Fragen bereits durch das Dfterabfommen praktisch gelöst worden. Die Anwendung dieser Vereinbarung werde sich aewiß in einem Geiste herzlicher Freundschaft vollziehen. Die Vertreter der beiden Großmächte würden sich daher den noch ungelösten Fragen anderer europäischer Abschnitte zuwenden. In der zwischen Rom und London hergestellten neuen Atmosphäre der Freundschaft würden sie die Grundlage für weitere Fortschritte auf dem Wege der Neuordnung finden. In London erkenne man an, daß es in Europa keinen Frieden ohne ein dauerhaftes Abkommen zwischen den vier westlichen Großmächten geben könne. Der gute Wille Mussolinis und Chamberlains sollte daher zu einer entscheidenden Klärung in Europa führen.
Neue Erfolge an der Katalonienfront.
Artesa de Segre nach heftigem Straßen- kampf genommen.
Bilbao, 4. Ian. (DNB.) An der Katalonienfront wurden wieder erfolgreiche Operationen durchgeführt, die von dem linken Flügel der Uergel-Ar- mee unter der Führung des Generals Munoz Grande gemeinsam mit der Maestrazgo-Armee General Moscardos vorgenommen wurden. Die nördlich des Segre-Flusfes operierende Uergel- Armee stieß in südlicher Richtung bis zum rech- ten Segre-Ufer vor, während die Maeftrazgo- Armee, von Süden kommend, nördlich oorftteß und dabei das linke Ufer des Segre erreichte. Es wurden sofort Behelfsbrücken geschlagen und die Verbindung zwischen beiden Heeresgruppen httge- stellt. Vereint stießen nun die Truppen in östlicher Richtung vor und eroberten die stark befestigten roten Stellungen rings um den Knotenpunkt Artesa de Segre. Der Feind erfitt hierbei schwere Verluste. In den Abendstunden wurde der Ort Artesa de Segre nach hefttgem Straßenkampf besetzt. Bei einem weiteren Vorstoß wurde westlich von Artesa der Ort lernet besetzt. Die auf dem rechten Flügel operierenden Formationen der Legionäre, deren Flanken von den Navarra-Brigaden gebildet werden, eroberten Castelgan, acht Kilometer südlich Borjas Biancas, den Hauptort der roten Verteidigung. In diesem Abschnitt wurden 1100 Gefangene gemacht.,
Der Feind betrachtete Artesa als die Schlüsselstellung für die Verteidigung Kataloniens. Dieses geht auch aus den außerordentlich starken Befestt- gungsanlagen heryor, die u. a. zahlreiche Reihen zementierter Schützengräben und Betonbunker aufwiesen. Die vormarschierenden Truppen wurden überall von der Zivilbevölkerung begeistert empfangen. Der nationalspanische Sender wandte sich in einem Aufruf an die Bevölkerung Kataloniens und forderte sie auf, sich der nationalen Erhebung anzuschließen, denn die endgültige Befreiung Kataloniens stehe dicht bevor.
Britischer Dize^onsul
in San Sebastian festgenommen.
London, 3. Ian. Der englische Vizekonsul in San Sebastian, Ernest G o l d i n g , und seine Frau, sind, wie der Reuterkorrespondet in Burgos meldet, von der nationalspanischen Polizei verhaftet worden. Golding bekleidet keinen offiziellen diplomatischen Posten, jedoch vertrat er zur Zeit den Vizekonsul Goodman, in dessen Gepäck vor zwei Wochen ein Aktenbündel entdeckt worden war, das nationalspanische Aufmarschpläne enthielt und auf die gegnerische Seite geschmuggelt werden sollte. Eine Spanierin, die in San Sebastian lebte und die im Anschluß an den Fall Goodman als Spionin e r s cho s s e n worden war, soll vor ihrer Verurteilung einen Brief von ihrem Mann aus St. Jean de Luz erhalten haben, in dem ihr geraten worden sei, Golding um die Mitnahme eines Briefes zu bitten. Die Festnahme Goldings hat in London starkes Aufsehen verursacht, die englischen Blätter berichten in größter Aufmachung hierüber, enthalten sich jedoch bisher jeglicher Stellungnahme. Die „Times" stellt lediglich fest, daß die Meldungen über die Verhaftung Goldings in den offiziellen Londoner Kreisen größte Ueberraschung ausgelöst hätten.
