Die erste Beschießung Oer englischen Küste am 3. November 1914.
Von Koi vetten-Kapifän a O. Frhr. v. ^orstner.
Kaum war die Kunde der Vernichtung des Geschwaders von Admiral Cradvck vor Coronel in England bekanntgeworden, als am Tage darauf schwere Granaten deutscher Schlachtkreuzer die Bewohner der Ostküste Englands aufschreckten. Seit Admiral de Ruyters Zeiten hatte sich kein feindliches Kriegsschiff bis auf Kanonenschußwelte dem Strande Englands zu nähern gewagt.
Während unsere gesamte Flotte als Rückhalt in der Mitte der Nordsee stand, sollten unsere Schlacht- kreuzer bei Hellwerden am 3. November Great Yarmouth beschießen. Der Kreuzer „Stralsund" hatte die Aufgabe, gleichzeitig Minen vor der Küste zu legen.
Trotz schwierigster Naoigierunq erreichten unsere Schlachtkreuzer pünktlich ihr Ziel. Leichte Dor- postenkräste wurden bald verjagt. Dichter Dunst lag über der Küste. Kurz nach 6 Uhr wurden aus dem Dunst heroorkommende Landbatterien unter Feuer genommen. Die aus dem Küstennebel steil hervorragende Nelsonsäule diente zeitweise als Hilfsziel. Nach beendeter Beschießung und Minenwerfen drehten unsere Schlachtkreuzer auf das eigene Gros zurück. Don ihnen entgegengesandten englischen U-Booten sank „D 5" auf einer Mine.
Dieses erste Unternehmen gegen die englische Küste wurde in Seefahrtskreisen der ganzen Welt als militärisch-seemännische Glanzleistung unseres Kreuzerführers, Konteradmiral Hipper, anerkannt. Diesem stand als I. Admiralstabs-Offizier auf seinem Flaggschiff „Seydlitz" Korvetten-Kapitän Roeder, der fetzige Großadmiral und Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, zur Seite. Die zwei harten Schläge — Coronel und Great Yarmouth — die England in den ersten Novcmbertagen des Jahres 1914 trafen, hatten den Nimbus der Unbesiegbarkeit der englischen Flotte und der Unantastbarkeit von Englands Küste zerstört. Gewaltig sank das Ansehen der englischen Flotte im eigenen Volk. Immer lauter verlangte die öffentliche Meinung endlich Taten ihrer „grand fleet“, die nicht einmal den deutschen Kreuzern den Rückweg hatte verlegen können.
Churchill wieder am Werk!
Geheimnisvolle Explosion auf einem Schwesterschiff der „Athenia"
Neuyork, 2.Nov. (DNB.) Folgende auf eine Alsociated-Preß-Jnformation aus San Pedro in Ka- lifornien zurückgehende Meldung wirft neues Licht auf den Fall „Athenia": Das seit vier Wochen Überfällige Motorschiff „M o v e r i a" aus Liverpool, ein Sch w e ste r schi f f der im Auftrage Churchills versenkten „A t h e n i a" traf am Mittwoch in San Pedro ein. Mitglieder der Mannschaft berichten, daß sich am 23. September i m M a» schinenraum eine Explosion ereignete, die die „Mooeria" zwang, nach Balbao (Panamakanal) zur Reparatur zurückzukehren. Der Kapitän der „Mvveria , MacKecham, weigerte sich, einen Bericht über die Explosion mit Vertretern der I18^..-Presfe zu besprechen.
Scharfer Widerstand der Burenparieien gegen England
London, 2. Nov. (Europapreß) Die Verhandlungen Über die Vereinigung der beiden nationalburischen Gruppen in Südafrika nehmen einen aussichtsreichen Verlauf. Zugleich wird von den führenden Männern der Nationalisten eine immer schärfere Sprache gegenüber England geführt. Der Führer der Na- tionalisten-Partei, Dr. M a l a n , erklärte in einer Rede, seine Partei würde den früheren Ministerpräsidenten General Hertzog als obersten Chef willkommen heißen, wenn die zur Zeit schwebenden
Verhandlungen zwischen dem General Hertzog und den Malan-Anhängern abgeschlossen seien. General Hertzog wandte sich seinerseits gegen die „britischen Jingos" und unterstrich di^ Gefahr, in der sich die Südafrikanische Union befände, wenn sie ihre Freiheit wieher einbüßte. Dr. Malan drohte damit, Südafrika würde, wenn es den Frieden nicht innerhalb des britischen Imperiums haben könne, ihn außerhalb desselben suchen müssen.
