lungstage von dem Einberufenen erfüllt worden find und nach Art und Umfang feiner bisherigen wirtschaftlichen Lage angemessen waren, im Rahmen der Familienunterstützung dementsprechende Beihilfen gewährt.
Es kann daher den zum Wehrdienst einberufenen Versicherten nur empfohlen werden, die Familienversicherung weiterzufuhren, um der Familie den Krankenversicherungsschutz zu erhalten.
Gietzener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 3. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, % kg 5 bis 7, Weißkraut 4 bis 5, Rotkraut 6 bis 8, gelbe Rüben 7 bis 8, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 10, Unterkohlrabi 8, Feldsalat, 1/10 10 bis 12, Tomaten, % kg 10 bis 15, Zwiebeln 8 bis 10, Kürbis 8, Kartoffeln, kg 4 Rpf., 5 kg 40 Rpf., 50 kg 3,25 bis 3,45 RM., Aepfel, kg 10 bis 30 Rpf., Falläpfel 5, Birnen 10 bis 25, Pfirsiche 25 bis 30, Zwischen 10 bis 12, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 25, Endivien 8 bis 12, Ober- kohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35 Rp. *
* * Die Bezirksgeschäfts ft elle O ft des Ernährungsamtes der Stadt Gießen befindet sich von jetzt ab in der Universitätsbibliothek, Bismarckstraße.
* ♦ Sterbefälle in Gießen. Es verstarb en in Gießen in der Zeit vom 15. bis 30. September: 15.9. Anna Dörr, geb. Gehrke, o. B., 77 Jahre, Hesfenfttahe 3; 16.9. Margarete Meyer, geb. Best,
o. B., 66 Jahre, Lahnstraße 13; 19.9. Gisela Loth, 14 Monate, Kaiser-Allee 27; 23.9. Heinrich Magel, Oberzollsekretär, 60 Jahre, Hillebrandstraße 6; 23.9. Elise Mull, geb. Hedrich, o. B., 88 Jahre, Memeler Straße 7; 23.9. Heinrich Debus, Lokomotivführer, 63 Jahre, Ebelstraße 23; 24.9. Berta Goldhorn, geb. Opfermann, o. B., 60 Jahre, Möser- straße 65; 25. 9. Marie Groh, geb. Lipp, 71 Jahre, Gnauthstraße 7; 26.9. Margarete Schmidt, Schülerin, 13 Jahre, Steinstraße 63; 26. 9. Friedrich Eisenträger, Schreiner, 62 Jahre, Seltersweg 87; 26.9. Gießen-Wieseck: Heinrich Lotz X., Rangiermeister a. D., 56 Jahre, Turnstraße 13; 27.9. Sofie Schmidt, geb. Buchhold, o. B., 53 Jahre, Lessingstraße 1; 28.9. Anna Klinkel, geb. Hoß, o. B., 53 Jahre, Licher Straße 80; 30.9. Anna Maria Heß, aeb. Lex, o. B., 56 Jahre, Wetzlarer Weg 51; 30.9. Helene Keller, geb. Bogt, o. B., 60 Jahre, Rod- heimer Straße 50.
** In deutscher Erde zur letzten Ruhe bestattet. Auf dem Gießener Reuen Friedhof wurde am gestrigen Montagnachmittag eine italienische Landarbeiterin, Frau Maria B i z z o aus der Gegend von Verona (Oberitalien), die mit ihrem Manne auf einem Bauernhof bei Usenborn (Kreis Büdingen) beschäftigt war, zur letzten Ruhe gebettet. Die Frau war plötzlich erkrankt und dann in der hiesigen Klinik gestorben. Ihre Landsleute, die als Landarbeiter und Landarbeiterinnen an mehreren Stellen in Oberhessen tätig sind, sowie Vertreter des Fascio in Frankfurt a. M., ferner Vertreter der Gießener Parteiorganifation und des Arbeitsamtes Gießen, gaben der Verstorbenen das letzte Geleit. Kranzniederlegungen am Grabe brachten der Toten einen letzten Blumengruß dar.
Aus Der engeren Heimat.
3tt der Scheune tödlich verunglückt.