Englische Arbeitslose wollen zu Chamberlain.
London, 3. Ian. (Europapreß.) Eine Gruppe von über hundert Arbeitslosen wiederholte am Dienstagmittag eine in ähnlicher Weise bereits in der Silvesternacht im Westend durchgeführte Kundgebung. Sie zog vor die Amtswohnung des Ministerpräsidenten in der Downing- Street und versuchte, einen schwarzen Sarg mit der Aufschrift „Arbeitslos uyd keine Befriedung in England" vor der Haustür niederzustellen. Als einige Männer den Sarg von einem Lastkraftwagen abzuladen versuchten, wurden sie von der Polizei mit Gewalt daran gehindert. Die Arbeitslosen vermieden es, mit der Polizei in ein Handgemenge zu kommen. Sie verlangten lediglich, zum Minister- Präsidenten vorgelassen zu werden, um einen Brief zu überreichen. Der Hauswart erklärte sich bereit, den Brief entgegenzunehmen und weiterzuleiten. Er verweigerte jedoch den Zutritt in die Amtswohnung. Darauf kam es zu lauten regierunasfeindlichen Kundgebungen. Man hörte Rufe: „W i r f o r b e r n eine Winterhilfe!" Die Polizei sollte dann die Downing-Street räumen. Die Arbeitslosen verlangten eine sofortige Beantwortung ihres Briefes. Dies war jedoch nicht möglich, da Chamberlain sich augenblicklich in Suffolk aufhält. Erst langsam räumten die Arbeitslosen nach diesem Bescheid die Straße.
Bor einer Schließung sämtlicher pariser Lichtspielhäuser.
Paris, 3. Ian. (DNB.) Die Lichtspieltheaterbesitzer, Direktoren und sonstigen mit dem Licht- fpielgemerbe verbundenen Arbeitgeber haben die Schließung sämtlicher Lichtspielhäuser von Paris und Umgebung beschlossen. Die Filmhersteller und -Verleiher haben sich angeblich bereiterklärt, sich mit den Lichtspielhausbesitzern solidarisch zu erklären. Die Schließung, von der etwa 300 Lichtspieltheater betroffen werden, beginnt am Mittwoch, sie erfolgt aus Protest gegen bie neuen Steuern, die den Lichtspielhausbefitzern vom Pariser Stadtrat auferlegt worden sind. Die Lichtspielhaus- besitzer haben sich ausgerechnet, daß sie auf Grund der neuen Steuern bei einer Einnahme von 100 Franken fast 44 Franken Steuern zu zahlen hätten.
