G.Ji.-fport
Vorentscheidung aus dem Waldsportplatz.
Oie Kämpfe in der Lezirksklaffe.
Nachdem sich die Lage in der Spitzengruppe der Bezirksstaffel Gießen so zugespitzt hat, daß man noch nicht weiß, wie an einem der nächsten Sonn- taae die Placierung aussieht, gewinnt, das letzte Drittel der Spiele besonders an Bedeutung, hauptsächlich die Spiele, in denen sich die fraglichen Mannschaften gegenüberstehen. Em jedes von Diesen kann man als Vorentscheidung ansehen, hierzu gehört auch das morgige Spiel des VfB.-R.— Wetzlar.
VfB -R. — Wetzlar Steinberg — Frohnhausen Ehringshausen — Naunheim Bilsenberq — Sinn
Das Spiel VfB.-R. gegen Sportverein Wetzlar bringt die Entscheidung darüber, wer von diesen beiden Mannschaften noch als weiterer Kandidat für die Tabellenspitze in Frage kommt.
Der Tabellenführer empfängt an der Neumühle die Dränier. Nach der guten Leistung in Bissenberg darf man auch Heuer wieder mit einem Sieg der Teutonen rechnen, selbst wenn man den Formanstieg der Frohnhäuser gebührend in Rechnung stellt.
Ehringshausen erwartet Naunheim und damit wird mit dem weiteren Verlust zweier Punkte zu rechnen sein, denn es ist nicht anzunehmen, daß sich der Tabellenzweite von dem Neuling eine Überraschung zufügen läßt.
Die Begegnung Bissenberg — Sinn ist eine offene Angelegenheit. Vielleicht gelingt es den Sinnern, sich für die heimmederlcvge zu entschädigen.
VfB «K Gießen - Weklor!
Großkampf auf dem Waldsportplatz! Schon immer war der Svortverein Wetzlar ein gern gesehener Gast in unseren Mauern, und manch scannender Kampf wurde ausgetragen. Morgen geyt es um den dritten Tabellenplatz, und die Gäste haben noch eine alte Rechnung mit den Grünweißen zu begleichen, denn im Vorspiel siegten überraschend die Gießener. Die Wetzlarer haben schon immer bewiesen, daß sie zu kämpfen verstehen und sind Heuer wieder ein ernsthafter Anwärter auf die Meisterschaft, die noch nicht entschieden ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Wetzlar, der Altmeister, wieder seine alte Form zurückgefunden hat, da ihm wieder die bewährten Spieler wie Berg, Zehner, Zidorn, Blech, Zielberg usw. zur Verfügung stehen. Die Grünweißen, die am letzten Sonntag mit chren Leistungen nicht gerade überzeugen konnten, werden hier zu beweisen haben, daß der gute Tabellenplatz auch zu Recht geführt wird.
Die Mannschaft tritt mit folgenden Spielern an: Wunderlich, Leucheuser I., Schüller, Krämer, Luka- schewski, Lehrmund, Berlenbach, Fischer, Drumm, Heß und Szponick.
Die Aufstellung ist die zur Zett stärkste und dürfte in allen Punkten gut besetzt sein. Durch die Versetzung von Geslar wurde Drumm mit der Führung des Sturmes beauftragt. Er wird morgen sein Können unter Beweis zu stellen haben. Spielerisch sind die Grunweißen dem Gegner in jeder Hinsicht gewachsen, jedoch kann das Spiel nur dann gewonnen werden, wenn sich jeder Spieler voll einsetzt.
