Ausgabe 
4.2.1939
 
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Nr. 56 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

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Leben wiedersehen wird Aber nicht nur den gro-

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1 sor Dr. Ernst Schultze an der Handelshochschule -Leipzig zum Ordinarius für Volkswirtschafts- r lehre an der Universität Leipzig.

ßen Züchtern leien diese schönsten unter den Nel

ken überlassen. Wir können sie unschwer selber

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11.30 bis 12 30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstagnach- mittaa aelchlofsen

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konischen Reichtum sagt: er sei ,cher Normalzustand des Begnadeten", und eben dies gäbe dem Streben nach irdischen Gütern einen spirituellen Hintergrund und einen Sinn, der ihm jedes Odium nähme. Auch wer das Geld auf die unsinnigste Weise aus dem Fenster wirft, wird nicht eigentlich gehaßt, sondern bewundert. Der offen ausgesprochene Wunsch eines jeden ist: wenn ich doch auch erst so weit wäre! Im Hafen von Neuyork aber steht die Rie­senstatue der Göttin der Freiheit und macht sich über gewissezurückgebliebene" Europäer lustig, die es vorziehen, den Gemeinnutz vor den Eigennutz zu stellen!

Die Sondermarken für die Berliner Autoousstellung nach Entwürfen des Graphikers Meerwald. Die Zu­schläge für die Sondermarken fließen dem Kultur­fonds des Führers zu. (Scherl-Bilderdienft-M.)

des Führers im Jahre 1933 gebaut wurden, feit ihrem Erscheinen auf den Rennplätzen der ganzen Welt, sei es m der Form der bis 1937 gültigen For­mel oder in der Bauweise des vergangenen Jahres einwandfrei alle ersten Plätze nach Hause gefah­ren haben Es sind die Wagen, mit denen die Na­men eines Bernd Nosemeyer, Hans Stuck, Hermann Lang, Ernst o. Delius, v. Brau­ch itsch und Rudolf Caracciola ewig verbun­den sind: Symbole für das technische Schaffen deut­scher Kraftfahrzeugingenieure der Jetztzeit.

Auf dem Postwertzeichen zu 25 (4-10) Rpf. sieht man den deutschen KdF-Bolkswagen, der im Auftrage des Führers auf Grund feiner For­derung in der grundlegenden Motorisierungsrede anläßlich der Internationalen Automobil- und Mo­torrad-Ausstellung Berlin 1934 geschaffen wurde. Diese 'geniale Schöpfung Dr Porsches, die wir hier auf den modernsten Straßen der Welt, den deutschen Reichsautobahnen sehen, ist dazu bestimmt, eine ganz neue Schicht deutscher Menschen dem Kraftfahrzeug zu erschließen als beredtes Beispiel dafür, daß in Deutschland das Automobil nicht mehr ein Lurusgegenstand für einige wenige Be­güterte ist sondern Eigentum des ganzen Volkes.

Der Besucher der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung Berlin 1939 der den Satz dieser drei vom Gebrauchs-Graphiker Erich M e e r w a l d (Berlin) entworfenen Briefmarken in den Händen haben wird, besitzt dann Bilddoku­mente, die die Vergangenheit (Daimler-Benz), die Gegenwart (die deutschen Rennwagen) und die nächste Zukunft (der KdF.-Volkswaaen auf der Reichsautobahn) der deutschen Motorisierung in sich schließen.

genommen einen Anachronismus. Sie ist aber in die­ser Form notwendig, um gerade dem Auslande, welches in letzter Zeit erst wieder versucht hat, Deutschland das Erstlingsrecht am Automobil ab­zusprechen. die Existenz dieser beiden deutschen, großen Ingenieuren mit ihren Fahrzeugen vor Augen zu führen

