Bilanz des öffentlichen Gesundheitsdienstes.
DRanbgloffen zur kleinen Zeitgeschichte
Don Ernst von Niebelschüh.
Es ist heute in der ganzen zivilisierten Welt üblich geworben, den werdenden Müttern ihre schwere Stunde dadurch zu erleichtern, daß man sie gegen die Schmerzen der Geburt künstlich unempfindlich macht. In den Kliniken und Krankenhäusern der Städte, wo die möglichst reibungslose Abwicklung des „Betriebes" zur Hausordnung gehört, ist das eigentlich schon die Regel. Geschieht es in solchen Fällen, wo ein Unterlassen der Betäubung für bas Geben oder die Gesundheit von Mutter und Kind fürchten läßt, so wäre es ganz gewiß sinnlos, von den Fortschritten der ärztlichen Wissenschaft keinen Gebrauch machen zu wollen. Die Frage ist nur, ob die allgemeine Anwendung des Verfahrens zu rechtfertigen ist; mindestens darf sie einmal zur Diskussion gestellt werden. Noch wird es keine Mutter geben, die von der Heiligkeit der Stunde, in der sie einem Kinde das Leben schenkt, nicht zutiefst überzeugt wäre, die nicht ein Gefühl dafür, hätte, daß die Geburt eines Menschen nicht bloß ein biologischer, sondern auch ein geistiger Vorgang ist, der darum in voller Wachheit des Bewußtseins erlebt sein will, an Bedeutungstiefe aber notwendig verliert, wenn der Mutter die Schmerzen, die sie dabei erleidet, auf künstliche Weise genommen werden. Daß ein Kind besser gedeiht, wenn die Mutter ihm selbst die Nahrung spendet, ist eine allgemein anerkannte Tatsache; man wird aber viel weiter gehen und die Frage aufwerfen, ob es wirklich dem inneren Verhältnis von Mutter und Kind förderlich fein kann, wenn die Mutter den großen Augenblick, wo die Frucht ihres Leibes als Mensch den Eintritt in das Dasein vollzieht, nicht bewußt miterlebt, nur weil Angst ober Bequemlichkeit größer waren als er an sich so natürliche und selbstverständliche Wunsch, als erste ihr Kind an der Schwelle des Lebens in Empfang zu nehmen. Die Redewendung „Ich habe dich unter Schmerzen geboren", die Mahnung und Verpflichtung rft und jeden Menschen, mag er sein, wie er will, mit unzerreißbaren Fäden an seine Mutter fettet, hat dann eigentlich keinen Sinn mehr, sie ist einfach nicht wahr, und jede Unwahrheit, besonders wenn sie aus einem Munde kommt, dem man sonst unbedingt Glauben schenkt, muß ihre Folgen haben. Was wir sagen wollen ist dies: eine Doktrin, die allgemein zu befolgen wäre, läßt sich hier nicht auf- stellen, aber es ist schon viel gewonnen, wenn man die Frage als solche anerkennt und einmal unter einem höheren Gesichtspunkt als dem der geringsten „Betriebsstörung" beurteilt.
