Spieler des LTC. Prag das Eis, so daß die Schweizer Turniersieger wurden. r,,
Von der ersten Minute an spielten sich Szenen ab, wie man sie in einem Kampf zweier Landesmeister nicht für möglich hielt. Sie führten dazu, daß der schweizerische Schiedsrichter drei Davoser und Zwei Prager vom Eis verwies. Als dann Bibi Tornam in der 13. Minute das Führungstor für Davos erzielt hatte, sah es auf dem Eis bald wie m einem Hexenkessel aus. Der Prager Malecek ging gegen P. Cat- tini tätlich vor, und aus diesem Zwischenfall entwickelte sich ein allgemeines Handgemenge Die Prager holten sich von ihrem Landesverband telephonisch Anweisungen und erhielten den Auftrag weiterzuspielen. Sie weigerten sich aber, das zu tun. Sie brachen den Kampf ab.
Damit hat ein von vier Nationen beschicktes furnier um eine der wertvollsten Trophäen des Cis- hockeyfports ein unrühmliches Ende gefunden. Schade um den Spengler-Pokal!
Hessens Handball E1f<?egen Mittelrhein
Der Gau Hessen hat seine Vertretung zum Handball-Kampf gegen den Mittelrhein am 15. Januar in Koblenz wie folgt aufgestellt:
Tor: Merget (MSV. Fulda): Verteidigung: Siebje (CT.-Hessen-Preußen Kassel), Brohm (MSV. Fulda); Läuferreihe: Lange (MSV. Hanau), Wiese (CT. - Hessen - Preußen Kassel), Finkel (ff Arolsen): Angriff: Hoßbach (Tuspo. Bettenhausen), Mais, Eichhorn, Müller (alle ff Arolsen), Petersen (LSV. Eschwege).
3 OOOArnnungen zum BerlinerTurnier
Erst jetzt kann man nach der Sichtung der Meldungen für das Internationale Berliner Reitturnier vorn 27. Januar bis 5-. Februar einen Ueberblick über das Nennungsergebnis gewinnen. Für die
mehr als 50 Wettbewerbe liegen fast 3 0 0 0 Nennungen aus 10 Nationen vor, davon allein 1300 für die Jagdspringen. Mit Ausnahme der Iren find alle führenden Springreiter- Nationen in Berlin vertreten und zum ersten Male starten im Berliner Hallenturnier nicht weniger als sechs Ländermannschaften im Kampf um den Preis des Führers, der am 4. Februar entschieden wird. Nach Belgien haben inzwischen auch Frankreich, Italien, Polen und die Tschecho-Slowakei die Zusammensetzung ihrer offiziellen Mannschaften mitgeteilt.
Kurze Gportnoiizen.
Der Hallen-Handball-Länderkampf Deutschland — Schweden wird, wie nunmehr endgültig festgelegt wurde, am 5. Februar in Breslau ausgetragen.
Der Wiesbadener Fechtclub, einer der bekanntesten Vereine des deutschen Fechtsports, begeht am 1. Februar die Feier seines 60jährigen Bestehens.
In Paris wurde der Mannschaftsführer der Berliner Studenten, die am vergangenen Sonntag gegen Paris spielten, mit der silbernen Sportmedaille Frankreichs ausgezeichnet. Dem Berliner Stadtrat G. Spiewok wurde die französische Sportmedaille in Gold verliehen.
Roman Wörndle, der bekannte Parten- kirchener Abfahrtsläufer, der zur Zeit einen Lehrgang der besten norwegischen Schiläufer in Rjukan leitet, wurde bei einem „Probegalopp" von seinen Schülern geschlagen und belegte nur den 5. Platz.
Schwedens b e st e Abfahrtsläufer Hans Hanfson und May Nilsson haben sich St. Anton am Arlberg als Trainingsquartier auserwählt. Bei den Weltmeisterschaften in Zakopane wird May Nilsson unserer Christel Cranz sicherlich eine starke Konkurrenz sein.
bungsabschnitt wurden Rüstkammern und der Tempel des Asklepios freigelegt.
