Montag, Z.Zuli 1959
189. Jahrgang
Ur. 152 Erstes Statt
chlag gibt, die Bremse anzieht.
träume.
Angriff aus -en WesttvaN bedeutet Selbstmord!
r richte sich nur i weiterhin (sorge tragen, oap
sein politisches I zu einem solchen Sklaven tvirb trotz aller Umkreisung.
gegen seine Führung, nur gegen
Die Achse Mer als jede Einkreisung
irgendetwas geändert. 1
Das zeigt sich nirgendwo klarer als in Washington, i wo Roosevelt und seine Getreuen damit gerechnet 1 hatten, in ihrem Kampf um das neue Neutrali- i tätsgesetz in dem Königspaar wertvolle Verbündete zu finden. Man hatte im Weißen Haus gehofft, daß das Auftreten der Majestäten auch die Herzen der verbissensten Isolationisten erweichen würde. , Man hatte sogar den englischen Botschafter veranlaßt, zu dem Gartenfest in der Botschaft nicht nur sämtliche Senatoren einzuladen, sondern auch deren Frauen, Töchter und Nichten. Was vielleicht auf direktem Wege nicht zu erreichen war, sollte auf indirektem Wege erreicht werden. Aber man hatte sich geirrt. Die Front gegen das neue Neutralitätsgesetz ist heute stärker und geschlossener denn je.
Unter den geltenden Neutralitätsbestimmungen wären im Kriegsfall Kriegsmateriallieferungen nach allen kriegführenden Staaten automatisch verboten, während alles andere bar bezahlt und auf den eigenen Schaffen der Kriegführenden abtransportiert werden müßte. Das bedeutet noch keine unbedingte Neutralität, denn die Bestimmungen ermöglichen die Lieferung oller kriegswichtigen Rohstoffe, aber es ist doch sehr verschieden von dem, was Roosevelt im englisch-französischen Interesse nunmehr anstrebt. Die neue Fassung des Neutralitätsgesetzes läuft darauf hinaus, daß alle kriegführenden Staaten in den USA. alle für die Kriegsführung benötigten Dinge ankaufen können. Das klingt neutral, bedeutet aber den gleichen Zustand, wie er während der ersten Jahre des Weltkrieges bestand, mit dem kleinen Unterschied nur, daß England und Frankreich diesmal bar bezahlen müßten — eine Klausel, die sich leicht umgehen ließe und wahrscheinlich rm Kriegsfälle auch sehr bald verschwinden würde.
Für die Jsolationsfront steht es jedenfalls fest, daß die Annahme des neuen Neutralitätsgesetzes die Intervention der USA. in einem neuen Kriege automatisch nach sich ziehen würde. Im Gegensatz zu den Vorkämpfern der Außenpolitik Roosevelts haben die Anti-Interventionisten aus dem Weltkrieg etwas gelernt und wissen, daß Amerikas Jugend sich heute kaum wieder Über See verfrachten ließe, um int Namen einer illusionistischen Demokratie noch einmal für England zu kämpfen. Sie wissen, wie stark die Vereinigten Staaten heute noch geistig und wirtschaftlich unter den Auswirkungen des letzten Krieges leiden und ein neuer Krieg wahrscheinlich genügend Sprengstoff anhäufen würde, um dies und das in den USA. in die Luft fliegen zu lassen. Ganz abgesehen von diesen Gefahren aber vertreten die Anti-Interventionisten den Standpunkt, daß eine Nation mit 40 Millionen unterernährten, ärmlich gekleideten und in elenden Höhlen hausenden Menschen sehr viel andere Aufgaben hat, als sich in die europäische Entwicklung einzumischen und ihre ganzen Energien einzusetzen, um Englands Diktatur über eine halbe Milliarde Eingeborener
