikt örtlich zu begrenzen wie schon während der Septemberkrise, aber es werde keinen Zweifel darüber lassen, daß es sich trotz seiner Freundschaft zu Polen an die Seite Deutschlands stellen würde, falls die französisch-britische Garantie zu Gunsten Polens in Kraft treten sollte.
Unter der Überschrift „Sollen wir für Danzig ft erben?" veröffentlicht der ehemalige Lustfahrt
land gefallen waren, wieder zu entfestigen. Damit trat einige Ruhe ein, die aber nur bis zum Weltkrieg währte. Rußland errichtete wiederum militärische Anlagen, die 19 19 geschleift wurden. Jetzt stritten sich Schweden und Finnen um die Inselgruppe. In Genf entschied man schließlich, daß die Inseln zu Finnland gehören, obwohl die Bevölkerung schwedisch spricht und zum Schweden- tum gerechnet werden muß. Aber durch die erwähnte Konvention von 1921 wollte man erreichen, daß weder die Finnen die Inseln als militärische Brücke gegen Schweden benutzen könnten, noch Schweden sich durch eine Militarisierung bedroht fühlen könnte.
Inzwischen ist die Sowjetunion zu einer Gefahr Europas, vornehmlich der kleineren Ostsee- ftaaten geworden. Das hat man in Finnland wie in Schweden erkannt, darum schließlich die neue Vereinbarung über die Befestigung der südlichen Inseln. Deutschland hat sich mit der Aenderung der Konvention, die auch seine Unterschrift trägt, einverstanden erklärt, ahne daß cs damit seine Haltung der Genser Einrichtung gegenüber, mit deren Segen diese Abmachung ausgestattet wurde, irgendwie geändert hat. Was wir verlangen, ist die absolute Neutralität Schwedens und Finnlands bei allen kriegerischen Konflikten im Ostseeraum. Diese Forderung müssen wir aus Gründen der Sicherheit stellen, von der Erfüllung dieser Bedingung ist unsere Zustimmung abhängig gemacht worden. Niemand wird dagegen etwas einwenden können, da man wohl schlecht von uns verlangen kann, einer militärischen Maßnahme unsere Zustimmung zu erteilen, wenn wir nicht vorher das Versprechen erhalten, daß diese Maßnahme in keiner (Situation
in die Ostsee.
Um diese Inseln hat es von jeher Streit gegeben.
Denn befestigte sie der eine, fühlte sich der andere , „ ,
bedroht. 1856 wurde in Paris entschieden, diese In- und in keinem Falle irgendwie gegen u n fein, die 1809 gemeinsam mit Finnland an Ruß-' gespielt wird.
einer Vermögensabgabe und auf dem Anleihewege zum Wiederaufbau der ungarischen Wirtschaft und zur Landesverteidigung dem Staate zur Verfügung - - - * —• —
gestellt worden wär; ferner das Gesetz über die j achteten Arttkel. Darin heißt es: Vor einigen Wo
marxistischen Blättern, wie der größte Teil der bei. gischen Presse am Mittwoch zugeben muß, maßlos aufgebauscht und entstellt worden. Trotz« dem soll sich die belgische Regierung zu dieser barten Maßnahme entschlossen haben. Es ist zu f) off en, daß in der Angelegenheit noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.
Loyale Zusammenarbeit.
Die erste Protektorats-Regierung beim Reichsprotektor.
P r a g , 3. Mai. (Europapreß.) Der Vorsitzende der Protektorats-Regierung, General Elias stellte dem Reichsprotektor, F r e i h e r r n o. Neurath, feine Regierung vor. General Elias erklärte: Die Regierung des Protektorats Böhmen und Mähren kommt zu Ihnen als Organ der tschechischen Nation,
ob Sie Zahnstein haben!