Wenn man heute in der Halle des Berliner Per- gamon-Museurns den Altar mit dem herrlichen Gigantenfries bewundert, dessen Treppenfront in der ursprünglichen Größe wieder aufgebaut wurde, den Mosaikfußboden mit Blüten und Trauben in der Mitte des Saales, die Eingangshalle zum Heiligtum der Athene, so muß man bedenken, daß dies die Ergebnisse jahrzehntelanger Zusammenarbeit eines Stabes von Gelehrten, Bildhauern und Architekten darstellen. Die Fundamente, die Humann ausgrub, befanden sich in trostlosem Zustand, die Platten des Frieses waren oft in kleinste Bruchstücke zersplittert, ihre Anordnung konnte erst" spät durch schwierige und verwickelte Ueberlegungen ermittelt werden. Als Humann die letzten Kiste seiner Ausbeute endlich nach Hamburg verladen hatte, da schien es, als wollten die Götter noch am Ende ein Opfer. Ein Sturm warf den kleinen Dampfer mit feiner unschätzbaren Fracht an die holländische Küste, und es dauerte zwei Monate, ehe es gelang, die Kisten mit den Marmorblöcken, die durch das Seewasser sehr gelitten hatten, dem Meere zu entreißen.
Die Ausgrabungen in Pergamon eröffneten die Reihe der großen deutschen Unternehmungen in Hellas und Kleinasien. In Baalbak und Milet, am Mäander und in Olympia, in Piene und auf Samos: überall erwuchsen unter den Spaten deutscher Altertumsforscher die Monumente einer großen Zeit. Und sicherlich sind diese Erfolge nicht zuletzt dem später so sehr verlästerten humanistischen Bildungsideal des 19. Jahrhunderts zu verdanken, das einen Schliemann aus den Kaufmannskontoren, Carl Humann von technischen Tabellen und Statikformeln forttrieb, „das Land der Griechen mit der Seele suchend".
Humann ist einer jener Pioniere, die die Antikensammlung der Berliner Museen zu einer der kostbarsten und reichhaltigsten der Welt gemacht haben.
Oie Narrenkappe.
Tiefsinniges Gespräch.
Irgendwo saßen mal ein Leutnant von der Marine und einer vom Landheer im Gespräch beisammen, da meinte die Landratte:
• „Ich habe schon egal nachgedacht und direkt schlaflose Nächte gehabt, sagen Sie doch mal, verehrter Herr Kamerad, wie machen Sie das eigentlich, um den Weg über den Ozean zu finden?"
„Mit ein paar Worten ist das nicht so erklärt", erwiderte der Seebär. „Aber ich will es mal versuchen: also da haben wir zuerst die Seekarten..."
„Ach so — Karten haben Sie! Na, dann ist ja die Kiste ganz einfach." _________________________
Das Werkzeug.
Gottfried Keller setzte sich an den Schreibtisch, um zu arbeiten. Plötzlich wurde er unruhig und rief laut nach seiner.Schwester. „Was ist denn das für eine Wirtschaft hier?" murrte der Dichter. „Immer, wenn ich arbeiten will, fehlen meine Sachen auf dem Schreibtisch!"
„Was fehlt denn?" fragte seine Schwester.
„Der Korkenzieher!" donnerte Gottfried.
Ziemlich eilig.
Der bekannte englische Lustspieldichter Jerome K. Jerome telephonierte einmal einem Agenten der Feuerversicherung: „Ich möchte mein Haus versichern lassen! Kann ich das telephonisch machen?"
„Ich schicke Ihnen meinen Untervertreter hin", sagte der Agent.
„Das muß aber gleich gemacht werden", rief Jerome, „das Haus brennt schon."
Ein seltsamer Jndianerstamm.
Die Mutter kommt in das Kinderzimmer und schimpft:
„Bob! Du sollst doch nicht so auf der Erde herumkriechen."
„Ich spiele Indianer, Mutti!"
„Auch Indianer gehorchen, wenn die Mutti ihnen was sagt!"
„Ich spiele aber Indianer, die wo keine Muttc haben!"
Velasquez, Whistler und Oscar Wilde.