♦
Die von der gesamten Kulturwett gehegte Befürchtung, das Prado-Museum zu Madrid, eine der reichsten Gemäldegalerien Europas und eine wahre Ruhmeshalle des spanischen Namens, werde nach den Schrecken des unseligen Bürger- . krieges nur in ganz verstümmelter Form von der nationalen Regierung übernommen werden können, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Wie amtlich gemeldet, ist es dem Eifer und der Tatkraft der mit der Wiederherstellung des Museums beauftragten Stellen gelungen, alle für verschollen ober gar zerstört gehaltenen Gemälden in ihren Verstecken aufzufinden und sogar die nach Genf verschleppten, also wohl zum Verkauf an das Ausland bestimmten Bilder nicht bloß zu ermitteln, sondern auch ihre Auslieferung an den nun allein rechtmäßigen Besitzer zu erreichen. Auch der Prado wirb in altem Glanz und um kein einziges feiner zahllosen Meisterwerke beeinträchtigt, neu erstehen und ber Öffentlichkeit wieber zugänglich gemacht werben. Auch dies eine „Siegesparabe", die überall da, wo man um das Schicksal ber Bestände der großartigsten Sammlung mit Grund besorgt fein mußte, die lebhafteste Freude und Genugtuung aus- lösen wird. Was Karl V. als König von Spanien planmäßig zu sammeln begonnen hat, was Philipp II. und Philipp IV. mit leidenschaftlicher Hingabe und unter Einsatz von Mitteln, die an das Phantastische grenzen, in aller Welt zusammen- gekauft und was noch die Bourbonen vermehrt haben — nichts davon fehlt, nichts hat unwieder-
Zum letzten Male legt die Dolksgesundheitsabtei- lung des Reichsinnenministeriums eine Gesundheitsbilanz des deutschen Volkes vor, die nur das Alt- reich umfaßt. Von größeren Seuchen ist das deutsche Volk auch im letzten Jahr verschont geblieben. Die Säuglings st erblichkeit konnte weiter auf 6 Prozent herabgedrückt werden. In ärmlichen Gebirgsgegenden liegt sie höher, da die gründliche und sorgfältige Belehrung der jungen Mütter besonders auf dem Lande nur schrittweise die alten Hausbräuche und Sitten überwindet. Auch die Gesundheit der Kleinkinder und ber Schulkinder wirb günstig beurteilt. Zur B e - kämpfung ber Zahnkaries soll jetzt in Hannover ein Musterkreis für hauptamtlich betriebene Schulzahnpflege eingerichtet werden. Bei den Jugendlichen beklagt der Bericht besonders den unmäßigen Zigarettengenuß und die verfrühte Heranziehung zu belastender Arbeit. Günstige Derdienstoerhältnisse und ein noch wenig entwickelter Sparsinn seien die Wurzeln solcher Nikotin- exzesse, aber es stehe zu hoffen, daß ber große Feldzug gegen den Nikotinmißbrauch Wandel schaffen werbe. Im allgemeinen sei die Gesundheitslage auch bei den Jugendlichen günstig gewesen, was besonders der planmäßiges» körperlichen Erziehung und der Forderung ber Leibesübungen zu verdanken fei. Am ungünstigsten stehe in ber Gruppe der Erwachsenen noch die 'Landarbeiterfrau da.
Der Bericht gibt bann umfassende Zahlen über die Tätigkeit des öffentlichen Gesund- heitsdienstes mit seinen 744 Gesundheits-
bringlichen Schaden gelitten. Weder Velasquez, Murillo, Zurbaran und Goya, noch Tizian, Rubens, Dürer und die Sntnieberlänber — um nur bas schlechthin Unersetzliche zu nennen. Es ist ein schönes Gefühl, sich nun sagen zu dürfen, daß an dem Triumph des neuen Spaniens auch die großen alten Meister teilgenommen haben, die in ihrer stillen, aber eindrucksvollen Weife fo viel dazu beitragen konnten, die spanische Kulturmission in unvergänglichen Symbolen sichtbar zu machen.
