Ausgabe 
4.3.1939
 
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Nr. 54 Lrftes Man

189. Jahrgang

Samstag. 4./§onntag,5. Marz (939

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Oie französisch-spanischen Beziehungen

Gemischte Gefühle in der spanischen Oeffentlichkeit. Frankreichs Haltung verlängerte den Krieg.

Eine Unterredung mit General Iordana.

Marschall Petains Mission wird begrüßt.

Paris. 4. März. (DNB. Funkspruch.) Der spanische Außenminister, General Iorbana, ge­währte einem Vertreter desMutin" eine Unter­redung, in deren Verlauf er auf die wenig sympa­thischen Gefühle einging, die die Oeffentlichkeit im nationalistischen Spanien für Frankreich hege. N u r d i e Zeit könne den peinlichen Eindruck ver­wischen, den die Haltung Frankreichs während des spanischen Krieges hinterlassen habeIch bin", so erklärte General Iordana,der Freund zweier Ihrer größten Persönlichkeiten gewesen, nämlich Marschall L i a u t e y s und Marschall P e t a i n s. Dies sind zwei Freundschaften, die die Zuneigung und die Gefühle eines Mannes bestimmen. Aber kann ich vergessen, daß in unserem Lande, das seit Monaten schwer heimgesucht wurde und geblutet hat, d i e öffentliche Meinung gekränkt, ver­letzt und erbittert worden ist? Es ist mir peinlich, zuzugeben, daß man einer vielleicht über­aus empfindlichen Oeffentlichkeit, die dem Londe, in dem sie immer einen Freund gesehen hat, vorwirft, monatelang dazu beigetragen zu haben, einen furchtbaren Krieg zu verlängern, vor den Kopf gestoßen hat. Es ist nicht unser Fehler,

wenn man Frankreich das viele Blut z u s ch r e i b t, das auf unserem Boden geflossen ist. Ich weiß sicherlich, daß Ihrem Lande in keinem Augenblick der Gedanke gekommen ist, von uns zu verlangen, undankbar zu sein gegenüber denjenigen, die von der ersten Stunde an in dem furchtbaren Kampf, den wir unternommen haben, unsere Kameraden waren. In der un­geheuren Aufgabe, die uns nach dem Kriege auf- gezwungen sein wird, wird es in dem wiederauf­zubauenden Heer Platz für alle geben."

Frankreich habe in diesen Tagen eine G e st e gemacht, so führte General Iordana weiter aus, in­dem es den besten und glorreichsten seiner Söhne zum Botschafter in <5(p a - nien ernannt habe. Er persönlich habe bei mehre­ren Gelegenheiten mit Marschall Petain zusammengearbeitet, und er freue sich, einen derartigen Botschafter in Burgos zu begrüßen. Seine Regierung habe in Paris ebenfalls um das Agrement für einen Botschafter nachgesucht, und er verspreche sich für die Entwicklung der gegenseitigen Beziehungen sehr viel von der Geschicklichkeit und dem Takt dieses Mannes. In beiden Ländern habe man d i e besten Botschafter gewählt, und es sei notwendig, daß alles vergessen werde, damit die gegenseitigen Beziehungen sich wieder harmonisch gestalteten. Der größte Botschafter zwischen Spa­nien und Frankreich heiße jedoch die Zeit.

Eine japanische Frühjahrsoffensive.

Schanghai, 3. März. (Europapreß.) Die in her Vorwoche von den japanischen Streitkräften i n der Provinz Hupeh (Hauptstadt: Hankau) be­gonnene Frühjahrsoffensive hat zur Einnahme der strategisch bedeutenden Stadt K i u f a u am Han- Fluß geführt. Der japanische Vormarsch gestaltete sich äußerst schwierig, da das dortige flußreiche Ge­biet stark überschwemmt war. Die japanischen Truppen brauchten auf den völlig durchweichten Wegen anderthalb Tage zu ihrem Marsch auf einer sieben Kilometer langen Strecke, von Lukiatschi dis vor Kiukau.

