Ausgabe 
4.2.1939
 
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Hr.30 viertes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßenj

4./5.8ebruar 1939

So kommen Bilder in die Zeitung!

Wir verraten es einmal! Ein Kapitel Reproduktionstechnik.

Auftakt: Die Filmnegative wurden durchgesehen und für die Vergrößerungen bestimmt.

geglückte Verdunkelungs. Übung veranschaulichen. Das ist uns in der Frühzeit unserer eigenen Klischeeherstellung auch einige Male geglückt Es gab spöttische Gesichter! Aber dann mußte es klap« pen!

Die Druckfläche des Klischees muß allo eine vieltausendfach erhabene ober unterbrochene Druck­slache erhalten Um es gleich klar und hart zu sagen: das Bild muß in lauter Punkte aufgelöst werden. Aus tonigen Flächen müssen klare Punkte wer­den! Diese Auflösung des Bildes in Punkte geschieht auf eine sehr sinnreiche Weise. Das Bild die Vergrößerung, wird un­ter einer Reproduktions­kamera noch einmal photographiert! Das Ergebnis ist also

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Links: Bildoriginal. Rechts: Das Rasternegativ. (Vielfache Vergrößerungen aus Bild und Negativ einer Aufnahme, die zum Tag der deutschen Polizei veröffentlicht wurde.)

Schon hundertmal und öfter sind wir, die wir mit der Zeitung zu tun haben, gefragt worden: W ie bringen Sie eigentlich die Bil­der in die Zeitung?!" Diese Frage, immer wieder gehört, ist es, die uns hier einmal und ge­wissermaßenin eigener Sache" das Wort er­greifen läßt. Denn in fünf Worten wäre es nicht zu sagen. Wenn es der Fragesteller ganz genau wissen wollte, müßte er sich einen einstündigen Vortrag anhören! Und weil wir solche Vorträge nicht hundertmal halten wollen, deshalb sei es ein­mal in dieser Form abgemacht. Wer sich also für dasBild in der Zeitung" interessiert, sei freund­lich eingeladen weiterzulesen!

Vorausgeschickt sei, daß es nur wenigen Men­schen bekannt sein kann, wie ein Bild seine Ueber-

Das Bildoriginal wird unter der Reproduktions­kamera noch einmal photographiert.

setzung in den Zeitungsdruck erfährt. Die Arbeit in den graphischen Kunstanstalten, wie auch in unserer Dunkelkammer und in unserer Aetzerei ist zwar kein Geheimnis, muß sich aber unter Aus­schluß der Öffentlichkeit vollziehen. Deshalb kann das Wissen darum nicht Allgemeingut sein. Zudem wir selbst noch manchmal Kümmernisse um die Bilder in unserer Zeitung haben ...

Der Weg ist weit und vielfältig. Er beginnt mit derLeica", ausgestattet mit einemSummar" f 1:2 oder sechs anderen Objektiven. Diese Kamera wird in die Gegend gehalten, der Schlitzverschluß ausgelöst und das gibt dann (Film in der Kassette vorausgesetzt) ein Bild! Oder auch nicht! Der Film wird dann entwickelt, fixiert, gewässert, getrocknet, auch nun nach den besten und wichtigsten Bildern nachgesehen. Hiernach werden Vergrößerungen auf 9X12, weiß Hochglanz, gemacht. Der Hauptschrift­leiter bestimmt, welche Bildergenommen" werden und nun beginnt das in Handlung und Aufbau reichlich komplizierte Drama der Reproduktion. Reproduktion (siehe Duden) heißtWiedergabe". Es muß ein Klischee hergestellt werden! Aber wie!?

Man muß sich vorstellen, daß man von einer völlig glatten Fläche nicht drucken kann. D. h man könnte schon? Aber das Ergebnis wäre nicht etwa ein Bild, sondern eine rechteckige schwarze Fläche. Ein solches Bild könnte bestenfalls, eins vollkommen

wieder ein Negativ, das nun das Bild in lauter Punkte aufgeteilt zeigen muß. Dieses Wunder vollbringt die R a ft e r p l a t te , der Raster? Die Nafterplatte ist in beiden diagonalen Richtungen ganz eng mit schwarzen Linien überzogen. Das von zwei Lampen beleuchtete Original-Bild wird also durch das Netz der Rasterplatte hindurchphoto­graphiert. Es entsteht nun (nach Entwicklung und Fixage) ein Bildnegativ, das aus lauter Punk­ten besteht. Das rätselhafteste Bild auf dieser Seite stellt das A und O der Reproduktionsphotographie, ein N a st e r n e g a t i v in etwa bracher Vergröße­rung (und wieder durch Raster wiedergegeben) dar. Um nun einen völlig klaren Punkt zu erhalten, wird mit viel Gefühl das Rasternegativ a b - aeschwächt und dann (es klingt grotesk) wieder