♦
Mit vollem Recht hat man dem Schrifttum ber Vorkriegszeit den Vorwurf machen können, baß es — befonbers auf dem Gebiete ber Kunstlite - ratur — nur den Fachwiffenfchaftler befriedigt, der breiten Masse des Volkes aber, schon durch die allzu gelehrte und begriffskalte Darstellungsform, den Zugang zu den unvergänglichen Schätzen unserer Kultur eher versperrt als geeöffnet habe. Man glaubt heute den richtigen Weg gefunden zu haben, indem man die unvermeidbaren Mühsale der geistigen Aneignung, die bas Lesen und Studieren ber Texte verursacht, auf ein Mindestmaß beschränkt und allen Nachdruck auf die Bildreproduk- tion legt, deren technische Leistungsfähigkeit ja auch Fortschritte gemacht hat, die jeder Bewunderung wert sind. Bei aller Anerkennung ber Qualität dieser massenhaft ins Volk geworfenen Bilberblicher wirb man aber zuweilen doch bezweifeln dürfen, ob diese Ueberfütterung mit Bildstoff die ihm zugewiesene Ausgabe, das erlesene Wort 3U' ersetzen und den Formsinn zur Selbständigkeit zu erziehen, auch wirklich erfüöt. Nicht ohne Grund hat man neuerdings daraus aufmerksam gemacht, daß Bilder betrachten ein weniger aktiver Vorgang ist als lesen, wahre Bildung jedoch gerade die gestaltenden geistigen Kräfte in uns rege machen müsse, andernfalls die zur Gewohnheit gewordene Beschäftigung mit dem täglich riesenhaft anwachsen- den Anschauungsmaterial zur Oberflächlichkeit führe. Man mache doch nur einmal an sich selbst die Probe und frage sich, wie viele ber sinnverwirrenden Eindrücke eines nur aus Bildern bestehenden Buches sich dem Gedächtnis so eingeprägt haben, daß man sie zu besitzen glaubt. Es gibt heute schon Verlage, die unter Berufung auf die angeblich allgemeine Leseunlust das Verhältnis zwischen Text und Bild so abmessen, daß der Wert des Buches ausschließlich von dem Grade der Aufnahmefähigkeit des Auges abhängt, der weit überschätzt wird. Und darin liegt eine Gefahr, die man mindestens erkennen sollte, die
ämtern und vielen Nebenstellen im letzten Jahre. Fast 24 000 Köpfe umfaßt das Personal dieser Ge- sundheitsämter. Die erledigten Geschäfte beziffern sich auf 3,23 Millionen, von denen über 1,5 Millionen Zeugnisse und Gutachten waren. Bemerkenswert ist der starke Ausbau der Eheberatung, die an fast 600 000 Personen erteilt wurde. Angesichts der Gesamtzahl von 642 000 Eheschließungen ist somit fast die Hälfte aller Eheschließungen von der Eheberatung erfaßt worden gegen nur 36 Prozent im Vorjahr. 38 Prozent aller Cheschließenden wurden mit Darlehen bedacht. In der Schwangerenfürsorge sind über 77 000 Schwangere im letzten Jahr beraten worden. In der Säuglingsfürsorge steht jetzt für je 77 Lebendgeborene schon eine Beratungsstelle zur Verfügung. Die Gesamtzahl der beratenen Säuglinge betrug rund 1,14 Millionen. In der offenen Kl e i n k i nd e r f ü r s o r g e wurden am Jahresschluß rund 500 000 Kinder betreut. Durch Reihenuntersuchungen wurden über drei Millionen Schulkinder erfaßt, die Zahl der lieber« wachungsschüler betrug 526 000. Einen starken Ausbau erfuhr auch die Tuberkulosefürsorge, in der über 1L Millionen Personen beraten wurden. Die Zahl der Röntgendurchleuchtungen steigerte sich um fast 40 Prozent auf 1,73 Millionen. In der Krebskranken- fürforge hat sich die Zahl der beratenden Personen mit über 28 000 fast verdoppelt. Die Gesundheitsämter haben u. a. weiterhin rund 12 400 Untersuchungen von Siedlungsbewerbern durch- gefuhrt.
Gefahr, sich die eigene Arbeit, ohne die es nun einmal nicht geht, so leicht wie möglich zu machen. Ueberbies: die Abbildungen sind heute so gut, daß sogar Kunstwissenschaftler nicht fetten glauben, cs sei gar nicht mehr nötig, d i e Originale selber kennenzulernen, mit denen vertraut zu werden doch bas A und O aller wissenschaftlichen Bemühungen sein sollte. Wir möchten nicht mißverstanden werden und keinesfalls in den Verdacht geraten, die weitere Entwicklung der Reproduktionstechnik unterbinden zu wollen. Aber zwischen Begriff und Anschauung, die gleich unentbehrlich sind, müßte und wird ein Ausgleich geschaffen werden, der Denken und sehen gemeinsam in Tätigkeit setzt. Es ist der Zustand der Eintracht, auf dem alle Bildung beruht.
