Ausgabe 
3.6.1939
 
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Wandern und Reisen

ZrühliWsahrt an den Rhein

Nidda

Neuer Weg zum Lehrerberuf

Die an-

Möbelhaus fyjJd

i Bad-Salzhausen

Das nervenberuhigende Heilbad

Pouschol- «.Vergünstigung!kuren! Auskft. d. Hessische Badedirektion

Don karte)

Ort, dessen Man sah, Gassen, ein

Ge° Ab- auf- ah her-

Sol-, Lithium-, Schwefel- u. Stahlquellen Herz- u. Gefäßleiden Rheuma Erschöpfungszustände Katarrhe

Mannigfaltig sind die Ursachen, die im Laufe der geschichtlichen Entwicklung zu einem, Bevölke- rungsschwund auf dem platten Lande geführt haben. Die gewaltige Expansion der römischen Re­publik dezimierte buchstäblich die altitalische Bauernschaft; der Dreißigjährige Krieg schlug in Deutschland dem platten Lande schwerere Wunden als den besser geschätzten Städten. Der rationelle Gutsbetrieb, der sich im östlichen Deutsch­land seit dem sechzehnten Jahrhundert ausbildete, hatte zur Folge, daß die Zahl der Bauern und ständigen Arbeiter kleiner wurde, während zur gleichen Zeit in England der rasch um sich greifende Latifundienbesitz, oft verbunden mit der Verwandlung der Aeckcr in Wiesen und Werden, die agrare Bevölkerung den Städten zudrängte. Politische Gewaltakte, Landkonfiskationen und ein unglückliches Pachtsystem haben in Irland ein solches Massenelend entstehen lassen, daß im neun­zehnten Jahrhundert die besten Elemente scharen­weise nach den Vereinigten Staaten auswanderten. Die Gründe für den Bevölkerungsschwund waren in den angeführten Fällen verschieden, das Ergebnis jedoch blieb stets das gleiche: eine substanzielle Schwächung des Grundstockes der gesamten Bevöl­kerung mit ihren oft verhängnisvollen sozia­len, politischen und militärischen Wirkungen.

Die Landflucht ist eine relativ junge Ursache für die Entvölkerung des platten Landes. Wenn sich regelmäßig ein Menschenstrom vom Lande in die Stadt ergießt, so bedeutet das noch keine Land­flucht. Innerhalb gewisser Grenzen ist diese Erschei­nung durchaus normal; sie ist angesichts eines quel­lenden ländlichen Geburtenüberschusses sogar not­wendig. Diese Wanderbewegung hing aufs engste zusammen mit der gesamten Entwicklung im ver­gangenen Jahrhundert, und die großen europäischen Kulturstaaten zeigten ohne Ausnahme eine recht erhebliche Verschiebung in der Zusammensetzung der Bevölkerung zugunsten der schnell sich vergrößernden Städte, was an sich noch keinen Substanzverlust des Landes zu ergeben brauchte; nur in Frankreich mit seiner stagnierenden Volksziffer sank der agrare Anteil auch absolut in bedrohlicher Weise. Von einer

Von Walter Henkels.

Moment mal! Wie hieß der kleine Name auf dem Bahnhofsschild stand?

Volksliedern vorkommen.

In einer Stunde wurde nun die Frühlings- reife an den Rhein beschlossen... Der Dampfer, Ostmark" heißt er diesmal, hat uns mit einem Schwarm reisehungriger Menschen an Bord genom­men und beschert uns nun ein einziges Fest. Immer tut sich das Land anders auf, immer ist Bewegung in den Ufern. Manche Prise guten, reinen Wasser­duft trägt uns der Wind an Deck. Unterdes, das ist das Schöne, kann man auf dem Schiff wandern, vom Bug zum Heck, vom Oberdeck in den Speise­saal. Wo soll man aussteigen, wenn es von Köln oder Bonn rheinaufwärts geht? Jede Landebrücke ist eine Einladung, jeder Ort eine neue Lockung. Koblenz ist der Prolog zu den wundervollsten Fahr­ten ins Blaue. Da stellt man erst im Weindorf fest, daß ein blumigesMiferäbelchen" Moselwein heute das Richtige ist. Da kommt schon Geruch be­grünter Wälder herunter. Die Heimlichkeiten des Hunsrücks und der Eifel find n-ahe. Oben in den Bergen singt der Pfingstvogel, der Pirol, seine Arie. Und über dem schönen Tal der Nahe, über den Bädern Kreuznach und Münster am Stein, steht klar und feierlich der Himmel.

