Nr. 12? Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)3./4. Zuni 1959
Wehr und Waffen.
bedeutet die
deren Lösung die größte Bedeutung für die fünf«
nur
^Nervenschmerzen
Schmerzen und in hartnäckigen Fällen. Keine unangenehmen Nebenwirkungen! Keine Gewöhnung!In allenApoth.M 1.24.
bringt rasche Hilfe Togatt Es wirkt prompt schmerzlö- send, auch bei krampfhaften
zu eine>m kurzen Gefecht des Kapitäns Meyer mit den wieder aufgetauchten Kosaken kam. Am 11. Januar marschierten die Hessen mit der Alten Garde nach D i r f ch a u. Hier traf der Befehl des Großherzogs ein, daß Prinz Emil mit allen entbehrlichen Offizieren, den Fahnen und fünf Geschützen nach Darmstadt zurückzukehren habe und daß aus dem gesamten hessischen Kontingent nur ein Bataillon unter dem Befehl des Oberst von Schoenberg zu bilden sei. Die Bildung des -Bataillons geschah in der Werse, daß Major von Bouchenröder Kommandeur wurde, Kapitän Fresenius die 1. Kompanie (gebildet aus dem Garde-Füf.-Batl. mit 8 Offizieren 197 Mann), die 2. Kompanie (gebildet aus dem Leib-Füf.-Batl. mit 4 Offizieren 190 Mann) Kapitän Meyer, die 3. Kompanie (gebildet aus dem Leib-Gai^>e-Regiment mit 3 Offizieren 41 Mann) Kapitän von Rosenberg, die 4-Kompanie (gebildet aus dem Leib-Regt. mit 3 Offizieren 28 Mann) Kapitän Moter erhielt. Das Bataillon wurde mit neuen französischen Gewehren bewaffnet, die alten waren so schlecht, daß sie zerschlagen werden mußten. Am 13. Januar ging es weiter von Dirschau nach Stargard. Kapitän Meyer hatte mit seiner Kompanie die Nachhut. Die Kosaken bedrängten bald von allen Seiten die Kompanie, die in geschlossener Kolonne marschierte und nach Bedarf Front machte. Es kam zu einem Gefecht, das ebenso die unerschütterte Haltung der braven Mannschaften, die so Entsetzliches durchgemacht hatten, bewies, wie den Einfluß des hervorragenden. Kapitäns Meyer. Dieser ließ die mit Hurra anstürmenden Kosaken, ohne zu feuern, bis auf 60 Schritt heran, was diese so verwirrte, daß sie Halt machten und schließlich umkehrten. „Lacht sie aus, die Lause- wenzels!" ruft Kapitän Meyer. Und ein brausendes Gelächter folgt den Daoonjagenden. Wütend machen diese erneut Kehrt und reiten an, und wieder werden sie auf 50 Schritt herangelassen, ehe der Befehl zum Feuern erfolgt, das vernichtend wirkt und sie endgültig in die Flucht jagt. Kann es ein besseres Zeichen für die großartige Disziplin dieser braven Truppe und ihres heldenmütigen Führers geben?! Wir werden seinem Namen und seinen Taten noch oft begegnen. — Der Marsch der „Alten Garde" und der Hessen ging in den nächsten Tagen von Stargard nach Posen, fast immer unter dem Schutze der Nachhut des Kapitäns Meyer. In Pofen blieben die Truppen 20 Tage in Ruhe. Aber diese Ruhe brachte ihnen mehr Verluste, als die ganze letzte Zeit des Rückzuges. Denn nun zeigten
Wenn diese Betrachtungen auch nur einen gewissen Grad der Wahrscheinlichkeit in sich tragen, so scheint die Folgerung berechtigt, daß es Grenzschlachten wie im Jahre 1914 nicht mehr geben wird. Sind die Grenzen offen, so kann es zu sehr frühen Kämpfen motorisierter Einheiten kommen, die die Einleitung für weitere Kämpfe der Heeres- masfen bilden, d. h. zu Operationen, die sich jeder vorherigen Festlegung entziehen-, vielleicht auch zu schnellen Teilentscheidungen, wie sie im späteren Verlauf des Krieges kaum zu erwarten sind. Sind die Grenzen durch Befestigungen geschlossen, dann wird der Krieg mit einem Aufmarsch zur er-, ft e n großen Durchbruchsschlacht beginnen. Erst bann werden Operationen folgen, wie
halten lassen.
