Ausgabe 
4.2.1939
 
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Wandlungen her belgischenAenwkmiie".

Die belgische Demokratie ist seit langer Zeit im Stadium einer schleichenden Krise, wie es eine Zeit lang auch die Außenpolitik war, bis der Kö­nig die Bindung an Frankreich aufgab und sich für eine strikte Unabhängigkeit aussprach. Deutschland hat dieser Politik zugestimmt, ebenso Großbritan­nien, und nach einigem Wehklagen und Vorwürfen auch Frankreich. Jetzt hat der König mit dem Mini­sterrat auch die chronische Parlamentskrise besprochen und von seinem Recht Gebrauch gemacht, die Politik des Landes wesentlich mitzubestimmen. Denn das angeblich so demokratische Belgien ist nach seiner Verfassung lediglich eine k o n st i t u t i o - nelle Monarchie. Der König ernennt in ihr den Ministerpräsidenten. Selbst wenn das Parla­ment den Ministerpräsidenten ablehnt, braucht sich der König nicht darum zu kümmern. Er hat das Recht, über Krieg und Frieden zu befinden. Er be­sitzt zum mindesten die Gewalt, die ehemals der deutsche Kaiser gegenüber dem Reichstag hatte, Bel­gien ist also nicht, wie Frankreich und England, eine Volldemokratie" und kennt keine Ministerverant­wortlichkeit gegenüber dem Parlament. Der junge König Leopold ist nicht gewillt, der Willkür und der Zerfahrenheit der Parlamentsparteien länger zuzu- sehen, sondern meldet seine Rechte in aller Form an. Seit er im Oktober 1936 seine berühmte außen­politische Rede hielt und das Parlament zwang, sei­ner Führung zu folgen, hat er so viel Sympathien im belgischen Volke neu erworben, daß seine jetzige innenpolitische Reformrede ebenfalls allgemeine Billigung finden dürfte.

Der damalige Außenminister und jetzige Minister­präsident S p a a k ist bei diesem Werk der beste Mitarbeiter des Königs, obgleich Spaak formell noch heute der marxistischen Partei angehörk, auf deren radikalstem Flügel er einst stand. Spaak hat als Ministerpräsident das Wort von derauto­ritären Demokratie" geprägt, er hat die Anzahl der Minister von 15 auf li gemindert, er arbeitet seit langem für eine Revision der Verfas­sung, da für ein 8-Millionen-Dolk 212 Abgeordnete zu viel seien und setzt sich für einen Neuaufbau des veralteten und sehr komplizierten Verwaltungs- apparates ein. Seine Kämpfe mit den Marxisten und mit den übrigen beiden Regierungsparteien (Klerikale und Liberale) haben hierin ihren Ur­sprung. Immerhin hat Spaak es verstanden, die Intentionen seines Königs durchzusetzen. Er hat sich vom Marxismus unter dem Druck der parlamen­tarischen Zerfahrenheit zum Vorkämpfer eines neuen Staatsideals durchgefochten. Seine schroffe Absage an die Klassenkampsidee des Marxismus in seiner ersten Rede als Ministerpräsident hat eigentlich, wenn auch noch nicht offiziell, den belgischen Mar­xismus in einen marxistischen und nationalen Flügel gespalten. Spaak sagte damals:Meine Herren, ich glaube nicht an den Klassenkampf. Ich glaube, daß es mehr Dinge gibt, die uns einigen, als die uns trennen. Ich glaube, daß in den wichtigsten natio­nalen Fragen wie Verteidigung der Unabhängigkeit, Verteidigung unserer staatlichen Einrichtungen usw. 90 v. H. aller Belgier einig sind." Es wer bedeut­sam, daß sich der kürzlich verstorbene Führer der Marxisten, Vanderoelde, mit seinen Genossen dieser Erklärung nicht anschloß, auf der anderen Seite aber es nicht wagte, Spaak aus der Partei auszuschließen. Die Gemeindewahlen am 16. Oktober 1938 ergaben einen Sieg der Regierungsparteien, wodurch die belgische Bevölkerung hauptsächlich den Dank für die geschickte Leitung der Außenpolitik durch Spaak während der Septemberkrise zum Ausdruck brachte. Dieser Dank aber gebührte in er­ster Linie dem König, der die Neutralitätspolitik ein­geleitet hatte.

