Ausgabe 
3.8.1939
 
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Gruppe 3 Hamburg) 1608,5 P.; 6. Bräutigam (NSFK.-Gruppe 7 Elbe-Saale) 1539 P.

Klass e B (Doppelsitzer): 1. Kühnold-Schröder (NSFK.-Gruppe 7 Elbe-Saale) 697,5 P.; 2. Bud- zinski-Leuber (NSFK.-Gruppe 8 Eschwege) 587 P.; 3. Romeis-Prestele (NSFK.-Gruppe 14 München) 564 P.

Klasse C (Nachwuchs-Segelflieger): 1. Hanno- schöck (NSFK.-Gruppe 3 Hamburg) 520 P.; 2. Pesold (NSFK.-Gruppe 13 Nürnberg) 413 P.; 3. Esau (NSFK.-Gruppe 8 Eschwege) 300 P.

Jugoslawiens Tennlsverband ohne Geld?

Aus Jugoslawien kommt eine sensationelle Nach­richt: die Reise der jugoslawischen Davispokalspieler zum Jnterzonenfinale in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist gefährdet, weil sowohl der Tennisverband als auch das zuständige Ministerium für körperliche Ertüchtigung nicht in der Lage sind, die Expeditionskosten ganz oder teilweise zu über­nehmen. In der Not trat man inzwischen an den jugoslawischen Ministerpräsidenten Z w e t k o w i t sch heran. Man glaubt, daß doch noch ein Weg zur Be­reitstellung von Geldmitteln gefunden werden kann. Jedenfalls ist allenthalben im Lande die Freude über den großen Sieg gegen Deutschland durch eine so betrübliche Tatsache erheblich gedämpft worden.

Eine wichtige Neuerung im Fußball.

Torunterfchied entscheidet bei Punktgleichheit!

Im deutschen Fußballsport spielte in den letzten Jahren dasTorverhältnis" eine große Rolle, denn es mußte bei Punktgleichheit zweier oder mehrerer Mannschaften bestimmungsgemäß zur Ermittlung der Meister oder der absteigenden Mannschaften in den Punktespielen herangezogen werden. Diese oft anqefeindete Bestimmung ist nun gefallen und durch eine neue ersetzt worden, die sich allerdings erst am Ende der neuen Spielzeit auswirken kann. Bei Punktgleichheit wird in Zukunft die Frage nach der besser stehenden Mannschaft nicht mehr nach dem Torverhältnis, sondern nach de m Torunterschied beantwortet. Stehen also zwei Mannschaften am Schluß der Meisterschaftsspiele punktegleich, dann ist jener "Mannschaft der höhere Rang 'zuzuerkennen, die die größere Anzahl von Plustoren aufweist. Ein Beispiel: Mannschaft A hat 36:12 Tore, Mannschaft B 48:20 Tore. Nach der alten Bestimmung war Mannschaft A mit einem Torquotient von '3,0 besser als Mannschaft B mit 2,4. Beim Torunterschied ist der Stand aber für A 24 und für B 28 Tore, so daß nach der neuen Be­stimmung B die bessere Mannschaft ist. Das ist ein großer Unterschied und mithin eine sehr beachtliche Neuerung.

Bor dem 3. Weidig-Vergsest.

Kreisführer SA.-Skurmhauptführer O tte r b ein (Friedberg), der Leiter des Arbeitsausschusses für das Weidig-Bergfest, hielt Montagabend in Butz­bach eine letzte Besprechung vor dem 3. Weidig- Bergfest ab, das am nächsten Sonntag auf dem Schrenzer zur Durchführung kommt. Der Kreis­führer begrüßte insbesondere Ortsgruppenleiter Bürgermeister Dr. Mörschel und dankte ihm für die tatkräftige Unterstützung, die die Stadt Butzbach dem Bergfeste angedeihen lasse.