Die militärische Sicherheit Zndockmas

Paris, 4. März. (Europapreß.) Vor dem Kolonialausschuß des französischen Senats legte Kolonialminister Mandel die Maßnahmen dar, die ergriffen worden sind, um die nst^WijOe Sicher­heit der französischen Kolonien zw^yoyen. Der Minister versicherte, das französische Imperium be­

finde sich in einem Zustand steter Bereitschaft; Ueberraschungen seien nicht zu befürchten. Bei der Entfernung Jndochina.s vorn Mutterlande habe man in erster Linie das Augenmerk darauf gerichtet, die Wehrkraft dieser Kolonie zu erhöhen und sie von Materiallieferungen aus Europa in einer gewissen Weise unabhängig zu machen.

Diesem Zweck diene die vorgenommene Indu­strialisierung und namentlich bie Anlegung von Waffenfabriken. Da die mehr als 200 ame­rikanischen Flugzeuge Siams den französischen Luftstreitkräften in Indochina wesentlich überlegen seien, werde gegenwärtig der Ausbau einer großen Flugzeug fabrik in Aussicht ge­nommen. An der Schaffung eines Eingebore­nen-Technikerkorps werde ständig gearbeitet. Die in Jndochina stehenden Truppen, die im ver­gangenen Jahre von 18 000 auf 38 000 erhöht wor­den seien, würden durch weitere Werbungen unter der Eingeborenen verstärkt werden.

Eme Oopp^m^sion in 2Rom?

Paris, 4. März. (Europapreß.) 3n Paris ver­laufet, es fei beabsichtigt, zu den Krönungs­feierlichkeiten Pius XII. den ehemaligen Ministerpräsidenten Pierre Laval als Führer einer französischen Abordnung nach Rom zu schicken. Dieser Reise dürfte aber auch eine aus­gesprochene politische Bedeutung beikommen. Man nimmt an, Laval werde in Rom vor allem auch mit den Vertretern Italiens Fühlung nehmen. Es würde dann Aufgabe Lavals sein, sich eingehend über den italienischen Standpunkt gegenüber Frank­reich zu unterrichten.

Frankreichs Rüstungen in Nordafrika.

Paris, 3. März. (Europapreß.) Der General- resident von Marokko und Oberkommandierende der französischen nordafrikonischen Besitzungen, General Nogues, hat vor seiner Abreise nach Tunis eine längere, Besprechung mit dem Ministerpräsidenten und Kriegsminister D a l a d i e r gehabt. General Nogues wird die sogenannte tunesische Magi- not-Linie besichtigen, die fast vollständig fertig- gestellt ist. Da diese Verteidigungslinie, wie Außen­minister Bonnet vor der außenpolitischen Kammer­kommission zugegeben hah durch Truppen aus Algerien verstärkt worden ist, darf man annehmen, daß General Nogues die in Süd­tunesien getroffenen verschärften militärischen Mäsi- nahmen überprüfen wird.

Die Palästina-Konferenz.