Die Regierung Smuts hat bereits Maßnahmen ergriffen, um sich den Anhängern Malans und
Hertzogs entgegenzustellen. Eine der drastischsten Maßnahmen gegen die Afrikander ist das Verbot, Kritik an der Regierung zu üben. Als Vorsichtsmaßnahme wird General Smuts Tag und Nacht von Detektiven bewacht. Das Regierunas- gebäude in Pretoria wimmelt von Polizei. Doch hat sich bis jetzt lediglich der Minenarbeiter eine unruhige Stimmung bemächtigt. Unterdessen mußten alle Buren ihre Feuerwaffen abliefern, die ihnen bisher im Dienste gegen Leoparden sehr geholfen haben. Es handelt sich also um eine ebenso harte wie unnötige Maßnahme.
Freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Italien und Griechenland.
Notenwechsel zwischen Rom und Athen stellt konkretere Gestaltung der beiderseitigen Beziehungen für die nahe Zukunst in Aussicht.
Rom, 3. Roo. (DRB.-Funkspruch.) Die italienische und die griechische Regierung haben in Athen zwei Roten ausgetaufcht, in denen sie „der festen Hoffnung Ausdruck geben, daß die Entwicklung der internationalen Lage ihnen in naher Zukunft die Möglichkeit bieten wird, ihren Beziehungen mit dem Ziel einer vertrauensvollen und fruchtbaren Zusammenarbeit auf allen Gebieten eine konkretere Form zu geben." Die griechische wie die italienische Regierung erklären sich entschlossen, „in der Zwischenzeit" f i ch von den Grundsätzen der Freundschaft und der Zusammenarbeit leiten zu lassen, die in dem am 23. September 1928 in Rom unterzeichneten Freundschafts- und Schiedsvertrag enthalten find.
In der vom griechischen Ministerpräsidenten Metaxas unterzeichneten Rote an den italienischen Gesandten Srazzi wird auf die unter dem 12. Oktober erneuerten Zusicherungen wie die freundschaftlichen Absichten Italiens gegenüber Griechenland und auch die zwischen den beiden Regierun
gen bestehende herzliche Atmosphäre nach der Zurückziehung der italienischen und griechischen Truppen von der albanischen Grenze hingewiesen und die Absicht der griechischen Regierung zur Fortsetzung ihrer Friedenspolitik zum Ausdruck gebracht. Desgleichen bekräftigt die griechische Rote „den aufrichtigen Wunsch zwischen Italien und Griechenland, eine neue Periode der Freundschaft und des Einvernehmens, getragen von größtem gegenseitigem vertrauen, eröffnet zu sehen". Die gleiche Absicht und der gleiche Wunsch wird in der vom italienischen Ge- sandten unterzeichneten Rote an den griechischen Ministerpräsidenten seitens der italienischen Regierung ausgesprochen.
Der Rotenwechsel zwischen Rom und Athen wird von der römischen Morgenpresse an erster Stelle und in großer Aufmachung, sedoch kommentarlos wiedergegeben. „Messaggero" stellt ihn unter die Ueberschrift „Mi ttelmeer-Glelchgewicht", währen „Popolo d'Jtalia" die italienisch-griechische Freundschaft betont.
Die Sowjetunion und ihre Nachbarn.
Die Molotow-Rede hat alle Gefahrenlegenden zerstört.
Rumänische Pressestimmen.
Bukarest, 2. Nov. (Europapreß). Zur Rede Molotows schreibt die Zeitung „Unioersul", im Sanzen habe besonders der erste Teil durch seine Argumentierung viel Aehnlichkeit mit den deutschen Thesen. Sowohl durch seine Form, als durch seinen Inhalt stelle er eine moralische Solidarität mit Deutschland her. Das Blatt unterstreicht den Neutralitätswillen der Sowjetunion, aber auch den Wunsch, die Friedensbestrebungen Deutschlands zu unterstützen. — „Cu- rentul" sagt, die Bedeutung der Sowjetunion gehe schon daraus hervor, daß sich England und Frankreich monatelang um ein Bündnis bemüht hätten und auch jetzt ihr gegenüber keine feindliche Haltung einzunehmen wagten, obwohl man nicht sagen könne, daß Moskau eine außergewöhnlich freund- schastliche Haltung den beiden dernokrattschen Staaten gegenüber bezeuge. Die Molotow-Rede enthalte auch einige ausgesprochen feindselige Stellen gegenüber den demokratischen Staaten. Das Blatt hebt die kategorische Gegnerschaft gegenüber der im Jahre 1919 geschaffenen Ordnung Europas hervor. Man müsse anerkennen, daß die Molotow-Rede eine sehr scharfsinnige Taktik des Angriffs gegen die englisch-französische Politik enthalte.