Die 12 (+8) Rpf -Marke zeigt die sieggewohnten Rennwagen der Auto-Union und Daim­ler-Benz (Mercedes) während eines Ren­nens aufdemNürburgring, der Straße des Großen Preises für Deutschland, der in den letzten Jahren immer von einem dieser deutschen Renn­wagen gewonnen wurde Das Wahrzeichen d'esec Strecke die Nürburg taucht im Hintergründe des Bildes auf Mit der Herausgabe dieses Postwert­zeichens wird der Welt noch einmal vor Augen ge­führt werden, daß die Rennwagen, die auf Geheiß

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wird fortan ein Alp in deinem Leben fern: wenn du dich früh aus den Latschen erhebst, den Leib feucht vom Tau, und allein bist mit dem letzten, ent­schwindenden Stern und der keuschen Morgenstille der Givfel: wenn dich im brausenden Herbststurm der fordernde Schrei deines Freundes zur Liebe zwingt; wenn deine Kinder, junge, starke Hirsche, in die Berge springen, immer wird die dunkle Er­innerung an diesen Strick an deinem Halse dich be­drücken und dich scheiden aus der alten, stolzen Ge­meinschaft der Freien. Ketten hinterlassen ewige Narben, wer wüßte das besser als wir Menschen!

Als ich im Frühjahr wiederkam, stand die Hirsch­kuh noch immer im Stall rund und stark geworden, mit dunklen, traurigen Annen. Ich löste ihr den Strick, als die Stunde der Freiheit schlug, und sah si" über die braune Erde bergwärts fliegen, in die Wälder zurück

Aber ich glaube, ich bin ihr ein Jahr danach noch einmal beaeanet Als ich über brüchiaen Frühjahrs- schnee auf lautlosen Schiern durch einen Latschenhana alitt fvrana ein Rudel Hochwild vor mir auf und brach durch« Dickicht dnnon Nur eine Hirschkuh blieb ein naar Sekunden sieben, den dunklon Blick mir -naewandt, als wüßte sie um den Menschen und ^nte ihre Tierseele nicht mehr aus seinem Reiche lösen.

Dann folgte sie in zögernden Fluchten den andern.

Ernannt wurden: der Dozent Dr. Walter To 11- mien an der Universität Göttingen zum or­dentlichen Professor für technische Mechanik an der Technischen Hochschule Dresden; der o Profes-

aus Samen heranziehen und wählen dafür die Ehabaudnelken oder die RiesennelkenNizzaer Kind" oder die halbhohen Maraareten-Nelken, die alle zwar nur ein einjähriges Leben haben, aber dafür um fo leichter zu pflegen sind. Man sät sie warm im März vorsichtig in gut verrottete, mit Sand vermischte Komposterde, drückt den Samen zart an und bedeckt ihn schwach. Immer gleich­mäßig feucht halten, das ist die Hauptsache, und vor brennender Sonne schützen, auch später die pikierten Pflänzchen! Im September haben wir wohl die ersten Blüten, besonders wenn nrr darauf bedacht waren, jeder Pflanze nur eine, höchstens zwei Knospen zu lassen. Aber es sind meist nur wenige, und so nehmen wir die vielen anderen Pflanzen aus dem Gartenboden heraus, setzen sie in Töpfe und stellen sie ans Fenster des Zimmers Das aber darf nicht warm sein; diese Nelken blühen nicht in der Wärme, sie tun es in alter Erinnerung an ihre Heimat nicht. Etwa um 10 Grad soll es sein, dann gehen sie auf, eine nach der andern, können geschnitten werden und halten sich in der Vase, die nachts ganz kühl gestellt wird, manchmal drei Wochen lang.

Die Hindin.

Von Sofie von Uhde.

Es schneite und schneite seit Wochen. Das Mon­tafon versank in weißer Lautlosigkeit, von den ein­samen Berghöfen schauten nur noch die Dächer aus dem Schnee. Und hatten am Morgen die Bauern das Vieh aus dem Stalle getrieben, um mit feiner Hilfe mühselig einen Weg zur Schule und zur Kirche zu bahnen, so war am Abend alles wieder fort und verweht. Die Züge fuhren nicht mehr, die Post blieb aus wir waren isoliert und abgetan; hinter unüberschreitbaren Bergen lag die Welt fern und unerreichbar.