Schon fast vier Wochen lang tagt in London die Palästina-Konferenz. Manche Klippe konnte in dieser Zeit dank des immer wieder klug vermitteln­den Eingreifens der Engländer umschifft werden, aber immer neue Schwierigkeiten türmen sich auf, und so ist es auch heute noch nicht obzusehen, ob die Konferenz jemals zu einem Ergebnis führen wird wib wie bi es aussehen wirb. Nach wie vor verhanbelt bie englische Regierung getrennt mit Arabern und Juden, aber hinter beiden steht als ständige Warnung, es trotz der kaum überbrückbar erscheinenden Gegensätze nicht zum Aufstiegen der Konferenz kommen zu lassen, die Gewißheit, daß England, wenn die Konferenz ergebnislos ausein- andergehen sollte, von sich aus ein neues Palästina- ftatut oktroyieren wird, das vermutlich beiden Par­teien nicht behagen würde. Die britische Regierung wird zweifellos diesen Schritt vermeiden, so lange sie noch die leiseste Hoffnung hegen darf, die ara­bischen und jüdischen Forderungen auf eine gemein­same Linie zu bringen, bei der Englands politisches und militärisches Interesse gewahrt bleibt. Diese immer wieder ausgleichende und vermittelnde Hal­tung wird dem britischen Kabinett einmal nahe­gelegt durch die Rücksicht auf bie Vereinigten Staa­ten, benen gegenüber man sich seinerzeit zur Auf­rechterhaltung bes Manbats in Palästina verpflich­tet hat unb bie sich nun roieber wie ehemals im Weltkrieg zur Zeit ber Balfour-Deklaration zum höchst energisch auftretenben Anwalt ber Mischen Interessen aufwerfen, zum anbern burch ben Blick auf bie Solibarität, die die auf der Londoner Kon­ferenz ja ebenfalls vertretenen unabhängigen arg; bischen Staaten mit ben Palästina-Arabern bekunbet haben. Aus bieser Zwickmühle einen Ausweg zu finden, ber allen Teilen gangbar erscheint ohne Eng- lanbs Interessen zu gefährben, ist bie Aufgabe ber britischen Staatskunst, bie ber Premierminister Chamberlain in ber Eröffnungssitzung ber Konfe­renz am 8. Februar mit ben Worten umschrieb, an­gesichts einer festgefahrenen Lage zwischen zwei Völkern gelte es, ein Kompromiß auf ber Grund­lage ber Gerechtigkeit zu erreichen. Chamberlain persönlich hat sich in biefen Wochen mit aller Energie für eine berartige Lösung eingesetzt, aber bie Hauptlast ber schwierigen Verhanblungen ruhi auf ben Schultern bes erst 38jährigen Kolonial- minifters Malcolm Macbon alb, ber, wie sein Vater, ber verstorbene Premierminister, bie Phan­tasie und Zähigkeit des Schotten zeigt Eigenschaften,

An der Front im Nordosten der Provinz Kiangsu ist das japanische Oberkommando im Begriff, ein großangelegtes Umfaffungsma» n ö d e r gegen etwa sechstausend Mann chinesischer Truppen und Freischärler durchzuführen. Der Spre­cher des japanischen Oberkommandos teilte mit, daß die japanischen Truppen in dem Abschnitt ö st l i ch der Tientsin Pukau-B ahn zwischen der Lunghai-Bahn und dem ^angtfe eine Säube­rungsaktion durchgeführt hätten. Das Gebiet fei fast anderthalb Jahre lang von den militärischen Operationen unberührt geblieben. Nun habe die ja­panische Armee, unterstützt von Marinestreitkräften, begonnen, dieses Gebiet, das zu einem Mittelpunkt der chinesischen Bandenkriegsführung geworden fei, gründlich zu säubern. Japanische Streitkräfte seien an der Küste südlich von Haitschau, dem östlichen Endpunkt der Lunghai-Bahn, gelandet worden, während andere Abteilungen ben Vor­marsch aus der Gegend der Tientsin Pukau-Bahn angetreten hätten. Unterstützt von ber Luftwaffe feien diese Abteilungen in den Fluß­tälern vorgestoßen und hätten ein ausgedehntes Gebiet besetzt. Dabei fei auch der Hauptstützpunkt der chinesischen Kleinkriegsbanden, die Stadt Hwaiyin am Kaiserkanal, erobert worden.

Eine von Tschinschan, 120 Kilometer n o r d w e st - l i ch H a n f a u s, auf Tschungsian am Hankiang vorstoßende japanische Formation macht schnelle Fortschritte. Die chinesische Verteidigung der Stadt Tfthungfian soll unzureichend sein, so daß man auch in chinesischen Kreisen mit einer baldigen Einnahme rechnet. Von Tschungsian aus soll der japanische Vorstoß dann den Hanfluß entlang weiter- ,gehen und sich zunächst auf das 85 Kilometer nord­westlich liegende Hsiangyang richten, das eine strategische Schlüsselstellung gegen Jtschang und Sian bildet und für die Umschließung der Provinz Sze - ischuan von großer Bedeutung ist.