Den Krieg zur Luft schlagartig zu beginnen, ist weniger schwierig und wird in künftigen Kriegen die Regel sein. Da aber auch in der Zukunft Kriege nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel entstehen, sondern sich vorher der politische Horizont verdüstert, wird auch im Luftkriea jeder Angriff auf eine üor bereitete Abwehr treffen.
Ein Einfall von ß a n b ft r e i t f r ä f t e n , der dann wohl gleichzeitig ober doch kurz darauf erfolgen muß, birgt für die damit beauftragten Teile die Gefahr, einzeln geschlagen zu werben, ehe die Masse der Streitkräfte bereit und nachge-
Aufmarsch und Kriegsbeginn.
Don Hermann Foertsch,
Oberst des Generalstabes.
Jeder Deutsche steht heute in der großen Wehrgemeinschaft des Dritten Reiches und für jeden Deutschen ist es wichtig, die richtigen Vorstellungen über alles zu haben, was mit der Landesverteidigung zusammenhängt. , In diesem Sinne verdient das glänzend geschriebene Buch von Oberst Foertsch „Kriegskunst heute und morgen", Zeitgeschichte Verlag Wilhelm Andermann, Berlin, besondere Beachtung. Foertsch räumt mit seiner klaren Darstellung auch u. a. mit vielen Phantastereien auf, die sich an einen Aufmarsch und an einen Kriegsbeginn geknüpft haben.
Als freiwilliger deutscher Flieger über Barcelona
Don Feldwebel Henbald Huppert.
feiner Veteranen aus dem russischen Kriege, die unter Kapitän Meyer bei der „Alten Garde" Derblieben waren, begrüßen. Ihre Wiedervereinigung ge- schah am nächsten Tage (2. Mai) auf dem Schlachtfeld von Groß-Görschen. Es waren außer Kapitän Meyer noch die Leutnants Schmidt und Fels sowie 9 Unteroffiziere, 5 Spielleute, 16 Schützen und 48 Füsiliere, die auf beide Bataillone verteilt wurden und der jungen Mannschaft als Stütze und Vorbild bienten. Das zeigte sich sofort in der Schlacht bei Groß-Görschen, in der das neugebildete leichte Regiment eine sehr harte Feuertaufe erhielt, aber sich hervorragend schlug. Der Raum verbietet mir, näher auf die Schlacht selbst einzugehen, es genügt zu sagen, daß alle Angriffe des Regiments mit großer Tapferkeit siegreich durchgeführt wurden. Das erste Bataillon hatte 5 verwundete Offiziere (Kapitän von Schaeft'er, die Leutnants Westerweller, Aßrnus, Vogt und Schmidt), außerdem 12 Tote, 130 Verwundete und 100 Mann Vermißte. Dom II. Bataillon waren 4 Offiziere verwundet (Kapitän Meyer, Premier-Leutnant von Rothsmann und die Leutnants Graeff und Müller.) Ferner waren 6 Mann tot, 60 verwundet und 130 vermißt, d. h. in Gefangenschaft geraten. Denn Napoleon hatte zwar den Angriff der preußisch-rufsischen Armee abgeroie- fen, aber nicht gesiegt. Er folgte auch nur sehr langsam dem freiwillig ,zurückgehenden Gegner. Ueber das Verhalten der Hessen in der Schlacht meldete Prinz Emil dem Großherzog, „daß das Betragen vorzüglich der Füsilier-Bataillone (also des leichten Regiments) als ausgezeichnet zu rühmen sei", ein hohes Lob für die junge Truppe! An den nun folgenden Ereignissen, die am 21. Mai zur Schlacht bei Bautzen und wiederum zu einem „unent- schiedenen Siege" Napoleons führten, so daß dieser selbst den Verbündeten einen Waffenstillstand anbot, war das leichte Regiment nur mit den Beinen» d. h. durch zahllose Hin- und Hermärsckze beteiligt. Nach der Schlacht bei Bautzen marschierte es über Görlitz nach Haynau, wo das II. Bataillon Quartier bezog, während das I. nach Liegnitz weiterging und bis zum Ende des Waffenstillstandes dort verblieb. Dann wurde das Regiment in ein Lager bei Lüben verlegt, wo ein großer Ordens re gen feine Verdienste belohnte. 17 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften erhielten die französische Ehrenlegion und ebenso viele den hessischen Verdienstorden. Außerdem traf eine vom 17. Juni 1813 datierte Ordre des Grohherzogs ein, wonach in Anerkennung feiner großen Leistungen das provisorische leichte Infanterie-Regiment zu einem „wirklich en Regiment mit dem Namen Garde-Füsilier- Regiment" erhoben wurde. Seinen 125. Grim- bungstag haben wir im vorigen Jahre gefeiert!