Der Frühling hat auch das mächtige Land der Eifel bis drüben nach Trier und Aachen mit Blüten bekränzt. Schon beginnen auf den Hochebenen die Goldbecher des Ginsters zu blühen, schon treiben die Düfte auf gebrochener Aecker über die Fluren, lieber« all sind die Täler in Aufruhr. Der Eifel verwandt, aber näher dem Frühling, ist das Ahrtal, das schon längst voll erwacht ist. In Bad Neuenahr hat sich schon die Kurkapelle nach draußen gewagt.

Und auch die Lieblichkeit des Siegtales und des rheinischen Westerwaldes wird das Herz lachen machen. So sehr auch der Kraftwagen an alle Orte herankommt, die Atmosphäre und die Innigkeit der Landschaft erschließen sich am schönsten und ein­dringlichsten dem Wanderer, der sich freifid) auf die Strumpfe machen muß, wenn er dem Herzen alle Wunder dieser weiten Welt näherbringen will. Man müßte Siebenmellenstiesel besitzen, dieser pfingst­lichen Landschaft um den Strom an einem ober zwei Tagen gerecht zu werden. Das Rheinland ist ein buntes, in seiner Vielfalt und Fülle bewegtes und gesegnetes Land.

Grttnberg. Die Sommerfrische an Wald und Wasser, malerisch am Fuße des Vogelsberges gelegen. Herrliche Spaziergänge in den Tälern, in prächtigen Tannen- und Laubwäldern, Ausflüge nach dem hohen Vogelsberg. Eisenbahnknotenpunkt. Gute Gaststätten. Großes Waldschwimmbad. Prospekt durch die Stadtverwaltung.

Lauterbach (Oberhemden), das idyllische Landstädtchen im lieblichen Tal der Lauter, am Hang des Vogelsberges, umgeben von weiten, stillen Buchen- und Tannenwäldern und von sanften Höhenzügen. Sommerfrische. Malerisches Alt-Lauterbach, Heimat­museum. Großer Stadtpark (30 Morgen). Mod. Freischwimmbad.

InWeltanschauung und Schule" wird über die ersten Erfolge einer Neuregelung der Lehrernach- wuchsftage berichtet. Zunächst wurde aus den Er­ziehern der Höheren Schulen und der Volksschulen, die sich bereits im Landjahr besonders bewährt haben, eine Mannschaft zusammengestellt. Gleich- , zeitig wurden aus den Volks- und Mittelschulen Preußens, sowie aus den Landjahrlagern 2200 Jungen den Aufbaulehrgängen zugeführt, die von dieser Mannschaft durchgeführt werden. Die Jungen, die den Aufbaulehrgang mit Erfolg durchlaufen haben, werden in eine Hochschule für Lehrer­bildung aufgenommen. In 21 neuen Schulen begannen die Lehrgänge ihre Arbeit in Preußen noch im Mai d. I. Damit Tiefen rund 100 Anfangs­klassen an, die im Laufe der nächsten Jahre zu ebensovielen eigenständigen Schulen ausgebaut wer­den. Die Länder Sachsen und Braunschweig haben

