Ausgabe 
4.5.1939
 
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Nr. 10Z Erstes Blatt

M. Zahrgang

Donnerstag, 4-Mai M9

licher hervor, daß England anscheinend nicht gei w i l l t war, auf Litwinow-Finkelsteins Pläne ein- zugehen. So erklärt dieTimes", die Sowjetregie«, runa habe bisher auf der kollektiven Sicherheit be­standen, und zwar auf möglichst breiter Basis. Dis britische Regierung hingegen zögere, auf derartig umfassende Pläne einzugehen, wett sie befürchte, durch eine allzu einseitige Bindung an Sowjetruß-^ land in ihrer übrigen Paktpolitik bet hindert zu werden. Es erscheine nicht mün« schenswert, daß es zu einer Tripel-Allionze komme, die im Endergebnis Europa in zwei feind­liche bewaffnete Lager teilen würde, was wie 1914 nur mit einer bewaffneten Auseinandersetzung enden könnte. Es gebe antikommunistische Länder, mit denen England keine Art von Streit hege. Eine glatte Allianz mit Sow­jetrußland könnteandere Verhandlungen und An­näherungen" hindern, die Einfluß aufWiederher­stellung der Vernunft und Freundschaft in der Welt" haben könnten.

Lüwinow-Kinkelstein ausgebootet

Molotow auch mit dem Außenkommiffariat betraut.

Aegypten und die Einkreisungspolitik

Italien gegen französische Stimmungsmache.

Rätselraten in Paris.

Bor einem Kurswechsel der sowjetrussischen Außenpolitik?

die Politik der Vorherrschaft auf ägyptischem Terrdn torium zu verschärfen? Tatsache ist, daß diese Frage! auch in Aegypten gestellt wird. Wenigstens! verzeichnen die ägyptischen Zeitungen die Tatsache« daß entgegen den Abmachungen des letzten englisch-« italienischen Abkommens die englischen D f f i < ziere in das ägyptische Heer und in digj Polizei zurückkehren. Die Zahl dieser Offiziere be* laufe sich schon auf 670, eine Zahl, wie sie selbstj vor dem englisch-ägyptischen Vertrag niemals« erreicht worden ist. Worte aber,'wie sie dey Senator Besnard gebraucht, stellen eine offensicht« liche Verletzung des internationalen! Kanal-Statuts dar, das in dem englisch« italienischen Osteroertrag vom April 1938 ausdrück« lich seine Bestätigung erfahren hat. Wie denkt, sa> schließt Gayda seine Betrachtungen, London übeki diesen Punkt."

Der Suezkanal.

Paris gegen die italienischen Ansprüche.

EF. Paris, 3. Mai. 1

Ohne daß in politischen Kreisen in den letzter? Wochen vom Suez-Kanal-Problem die Rede ge« wesen wäre, nimmt derT e m p s" am Mittwoch« nachmittag zu den italienischen Forderungen auf Beteiligung Italiens an der Vermal« tung des Suez-Kanals Stellung. Dieser? überraschenden Auslassungen des halbamtlichen Dr< gans, das zumeist die Anschauungen des Quai d'Orsay wiederspiegelt, mißt man in der franzö« fischen Hauptstadt in dem Augenblick eine umsck größere Bedeutung bei, in dem in Rom eine er­neute Aufnahme des Kontaktes zwischen dem frans zösischen Botschafter Fran?ois-Poncet und dem italienischen Außenminister Graf C i a n d stattfinden soll.

VomTemps" werden die italienischen Forde«, rungen, soweit sie den Suez-Kanal betreffen, ab« gelehnt. Im Falle eines Konfliktes im Mittel« meer fei der englischen Flotte die Aufgabs zuerteilt, im östlichen Mittel meer-Beckeni zu operieren, während die französischen See­streitkräfte dies im westlichen Becken deS Mittelmeeres tun würden. Wenn man vom Suez- Kanal absehe, seien Großbritannien und Italien im Mittelmeer-^Becken hinsichtliche ihrer? Flottenbasis gl e i ch st e h e nd. Was aber den Eng­ländern nach französischer Ansicht eine deutliche Ueberlegenheit sichere, das sei ihr Bünd­nis mit Aegypten und die Tatsache, daß sie den Kanal von Port Said bis Suez militärisch beherrschen. Die englische Ueberlegenheit würde aber art dem Tage aufhören, an dem Italien in wirk­samer Weise an der militärischen Verteidigung des

7N 0 skau, 3. Mai. (DKB.) Das Präsidium des Obersten Sowjetausschusses hat nach einer Meldung der östlichen Agentur TASS, den Ministerpräsi­denten Molotow unter Belassung in seinem bis­herigen Amt zum Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten er­nannt und Litwinow-Finkelsteinauf eigenen Wunsch" von seinen Amtsgeschäf­ten als A u ß e n k 0 m m i ss a r entbunden.