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berufen, die Grundsätze der loyalen Zusammenarbeit zu verwirklichen. Ich bin der Ueberzeugung, daß das tschechische Volk, das in den vergangenen Wochen nicht nur die Fähigkeit, Disziplin zu halten, sondern auch den reifen Sinn für die Wertung der Tatsachen erwiesen hat, es versteht, praktische Formen und den konkreten Inhalt der autonomen Einrichtungen zu suchen und zu finden, die ihm der Erlaß des Führers vom 16. März sichert. Die Bevölkerung des Protektorats hat mit ungewöhnlicher Aufmerksamkeit und außerordentlichem Interesse Ihre Kundgebungen verfolgt, aus denen sie erfuhr, wie Sie Ihr Amt auffaffen. Die Tatsache, daß Sie die Bedeutung der tschechischen Ehre betont haben, bevor Sie das Gebiet des Protektorats betreten haben, bedeutet in unseren Augen einen Beweis dafür, daß das tschechische Volk und seine Länder in Ihrer Person einen wirklichen Beschützer finden. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß Sie stets die Bemühungen der ersten von Ihnen bestätigten Regierung des Protektorats Böhmen und Mähren unterstützen.
Der Reichsprotektor antwortete: Er fasse diese Erklärungen so auf, daß die Regierung loyal mit ihm Zusammenarbeiten wolle mit dem Ziel, eine Befriedung und Eingliederung des tschechischen Volkes in die neuen Verhältnisse durchzuführen. Sie wissen, fuhr der Reichsprotektor fort, aus der Rede des Führers im Reichstag, wie der Führer über das tschechische Volk denkt und wie er es einschätzt. Seine Worte haben, so hoffe ich, auch im tschechischen Volk' den richtigen Widerhall gefunden. — Der Reichsprotektor erklärte weiterhin, daß die Aufgabe der ersten Protektorats-Regierung schwierig sei und daß er sich bemühen werde, die Arbeit der Regierung nicht erschweren zu lassen.
Hans pfihner und die Jugend.
Zum 70. Geburtstage des Meisters am 5. Mai.
Pfitzner, der „letzte" Spätromantiker, der „rückwärts" gerichtete Eigenbrödler, der Klang- „Asket" — was hat er mit der Jugend zu tun? Uns Heiteren ist der nunmehr siebzig Jahre alte Meister in der Tat der Letzte, in dem die deutsche Romantik eines C. M. v. Weber, Schumann und Brahms noch lebendig weiterwirkt und gültige persönliche Gestalt angenommen hat. Wir bewundern den Liedschöpfer — und zwar nicht nur dort, wo er um die Romantik Eichendorffs zauberische Klänge gewoben hat, wir wissen, daß jenes „Nachdenkliche, Uebermütige, Tiefernste, Zarte, Kräftige und Heldische" deutschen Wesens nirgends künstlerisch so verklärt worden ist wie in der Kantate „23 o n deutscher Seel e". Wir sehen in den Kammermusikwerken und in der Sinfonie des Meisters jene nur echtem Schöpfertum gegebene Einswerdung von Einfall und Gestaltung. Wir feiern Pfitzner als den einzig würdigen Fortsetzer des Wagnerfchen Weihespiels, der in der Legende „Palestrin a" Ewiges geschaffen hat. Wir wissen aber auch, daß in dem Begriff „deutsche Romantik" Sinnen- und Seelenhastes beschlossen liegt. Richard Strauß, der vom Erfolg verwöhnte Klangzauberer, haftet mit feiner Kunst am farbigen Abglanz des Lebens, Pfitzner dagegen, der stets um Anerkennung ringen mußte, erschließt mit feiner Musik bas Hintergründige, das Innerste der Seele. Die (schon von C. M. v. Weber gerügte) .verfluchte Lust zu gefallen" liegt seiner Kunst fern. Sie ist eine Kunst der „Stillen im Lande", der lärmende Beifall wird ihr niemals deschieden sein. Um so mehr müssen wir uns bemühen, sie uns ganz zu eigen zu machen. Es darf nicht verschwiegen werden, daß im Konzert und namentlich in der Oper noch vieles für Pfitzner zu tun ist.