Landflucht wird erst zu reden fein, wenn der burtenüberschuß des platten Landes durch die Wanderung überkompensiert oder doch so weit gezehrt wird, daß ein fühlbarer Mangel bodenständigen Arbeitskräften

ihres Nachwuchsbedarfs entsprechend, folgen. In zwei Jahren sind die neu auf genommenen Mittel­schüler, in drei Jahren die aus dem Landjahr über­nommenen Jungen und in vier Jahren die heutigen Volks schiller für den 11 ebergang an bie Hochschule für Lehrerbildung bereit. Die Lehrgänge vermitteln eine der Höheren Schule gleichwerttge Ausbildung, ohne jedoch zunächst bas allgemeine Reifezeugnis biefer Schule zu erteilen. Sie werden im Rahmen der Formationser­ziehung burchgeführt. Die neuen Schulen find über fast alle Provinzen Preußens verteilt und liegen ausnahmslos in kleinen Städten. Es ist also möglich, begabte Jungen aus allen Schichten und aus allen Gegenden zu erfassen. Schüler und Lehrer tragen einheitliche Kleidung. Die Ausbildung und

Schwergewichte des Kapital- und Arbeitsangebotes nach der Seite des großgewerblichen Sektors, und damit nach den Städten, verlagern. Kleineigentümer, nachgeborene Söhne, ländliche Handwerker und Ar­beiter unterlagen mehr.und mehr der Verlockung, welche industrielle Gewinne und Löhne sowie die guten städtischen Aufstiegsmöglichkeiten auf sie aus- "übten. War das Ertragsgefälle für die Landwirt­schaft schon immer nachteilig, so verschlechterte sich nach dem Weltkriege die Kostenseite nicht unerheblich. Die industrielle Preislinie lag durchweg über der agraren: die Preisschere öffnete sich und hat sich bis heute nicht geschlossen.

Während frühere Jahrzehnte- die Landflucht in der Form eines Bevölkerungsverlustes kannten, tritt sie in neuerer Zeit in zunehmendem Maße als Flucht vor der ländlichen Arbeit auf. Die Menschen, die der mühevollen Landarbeit aus- weichen, bleiben zwar in der Heimat wohnen, aber sie suchen F a b r i k b e s ch ä f t i g u n g im Dorfe ober in der benachbarten Stadt, um so in den Genuß höherer Löhne und zugleich bequemerer so­wie kürzerer Arbeit zu kommen. Der mehr und mehr um sich greifende Pendelverkehr, besonders im dichtbesiedelten Westen, wo Stadt und Land gleich­sam ineinander stießen, ist ein beredtes Zeugnis für die Ausbreitung dieser modernen Fluchtform.

Wir haben in der Landflucht eine soziale Erschei­nung vor uns, deren Tempo immer rascher wird, je weiter sie fortschreitet. In dem Maße wie sich das Land von menschlichen Kräften entblößt, steigt (bei gleichbleibender Betriebsweise) die Arbeitslast der Zurückgebliebenen und damit die Gefahr weiteren Abzuges; Briefe und Erzählungen der Abgewan­derten tun das ihrige, den Prozeß zu beschleunigen. Daher der kräfttge, a n bie weibliche Land­jugend gerichtete Appell des Ministers Darr6 in Goslar,'die Bauersfrauen nicht im Stich zu lassen.

Was ist zu tun? Abgesehen davon, daß der Maschineneinsatz nicht immer rentabel ist und speziell in der Bauernwirtschaft seine bekannten Grenzen findet, bedeutet er in diesem Falle eher die Anpassung an die durch die Landflucht geschaf­fene Lage als deren Ueberroinbung. Diese ist das Ziel nationalsozialistischer Agrarpolitik, und solche Maßnahmen, der die Verwertung der agraren Erzeugnisse zu auskömm­lichen Preisen gewähren und insbesondere die Kosten feite ermäßigen (Preissenkung für Stickstoff und Kali!) verdienen daher den Vor­rang: zur wirtschaftlichen Existenzsicherung kommen noch andere Stützen von der sozialen Seite her (Schaffung von Aufstiegsmöglichkeiten, Nachwuchs­schulung, Bau von Wohnungen). Aber von der Stadt zum Lande besteht nicht nur ein Ertrags­und Lohngefälle, es gibt ein ebenso verführerisches zivilisatorisches Gefälle. Die städtischen 'Zerstreu­ungen" (ein bezeichnendes Wort) wirken auf die Menschen nicht minder anziehend als beffere Löhne und Gewinne, kürzere Arbeitszeit und leichtere Ar- i beit Die Erziehung zu den echten Wer- ; fen ländlichen Lebens zeigt sich heute, wie immer klarer gesehen wird, als eine ebenso wichtige i Aufgabe wie die Lösung der ökonomischen und sozia- 1 len Seite des Landfluchtproblems.