Auf den Spuren Woodrow Wilsons wandelnd, hat Franklin Delano Roosevelt aber nichtsdestoweniger sehr viel größere Hindernisse zu überwinden, als der Vater der vierzehn Punkte. Als der „große" Woodrow endlich im März 1917 die USA. in den Weltkrieg hineinmanövriert hatte, sträubten sich im Repräsentantenhaus und Senat nur sehr wenige gegen die Kriegserklärung. Heute ist die Opposition gegen das Neutralitätsgesetz und damit auch gegen einen Krieg schon deswegen sehr viel stärker, weil ie weiß, daß das Land hinter ihr steht. Zwar cheint es, als würde das Repräsentantenhaus das Neutralitätsgesetz ohne großen Widerspruch annehmen, aber die Mehrheit der Abgeordneten sind eben Politiker, und von der demokratischen Parteimaschine und damit von Roosevelt abhängig, so daß ihre Zustimmung zur Außenpolitik des Weißen Hauses praktisch bedeutungslos ist, solange der Senat, der in außenpolitischen Dingen den Aus-
wie 1918 Schalmeientöne zu unserem Volke herüberschallten aus den sogenannten Demokratien: nicht gegen das deutsche Volk gehe der Kampf, der Kampf gehe einzig und allein gegen seine Führung und gegen sein politisches SYstem. Würde Deutschland seine Waffen zerschlagen, würde es sich seiner Führung entledigen und sich em anderes politisches System zulegen, dann — so erzählte man dem deutschen Volk damals — würde es einen Frieden der Gerechtigkeit erhalten, einen „Frieden ohne Annektion und ohne Reparationen". Das deutsche Volk hat damals bekanntlich seine Waffen zerschlagen. Es hat sich auch bekanntlich em neues politisches System zugelegt, und zwar gleich gründlich: es schuf eine Ueber-Demokratie. Wie dann aber der sogenannte Friede der Gerechtigkeit aussah, das haben'wir schaudernd erlebt!
Einmal hat das deutsche Bolt das erlebt! Ein zweites Mal wirp cs das nicht wieder erleben. Mögen sie draußen erneut noch so liebliche Töne anschlagen: der Kamps richte sich nicht gegen das deutsche Bolt, er richte sich nur
System? Wir kennen die Melodei. Blast nur wieder euere alten Lieder auf neuen Schalmeien: das deutsche Bolt ist klug geworden! Und es wird nie wieder dumm werden! Ber»
für eine dritte Präsidentschaft zu ebnen. Einer der vielen Roosevelt abtrünnig gewordenen Freunde, General Hugh Johnson, hat erst vor kurzem öffentlich erklärt, daß der Herr des Weißen Hauses sich durchaus „als Kriegspräsident" fühle.
schiffe und stellt es dem Präsidenten frei, die Benutzung amerikanischer Häfen und territorialer Gewässer Kriegsschiffen, Unterseebooten oder bewaffneten Handelsschiffen Kriegführender zu verbieten. Die Vorlage geht nun dem Senat zu, dessen isolationistischer'Block jedoch angekündigt hat, daß er entschlossen ist, eher die Kongreßtagung monatelang zu verlängern als diese zum Kriege treibende Vorlage anzunehmen.
Präsident Roosevelt und seine Anhänger sind über die Abänderung ihres Kriegseinmischungs- gefetzes, das unter dem Namen „Neutralitätsgesetz" segelt, äußerst erbittert. Er verkündete, daß er d e n Kampf für di e bedingungslose Aufhebung der Waffensperre fortsetzen werde. In welche Richtung die Agitation zu diesem Zweck gelenkt werden soll,'geht aus einer Erklärung des demokratischen Senators Pitman hervor. Dieser berüchtigte Rooseveltianer erklärte, daß das Unterhaus „aus Bitterkeit gegeYi Roosevelt" eine „Help-Hitler-Politik" eingeschlagen habe. Staatssekretär Hüll erklärte der Presse, die Regierung der Vereinigten Staaten werde trotz des Beschlusses des Repräsentantenhauses ihre Bemühungen nicht ausgeben, um eine ihr zweckmäßig erscheinende Abänderung der Neutralitätsgesetzgebung zu erreichen. Den Beschluß des Repräsentantenhauses, keine Waffen an kriegführende Staaten zu liefern, nannte Hüll eine „bedauerliche und dem Frieden der Welt abträgliche Entscheidung".