Unter einer starken Bogenlampe wird kopiert.

verstärkt. Die Verstärkung geschieht mit Queck­silberchlorid, das sich auf der' vorhandenen Silber­schicht niederschlägt und diese völlig lichtwiderstands­fähig macht. Wo kein Silber vorhanden ist, bleibt das Rasternegatio glasklar. Dieses Rasternegativ wird nun auf Metall übertragen Das Bild wird kopiert!

Diese Metallplatte, einstmals Zink, jetzt das syn­thetische Elektron, auf zweckmäßiges Format (16X30 Zentimeter) zugeschnitten, muß aber erst, um über­haupt das Bild aufnehmen zu können, licht­empfindlich gemacht werden. Das ge­schieht nach der Aufrauhung mit feinkörnigem Bims­steinpulver mit einem besonders zusammengesetzten Lack (Fabrikationsgeheimnis), der vollkommen gleich­mäßig über die Oberfläche der Metallplatte aufge­gossen werden muß. Die noch feuchte Platte wird in ein Schleudergerät eingespannt, und unter dem Einfluß von Luftzug und Wärme (elektrisches Heiz­gerät) trocknet der Lack zu einer hauchdünnen, fast farblosen Schicht auf. Die solchermaßen präparierte Platte behält nur für etwa drei Stunden die Eigen­schaft der Lichtempsindlichkeit, sie kann aber auch sofort verwandt werden. Was nun folgt, ist ein ein­facher Kopiervorgang. Das Rasternegativ wird Schicht auf Schicht auf die lichtempfindliche Metallplatte gelegt, beide im Kopierrahmen fest an­einandergepreßt und nun belichtet. Die Belichtung geschieht unter großem Lichtaufwand durch eine Bogenlampe von 4000 Watt Leistung! Da rasselt

der Stromzähler! Die Belichtung dauert etwas über zwei Minuten! Das Bild des Rasternegativs ist nun zu einem positiven Bild (in Punkte aus- gelöst) auf das Metall übertragen Aber es ist erst verborgen vorhanden! Es muß entwickelt werden. Die Entwicklung geschieht in Spiritus, dem als Farbstoff etwas Methylviolett zugesetzt ist. (Der Farbstoff gestattet später in der Aetzerei eine bessere Beobachtung des Aetzvorganges.) Die Entwicklung dauert nur etwa 6 bis 7 Sekunden. Unter Wasser wird vorsichtig abgespült. Wenn alles richtig gemacht worden ist, dann erscheint nun das Bild in glän­zendem Blauviolett vor dem silbrig schimmernden Grund des Metalls. Das Bild kam dadurch zustande, daß der Spiritus die unbelichteten Stellen (unter den verstärkten Punkten) auflöste, den vom Licht getroffenen Stellen aber nichts anhaben konnte. Mit demFön" wird die Bildplatte getrocknet, bann leicht erhitzt und unter dem Einfluß der Hitze wird nun die übriggebliebene Lackschicht auch säure- wider standsfähig! Das mußte erreicht wer­den.

Die Aetzung dieser so gewonnenen Bildplatte ist nun wieder ein Kapitel für sich. Die Metall- platte, die nur einen halben Millimeter stark ist, wird zunächst auf der Rückseite mit einer dünnen Schicht Asphaltlack bedeckt, so daß die verdünnte

Salpetersäure nicht etwa heimtückisch von hinten her angreifen kann. Das Bild wird jetzt in einer von Hand bewegten Schale angeätzt, und dann zur weiteren Aetzung in die Aetzmaschine gebracht, in der durch Motorkraft die Säure ständig und vollkommen gleichmäßig gegen die Schichtseite ge­schleudert wird. Die verbliebene Lackschicht hält nun die Säure vom Metall ab, die bloßliegenden Metall­teile aber werden von der Säure angegriffen und zersetzt. Die Säure frißt aus der Platte Metall heraus. Die Oberfläche unter den Lack- punkten bleibt aber unberührt. Im Durchschnitt der Me­tallplatte, nach der voll­endeten, immer wieder im Fortgang durch das Vergrößerungsglas beob­achteten Aetzung, sieht das Klischee dann (sche­matisch und vergrößert dargestellt) so aus, wie es die obenstehende Zeich­nung wiedergibt.