Dann wurde die Festfolge eingehend besprochen. Für Samstag ist ein Kameradschaftsabend imHes­sischen Hof" in Butzbach vorgesehen, bei dem die Kreisriege mitwirken wird. Am Sonntag geht eine Morgenfeier den Wettkämpfen voraus. Zu

letzterem liegen bereits 750 Meldungen vor. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahre eine weitere Steigerung der Teilnehmerzahl. Auch das Melde­ergebnis für die Staffeln ist ausgezeichnet. Der Nachmittag des Sonntags bringt die Entscheidung in den Staffelläufen und die Siegerehrung durch den Kreisführer.

Kreisführer Otterbein schloß die Sitzung mit der Bitte an die Stadt Butzbach und ihre Bevölkerung, die Veranstaltungen des diesjährigen Weidig-Berg- feftes durch regen Besuch zu unterstützen. Das Be­streben des NSRL.-Kreises Friedberg sei es, ge­meinsam mit der Stadt Butzbach das Weidig-Berg­fest immer weiter auszubauen zu einem großen oberhessischen Volks- und Heimatfest.

Zum 7. Male Soherodskops-Bergseü.

Das im Jahre 1907 vom alten Hessengau der DT. ins Leben gerufene Hoherodskopf-Bergf.est, das nach seiner Wiederaufnahme im Jahre 1935 von Jahr zu Jahr stärkere Beteiligung aufweisen konnte und heute bereits in der Spitzengruppe der grö­ßeren deutschen Bergfeste steht, wird am 27. August dieses Jahres zum 7. Male durchgeführt, wie mir schon wiederholt berichtet haben.

In diesen Tagen trat der Arbeitsausschuß für das beliebte oberhessische Bergfest in Friedberg zu einer vorbereitenden Tagung zusammen, bei der NSRL.-Kreisführer SA.^Sturmhauptführer Otter­bein (Friedberg), der für die Ausrichtung und Durchführung des Bergfestes verantwortlich zeich­net, auch SA.-Brigadeführer Schwarz (Gießen) und die Standarten 145 und 254, sowie Bann­führer Volp (Büdingen) und den Referenten für Leistungssport beim Gebiet Hessen-Nassau der HI., Gefolgschaftsführer Gehrke, begrüßen konnte. Die Gäste beteiligten sich rege und mit wertvollen Vor­schlägen an der Besprechung der den Auiöau und die Gestaltung des 7. Hoherodskopf-Bergfesles be­treffenden Fragen.

Die Festgestaltung hielt sich im wesentlichen on die in den Vorjahren erprobten Formen. Wenn es sich ermöglichen läßt, daß die HI. in Vervindung mit dem Feste ein Zeltlager durchführen kann, wird sie am Samstag eine Bergfeier veranstalten. Der Sonntag beginnt mit der Morgenfeier am Adolf-Hitler-Stein. Dann ist der Tag auf Kampf abgestellt. Zu den volkstümlichen Mehrkämpfen des NSRL. kommen wieder die Wehrmannschaitskämpfe der SA.-Brigade 147 und unserer Reiterstandarten. Die Staffeln und Vorführungen der Wanderoer- eine des VHC. leiten am Nachmittag über zur feierlichen Siegerehrung, in deren Dienst sich auch ein Fanfarenzug der HI. stellen wird.

Eingehend besprochen und endgültig feftgelegt wurde die Ausschreibung für die volkstüm­lichen Dreikämpfe des NSRL., die offen sind für alle NSRL.-Vereine der Gaue XII (Hessen) und XIII (Südwest), sowie für die dem NSRL. ange­schlossenen Kampfspielgemeinschaften der SA., fer­ner für die dem NSRL. angehörenden Betriees- sportgemeinschaften und Militärsportvereine. Wie wir kürzlich schon mitteitten, sind die Jugendwett- kämpse für HI. und BDM. gebiets- und gauoffen.