In einer Sammlung von Künstler-Anekdoten werden in der „Kunst für Alle" folgende Geschichten von dem berühmten englischen Maler Whistler erzählt: Aus einem Diner fragte eine junge Male- rin, die Whistler gegenübersaß, ihren Tischnachbarn so laut, daß Whistler es hören mußte: Wer sind nach Ihrer Meinung die größten Bildnismaler der Welt? Der Angeredete antwortete zögernd und etwas befangen: „Velasquez und Whistler". Da mischt sich Whistler, die rechte Augenbraue hochziehend, ins Gespräch: „Wissen Sie, was Velasquez anbetrifft ... ich weiß nicht recht."
In den Werken von Oscar Wilde finden sich manche funkelnde Paradoxe über Kunst, die aber* nicht von dem Dichter selber, sondern von Whistler stammen. DerMaler ärgerte sich darüber,schwieg aber« Einst saßen beide einem Diner einander gegenüber und Whistler ließ wieder einmal ein Brillantfeuerwerk von Paradoxen steigen. Wilde war begeistert Bei einem besonders schlagenden Ausspruch rief er? „Schmetterling, der Witz ist gut, der ist sehr gut den möchte ich selbst gemacht haben." Whistler ent« gegnete ruhig: „Keine Angst, Oscar, ich bin sicher, du w i r st ihn machen."
Nüssen. Dreimal umwandelt Branko mit dem Badnjak den offenen Herd, ehe er ihn behutsam aufs Feuer legt. Sorgfältig achtet er darauf, datz das dickere Ende gegen Osten ragt. Es wird mit Weihwasser besprengt, kreuzweise mit Wein überschüttet. Auch Opfergaben legt man darauf. Diel Schnittfläche wird gesalbt oder mit Honig beschmiert
Ein Schuß verkündet das Ende dieser feierlichem Handlung und den Beginn des Essens. Vorher abev wird noch das Weihnachtsstroh gestreut. ES steht neben dem Badnjak vor dem Haus und wird vom ältesten Sohn hereingeholt. Er umwandelt damit dreimal den Herd und gluckt wie eine Brut* Henne, während die andern wie Kücken pipsen. Mam will damit die Vermehrung des Geflügels beein* Huffen. Nun wird das Stroh durch die ganze Stubs gestreut. Auch auf den Tisch wird Stroh gelegt und darüber ein weißes Linnen gebreitet. Jetzt erst tarnt das Essen aufgetragen werden. Gleich dem Weih* nachtsklotz schreibt man auch diesem Stroh Zaubern fräfte zu. Zum letzten Mal wird an diesem. Abend Fastenspeise gegessen, die aus Weizen, Honig und Nüssen besteht.
Das Feuer muß die ganze Nacht brennen bleiben. Es wird mit der Krone und den Aeften des Badnjak geschürt. Je mehr sie Funken sprühen, um so glücklicher wird das neue Jahr bann werden. Vor Sonnenaufgang ist man am Weihnachtstage wieder auf» Da der ersten Speise besondere Bedeutung zuge« schrieben wird, ißt man meist Fvüchte der 'Kornels kirsche. Oder aber in strenggläubigen Familien wartet man auf die von den Besuchern der Frühmesse mitgebrachte Hostie. Männer wie Frauen haben dann vollauf zu tun, um die Weihnachtstafel herzurichten, die drei Tage lang nicht abgeräumt wird. Schon im Sprichwort heißt es: „Es gibt alles wie zu Weihnachten". Auch gilt es nicht als Schande, in diesen Tagen über den Dürft zu trinken. Dis Weinkrüge dürfen aber nie leer werden. Die Haupt* fache ist das zwei Tage vorher geschlachtete Weil.« nachtsschwein. Vor Sonnenaufgang muß es am Spieß über dem Weihnachtsfeuer fertig gebrätelt sein! Was es aber sonst noch alles gibt, meint« Ljuba, sollen wir uns dann au Ort und Slellch ansehen.
Kalender und Almanache.