Eine sehr freundliche Betrachtung widmet der „Joumalul" der Molotow-Rede. Der russische Außenkommissar habe, so heiß es dort, durch seine Erklärungen für d i e Nachbarstaaten der Sowjetunion alle Ge f a h r e n l e g e n d e n
zerstört. Andererseits stelle die Aufrechterhaltung der russischen Neutralität ein wesentliches Element in der zukünftigen Entwicklung des Krieges dar, ebenso wie auch die Offenhaltung der russischen Rohstoffquellen für Deutschland. Für alle der Sowjetunion benachbarten Staaten sei der von Molotow mit Ueberzeugung wiederholte Neutralitätsentschluß mehr als willkommen. Die Nachbarn Rußlands feien fo aller Gefahr entgangen, die für einen kleinen Staat die Nachbarschaft eines großen enthält, der sich im Krieg befindet. Nach Unterstreichung der Erklärung, daß die Sowjetunion im Schwarzen Meer weiter eine Politik des Friedens und der strikten Neutralität verfolgen werde, sagt der Artikel, klarer könne man unter den heutigen Umständen nicht sprechen. Die geheimnisvolle Sphinx habe gesagt, was sie beabsichtigt, und die Welt habe das Recht, sich zu beruhigen.
Beunruhigung in der Türkei.
Rom, 2. Nov. (Europapreß.) Jener Teil der Rede Molotows vor dem Obersten Rat der Sowjets, der Bezug nimmt auf die mit der Türkei er- -folasos geführten Verhandlungen, hat, wie „Lavoro Fascista" aus Istanbul berichtet, in türkischen Kreisen starke Beunruhigung hervorgerufen. Die öffentliche Meinung in der Türkei zeige sich auch durch die Ereignisse auf dem Balkan beunruhigt, da man auch in Belgrad der Ansicht sei, die Türkei habe sich durch den Ankara-Vertrag in das englisch-französische System eingeschaltet und infolgedessen vom Balkanbund entfernt.
Koggebusch.
Von Hans Riebau.
Wasferstandsmeldung.
Koggebusch liegt am Bach und guckt in den Himmel. Plötzlich kommt ein Motorradfahrer daher. „Hallo", ruft er, „ist der Bach da tief?" „Nein", ruft Koggebusch zurück, „fahren Sie nur ruhig hindurch." Der, Motorradfahrer gibt Gas und kurz daraus guckt nicht einmal mehr die Lenkstange aus dem Wasser. Koggebusch zieht ihn ans Land. „Merkwürdig", flüstert er dann und blickt auf das strömende Wasser, den Gänsen ging es nur bis zum Bauch."
Momentaufnahme.
Koggebusch geht über die Kurpromenade. Ein Photograph zückt —in fünf Meter Abstand — die Kamera, Koggebusch bleibt stehen.
„Gehen Sie nur ruhig weiter!" ruft der Photograph, „ich mache die Aufnahme in ein tausendstel Sekunde!"
,^>h bitte", sagt Koggebusch, „so eilig hab' ich's gar nicht!"
*
Hähne und Hühner.
Horniebel hat eine Geflügelzucht mit zwei großen Ställen, Wiesenauslauf, elektrischem Brutschrank und allem was dazu gehört. Neulich aber kommt er seltsam erregt zum Stammtisch. „Da ist mir doch etwas sonderbares passiert", sagt er. „Ich habe in meiner Zucht ausschließlich Weiße Leghorn. Wie ich ober heute die Brutmaschine öffne, was sehe ich? Heber dreißig der ausgescylüpften Kücken sind bunte Italiener!"
„Allerhand!" nickt Koggebusch, „höchste Zeit, daß du die Maschine mal nachsehen läßt."