Meldeschluß ist am 22. August. Es sind in folgenden Klassen Dreikämpfe ausgeschrieben:

Männer-Oberstufe: 100-Meter-Lauf, 12 bis 16 Sek.; Weitsprung, 4,40 bis 6,40 Meter; Kugelstoßen (7,25 Kilogramm), 7,50 bis 11,50 Meter.

Männer-Unter st ufe : 100-Meter-Lauf, 13 bis 17 Sek.; Weitsprung, 3,80 bis 5,80 Meter; Kugelstoßen (7,25 Kilogramm), 6,50 bis 10,50 Meter.

HI. - Klasse A (nach dem' 1. Sept. 1920 Ge­borene und Jahrgang 1921/22): 100-Meter-Lauf, 12,4 bis 16,4 Sek.; Weitsprung 4 bis 6 Meter; Kugelstoßen (6,25 Kilogramm), 7 bis 11 Meter.

HI. - Klasse B (Jahrgang 1923 und jünger): 100-Meter-Lauf, 13 bis 17 Sek.; Weitsprung, 3,60 bis 5,60 Meter; Kugelstoßen (5 Kilogramm), 7 bis 11 Meter.

Altersklasse 1 (32 bis 40 Jahre): 75-Meter- Lauf (10,4 bis 14,4 Sek.; Weitsprung, 3,50 bis 5,50 Meter; Kugelstoßen (7,25 Kilogramm), 6 bis 10 Meter.

Altersklasse 2 (40 bis 50 Jahre): 75-Meter- Lauf, 1115 Sek.; Weitsprung a. d. Stand, 1,30 bis 2,30 Meter; Steinstoßen (Naturstein) mit Anlauf, 48 Meter.

Altersklasse 3 (über 50 Jahre): 75-Meter- Lauf, 12 bis 16 Sek.; Weitsprung a. d. Stand, 12 Meter; Steinstoßen (Naturstein) a. d. Stand, 37 Meter.

Frauen (alle vor dem 1. September 1920 Ge­borenen): 100-Meter-Lauf, 14 bis 18 Sek.; Weit­sprung, 35 Meter; Kugelstoßen (4 kg), 59 Meter.

BDM.-Klasse A (Jahrgang 1921 und 1922 und vor dem 1.9.1920 geb.): 100-Meter-Lauf, 13,8 bis 17,8- Sek.; Hochsprung, 0,801,30 Meter; Ku­gelstoßen (4 kg), 59 Meter.

BDM. -KlasseB (Jahrgang 1923 und jünger): 75-Meter-Lauf, 11,415,4 Sek.; Hochsprung, 0,70 bis 1,20 Meter; Vollballweitwurf, 1020 Meter.

Mannschaftskämpfe: 4X100-Meter-Pen- del-Staffel für Männer, Frauen, männliche Jugend (HI.), weibliche Jugend (BDM.). Die 10X100-Me- ter - W i l he l m - W i l l -S ta f f e l ist offen für die Kreise 8 (Gießen), 11 (Friedberg) und 4 (Rhön).

Außerdem findet für die Altersklassen ein Mann- schaftssteinstoßen (4 Mann) statt, ferner ein Mann­schaftstauziehen (5 Mann).

Freundschasts-Radsernsahrt von400Merjungen u. Mgsaschislen.

s 188?.

Ön Innsbruck nahm eine große Freundschafts-Radfernfahrt RomBerlinRom ihren Anfana an der 200 Jungfaschisten und 200 Hitlerjungen teilnehmen. Der Reichtzjugendführer gab beim Eintreffen der jungen Italiener das Startzeichen zur gemeinsamen Weiterfahrt von Innsbruck, wo die Hitlerjunqen sich in einem Ausleselager versammelt hatten, nach Garmisch. Davon berichtet unser Bild (Scherl-M)

Schongau (Oberbayern), 3. August (DNB ) Nachdem am Mittwochvormittag die Jungfaschisten und die HJ.-Führer aus dem Reich Gelegenheit hatten, die Olympia-Kampfstätten zu besichtigen, traten sie nach einem gemeinsamen Mittagessen zur zweiten Etappe an, die in Schongau ihren Abschluß fand.