Fachausbildung des Drogisten
Seit Gründung der ersten Drogisten-Fachschule im Jahre 1874, also vor 65 Jahren, sind bis heute im ganzen Reich insgesamt 10 5 Drogisten- Fachschulen entstanden. Ein Blick in den Lehrplan zeigt, daß Unterricht in Chemie, chem. Praktikum und Drogenkunde,fachdrogistischem Praktikum, Physik, Fachlatein, Gesundheitslehre, Sanitätsdienst, Luftschutz, Photographie, Farbwarenkunde, Gesetzeskunde, Staatsbürgerkunde, kaufmännischer Betriebslehre, Rechnen, Buchführung unh Schriftverkehr erteilt wird. Eine weitere Neuerung im Ausbildungswesen der Fachdrogisten ist die im Jahre 1937 errichtete Reichsfachschule. In dieser können sich Lehrlinge der Drogistenschaft auf die Drogistenprüfung vorbereiten, die in ländlichen Bezirken keine Gelegenheit zum Besuch einer der übrigen 105 Dro- gisten-Fachschulen haben. An der Spitze des drogi- stischen Ausbildungswesens steht die im Jahre 1881 gegründete staatlich anerkannte Drogisten-Aka- demie in Braunschweig. Ein Blick in das große Laboratorium dieser Akademie beweist, daß es sich hier um eine Einrichtung handelt, die mustergültig ist und die auch vielen Ausländern und Volksdeutschen als fachdrogistifche Ausbildungsstätte dient.
Auf dem Gebiete der Heil- und Gewürzpflanzen leistet die Drogisteüschaft wertvolle praktische Mitarbeit im Sinne des von der Reichsgesundheitsführung gesteckten Zieles. Die Einrichtung von Heilkräuterbeuteln mit der richtigen Zubereitungsoorschrift, die Pflege der Hellkräuter seit
Jahrhunderten in den heutigen Fachdrogerien, die früher vielfach Kräutergewoloe hießen, sind Zeichen hierfür. Noch wesentlicher aber ist der Unterricht des drogistischen Nachwuchses über Botanik und Drogenkunde. Von dem Berufsanwärter wird die Anlegung eines Heilpflanzen - Herbariums, die Unterhaltung einer Drogensammlung sowie die Teilnahme an botanischen Wanderungen gefordert. Allein ein solches Heilpflanzen-Herbarium enthält 200 bis 300 Heilpflanzen.
Der Einsatz des Drogisten im Luftschutz hat eine besondere Bedeutung. In den Drogisten-Fach- chulen ist der Unterricht im Luftschutz als Lehrfach eingeführt. Die Drogistenschaft war die erste Berufsorganisation, die von sich aus den Luftschutz an- gefaßt und in großzügiger Weise gefordert hat. Tagtäglich ist der Fachdrogrst genötigt, mit Säuren, Laugen und Chemikalien umzugehen. Es liegt deshalb nahe, daß sich der Fachdrogist auch um die Maßnahmen kümmert, durch die die Gefahrenmomente beim Umgang mit den vorerwähnten Stoffen ausgeschaltet werden können. Hieraus ist das Interesse der Drogistenschaft in Fragen des Luftschutzes zu erklären.
In der Durchführung der Parole .Kampf dem Verderb" stehen den Fachdrogisten ebenfalls wichtige Aufgabengebiete zu. Die volksgesundheitliche Bedeutung der Rattenbekämpfung B. dürfte jedem einleuchten. Auch alles andere oft harmlos erscheinende Ungeziefer, wie Mücken, Fliegen, Wanzen, Flöhe, Läuse ufw., sind gefährliche Ueberträger von Krankheiten. Ihre Bekämpfung dient der Gesundheitsführung, aber auch volkswirtschaftlichen Interessen. Auch das Gebiet der Körperhygiene eröffnet dem Drogisten ein Betätigungsfeld, auf dem er seine Fachkenntnisse und beruflichen Erfahrungen weitgehend einsetzen kann. Dazu kommen die zahlreichen Erzeugnisse, die dem Körper zur Kräftigung und Stärkung dienen, aber auch die in jedem Haushalt notwendigen Sanitätsartikel, Desinfektionsmittel, Krankenpflegeartikel, Verbandstoffe und nicht zuletzt die vielen Mittel, die bei der Betreuung des Säuglings von der Mutter gebraucht werden.