— D i e n ft am Deutschtum. Jahrbuch für das deutsche Volk 1939. Preis 0,80 RM. I. F. Lehmanns Verlag, München, Berlin. — (545.) — Der mit einigen guten Bildern geschmückte Almanach enthält eine Reihe von Beiträgen aus Werken des Verlages, die für dessen Richtung besonders charakteristisch erscheinen: wir nennen beispielsweise „Führeradel durch Sippenpflege" von Hans K. F. Günther, „Heilige Haine und Bäume der Germanen" von Prof. Dr. E. Jung, „Was weißt du von der Raffe?" von Dr. L. F. Clauß, „Das ist die deutsche Währung" von Ministerpräsident L. Siebert, „Die Juden in Europa und Amerika" von Dr. K. Magnussen und „Luftkrieg bedroht Europa" von Major (E.) L. Schüttel.
— Rheinischer Volkskalender 1939. 62. Jahrgang. Mit Wandkalender, vierfarbiger Kunstdruckbeilage und vielen Textbildern. 112 Seiten stark. Preis 55 Pf. Druck und Verlag: Joh. Falk III. Söhne GmbH., Mainz. — (579.) — Wie seit seinem Bestehen ist auch der neue Jahrgang ganz auf das Leben des Heimatgaues an Rhein und Main eingestellt. Dies zeigen schon die sorgfältig ausgewählten Bilder. Die Bilder stehen in organischer Einheit mit den Text-Beiträgen. Ein bekannter Heimatforscher schreibt über „Mittelalterliches Rechtsleben unserer Dörfer" und steuert urwüchsige Heimat-Gedichte bei; ein Mainzer Dichter erzählt von einem „Besuch beim alten Stefans- türmer vor hundert Jahren". Aus den Ergebnissen ihrer Ahnenforschung gibt eine Mainzerin einen interessanten Bericht „Aus dem Leben eines Mainzer Arztes". Der Unterhaltungsteil ist auch in diesem Jahre wieder zu seinem Rechte gekommen.
— Der Nürnberger Tierfreundkalender für 1939, herausgegeben vom Tierschutzverein
Nürnberg und Umgebung, Textauswahl: Oberlehrer Otto'Hopf, Bildschmuck: Ernst Pflaumer, Verlag: Friedrich Kornsche Buchhandlung, Nürnberg, ist im 14. Jahrgang erschienen. Ladenpreis 20 Pf. — (434.) — Das freundlich ausgestattete Heftchen wirkt in Wort und Bild für den Tierschutzgedanken und sei angelegentlich empfahlen.
— Köhlers Kolonialkalender 19 3 9. (Wilhelm Köhler Verlag, Minden in Wests., Preis RM. 1,30 — [440] —) schildert in einer großen Anzahl von Beiträgen den Reichtum und die Eigenart unserer Kolonien, den Stampf unserer Volksgenossen dort draußen, bringt interessante Jagderlebnisse, humorvolle Erzählungen und ausführliche Schilderungen des Krieges in den Kolonien.
— Jahrbuch für den Jungkaufmann 19 3 9. Ein Taschenbuch mit Kalender, zahlreichen unterhaltenden und belehrenden Aufsätzen, Beiträgen, Abbildungen und Uebevsichten. 208 Seiten Text. RM. 1,—. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin. — (555) — Das Büchlein macht mit vielfältigen Fragen des Wirtschaftslebens vertraut. Ein Aufsatz führt beispielsweise in die Kaufmannsgehilfenprüfung. An praktischen Beispielen wird gezeigt, was alles bei einem Kaufvertrag zu beachten ist. Der Leser ist gleichsam mit dabei, wenn in einem NS.-Musterbetrieb der Nachwuchs ausgebildet wird. Bei einem anderen Aufsatz macht er sich in Gedanken selbständig, er übernimmt eine Firma. Auch den Reichsberufswettkampf erleben wir mit. Wir hören von „Ladenhütern", „Wechselreiterei", den „Seufzerpäckchen" der Reisenden und manchen anderen kaufmännischen Ausdrücken. Noch vieles andere ist in dem Buche zu finden.
Deutsche Ausgrabungen in Pergamon.
Zum 100. Geburtstage von Carl Humann am 4. Januar.