Bei trockenem, nicht zu heißem Wetter gestaltete sich die Fahrt auf der ganzen Strecke zu einer

eindrucksvollen Demonstration der deutsch-italienl- schen Freundschaft, die heute bereits in der Jugend verwurzelt ist. Ueberall in den Dörfern und Städten umsäumten in dichten Scharen zahllose Menschen die Straßen.

In Schongau wehten von allen Häusern die Fah­nen. Kreisleiter Sponsel mit seinem Stab veqrüßle die Gäste. Am Abend fand auf dem AdoU-H-tter- Platz eine Kundgebung statt.

Hier irrt der Dichter...

Don Dr. Georg Meyer.

Der berühmte Freiburger Psychiater Pro­fessor Alfred Hoche hat kürzlich das Er­gebnis aufschlußreicher Untersuchungen ver­öffentlicht über die Frage der Entstehung von Geisteskrankheiten durch seelische Vorgänge. Er hat sich auch mit einigen Irrtümern berühm­ter Dichter, in deren Stücken die Entstehung von Geisteskrankheiten in durchaus irriger Weife dargestellt wird, beschäftigt und Fest­stellungen gemacht, die fast jedem Theater­besucher neu sein dürften.

Ein Bühnenstück wie IbsensGespenster" hat einstmals die Gemüter aufs heftigste erregt und vermag auch heute noch tief zu erschüttern. Aber nur sehr wenige Freunde Ibsens sind sich darüber im klaren, daß die ganze Geschichte mit dem kran­ken Oswald nicht nur höchst anfechtbar, sondern medizinisch geradezu unmöglich ist! Die vor den Augen des Zuschauers ausbrechende Geistesstörung kann nach allem, was man in dem Stück erfährt, nur als progressive Paralyse aufgefaßt werden, als Hirnerweichung, wie man wohl sagt. Schon das Tempo der Entwicklung der Krankheit ist unwahrscheinlich. Damit nicht genug: das eigentlich Entscheidende selbst ist falsch. Der etwa dreißig­jährige Oswald wird infolge der Syphilis seines Vaters hirnkrank. So etwas gibt es nicht: nur durch eigene Infektion erwirbt sich ein Erwachsener die Anwartschaft auf die progressive Paralyse. Es besteht kein Zweifel, daß sich eine solche Krankheit des Vaters bei den Nachkommen höchst verhängnisvoll auswirkt aber niemals in der von Ibsen geschilderten Weise. Mit alledem ist freilich, wie ausdrücklich betont sei, nicht das ge­ringste über die künstlerische Substanz oder über den dramaturgischen Wert des Bühnenstückes gesagt.

Falsche Poesie des Nervenfiebers.

Ein sehr beliebtes Romanmotiv ist ferner das sog.N e r v e n f i e b e r", eine Krankheit, die den Aerzten weit und breit völlig unbekannt ist. Der Held wird durch alle möglichen Konflikte seelisch aufs schwerste getroffen und verletzt, bis er plötzlich infolge heftigster Gemütserschütterung Fieber be­kommt und sein Bewußtsein sich verhängnisvoll trübt. Wochenlang liegt er krank im Bett, über dem das Schwert des Damokles schwebt, das in diesem Fall Geistesstörung und Irrsinn heißt. Plötzlich lich­ten sich die Wol-en, und langsam vollzieht sich die Genesung.