Der Unfallschutz hinter dem Ladentisch.
Die Betriebssicherheit des Einzelhandels hat im Jahr« 1938 mit der weiteren Umsatzsteigerung und dem zunehmenden Mangel an fachkundigen Arbeitskräften kaum Schritt halten können. Der Berufsgenossenschaft wurden 20 391 Betriebsunfälle mit mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit der Betroffenen angezeigt. Dazu kommen noch 20 993 weniger schwere Unfälle. Die Unfälle mit mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit bieten folgendes Bild: 4497 Gefolgschaftsmitglieder verunglückten im Straßenverkehr (26 v. H. aller Anzeigen); 2203 Unfälle ereigneten sich im Betriebe beim Gehen auf ebener Erde, 1733 auf Treppen, 1753 beim Tragen, Auf- und Abladen, und 1003 Unfälle wurden durch Handwerkszeug verursacht. Fast die Hälfte aller Entschädigungen entfiel auf die Verkehrsunfäll e. Die gewöhnlich schweren Kraftfahrzeugunfälle nahmen um über ein Drittel zu. Am meisten gefährdet waren die Radfahrer, die mit 28 Toten mehr als di e Hälft« der gemeldeten tödlichen Verkehrsunfälle stellen. Bei den Unglücksfällen auf ebener Erde und auf Treppen ist das weibliche Geschlecht mit 3046 von insgesamt 3936 Unfällen stärker vertreten als das männliche. Das arbeitspfychologische Institut der Universität Breslau macht dafür den Stöckelschuh verantwortlich. Seine Absatzhöhe begünstigt das Stolpern und Ausgleiten und das Hängenblei- den auf der Stufenkante der Treppen.
25 v. H. aller Unfälle werden offensichtlich durch Detriebsmängel verursacht. Immer wieder mußten vor allem elektrische Zuleitungen, die von Gelegenheitsbastlern verlegt worden waren und unzulässige Ausführungen - elektrischer Geräte beanstandet werden. Mangelhafte Betriebsregelung, Unkenntnis der Unfallverhütungsvorschriften, lieber« fpannung der Arbeitskraft und leider auch Leichtsinn haben weitere Unfälle verschuldet. So stieg z. B. eine Kontoristin trotz Verbot und Warnung in der Pause auf ein umwehrtes Glasdach, um hier einen Steptanz vorzuführen. Sie brach ein und stürzte 20 Meter tief ab. Die Aufwendungen des
Geschichten ans aller Welt.
Viermal Zwillinge.
Ndz. Luxemburg.
Die 36jährige Frau Josephine Rissard in Nieder- weltz (Luxemburg) hat in diesem Jahr« mit ter Geburt von gesunden Zwillingen in gewissem Sinne einen Rekord ausgestellt. Es ist nämlich das vierte Zwillingspaar, das sie im Laufe von vier Jahren geboren hat. Vor fünf Jahren brachte sie ihren Aeltesten zur Welt, und in den folgenden Jahren regelmäßig Zwillinge. Die Familie Rissard hat also neun Kinder unter sechs Jahren.
Das Aroma verrät den Dieb.
B. Paris.
Die feine Nase eines Pariser Detektivs und seine Kennerschaft für eine gute Zigarre haben dazu geführt, daß eine Diebsgesellschaft feftgenommen werden konnte, die es systematisch darauf anlegte, gute Zigarrenläden in der Hauptstadt auszuplündern,' und seit mehreren Monaten große Erfolge dabei hatte. Es mar einer von den vier Detekttven, die besonders mit der Verfolgung dieses Falles beauftragt waren, dem der gute Fang gluckte. Er ging in den Straßen umher, als ihm zwei junge Leute begegneten, die Zigarren rauchten. Als er den Duft der Zigarren in die Nase bekam, merkte er sofort, daß es beste Fabrikate waren, während die beiden Raucher doch durchaus nicht so aussahen, als ob sie gutes Kraut zu rauchen in der Lage wären. Er folgte den beiden, bis sie sich mit sechs Leuten trafen, die ihnen die gestohlene Ware abzunehmen pflegten. Alle acht wurden schließlich verhaftet, und sie gaben nach eingehendem Verhör auch zu. daß sie die Diebstähle begangen hätten.