vom Zuge aus, in das Gewinkel enger Brünnlein war hineingestellt. An einem Haus stand Heimatmuseum". Man sah Fliederbüsche und Gold­regen ihre Blüten über Mäuerchen schütten, und aus einem altersgrauen Dach stieg ein Rauchwölkchen himmelan, lieber dem Städtchen kletterten Wein­berge bergan. Wenn wir an das Abteilfenster gin­gen, fiel der Blick auf das beglänzte Band des Stromes, der bis dicht an die Gleise herankam. Auf dem Strom, still und sicher vom Wasser ge­führt, schaufelte ein louriftenbampfer zu Berg. Backbord stand sein Name:Rheingold". Der Leser wird schon bemerkt haben, wo das Städtchen, das eben vorüberhuschte, liegt. Es war irgenbeins jener traulichen Nester am Mittelrhein, wie in den alten

Wanderfahrten.

Ulfa Friedrichshulle Hupperts- bürg Dillingen Hungen.

unserem Ausgangspunkt Nidda (Sonntags­leiten uns blaue Andreaskreuze auf guter

Erziehung zu den echten Werten

-es ländlichen Lebens.

Von Prof. Dr. E. v. Beckerath, Direktor des Siaaiswiffenschafflichen Seminars der Universität Köln.

Unterbringung ber Jungen in den Lehrgängen ist grundsätzlich kostenlos. Eltern, die die nötigen Mittel besitzen, werden zu den Derpflegungs- und Be­kleid ungskosten angemessen herangezogen.

Es war im Rahmen der Nachwuchsfrage not­wendig geworden, das Eingangstor zum Beruf des Lehrers zu verbreitern, ohne grundsätzlich auf die Hohe der Vorbildung zu verzichten. Von nun an wird der Lehrer in der Volksschule prüfend Umschau hatten, wen er für geeignet hält, den Beruf zu ergreifen, den er felber einst erwählt hat. Seine Meldung geht über den Rektor an den Schulrat, von diesem nach Benehmen mit dem Kreisleiter für besten Entscheidung bas HJ.- Dienstzeugnis wichttg^werden wird "an den Re­gierungspräsidenten. Schon bei ber ersten Melbung von Jungen im April b. I. konnte festgestellt wer­ben, daß durchaus keine Unlust besteht, sich dem Lehrerberuf zu widmen. Die in Aussicht genom­mene Zahl ber. Jungen wurde sogar noch über­schritten. Es erfolgt eine Eignungsprüfung in Musterungslagern. Die Kosten ber Mu­sterungslager trägt ber Stagt Im übrigen erfor­dert die neue Aufgabe einen Erziehertypus, der ihr gewachsen sein muh. Das erste Ausrichtelager zeigte bereits den Querschnitt durch das Erzieher­korps ber neuen Schulart: Studienräte und Bokks- jchullehrer, bie als ehemalige Landjahrerzieher über besondere Erfahrung in ber nationalsozialistischen Gemeinschaftserziehung verfügen, Assessoren unb

bereits den gleichen Aufbau begonnen.

deren Länder werden, ben Vorausberechnungen

(Srboltinflunb 9Ute Serpf?e9un9

v tVAtWy in den Sommerfrischen und Gaststätten der Heimat

vortritt. Und dieser Gefahrenpunkt wird heute nicht nur in Deutschland, sondern in allen Indu - strieländern erreicht, so daß auf dem letzten Reichsdallerntage in Goslar mit Recht von dem W e l t p r o b l e m der Landflucht" gesprochen wer­den konnte.