* Königsberg (Kreis Wetzlar), 2. Oktober. In unserem Orte ereignete sich ein schwerer U n- f a II. Der 46jährige Schlosser Wilhelm Scherer stürzte in feiner Scheune von einer Leiter ab und erlitt durch den Sturz auf die Tenne einen schweren Schädelbruch. Der bedauernswerte Mann wurde sofort in die Ehirurgische Klinik nach Gießen gebracht. Dort ist er an der schweren Verletzung gestorben.
Unfälle auf dem Lande.
Die Gemeindeschwester Berta Mühlhausen in Watzenborn-Steinberg fuhr in abendlicher Dunkelheit mit ihrem Fahrrad gegen einen Wagen und stürzte. Sie erlitt dabei Rippenbrüche und mußte sofort in ärztliche Behandlung gebracht werden. — Der Bergmann Friedrich Sutz aus Heuchelheim erlitt an seiner Arbeitsstelle einen Unterschenkelbruch. — Durch einen Sturz von einem Wagen zog sich das 7jährige Söhnchen'Karl des Landwirts Ritter in Grün berg einen Unterarmbruch zu. — Einen schweren Unfall erlitt in Treis a. d. Lda. der 1^/rjährige Horst H e ttche. Das Kind stürzte in einen Zuber kochenden Wallers und erlitt Verbrennungen ersten und zweiten Grades. Es liegt schwer darnieder. Die Verunglückten wurden in die Chirurgische Klinik in Gießen auf- genommen.
Verbotene Druckschriften im Bienenhaus.
LPD. Franksurt a. M., 2. Okt. Schon wieder- bolt verhandelte das Sondergericht gegen Einwohner von Fellingshausen im Kreise Wetzlar, die gegen die Anordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk unld Staat betreffend das Verbot der Internationalen Bibelforschervereinigung gehandelt hatten. Unter den Abgeurteilten befanden sich auch die Eltern zweier Vettern, die jetzt vor dem Sondergericht erscheinen mußten, da beide versucht hatten, den inneren Zusammenhang unter den ehemaligen Anhängern der verbotenen Vereinigung fortzusetzen. Sie waren mit verbotenen Druckschriften beliefert worden und hielten sie verborgen, der eine im Biennhaus, der andere in einer Geheimschublade unter dem Küchentisch. Der ältere der Angeklagten,
der am schwersten belastet war, wurde zu fünf Mo- naten Gefängnis verurteilt. Das Verfahren gegen den Mitbeschuldigten wurde auf Grund der Amnestie eingestellt.
Beim Heraussehen aus dem Auto getötet.
LPD. Limburg, 2. Okt. Im benachbarten E l z erignete sich ein eigenartiger Unfall. Ein 24jähriger Beifahrer sah aus dem Fahrerhaus, als der Wagen gerade bei einem Ausweichmanöver an den Straßenrand fahren mußte. Der Beifahrer bemerkte nicht, daß sich der Wagen einem Baurn näherte. Mit voller Wucht schlug sein Kops gegen den Baurn. Der Anprall war so heftig, daß der Tod aus der Stelle eintrat.
Tankstelleninhaber wegen verbotenen
Handels in Hast genommen.
LPD. Worms, 2. Okt. Wegen Verstoßes gegen die Kriegswirtschaftsverordnung wurden die beiden Inhaber einer Wormser Tankstelle und drei weitere Personen aus Worms von der Polizei vorläufig fe ft genommen. Die verhafteten Tankstellenbesitzer haben mit einer großen Menge Kraftfahrstoff ohne Begugschein gehandelt. Dor einigen Tagen wurde bereits ein weiterer Wormser Tankstellenbesitzer wegen der gleichen strafbaren Handlung vorläufig polizeilich festgenommen.
Landkreis Gießen.
<£ Leihgestern, 3. Okt. Ihren 81. G e - burtstag kann am morgigen Mittwoch, 4.Oktober, Frau Sophie Gibb, Witwe, geb. Textor, dahier, in guter Gesundheit begehen. Unfern herzlichen Glückwunsch.