Warum kommen die Kinder zu spät in die Schule?
AS. Warschau.
Warum kommen Schulkinder zu spät in die Schule? Diese Erscheinung war Gegenstand einer Rundfrage an einer Warschauer Schule. Aus den Antworten der Kinder war ersichtlich, daß in den meisten Fällen, nämlich 45mal, die Mutter das
Frühstück nicht rechtzeitig auf den Tisch gestellt hatte. In 28 Fällen hatte das Kind verschlafen, in 17 Fällen war schlechtes Wetter an der Verspätung schuld, 13mal war die Uhr stehengeblieben, 12mal mußte das Kind der Mutter noch morgens bei der Arbeit helfen, in acht Fällen hatte der Lehrer bas Kind wegen nicht geputzter Schuhe wieder nach Hause geschickt, in fünf Fällen war der Zug verspätet und in 27 Fällen gab es andere verschiedene Ursachen für die Verspätung des Kindes. Die Warschauer Blätter ziehen aus dem Ergebnis ber Rundfrage den Schluß, daß in der Mehrzahl der Verspätungen das Elternhaus die Schuld an den Versäumnissen trage. Manche Kinder kämen sogar ohne ein Frühstück in die Schule, um nicht wegen Zu- spätkommens vom Lehrer gerügt zu werben.
Der zudringliche Fuchs.
Ndz. Kopenhagen.
In der nordjütischen Gemeinde Hithals treibt schon seit längerer Zeit ein Fuchs fein Wesen, der offenbar Anschluß bei den Menschen sucht. Seine Tage dürften aber gezählt fein, denn ber Zudringliche hat sich schon zum Kinderschreck entwickelt. Eine junge 5rau, die einen kurzen Besuch bei ihren Eltern machte, hatte vor dem Hause den Kinderwagen stehen lassen, in dem ihr zwei Monate altes Töchterchen schlief. Als die Mutter wieder auf die Straße trat, hörte sie die Klein« schon schreien. Sie war durch den Fuchs erschreckt worben, der auf den Hinterbeinen am Kinderwagen stand, die Dordertatzen auf den Wagenrand gelegt hatte und neugierig das kleine schreiende Menschenkind betrachtet«. Meister Reineke ergriff erst die Flucht, als die Mutter wütend auf chn losging.
500 Angeklagte und 458 Urteile.
Ndz. Kapstadt.
In der kleinen Küstenstadt Beratern an der Zulu- küste fand ein Riefenprozeß statt, bei dem es nicht weniger als 500 Angeklagte gab. Es handelt sich um 500 Eingeborenenfrauen, die Mitglieder einer religiösen Sekte sind und im Dorfe ihres Häupt- | lings einen Eingeborenen zu Tode gesteinigt hatten.
Bei 42 der Angeklagten wurde das Verfahren niedergeschlagen, die übrigen 458 bekannten sich schuldig. Elf der Angeklagten, denen der Besitz von Texten und anderen Waffen nachgewiesen werden konnte, wurden zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die übrigen 447 erhielten je drei Monate Gefängnis, und zwar mit Bewährungsfrist.
Das Untier.