Von Watther Gchwerdifeger
Als der neu ernannte Leiter der Berliner Antikensammlung, Alexander Conze, im Herbst 1877 sein Amt antrat und die Schätze seines neuen Wirkungsbereiches musterte, entdeckte er in einem Kellermagazin zwei große Marmorplatten mit wundervollen, erhaben ausgemeißelten Darstellungen. Die eine der Platten zeigte einen sterbend hinsinkenden Jüngling, die andere einen bärtigen Giganten, der sich mit erhobenen Armen gegen einen Angriff zu schützen sucht. _ Ein herrlicher Greifenfries, Gemmen und Bruchstücke mit griechischen Inschriften lagen dabei. Conze ließ sich sofort die Akten aus der Kanzlei kommen, um den Finder dieser Stücke, die das deutsche Konsulat in Smyrna übersandt hatte, festzustellen. Es war ein preußischer Ingenieur, Carl Humann.
Von der türkischen Regierung mit Vermessungen für den Ausbau des Straßennetzes in Kleinasien beauftragt, war er bei Bergama, dem antiken Pergamon, auf Wehrmauern aus byzantinischer Zeit gestoßen; als man die Abtragung begann, fand man Bruchstücke eines gewaltigen Frieses aus der Zeit der Attaliden in dem Felswall verbaut. Humann hatte die Fundstücke nach Berlin gesandt und mehrfach Eingaben gemacht, daß die Mauer offenbar noch mehr Schätze berge. Aber die Marmorfriese verschwanden im Keller des Museums/ 'die Schreiben in der Registratur. So waren Jahre vergangen.
Conze sah, daß es sich offenbar um Bruchstücke einer Darstellung des Kampfes zwischen Göttern und Giganten handelte. Nun findet sich in dem Büchlein eines spätrömischen Schriftstellers, das Merkwürdigkeiten aus allen Gebieten enthält, die Angabe: „Pergamon besitzt einen großen marmornen Altar, 40 Fuß hoch, mit gewaltigen Skulpturen; er enthält einen Gigantenkampf." Zweifellos hatte hier der Zufall zur Entdeckung eines der berühmtesten Kunstwerke des Altertums geführt.
Conze fetzte sich mit dem preußischen Kultusminister in Verbindung, das Auswärttge Amt gab der deutschen Botschaft bei der Pforte Anweisungen, und wenige Monate später hielt Humann ein Schreiben in den Händen, das ihm die Befugnis zu Ausgrabungen bei Bergama erteilte und den Auftrag der Regierung, die Lage des Pergamonaltars festzustellen und ihn freizulegen.
Einer jener Zufälle, die so oft entscheidend werden für ein Leben, hatte Humann in den Süden geführt. In Steele bei Düsseldorf geboren, hatte er
sich im Eisenbahnbau und Feldmesserdienst betätigt, um sich dann in Berlin auf den Jngenieurderuf vorzubereiten. Seiner schwachen Lunge wegen mußte er auf ärztlichen Rat nach dem Süden gehen. Er wandte sich der griechischen Inselwelt zu, arbeitete in Kleinasien an Straßen- und Brük- kenbauten und hatte aus Liebe zur Sache sich auch an kleinere Ausgrabungen gewagt. Als er Parga- mon betrat, war von der stolzen Hochburg der Attaliden nichts zu sehen als ein von Gras und Buschwerk überwuchertes Schuttfeld, Mauerreste aus den verschiedensten Zeiten, Bruchstücke korinthischer Säulen in dem Gestrüpp wilder Feigenbüsche. Daneben rauchten Kalkösen, in denen Einheimische von ihnen hervorgewühlte und zerkleinerte Marmorbrocken und -bildwerke zu Baumaterial brannten.
Barg der Boden noch Reste von all den Kunstschätzen, welche diese Medicäer der Diadochenzeit hier zusammengetragen und errichtet hatten? Das war die Frage. Wenn wir heute im Berliner Pergamonmuseum das große Modell des Burgbergs mit seinen Wällen und Arsenalen, seinen Palästen und Heiligtümern betrachten, so dürfen wir nicht vergessen, daß diese Wiedergabe nur auf Grund der Ausgrabungsergebnisse erfolgen konnte, denn aus dem Altertum ist uns kein Bild und keine Beschreibung von Pergamon überkommen. Nur eine Denkmünze aus der Zeit des Kaisers Sep- timius Severus zeigt auf der Rückseite eine rohe Wiedergabe des großen Altars.