§ Watzenborn-Steinberg, 2. Okt. Arn gestrigen Sonntagabend stürzte hier m der Straße der SA. eine Frau aus Hochelheim von ihrem Fahrrad und zog sich einen Beinbruch zu.
s. Lang-Gons, 2. Okt. Am heutigen Montag, 2. Oktober, konnte unser Mitbürger Johann Karl Rompf, Obergasse, bei verhältnismäßia guter Gesundheit und großer geistiger Frische sein 8 2. Lebensjahr vollenden. Dem alten Herrn unseren herzlichen Glückwunsch.
Gebührenfreie Beförderung von Buchlpenden für Soldaten.
Reichsleiter Alfred Rosenberg hat im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers und dem Oberkommando der Wehrmacht einen Aufruf zur Durchführung einer Buchspende für die deutsche Wehrmacht bekanntgegeben. Die Reichspost hat an- geordnet, daß die für diesen Zweck gespendeten Bücher gebührenfrei zu befördern und zuzustellen sind, 1. wenn sie an das Amt Schrifttumspflege gerichtet sind, 2. wenn auf den Sendungen der Vermerk „Buchspende für die deutsche Wehrmacht" angegeben wird.
Lebensmittelkarten auch für Mahl-
',eiten im Speisewagen.
M 2. Oktober können Mahlzeiten und Speisen auch in den Speisewagen nur noch gegen die betreffenden Abschnitte der für die Sichtestellung der Ernährung des deutschen Volkes verteilten Karten abgegeben werden. Die Reisenden müssen also ihre Brot-, Fleisch-, Fett- und Lebensmittelkarten bei sich führen. Sowohl die rote Reichsbrotkarte, als auch die hellblaue Reichsfleischkarte und die rosa Lebensmittelkarte enthalten genügend klein gestückelte Abschnitte, auf die ohne Schwierigkeit Speisen abgegeben werden können. Als besondere Bequemlichkeit sind noch kleiner gestückelte Reffebrot- karten und Reisekarten für Fleisch und Fett eingeführt worden, die bei den Kartenausgabestellen vor Antritt einer Reise gegen Abschnitte der Reichs- karten eingetauscht werden. Es ist zweckmäßig, sich vor jeder Reise insbesondere die Reifefettkarte zu sichern.
Abkürzung von Kristen
bei Betriebseinschränkungen.
Der Reichsarbeitsminister hat im Einvernehmen mit dem Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft eine Verordnung erlassen, nach der die Reichstreuhänder der Arbeit ermächtigt werden, bei Betrieben, die in Auswirkung des Kriegszustandes stillgelegt, eingeschränkt oder umgestellt werden, die bestehenden Kündigungsfristen und Ankündigungs- fristen für die Einführung der Kurzarbeit ab zukurzen. Die Abkürzung der betreffenden Fristen kann von der Erfüllung bestimmter Auflagen zu Gunsten der betroffenen GefolgschaftsTNitglieder abhängig gemacht werden.
Oie Verträge in der privaten Krankenversicherung bleiben in Kraff.
Die private Krankenversicherung, die diejenigen Dolkskreise umfaßt, die der Sozialversicherung (Allgemeine Ortskrankenkassen, Angestellten-Ersatzkassen und dgl.) nicht angehören, setzt im Kriegsfall ihre Leistungen fort, d. h. es bleiben alle mit ihr ab geschlossen en Versicherungsverträge grundsätzlich in Straft. Da diese Versicherungsverträge sich im allgemeinen auf der Stammversicherung des Familienvaters und der Familienversicherung der Angehörigen aufbauen, muß nur in den Fällen, wo der Versicherte 3um Heeresdienst eingezoaen ist, das Ruhen der Versicherung bei seiner Gesellschaft beantragt werden. In diesem besonderen Falle ruhen dann Rechte und Pflichten — die Beittagspflicht des Versicherten und die Leistungspflicht der Gesellschaft. Rach Beendigung des Wehrdienstes tteten diese auf Antrag des Versicherten wieder in Kraft. Für die Familienangehörigen hingegen bleibt, auch wenn der Stammversicherte sich im Wehrdienst befindet, gegen Zahlung des Familienbeittages die Versicherung in Kraft.