Wenn König Leopold jetzt, was er sehr selten tut, in die Innenpolitik eingreift, eine straffere Regie­rungspolitik wünscht und eine Verringerung der politischen Reibungen, dann kommt er damit dem Wunsche Spaaks entgegen. Die Respektierung der Verfafsungsgrundlagen muß immer wieder in den Vordergrund geriickt werden, da bis zu Spaaks Be­treuung mit der Ministerpräsidentschaft eigentlich die Koalitionsporteien den Ministerpräsidenten aus­handelten und der König ihn bestätigte, statt auf feinem Recht zu bestehen. Neben der dringend not­wendigen Verwaltungsreform ist ober auch die An­passung der Staatshaushalte an die finanziellen Möglichkeiten und die Aufrechterhaltung der sozialen Gesetzgebung beschlossen worden. Gerade hier lag eine Gefahr für den Bestand des jetzigen Kabinett^,

die durch die letzte Ausbootung eines reaktionären Wirtfchaftsminifters zunächst behoben worden ist. Wie aber will die Regierung des immer schärfer werdenden Nationalitäten st reites Herr werden?

Es gibt wohl nicht viele Länder, in denen 20 Jahre nach dem Weltkrieg noch die heftigsten inneren Spannungen wegen bestimmter Kriegsereignisse be­stehen. In Belgien können derartige Spannungen immer wieder das politische Leben beunruhigen. Der flämische A k t i v i s m u s ist der Streitpunkt, der die Gemüter nicht zur Ruhe kommen läßt. Ob­wohl die Aktivisten, die mit der deutschen Militär- Verwaltung zusammenarbeiteten, inzwischen begna­digt wurden, hat man ihnen noch nicht in allen Kreisen der Bevölkerung verziehen. Für die wallo­nischen Frontkämpfer bleibt ein Mann wie Börms, der immer nur ein Vorkämpfer für seine flämische Heimat sein wollte, ein Verräter Nun hat die belgische Regierung einen Mediziner aus Gent, den !Dr. Martens, zum Mitglied der neuen flämischen i Akademie für Medizin ernannt, obwohl er als Aktivist früher einmal zum Tode verurteilt war. Mit seiner Ernennung wollte die Regierung viel­leicht ihre Bereitschaft zeigen, die Kluft zwischen Wallonen und Flamen zu überbrücken. Die Wirkung war allerdings eine andere, denn gegen die Ernen­nung von Dr. Martens haben die Organisationen der ehemaligen Frontkämpfer erregt Protest erhoben. Der Ministerpräsident Spaak hat sich geweigert, die­sem Druck nachzugeben. Aber in der Kammer erhielt der Antrag, mit dem über diese Frage zur Tages­ordnung übergegangen wurde, nur die knappe Mehrheit von zwei Stimmen. Die Abgeordneten mit flämischen Namen haben im Sinne der Regie- ' rung, diejenigen mit französischen Namen gegen die Regierung gestimmt. Der Fall Mertens hat also wieder quer durch die Parteien den Volkstums- ri ß zwischen Flamen und Wallonen erkennen lassen. Spaak selbst wurde auf dem Heimwege von Mit­gliedern der wallonischen Frontkämpferverbände blutig geschlagen. Alle Bemühungen des Königs und des Ministerpräsidenten, das immer schärfer auf­lodernde Feuer des Nationalitätenhafses zu be­schwichtigen, sind bisher vergeblich gewesen.

Wie groß die Gegensätze sind, geht auch daraus hervor, daß im vorigen August, als die Manöver in den Ardennen und nicht mehr, wie bisher, aus­schließlich an der deutschen Grenze abgehalten wurden, der frühere marxistische Staatsminister und jetzige Bürgermeister von Lüttich, N u j a n , for­derte, die Bevölkerung solle als Protest neben der belgischen die französische Fahne hissen. Der wallo­nische Marxist T ruf saut erklärte damals ganz offen, die wallonischen Regimenter würden mit flie­genden Fahnen zu den Franzosen übergehen, wenn es ernst würde. Dieser selbe Truffaut hatte jetzt einen Antrag eingebracht, der Belgien in einen Bundes st aat verwandeln, also in einen flä­mischen und wallonischen Teil zerlegen sollte. Selbst­verständlich hatten die flämischen Nationalisten gar nichts gegen diesen Antrag ihres Gegners, der im­merhin 62 Stimmen auf sich vereinigte, während die in dieser Frage gespalteten Regierungsparteien ihnen 111 Stimmen entgegensetzen konnten. Daß Belgien van zwei einander feindlichen Rassen be­wohnt wird, ist vielleicht die größte und eigentliche Gefahr für den Bestand des Staates. E. S.