der, ja stehen geneneinandcr. Deutschland und Italien aber haben kerne sich widerstreitenden Interessen. Ihre Interessen ergänzen sich. Beide Staaten und Völker sind getragen von den gleichen großen Ideen. Und nicht zuletzt: Sie stehen in gemeinsamer Abwchrsront! Tic gleichen jüdischen und freimaurerischen Gegner haben die ihnen hörigen Staaten zum Angriff mobilisiert. Sowohl gegen Nationalsozialismus wie gegen Faschismus. Und cs ist kein Zufall, daß die gleichen dem Judentum und der Freimaurerei hörigen Staaten es find, die fortgesetzt versuchen, dem tapferen Volk im Fernen Lften — Japan — Schwierrgketten über Schwierigkeiten zu bereiten.
Die anderen wissen, daß die Nationen des weltpolitischen Dreiecks Rom—Tokio —Berlin sich vorsorglich gewappnet, und gepanzert haben. Ein ansehnliches Stück des Panzers ist nicht weit von uns hier, Unb deshalb steht ia^mch^rejer Gautag
laßt euch darauf!
Auch nicht durch alte englische Lieder wird es wieder dumm werden. Und wenn man in England heute rührend besorgt ist, daß Nationen zu „Sklaven starker Nationen" werden könnten, so haben wir darauf nur zu sagen: Ach wäre doch diese Besorgnis schon 20 Jahre früher über England gekommen! Denn damals wurde Deutschland zum Sklaven starker Staaten. Eineinhalb Jahrzehnte war Deutschland der Sklave starker Staaten und cs wäre es noch heute, wenn nicht der Führer mit seiner nationalsozialistischen Bewegung gekommen wäre. Denn wir glauben nun mal nicht daran, daß die so plötzlich erwachte starke Besorgnis Englands uns frei gemacht hätte. Deutschland weiß, was es heißt, der Sklave starker Staaten zu sein und deshalb hat ferne nationalsozialistische Führung Sorge getragen und wird weiterhin Sorge tragen, daß Deutschland nicht ivicber
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Rudolf Heß warnt die Völker, sich als Büttel des Judentums in eine unvorstellbare Katastrophe zu begeben
den Fall bestehen, daß man sich ^auf französischer und englischer Seite eng an b ie Sowjets b i n- ben würde.
Mit diesen holländischen Vorstellungen verwirklichen sich die Befürchtungen, die man in Paris beifn Beginn des englischen Liebeswerbens um die Sowjets hatte. Man dachte damals zunächst, ein allzu enges Einvernehmen mit Moskau könne sich nachträglich auf die französischen Bemühungen auswirken,' in Madrid Fuß zu fassen. Ebenfalls befürchtete man unvorteilhafte Rückwirkungen auf die Haltung Portugals und innerpolitisch ähnlich gelagerter Staaten. Jetzt meldet sich aber auch ein demokratisch regiertes Land wie Holland zu Wort. Es ist deshalb nicht überraschend, daß das amtliche Frankreich sich zunächst einmal über die Bedenken und Vorstellungen der kleinen neutralen Mächte ausschweigt, da man glaubt, nach dem Abschluß eines Paktes mit Moskau in einer derart starken Stellung zu fein, daß die kleinen Lander genötigt wären, die von ihnen vorgebrachten Bedenken über kurz oder lang aufzugeben. Eine Bestätigung der obigen Meldung von holländischer Seite war im Augenblick noch nicht zu erhalten.