*
Glückspilz.
Koggebusch und Sampel siken beim Bier. „Ich bin doch ein Pechvogel", sagt Sampel, „stell dir vor, am letzten Dienstag wollte ich die Prämie für die Feuerversicherung bezahlen, vergesse es aber, und gestern sind mir im Keller die Kohlen, vier Sack Holz und zwei Fahrräder verbrannt. Natürlich weigert sich die Versicherung, zu bezahlen."
• „Das ist wirklich Pech", nickt Koggebusch. „Was mich betrifft, so bin ich in solchen Dingen ein ausgesprochener Glückspilz."
„Wieso Glückspilz", fragt Sampel, „hast du auch mal Feuer gehabt?"
„Das nicht, sagt Koggebusch, „aber am ersten April, kurz vor meinem Umzug, schließe ich eine
Unfallversicheruna ab, und schon am zweiten April fällt mir unser Klavier auf den Kopf."
*
Tolle Gerüchte.
Koggebusch erzählt Dinge über den jungen Sorosch und Frau Parinski, daß den Stammtifcyfreunden die Haare zu Berge steyen.
,^Hör mal", unterbricht chn schließlich Sampel, „woher weißt du denn das alles?"
„Von Horniebel", sagt Koggebusch.
„Aber ich bitte dich!" ruft Sampel, „glaubst du denn etwa alles, was der Horniebel erzählt?"
„Unsinn!" runzelt Koggebusch die Stirn, „ich erzähl es nur weiter!"
♦
Aufschub.
Koggebusch übernachtet irgendwo in einem kleinen Dorf. Die Nacht ist warm, die Fensterflügel sind geöffnet, und im Garten singt eine Nachtigall.
Plötzlich aber schiebt sich ein Revolver auf die Fensterbank, der Sicherungshebel knackt, und eine heisere Stimme flüstert: „Haben Sie Geld?"
Koggebusch richtet sich in seinem Bett auf, sieht den Revolver und die dazu gehörige Hand, und dann flüstert er zurück: „3m Augenblick nicht. Aber am Ersten bekomm' ich Gehalt/
*
Konzert.
Koggebusch, Sampel und Horniebel sind im Konzert. „Du", flüstert Sampel und stößt Koggebusch in die Seite, „Horniebel ist gana fest eingeschlafen/
„Unerhört!" flüstert Koggebusch zurück, ,/unb um mir das zu sagen, weckst du mich auf?"
♦
Denksport mit Trick.
Der Stammtisch treibt Denksport. Zuerst sind es nur einfache Rätsel, allmählich aber werden die Aufgaben schwieriger, und schließlich legt Koggebusch eine Photographie auf den Tisch und fragt: „In welchem Monat ist diese Ausnahme gemacht?"
Sampel nimmt die Photographie. „Das ist ja kinderleicht", ruft er, ,Hie Bahnhossuhr zeigt auf zwei, die Sonne scheint, und die Schatten sind sehr schräg. Also ist die Photographie im Dezember aufgenommen."
„Falsch", ruft Koggebusch, „bie Aufnahme ist am 20. Mai gemacht."
„Aber erlaube mal", sagt Sampel, „am 20. Mai, mittags um zwei kann die Sonne niemals derart schräge Schatten werfen. Oder ist ein besonderer Trick dabei?"
„Allerdings nickt Koggebusch, „bie Uhr ist um zwei stehen geblieben/'
Das Posaunen-Solo.
„Paßt man auf", sagt Koggebusch am Stammtisch, „wenn morgen mein Posaunen-Solo beim Vereinsfest ein großer Erfolg wird, dann essen wir anschließend auf meine Kosten Hähnchen mit Kartoffel-Salat im goldenen Stern. Wenn es aber kein besonderer Erfolg wird, bann trinken wir eine Flasche im Ratskeller."
„Einverstanden", nickt Sampel, „was aber —, wenn es katastrophaler Reinfall wird?"
„Kommt ja gar nicht in Frage", schüttelt Kogge- dusch den Kopf, „aber immerhin, dann trinken wir eben ein kleines Helles in der Stehbierhalle von Porsch."
Am nächsten Abend um zehn trinken bie Stammtischfreunde in der Stehbierhalle von Porsch je ein kleines Helles. Um dieselbe Zeit aber betritt Koggebusch mit fliegendem Mantel den goldenen Stern und ruft: „Herr Wirt! Siebenmal Hähnchen mit Kartoffelsalat!"