Spaak wieder im Dienst.

Lebhaftes Echo

der Mahnnna König Leopolds.

Brüssel, 3. Febr. (Europapreß). Mimste» Präsident Spaak hat am Freitagvormittag seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Er wandte sich gegen die in der Preise aufgetauchte Behauptung, daß er sich geweigert habe, Vertreter der beiden Frontkämpferverbände zu empfangen. Der Haupt­mann der Reserve Baron d'Adethad, der bei dm Vareängen vor dem Hause Spaaks einer der Rädelsführer gewesen ist, wurde verhaftet. In feiner Tasche fand man einen Mauerstein, den er wohl gegen den Ministerpräsidenten zu schleu­dern beabsichtigt hatte. Da auf Angriffe gegen Negierungsmitglieder eine Freiheitsstrafe von einem halben Jahr bis zu fünf Jahren Gefängnis steht, kann mit einer empfindlichen Bestrafung der Täter gerechnet werden. Der Staatsanwalt hat bereits die Untersuchungen eingeleitet. Da weitere DerartigeBesuche" in Ministerwohnungen geplant fein sollen, wurden die ©ebäube unter polizeilichen Schutz gestellt.

In langen Kommentaren hat die belgische Presse zu den Vorgängen des Donnerstags Stel­

lung genommen. Man verkennt nicht die deutliche Warnung des Staatsoberhauptes an die Parlamen­tarier. Renä Hislaire, der Chefredakteur derIn- Dependance Belge", meint,wir müßten uns sehr tauschen, wenn der gestrige Tag für unsere Innen­politik nicht von ebenso großer Bedeutung ist wie der 14. Oktober 1936 es für die Außenpolitik ge­wesen ist." Auch der Satz des Königs:Wenn Das Parlament die Regierung an ihrer Arbeit hindern will. Dann werde ich Den jetzigen Zustand nicht mehr länger anseh en", wird hervorgehoben. Le XXSme Siede" meint, daß eine Verwirklichung der berechtigten Forderungen, die König Leopold gestellt habe, das Programm der Regie­rung von morgen fein würde.Nieuws van den Dag" schreibt, alle Welt sei sich Darüber einig, daß es unbedingt notwendig gewesen fei, daß der König einmal energisch mit seinen Ministern gespro­chen habe. Denn es stehe fest, daß feit Dem Mai 1936 die Regierung noch keine der großen Re­formen verwirklicht habe, Die damals im Regie­rungsprogramm verkündet worden feien. Im Rexi-

ftenblattPays Rsel" befaßt sich ßeon D egrello mit der Krise in dem derzeitigen Dreterpar* teiensystem Sozialisten, Liberale und Katho­liken und fordert entweder Die Bildung einer Regierung, an Der alle im Parlament vertretenen Parteien beteiligt sinD, oder ein rein nationales

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oder marxistisches Kabinett. Wenn aber dann eine solche Regierung mit varlamentarischer Mehrheit ^ustandekomme, Dann solle sie auch nicht vor irgend­welchen besonderen Parteiinteressen zurückwelchen, sondern Die Verantwortung tragen und behalten. De grelle erinnert an England, wo einst unter Macdonald und heute unter Chamberlain ebenfalls eine Regierung am Ruder fei. die den festen Kurs behalte und sich durch die Opposition nicht beirren lasse.

Chemie erschließt t>ie Welt.

den (Srunhlagcn und Aufgaben des chemischen Zeitalters.

xv.

Ausreichende AorMungsstätten und genügender Nachwuchs.