Wir sind durch Not und Sorge hart geworden und wachsam, wachsam besonders gegen unsere abgefeimtesten Feinde: Weltjudentum und Weltfreimaurerei. Weltjudentum und Weltfreimaurerei^ sie mögen zur Kenntnis nehmen: ihr Spiel ist bei uns endgültig und eindeutig verloren. Daran werden auch alle ihre Versuche, eine neue Emkrcyung gegen uns zustande zu bringen, nichts andern. Eine Einkreisung zustande zu bringen, die darauf abzielt, einen neuen Weltkrieg gegen uns zu entfachen, um uns wieder diesen internationalen Straften gefügig zu machen.
Die Einkreisung Deutschlands und Italiens muß erfolglos sein, weil die Achse, dieses Bündnis zwischen dem großen Staat im Norden und dem mächtigen Imperium im Süden, stärker ist als die krampfhaft zusammen- gekleisterten Einkreisuugspakte der anderen. Denn bei den anderen klaffen Staatsideen, WirtschastSprirrLjpieu nnd JnjeMeu auseinan-
Neutraler Protest gegen das System -er Zwangsgarantierungen.
Holländische Vorstellungen in Paris.
Gegensätze in Washington
Von unserem G. t.«Korrespondenien.
Kaiserslautern, 2. Juli. (DNB.) Im Rahmen des Gautages Saarpfalz fand auf dem Stiftsplatz eine große Kundgebung statt. Gauleiter Bürckel wies auf den Westwall hin, der stark genug fei, Fragen der deutschen Geschichte mit aller Eindeutigkeit und Klarheit zu beantworten. Beide einander hier benachbarte Völker hätten den gleichen Willen zum Frieden. Der Schuldige also werde immer der sein, der den ersten Schuß ab« euert, das aber werde wieder nur ein Dritter ein, der schon immer kommandiert habe zum Feuern, ich aber niemals dem Feuer wirklich aussetzte. Einmal müsse diesem Treiben in der Welt ein Ende gemacht werden. Wenn man immer wieder erfahre, daß um uns herum eine „Friedensfront" entstehe, so antworten wir: die wahre Friedensfront besteht darin, daß man uns unser Recht zurückgibt.
Wir möchten ebenso inständig an die VernBnft glauben, wie wir entschlossen sind, auf die Zähne zu beißen. So wollen wir die Sprache des Westwalles verstanden wissen, die immer nur ernes verkündet hat: Unser deutsches Volk, unser deutsches Reich und sein Führer!
Dann nahm unter großem Jubel der Stellvertreter des Führers das Wort. Volk, Reich und Führer — so sagte er — das ist der Inhalt des nationalsozialistischen Deutschlands. Volk, Reich und Führer, sie bilden heute eine Einheit, wie sie Deutschland noch nie gekannt m feiner Geschichte. Noch nie war das deutsche Volk so in sich geschlossen und zugleich so bewußt seiner Kraft. Noch nie war das Reich so stark als Schutz des Volkes. Noch nie waren Volk und Reich so sicher geführt durch einen Führer! Wir sind heute nicht mehr Spielball fremder Mächte und fremder Willkür, sondern wir sind freie Herren unserer freien Entschlüsse. Es soll die Welt draußen auch nicht übersehen und nicht vergessen: Wir sind ein politisches Volk geworden, mit klarem Blick für die Schicksalsfragen der Nation. Wir sind ein geschlossener Block, eine bewußte Gemeinschaft!
Wir wissen: es ist der einzige Wunsch unserer Feinde draußen, daß dieser Block doch noch einmal Sprünge bekommen möge. Es ist ihre einzige Hoffnung: zwischen Euch, zwischen das Volk und die - .. .ö " • Ä, -r ... foMHPYt hlPiP
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zu festigen.