(Schluß folgt.)
ziell angeordnete Mobilmachung Luftschutzkräfte bereitgehalten und Besatzungen der Grenzbefestigungen verstärkt werden können. Eine Kriegseröffnung durch UeberfaU hat nur dann wirklichen Sinn, wenn der Erfolg eines solchen Ueberfalls kriegsentscheidende Wirkungen hat. Er muß lohne n. Dazu sind aber doch wohl starke Kräfte nötig. Auch überfallartige Kriegseröffnuna eine istung, die zu Beginn des Krieges
Das Zahr 1813.
Das blutige Jahr 1812 mit der Vernichtung der „Großen Armee" Napoleons neigte sich seinem Ende zu. Die Reste der hessischen Truppen waren am 24. Dezember 1812 von Insterburg über Wehlay und Tapiau nach Königsberg marschiert und von da weiter nach Elbing, wo sie am 5. Januar 1813 eintrafen. Das provisorische leichte Infanterie-Regiment war durch zahlreiche Nachzügler aus die Stärke von 350 Mann angewachsen und voll in sich geschlossen, was man nur yoch non/inem Teil der „Alten Garde" behaupten konnte. Die sonstigen Verluste waren riesengroße! Fast alle Länder waren von ihnen betroffen, nach Napoleons Ansicht am wenigsten Frankreich. Denn als der Kaiser nach der Katastrophe von einem Minister auf die in Paris herrschende Unruhe hingewiesen wurde, erwiderte er schroff: „Was wollen die Pariser eigentlich? Von den 600 000 Mann, die ich in Rußland verloren habe, waren nur 30 000 Franzosen. Die übrigen waren Italiener, Dalmatier, Polen und — so fugte Rapoleon mit bösem Lächeln hinzu — vor allem Deutsche!" Ein Ausspruch, der, wenn er auch vielleicht nicht ganz zutraf — denn die Franzosen hatten bestimmt mehr als 30 000 Mann eingebußt — doch Har erkennen läßt, welche Opfer die Volker dem fremden Eroberer bringen mußten. Und leider blieb dieser Zustand zunächst noch weiter bestehen! Denn Napoleon hatte sofort nach seiner Rückkehr nach Paris erneut'mit großen Rüstungen begonnen, so daß niemand wagte, „wider den Stachel zu löcken". Zwar hatte am 30. Dezember 1812 der preußische General von P o r ck zu Tauroggen mit den Russen eine Konvention dzw. einen Waffenstillstand abgeschlossen, aber dieser war unter dein Druck der Franzosen vom Koma nicht anerkannt worden, so. daß der Frühlingssturm, jene Erhebung Preußens, erst mit dem Aufruf des Königs „An mein Volk" am 17. Marz 1813 zum Ausbruch kam. _ .. ,
Der Großherzog von Hessen war auch im Jahre 1813 noch gezwungen Napoleon Heeres- folge zu leisten. Er hatte inzwischen für seine fajt vom Erdboden verschwundenen Regimenter sagl1 reiche Ersatzmannschaften in der Heimat ausbilden lassen und sie nachgeschickt. Bis diese bei den Resten der hessischen Truppen eintrafen, verging indessen noch lange Zeit. Bis 9. Januar blieb -p r 1 n 3 Emil mit dem Rest der Brigade in Elbing und marschierte am 10. Januar nach Sommerau, wo cs