Die deutsche Chemie hat in Den letzten fünf Jah­ren forscherisch und schöpferisch gewaltige Leistungen vollbracht. Sie hat in dieser Zeit mehr erreicht als in der doppelten Zeit früher. Ihre Leistungsfähig­keit war aufs äußerste angespannt. Und dennoch ist eine weitere Leistungssteigerung not­wendig in forscherischer, technischer und wirtschaft­licher Hinfickst. Denn es kommt Darauf an, aus­ländische Rohstoffmonopole endgültig zu brechen. Die Wirtschaft und Die Wehrkraft zu steigern und die Volksleistung im ganzen höher zu entwickeln. Auch muß Die Weltgeltung der deutschen Chemie auf Den bisher behaupteten Gebieten erhalten und verloren­gegangene Stellungen wiedererobert werden.

Es waren namentlich die Amerikaner, Die nach Dem Krieg auf naturwissenschaftlichem Gebiete unerhörte Anstrengungen machten. Aus Der Ge­schichte Der deutschen chemischen Forschung und Schöpfung hatten sie gelernt, daß es für ihr Land notwendig sei, ein ähnliches Forschungspotential wie in Deutschland heranzubilden. Um Den Deut­schen Vorsprung einzuholen, setzten sie unerhörte GelDmittel ein. Sie schafften sich Die modernste Ap­paratur für zahlreiche und großzügig ausgebaute Forschungslaboratorien an, sie entwickelten Die Grundlagenforschung, die Forschung auf lange Sicht, schufen für ihre Forscher die menschlich richtige At­mosphäre und gaben ihnen DiejenigenWerkzeuge" in die Hände, mit denen man einer großen Anzahl von chemischen Forschungsaufgaben auf Den Leib rücken konnte.

Gerade die für Die Erreichung bestimmter techni­scher Ziele notwenDige Forschung hat man in Amerika machtvoll gefördert. Auf Dem Gebiet Der Metallforfchung, der Legierungskunde und der Kor- rofionsforschung ist die theoretische Arbeit bei uns nur auf einige wenige Institute beschränkt. Die Amerikaner aber haben eine große Anzahl von In­stituten apparativ und instrumentell in Der not­wendigen Weise ausgerüstet und Die entsprechende Forschungsmannschaft mobilisiert. Für die Bautech­nik ist die Silikatforschung von außerordentlich gro­ßer Wichtigkeit. Die deutsche Wissenschaft hat Pio­nierarbeit geleistet. Allein Die Amerikaner find in­zwischen weitergekommen. Auch in Der Mineralöl­forschung konnten die USA. einen großen Vorsprung erringen.

Um Die Frage derWertzeugbeschaffung" für die dringenden und aktuellen Forfchungsaufgaben m befriedigender Weife zu lösen, ist es nach den Urteilen sachkundiger Kreise notwendig, Die lau­fenden Mittel für Die wissenschaftlichen Institute be­trächtlich zu erhöhen. Es wird sogar wichtig fein, ganz neue Institute zu gründen. Nicht von einigen Fabriken, sondern von Der gesamten Industrie sollen Die notwendigen Mittel für eine zielstrebige und un- abhängige Forschung zusammengebracht werden. Auch wäre wohl dafür zu sorgen, daß sie durch eine solche Stelle verteilt werden, die Gewähr dafür bietet, daß Die Forschung von Sonderinteressen un­abhängig bleibt. Es ist aber noch Die Finge, ob die

chemische Industrie allein in Der Lage ist. Den tech­nischen Rückstand auszugleichen. Sicherlich wird Der Staat eingreifen müssen, um ihm geeignet er­scheinenden Organisationen Mittel bereitzustellen, da­mit unsere Forschung das technische Rüstzeug erhält, das notwendig ist, um Die Weltgeltung Der deut­schen Chemie und ihre völkischen Aufgaben zu sichern.

Dasselbe gilt auch für Die äußerst brennende Frage der Sicherung des Chemiker-Nach- Wuchses. Diese Frage ist für die Chemie zu einer Existenzfrage geworden. Die vor kurzem angeord­nete Verkürzung des Hochschulstudiums ist Ausdruck einer Zwangslage. In ihr ist Die Gefahr enthalten, daß Die gründliche Ausbildung Des jungen Chemi­kers zu kurz kommt. Dor allem ist dadurch auch mengenmäßig das Nachwuchsproblem keinesfalls gelöst. Um Die dringendsten Anforderungen ßu be­friedigen, wäre die doppelte Anzahl von jungen Chemikern notwendig.