Das sind die Fronten, die sich heute in Washington ebenso unversöhnlich gegenüberstehen, wie vor dem Königsbesuch. Daran hat auch der englische Besuch nichts geändert. Noch immer hallt es über Washingtons politische Gefilde: Hie England und die ewige Demokratie! Hie die USA. und die rettende Isolation ! Auch die drei oder vier Millionen, die in Washington und New York den mit neunzig Kilometern über streng abgesperrte Straßen rasenden Majestäten zuwinken durften, sind durch keinerlei Gefühle dazu bewogen worden, sich und ihre nut englischen Fähnchen versorgten Kinder auf dem englischen Altar zu opfern. Roosevelt und seine Getreuen mögen sagen und schreiben, was sie wollen — die Öffentlichkeit als ganzes genommen ist ebensowenig pro-englisch wie sie pro-deutsch ist. Sie ist pro-amerikanisch und damit gegen rede Einmischung in Europa und gegen iedes Neutralitats- gesetz, das eine solche Einmischung erleichtert.
In Washington allerdings liegen die Dmge etwas anders. Dort entscheiden nicht die gleichen, allem von amerikanischen Interessen bedingten praktischen und gefühlsmäßigen Erwägungen, die draußen im Lande gegen jede Einmischung der USA rn Europa sich auch dann stemmen, wenn die Entwicklung rn Europa oft überhaupt nicht verstanden lmrd. In Washington herrscht die demokratische Phrase, hinter der sich viele Dinge verbergen: indischer Einfluß (der trotz aller Enttäuschungen in der Pälästina-Frage in Deutschland den größeren Feind sieht); der Einfluß der Industrie (bte T1? emetn neuen Kriege Reichtümer aufzustapeln hofft); der Einfluß des Bankenkapitals (das von einem neuen Krieg Rettung aus mancher Not erwartet), und nicht zuletzt der Wunsch Roosevelts, die Mißerfolge der letzten Jahre durch außenpolitische Aben- teng* pAgfses zu lasssu unb iWfljßui) it&Ä
Auch im Senat verfügt Roosevelt theoretisch über eine Mehrheit für feine Außenpolitik. Aber diese Mehrheit ist klein und kann durch Abspaltungen leicht zu einer Minderheit werden, denn auch unter den demokratischen Senatoren ist die Abneigung gegen den Präsidenten im Wachsen. Doch selbst wenn Roosevelt und die demokratischen Fraktions- ührer ^^rc•^e^)r^)eit zusammenhielten, so bedeutet das noch nicht, daß die Neutralitätsvorlage vom Senat verabschiedet wird. Der anti-interventionistischen Mehrheit bleibt eine mächtige parlamentarische Waffe, um die Abstimmung solange hinauszuzögern, bis die Mehrheit des Kampfes müde wird. Diese Waffe ist der sogenannte „Filibuster", der sich darauf stützt, daß einem ^Senator nicht das Wort abgeschnitten werden kann. Jeder Senator hat unbeschränkte Redezeit und kann dabei nicht nur reden, was er will, sondern kann, wenn es chm paßt, dabei auch gaiue Bücher vorlesen. Wenn die dreißia nber vierzig oppositionellen Senatoren unter Führung von Borah unb Johnson zu diesem Mittel greifen, können sie die Abstimmung bis zum Herbst hrnaus- zögern. Und alles deutet darauf hin, daß sie diese Waffe gebrauchen werden. Der Präsident hofft anscheinend noch auf die sommerliche Hitze Washingtons, die schließlich den Kongreß in die Ferien treiben soll. Aber Repräsentantenhaus und Senat sind luftgekühlt, und der neue Verbündete dürfte den Präsidenten ebenso int Stich lassen, wie die britischen Majestäten. Trotz der sommerlichen reifen in Washington längst nicht mehr alle Bluten-
Um die Aeuttalitätsvorlage.