Teutonia Steinberg I — Oraniea Frohnhausen L
Seit geraumer Zeit stellen sich die Teutonen mor- gen wieder zum erstenmal dem einheimischen Publikum vor. Diese Tatsache läßt darauf schließen, daß man den Teutonen schon von vornherein einen klaren Sieg zuschätzt. Aber schon des öfteren haben sich solche Vermutungen als trügerisch erwiesen. Dies sollten sich auch die Teutonen für das morgige Spiel zu Notiz nehmen; Frohnhausen stellt eine körperlich wuchtige Elf, in der jeder einzelne Spieler ein Kämpfer ist. Gerade im Vorspiel haben die Teutonen dies tüchtig zu spüren bekommen; und nur der guten Abwehr der Teutonen war es zu verdanken, daß das Spiel in Frohnhausen nicht ver
loren ging. In der Zwischenzeit hat sich bewiesen, daß die Dränier manchem achtbaren Gegner das Nachsehen gaben. Also größte Vorsicht muß morgen die Parole der Steinberger sein, wenn sie nicht die gewiß zahlreichen Anhänger enttäuschen wollen. Wenn die Mannschaft natürlich wieder mit einem Spiel aufwartet, wie am vergangenen Sonntag in Bissenbera, dann dürsten es die Gäste aus dem Hmterlano sehr schwer haben. Aller Voraussicht nach müßte es zu einem Siege der Teutonen kommen, wenn er auch wohl erst nach schwerem Spiel erkämpft werden muß. Die Mannschaft tritt in stärkster Besetzung an, also mit Happel, Jung, Fett, H. Schmandt, Hederich, Fritsche, Lang, Däublin, Schmidt, Haas, Buß.
VfB.-R. II. - Sportverein Wehlar IL
Die Reserve hat die Vorspielniederlage, die zu hoch ausfiel, gutzumachen. Da die Gäste eine starke Mannschaft stellen, werden die Grünweißen sich sehr strecken müssen, soll es zu einem Siege reichen.
VfB.-R. IIL — Heuchelheim II. (Gesellschaftsspiel).
Die Dritte empfängt die Reserve aus Heuchelheim und sollte auf Grund der größeren Spielerfahrung das Spiel für sich entscheiden können
Spannende Spiele in den Kreisklaffen.
Pokalspiele.
Rodheim — Sportfreunde Wetzlar Hungen—Heuchelheim Dillenburg—Steindorf.
Die übriggebliebenen Mannschaften der Kreisklassen ermitteln die Sieger, die dann gegen Vereine der Bezirksklasse spielen werden. In Nodheirn tritt der voraussichtliche Meister der Gruppe Wetzlar „Sportfreunde" an. Man darf auf das Abschneiden dieser Mannschaft gegen die kampfsteu- digen Rodheirner gespannt sein. Heuchelheim reift nach Hungen und wird sich einen sicheren Sieg nicht entgehen lassen. In Dillenburg wird der abgestiegene Tuspo. Steindorf erwartet. Der Ausgang dieses Spieles ist ungewiß.
1. Lreisklasse.
Lich—SA.-Kampfgemeinschaft Steinbach—Garbenteich Großen-Linden—Lechgestern.
2. Preisklasse.
Harbach—Göbelnrod Ettingshausen—Saasen Nieder-Dhmen—Geilshausen SA. II—Großen-Linden II Krofdorf—Londorf.
Wichtige Vorentscheidungen fallen morgen, da außer verschiedenen Lokaltreffen auch die Spitzenreiter gegeneinander spielen. In Steinbach darf man wohl den Platzherren einige Aussichten ein- räumen, denn die Mannschaft wird von Spiel zu Spiel besser. Die SA. durfte in Lich nicht um eine hohe Niederlage herumkommen. Als offen ist der Ausgang des Spieles in Großen-Linden zu bezeichnen.
In der Gruvpe A der 2. Kreisklasse sind alle Mannschaften beschäftigt. Harbach sollte stark genug sein, zumal auf eigenem Platze, den Vorspielsieg gegen die geschwächte Elf von Göbelnrod zu wiederholen. Saasen weilt in Ettingshausen und sollte diesmal einen knappen Sieg erringen können, nachdem es beim Vorspiel nur zu einem Unentschieden reichte, denn die Gastgeber sind stark zurückgefallen. Eine wichtige Vorentscheidung fällt in Nieder-Dhmen, wo die Spitzenreiter sich gegenüber* stehen. Sollte es Geilshausen gelingen, einen Sieg herauszuholen, dürfte der Mannschaft der Endsieg nicht mehr zu nehmen sein. Wir müssen den Ausgang des Spieles als offen bezeichnen Die SA. sollte in der Lage sein, sich den ersten Sieg gegen Großen-Linden herauszuspielen. Entscheidend für die Meisterschaft ist der Ausgang des Spieles in
Krofdgrf, wo der Tabellenzweite Londorf anzutreten Die Gastgeber folÜen gewinnen.