Die plötzliche Beseitigung Litwinow-Finkelsteins, der seit 1930 als Nachfolger Tschitsche­rins an der Spitze des Volkskommissariats für Auswärtige Angelegenheiten der Sowjetunion stand, wird von sowjetamtlicher Stelle mit keinem Wort eines Kommentars begleitet. Der Rücktritt des nun­mehr 63jährigen Außenkommissars überrascht in Moskauer ausländischen Kreisen im gegenwärtigen Zeitpunkt ganz besonders. Litwinow-Finkelstein trat im Jahre 1898 der damaligen russischen Sozial­demokratischen Partei bei. Er betätigte sich als Re­volutionär illegal in Rußland sowie als politischer Emigrant im Auslande. Bereits im Jahre 1918 nach der bolschewistischen Revolution übernahm Litwinow-Finkelstein außenpolitische Posten, zuerst im Jahre 1918 als Vertreter der Räterepublik in London, darauf im Moskauer Außenkommissariat als Stellvertreter des damaligen Auhenkommiffars Tschitscherin. Seit dem Jahre 1930 steht Litwinow- Finkelstein an der Spitze der sowjetrussischen Außen­politik, die er in all ihren entscheidenden Aktionen der letzten Jahre Eintritt der Sowjetunion in die Genfer Liga, Beistandspakte mit Frankreich, der Tschecho-Slowakei usw. entscheidend beein­flußt hat.

Große lleberraschmig in London.

Ein Schlag für die britische Allianzpolitik.

London, 4. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Aus­bootung Litwinows ist die große Sensation für London. Sämtliche Blätter geben zu verstehen, daß der Rücktritt Litwinows mit den augenblicklichen Verhandlungen zwischen England, Frankreich und Sowjetrußland im Zu­sammenhang stehe. Litwinow wird von den Londoner Blättern als der Mann derkollektiven Sicherheit" und desunteilbaren Friedens" hin­gestellt, ja sogar als der Vater des Gedankens der

R. G. Rom, 3. Mai.

Mit Aufmerksamkeit verfolgt die italienische Presse die Bemühungen der französischen Politiker, auch im Mittelmeer dem für Italien lebenswichtigen Raum ihre Einkreisungs- Politik zu entwickeln. Besonders auffallend treten diese Bemühungen jetzt in Aegypten zutage. Französische Generale und frühere Diplomaten ge­fallen sich in französischen Zeitungen und Zeitschrif­ten darin, Aegypten in den Bereich ihrer mili­tärischen und politischen Betrachtungen zu ziehen, gleich, als ob jeder Gedanke an eine selbstän - dige Politik Aegyptens ausgeschlossen sei und als ob Sie Westmächte einfach über Aegypten zu ver­fügen hätten. Besonders bezeichnend ist hierfür eine Aeußerung des Botschafters a. D. und Senators Besnard, der es überhaupt für *,u n m ö g l i ch hält, daß in Kriegszeiten die Neutralität des Kanals von Suez aufrechterhalten werden kann".

Mit dieser Stimmungsmache setzt sich im halbamt­lichenGiornale d'Italia" Gayda auseinander.

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pariserMaiglöckchen"

Von unserem E. I.-Korrespondenten.

Er schreibt, derartige Manöver, die nur zu deutlich die Absicht ihrer Urheber erkennen ließen, seien von vornherein zum Scheitern verurteilt. Umsonst versuche man in Paris und London Mißtrauen zwischen Italien und Aegypten zu säen. Die Beziehunaen zwischen diesen beiden Mittel­meerländern feien sehr vertrauensvoll und von gutem Willen zu einer friedlichen kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit getragen. Die 'Schaffung des italienischen Imperiums in Ostafrika, die die gemeinsamen Grenzen verlän­gert habe, könne zwangsläufig nur die Grund­lagen dieser Zusammenarbeit vertiefen. Mit Genugtuung stellt Gayda fest, daß die Alarmkam­pagne in allen vernünftigen ägyptischen Kreisen keinerlei Widerhall gefunden habe i^nb wirft sodann die Frage auf:Man möchte gerne wissen, bis wie weit die französische Alarmpolitik, die nun auch in Aegypten ungerechtfertigte Besorg­nisse gegen Italien Hervorrufen möchte, den In­teressen Großbritanniens entspricht und inwieweit es in dem englischen Interesse liege,