Fußball.
Koggebusch hat — als er noch jung war — gern Fußball gespielt, und noch heute zuckt es ihm in den Füßen, wenn er so einen Ball auf dem Rasen liegen sieht. Neulich aber geht er — quer über den Sportplatz — auf die Tribüne zu. Ein paar junge Seute haben sich gelagert, und neben ihnen liegt — braunglänzend — ein Fußball. Koggebusch kann es nicht lassen: er nimmt einen Anlauf und tritt den Ball, wie noch nie ein Ball getreten worden ist.
Zwei Sekunden später liegt Koggebusch stöhnend am Boden. „Hilfe!" ruft er, „ist das denn kein —" „Nein", sagt da einer der jungen Seute, ,chas ist eine Eisenkugel für die Gewichtsheber."
Mangel an Vertrauen.
Koggebusch kommt — spät nachts — vom Stammtisch nach Hause. Frau Kvggebusch ist noch wach. Frau Koggebusch setzt sich in Positur. „Wo warst du heute abend um neun?" fragt sie.
„Im Kino", sagt Koggebusch.
„Allein?" frag? Frau Koggebusch weiter.
„Natürlich", nickt Koggebusch, „glaubst du etwa, daß ich ..."
„Allerdings", ruft Frau Koggebusch, „bu warst mit einer Dame im Kino."
„Aber erlaube mal", ächzt Koggebusch, „ich kann beschwören, daß ich allein---"
„Schweig!" zischt Frau Koggebusch, „ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, daß du mit einer Dame im Kino warst."
„Das ist ja allerhand", schlägt Koggebusch da auf den Tisch, „so wenig Vertrauen hast du, und glaubst deinen eigenen Augen mehr als mir2"
England tritt kurz.
Zurückhaltende Stellung zurMolotow-Rede
Rom, 3. November. (Europapreß.) Die Berichts der italienischen Pressevertreter in Paris und London lassen erkennen, daß die Rede Molotows in den beiden Hauptstädten eine ftarf von einander abweichende Aufnahme gefunden hat. Während sich die französische Presse in scharfer Kritik dieser Rede ergehe, sei in der englischen Presse das Bestreben unverkennbar, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. In Paris würden die Reste von Duldsamkeit, die hier und da noch gegenüber Sowjetrußland beständen, scharf verurteilt.
Dagegen herrsche in England die Tendenz vor, die scharfen Stellen der Rede, ob sie nun b$r Tür» fei oder Finnland gegolten hätten, ebenso wie die unangenehmen Dinge, die an die Adresse Großbritanniens gerichtet gewesen seien,, mit Stillschweigen zu übergehen. Diese vorsichtige Haltung sei zweifellos in Verbindung zu bringen mit dem Wunsch Englands, die" Empfindlichkeit Moskaus so wenig wie möglich zu verletzen, weil man in London hoffe, dadurch eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rußland verhindern zu können. Für England scheine es in erster ßinie' wichtig zu sein, daß Rußland wenigstens im Augenblick Deutschland noch keine militärische Hilfe gegen die Westmächte zu> teil werden lasse.
Die Westukraine in Oie Sowjetunion ausgenommen.
Moskau, 2. Nov. (DNB.) Auf der Abend- sitzung des Obersten Sowjets am Mittwoch wurde bie Aufnahme der Westukraine tn den Verband der Sowjetunion und ihre Vereinigung mit der u kra i ni s chen Sowjetrepublik vorgenommen. Nach Eröffnung der Sitzung betraten die über 60 Abgeordneten der westukrainischen Nationalversammlung den Saal, wo sich die Sowjetregierung und die Parteispitzen, unter ihnen Stalin, Molotow, Woroschilow und Mikojan eingefunden hatten. Mehrere Mitglieder der Abordnung nahmen in ukrainischer Sprache zu der Frage des Anschlusses an die Sowjetunion Stellung. Ihre Reden enthielten eine eindringliche Schilderung der Unterdrückung des westutrainischen Volkes unter der polnischen Herrschaft.