Lich I — SA.'Sampfspielgemeinschaft 1.
Don den noch ausstehenden vier Punktekämpfen brauchen die Rasenspieler nur noch ein Spiel auf fremdem Gelände auszutragen, so daß immer noch eine leise Hoffnung besteht, ein Wort bei der Ermittlung des Meisters mitzurden. Arn Sonntag kämpft nun Lich gegen die SA.-Kampfspielgemein-
schast auf eigenem Gelände. Auf Grund des Vorspiels und auch der letzten Spiele beider Mannschaften müßte man dem Gastgeber einen sicheren Sieg zutrauen. Voraussetzung für die Gewinrmng der Punkte aber ist, daß die Grünweißen ihren Gegner nicht unterschützen, der alles daransetzen wird, vorn Ende der Tabelle wegzukommen. Sie fRafen» spieler haben vielleicht dieses Mal das Gluck, mit ihrer stärksten Mannschaft antreten zu können.
Handball ans vielen Spielseldern.
Wenn von der 1. Kreisklasse bereits gesagt werden konnte, daß die Meisterschaft mit ziemlicher Wahr- scheinlichkeit zu Gunsten des To. Holzheim entschieden sein dürfte, so liegen die Dinge in der Bezirks- klasse wesentlich anders. Hier besteht in beiden Staffeln eine Spitzengruppe, die Aussicht auf den begehrten Titel hat. Normalerweise hätte sich heute die Sache bereits übersehen lassen müssen. Durch die dauernden Verlegungen fehlt aber jede lieber- sicht, so daß man die Gestaltung der Dinge schon der Zukunft überlassen muß.
Aus der Anzahl der angesetzten Spiele interessieren diesmal in der Staffel IV der Bezirks» klaffe:
2Htv. Gießen — 1860 Marburg
Tv. Heuchelheim — 1900 Gießen Dckershaufen — Luftwaffen-Spv. Gießen.
Wenn man auch die Mannschaft des Mtv. ohne weiteres als Sieger ansprechen möchte, so muß man doch zu einer gewissen Vorsicht mahnen. Denn gar zu leicht kann der Umstand eintreten, daß aus dem erhofften Sieg eine Niederlage wird, die für einen Tabellenführer schwer wiegt.
Heuchelheim sollte, gemessen an seiner vorsonntägigen Leistung, diesmal eine bessere Figur abgeben, als dies im Vorspiel der Fall war. Db es aber zum Siege langt, hängt ganz von der Form ab, mit der der Gegner antritt. Beide Mannschaften können die Punkte gebrauchen, am meisten aber gerade Heuchelheim.
Die Luftwaffe wird in Dckershaufen einen sicheren Sieg „landen", zumal sich die Gastgeber auch in den letzten Spielen noch immer als Er affe Anfänger gezeigt haben.
In der Staffel V gibt es folgende Begegnungen:
Tv. Hörnsheim — W.-Niedergirmes Tv. Garbenheim — Tv. Wetzlar Tv. kahenfurl — Tv. Lützellinden.
Hörnsheim sollte, gemeßen an dem Vorspielergebnis, auch dieses Tressen sicher für sich entscheiden. Die Gäste, die s. Zt. weit unter Form jpieüen, haben sich inzwischen auf ihre wirkliche Stärke besonnen und sind dabei, die Rückrunde einen besseren Gegner abzugeben. — Das Lokaltreffen in Garbenheim sollte eine sichere Sache für die Platzmannschaft werden. — Lützellinden geht einen schweren Gang nach Katzenfurt. Der Stand der Gäste wird außerordentlich schwer sein. Es wird chnen nur
dann gelingen, Sieger zu bleiben, wenn man sich zu einer wirklich ausgefeilten Leistung aufrafft.