Opfer seiner Genfer Politik geworden. Es liege in der Absicht Stalins, seine Politik gegen­über den Westmächten zu ändern. Das gleichfalls sowjetfreundlicheOrdre" schreibt, wenn Litwinow- Finkelstein wegen seiner Genfer Ideen habe gehen müssen, so würde das eine Neuorientierung der sowjetrussischen Außenpolitik bedeuten.

Havas weist darauf hin, daß Litwinow-Finkel« ftein zumindestens im Auslande als der Mann der kollektiven Sicherheit und der Zusammenarbeit mit den westlichenDemokratien" gegolten habe und erinnert daran, daß bereits das Verschwinden des Journal de Moscou", des Organs des Außenkom- misiariates, als ein Schlag gegen Litwinow-Finkel« ftein gedeutet worden sei. Schon die letzte RedS Stalins auf der kommunistischen Parteiversamm­lung habe nicht in der Linie der kollektiven Sicher­heit gelegen, vielmehr habe Stalin den Westmäch­ten vorgeworfen, danach getrachtet zu Haven, dis Sowjetunion und Deutschland aufeinander 31t Hetzen. Andererseits sei es offensichtlich, daß die britische und die französische Regierung die von Sowjetrußland gestellten Bedingungen für Mos­kaus Mitarbeit an einer gemeinsamen Aktion als j unannehmbar befunden hätten.

E. F. Paris, 4. Mai.

Die Ausbootung Litwinow-Finkelsteins ist für die Pariser Morgenblätter vom Donnerstag die große Sensation. Die Ansichten über die Gründe dieses Wechsels in der außenpolitischen Leitung Moskaus und seine Rückwirkungen sind sehr geteilt. Aber die Blätter der verschiedensten Richtungen geben zu, daß die Verhandlungen mit Sowjetrußland a n einem toten Punkt angelangt sind, und sie vermuten, daß Litwinow-Finkelsteins Rücktritt da­mit in Zusammenhang stehe. Das rechtsgerichtete Petit Journal" fordert die französische Diplomatie auf, sich vorsichtiger denn je in den Be­ziehungen zu einer Regierung zu zeigen, die nach ihrem eigenen Eingeständnis vor allem Unordnung zu schaffen suche, um dann überall eine allgemeine Umwälzung hervorzurufen. DerJour" schreibt, Moskau denke daran, sich von Europa zu­rückzuziehen. Die sowjetrussischen militärischen Führer hätten Litwinow das Festhalten am Grund­satz der kollektiven Sicherheit vorgeworfen, sie seien für ein zweiseitiges Militärbündnis mit England. Molotow dagegen sei schon immer ein erklärter Geg­ner der Zusammenarbeit mit den kapitalistischen Staaten gewesen. Das linksgerichtete sowjetfreund­licheOeuvre" glaubt, Finkelstein sei vor allem e i n

Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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neugeplanten Tripel-Allianz. Man befürchtet jetzt, daß die Verhandlungen durch den Rücktritt Litwinow-Finkelsteins ungünstig beeinflußt werden könnten.

Die Nachricht hat im übrigen in London wie eine Bombe eingeschlagen. So meldet Daily Herald, im Foreign Office habe man nicht das geringste geahnt und den ersten Nachrichten über den Rücktritt Litwinow-Finkelsteins einfach nicht ge­glaubt. Die Times betont, es fei auffallend, daß der Rücktritt mitten in die Verhandlungen mit England und Frankreich hineinplatze: das Blatt beeilt sich aber zu erklären, daß man von einem Umschwung der sowjetrussischen Außenpolitik noch nicht sprechen könne. Daily Telegraph meldet aus Paris, man sei dort sehr besorgt, denn Litwinow- Finkelstein sei für eine Tripel-Allianz gewesen, während Molotow genau die entgegen­gesetzte Linie vertrete.

Aus den Schilderungen der Presse über die Ver­handlungen mit der Sowjetunion geht immer deut-

Paris, Anfang Mai.