Rätselraten über die deutsch-englischen Flottenverhandlungen
Abwegige Vermutungen der englischen und französischen presse
London, 3. Jan. (DNB.) Die gesamte englische Presse hat die deutsch-englischen Flottenverhandlungen mit großem Interesse verfolgt und stellt schon seit Tagen allerlei Vermutungen über die Gründe an, die Deutschland bewogen haben könnten, von dem ihm vertraglich zustehenden Recht einer Vermehrung der Unterfeeboottonnage und der schweren Kreuzer Gebrauch zu machen. Daß dabei dem deutschen Schritt zum Teil durchaus abwegige Mottve unterschoben werden, nimmt bei der Einstellung eines Teiles der englischen Presse nicht wunder. Einige Blätter versuchen auch, aus dem berechtigten und natürlichen Wunsch Deutschlands nach verstärktem Schutz seiner Küsten in irgendeiner Weise politisches Kapital zu schlagen. So nimmt der „Daily Telegraph" an, daß Deutschlands Entschluß, mehr Unterseeboote zu bauen, auf englischer Seite zu einem beschleunigten Bau von Zerstörern führen werde. Der marxistische „Daily Herald", der natürlich für den deutschen Schritt kein Verständnis aufbrinaen Fann, glaubt als Grund den angeblichen aewalttgen Ausbau der sowjetrussischen U-Bootflotte angeben zu können, während der konservative „Scots- man" die starke Vergrößerung der amerikanischen Atlantikflotte und Luftwaffe anführt. Der Flottenkorrespondent der offiziösen „Sun- day Times" weist daraus hin, daß Deutschland, wenn es weiterhin wie bisher kleinere U = Boote baue, bei voller Ausnutzung der ihm zustehenden Tonnage zahlenmäßig eine doppelt so starke U-Bootwaf.fe wie England haben werde. An anderer Stelle glaubt das Blatt die Verstärkung der deutschen U-Bootflotte mit dem Mittelmeerproblem in Verbindung bringen zu müssen. Deutschland wolle, so wird behauptet, mit seinen IMBooten „aktive Mittelmeerpolitik" betreiben, worauf „Sunday Times" resigniert hinzuftigt, daß, wenn Deutschland direkt oder indirekt eine Seemacht im Mittelmeer werde, „Diele Hoffnungen zerstört würden".
Auch die französische Presse ergeht sich in angestrengtem Rätselraten über die Bedeutung der deutsch-englischen Flottenverhandlungen. Der „Temps", der einen neuen Rüstungswettlauf zur See voraussieht, muß zwar die Berechttgung der deutschen Forderung anerkennen, glaubt aber, England vor allen möglichen furchtbaren Gefahren warnen zu müssen, die ihm von der deutschen Flotte drohen könnten. Der „Petit Parisien" spricht sogar
von einer Bedrohung der „imperialen Wasser st raßen" Englands und Frankreichs, während der „Figaro" meint, daß Deutschland nicht ohne Grund so kleine U-Boote baue. Diese Maßnahme versetze es in die Lage, zahlreiche Einheiten für die Nordsee und den Kanal zur Verfügung zu haben. Der sozialdemokratische „Populaire" schließlich schreibt, gewisse Optimisten hielten sich daran, daß Deutschland sein Abkommen mit England nicht auf gekündigt habe und sich damit begnüge, in London gemäß den Abkommen von 1935 und 1937 in der U-Bootfrage seine Wünsche vorzubrinaen. Hierzu aber müsse man noch einmal betonen, daß auf den deutschen Schifiswerften nicht alles auf einmal gebaut werden könne. Das übrige werde schon zur geeigneten Zeit kommen. Für den Augenblick könne man schon sagen, dast England wahrscheinlich in Anbetracht der Verstärkung der deutschen U-Bootflotte eine größere Anzahl von Ueberwassereinheiten auf Kiel legen werde und Deutschland seinerseits aus dieser Erhöhung der brittschen Gesamttonnage ebenfalls das Recht für sich beanspruchen werde, seine Flotte zu vergrößern.
30 neue Stützpunkte der LlSA.-Mrme im Pazifik.
Washington, 4. Ian. (DNB.) Die Marine der Vereinigten Staaten ist mit der Forderung nach Errichtung von dreißig neuen Flöt- tenstützpunkten hervvrgetreten. Dieser Plan ist eine logische Folge der gewaltigen Neubau- oorhaben für Kriegsschiffe und sieht offenbar die restlose Beherrschung des Sttllen Ozeans durch die USA.=5Iotte vor. Alle wichtigen Amerika gehörenden Inseln im nördlichen Pazifik und sogar an der Südküste Alaskas werden für diesen Zweck herangezogen. Als die wich- ttgften Projekte werden bezeichnet: Stützpunkte für Marineflugzeuge in der Kaneohe-Bay und auf der Midway-, Wake-, Iohnston- und Palmyra-Insel im mittleren Pazifik sowie auf Guam, ferner auf den zu Alaska gehörenden Kodiak- und Sitka- Jnseln. Ein neuer Stützpunkt soll auch in San Juan auf Portorico errichtet werden. Schließlich wird unter den wichtigsten Vorhaben noch die Erweiterung der Ausbildungseinrichtungen der Hauptfliegerschule in -Pensacola (Florida) erwähnt.