Dann brachte der Stellvertretende Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, Wyschinski, eine Entschließung ein, in der gefordert wurde, die Westukraine in die Sowjetunion aufzunehmen und der Ukrainischen Sowjetrepublik anzugliedern, sowie allgemeine Wahlen zum Obersten Sowjet der UdSSR, im Gebiet der Westukraine anzusetzem Die Versammlung nahm die Entschließung einstimmig an. Donnerstag wird die Aufnahme des westlichen Weißrußland in die Sowjetunion zur Debatte stehen.
Die sowjetrussischen Truppen haben ihre estnischen Stützpunkte besetzt.
Helsinki, 3. Nov. (Europapreß.) Nach Mitteilungen aus Reval ist nun auch die Beförderung der Sowjettruppen in die estnischen Stützpunkte abgeschlossen worden. Man erwartet in diesen Tagen noch einige Eisenbahntransporte mit Lebensrnitteln für die russischen Druppen.Augenblicklich beträgt die Mannschastszähl in Hapsal 9000, auf Defel 5000, auf Dagö 1500 und in Baltischport 7000 Soldaten. In Baltischport sind noch etwa 400 russische Frauen untergebracht, die als Büroangestellte tätig sind.
Verhandlungen Rußland-Türkei— Rumänien in Ankara?
Istanbul, 2.Nov. (DNB.) In Ankara verlautet, es würden demnächst dort dreiseitige Verhandlungen zwischen Rußland, der Türkei und Rumänien stattfinden. Man erwartet dieser Tage die Rückkehr des rumänischen Botschafters, der in den letzten Tagen wiederholt in Bukarest längere Unterredungen mit dem König
„Grprcffcr."
3m Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, wird gegenwärtig ein Film von charakteristischen amerikanischen Qualitäten gezeigt, der es an gehäufter Dramatik nicht fehlen läßt. Die junge Frau eines verschollenen Ozeanfliegers und Abenteurers findet ein zweites Glück an der Seite eines bedeutenden Arztes. Plötzlich taucht der totgeglaubte Flieger wieder auf, aber er ist krank und erhebt keinen Anspruch auf seine an sich rechtmäßige Frau. Aber einer seiner früheren Freundinnen sieht in feinem Wiederauftauchen eine Gelegenheit zu einer groß- angelegten Erpressung, da sie zudem Briefe in der Hand hat, die ihr, so glaubt sie, dabei dienen könnten. Sie droht mit der Veröffentlichung der Briefe. Jedoch, der zurückgekehrte Flieger nimmt ihr den Wind aus den Segeln, ja, er bringt sie sogar im entscheidenden Augenblick um das Leben. Da aber der Mordverdacht auf feine ehemalige Frau und deren angesehenen Gatten fällt, stellt er sich dek Polizei, sühnt bas Verbrechen, sühnt Sünden der Vergangenheit und beschließt somit sein verpfuschtes Leben. Der Regisseur dieses ParamounttFilms Ha- rold Young wußte aus dem Thema viel zu machen. Die Spannungen zwischen den handelnden Personen ergeben sich folgerichtig, spitzen sich zu, gipfeln im Gewaltakt und finden die'erwartete Losung. Der ganze Film wurde mit sehr wenigen Personen bestritten und blieb nicht zuletzt dadurch eindeutig und unmißverständlich. Auf alles schmückende Beiwerk wurde verzichtet.
Die weibliche Hauptrolle trägt Elissa Land! als Lady Godfrey. In chrer ganzen darstellerischen Haltung kam sie den deutschen Vorstellungen von einer edlen Frau nahe. Ihr steht die mondäne Erpresserin Mona (Frances Drake) mit aller Betonung der zweifelhaften Existenz gegenüber. Paul Cavanagh hält als Dr. Godfrey klar die Linie des Weltmannes und selbstsicheren Arztes. Schließlich weiß Kent Taylor dem totgeglaubten Abenteurer manchen schönen menschlichen Zug zu verleihen. Wenn der Paramvunt-Film in feiner ganzen Auffassung für deutsches Gefühl auch zu sensationell angelegt ist, so fühlt man sich doch angeregt unterhalten.
Ein gezeichneter Trickfilm, der in der Technik an die Micky-Maus (seligen Angedenkens) erinnert, läßt vermuten, was dem amerikanischen Kinopubli- kum zu gefallen scheint. Ein Landschaftsfilm aus dem Weserbergland ist eine Quelle ungetrübter Freude. Heinrich Ludwig Neuner.