Die Durchführung des Aufmarsches ist abhängig von den Transportmitteln und den Verkehrslinien, die das Land durchziehen. Die Eisenbahnen nehmen dabei immer noch die erste Stelle ein. Mit zunehmender allgemeiner Motorisierung gewinnen die Straßen an Bedeutung. Kennzeichnend für Aufmärsche der Zukunft sind folgende Tatsachen: Die Luftwaffe ist sofort Derroenbunasbereit; sie kann ohne einen Aufmarsch bisheriger Art aus den Heimathäfen zur Wirkung gebracht werden. Motorisierte Verbände sind bei einigermaßen günstiger Friedensverteilung schnell an die Grenze zu werfen. Die Masse des Heeres aber ist so unbeweglich wie vor 50 Jahren. Sie bleibt auf den Eisenbahntransport angewiesen. Daraus ergibt sich, daß der Aufmarsch nicht mehr ein einheitlicher zeitlich enger Akt ist, der erst nach Ausfüllung der aktiven Einheiten von einem bestimmten Tage an läuft. Er zieht sich zeitlich mehr in die Länge und stellt sich auch dem Gegner nicht mehr wie noch vor 1914 als ein sicher zu berechnender Ablauf dar.
Die Möglichkeit der sofortigen Verwendung der Luftwaffe macht künftig Störungen des Aufmarsches wahrscheinlicher. Reibungen im Ablauf der Aufmarschbewegungen sind eher möglich und sicher zu erwarten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, - die Aufmarschpläne beweglicher und wendiger zu halten und von so starren Plänen abzugehen, wie sie für die Einleitung des Krieges 1914 bezeichnend waren. Die frühere Bereitschaft eines an motorisierten Kräften überlegenen Gegners kann ebenfalls eigene Pläne durchkreuzen. Deshalb ist Schnelligkeit des Aufmarsches mehr als je wichtiges Gebot. Aus dem gleichen Grunde wird der Aufmarsch möglichst dicht an die eigene Grenze zu legen sein.
In der ausländischen Literatur spielt die Frage nach der Einleitung kommender Kriege eine große Rolle. Man rechnet dort damit, daß der Krieg künftig ohne offizielle Kriegserklärung durch einen Ueb erfüll eingeleitet wird, lieber; fallartige Kriegseröffnungen sind durchaus keine Neuerscheinung. Der Gedanke wird nur durch die sofortige Kampfbereitschaft der Luftwaffe neu belebt. Zweck des Ueberfalls soll sein, den noch nicht kampfbereiten Feind in diesem Zustand geminderter Wehrfähigkeit zu treffen, feine Vorbereitungen zu stören, feinen Aufmarsch zu verzögern ober zu verhindern. Seine Ziele find demnach die kriegswichtige Industrie des Gegners, feine Verbindungen, Knotenpunkte, feine Streitkräfte, vor allem feine Luftwaffe. Ein folcher UeberfaU ist aber, fo verlockend und fo aussichtsreich er zuerst erscheint, doch n i ch t l e i ch t d u r ch z u s ü h r e n. Im allgemeinen wird einem Kriegsausbruch eine gewisse Spa n - n u n g s 3 c i t vorausgehen, in der auch ohne offi-
Es war am Samstag, 21. Januar 1939. Schon 28 Tage wütete der Kampf um Tarragona. Kilometer um Kilometer vom Boden der fruchtbarsten und am dichtesten bevölkerten Provinz Spaniens entrissen die Truppen Francos den roten Horden. 