Wie ist es möglich, aus diesem Engpaß heraus­zukommen und durch welche Mittel läßt es sich Der-

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hindern, daß Die deutsche Chemie durch einen Man­gel an gründlich ausgebildeten Fachkräften in ihrer Entwicklung gehemmt wird? In großen Zügen hat Dr. Claus Ungeroifter Die notwendigen Maß­nahmen skizziert und Die folgenden 6 Forderungen aufgestellt: Erstens ist es notwendig, die Arbeit Des Chemikers als staatspolitisch wichtig zu erklären, damit Das Ansehen Der chemisch-technischen Berufe in der Oeffcntlichkeit gestärkt wird. Zweitens muß innerhalb Der Jugend für die Idee und Den Berus Der Chemie liebevoll und gründlich geworben wer­den. Drittens ist es notwendig, daß Die Hochschule als wichtigstes Instrument für die Heranbildung des chemischen Nachwuchses in Die Lage versetzt wird, Die in den letzten Jahren gewaltig gestiegenen Ansprüche in Der Forschung und Lehre auch tat­sächlich zu erfüllen. Viertens wäre es Verhängnis- voll, wenn die Bemühungen um eine quantitative Sicherung Des Chemiker-Nachwuchses zu einer Vor schlechterung seiner Leistungsfähigkeit führen würde. Fünftens muh Die Arbeitskraft des Chemikers mög­lichst sinnvoll eingesetzt werden: er ist von einer mehr ober weniger mechanischen Tätigkeit weit­gehend zu entlasten. Sechstens muß es das Ziel aller zuständigen Kreise sein, die wirtschaftliche Stellung Des Chemikers, wo immer er im Interesse der Gemeinschaft tätig ist, jener wirtschaftlichen Stellung anzugleichen, die ihm normalerweise ein Privatunternehmen bieten kann.

Grundlegende Probleme sind in diesen sechs For­derungen angeschnitten. Von ihrer Lösung hängt es ab, ob die Frage des Chemikernachwuchses zu einer erirften Bedrohung Der Deutschen Führerstellung in der Forschung werden soll oder ob uns jenes geistige und seelische Forschungspotential erhalten bleibt, durch das Die Deutsche Chemie groß rourDe.

H. Schüller.

Geschichten aus aller Welt.

Tie Film-Indianer.

C. K Hollywood.

Da Die Wild-West-Filme neuerdings in Hollywood wieder sehr in Ausnahme gekommen sind, wollte einer Der größten Filmgesellschaften nicht zurück- stehen und hatte sich, um möglichst echte Lokalforbe zu erzielen, die Mitwirkung eines Jndianerstammes gesickert. Aber als der Augenblick gekommen war, die Indianer zu zeigen, wie sie unter viel weisen Reden über ihre herrlichen Kriegstaten, über ihre alles niederschmetternden Tomahawks und die 11 iv ^ahl Der erbeuteten Skalpe schließlich Doch die Friedenspfeife rauchten, mußte der Spielleiter zu seinem Schrecken feststellen, daß seine an sich echten Rothäute kein Wort Indianisch mehr sprachen, son­dern nur noch englisch radebrechten. Schließlich kam Der Tontechniker dem Regisseur, der schon verzwei­feln wollte, mit einem großartigen Einfall zu Hilfe. Er nahm die Szene auf mit den englisch redenden Indianern, als ob es nicht anders sein könnte, bann aber Drehte er den Tonstreifen in verkehrter Rich­tung so ergab sich wenigstens für Den Ton etwas, was auf die Zuschauer mindestens ebensogut wirkte-, wie wenn die Indianer die Sprache ihrer Vorväter geredet hätten. Sie hörten nur eine Folge von un­verständlichen Lauten, wie sie auch von dem Indio nisch kein Wort begriffen hätten. Eine ganz neue Snrache, das F!lm-Jndianisch", war entstanden.

Tas Autogramm.