Was ist die spezifische Ursache der Landflucht? Ich glaube, in diesem Punkte herrscht eine seltene Einmütigkeit bei allen Beobachtern: Die tech­nisch-kapitalistische Entwicklung ver­gangener Jahrzehnte mit ihrer notwendig einseitigen Ausrichtung auf das Großgewerbe vernichtete das alte Gleichgewicht zwischen Industrie und Landwirtschaft. Zunehmende Erträge in ber Indu­strie, abnehmende in ber Landwirtschaft, dazu ber Preisdruck billiger überseeischer Zufuhren, mußten innerhalb eines liberalen Wirtsthaftsgefüges bie

Straße abwechselnd durch Wald und Feld nach Ulfa. Hinter dem Ort erschließen sich auf unserem Wege prächtige Ausblicke auf den Hohen Vogels­berg, auf die anmutig liegenden Dörfer Gonters­kirchen und Einartshausen und namentlich auf das, einer Wartburg ähnliche hochragende Stornfels, wcchrend in der Feme die Wetterau mit Burg Münzenberg, der Taunus und die Höhen des Westerwalds herübergrüßen. Nachdem uns wieder für ein großes Stück der Wald aufgenommen hat, gelangen wir nach der lieblich im Horlofftal gelege­nen Friedrichshütte, wo wir die blauen Kreuze verlassen und nunmehr ohne Zeichen auf roieberum aussichtsreicher Straße über das naheliegende Rup­pertsburg sowie über Dillingen unser Endziel Hun­gen erreichen. Dauer der Wanderung 4A Stunden.

Münchhausen Lhrisienberg Stirnhelle Cölbe.

Diese genußreiche Sßanberung beginnen wir, der besseren Bahnverbindung wegen, nicht, wie Üblich, in Cölbe, sondern in Münchhausen. Blaue Striche

leiten uns zunächst durch ein liebliches Tal an kleinen Waldweihern vorüber, in deren einem sich das Kirchlein des Christenbergs spiegelt, hinauf zu dem durch Sage und Geschichte geheiligten Chri­stenberg. Von dem alten Gemäuer, den lieber« regten einer ehemaligen Befestigung, bietet sich eine hübsche Aussicht dar. Wir statten dem alten Kirch­lein einen Besuch ab und können uns in der Küsterei erholen. Nunmehr folgen wir roten Kreu­zen, die uns, zumeist durch ben großen Burgwald über ben Sattelkopf und die Geiershohe, immerzu schöne Ausblicke gewährend, nach der Stirnhelle führen. Hier bietet sich nun ein überraschender Blick auf bas reizvoll gelegene Melnau mit seiner hoch­ragenden Burgruine, sowie bei klarer Luft auf den Dünsberg, Frauenberg, das Marburger Schloß unb ben Rimberg. Nach genügender Augenweide folgen wir roten Strichen durch viel Wald über die Schöne Aussicht, später durch die fo genannte Eidenharb mit hübschen Blicken in bas Lahntal nach unserem Endziel Cölbe. Wanderzeit 5A Stundem

Reisewinke.

Bad Salzschlirf.

Bad Salzschlirf, im Dolksmund basalte Gicht­bad" genannt, liegt in jenem Landschaftsgebiet von Kurhessen, bas wohl ben größten Liebreizvon allen deutschen Bergwäldern birgt. Die laute Welt endet an ben Hügeln um Fulda; dahinter öffnet sich be­reits das Kurbereich von Salzschlirf, wo Stofftvech,

Flak ein mörderisches Feuer. Don überall zuckt unb blitzt das Mündungsfeuer der Geschütze. In­zwischen Haden wir aber schon eine scharfe^ Links­kurve hinter uns unb fliegen, etwas angedrückt mit großer Geschwindigkeit nationalem Gebiet zu. Jetzt kreuzen sich fünf oder sechs Scheinwerfer in einem Punkt. Nein, dort sind wir nicht mehr, auch bie da unten sehen dies bald ein, denn langsam erlischt ein Scheinwerfer nad) dem andern, das Flakfeuer ebbt ab, um bald ganz zu schweigen. Das nächtliche Schauspiel, grausig und doch schon, ist zu Ende. Still wie vorher, liegt Barcelona hinter uns. Nur vom Hafen her bringt roter Feuerschein. Tref­fer, in einem Schiff ober in einem Warenlager oder sonstwo. r