In Fällen, in denen durch Einberufung zum Wehrdienst aus wirtschaftlichen Gründen die Beittagszahlung für die Familienversicherung Schwierigkeiten macht, kann bei den für die Familien- Unterstützung zuständigen Stellen beantragt werden, daß aus den Mitteln oer gesetzlichen Familienunterstützung die Beitrüge für die Krankenversicherung der Familienangehörigen gewährt werden. Rach demEinsatz zum Wehrmachtsgebührnisgesetz vom 28.8.1939 und der Einsatz-Familienunterstützungs- verordnung vom 1.9.1939 werden zur Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen, die bis zum Geftel-
SlefMMöllDmöe
Roman dop. maiiljer ßlotpftr
eopglW bu Carl Dnntfcr Verlag > Berlin w 62
5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Wenn man bedenkt, daß die Frau bloß von der Milch gelebt hat — was anderes verträgt sie ja schon Nimmer — was soll ich denn jetzt machen? Es ist ein rechtes Kreuz und unser Herrgott meint es arg gut mit uns", jagt Höfling bitter. Es geht ihm durch den Kopf, wie sie die ganze Nacht beieinander gehockt finit) und beratschlagt haben, wer wohl das Geld für zwei neue Kühe hergibt. Und sie sind auf den Doktor verfallen, weil er ein guter Kerl ist und schon mehr Leuten geholfen hat.
„Wenn ich bitten dürst, daß Sie uns das Geld leihen. Im Herbst zahlen wir es zurück."
„Sie stellen sich das sehr einfach vor, lieber Hof- lrna. Sie meinen wühl, ich brauche bloß in die Tasche zu greifen, und schwups, ist die Angelegenheit in Ordnung. Das sind so die landläufigen Ansichten, ich weiß. Aber Sie sind auf dem Holzwege, mein Bester." Es ist zwar hart, nein sagen zu müssen, aber zum Donnerwetter, er muß sich doch wehren.
Der andere rutscht auf der Stuhlkante herum und ist um neue und bessere Gründe bemüht, aber leider fällt ihm nichts ein. „Im Herbst bestimmt, Sie können sich darauf verlassen, und Sie wissen doch, wie meine Frau in solchen Sachen ist. Lieber spart sich's die vom Mund weg, als daß sie unpünktlich ist. Ohne Kühe kann ich mich gleich auf- hängen. Also, wenn ich inständigst bitten dürft..."
„Warum lauft ihr denn immer zu mir? Alles kommt zu mirr
Höfling schweigt, und seine schwieligen Riesentatzen liegen hilflos auf den Knien wie schwere, fremde Gegenstände. Er duckt sich, und sein grauer Kopf sinkt nach vorne. Gerade diese Hände, diese Arbeitswerkzeuge sind es, die in Dr. Severin den Umschwung einleiten, die ihn wilde stimmen, die ihn umwerfen. /
„Was ist denn mit der Städtischen Sparkasse?"
„Die wollen Sicherheiten. Wo soll ich Sicherheiten hernehmen?"
„Der Hvnold hat zwei übrige Kühe stehen, vierhundertvierzig Mart will er dafür. Vielleicht kann
ich einen Zehner abhandeln", stottert Höfling. Er schwitzt und hat wieder Hoffnung.
Dr. Severin greift in das Zigarrenkistchen mit den spanischen Wohllauten auf dem Deckel und sagt: „Da sind vierhundert Mark, das aobere kriegen Sie Silber. Im Herbst affo. Längstens. Sie unterzeichnen einen Schuldschein. Hier." Ein Waschlappen bin ich, denkt er mißgelaunt, als Höfling das Zimmer verlassen hat. Jetzt ist das Geld weg, mein einziges Geld, und weiß der Kuckuck, wann ich neues bekomme für Friedrich. Mit lumpigen sechzig Mark mache ich mich nicht lächerlich. Ich muß der Ferber beibringen, daß sie mehr spart. Aber wo, bitte? Kann wir das jemand verraten? Wir treiben doch keinen Aufwand, wir verpulvern doch nichts! Ich gehe fast nicht aus, rauche Zehnpfennigzigarren und laufe in alten Kleidern herum, jede Mark wird dreimal herumgedreht. Er überlegt, wo man Abstriche machen könnte. . Plötzlich fällt ihm etwas ein. Ich werde mal mit der Gemeinde reden, ja, so muß es gehen!