Zweifellos ein dankbarer Stoff, der die Mög­lichkeit bietet, kräftige Effekte anzubringen. Aber der Fachmann, der Psychiater, fragt nicht zu Un­recht: Hat der Arzt jemals ein solches Krankheits­bild zu sehen bekommen? Und er erklärt: Als ur­sprünglicher Kern dieser falschen Bilder haben schwere Typhusfälle zu gelten, die heute freilich kaum mehr in dieser Form zu beobachten sind, bei denen es zu hohem Fieber und Delirien kommt. Der Typhus ist jedoch eine Infektions­krankheit,die nie aus seelischen Grün­den entsteht. Gewisse hysterische Erregungszustände, die durch heftige Gemütsbewegungen ausgelöst wer­den, mögen vielleicht einmal so aussehen wie das PhantasieproduktNervenfieber", aber sie sind weder von Fieber begleitet, noch von wochenlanger Dauer.

Wie entstehen Geisteskrankheiten?

Daß Geisteskrankheiten sich auf feelischem Wege entwickeln, ist offenbar eine unausrottbare Vorstel- stellung, die der dichterischen Phantasie reiche Nah­rung gibt, weil sich auf diese Weise die Veränderun­gen des dargestellten Charakters psychologisch moti­vieren lassen. Der Facharzt jedoch erklärt demgegen­über klipp und klar: Geisteskrankheiten entstehen schicksalsmäßig aus der mitgebrachten Erbanlage des Menschen, auf Grund organischer Krank­

heit oder durch mechanische Einwirkun« gen auf das Hirn aber niemals durch Erfchut» terungen des Seelenlebens.

Bei dieser Gelegenheit bemerkt Geheimrat Al» fred Hoche, dem wir wichtige neue Aufschlüsse zu diesem Thema verdanken, daß im Kriege keine größere Zahl von Menschen seelisch entgleist ist, als nach der Stattstik auch bei friedlichem Ver­laufe dieser Jahre fällig gewesen wäre. Das ist eine Feststellung, die zunächst überrascht. Aber der be­rühmte Freiburger Arzt darf als Autorität gelten: Die zahlreichen Fliegerangriffe, denen Freiburg ausgesetzt war, mit ihren Opfern an Tod und Zer­störung, haben der mir damals unterstellten psychia­trischen Klinik keinen einzigen dadurch entstandenen Krankheitsfall zugeführt ..." Und er argumentiert, indem er auf das grausame Experiment des Krieges zu sprechen kommt, das die Frage nach der Ent­stehung von Geisteskrankheiten im heroischen Maß­stabe entschieden habe, in folgender Weise:Wer wäre aus dem Grauen der Schützengraben, auf denen in der Sommeschlacht wochenlang das Trom­melfeuer lag, in geistiger Gesundheit herausge­kommen, wenn man durch heftigste Gernütsbe- wegungen geisteskrank werden könnte?" Unsere Väter und Brüder, die damals dabei gewesen sind, werden manches zur Ergänzung dieses Urteils zu sagen haben, aber der Kern der Feststellung Hoches wird davon nicht berührt werden.

Geisteskrank aus Liebe?

Der Irrenarzt macht immer wieder die Erfah­rung, daß die Angehörigen von Geisteskranken eine psychologische Erklärung des betreffenden Falles bei der Hand haben. An der Spitze steht wohl die un­glückliche Liebe, die ja auch fälschlicherweise immer wieder als Entstehungsursache der Umnachtung des großen Dichters Hölderlin angeführt wird. Gei­stige Ueberanstrengung wiederum soll die Wurzel des Uebels bei Nietzsche gewesen fein. Enttäu­schungen im Beruf, Sorgen um kranke Angehörige. Schwierigkeiten mit unangenehmen Vorgesetzten, unglückliche Liebe das sind ganz gewiß Dinge, die den sensiblen Menschen unter Umständen zur Verzweiflung bringen, die ihm auf die Nerven gehen und vielleicht seine innere Harmonie, die Aus­geglichenheit seines Wesens zerstören. Aber so belehrt uns die Wissenschaft das alles hat m i t Geisteskrankheit nichts zu tun, niemals kann ein derartiges Leiden durch solche Ursachen hervorgerufen werden.