Der marxistische Allgemeine Gewerkschaftsbund hat in diesem Jahr darauf verzichtet, eine Generalstreikparole auszugeben, um den l.-Mai im Zeichen des Klassenkampfes zufeiern". Man hatte sich mit einer dürftig verlaufenen Kundgebung an dem dem 1. Mai uorausgegangenen Sonntag im Wald von Vincennes begnügt. Nach außen hin hat man den Verzicht auf den Streik am 1. Mai mit der Rücksicht auf die internationale Lage be­gründet; in Wirklichkeit war man sich darüber klar, daß genau wie am 30.November 1938 d i e Re­gierung Daladier, deren Autorität sich in­zwischen noch verstärkt hat, jeden Streitver­such rücksichtslos brechen würde. Der alten französischen Ueberlieferung entsprechend hat an diesem 1. Mai nichts als der nach wie vor geübte Brauch, sich Maiglöckchen zu schenken, an den Früh­ling erinnert.

Im übrigen ist den Franzosen außer den Mai­glöckchen, die man seiner Frau oder seiner Ge­liebten schenkt, von ihrer Remerung, genauer gesagt von Finanzminister Paul Reynaud, etwas mehr und etwas unangenehmeres zum Frühling beschert worden: die 45-Stundenwoche, die an Stelle der 4O-Stundenwoche getreten ist, und die 1 v. H. Umsatz st euer, durch die in der Haupt- lache die 15 Milliarden Franken Mehraus­gaben für die Rüstungen gedeckt werden sollen. Die Geschäftsleute sind in der Hauptsache von dieser Umsatzsteuer betroffen, der man den scherzhaften NamenDer Centime für unsere Sol­daten" gegeben hat.

Der Bevölkerung kommt durch alle diese Mehr­belastungen, wie auch durch sonstige Anzeichen etwa die Unterstände, die man in allen öffentlichen Parks, dem unteren Teil der Champs-Elisees usw. anlegt natürlich zum Bewußtsein, wohin die uferlose, von England inspirierte Paktpolitik, die sich gegen jede Revision zugunsten Deutschlands sträubt, führen muß. Es wäre aber wohl im Augen­blick noch verfrüht, von einer Einsicht in die Zu­sammenhänge maßgebende Einwirkungen auf die Politik der französischen Regierung zu erhoffen. Ein Pariser Blatt hat das Wort geprägt, daß es sich um einenNervenkrieg" handele; Mini­sterpräsident Daladier hat ähnliche Gedanken- aänge verfolgt, als er kürzlich zwei Tage vor der Führerrede die Direktoren sämtlicher Pariser Zei­tungen zu sich berief und ihnen ins Gewissen, redete.

Auch in Frankreich bildet sich jetzt die Presse- Politik der Regierung immer deutlicher heraus; bei der Aufnahme, die der Führerrede in der Presse gewährt wurde, ließ sich das gut er­kennen; zwei Spalten auf der ersten Seite, daneben die üblichen Meldungen über Mordfälle, Eheskan­dale usw., der Rest der Rede komprimiert im In­nern des Blattes. Das kann man zu den passiven Seiten der Pressepropaganda rechnen. In Bezug auf die aktive Betätigung bei der Auseinander­setzung mit Deutschland, einer Betätigung, die gegenwärtig so gut wie ausschließlich deutsch­feindlich ist, haben die Meldungen der Ber­liner Berichterstatter der Zeitungen, die es sich lei­sten können, einen bevorzugten Platz. Was z. B. Herr Sauerwein sich imParis Soir" in dieser >Beziehung gegenwärtig leistet, wird sobald nicht mehr übertroffen werden können.