Er klappt seine Bücher zu, setzt den Hut auf und macht sich auf den Weg. Bürgermeister Heller, im Zivllberuf Gastwirt, ist zufällig in der Kanzlei. Er sitzt mit dem Stadtfekretär über dem letzten Gesetz, und Verordnungsblatt und ersucht Severin, Platz zu nehmen.
„Blüht das Geschäft, Herr Doktor?"
„Leider nicht."
„Dann geht es Ihnen wie uns. Bei uns rennen die Mäuse auch mit verweinten Augen in der Kanzlei herum. Diese Unterstützungen fressen uns noch auf. Womit kann ich dien-enc
Ein tröstlicher Anfang, denkt Severin. Er räuspert sich. Es ist nicht angenehm, vor diesen Leuten seine mißlichen Verhältnisse auszupacken. Aber er kann sich übertriebenes Zartgefühl nicht leisten und muß diesen Brüdern einmal reinen Wein ein schenken.
„Ich mochte wegen des Krankenhauses mit Ihnen sprechen, meine Herren. Es rentiert sich nicht mehr, ich zahle drauf. Wir haben zu wenig Patienten; die Spesen sind dieselben wie früher. Das liegt an den Zeitverhältnissen. Jeder spart und nicht jeder zahlt. Ich habe bisher von meinen anderen Einnahmen zugeschustert, aber jetzt ist auch das nicht mehr möglich. Heute bin ich so weit, daß ich Eisenlohr seine Zinsen schuldig bleiben muß. Sie werden mir einräumen, daß unter solchen Umständen der Kran- kenhausbettieb eigentlich nur im Interesse der Gemeinde aufrechterhalten wird. Und deshalb mochte ich bitten, daß mir die Stadt wenigstens die Hypothekenzinsen bis auf weiteres abnimmt"
Bürgermeister Heller hat als höflicher Mann den Doktor ausreden lassen. Er erwidert: „Lieber Herr Doktor, das würden wir gern machen, aber es geht nicht. Sie wissen wahrscheinlich nicht, wie tief wir in Schulden stecken. Dem Namen nach sind mir eine Stadt, und in Wirklichkeit ein Bauernkaff. Es tut mir leib, aber an uns dürfen Sie sich nicht wenden."
Bürgermeister Heller ist kein unebener Mann. Er ist klug, tatkräftig und vernünftig. Aber was nicht zu machen ist, ist nicht zu machen. Auch Dr. Severin ist ein Mensch, den man so lassen kann, und verlangt nichts Unbilliges. Nur können sie eben in dem bewußten Punkt nicht zusammenkommen. Es dreht sich um Geld, und Geld hat die Leute von jeher auseinandergebracht.
Dr. Severin denkt: da hat man denen ein Spital hingestellt, hat sich in Schulden gestürzt, muß sich abradern und absorgen, und dann lassen sie einen im Stick! Wenn ich bei Höfling vorhin auch so gehandelt hätte. Er kaut auf feiner .Unterlippe, sucht nach neuen Argumenten und findet, daß alles schon gesagt ist.
„Aber das Krankenhaus, ich bitte Sie, ist doch ein Bedürfnis für die Gemeinde. Eine Kulturfrage sozusagen. Denken Sie nicht mehr an die Zeit, wo man jeden Blinddarm, jeden eingeklemmten Bruch kilometerweit nach Arnsfeld hat transportieren müssen? Ist das keine Wohltat?"
„Selbstverständlich. Das bezweifelt ja niemand. Nur haben wir eben fein Geld."
„Was in guten Jahren verdient wurde, habe ich wieder hineingefteckt. In den Operationssaal, in den Röntgenapparat. Das kann ich Ihnen schwarz auf weiß zeigen. Nicht soviel habe ich für mich selbst verwendet. Und jetzt, wo es flau ist, wo man nur mehr Notfälle zu sehen bekommt — lassen Sie mich hängen? Das ist bequem, meine Herren."