Die Flächen der nicht angegriffenen Punkte drucken die tiefer ge­legten Teile des Metalls werden von der Farbe der Walzen in der Rota­tionsmaschine nicht be­rührt und können also auf dem Papier keinen Eindruck hinterlassen. Aus den vielen Tau­senden mehr oder weni­ger großen (oftmals in

den Schatten flächenhaft zusammenhängenden) druckenden Punkten baut sich nun das Bild auf. Die Tonwerte des Originals find zwar etwas ver­gröbert, aber sie sind da! Wer sich die kleine Mühe gibt und das Vergrößerungsglas zur Hand nimmt, kann die Punktstruktur des Bildes genau erkennen sie ist aber beim Zeitungsbild auch mit bloßem Auge zu erkennen.

Das fertige, beschnittene und genau rechtwinklig bestoßene Klischee wird nun mit Hilfe einer auf zwei Seiten klebenden Folie auf die halbrund ge-

gegossene Druckplatte aufgeklebt und gedruckt. DaS Bild ist in der Zeitung!

Die geschilderte Technik dient lediglich der Her­stellung des Klischees für die Zeitung. Das Bild, das höheren Ansprüchen genügen soll, das auf Kunstdruck- oder Illustrationsdruckpapier gedruckt

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Und hier wird in der Maschine geätzt, werden soll, wird in einer weitaus komplizierteren Technik hergestellt.

Interessant ist auch ein Blick in unseren Chemi­kalienschrank, der eigens für die Zwecke der Pho­tographie und der Reproduktion angelegt werden mußte. Für jede Bildherstellung harren insgesamt etwa 18 Flaschen mit mehr oder weniger harmlosen Inhalten der Benützung. Da gibt cs Metol und Hydrochinon, Kalium- und Ammoniumbichromat, Jodkalium, Aetzkali und Quecksilberchlorid, Schellack, Asphaltlack und Salpetersäure usw. Und wenn sich

Dran können in zwei Stunden bewältigt wer­den. Hunderte der verschiedensten Handgriffe und Tätigkeiten liegen zwischen der photographischen Aufnahme und dem Aufkleben des fertigen Klischees auf die Druckplatte. Hunderte von Handgriffen und Fingerspitzengefühl gehören dazu! Fast in jeder Station des Arbeitsganges kann das ent­weder hoffnungslos verkorkst ober aber verbessert werden. Es gehört viel Einfühlungsvermögen in die Gesetzmäßigkeiten eines Bildes dazu. Auch geht es nicht ohne einige Ahnung von chemischen Zu­sammenhängen. Mit dem Elektron z. B. standen wir eine Zeitlang auf dem Kriegsfuß, und manche Platte wanderte in den Abfallkasten, hingeworfen mit einer Geste und Bewegung der Hoffnungslosig­keit und der Resignation. Immer wieder aber mußte probiert, auf immer wieder etwas andere Art mußte die Arbeit wieder aufgenommen werden. Nun aber haben wir uns auch mit den charakterlichen Eigen­schaften des Elektrons vertraut gemacht.

Wenn das Bild dann in der Zeitung erscheint, nimmt man es meist als eine Selbstverständlichkeit hin. Das Bild ist ja auch für unsere Zeitung, jeweils zum gegebenen Augenblick, eine Selbstverständlich­keit? Das gedruckte Wort läßt sich mit dem Bild gut ergänzen. Der Leser ist rascherim Bilde". Und deshalb kommen überhaupt Bilder in die Zeitung! Wer bis zu diesen letzten Zeilen gelesen hat, weiß nun auch, w i e die Bilder in die Zeitung kommen? Die nächsten hundert Fragen danach wären also überflüssig? Hugh! Wir haben gesprochen N.

(Ausnahmen s9s: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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Das Rasternegatio. wird auf die lichtempfindliche Wetallplgtte <ausgelegt.Nach der Spiritusentwilyung erscheint unter dem Wasserstrahl das Bild.

Die Klischees (im Vordergrund) auf dem Rotationsdruckzylinder.

der Phototechniker einmal vergreift es kommt selten genug vor dann muß er nachexerzieren.

Die Herstellung eines Zeitungsklischees nimmt etwa eine Stunde in Anspruch. Mehrere Klischees zu gleicher Zeit yerzustellen ist wirtschaftlicher. Vier Klischees zum Beispiel mit allem Drum und