Daladier in Tunis.
Eine Rede des Ministerpräsidenten über die Zukunst des französischen Imperium«
E. F. Paris, 3. Januar.
Der französische Kreuzer „Fach", auf dem Daladier in der vergangenen Nacht von Korsika aus die Mittelmeerreise angetreten hat, legte am Dienstagmorgen um 7.45 Uhr WEZ. mit seiner Begleitflotte im Hafen von Bizerta cm. Dort hatten ich zahlreiche Menschen zu seiner Begrüßung ein* gefunden. Mehrere Geschwader von Wasserflugzeugen des Luftstützpunktes Bizerta waren den Kriegschiffen entgegengeflogen. Die Einfahrt der Flotte in den Hafen von Bizerta wurde von den Küstenbatte- rien mit Salutschüssen begleitet. Die „Fach" legte am Kai gegenüber dem Ädmiralspalast an. Nach der Begrüßung besuchte der Ministerpräsident die Küstenbefestigungen von Bizerta. Gegen 10 Uhr trat er dann die Weiterfahrt nach Tunis an. Dort begab sich Daladier sofort in das berühmte Palais du Bardo, dem Sitz des Bey von Tunis, wo im Jahre 1881 das Abkommen unterzeichnet worden war, durch das Tunis französisches Protektorat wurde.
Bei dem Empfang durch den Bey von Tunis hielt Daladier eine kurze Ansprache. „Frankreich und Tunis", so sagte er, „sind durch die Vertrags- rechte unlösbar miteinander verbunden und diese Bande werden durch die Solidarität der gegenseitigen Dienstleistungen und durch die wachsende Prosperität, die daraus hervorgeht, mtt jedem Tage enger. Ganz Frankreich ist bereit, an der Entwicklung der Reichtümer von Tunis mitzuarbelten und ihm den Schutz zu gewähren für den Fall, daß es ihn nötig haben werde. Diesen Schutz hat Frankreich bereits in der Vergangenheit kundgetan. Die Auswertung der tunesischen Wirtschaft, die in immer schnellerem Tempo fortgeführt wird und über die wir aufmerksam wachen, ist ein Beweis dafür. Diesen Schutz breitet Frankreich über alle Gebiete aus und Eure Hoheit können überzeugt sein, daß Frankreich in keinem Augenblick seine heilige Pflicht in der Erfüllung feiner geschichtlichen Mission vergessen wird." Der Bey erwiderte, Frankreich habe ein Recht auf die tiefe Dankbarkeit des tunesischen Volkes für das Werk, das es hier verwirklicht habe und Tunis werde bei jeder Gelegenheit feine Dankbarkeit und feine Anhänglichkeit beweisen. „Sie, Herr Ministerpräsident, können gewiß sein, daß Tunis sich: wenn nötig, um Frankreich scharen wird. Ich gebe Ihnen hier diese Versicherung."