„Und wenn Sie noch tausend Gründe anführen, wächst uns davon kein Geld! Wir geben ja alles zu, wir sind ganz Ihrer Meinung, wir leben doch auch nicht hinter dem Mond, aber wir haben keine Mittel. Begreifen Sie doch!"
Dr. Severin verabschiedet sich rasch und eisig. Er geht heim. Gründlich haben die mir den Tag versalzen, denkt er wütend. Unfair nenne ich das, undankbar! So eine Gemeinde hat doch andere Möglichkeiten, sich Geld zu verschaffen, als ich. Hat Grundstücke, schlagbares Holz, Kredite. Gut, ich werde mir das merken. Ich werde nie mehr so töricht sein und die Hälfte der Gemeindekranken umsonst behandeln. Da sitzt man in so einem Nest, hat nichts vom Leben, wird alt, ist immer nur für die anderen
Wirtschaft.
Eintragungen in das Handelsregister.
In das Handelsregister A beim Amtsgericht j Gießen wurden folgende Veränderungen ein^eteü. gen: Bei der Firma Hermann Gebauer, Gießen, ist der Kaufmann Heinrich Gebauer als persönlich haftender Gesellschafter ein getreten. — Bei bet Firma Harder, Meifer & Co. in Gießen haben di« Kommanditisten ihre Kommanditeinlagen erhöht. - Bei der Firma Edgar Borrmann, Kommanditgesell« schäft, Gießen, wurde dem Kaufmann Heinrich Weimar in Niederscheld (Dillkreis) und Fräulein Erika Weimar in Lollar Prokura erteilt. — Die Firma Schaumberger & Sohn, Gießen, wurde von Amts wegen gelöscht. — Die Firma Hahn & Roe« rich, Gießen, ist erloschen. — In das Handelsregister B wurde verzeichnet, daß die Firma Hausvenvol. tungsgesellschaft Gießen (Horst-Wessel-Wall 39) auf. gelost wurde und in Liquidation getteten ist.
Berkaus von Pferden und Gangochsen meldepstichtia.
FWD. Nach einer Anordnung des Reichskomwis- fars für >die Preisbildung im Reichsanzeiger Nr. 224 sind alle Verkäufe von Pferden und Gangochsen zu melden. Der Verkäufer hat den Vertragsab. fchluß unter Angabe insbesondere des Preises feiner zuständigen Preisbehörde (Landrat oder Oberbürgermeister) schriftlich anzuzeigen. Ausgenommen von dieser Meldepflicht sind die Ankäufe der Wehrmacht. Meldepflichtig sind alle seit dem 20. August 1939 getätigten Verkäufe. Bisher abgeschlossene Verträge sind bis zum 10. Oktober 1939 zu melden. (Die ursprünglich auf 1. Oktober festgesetzte Fttsi ist verlängert worden.) Zukünftige Verkäufe finM binnen drei Tagen nach Vertragsabschluß anzu> - zeigen. Die Meldung ist vom Verkäufer und Kami fer zu unterzeichnen.
Rhein-Mainische Börse.
Aktien knapp behauptet.
Frankfurt a. M., 2. Okt. Zum Wochen- und Mw natsbeginn lagen an den Aktienmärkten tun wenig Aufträge vor, wobei kleine Abgaben überwogen. Im Hinblick auf die bevorstehende Reichs- tagsfitzung bestand keine Unternehmungslust, do man die weitere Entwicklung abwartet. Es fam dccher nur zu kleinen Umsätzen bei leicht nachgebew' den Kursen. Die führenden Werte konnten sich tret- hältOismäßig behaupten. IG.-Farben 156,13 (156,50), Verein. Stahl 93,40 (93,50), Mannesmann uno. 99,75, AEG. 114 (115), Rheinstahl jedoch mehr ermäßigt auf 121,65 (123). Im übrigen eröffneten zunächst Gesfürel Mit 133,25 (134), Lahmeyer mit 107,75 (108), Deutsche Erdöl mit 130 (130,75), Hohmann mit 143 (144) und Heidelberger Zement mit 136 (137,50).