In der 1. Kreis kl ässe gibt es folgende Spiele:
Tv. Atzbach — To. Nauborn
Tv. Grüningen — Tv. Dillenburg.
Das Spiel in Atzbach sollte Atzbach gewinnen, weil die Gäste in ihren Leistungen stark zurückgegangen sind. — Wenn Grüningen den Anschluß an die Spitzengruppe beibehalten will, muß das Spiel gegen Dillenburg gewonnen werden.
Die 2. K r e i s k l a s s e sieht vor:
Mtv. Gießen II — VfB.-R. Gießen
Tv. Krofdorf — Tv. Londorf.
Das kleine Gießener Lokaltreffen verspricht einen interessanten Verlauf zu nehmen, weil beide Mannschaften bestrebt sind, die Dberhand zu behalten. — Wenn Londorf weiterhin an der Tabellengestaltung mitwirken will, bann muß es im Spiel gegen Krof- Idorf Sieger bleiben. Das dürfte auch um so eher möglich sein, als die Platzbesitzer in der letzten Zeit stark zurückgegangen sind.
Deutsche und WehMachtö-Schinieisterschasten
Die feierliche Ilaggenhiffung.
Mil einer schlichten Feier wurden die Titelkämpfe am Donnerstagabend freigegeben. Mit klingendem Spiel zogen die Aktiven mit einer Ehrenkompanie des Kraftradschützen-Bataillons Dhrdruf zum Adolf- Hitler-Platz, wo Reichsfachamtsleiter R a e t h e r in Vertretung des Reichssportführers die Eröffnung vornahm. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Tage von Dberhof mit den zum erstenmal im Wettbewerb liegenden Kameraden aus der Dstmark und dem Sudetenland in kameradschaftlicher Verbundenheit mit der Wehrmacht ein Hochfest des deutschen Sports werden. Anschließend hieß General der Art. Dollmann als Befehlshaber des Wehrkreises IX die Mitkämpfer der Wehrmacht willkommen. Die feierliche Flaggenhifsung gab bann symbolisch das Zeichen zum Beginn der Kämpfe.
Oer IS^iiomcfentonfllouf.
Bei den Deutschen und Wehrmacht-Schimeisterschaften in Dberhof wurde bereits der erste Titel vergeben. Dberjäger Albert Burk, der Heeres- meister des Jahres 1937, gewann den 18-Kilometer- ßanglauf in der ausgezeichneten Zeit von 1:01:07 Stunden und errang damit die Titel des Deutschen und Wehrmacht-Schimeisters auf einmal. So bewundernswert diese Leistung auch sein mag: die Sympathien der Zuschauer gehörten dem tapferen Sudetendeutschen Gustl Berauer, der tags zuvor noch, von einer heftigen Grippe befallen, im Bett liegen mußte und selbst nicht an seinen Start glaubte. In der Stunde des Kampfes war er dann
aber doch dabei, der Sieger von Garmisch-Partenkirchen. Er verblüffte alle. Mit einer erstaunlichen Kraft jagte er über die Strecke und als am Ziel seine Zeit mit 1:01:17 Stunden befanntgeaeben wurde, da glaubte man sogar an seinen Sieg. Einer war schließlich doch noch ein wenig schneller, ganze 10 Sekunden schneller: der Münchener Dberjäger Albert Burk vom Geb.-Jäger-Regt. 98! Der deutsche Meister der nordischen Kombinatton, Dberjäger Günther Meergans (12/JR 83) wurde in 1:01:54 Dritter vor dem Langlaufmeister des vergangenen Jahres, Willy Bogner (ff München). Insgesamt waren 300 Läufer am Start.
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Reto Capad rutt, der erfolgreiche Schweizer Bobfahrer, ist am Freitag auf der St. Moritzer Bobbahn tödlich verunglückt.
Bei einem Nacht-Schispringen auf der Vogtlandschanze in Mühlleiten siegte unter 75 Springern der Jugendliche Herbert Friedel (Aschberg) mit Sprüngen über 61, 57 und 61 Meter. Schädlich (Mühlleiten) und Seifert (Mühlleiten) belegten die nächsten Plätze.