Den Abschluß der Veranstaltungen des Dienstags bildete das große Bankett zu Ehren Daladier- im Hotel „Majestic", an dem der französische Generalresident in Tunis, ß a b o n n e, der tunesische Ministerpräsident als Pertreter des Beys, sowie eine große Anzahl französischer und tunesischer Würdenträger teilnahmen. Ministerpräsident D a - lädier erklärte einleitend, er sei nach Tunis gekommen, um den Gruß des Vaterlandes zu überbringen. Seine Freundschaftsbotschaft an das französisch-nordafrikanische Imperium mit Einschluß von Algier und Marokko solle gerade von Tunis aus in die Welt gehen, weil Tunis der Grenzwall des f r a n z ö s i s ch - n o r d a f r i - konischen Blocks sei. Von hier aus wolle er sich natf) Gabes begeben, das eine besondere strategische Aufgabe zu erfüllen habe. Daladier seierie das auf den Idealen der Freiheit und Brüderlichkeit aufgebaute Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Franzosen und Tunesiern, das ihm auch bei dem Zusammensein mit den Mitgliedern des Großen Rates von Tunis und der Bekundung ihrer Loyalität entgegengetreten fei. Eine große Aufgabe erwarte Frankreich in feinem nordafrikanischen Besitz' Frankreich werde diese Aufgabe im Sinne der Ideale von Freiheit und Brüderlichkeit und der Zufammenarbeit lösen. Das große Werk, das Frankreich hier zu leisten habe, werde sich im Geiste der Disziplin erfüllen, die sich gegen die brutale Kraft und die Tyrannei erheben werde. „40 000 Tunesier
sind auf bert Schlachtfeldern für Frankreich, die Verbündeten und die Freiheit gefallen. Frankreich ist ein friedliches Land, aber unsterblicher Ruhm umgibt seine Fahnen und Frankreich ist seiner Kraft sicher. Es ist in der Lage, allen Angriffen und Herausforderungen die Stirne zu bieten. Frankreich wird niemals erlauben, daß, unter welchem Vorwand auch immer, und mit welchen Mitteln auch immer, fein Bestand angetastet wird. Es vertritt die Sache der menschlichen Gemeinschaft, die beseelt ist von dem universellen Ideal, das auf der Achtung und allen Geisteskräften beruht."
Aegypten für Herabsetzung der Guezkanalgebühren.
Kairo, 3. Ian. (Europapreß. Funkspruch.) In der Frage der Herabsetzung der Gebühren für die Durchfahrt durch den Suezkanal wird von dem ägyptischen Derwaltungsratsmitglied der Kanalgesellschaft, Sedky Pascha , der Standpunkt vertreten, daß den Interessen anderer Lander am Suezkanal stärker als bisyer durch entsprechende Zugeständnisse der Gesellschaft Rechnung getragen werden müsse. Der ägyptische Ministerpräsident Mohammed Mahmud Pascha empfing den Präsidenten des Verwaltungsrats der Kcmalgesell- schaft, den Marquis de Bogoue, und den Generaldirektor der Gesellschaft, den Baron de B e n o i st, um mit ihnen über eine Senkung der Kanalgebühren und gewisse Aenderungen in der Zusammensetzung des Verwaltungsrats Rücksprache zu nehmen, lieber dieselbe Frage hat der Ministerpräsident schon Besprechungen mit dem englischen Botschafter in Kairo gehabt, um die englische Regierung von den vorausgegangenen ägyptisch-italüenischen Gesprächen zu verständigen. In Kairo hält man eine gewisse Senkung der Gebühren, schon deshalb für möglich, weil die ganze Verwaltung der Gesellschaft mit unerhörtem Luxus aufgezogen ist und schon hier außerordentliche Erfparnismöglichkeiten bestehen.
Die Palästina-Konferenz.
Vorschläge des arabischen Komitees in London.
London, 3. Ian. (Europapreß.) Der Zeitpunkt der ursprünglich für Anfang Januar geplanten Palästina-Konferenz in London ist noch immer nicht betanntgegeben worden. Man nennt den 5. Februar, läßt jedoch erkennen, daß die Vorbereitungen für die Konferenz sehr stark beschleunigt werden müßten, wenn dieser Zeitpunkt eingehalten werden soll. Der Grund für die Hinausschiebung des Konferenzbeginns ist einmal darauf zurückzu- führen, daß man sich an zuständiger englischer Stelle über das einzuschlagende Konferenz-Verfahren noch nicht völlig im Klaren ist, und zum anderen darauf, daß das Arabertum Palästtnas seine Vertretung für London noch nicht ernannt hat. Die bisherige Weigerung der französischen Stellen, die von den Seychellen freigelassenen Araberführer zu dem im Libanon residierenden Mufti von Jerusalem zuzulassen, mußte die Lage erschweren. Man rechnet damit, daß von den frei- gelassenen Arabern etwa drei nach London kommen werden. Die Haltung des Arabertums zur Palästtnafrage hat sich seit Abschluß des interparla- mentarischen Kongresses in Kairo im Oktober nicht geändert. Das arabische Komitee in London hat kürzlich vorgefchlagen, daß das Mandat noch für ein paar Jahre bestehen bleiben solle, die Araber jedoch inzwischen Palästtna zu -einem dem Irak ähnelnden Staat entwickeln sollten. Die Juden dürften keinen eigenen Staat in Palästtna bilden,
Ausfüllung des Nottenverlrags.