Wie steht es nun mit der Jugend? Sie hat sich im letzten Jahrzehnt immer entschlossener zum Meister bekannt. Sie lehnt — ganz in seinem Sinne — die Abstemplung als „letzter Romantiker" ab, denn sie hat begriffen, daß Romantik ein ewiger Teil der deutschen Musik ist. Ihr ist nicht verborgen geblieben, daß Pfitzner (wenn man bei diesem von Anfang an „fertigen" Musiker überhaupt von Entwicklung reden darf) seine Tonsprache immer mehr ins „Lineare" abgewandelt hat und dabei zu Bildungen gekommen ist, die mit ihrer polyphonen Kühnheit alles Aehnliche in Schatten stellen. Sie
bekennt sich zum Ethos seines absoluten Musiker- tums und hat dieses in jugendlichem Ueberschwang mehr als einmal gegen das Kunstwollen eines1 Richard Strauß ausgespielt. Dor allem aber: sie hat sich hinter die Ohren geschrieben, was der Meister im Sommer 1934 in jenem geharnischten Brief an den Herausgeber der Zeitschrift „Völkische Kultur" über jene Leute gesagt hat, die in ihm immer wieder den „spröden, herben, grabschaufelnden, unsinnlichen,
(Scherl-Bilderdienst-M.)
musikalischen Asketen" sehen. Da heißt es u. a.: ,Lst die Melodik der ,Rose vom ßicbesgarten' linear und nicht entgegenkommend? Ist die .Käthchen'- Musik todestraurig zurückgewandt? Finden sich in meinen veröffentlichten 106 Liedern nicht alle möglichen Stimmungen vom größten Ernst bis zur größten Heiterkeit, von feinster Naturverbundenheit bis zu kräftigstem Humor, ist die Musik zum ,Christelflein' nicht jedem Kind verständlich? Ist das Klavierkonzert weltabgewandt?" Und weiter das Bekenntnis des Dirigenten, Regisseurs und Schriftstellers: „Wo ich etwas Lebensvolles und Gutes, das in dieser Zeit entstand, gefunden habe, habe ich es, soweit es in meinem Machtgebiet lag, gefördert, aufgeführt und darauf hingewiesen."
Pfitzner weiß, daß die Jungen zu seiner Kunst Ja sagen, wenigstens „die, auf die es ankommt": „alle die, die ein wertvolles und beständiges Neue
wollen, ohne die Brücken zu den alten Göttern abzubrechen". Und in der Tat: unsere musikalische Jugend verlöre ihr Bestes, wenn sie Hans Pfitzner vergäße. Gerade seine Kunst lehrt, bas Neues nicht ohne Bindung an das Alte geschaffen werden kann und daß dieses Neue sich mit seinen Wurzeln stets in den Mutterboden eignen Volkstums senken müsse. Ist aber nicht auch die Art, wie Pfitzner sich als Künstler der Welt gegenüber durchgesetzt hat, vorbildlich? Kann man unserer musikalischen Jugend etwas Besseres wünschen als jene „Selbstbesinnung auf das eigene Wesen", von der der Meister einmal in einem Wagner gewidmeten Sonett spricht? Immer wieder ist er für die Heiligkeit des Schöpferischen auch mit der Feder eingetreten, und die drei Bände seiner Schriften sollten tägliches Brot unserer jungen Komponisten, Musiklehrer, Kapellmeister und Regisseure sein. Wir alle aber wollen am heutigen Tage dem Hüter der Romantik, dem großen deutschen Musiker huldigen.
Dr. Erwin Kroll.
Erfinderischer Othello.