Zwei Beamte der füdchinesischen Begieruna erschaffen Schanghai, 4. März. (Europapreß.) Zwei Be­iamte der südchinesischen Regierung in Kanton irotrrben am Samstag von Chinesen erschossen. Es IhLXidelt sich um den ersten Vorfall dieser Art in XSfibdjina, nachdem kürzlich verschiedene höhere Be- iamte, unter ihnen der Außenminister der japan- fsreundlichen chinesischen Regierungen in N an» ffing und in Schanghai erschossen worden roaren.

Nach langen Verhandlungen wurde ein Abkom- imen zwischen dem Stadtrat von Schanghai und foen Japanern über die Verhütung weiterer Terror­akte erzielt. Das Abkommen sieht eine wirkungsvolle Zusammenarbeit der internationalen mit ber japa­nischen Polizei in ber Internationalen Nieberlassung ooor und gewährleistet einen sicheren Schutz ber Ja­paner auf internationalem Gebiet. Allen zweifel­haften Elementen wird der Zugang zur Jnternatio- malen Niederlassung gesperrt, unb die javanische Pvl'-ei in ber Internationalen Siedlung wird ver- ijtäift.

NeM Aufgaben her deutschen Lufifahrtforfchung.

Berlin, 3. März. (DNB.) Zur Erinnerung an ben Tag ber Freiheit ber beutschen Luftfahrt hielt bie Deutsche Akabemie ber Luftfahrtforschung eine Festsitzung im Haus ber Flieger ab. Der Chef ber Luftwehr, General ber Flieger Stumpfs, brachte bie Parole zur Kenntnis, bie ber Präsident ber Aka­bemie, Generalfelbmarschall Göring, für bie Ar­beit ber Akabemie im fommenben Jahre erlassen bat. In ihr heißt es: Im vergangenen Jahr hat bie deutsche Akademie ber Luftfahrtfvrschung große Fortschritte in ihrer (Sefamtarbeit gemacht. Der aus ben verschiebensten Arbeitsrichtungen zusammenge­setzte bebeutenbe Mitglieberkreis ber Akabemie wurde zu einer Einheit zusammengeschweißt. In weitem Maße wurden außenstehende Wissensgebiete an bie Lustfahrtforschung herangebracht. In ber Erwartung, baß die Akademie in ben ihr zugewiesenen neuen Räumen im kommenden Jahr mit verstärkter Kraft an ihr großes Werk geht, haben für bie zukünf­tige Arbeit folgenbe Richtlinien zu gel­ten:

1. Die regelmäßigen wissenschaftlichen Sitzungen ber orbentlidjen Mitglieber sollen eine Ergänzung burch einzelne Wissenschaftstagungen er­fahren, bie sich besonbers bie Pflege ber Ranb- gebiete zwischen ber Luftfahrttechnik unb den all­gemeinen Wissenszweigen zur Auiaabe setzen. Der Teilnehmerkreis soll auch bie Beteiligung bedeuten- ber ausländischer Wissenschaftlicher einschließen.

2. Das Berichtswesen der Akademie ist zu intensivieren. Die Mitglieder werden besonders an ihre Verpflichtung erinnert, wichtige Neuerkenntnisse des eigenen Arbeitsbereiches ober an anberer Stelle zuerst im geschlossenen Kreise ber Akabemie zum Vortrag zu bringen.