<>on unserer berliner Gchriftlettuna
Obwohl die neuen Pläne der deutschen Schiffs- bauten noch nicht veröffentlicht sind, hat es ein Teil der Auslandspresse für richtig befunden, über die Berliner Erörterungen, die zwischen Vertretern der deutschen Marinebehörden und der britischen Admiralität stattfanden, irreführende Mitteilungen zu verbreiten. Um es gleich vorweg festzustellen: es handelt sich für Deutschland nicht darum, ein Wettrüsten mit anderen Mächten auf marinepolittschem Gebiet zu eröffnen, sondern lediglich 'um die Anwendung von Einzelbestimmungen der zwischen Deutschland und England in den Jahren 1935 bzw. 1937 geschlossenen Vereinbarungen. Das Recht zu Abänderungen ist dort feftgelegt, und wer an den Berliner Besprechungen Kritik üben wollte, der würde sich gegen das Vertragswerk überhaupt wenden, das als deutsch-englischer „Flottenfrieden" einer der wichtigsten Faktoren zur Erhaltung des Friedens geworden ist. Selbst die „Times" und der „Daily Telegraph" haben zugeben müssen, daß die von Deutschland geplanten Aenderungen in der Kreuzer^Klasse und in der Zahl der 11-Boote auf Grund des Artikels F des Flottenabkommens von 1935 berechtigt seien.
Durch den Vertrag vom 18. Juni 1935 ist bie deutsche Flottenstärke „endgültig und bindend" auf 35 v. H. der englischen Stärke (einschließlich der Dominions) festgesetzt. Aehnlich wie im Londoner Vertrag der «Seernädjte von 1930 war zwischen Deutschland und England vereinbart, daß bei einer veränderten Lage eine gemeinsame Prüfung erfolgen solle. Bei den Unterseebooten war Deutschland die Berechtigung zugesprochen, eine gleiche U-Bootstonnage zu besitzen, wie das gesamte britische Reich, wobei aber die Gesamtstärke der deutschen Marine sich im Rahmen von 35 v. H. der englischen Gesamtstärke bewegen muß. Zunächst ging Deutschland nicht über 45 v. H. der englischen U-Bootsstärke hinaus. Es behielt sich aber vor, in freundschaftliche Erörterungen mit der anbe,ren Seite einzutreten, wenn eine Lage entstehen sollte, die eine Aenderung des Bau» Programms erfordere.
Die Ergänzung des deutsch-englischen Vertrages von 1935 durch das Abkommen vom 17. Juli 1937 ergab sich aus der Notwendigkeit, ihn an den Flottenvertrag der Seemächte (England, Frankreich und USA.) anzugleichen, der inzwischen 1936 abgeschlossen worden war. Dabei wurde Deutschland das Recht zugestanden,. 5 schwere Kreuzer (über 10 000 Tonnen mit 20,3 cm Kaliber) zu bauen. (1942 sollte der Bau solcher Einheiten aufhören.) Zunächst baute Deutschland deren drei, es erklärte aber, den vierten und fünften Schweren Kreuzer erst dann in Bau zu nehmen, wenn besondere U m st ä n d e zu dieser Maßnahme die Veranlassung geben. Auch darüber sollten freundschaftliche Erörterungen mit dem Vertragspartner stattfinden.