C. K. London

Auf einem Festessen zu seinen Ehren saß der eng­lische Dichter Bernard Shaw eines Tages neben einer hübschen jungen Dame. Er hatte jedoch keine Freude an dieser Nachbarschaft, Denn bald stellte es sich heraus, daß Die junge Dame eine leidenschaft­liche Autographenjägerin war. Sie setzte ihm wäh­rend des Essens so zu, daß er ihr endlich ein paar Worte von seiner Hand versprach. Am nächsten Morgen stellte sie sich denn auch pünktlich bei ihm ein, um Die Beute in Empfang zu nehmen. Der Dichter fragte sie, ob ihr Das Autogramm auf einer Photographie oder in einem Buch lieber sei, und

als sie Das Buch wählte, ergriff er einen Band und schrieb etwas hinein. Darauf wickelte er das Buch sorgfältig ein und überreichte es ihr Strahlend ging sie davon, aber sie strahlte weniger, als sie zu Hause ihren Schatz auspackte und auf der ersten Seite die Worte fand:Um Mrs. X. loszuwerden, die mich am Arbeiten verhindert. B. S"

Tcr Eierkuchen a14 Glücksbringer.

*\S. Paris.

Am Lichtmeßtag muß jeder Franzose, der an altem Brauchtum festhält und fast jeder hält Daran fest sich selbst einen Eierkuchen zubereiten. Sanier la crepe" heißt auf deutsch: den Eierkuchen in Der Pfanne springen lassen. Man muß dabei ein Goldstück einige Louis d'Or sind fast in jeder französischen Familie auch heute noch zu finden in der Linken halten und mit Der Rechten Den Eier­kuchen in der Pfanne so kunstgerecht springen lassen, daß er mit Der anDercn Seite wieder in die Pfanne fällt. Der Volksglaube will es, daß das Gelingen dieser durchaus nicht einfachen Küchenakrobatik das ganze Jahr über Glück bringt. Springt der Eier­kuchen aber über die Pfanne hinaus und fällt zu Boden, so bedeutet Das natürlich Pech. Beim an- schliehenDen Eierkuchenefsen im Kreise der Familie wird selbstverständlich eine Flasche Wein geleert. Das angeblich in altkeltischem Brauchtum wurzelnde ..Eierkuchen-Schleudern" ist in den letzten Jahren besonders in Der Theater- und Kunstmelt wieder aufgelebt, und die Leserschaft her Boulevardblätter erwartet von ihrer Zeitunq anderntags genau dar­über unterrichtet zu werden, ob Sascha Guitry oder die Mistinguette in diesem Jahre Gluck haben ober Pech.

Tauseudftankenscheinc, vom Winde verweht".

AS. Genf.

Aus einer Eisenbahnfahrt LausanneGenf ist vor kurzem einem Pariser ein ebenso kostspieliges wie tragikomisches Erlebnis passiert: Er hatte in Lau- sänne 100 000 französische Franken bei einer Bank abgehoben und die hundert Tausendfrankenscheine in

Die rückwärtige Tasche Der Hose gesteckt. Bei Der Rückfahrt mußte er für* vor Genf, nämlich in der Nähe Des Städtchens Versoix, ein stilles Oertchen aufsuchen, wobei infolge einer unglücklichen Bewe­gung die Tasche aufging und Das ganze Paket Geld­scheine auf dem hier möglichen kürzesten Wege hinab auf Den Bahndamm fiel. Dor Schreck vergaß Der Mann sogar Die Notbremse au ziehen, und erst nach Der Ankunft in Genf roanotc er sich hilfesuchend an den Bahnhofsvorsteher. Dieser ließ das Personal des nächsten, die Strecke passierenden Zuges fern­mündlich benachrichtigen, und das Ergebnis der auf diese Weise eingeleiteten Ermittlungen bestand darin, daß innerhalb weniger Stunden 85 der schmerzlich vermißten Geldscheine wiedergefunden werden konn­ten, einige davon infolge des starken Windes in einer Entfernung von mehreren Kilometer: einer Der roiehergefunhenen Scheine war sogar von einem Zug entzweigefahren worden-, von den letzten fünf­zehn fehlt dagegen jede Spur.