28 Tage schon unterstützten wir nationale Flieger mit drei und mehr Einsätzen täglich das Vorgehen der nationalen Infanterie in Ermangelung der schweren Artillerie. Unsere Erfolge waren schön, unser Geist und unser Wille unerschütterlich und fest, der gerechten und heiligen Sache zum Siege zu verhelfen. Dieser Geist und Wille strahlte auch jetzt aus den Augen all derer, die gerade eben vom letzten Tageseinsatz auf den Hasen von Barcelona zurückkehrten. Lange noch nach der Flugbesprechung durch den Staffelkapitän, in der alles besondere über den letzten Feindeinsatz besprochen wurde, sieht man Gruppen in lebhafte Gespräche vertieft. Hier werden nun alle Einzelheiten, die vorgefallen sind, zur Sprache gebracht. Ueber einen Tisch gebeugt, zeichnen die Beobachter auf einer schnell an gefertigt en Skizze die Bombenlage ein und tauschen die vor dem Abwurf gemachten Meßergebnisse untereinander aus. Dort, an einer Karte, teilt man sich die beobachteten Stellungen der roten Flak mit, die mal wieder aus allen Rohren geschossen hat. Und wieder eine andere Gruppe, es sind die Bordfunker, besprechen aufgetretene Schwierigkeiten beim Funkverkehr. Vorschläge werden gemacht, überprüft, um dann beim nächsten Feindflug an gewendet zu werden. Lange noch würden diese nützlichen und lehrreichen Unterhaltungen andauern, würde nicht der Diensthabende die baldige Heimfahrt zur Unterkunft an- sagen.
Doch nicht allen ist die wohlyerdiente Nachtruhe
Aus her Geschichte des alten Regiments 116
Von Generalmajor a. D. Hudols Mohr, Gießen.
fingen monoton ihr ehernes Lied. Jetzt bleibt mein Blick an einem bekannten Sternbild hängen. Und wie immer, wenn man den „Großen Wagen" sieht/ verlängere ich auch jetzt die Hintere Achse fünfmal. Ja, richtig, das ist der Nordstern. Viele Kilometer ■entfernt, ungefähr in dieser Richtung liegt die Heimat, liegt Deutschland, wo man heute am Samstag bei Spiel und Tanz, im Kino und Theater den grauen Alltag mit all seinen Lasten und Sorgen zu vergessen sucht.
Bei diesen Gedanken ertappe ich mich, als d i e Stimme des Beobachters im Mikrophon ertönt: „Peilung, Funkfeuer L, bitte". Weggewischt find alle Gedanken von vorhin. Peilrahmen ausfahren, Peilempfänger einschalten, Funkfeuer auf-, suchen; alles geht mechanisch. Sorgfältig mache ich die Peilung und melde: „Achtung, Peilung: Funkfeuer 1353 Grad". „Verstanden." Flugzeugführer 10 Grad weniger steuern, Funker nach zwei Minuten weitere Peilung, hört die Besatzung den Beobachter sprechen. Dann sind wir wieder auf dem richtigen Kurs. Bald liegt Tarragona unter uns. Viertausend Meter sind wir hoch. Sauer« st o f f m a s k e n werden aufgesetzt, denn noch müssen wir 800 Meter steigen und eine Höhenkrankheit für einen von uns über Feindgebiet wäre eine verdammt peinliche Angelegenheit. Inzwischen wird Kursänderung auf das Ziel gemacht; nur mangelhaft verdunkelt ist Barcelona schon jetzt einwandfrei zu erkennen. „Frontüberflug, Gefechtsstände besetzen", kommt vom Beobachter. Nun krabbelt der Bordmechaniker, der bis jetzt neben dem Flugzeugführer sah, seine vielen Anzeigeinstrumente prüfend und kontrollierend, durch den engen Raum zwischen den Bombenschächten an zu seinem Heckstand. Es ist sehr eng dahinten und so helfe ich ihm, den Fallschirm anlegen. Ich sehe noch, wie er die Trommeln aufs MG. setzt und entsichert und schon bewegt sich langsam der Drehkranz. Er sucht den Himmel ab nach feindlichen Nachtjägern.