Wir stapften auf versinkenden Schiern durch die Dorfstraßen, und unsere Hochtouren bestanden darin, uns vom Gasthof am Anfang der Ortschaft bis zu dem am Ende des Dorfes durchzuarbeiten, um dort bei einem Enzian von den Bauern zu hören, daß feit Daterszeiten solch ein Unwetter nicht geherrscht habe, und um uns bei einem Kirschwasser von den Jägern erzählen zu lasten, daß oben in der weißen Unsterblichkeit das arme Wild verhungere Re­signiert sahen mir unseren Schiurlaub ungenützt ver- rinnen.

Eines dämmerigen Abends, als wir von einem vereinzelt gelegenen Berghof, wo wir täglich zu Milch und Ziegenkäse einkehrten, Abschied nahmen, sahen wir einen seltsamen Schatten talwärts wan­dern. Schwankend, wie betrunken, bis an den Hals im Schnee, mit letzten Kräften sich Bahn brechend, kam eine junge Hirschkuh in die Niederungen der Menschen. An der Brücke vor dem Hof gab sie den Kampf auf und. schief an den Pfosten gelehnt, schloß sie die dunklen Lichter. Ein Zittern lief über ihre Decke.

Wir riefen den Bauer und schleppten vereint das schwere Tier, das sich mit schwachem Schläuen der Läufe wehrte in den Stall Ein Stand zwischen den Kühen war frei; dorthin legten wir die Hirschkuh auf ein Lager von Blättern und türmten duftendes Heu vor sie auf, während die Bäuerin in die Küche lief, um einen warmen Trunk zu brauen, wie sie ihn ihren kleinen Kälbern gab Vielleicht roar's das rechte, wir hatten alle keine Praxis mit Hirschkühen, und die Telephondrähte zum fernen Forstamt lagen zerrissen unterm Schnee

Das schöne Geschöpf, die Augen voll hilfloser Ein­samkeit und zu schwach selbst für rechte Angst, schaute ergeben um sich, während die großen, guten Kühe von rechts und links neuaierig ihre Köpfe herüber» streckten und ihren feuchten Atem über den vor­nehmen Besuch bliesen In eine große Rupfendecke einqeschlaaen, laa sie grotesk und beziebunaslos in dieser dunstigen Atmosphäre braver Nützlichkeit, wie

Nelken aefivren bow ..

Ein Loblied auf die Nelke stimmt Otto Nebel- t h a u Kenner und Poet dazu, in einem farbig bebilderten Beitrag an, den wir im Februarhest von Velhagen & Klasinas Monats­heften finden Er meint, daß Nelken zum Fa­sching gehören Auf welchem solcher Feste steht man nicht Frauen und Männer mit Körben voll von ihnen sich durch die heiße bunte Schor der Tan­zenden bränaen, um die Blumen bann später schweigt bie Mustk für einige Auaenblicke. an ben Tischen anzubieten wo sie gewiß nicht zurückge- miefen werben Gehört doch der Nelkenduft zu solch einer Nacht, er beqühat die schwere Luft des Saales er belebt die Gesichter, bie sich- über ben Strauß beugen, er verschafft die Freude des Schenkens und gibt ben Dank der Nehmenden Er wird in den Eiskübel gestellt, um sich wieder satt trinken zu können, mit nach Hause genom­men, wo er noch tagelang stch und die Erinnerung an einen Menschen frifchhäU, nach dem man sich sehnt und den man wahrscheinlich niemals im