3. Auf den Einzelgebieten der L u f t f a t) r 11 e ch - n i k sollen größere Gemeinschaftsarbeiten aufge­nommen werden, deren Durchführung sich über längere Zeiträume erstrecken wird und deren Ergeb­nisse geeignet sind, grundsätzlich allgemeine Fort­schritte für die Gesamttechnik und -Wissenschaft zu ergeben. Hierzu folgenbe Beispiele: Die Flug­motorenforschung wirb bie physikalisch-che­mischen Vorgänge ber Verbrennung im Flug­motor und das Problem der Kühlung aufzu­klären haben. Der Erforschung ber Strato­sphäre der fernabliegenden I o n o s p h ä r e sol­len weitere Gemeinschaftsarbeiten gewidmet fein. Die flugmedizinische Forschung muß un­sere Kenntnisse über die Wirkungen der mit der Höhe abnehmenden Luftdichte unb Luft- Zusammensetzung ergänzen. Auch ben Ar­beiten über bie Einwirkunaen von Beschleunigungen beim Start, Kurven- unb Sturzflug auf ben mensch­lichen Körper kommt Bebeutung zu. Die Strö­mungsforschung muß sich mit ber Luftwaffen­forschung verb'nben, um bie physikalischen Grunb- gesetze für bie Anwenbung ber Luftwaffe aufzuhellen unb der Entwicklung grundsätzlich neue Wege zu weisen. Die Wetterkunde hat genvinfam mit der Strömungsforschung Arbeiten in Angriff zu

nehmen, deren Ziel die Weiterentwicklung ber meteorologischen Strömungslehre bilbet.

Bei der Gründung dieser Akademie ist die Hermann-Göring-Denkmünze als höchste Auszeichnung de deutschen Luftfahrt- Wissenschaft gestiftet rooucn. Zum erstenmal wird diese Denkmünze dem ordentlichen Pro­fessor der Universität Göttingen Ludwig P r a n d t l im Hinblick auf seine außerordent­lichen Verdienste um die wissenschaftlichen Grundlagen der Strömungsforschung verliehen. Seine roiffenschaftliche Arbeit hat die Grundlage für den Bau des modernen Luftfahrzeuges schwerer als die Luft auf einigen entscheidend wichtigen Gebieten geschossen. Der Wert dieser wissenschaftlichen Arbeit ist nicht nur in unserem Vaterland, sondern darüber hinaus bei alten Luftfahrt treibenden Ländern der Erde neidlos anerkannt.

Die Verleihung ber Hermann-Göring-Denkmünze an Professor Pranbtl mürbe mit freubigem Beifall ausgenommen. Hierauf legte Generalluftzeugmeister Generalleutnant U b e t bie Führungsgrunblagen ber Luftfahrttechnik bar. Generalleutnant Übet führte ba- bei u. a. folgenbes aus: In militärischer Hinsicht ist berjenige Staat ben anberen überlegen, ber bie neue ft en Fortschritte wissenschaftlicher unb technischer Erkenntnisse a m schnellsten in bie Rüstung um setzen kann. Eine sofortige Um­setzung aller technischen Neuerkenntnisse auf bie Serienerzeugung neuer Luftfahrzeuge ist jeboch nicht möglich, ba allgemeine Gebrauchs- forberungen bes Flugbetriebes unb baneben auch wirtschaftliche Erwägungen unb Nachschuberforber- nisse eine weise Selbstbefchränkung erzwingen. Die Entwicklung ber letzten Jahre brachte beträcht­liche Lei st ungs ft eigerungen für alle Flugzeuggattungen. Es beftanb jeboch von vornherein nicht bie Absicht, alle auf bem Gebiet ber technischen Neuentwicklung geleistete breitange­legte Arbeit in vollem Umfang für bie Ausrüstung ber Luftwaffe unb bes Luftverkehrs in ber Fabri­kation auszuwerten. In Berücksichtigung ber inbi- vibuellen Leistung ber einzelnen Werke unb ihrer Icitenben Männer würbe ben Unternehmungen, bie praktischen Bebürfnissen am weitesten gerecht wer­ben, ein besonbers weiter Spielraum für ihre schöpferische Eigenbetätigung gelassen. Die übrigen Firmen bagegen würben stärker auf bie reine Fabri­kation bemährter Muster angesetzt. Im übrigen hat bie beutsche Luftfahrttechnik von ber Erkenntnis Ge­brauch gemacht, baß bie Zahl grunblegenber Deränberungen burch Neuerkenntnisse überraschenb gering ist gegenüber ben burch planmäßige Fort­entwicklung bewährter Erstkonstruktionen erzielten Fortschritten.