In der erwähnten Untersuchung setzt sich Geheim­rat Hoche mit vielen Dichtern auseinander: etwa mit Shakespeare, dessen Hamlet bekannt­lich eine geistige Erkrankung sehr geschickt vor­täuscht, wie das auch der Edgar imKönig Lear" tut, oder mit Goethe, dessenTass o mancherlei interessante Aufschlüsse enthält und des­sen Harfner inW i l h e l m Meister" aus­gezeichnet dem falschen Bilde entspricht, das der Laie an Geisteskranken zu sehen gewohnt ist. Auch Orest (inIphigeni e") und Gretchen (Kerker­szene imF a u st") kommen hier in Frage.

Wenn wir den Fachmann, den Psychiater, hören, vernehmen wir manche Kritik: mit demMißbe­hagen des Sachverständigen" sieht der Arzt die na­turgemäß dilettantischen Bemühungen der Roman­schriftsteller und Dramatiker auf psychiatrischem Ge­biet. Aber der Arzt ist weit davon entfernt, nun etwa Kunstrichter sein zu wollen.Das, was wir an Dichtwerken lieben, das, was uns aus dem All­tag in die lichte Welt des Geistes erhebt, hängt nicht davon ab, ob die Gebilde der dichterischen Phantasie vor dem wägenden Blicke des Fachmanns durchweg standhalten." Womit das Notwendige ge­sagt ist: der Dichter hat eben andere Aufgaben als der Arzt.

Neues für den Büchertisch.

Friedrich Griese: Die Flucht. Er­zählung. (Die kleine Bücherei Nr. 103). Preis 80 Rpf. Albert Langen/Georg Müller, München 1939. (169 c) Es spricht für die erzählerische Kunst Friedrich Grieses, daß er in dieser knappen Geschichte auf kleinstem Raume ein Stück Welt sicht­bar werden läßt, in der die Schicksale einer Reihe von Menschen mit unheimlicher Folgerichtigkeit sich vollziehen. Wie ein Bauer das Vorrecht des Hof­erben zu verscherzen droht und mit seiner, aller Schuld eine Ende machender Flucht dies Vergehen sühnt, führt uns das Grundgesetz aller bäuerlichen Ordnung vor Augen: die Reinerhaltung der Art beruht auf der Verantwortung vor dem eigenen Geschlecht.

Hans Grimm: Die drei lachenden Geschichten. (Die kleine Bücherei Nr. 101). Preis 80 Rpf. Albert Langen/Georg Müller, München, 1939. (169 a) Es ist eine kaum bekannte Tat­sache, daß Hans Grimm auch drei überaus lustige Geschichten geschrieben hat, die in diesem Bändchen zum erstenmal vereinigt worden sind. Sie sind keineswegs nur unterhaltsame Spielereien am Rande seiner von männlichem Ernst zeugenden dichterischen Welt. Denn das Lachen über Triumph und Schande des Kamelhengstes, der schmunzelnde Witz des komisch ausgehenden Krähenfangs und der Spott über die von den Klängen des Deutsch­landliedes geweckte südafrikanischeEroberungs­truppe" kommen in diesen herzhaft erzählten Ge­schichten so treffend zum Ausdruck, daß jeder seine Freude daran haben muß.

Welche Heilpflanze i st das? Deut­sche Heil- und Giftpflanzen, ihr Aussehen und Wir­ken. Von Bruno Schönfelder. 134 Seiten mit 40 bunten Tafelbildern und 200 Tertabbildungt7n. Kart. 2,50 RM., Leinen 3,20 RM. Kosmos-Natur- führer der Franckh'fchen Verlagshandlung, Stutt­gart. (155) Mit diesem Taschenbuch ist es leicht, alle wertvollen Heilpflanzen unserer Heimat aufzufinden, rasch und sicher zu bestimmen, zu sam­meln und richtig zu verwerten. 40 Farbbilder und 200 Zeichnungen, die alle genannten Heil- oder Giftpflanzen deutlich wiedergeben, ergänzen das praktische Buch, das auch Anfängern im Pflanzen­sammeln und allen Naturfreunden ein zuverlässiger Berater sein wird.