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Werner Böhme

Jahre Automobil" der Berliner Inter­nationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung die Deutsche Reichspost zwei Briefmarken zu 6 und 12 Pfennig mit ben Kopfbilbern von Daimler iinb Benz herausgab Die Erfindung des Automobils durch zwei deutsche Konstrukteure, der derzeitige Hochstand der deutschen Kraftfahrzeugtechnik in seinen sieggewohnten Renn­wagen und bas Kraftfahrzeug ber breiten Masse, der deutsche KdF.-Volkswagen, werden nun als bie jüngsten Auto - Briefmarken der Welt in einer Sonder-Serie der Internatio- nalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung Berlin 1939 verkauft und mit einem Sonderstempel ent­wertet werden

Auf dem Wertzeichen zu 6 und 4 Rpf. sieht man im Vordergrund Karl Benz, der die an ihm bis in fein hohes Alter bekannte Seemannsmütze trägt, selbst am Steuer des hist 0 rischen , drei­rädrigen Automobils, mit dem er im Jahre 1885 zum ersten Male auf der Ringstraße in Mannheim fuhr und damit bas Iahrhunbert bes Kraftfahrzeugs eröffnete. Es ist bas Fahrzeug, über bas bas beutsche Reichspatent Nr. 37 435 vom 29 Januar 1886 Auskunft gibt Hinter bem Benz­wagen sieht man auf ber Briefmarke ben ersten oierräbrigen Kraftwagen ben Gottlieb Daimler 1886 erbaute, eine Kutsche der damaligen Zeit, in bie er feinen am 16 Dezember 1883 zum Patent angemelbefen Motor, benersten Schnelläufer ber Welt" eingebaut hatte. Die Briefmarke zeigt ihn selbst auf bem hinteren Sitz des Wagens, während fein Sohn Adolf am Steuer sitzt Wir wissen daß beide Erfinder, Benz und Daimler, sich nie per­sönlich gekannt haben und ihre Epoche ma­chende Konstruktion vollkommen unabhängig von­einander, wenn auch aleichzeitig, herausgeb'racht ha­ben Die neue 6-Rf -Briefmarke bringt also bildlich

Wenn das Essen nicht schmeckt,

bei Müdigkeit und Abspannungserscheinungen oder in Genesungszeiten nehmen Erwachsene und Kinder das blutbildende Kräftigungsmittel Bioferrin. 310V

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Sochschulnachnchten.

Professor Dr. Wilhelm Weygandt, em Or­dinarius für Pspchiatrie an d->r Üninersität Ham­burg, ist in seiner Heimatstadt Wiesbaden ge­storben. Der 1870 Geborene promovierte nach einem ungemein umfassendem Studium, das außer Psychologie und Medizin auch Philosophie, Sprach­wissenschaft und Theologie einschloß, 1896 in Würzburg mit einer Arbeit über Hirnsyphilis und habilitierte sich drei Jahre fpäfor mit einer Unter­suchung zum Thema des manisch-depressiven Irre­seins Nach ausgedehnten Stubienreisen wurde er 1904 tn Würzburg außerordentlicher Professor und übernahm 1908 die Staatsirrenanstalt in Ham­burg, wo er 1919 zum Ordinarius ernannt, bis zu feiner Entpflichtung verblieb Von seinen zahl­reichen Arbeiten griffen manche über ben engeren Bereich feines Fachs hinaus unb behanbeHen psy­chologische Fragen ber Literatur unb bergl-'chen. Der Gelehrte war besonbers auf bem Gebiet des Iugendschwachsinns ein Forscher von internationa­lem Ansehen.

Deutsche Auto-Bn'esmarken.

Auf der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung Berlin 1939

Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte Von Ernst von Aiebelschüh

In einer großen deutschen Zeitung wird die Frage ausgerollt, ob der Arzt berechtigt ist, bem todkranken Patientenbie volle Wahrheit" über seinen Zustand vorzuenthalten. Fast alle Zuschriften sprechen sich in bejahendem Sinne aus: um ben Kranken nicht zu beunruhigen sei hier biefromme Lüge" erlaubt, man solle ihmburch eine Illusion ben Uebertritt so gnäbig wie möglich gestalten", ihm bie Wohltat gönnen, bie man boch jedem Tiere erweise. Ganz sicher scheinen bie Ein­sender ihrer Sache aber boch nicht zu sein, anbern- falls sie nicht an ben Arzt selber appellieren wurden, der alleineine durch Erfahrung begrün­dete Antwort erteilen könne"