Die französische Regierung hat, von ihrer son- fftigen Beeinflussung abgesehen, in der vergangenen Woche zwei auf die Presse bezügliche Dekrete er- Haffen, von denen mindestens eines .noch lange von stich reden machen wird: das Dekret, das sich ge- ig e n den Antisemitismus in der Presse irichtet. Offiziell richten sich die betreffenden Be- jstimmungen gegenVerleumdungen von Personen, öne zu einer bestimmten Rasse ober Religion ge= Hören"; wenn die Verleumdungen der Aufreizung yum Haßgegen Bürger oder Bewohner" Frank- ireichs dienen. Es werden Gefängnisstrafen von seinem Monat bis zu einem Jahr und Geldstrafen roon 500 bis zu JO 000 Franken an gedroht. Die Aufnahme, die die Ankündigung dieser Gesetze in Öen jüdischen Kreisen gefunden hat, ist bezeichnend genug und kann eigentlich nur so aufgefaßt werden, Öaß die Juden jetzt den Zeitpunkt gekommen er­achten, wo sie die Herrschaft über Frankreich end­gültig antreten können. Der Leiter des jüdischen Weltoerbandes, ein Mann namens Lecache, der , rgendwo aus Osteuropa stammt, erlaubt sich z. B. n einem von Freudengeheul erfüllten Aufsatz in Dem Organ des Bundes, demDroit de vivre", von derReinigung Frankreichs" zu schreiben, die ?etzt einsetzen müsse. Die Lica (Ligue Internationale contre lantisemitisme), wie sich der jüdische Welt- verband nennt, habe schon seit Jahren das G e - etz gegen den Rassismus gefordert, schreibt Lecache weiter, er droht dann in unverhüllten Worten damit, er werde die Briefe von einer gan­zen Anzahl Parlamentarier, die sich bei den letzten Kammerwahlen für ein antisemitisches Gesetz aus­gesprochen hätten, veröffentlichen, wenn diese Ab­geordneten in der Kammer nachträglich gegen die Ratifizierung des antisemitischen Dekrets Schwierig- ie-iten machen sollten. In ähnlicher Weise wie Le- >ache jubelt auch ein andererUrfranzose", der den gewiß nicht französischen Namen Z e r a p h a führt, iber die Knebelung jeder antisemitischen Aeußerung, er mit den neuen Dekreten der Weg bereitet wer­den soll.

Diese Juden, die vielleicht noch nicht einmal in i Frankreich geboren worden sind, und deren Fa- ' -lilien seit höchstens einigen Jahrzehnten sich in I Frankreich aufhalten, nehmen natürlich um so siche­

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rer die Gelegenheit wahr, bei jedem sich bietenden Anlaß die öffentliche Meinung in Frankreich durch ihre Hetze gegen alles, was deutsch ist, zu vergiften. Erwähnt sei z. B., daß in dem genannten Juden­blättchen eine wüste Hetze gegen ein in Paris am gekündigtes neues Auftreten Furtwänglers, dessen Künstlertum hoch über jeder politischen Po­lemik stehen sollte, betrieben wird.

In den wenigen Organen, die sich offen zum Antisemitismus bekennen, ist lebhafter Pro- t e st gegen das antisemitische Presse-Dekret erhoben worden. Es wird dabei überhaupt in Frage ge­stellt, ob man es wagen werde, diese Bestimmungen in der Praxis anzuwenden. DieAction Francaise" gießt die ganze Schale beißender Ironie über die nach Frankreich eingewanderten Juden aus, die sich herausnehmen, den Franzosen ihre Pflichten vor- züschreiben. Das antisemitische WochenblattJe suis partout" stellt fest, daß das neue Pressedekret auf dem ftanzösischen Boden das Vorhandensein einer jüdischen Gemeinschaft anerkenne, denn auch das ist

bemerkenswert das Dekret spricht vonBür­gern" undBewohnern" Frankreichs, gegen die sich die Aufforderung zum Haß richten könne, und zwischen diesen beiden Kategorien, den fran­zösischen jüdischen Bürgern und den jüdischen Nicht­bürgern, werde ausdrücklich eine Solidarität her­gestellt.

Was das zu bedeuten hat, ergibt sich daraus, daß in der Nachkriegszeit eine ganz außerordentlich starke Judeninvasion in Frankreich stattge­funden hat. Während Frankreich im Jahre 1914 erst 180 000 Juden zählte, beträgt heute die Zahl der Juden mindestens 400 000. Da diese jüdischen Einwanderer zum allergrößten Teil auf kaufmän­nische, akademische und sonstige Berufe entfallen, die den gewerblichen und intellektuellen Schichten des französischen Mittelstandes die größte Kon­kurrenz bereiten, ist leicht ersichtlich, woher die Mißstimmung im französischen Volk gegen die Ju­den rührt. Man sucht ihr jetzt mit Pressedekreten einen Knebel aufzuerlegen, und Blätter wieJe suis partout" weisen auf die hervorragende Rolle der jüdischen Kabinettsmitglieder Mandel und Jean Z a y bei diesen Maßnahmen hin. Die Kom­mentare zu diesem Thema sollen die Franzosen selber schreiben solange und soweit sie noch dürfen.