Lerida liegt schon hinter uns, bald tonnen wir schon das Drehfeuer von Saragossa erkennen. Froh gestimmt durch das gute Gelingen des ersten Flu­ges schmieden mir schon den nächsten Angriffsplan für den zweiten Einsatz, der um Mitternacht be­ginnen soll. Glatt geht die Landung vonstatten. Am Liegeplatz warten schon die Männer vom Boden­personal, ohne deren unermüdliche und Sorgfältige Arbeit, bei Regen und Kälte, bei Tag und Nacht die gesamte Fliegerei nie von solchen Erfolgen ge­krönt märe. Schon arbeiten sie roieber. Bomben werden eingehängt, Brennstoff wird aufgefüllt, Motoren werden nachgeschaut, Funk- unb Peilan­lagen werden überprüft. Wir selbst eilen zur Kan­tine, schnell wird eine Skizze angefertigt, Bornben- lage ein gezeichnet, bann geht's zum nächsten Feind­flug, zum nächsten Erfolg.

Ziel.Mehr nach links, noch mehr, gut", höre ich ihn im Mikrophon. Der Anflug beginnt.

Unter uns ist alles noch ruhig. Unheimlich ist diese Stille. Meine Bodenlafette habe ich ausge­fahren. Wie in einer Gondel hänge ich am Flug- zeugrumpf. Ich stiere nad) unten. Jeder Nerv ist angespannt. Teufel, jetzt ruft auch noch die Boden­funkstelle. Ohne nach dem Grund des Anrufes zu fragen, morse ich zurück:Schweigen, sind im An­flug". Noch höre ich den Beobachter sprechen:Fein nach links, gut", und kurz darauf schon:Achtung, Bomben fallen, Einschlag beobachten". An­gestrengt schaue ich ben fallenden Bomben nach unb fast scheint es, als ob mit ihnen auch ein Teil mei­ner Sjpanuung vom Körper fallen würde; ist doch mit dem Abwurf ber eigentliche Zweck unseres Fluges erfüllt. Jetzt ist die Letzte meinen Augen entschwunden. Aber das kennt man schon. Auch bei Tag ist es so. Man kennt auch die Strecke, um die man den Blick nach vorn verlegen muß, um kurze Zeit danach den Einschlag ber ersten Bombe sehen zu müssen. Ja, richtig, da auf der langge­streckten Mole flammt eine Feuersäule hoch, ge­mischt mit weißlichem Rauch, Dreck und Staub; und bann in regelmäßigen Abständen die übrigen 32 Bomben, Vernichtung, Zerstörung bringend.

Gerade mölde ich den ersten Einschlag, da blitzen sie a*id) schon auf; eins, zwei, sechs, elf, sechzehn Scheinwerfer, ihre unheimlich grellen Licht­bündel ruhig und gemächlich drehend unb schwen­kend, suchen sie den nächtlichen Himmel nach uns ab. Unb fast gleichzeitig mit ihnen eröffnet bie

Privat-Sommerfrische in ft&ön.öage d.Vogels- bergs, Höhenlage 460 Mtr., eig. Landwirtschaft, gut einger. Fremdenz.m.fl.Wass.,el.Licht u Bad,8Min. vom Hause eig. Badestelle mit Liegeplatz am grosiett See, gute Verpfleg, bei 4 Mahlz., 3.50 und 4- Mk.

Friedrich Jöckel, Hleder-Meoi. Bilbprosp.au fWrmscb.

selleiden, Gicht unb ©elentleiben. Neuralgien. Ischias und Herzleiden feit mehr denn hundert Jahren bekämpft werden. Bad Salzschlirf behielt den Wesenszug eines gediegenen Heilbades, doch es blieb zugleich durch Landschaftslage und Art des Kurgebietes ein durchaus idyllisches Bad, das in dieser seiner Eigenart viele Freunde gewann und von vorzüglichen Heilwirkungen berichten darf.

Spiel aus über 190 Freilichtbühnen.