Hier regt sich bereits ber Zweifel: muß man ein Arzt fein, um ein Problem, das die tiefsten Geheim­nisse des Menschseins berührt, richtig beurteilen zu können? Und weiter: fordert der Vergleich mit dem Tiere nicht gerade dazu aus, das Sterben des Menschen anders zu bewerten? Sucht man in die­sem Falle überhaupt eine generelle Antwort, so kann diese nur von ber Erkenntnis ber Würde bes Menschen ausgehen, unb mit dieser Würde ist bie Lüge, auch diefromme" schlechterdings nicht vereinbar. Der Tod ist ber Prüfstein des höheren, geistigen Menschen. Alles Leben gewinnt erst Wert, wenn es angesichts des Todes geführt wirb, wenn also mit dem GoetheschenStirb unb werde" ernst gemacht wird Krankheit und das illusionslose Wis­sen um das bevorstehende Erlebnis des Todes sind Hilfen, um zur Erkenntnis der Wahrheit zu ge­langen Man kann den Tod nur bann geistig über­winden, wenn man ihm ins Auge schaut und aus dieser Begegnung innere Erlebnisse gewinnt die ein noch so gutgeftieintes Verschleiern der Wahrheit ja gerade unwirksam macht. Denn der eigentliche, höhere unb ewige Mensch in uns will nichts als die Wahrheit, der er ja doch nicht entrinnen kann; er will sich bewußt mit dem Tode auseinandersetzen, und eben bas unterscheid et i h n vom Tiere Wenn ein Mensch stirbt, wird er für bie geistige Welt geboren wer sollte ein Recht ba- zu haben, ihm diese Geburt sognäd'g" zu gestal­ten daß er nicht wissen darf, wag' an ihm geschieht? Man erleichtert bem Menschen das Sterben nicht dadurch, daß man ihm dievolle Wahrheit" vor­enthält, man erschwert es ihm vielmehr durch den Mangel an Ehrfurcht vor dem sich vollziehenden Mn^erium des Todes auch bann und gerade dann, wenn man ihm durch die .Verschleierung seines wahren Zustandes eine Wohltat zu erroeifen alaubt.

Eine der Zuschriften will bie Notwendigkeit der Täuschung mit einem geschichtlichen Beispiel bewei­sen Der Dichter Theodor Storm, so heißt es, habe feine letzte Novelle, denGd)immefreitpr" nur schreiben können, weil ber Arzt ihm ein geredet habe daß lein tödliches Magenle'den harmloser Na­tur fei Aus dieser bewußt falschen Diagnose sei ihm bie Kraft zur Vollendung feines Werkes er­wachsen, die ihm bie richtige geraubt habe. Was ist damit bewiesen? Nichts weiter, als daß wir ben Schimmelreiter" besitzen, aber nicht bie vielleicht ungleich wertvolleren Erkenntnisse, die ber Dichter aus der unverschleierten Einsicht in bie wahre Be­schaffenheit seines Leidens geschöpft hätte Man ' braucht ja nur an andere vom Tode Gezeichnete zu 1 erinnern, die stark genug waren die Wahrheit zu ertraaen und erst an ihr zu voller Größe emvor- wuchfen- an Schiller Novalis. Christian Morgen­stern Was sie uns sind wurden sie. weil sie der letzten Erkenntn'sfe nicht auswichen, sondern ben < Mut aufbrachten ben Tob mit jener vollen Klar- heit und Heiterkeit zu erwarten bereu Früchte uns ; ben Wert des Lebens erst ganz erkennen lassen.