Die vorgeschriebene Höhe, 4800 Meter, ist erreicht. „Gas wegnehmen, mit 3 m/sec bis auf 3200 Meter fallen, dann wieder Geradeausflug", befiehlt der Beobachter. Das Motorengeräusch wird jetzt um vieles geringer, die Auspufflammen, die bei normaler Drehzahl der Motoren als große, blaurote Flammen auch von unten deutlich zu erkennen sind, verschwinden. Man wird uns so nur schwer hören oder sehen, 3500, 3300, 3200 Meter meldet der Beobachter die für den Bombenabwurf entscheidenden Messungen. Hilfsziel suchen, Zeit stoppen, Abwurfgerät einstellen, dann wieder Blick aufs
politische Belastung, die zu 23egi kaum ins Gewicht fällt, bei Verlust des Krieges sich aber sehr ungünstig auswirken kann. Auch dieser Gedanke fordert stärksten Kräfteeinsatz, um eben den Verlust des Krieges zu vermeiden, indem man von vornherein gute Siegesbedingungen zu schaffen strebt. Die Vorbereitungen für so starke UeberfaUfräfte aber werden sich nur schwer geheirn-
Jnzwischeu war am 17. März die Kriegserklärung Preußens erfolgt. Die Preußen, die leider nur sehr langsam oorgingen, hatten am 11. März Berlin mit 15 000 Mann besetzt, und am 17. März war auch die Heeresabteilung des Generals Porck mit 21 000 Preußen dort eingetroffen. Napoleon aber war bereits viel stärker und stand den 69 000 Mann Verbündeten Ende April bei Lützen mit 120 000 gegenüber. Arn 2. Mai kam es zur Schlacht bei Groß-Görschen, an der auch das „provisorische leichte Infanterie-Regiment" tapferen Anteil hatte. Es war völlig neu aufgestellt worden. Aus zwei in Darmstadt und Gießen gebildeten Ergänzungs- Bataillonen, die nach Würzburg marschierten, bildete Oberst von Schonberg das neue Regiment dort am 1. März, das zur 39. Division Marchand des Korps Ney trat. (Diese Division setzte sich zusammen aus drei hessischen, zwei badischen Regimentern, einem Bataillon aus Frankfurt a. M., einem Regiment badischer und einem Regiment französischer Dragoner und aus je acht hessischen und badischen Geschützen.) Das I. Bataillon des Regiments befehligte Major von Bouchenröder. Die 1. Kompanie erhielt Kapitän von Schaeffer, die 2. Kapitän Fresenius, die 3. Premier-Leutnant Vogt, die 4. Kapitän Jesse. Kommandeur des II. Bataillons wurde Major von Karlsen. Dessen 1. Kompanie übernahm Kapitän Geyer, die 2. Premier-Leutnant von Rothsmann, die 3. Kapitän Wachter, die 4. Kapitän Lynker. Das Regiment war 25 Offiziere, 79 Unteroffiziere, 20 Spielleute, 1212 Schützen und Füsiliere stark. (Die Kompanien wurden damals noch nicht durchlaufend im Regiment numeriert.)
Unmittelbar nach seiner Neubildung setzte das Regiment mit der Division Marchand den Marsch über Berka, Weimar, Jena nach Weißenfels fort, wo Napoleon fein Hauptquartier hatte. Beim Durchmarsch durch diese Stadt konnte das Regiment dcn Rest
an den nackten Felsen empor. Die Eigenver - tänbigunasanlage, die ein Sprechen der einzelnen Besatzungsmitglieder untereinander erlaubt, ist in Ordnung. Aber nur die notwendigsten Worte werden gewechselt, um Tonhöhe und Laut- tärke zu wissen, in der gesprochen werden muß. Denn der Zielanflug verlangt eine eindeutige Der- tändigungsmöglichkeit. Jeder ist zuviel mit sich elbst beschäftigt. Die immer wieder anstürmenden Eindrücke sind neu und überwältigend.