In diesen Wochen beginnt in allen deutschen Gauen die Zeit ber Freilichtspiele, lieber 190 Frei­lichtbühnen zählt eine hübsch bebilderte Werbeschrift auf, die der Reichsbund der deutschen Freilicht- und Volksschauspiele für diesen Sommer herausgegeben hat. Man ersieht daraus, daß Sachsen mit 16 Frei­lichtbühnen an der Spitze ber deutschen Gaue steht. Auch ber Sudetengau erscheint hier guni ersten Male in ber Reihe der deutschen Freilichtspiele. Neben den eigentlichen Heimatspielen und Werken ber Klassiker bringen die deutschen Freilichtbühnen auch Stucke lebender Dichter, die meist alle in irgendeiner Beziehung zur deutschen Geschichte ober dem Volkstum stehen. Ein alphabetisches Verze.ch- nis der Spielorte reicht von Alsfeld bis Zwota.

Wie die Johannisberger Auslese" entstand.

Schloß Johannisberg im Rheingau hat einen großen Namen bei den Weinkunbigen. In Hellen Scharen strömen sie alljährlich nach bem Schloh- berge, wenn bie Johannisberger Versteigerung be­ginnt. Seinen heuttgen Ruf verbankt ber Johannis­berger Weinbau dem 18. Jahrhundert. Damals kam nach schlimmen Kriegsnöten bie Herrschaft in den Besitz der Abtei Fulda. Abt Konstantin ließ bie zerstörte Kirche durch einen der berühmten Bam­berger Dientzenhofer, von deren Kunst in Prag so manches herrliche Werk zeugt, wiederherstellen und ein Schloß von ihm erbauen. Auch der verfallene Weinbau wurde damals neu belebt In drei Jahren wurden 200 000 Reben edelster Sorten gepflanzt. Der Fürstabt zu Fulda selbst bestimmte den Beginn der Lese. Hielt der Hofkellermeister den Augenblick für günstig, so mußte er einen Korb mit Trauben durch einen reitenden Boten an ben hohen Herrn senden. Einmal erreichte ein solcher Retter bie Bischofsstab! sehr verspätet, ba er unterwegs schwer erkrankte. Als daher ber Befehl zum Lesebeginn in Johannisberg mit erheblicher Verzögerung an­langte, befürchtete man dort, daß die Trauben schon gelitten hätten. Gerade dieser Jahrgang aber er­wies sich als das Vollkommenste, was Johannis­berg jemals erreicht hatte. So wurde die Johannis» bergerAuslese" entdeckt, deren Rus sich rasch ver­breitete.

Referendare als geschlossene Einheit, verbunden durch den gleichen Dienst am gleichen Werk.

Kunst und Wissenschaft.

Der Shakespeare eigentlich gewesen ist ...

Der Stellvertretende Leiter ber Manuskriptabtei- lung im Britischen Museum in London, Dr Robin Flower, der eine Autorität auf dem Gebiete der Erforschung unb Festlegung alter Manuskripte ist, will jetzt bas Rätsel gelöst haben, wer Shake­speare eigentlich gewesen ist. An Hand dreier alter Manuskriptseiten aus einem Schauspiel, das Episoden aus bem Leben Sir Thomas Mores darstellt, will Dr. F l o w e r nach sorgfältiger Durch- leuchtung des Papiers unb Prüfung der Handschrift festgestellt haben, baß Shakespeare tatsächlich Shake­speare ist, unb baß sich hinter ihm nicht etwa Sir Francis Bacon verbirgt. Diesen- Forschungen kommt insofern erhöhte Bedeutung zu, als man im November vorigen Jahres in London bereits den Versuch gemacht hatte, eine Identität zwischen Shakespeare und Bacon zu beweisen. Zu diesem Zweck wollte man bas Grab Bacons in ber West- minfterabtei öffnen. Der Versuch mußte jedoch auf- gegeben werden, weil man ben Sarg nicht finbeji konnte. In England besteht eine Bacon-Gesellschaft, bie sich zur Aufgabe gesetzt hat, den Nachweis zu erbringen, daß Shakespeare tatsächlich Bacon war, unb bie die Ausgrabung auch tatsächlich veranlaßt hatte.

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29/30 - 'X.