ten Möglichkeiten nicht vorhanden sind, dort viel­mehr bie Formel gilt, daß Wohlstand und Anstand sich gegenseitig bedingen, gelten natürlich auch an­dere Beurteilungsmaßstäbe. Die Zeitungen sind glück­lich. über dieSensation" seitenlange Berichte zu liefern, ohne sich über das Bedenkliche des Falls im geringsten den Kopf zu zerbrechen Es mag schon richtig sein, was Keyserling einmal über den ameri«

Von Dr Erdm

In ber ganzen Welt wird bie Post heute haupt­sächlich burch vier große Verkehrsmittel, bie Eisenbahn, ben Kraftwagen, bas Flug­zeug unb bas Schiff beförbert. Es ist daher kein Wunber, wenn biefe vier Begriffe schon seit geraumer Zeit als Abbilbungen auf ben Postwertzeichen felbft auftauchen. Wir kennen ganze Serien von Briefmarken bes In- unb Auslandes, die Abbildungen aus der Geschichte der Eisenbahn, der Schiffahrt und der Fliegerei zeigen. Merkwürdigerweise ist aber ber Kraftwagen ziemlich spät, erst um bie Iahrhundertwenbe, als Motiv auf ben Briefmarken eingezogen. Der Briefmarkensammler kennt, um nur einige Beispiele herauszugreifen, die,4 Cents der Vereinigten Staaten aus bem Jahre 1901 mit bem Abbild eines altmodischen Schnaufferls, bie 50-Heller-Autö- Briefmarke Bosniens aus bem Jahre 1906, eine mexikanische Briefmarke mit einem Postkraftrab mit Beiwagen von 1919, das Branden­burger Tor mit bem Pariser Platz zu Berlin mit bem bazugehörenden Auto- und Omnibusverkehr auf einer 15 - Pfennig - Marke des Deutschen Reiches, den Steyr-Stromlinienwagen bei einer Fahrt über bie Großglockner - Straße auf einer österreichischen 3 - Schilling - Flugpostmarke 1935, ben mobemen Postreiseomnibus mit Einachs- Paketanhänger des 50 - Oere - Postwertzeichens S ch we d e n s in der Iubiläumsserie 1936 und den Post-Lastkraftwagen auf einer Marke der Krä- nungsferie der englischen Dominien im vergangenen Jahre.

Deutschland beansprucht durch die Pioniertaten eines Gottlieb Daimler und Karl Benz das Erstlingsrecht an der Erfindung des Kraftfahrzeugs. Diese Tatsache wurde der gesamten Welt bereits im Jahre 1936 einmal deutlich vor Augen geführt, als anläßlich der I u b i l ä u m s s ch a u50

Amerika pflegt sich gern als das gelobte Land der größten sozialen Ellenbogenfreiheit bezeichnen zu lassen, was in höflicher Übersetzung bas Lanb ber unbegrenzten Möglichkeiten lautet Zwar gibt es dort, wie überall, einen mittleren Zustand in ber Lebenshaltung, der sogar als der normale gelten mag, allein das Ibeal des echten Amerikaners eingeftanben ober nicht ist doch bas möglich st rascheVorwärtskommen auf ber 23 e r m ö g e n s f f a I a . bis ber Punkt erreicht ist, wo ihm von ber Gesellschaft bas Recht zugebilligt wirb, sich im Besitz riesiger Gelbmittel von allen gemütlichen unb moralischen Hemmungen sreizusühlen. Die Frage, wie der Wohlstand er- ^orben wurde, spielt eine weit geringere Rolle als bie Tatsache, daß er da ist unb seinen Inhaber in Vage versetzt, damit zu tun, was er will unb Be­denken sittlicher Art außer Acht lassen zu bürfen. IBaren solche vorhanden, hätte sich unmöglich zu­tragen können, was kürzlich von den großen ame- ^^Nlschen Zeitungen in Schlagzeilen, aber ohne jebe Kritik, berichtet wurde Es handelt sich um eine siebzehnjährige Millionenerbin, bie anläßlich ihres Scbuts in ber Neuyorker Gesellschaft im teuersten Hotel der Stadt ein Festessen für 250 Gäste gab, bas bie hübsche Summe von 200 000 Mark ver­schlang Bei vierzig Millionen Gesamtvermögen ist das ja nicht viel, aber immerhin genug, um in einem Lande, wo täglich Hungermärsche und De­monstrationszüge der Erwerbslosen stattfinden. bas soziale Gewissen zu wecken und die Frage akut zu machen, ob hier nicht etwas geschehen ist. was unter normalen Verhältnissen dem primitivsten Anstandsgefühl widerspricht. Da aber diese nor- nlalen Verhältnisse in einem Lande mit unbegrenz-