Schwarze Menschen weiße Berge. Bericht der deutschen Ruwenzori-Expedition. Von Eugen E i s e n m a n n. 92 Seiten und 52 Tafel­bilder. Leinen 4,80 RM. Franckh'sche Verlagshand- lung, Stuttgart. (156) Fünf deutsche Bergstei­ger haben die alpine Erschließungsgeschichte des Kili­mandscharo, des Mawenzi und des Ruwenzori zu einem gewissen Abschluß gebracht. Eindrucksvoll in Wort und Bild schildert der vorliegende Bericht ihre

Leistung. Eisenmann führte die Expedition, die aus Schwaben aufbrach, um im Herzen Afrikas deutsche Kameradschaft und bergsteiberisches Können zu be­währen. Trotz verhältnismäßig bescheidener Mittel, trotz mancher widrigen Umstände wurde das Ziel in vollem Umfang erreicht. Selbstvertrauen, Un­erschrockenheit und nie versagender Humor waren die treuen Begleiter der fünf Bergsteigerkameraden, von deren Erlebnissen das gut bebilderte Buch frisch und fesselnd erzählt.

Die Abenteuer des Herrn Lecoq: Akten st ück Nr. 113. Von Em i l G a b o r i a u. 274 Seiten. Kartoniert 2, RM., Leinen 3, RM. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. (112) Alle Rätsel löst Herr Lecoq. Die Abenteuer dieses sympathischen Detektivs läßt Gaboriau, ein Meister des klassischen Detektivromans, in heftiger Spannung abrollen, mit immer neuen Einfällen arbeitend, immer neue Motive erfindend. Die große und kleine Welt in Paris und London des vorigen Jahrhun­derts gibt der mitreißenden Handlung den farbigen Hintergrund.

Benno von Arent: Ein sudeten­deutsches Tagebuch: 13. August bis 19. Okto­ber 1938. 83 Seiten. 2,40 RM. Wilhelm Limpert- Verlag, Berlin SW 68 (130) Dieses Tagebuch schrieb ein Reserveoffizier während des Einmarsches in das Sudetenland. Er berichtet von der Not und dem Leid unserer sudetendeutschen Brüder, von ihrem Kampf für Deutschland, ihrem unbeirrbaren Glauben an den Führer und von ihnen jubelnden Glück über die Befreiung durch unsere Soldaten.

Franz Tumler : I m Jahre 38. (Die kleine Bücherei, Band Nr. 105) Albert Langen/Georg Müller, München 1939. (169e) Der junge ost- märkische Dichter Franz Tumler, dessen Name vor­nehmlich durch die ErzählungDas Tal von Lausa und Duron" und durch den RomanDer Ausfüh­rende" bekannt wurde, faßt hier in einer Reihe kur­zer Erzählungen seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse auf dem Schauplatz der weltgeschichtlichen Ereignisse des Jahres 1938 in Böhmen zusammen.

Norman Macmillan: Luftwaffe in Front. Luftstrategie englisch gesehen. Mit 6 Kartenskizzen. Verlag Dr. M. Matthiesen 8- Co., Berlin SW 68. Preis 3, RM. (154) Neben der aktuellen Bestätigung der Gedankengänge Mac- millans durch die jüngsten britischen Entschlüsse liegt der Wert dieses Buches in der Synthese angestreb­ter Objektivität und durchaus englischer Betrach­tungsweise der Zusammenhänge. Englands insulare Sicherheit ist vorbei! Der Luftwaffe als der ent­scheidenden Macht räumt England erstmalig vor der Flotte den obersten Platz im Wehrhaushalt ein.