C. K. Marseille.
In den Pyrenäen trieb in der Nähe des französischen Ortes Tarbes, wie von den verschiedensten Seiten berichtet wurde, feit einiger Zeit ein Untier der Vorzeit, ein schrecklicher Saurier, der in den Berghöhlen die Jahrtausende überlebt haben sollte, fein Unwesen. Jetzt kann man es in einem Kaffeehaus von Tarbes bewundern, wohin es von über hundert Jägern und einer Anzahl Gendarmen im Triumphzug gebracht worden ist. Die Leute drängen sich hinzu und überzeugen sich mit eigenen Augen, daß das schreckliche Untier, das man zur Erhöhung des Eindrucks mit Rinderblut bespritzt hat, ein Krokodil ist, aber kein vorgeschichllichs, sondern nur ein ausgefto^ftes. Und doch hatte es nicht nur das Dorf Ossun, wo man es zuerst gesehen hatte, sondern die ganze Gegend bis Tarbes in Angst und Schrek- ken versetzt. Einem Bauern war es zuerst an einem Waldrand erschienen, aufgerichtet und mit weit geöffnetem Rachen. Der Mann hatte Reißaus genommen, so schnell er konnte, aber man wollte die aufgeregte Schilderung von seinem schrecklichen Erlebnis zunächst nicht recht glauben. Einige Tage später waren zwei Frauen, die zusammen über eine Wiese gegangen waren, zu Tode erschreckt, weil sie das Ungeheuer an einem Dachufer erblickten. Jetzt schien die Sache schon glaubhafter, und man befragte die gelehrtesten Personen im Lande, die es nach langen Erörterungen doch für möglich hielten, daß es sich um einen Saurier der Urzeit handelte.
Da die Bewohner der ganzen Gegend von einer Panik ergriffen waren, beschloßen die Gendarmen, um der Sache auf den Grund zu kommen, eine Treibjagd zu veranstalten. Es war ihnen ein Leichtes, über hundert Jäger zusammenzubringen, di« froh waren, ihr Gewehr in der Schonzeit einmal zu gebrauchen. Mit größter Sorgfalt wurde die Treibjagd durch die Wälder und über Felder und Wiesen ausgefuhri. Dabei fiel auch mancher Schuß,
aber nicht das gefürchtete Untier fiel ihm zum Opfer, sondern mancher Hase und manches wilde Kaninchen, aber die Gendarmen schlossen die Augen gegenüber dieser Übertretung der Jagdgesetze, in Anerkennung des Mutes, den die Jäger bewiesen. Zwei Tage dauerte das Treiben, als plötzlich der Ruf erscholl: ,L)a ist es!" Man stand vor einem Gebüsch und sah halb versteckt ein verdächtiges Tier, das aber, auch als einige schossen, sich nicht bewegte, sondern wie versteinert dastand ,:nd den Rachen dauernd aufsperrte. Die Mutigsten gingen nun vorsichtig mit dem Gewehr im Anschlag näher, und als sie neben dem Tier standen, sahen sie, daß sie Opfer eines, wie man zugeben muß, sehr schlechten Scherzes waren. Jemand hatte anscheinend ein ausgestopftes Krokodil aus Afrika mitgebracht und es hier und dort in der Landschaft aufgestellt, um Ahnungslose zu erschrecken. Die Gendarmen suchen eifrig nach diesem „Spaßmacher".
Der Mann, der nicht friert.
B. Neuyork.
Viele werden den jungen Armenier Krikor Heke- mian beneiden, der in Amerika lebt und Vorführungen veranstaltet, die ihm den Titel „bie menschliche Robbe" verschafft haben. Auch das kälteste Wetter hat keine Wirkung auf ihn. Er entdeckte fein« Immunität gegen jeden Frostschaden rein zufällig, als er in einem strengen Winter in den Ontario-See fiel. Die Lufttemperatur war etwa 30 Grad Kälte, und seine Kleider waren wie Bretter gefroren, aber er empfand nicht das geringste Unbehagen dabei. So kam er auf den Gedanken, diese merkwürdige Eigenschaft seines Körpers zu Schaustellungen zu benutzen und damit Geld zu verdienen, und das gelang ihm sehr gut. Jetzt bezahlen Tausende wöchentlich dafür, zuzusehen, wie er nackt auf Eisbären sitzt und allerlei Dinge ausführt, bei denen den Zuschauern eine Gänsehaut überläuft. Mitten im Winter geht er, nur mit Badehosen bekleidet auf dem Eise spazieren, verzehrt Eisstücke mit größtem Behagen und schlagt sich schließlich ein Loch ins Eis, um ein Bad zu nehmen. Aeußerlich zeigt er dabei alle die Reaktionen, die man bei einem frierenden Menschen beobachtet; seine Haut wird ganz blau. Aber er lächelt dabei vergnügt, gibt Autogramme und sammelt unter ber Menge ein.