Tas rosige nnb das schwarze Schwein.

AS. Rom.

Eine luftige Geschichte, bei der ein rosiges Mast­schwein die unfreiwillige Hauptrolle spielte, erzählten italienische Blätter. Dieses rosige Schwein war von einer in San Rocco bei Olettunn wohnenden Witwe mit vieler Liebe und Sorgfalt aufgezogen und ge­mästet worden, da es DerZiehmutter" einen guten Weihnachtsbraten liefern sollte. Die Frau hatte denn auch wenige Tage vor dem Feste die Genugtuung feststellen können, daß Das Schwein, das auf Den NamenMichele" härte, ein ansehnliches Gewicht erreicht hatte Das Schlachtfest wurde auf Den fol­genden Tag angesetzt Wer beschreibt den Schrecken und die Trauer her braven Witwe, als sie am Morgen hon StallMicheles" leer fand? Unter einem Tränenstrom erzählte die um ihren Festbraten geprellte Frau her Polizei das spurlose Verschwin- Den ihres rosigen Lieblings. Die Polizei forschte zu­nächst einmal nach, in welchem Hause Des Dorfes und Der umliegenden Bauernhöfe an dem fraglichen Morgen her Zugang eines Schweines ermittelt wer­den konnte. Balo wurde ein Ehepaar ausfindig ge­macht, dessen Diehbestand sich über Nacht um so ein Borstentier vermehrt hatte. Unversehends erschienen bei diesem Ehepaar mehrere Beamten in Begleitung der bestohlenen Witwe, um das Schwein in Augen­

schein zu nehmen. Aber die arme Frau wandte sich beim Anblick des Tieres entsetzt und entrüstet ab: Die6- garstige^schwarze Biest sollte ihr rosigerMichele" fein? Schon wollten die Polizisten unverrichteter Dinge abziehen, da hatte der Himmel ein Einsehen. Es begann in dicken Tropfen zu regnen, und siehe Da, die schwarze Farbe des Schweines begann in Streifen herabzulaufen, die rosige Haut kam zum Vorschein, und als die rechtmäßige Besitzerin über­glücklich das Tier bei feinem Namen rief, fetzte es sich fröhlich grunzend in Galopp und eilte auf di? Frau zu. Die Leidtragenden bei dieser lustigen Ge­schichte waren das Diebespaar, das je vier Monate Gefängnis zu verbüßen haben wird, und . . Michele" selbst, Denn wenn es auch mittlerweile für den Weihnachtsbraten zu spät geworden war, so zierten doch bereits zu Neujahr Die Speckseiten. Schinken und Würste, die sein rosiger Wanst ge­liefert hatte, den Rauchfang her Witwe.

Die musikbegeisterten Krokodile.

C. K. Lissabon.

Bei einem Konzert, das das englische Boyd-Neel * Streichorchester auf einer Reise durch Portugal in Coimbra gab, gab es einen spaßhaften Zwischenfall, der die starke Wirkung guter Musik auf Krokodile bewies. Das Konzert wurde in einem Theaterraum gegeben, in dem nachher eine auch gerade im Ort aaftierenhe Menagerie eine Vorstellung veranstalten sollte. Die Tiere, die vorgeführt werden sollten, waren nur durch eine dünne Scheidewand von dem Orchester getrennt. Kaum erklangen die ersten Takte Der Musik, als einige her mühen Tiere sich sehr lebhaft dazu zu äußern begonnen. Aber erst als die Bässe einsetzten, bemerkten das Orchester und die Zuhörerschaft, daß die Krokobile die gerade gespielte Komposition von Delius augenscheinlich sehr genossen und ihren Beifall mit Geräuschen äußerten, die an den Abschuß von Geschützen erinnerten. Als bas Stück zu Ende war, zeigten die Krokodile durch starkes Schlagen des Bodens mit den Schwänzen an, daß sie die Musik noch einmal hören wollten. So sehr man Die Musikfreudigkeit her Krokodile schätzte, so bemühte man sich doch, sie zum Schwei­gen zu bringen, was dadurch gelang, daß man warmes Wasser über sie goß und ihnen so hie angenehme Wärme verschaffte, hie ihre weiter- gebenden Wünsche verstummen ließ