Alle Leistungen auf materiellem Gebiet sind un­lösbar mit ben Leistungen ber Menschen ver­bunden. Deshalb muß eine technische Führung mit

Sicherheit an Mißerfolgen scheitern, wenn sie bie Sorge um bie Menschen nicht gleichzeitig einbegreift. In Erkenntnis bieser Frage ist deshalb bie Forbe- rung des Personalproblems auf einer brei­ten Basis betrieben worben. DerBeauftragte für bas Luftsahrtinbustriepersonal" im Technischen Amt regelt einheitlich bas Problem ber Heranführung erstklassiger Facharbeiter in bie im Aufbau begriffenen Werke. Der Heranbilbung eines grünb- lich burchgebilbeten jungen Nachwuchses für bie Ar­beiterschaft ber einzelnen Jnbustriewerke bienen mustergültige Lehrlingswerkstätten. Dem Mangel art gut burchgebilbetem Ingenieur personal für bie Konstruktionsbüros ber Firmen sowie ber Forschungs- unb Erprobungsstellen würbe burch auf bem Hochschulgebiet unb im übrigen technischen Lehranstaltsgebiet getroffene Maßnahmen begegnet. Auch ber Schaffung bes wissenschaftlichen Personals für bie Luftfahrt menbet bie tech-W irische Führung ihre ftänbige Aufmerksamkeit zu.

Durch bie Begründung bes Ingenieur korps der Luftwaffe ist ein weiterer Schritt auf bem Wege zur Festigung ber inneren Verhält nisse unserer Luftfahrtechnik getan. Die an Hoch­schulen unb Lehranstalten für bie Jngenieuraus- bilbung getroffenen Maßnahmen haben sich immer noch nicht als ausreichenb erwiesen. Besonbers ba- burch, baß bie höheren Schulen ben tcdinb scheu Hochschulen nicht mehr ben erforder- liehen Nachwuchs liefern. Wir sind besbalb ben Weg gegangen, in Darmstabt besonders bewährten Arbeitern ber Luftfahrtin­dustrie eine Jngenieurausbilbung zukommen zu lassen, bie sie bei günstigem Abschluß ermächtigt, anschließend auch bie Hochschule zu besuchen. Es ist beileibe Weg, ben ber Reichsstudentenführer' mit bem Langemarck-Studium gegangen ist.

Die heutige Glieberung kuppelt bie Forschung, Entwicklung, Beschaffung, Nachschub- unb Wirt­schaftsfragen ber Jnbustrie aufs engste aneinander. Alle Belange mit ber Aufgabenstellung für ein Muster bis zur Auslieferung ber Großserie an bis Truppe find von ber Dienststelle bes Generalluft- zeugmeisters zusammenfassenb gesteuert. Die Luft- fahrtinbustrie bietet bas Bilb einer neuen Wirt­schaftsform: Die Grunblinien ihrer Arbeit ent­sprechen einer Planwirtschaft, aber bie Entschlüsse im einzelnen finb ben verantwortlichen Wirtschafts- fübrern überlassen. Diese Luftfahrtechnik ist wahr­haft national, weil sie ben Forberungen bes Friebens wie benen bes Krieges in gleichem Maße Rechnung trägt. Aber sie ist auch sozial, denn bie Betriebsfübruna ber Werke, ber Forschungsanstalten usw. unb ihre Gefolgschaften finb zu einer Einheit zusammengewachsen. In enger Gemeinschaftsarbeit mit ber Deutschen Arbeitsfront ist hier ein soziales Werk entstanden, bas bem Namen des Schörüers unserer ßiütroaffe auch noch in fernen Zeiten Ebre machen wird.