Lütgeheimann Weltmeister!
Billard-Weltmeisterschaft im Fünfkampf.
Nach fünf Kampftagen wurde am Freitag in Aachen die Billard-Weltmeisterschaft im Fünfkampf entschieden. Der funge deutsche Meister Walter jLütgehetmann (Frankfurt) besiegte im Ent- scheidungstrefsen den Franzosen Cote mit 6:4 und eroberte damit den Titel für Deutschland.
Schuß im Funkhaus.
Ein Roman von Maria Oberlin.
Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München.
14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Mtt heißer Hand greift Evelyn nach dem Bild. Es ist ein kleines bräunlich-violettes, schon verblaß- tes Amateurbildchen. Man sieht eine schone schlanke Frau mit schwerer Haarkrone, in langem engen Rock der Mode von 1913, mit schwerem goldverzier- ten Gürtel und kostbarer Spitzenbluse--daneben
einen sehr schlanken jungen Offizier mit offenem, freundlichen Gesicht, ein wenig auf dem Säbel ge-
Liebes, freundliches Gesicht, schlanker Mensch tm hellen Uniformrock mit blitzenden Sternen — — bas ist alles, was mir vom Vater blieb--alles,
alles--Evelyn stellt sich das junge freundliche
Gesicht im Tode vor, den Säbel geschwungen, Sturmangriff, marsch, marsch — — eine Kugel, ein jäher tapferer Soldatentod--Lieber, frem
der Vater, in welchen Aeonen du auch weilst, laß dich grüßen---
Josephine Beranger-Caillaux steht auf.
„Ich gäbe Ihnen viel Kummer bereitet!" sagt sie einfach. „Aber ich mußte doch die Wahrhett sagen!"
„Ich danke Ihnen, Josephine--Nun kommen
Sie, bleiben Sie heute bei uns!"
Josephine schüttelt den Kopf. „Unmöglich, ich muß gleich fort, Mademoiselle, ich kann meinen Mann nicht lange allein lasten ..." Sie nestelt an ihrem Mantel.
Sie ist nun wieder ganx erfüllt von Wirtschafte und Reisegedanken, die kleine Frau. Nun, da die schwere Saft ihres Gewissens von ihr genommen ist, kommt die Wirklichkeit zurück. Es gwt einen bequemen Nachtzug, sie wird ihn nehmen, dann verliert sie nicht allzu viel Zeit.
Es gibt noch ein kleines Hin und Her, als Evelyn bittet, doch die Reise begleichen zu dürfen, aber die Dienerin sagt schließlich, daß sie nur ihre Pflicht getan habe und nichts nehmen könne ...
Als sie gegangen ist, steht Evelyn einen Augenblick lang ernsten Gesichtes vor dem großen Bild der Mutter. Da ist die schöne üppige Gestalt, da ist der lieblich lächelnde Mund, aber man sieht jetzt doch den eitlen Zug, der um ihn liegt ...
Plötzlich hort Evelyn einen erregten Schrei hinter sich. Die Tante steht da.
„Um Gotteswillen, Evelyn! Die Herren von der
Polizei sind wieder hier! Was ist denn nur!? Sprich doch gleich mit ihnen ..."
Mit müden Schritten geht Evelyn den beiden Herren entgegen.
*
Kriminalrat Schaub sah nach der Uhr.
„Gleich zehn, ©ie müssen bald hier sein ..."
Dr. Stein stand an der Wand, sein Gesicht war grau.
,Zch tanns nicht begreifen!" murmelt er. „Dieses Mädchen! Und solch eine Tat — —" Er wandte sich zur Wand und trommelte erregt mit den langen schmalen Musikantenhänden dagegen. Die Tür zum Nebenzimmer stand auf, da lief ein Abhörapparat, die letzten Klänge eines munteren Schlagers drangen hinaus, eine Frauenstimme fiel ein: „Wie ein Wunder kam die Liebe über Nacht ..." Dann tönte die ruhige ausgleichende Sttmme eines Ansagers aus dem Halbdunkel des Raums, der die Abendnachrichten ankündigte.