Von da ab begann, was Humann humorvoll fein „chronisches Pergamonleiden" genannt hat. Er war selbst überrascht, als er die amtlichen Schreiben las, die ihn, den Außenseiter, den Amateur- Archäologen, mit der Ausgrabung Pergamons betrauten.
Acht Jahre, von 1878 bis 1886, dauerten seine Ausgrabungen auf der Bergfeste. Immer deutlicher erkannte er die Anlage dieser hellenistischen Residenz: Altar und Marktplatz, Theater, Trajaneum und den Tempel der siegbringenden Athene, Paläste .und Kasernen, Wälle und Magazine. Im Frühjahr 1896 ist Humann in Smyrna einer Leberkrankheit erlegen. Unter der Leitung Wilhelm Dörpfelds wurden vom Archäologischen Institut des Deutschen Reiches die Grabungen weiter- gesührt. Der Weltkrieg unterbrach die Arbeiten. Erst 1928 wurden sie von Theodor Wiegand wieder aufgenommen. In diesem letzten Ausgra-
Serbische Weihnachten.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
Dr. Gr. Belgrad, Dezember 1938.
Eigentlich feiern die Serben c r ft 13 Tage später, also am 7. Januar nächsten Jahres, ihr Weihnachtsfest, denn der Kirchen- und Festkalender der serbisch-orthodoxen Kirche hinkt so viel Tage hinterdrein. So haben wir in Belgrad mit seiner gemischten Bevölkerung von Serben, Kroaten, Slowenen und andern zweimal Weihnachten. Das deutsche Weihnachten feiern wir wie die Kroaten und Slowenen mit Tannenbaum und Bescherung zu Hause. Zum serbischen Weihnachten fahren wir aber zu unserem Freunde Branko Jowano- witsch in das serbische Kernland nach Railo- watz bei Kragujewatz.
Branko ist Bauer. Sein Hof zählt 20 Joch Ackerfeld, zwei Weingärten, Weiden und Wald. Von feiner ersten Ehe hat er 5 Kinder und von der
dieser Heilige schützt die Herden vor den Wölfen. Noch einmal wird gefestet, denn am nächsten Tag beginnt d i e F a st e n z e i t. In einzelnen Gegenden feiert man dann am 12. Dezember bzw. 30. November den Andreastag für die Gesundheit des Viehs und den Schutz der Herden vor Bären. Brankos Familie achtet darauf, daß niemand mehr neues Garn auf den Webstuhl bringt, denn bis Weihnachten muß jede Arbeit fertig jein. Am 17. Dezember bzw. 4. ist der Tag der Heiligen Barbara. Bei allen Südslawen findet sich ein alter Brauch. Am Vorabend werden alle Getreidearten des letzten Jahres in einem Kessel gekocht. Am Bar- baratag ißt jeder davon, damit im nächsten Jahr das Getreide gut gedeihe und vor Hagel, Mäusen und Raupen bewahrt bleibe. Auch den Armen, welche sich keinen solchen Brei kochen können, gibt
jüngsten sind Nada und Mischa (Michael!). Sie
man ab. Einen Teil erhalten die Kühe, Pferde und Lämmer ins Futter, während man den Rest dem
Saatgut beimischt. Schon zwei Tage später ist wieder ein großer Feiertag: S t. Nikolaus. Sehr
zweiten Frau jetzt vier. Branko zählt 54 Jahre. Sein ältester Sohn Georg, der den Hof mit bewirt-
Ijciligen auserkoren und feiern feinen Tag mit besonderer Freude. Ueberall erhalten die Kinder kleine Geschenke.
schäftet und ihn einmal erben soll, ist heute 33 Jahre
alt und hat selbst 6 Kinder. Der zweite Sohn Peter . .. v ___ - ,
lebt als Beamter in Belgrad, der dritte Ljuba, ist I viele serbische Familien haben ihn zu ihrem Haus- Leutnant bei der Königlichen Garde. Drei Töchter sind verheiratet, eine vierte ist verlobt. Die beiden
gehen noch in die Schule. Nada will Lehrerin werden, während Mika mit seinen 8 Jahren noch keine genaue Vorstellung von dem hat, was er werden will. Vorläufig nehmen ihn die teilweise älteren Kinder des Bruders auf die Weide mit, wenn er nicht gerade zur Schule muß.