Am Rentenmarkt blieb der Zinstermin tat weiterer Nachfrage wirksam, insbesondere bei Gold. Pfandbriefen. Don Auslosung sanleihen Reichsaltbe« sitz 132,75 (132,50) und Dekosama I 136,25 (136,13). Reichsbahn-VA. gewannen 0,25 v. H. auf 122,25. Li quid ationspf andb ri efe ruhiger, aber gut behauptet, Meininger noch 0,25 v. H. hoher mit 101,25. Industrie-Obligationen bröckelten vorwiegend 0,23 bis 0,50 v H. ab, fest aber 4,50 v. H. Main-Kraft; Mit 94 (93).. Stadtanleihen still und meist gehalten,. 4,50 v. H. Darmstadt v. 26 nach längerer Pause 9! (96). Freiverkehrsrenten ohne Bewegung.
Der Freiverkehr lag ruhig, Katz & Kttnnpp 91 Geld. Dagesgeld wieder leicht mit 2,25 (2,50) v.H.
Schweinemarkt in Alsfeld.
* Alsfeld, 2. Oktober. Auf dem beutigeit Schweine markt waren 148 Ferkel aufg& trieben. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Tiers 14 bis 18 RM. Der Handel war schleppend. Cs verblieb erheblicher Ueberstand.
granffurter Schiachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 3. Oft (Vorbericht) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 41» Kälber, 40 Schafe und Hümmel, 1000 Schweine. Cs kosteten: Kälber 30 bis 65 RM., Hümmel 35 bis 50, Schafe 25 bis 42, Schweine 52 bis 61 RM. — Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Schaft und Hümmel flott.
da — und dann machen sie einem Schwierigkeiten. Bande.
Nikotine platzt ahnungslos in diese Gewitterstiin« mung hinein. Sie trägt ihr kurzgeschürztes, ge* blümtes Waschkleid, hat rote Backen vor Eifer uith kommt aus dem Garten, wo sie Beete umgestochen hat. „Ich hätte gern das Geld für die Sämereien. Ich glaube nicht, daß noch kalte Nächte kommen."
„Wievie( soll es denn sein?"
„Zehn Mark werden reichen. Ich stecke Bohnen Rüben, Salat Außerdem müssen die Kinder Spinat haben. Für ein paar Beete möchte ich Blumen." Sie ist voll zuversichtlicher Fröhlichkeit
„Blumen? Muß das sein?" Hier ist gleich eine Gelegenheit, mit dem Einsparen zu beginnen. —
„Blumen müssen natürlich nicht sein", erwidert sie mchtverstehend und gedehnt Sie entdeckt jetzt auch die zwei kleinen Buckel über Severins Nasen« wurzel.
„xiür wollen es zunächst mal mit fünf Mark ver« suchen", sagt er und zieht seine Börse.
Sie nimmt zögernd das Geld, schluckt etwas hin« unter und verläßt das Zimmer. Mag er Blumen, nicht? Warum keine Blumen, denkt sie verstört, um) der ganze Garten macht ihr plötzlich keine Freuds i prehr.
*
Als Leinfelder zurückkam, hatte die Fabri getofdt j „Ihr laßt einen allein, ihr kümmert euch um nichts, • du und Lankes. Sterben kann man wegen euch, und auf eine wildfremde Frau ist man angewiesen! | Dann war sie still geworden, und jetzt liegt sie mit unnatürlich großen Augen da, redet nichts, beutel' nichts und jagt ihrer Umgebung heillose Angst ein- Die Wirtsfrau wispert etwas von Retterspritzwasser« ; Wickeln, aber die Fabri hält den Kopf zur Warn) | gedreht und ist keiner Belehrung zugänglich. S°r hat zwei Kissen auf den Boden gefeuert und bieft Wärmflasche, die nicht zu ertragen ist Leinfelden j bestürzt und kopflos und wenig gewandt in Krank« > heitsfrügen, murmelt:
„Das halte ich nicht mehr aus, ich werde einen Arzt rufen."
„Nein, keinen Arzt", stoßt die Fabri drohend ty1* vor. Sie läuft eben wieder Spießruten durch einet Wald voll Schmerzen. Arzt ist ihr etwas Schre«' ljches, Arzt ist das Letzte. Ein Arzt schneidet gleiÄ und macht noch mehr Schmerzen. Sie war nie ernstlich krank.
(Fortsetzung folgt.)