Stein rannte herüber und drehte den Apparat ab.
Es klopfte. Zwei Beamte Schaubs öffneten die Tür.
Evelyn stand auf der Schwelle. Eine totenblasse Evelyn Kay, im grauen Regenmantel, den sie schnell übergeworfen hatte, braune feuchte Schuhe an den Füßen, müde gerötete Augen und krauses braunes Haar, das ein wenig verwirrt und verschoben war.
Ihre Sttmme zitterte, als sie sagte: „Herr Dr. Stein, ist es denn wirklich wahr? Auf BortefeD ist ein Mordanschlag--" Ihre Sttmme brach mit
ten durch, sie knickte plötzlich in die Knie.
Einer der Beamten schob ihr einen Stuhl hin. Stein nickte langsam.
_ »3a!" sagte er. „Es ist schrecklich, nicht wahr ...?" Schaub machte ihm ein Zeichen, langsam ging er, rcidjte Evelyn die Hand, drückte sie herzlich, sein forschender, ernster Blick suchte in den blassen er- regten Zügen des Mädchens eine Antwort. Evelyn hob die Augen, sie waren nicht klar und rein, wie sonst, sie blickten trübe umschattet und unruhig, die kleinen Hände, die auf dem braunen Wollkleid lagen, bebten nervös.
Plötzlich war Evelyn mit dem Kriminalrat allein, bemerkte es mit einiger Bestürzung, die Nähe die- ses schweren ernsten Mannes bedrückte sie seltsam.
„Fräulein Kay", sagte der Mann ernst. „Ich habe Sie einige wichtige Dinge zu fragen. Sie waren die letzte Besucherin von Herrn Dr. Bortefeld--
was wissen Sie von dem Anschlag auf ihn?"
Die scharf zupackende Frage trieb Evelyn plötzlich das Blut in die Wangen, sie bebte heftig.
»Darf ich wissen, warum Sie das fragen?" kam ihre Gegenfrage.
„Allerdings — —" Schaub hob den Blick und senkte ihn scharf in das Gesicht der Frau. Er öffnete Die Schreibtischschublade, nahm eine Handtasche heraus. Evelyn rief: „Das ist ja meine--'
„Ihre... So! Sie verloren sie im Restaurant —" Evelyn griff danach.
„Kann ich sie haben? ...
Schaub legte die Hand auf die Tasche.
„Noch nicht!" sagte er langsam und scharf. „Ich bitte, daß Sie mir erst einige Fragen beantworten. Sie waren als letzte Besucherin bei Herrn Dr. Bortefeld. Sie waren sehr erregt und nervös, so nervös, daß Sie sogar Ihre Handtasche unten im Lokal liegen ließen--erzählen Sie mir den In
halt der Unterredung zwischen Ihnen und Dr. Bortefeld..."
Evelyn preßte die Lippen schmal zusammen.
„Ich möchte darüber nicht sprechen!" sagte sie nach einer Weile gepreßt.
Kriminalrat Schaub nickte, er sah fast zufrieden aus. Evelyn fcch ihn an. Plötzlich überfiel sie eine heiße Angst--- was hieß das alles, was sollte
das?
„Don dem Anschlag auf BoriLseld weiß ich nichts!" sagte sie hastig. „Einmal war ich bei ihm, — vor meiner Sendung — nachher traf ich ihn nicht an..."
„Es ist besser, wenn Sie mir alles der Reihe nach erzählen!" sagte die kühle forschende Stimme bestimmt. Evelyn hob den Kopf, sie wollte die Lippen öffnen, aber es kam ganz etwas anderes aus ihrem Mund, als sie sagen wollte. Sie neigte sich vor:
„Bitte--was ist denn mit Dr. Boriefeld--
Ist er schwer verletzt?... Ist er verwundet, bitte, sagen Sie es doch!"
Schaub schüttelte abwehrend den Kopf.