Um die nötige Mohrenschwärze in der Rolle des Othello aufzuweisen, trugen früher die Schauspieler zu dem dunkel geschminkten Gesicht schwarzbraune Handschuhe, die ganz fest saßen. Karl Devrient, unter den drei berühmten Neffen des großen Ludwig der genialste Schauspieler, aber ein launenhafter und zerstreuter Geist, hatte eines Abends, als auf der hannoverschen Bühne Shakespeares Drama gegeben wurde, vergessen, die Handschuhe anzuziehen, und als er im zweiten Akt mit dem Gruß an Des- demona: „O, meine holde Kriegerin" die Szene betritt, fällt fein erster Blick auf die weißen Hände, während das Publikum, fein Entsetzen bemerkend, in Gelächter ausbricht. Als Othello mit feinen weißen HändSn nach dem zweiten Akt hinter die Kulissen kam, erhielt er von dem Regisseur ein gehöriges Donnerwetter. Verärgert geht er in seine Garderobe und gibt seinem Garderobier rasch einen Auftrag. Dieser stürzt fort und bringt Devrient etwas, bevor er im dritten Akt erscheint. Als er nun wieder austritt, hat Othello wieder weiße Hände! Das Publikum wird unruhig über diese wiederholte Vergeßlichkeit, aber nur kurze Zeit. Denn Othello zieht zunächst umständlich die zwei Nummern größeren fleischfarbenen Handschuhe aus, die er sich von dem Garderobier hatte besorgen lassen, und darunter erscheinen die schwarzen Hände Othellos oder vielmehr die diesmal sorgfältig angelegten Mohrenhandschuhe. Ein allgemeines „Ah" geht durch das Publikum, fb.
Lochschulnachrichten.
Geh. Rat Professor Dr. Max B l e i b t r c u, em. Ordinarius für Physiologie an der Universität Greifswald, ist im Alter von 78 Jahren g e • t o r b e n. 1889 wurde er Assistent am Physiologi- chen Institut in Bonn, 1903 kam er nach Greifs- maß). Fast ein Dierteljahrhundert hat Bleibtreu als Lehrer und Forscher gewirkt. Zusammen mit seinen Schülern hat er eine größere Zahl wertvoller wis- enschaftlicher Arbeiten, vorwiegend aus dem Gebiet der Physiologischen Chemie, veröffentlicht.
Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Friedrich Marx, der im Ruhestande lebende Vertreter der klassischen Philologie an der Universität Bonn, beging-seinen 8 0. Geburtstag. Marx, in Bessungen bei Darmstadt geboren, habilitierte sich 1887 in Berlin und wurde schon in den beiden folgenden Jahren als Professor nach Rostock und ass Ordinarius nach Greifswald berufen; er hat dann in Breslau, Wien, Leipzig und schließlich zwanzig Jahre lang in Bonn gelehrt, wo einst sein Vorgänger Buecheler, Usener und Kekule den bestimmenden Einfluß auf feine Studien geübt hatten. Den Akademien von Leipzig und Wien gehörte er als Mitglied an.
Die Entpflichtung des o. Professors für Chirurgie an der Universität Marburg Dr. med. Rudolf Klapp wurde um ein Jahr bis Ende September 1940 hinausgeschoben. Professor Klapp steht im 67. Lebensjahre. Er stammt aus Arolsen und begann seine akademische Laufbahn in Greifswald als Dozent der Chirurgie. Als Honorarprofessor wirkte er dann in Bonn und seit 1907 als Extraordinarius in Berlin, bis er 1927 seinen jetzigen Wirkungskreis in Marburg übernahm.
Die Entpflichtung des Professors Dr. Eduard Kohlrausch, Ordinarius für Strafrecht, Strafprozeß und Zivilprozeß an der Universität Berlin, wurde wegen Erreichens der Altersgrenze um zwei Jahre, bis Ende März 1941, hinausgeschoben. Professor Kohlrausch, gebürtiger Darmstädter, ging 1919 nach Berlin als Nachfolger seines einstigen Lehrers Professors von Liszt. Seit 1934 gehört er der Akademie für Deutsches Recht als Mitglied an.
Der ao. Professor für praktische Theologie an der Universität Königsberg D. Erich Engel' brecht wurde zum ordentlichen Professor daselbst ernannt.
Professor Dr. Rrckolf Tomaschek, Ordinarius der Physik an der Technischen Hochschule Dresden, wurde in gleicher Diensteigenschaft an die Technische Hochschule München berufen.