I eine Kuh nach bem Kalben, wie von einer anderen | Welt gekommen.

Bald fraß das Tier, und wir wateten froh auf versinkenden Schiern durch den rastlos fallenden Schnee zu unserer Herberge zurück. Hinter uns ver­wehte die Spur.

Als wir am nächsten Morgen, einen wegebahnen­den Zug von Pferden, Maultieren und Kühen als Schrittmacher benutzend, in dem Berghof anlangten, stand bie Hirschkuh, schon ein wenig erholt, mit einem Strick angehalftert im Stanb unb begriff das Leben nicht mehr Die Kühe, wie neugierige Frauen, würben nicht mübe. lanae Hälse zu ihr hinüber zu strecken, unb bie kleine Ziege, auf den Hinterbeinen aufgeriebtet, um besser zu sehen, war vor Ver- munberung erstarrt Die Hirschkuh aber, bas könig­liche Köpfchen zurückgeworfen, mit den schlanken Läufen den Boden schlaaend. einen Strick um ihren freien Nacken, den bie ftrenaen Winde ihres Hoch- lnndreiches liebkost hatten, fah mit Augen böse vor Einsamkeit und Distanz, schäumende Milch aus Eutern fließen, hurtiae Besen den Stallgang fegen, fah in das banale Reich des Nützlichen, bas bie Schönheit nicht wertet

Nach Unterrebuna mit bem Forstamt würbe be= schlossen daß sie hier überwintern unb mit beainnen- d"m Friihinbr mieber tn Freiheit aefetzt werben sollte Zwei bis hrpf Monate mußte sie also mohl noch aushaften Ihre Angst war venbältni«mäßia nicht groß und feate sich bald: wahrscheinlich hatte die Art. wie sie bei ihrem Zusammenbruche auf- aenommen wurde sip doch erkennen lassen daß wir Rrpnnbe mären. Vi-ss-icbt auch man weitz ia nicht mmiemrit W-re nerirhrnhenor Risten sich verstehen hatte dio *T>ähe hr»r h»n B><mschpn npmohnt»n ,faau5= tiere aehoUon, sie zu berahmen Aber sie blieb trotz allem fr»rnh urrh scheu sie bsseb führertb abaesn»id-»rt' ihre f^hön? Gestus« atmet» die SV^piheit d»r <mnCh«r den Glan? der <önhen unb schied sie narr ben *r>iebe- runoen fthr hprfopr Wstdnprnch schmähte fremd im warmen Dunst de« Stalles Der Strick um ihren Hals trmr und hHeb »ine Lästerung.

Langsam wurde sie vertrauter mit mir, bie ich täglich mit ihr sprach, unb schaute mich aus stillen Auaen voller Schwermut an Arme Königin ber un- beareniten W'ldbahn nun lernte sie kennen was vornehmlich Menschenlos ist: unfrei zu fein für Brot' Vielleicht leate eben jetzt, roährenb sie im ge­sicherten Stalle stand, oben in den Beraen ihr rauher Beherrscher bas Geweih in ben Schnee, um zu sterben; aber oerhunaemb noch war er fern von Schmach, unb im Tobe selbst war er frei Aber sie fatzte bie Zaaheit da ging sie in bie Nieberungen unb aeroann das.^Leben zurück

Aber ich ofaube bu hast dennoch nicht aut daran \ getan, kleine Hindin! Dieser Strick um deinen Hals'

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