„Das ist für unsere Unterredung nicht wichtig", sagte er fast eisig. Sein Ton wurde schärfer. „Ich bitte Sie, nicht zu vergessen, daß ich in amtlicher Eigenschaft hier bin, Fräulein Kay. Antworten Sie mir, auf das, was ich Sie frage... Wann waren Sie bei Dr. Boriefeld?"
In Evelyns Hirn kreist alles wild durcheinander, sie hort die scharfen Worte, aber sie kann nichts anderes denken, als: Verletzt? Verwundet? Vielleicht schon tot? ... Sie hebt die Hände und ruft ein wildes: „Nein. Nein!"
Schaub tritt nahe an sie heran. „Erzählen Sie!" sagt er ruhiger. „Also?"
Mühsam sammelt Evelyn die Gedanken: „Ich kam so gegen sechs Uhr zu Herrn Dr. Bortefeld. Herr Dr. Stein vermittelte mir eine Unterredung. Sie dauerte „bis kurz vor Beginn meiner Sendung 6.45 .. ."
„Und dann waren Sie wieder bei ihm —° — Dann?" forschte die unerbittliche Stimme.
„Eine Zeitlang nach der Sendung. Aber Fräulein Hutstein, Bortefelds Sekretärin, sagte mir, daß er fortgegangen sei, obwohl er mich bestellt hatte. Da ging id) ins Restaurant. Später sah ich ihn dort und merkte, daß ich falsch unterrichtet war, er war so doch noch im Haus. Ich ging noch einmal zu ihm."
Evelyn bricht ab. Plötzlich verschwimmt alles vor ihren Augen, dreht sich in wirbelndem Kreis, sir gleitet aus und schlägt ohne jeden Laut zu Boden...
Schaub springt auf.
„Dr. Stein! Stein--bitte!"
Stein kommt ins Zimmer gestürzt, sieht das blaffe Mädchen am Boden, schrickt zusammen.
„Mein Gott!"
„Holen Sie einen der Aerzte von Bortefeld oben!" sagt Schaub schnell. „Offenbar eine tiefe Ohnmacht ..."
Man bettet Evelyn ins nächste Zimmer, da steht ein breites Sofa, Stein schiebt ihr noch ein paar Kissen unter den Kops, sieht einen Augenblick verstört in die wachsbleichen Züge. Dann ruft er nach Arzt, Wasser, Tropfen — das helle Licht der Decke erlischt, still liegt Evelyn als Gast in einem fremden Zimmer...
Schaub nickt Stein zu.
„Sie hätte beinahe alles gesagt!" meint er ruhig. „Sie soll sich erholen--dann will ich sie weiter
vernehmen..."
„Sie hat's getan?" fragt Stein atemlos.
„Ich glaube--" sagt Schaub ruhig.
Um Steins festen Mund gräbt sich ein grübelnder Zug, dann meinte er:
„Ich will mich um den Arzt bemühen--er
kann hier durch die zweite Tür hereinkommen. Uebrigens, das Fräulein Hutstein ist draußen, Borte» felds Sekretärin. Sie kam vorhin unten ins Restaurant --Sie wollten sie doch sehen, heute
noch?"
,La, heute noch--bringen Sie sie zu mir!"
,Hch schicke Ihnen Holl", meint Stein müde.
„Gut..." Ein paar Minuten später betritt Fräulein Hutstein Schaubs Zimmer, allzusüßen Blumen- duft verbreitend.
Schaub besieht das Mädchen genau. Ihm entgeht nicht die etwas unsichere Eleganz, das blond gebleichte Haar, nicht das zurechtgeschminkte Gesichtchen, das von billiger Hübschheit ist. Er spricht zu dem Mädchen mit fast väterlicher Freundlichkeit und läßt die Wichtigkeit ihrer Aussage stark hervor- treten. Fräulein Hutstein folgt auch sofort und gibt bereitwillig Auskunft. Der Anschlag tut ihr leib, sicherlich, aber das Gefühl, in eine solch sensationelle Sache verwickelt zu fein, überwiegt doch ...
_ (Fortsetzung folgt!)