Von der Möglichkeit der Verträge hat die Reichsregierung nun Gebrauch gemacht und in den Berliner Verhandlungen mit Vertretern der englischen Admiralität die Lage erörtert. In welchem Umfange sie den ihr gegebenen Spielraum der Bauprogramme ausnutzen wird, wird man zu gegebener Zeit erfahren. Es ist selbstverständliche daß für uns keine anderen Gesichtspunkte maßgebend sind als diejenigen der Landesverteidigung.
Alles andere, was in einem Teil des Auslandes erzählt werden mag, gehört in das Reich der Fabel. Bald soll es die Absicht sein, durch deutsche U-Boote die Handelswege nach dem Mittelmeer zu kontrollieren, oder es soll auf die französisch-italienische Spannung hingezielt sein. Andere Schwätzer behaupten, Deutschland habe Absichten auf die Mur» manküste oder es wolle der Verlegung der nord- amerikanischen Flottenbasis vom Pazifik zur Allan» tit Rechnung tragen. Es hat keinen Sinn, sich mit solchen gehässigen Unterstellungen zu beschäftiaen. Es muß der Welt genügen, daß Deutschland seine friedliche Politik fortsetzen will, daß es aber dazu alle Erfordernisse der Landesverteidigung einzusetzen entschlossen ist.
jedoch ihre Kultur und Sprache pflegen. Arabisch solle indessen die Landessprache sein. Das Araber- tum vertritt die Ansicht, daß bei der Durchführung eines solchen Schemas Palästina auf friedliche Art und Weise in etwa zehn Jahren die gleiche Staatsform angenommen haben würde, wie das heute bei dem Irak der Fall ifh
Britische Polizisten
des Gefangencnmordes beschuldigt.
Jerusalem, 3. Ian. (Europapreß.) Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt das Arabertum Palästinas den am Dienstag eingeleiteten Pro- Z e ß gegen vier englische P o l i z i st e n , die des „ungerechtfertigten" Gefangenenmor- d e s beschuldiat werden. Das Opfer des Mordes ist ein älterer Araber. Die Angeklagten behaupteten bisher, der Araber fei bei einem F luch t v e r - s u ch erschossen worden. Die Bevölkerung Palästinas hat den Aussagen jedoch wenig Glauben geschenkt und bei den zuständigen Behörden immer wieder auf eine gerichtliche Untersuchung gedrängt. Der englische Kolonialminister Macdo - n a l d wurde vor etwa acht Wochen mit diesem Zwischenfall befaßt und hat damals eine genaue Untersuchung des Zwischenfalles angeordnet. Der Zwischenfall ereignete sich am 24. Oktober auf dem Wege von Jaffa zum Gefängnis von Tel Aviv.
Republikanische Agitation in Südafrika
Johannesburg, 4. Jan. (Europapreß.) Die republikanische Agitation nimmt in der Südafrikanischen Union immer mehr zu. Nachdem von den örtlichen Gruppen der nationalistischen Partei Transvaals und Anhängern der Regierungspartei vor kurzem gemeinsame Entschließungen zugunsten der republikanischen Staatsform gefaßt worden waren, hat die nationalistische Partei nunmehr anläßlich einer Ersatzwahl in Bethal den Wählern ihre Forderungen unter der Parole: , Fort mit dem König! Fort mit ,God save the King4! Fort mit Union Jack!" (der brittschen Flagge) bekanntgegeben. Man fürchtet, die Heftigkeit, mit der die Nationalisten diesen Wahlkampf geführt haben, könnte die Einigungsverhandlungen zwischen dem Ministerpräsidenten General H e r tz o g und dem Na- tionaliftenfübrer Dr. Malan völlig zunichte machen. Der Führer der Nationalisten Transvaals, Strydom, hat sogar erklärt, die Verbindung mit England müsse gänzlich aufgegeben wer den.