Weihnachten kommen sie alle nach Hause. Ljuba, der Leutnant, welcher uns öfter besucht, erzählte nun gestern davon, wie es bei ihnen daheim dann zugeht. Vierzig Tage vor dem Weihnachtsfest beginnt die Adventszeit. Sie beginnt am 27. November neuen, und 14. November ölten Stils mit einem großen F e st schmaus zu Ehren des Heiligen Mrata. Die Hirten kommen herbei, denn
So kommt denn der 23. Dezember des Kirchen- bzw. 5. Januar des neuen Jahres heran. Dieser Tag heißt bei den Serben Tucin-dan, weil an ihm das vorher besonders gemästete Weihnachtsschwein unter Beachtung verschiedener Bräuche geschlachtet wird. An diesem Tage treffen auch alle Angehörigen im Etternhause ein. Die Frauen räumen alle Sessel, Bänke und die Feuerschaufel auf den Dachboden oder in ein Nebengebäude. Eine Volkssitte gebietet ferner, an diesem Tag niemand zu schlagen, weil der Geschlagene sonst'Aus chlaq bekommt. Man geht früh schlafen, denn am 24. Dezember muß die wichtigste Handlung vollzogen werden: Der Badnjak oder der Weih'nachtsbaum
wird aus dem Walde geholt. Dieser Badnjak, der vielleicht besser als Weihnachtsklotz bezeichnet wird, findet sich in jeder serbischen Bauernhütte so gut wie im Belgrader Königsschloß. In der jugoslawischen Hauptstadt wird er jedes Jahr am 6. Januar in feierlichem Zug von den stärksten Offizieren der Garde durch die Stadt zum Königsschloß hinaus getragen, wo ihn der König eigenhändig in Empfang nimmt, um ihn dann nach dem gleichen Rituel wie unser Branko Jowanowitsch aus Altserbien in das Weihnachtszimmer zu tragen.
So zieht denn Branko zwei Stunden vor Sonnenaufgang des 24. Dezember in seinen Eichenwald. Die Söhne begleiten ihn. Sie haben ihr Feiertagsgewand angelegt. Der Hausvater trägt Handschuhe, denn so will es die Sitte. Wenn sie vor dem schon im Sommer ausgesuchten jungen Eichenbaum angekommen sind, wendet sich Branko gegen Sonnenaufgang, bekreuzt sich, bestreut den Fuß des Baumes mit Getreidekörnern, ruft Gott als Helfer an und spricht zu dem Baum: „Guten Morgen, Baum, du mein Ersreuer. Möge dich Gott und dann du mein Haus erfreuen!" Der Baum muß auf drei Hiebe nach Osten hin fallen. Er soll nicht an den Nachbarbäumen hängen bleiben, weil sonst auch das Glück des Hauses hängen bleiben könnte. Auch muß er im Fallen von den Söhnen ausgefangen werden, damit er nicht die unheilige Erde berühre. Georg, der älteste Sohn, aber verkündet mit einem Schuß, daß der Badnjak glücklich gefällt ist. Auf den Schultern der Söhne wird er nach Hause getragen. Dort werden die Aeste und der Gipfel abgehackt. Der Stamm wird an die Hauswand angelehnt.
Ist der Heilige Abend hereingebrochen, dann geht Branko allein vor die Tür und nimmt den Stamm auf die rechte Schulter. Er stampft an die Tür und öffnet sie. Die Hausbewohner erwarten ihn stehend. Mit dem rechten Fuß schreitet er über die Schwelle. Innen sind von ihm selbst aus dem Wachs seiner eigenen Bienen gefertigte Kerzen auf- gestellt, zwischen denen er hindurchschreitet. Er grüßt: „Guten Abend und glückliche Weihnachten!" Die Angehörigen antworten: „Gott helfe djr und eine glückliche, heilige Weihnacht." Die Hausmutter bestreut ihn aus einem Sieb mit Getreide und