Washington, I.Juli. (DNB.) Das Abgeordnetenhaus nahm mit 200 gegen 188 Stimmen die abgeänderte Bloomsche „Antineutralitätsvorlage" an, nachdem drei Versuche demokratischer Fraktionsführer, die Waffensperre aus der Vorlage wieder zu streichen, fehlschlugen. Der Präsident kann mit Zustimmung des Kongresses feststellen, daß der Kriegszustand zwischen Fremdstaaten besteht. Damit tritt dann automatisch das Ausfuhrverbot für „tödliche Waffen" und Munition an Kriegführende in Kraft, das Verbot, Lebensrnittel an Kriegführende zu verschicken, so lange sich diese Lebensrnittel im rechtmäßigen Besitz amerikanischer Bürger befinden, das Verbot, den Kriegführenden Anleihen oder Kredite zu gewähren, ausgenommen sind gewöhnliche Handelskredite und kurzfristige Obligationen von nicht mehr als 90tägiger Laufzeit, das Verbot, in USA. zugunsten Kriegführender Geldmittel zu sammeln. Die wichtigste Aenderung der Vorlage gegenüber dem jetzigen Neutralitätsgesetz ist, daß die Waffensperre sich nicht mehr auf „K r i e g 5 g e r ä t e", sondern nur auf „tödliche Waffen" erstreckt. Die Ausfuhr von Flugzeugen, Kraftwagen, Oel usw. wird also gestattet. Außerdem erlaubt die Vorlage die Beförderung von Waffen auf USA.-Schiffen und die Bewaffnung amerikanischer Kauffahrtei«
Washington, Ende Juni 1939.
Knapp vier Wochen sind vergangen seit der Juninacht, in der Englands Königspaar den ersten roten Teppich auf USA.-Boben betrat, unb schon beginnt von ber frisch vergolbeten anglv-amerikani- schen Freundschaft der Belag wieber abzublättern. Die Tischreben sind verklungen und ihre Worte in der Sommerhitze verdampft. Kaum noch einer spricht heute von den Majestäten. Die gleichen Blätter, die den Besuch als bedeutsam priesen, spötteln heute über ihr historisches Ereignis von gestern, und die dadurch ausgelöste Hysterie, die sie selbst heraufbeschworen hatten. Rückblickend erscheint dieser Königsbesuch nur als eine problematische Szenerie, die ihren Höhepunkt erreichte mit jenem denkwürdigen Picknick auf Roosevelts Landsitz, wo der König und die Königin in Würdigung nordamerikanischer Sitten aus der freien Hand Würstchen verzehrten. Diese Aufopferung für das britische Weltreich war umsonst, denn es scheint nicht, als habe dieser Besuch hier
E.F. Paris, 2. Juli.
Der holländische Gesandte in Paris, Loudon, hat am Samstag dem französischen Außenminister Bonnet einen Besuch abgestattet. Trotz amtlichen Stillschweigens über seinen eigentlichen Charakter erklärt man in unterrichteten Kreisen, der holländische Gesandte habe im Auftrage seiner Regierung, die sich in diesem Falle a l s Wortführerin der keinen neutralen Mächte betrachte, einen Verstoß gegen die von Frankreich, England und Sowjetrußland beabsichtigte Zwangsgarantierung der baltischen Staaten unternommen, gegen die sich die baltischen Staaten selbst bisher erbittert gewehrt haben. London habe dem französischen Außenminister nicht verborgen, daß seine Regierung befürchte, von England und Frankreich könne später das bisher den baltischen Staaten gegenüber gezeigte Verhalten auch gegenüber anderen kleinen Mächten Anwendung finden. Diese Befürchtungen bestünden nicht k. vuuiujv» nur in Holland, sondern würden noch von mehreren Atmosphäre I anderen neutralen Staaten gestellt. In der Unterredung sollen auch die Bedenken allgemeiner Art I behandelt worden sein, die besonders in Holland für
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrkhlsche UniverfitStrdruckerei «.Lange in Stehen. Schristleitung und Eeschästrstelle: Schulftrahe 7