Bodenoerbindung wurde gleich nach dem Start ausgenommen. Nun ruft die Bodenfunkstelle und ragt nach Neuigkeiten. Ich taste: „Alles in Ordnung"; „ok" kommt zurück. Wir verstehen uns. Stille wieder im Empfangsgerät. Nur die Motoren
sich erst die Folgen der großen Entbehrungen, der Kälte und des Hungers. Die Zahl der Kranken stieg beängstigend, fo daß beim Ausmarsch aus Posen am 12. Februar 1813 das hessische Bataillon noch zwei Kompanien zählte. Auch diese zwei wurden, als die Elbe erreicht war, zu einer einzigen Kompanie zusammengestellt, die nur noch 81 Köpfe stark war und unter dem Befehl des Kapitäns Meyer bei der „Alten Garde" verblieb. Alle übrigen Offiziere und Unteroffiziere wurden den über Würzburg anmarschierenden Ergänzungsmannschaften entgegengesandt. Am 26. März erreichten die Truppen über Schmargendorf südlich Berlin, in das bereits am 4. März russische Vortruppen eingerückt waren, Magdeburg, wo sich alle noch verwendbaren französischen Truppen sammelten. Bis hierher hatte der Rest der Hessen einen Marsch von 1250 Kilometer (Luftlinie) zurückgelegt! Und welchen Marsch!
beschieden. Zwei Besatzungen sind zum Nachtflug ei n geteilt, darunter auch diejeniae, der ich als Bordfunker angehöre. Noch einige Derbe, doch vom Herzen kommende Hals- und Beinbruchwünsche der nach Hause Fahrenden klingen an unser Ohr. Dann sind wir allein. Karten werden ausgebreitet, wir beginnen mit der Flugvorbereitung. Sie ist sehr wichtig, da erstens Einze 1 start vorgeschrieben ist, und zwar in solchen Zeitabständen, daß halbstündlich das Ziel, der Hafen von Barcelona, mit Bomben belegt wird, zweitens bei einem Nachtflug leicht die Möglichkeit besteht, mit Funknavigation arbeiten zu müssen. Das macht ein vorheriges Ausrechnen der zu bestimmten Zeiten zu erwartenden Peilergebnisse notwendig. Dann ist die Flugvorbereitung sehr wichtig, um alle Zweifel und Unsicherheiten, die während des Fluges auftreten können, unmöglich zu machen oder doch wenigstens schnellstens beheben xu können. Nur dann ist die zu einem einwandfreie» Zielanflug notwendige Sammlung vorhanden und ein Erfolg wird die Arbeit lohnen.
Der Uhrzeiger ist inzwischen beträchtlich nahe an 20 Uhr, der vorgeschriebenen Startzeit herange- rückt. Schnell noch die vor einem Start unentbehrliche Zigarette angezündet, dann humpeln wir, mit dicker Pelzbekleidung angezogen, zum Liegeplatz. „Maschine klar zum Nachtfeindflug!" meldet der erste Wart. Nochmaliges kurzes Ueberprüfen der Geräte durch die Besatzung, dann Punkt 20 Uhr erhebt sich das mit 1600 kg Bomben beladene Flugzeug vom Flugplatz Saragossa, lieber uns die Unendlichkeit, ein mit Tausend und aber Tausend funkelnden Sternen übersäter Himmel. Unter uns eine gebirgige Landschaft. Kahl und grau, in den Tälern schwimmt bläulicher Nebel und kriecht langsam
zurückgehen. Dann wird aber die Wirkung nicht sehr nachhaltig sein können. Die Sorge vor einer überfallartigen Kriegseröffnung ist großer als die Gefahr. Trotzdem ist aber die Frage der Abwehr eines Ueberfalls wohl zu prüfen. Frühzeitiger Einsatz der Luftschutzkräfte und Bereitschaft der Flieger- ja'gbfräfte wurde erwähnt. Eigene motorisierte Verbände müssen im Frieden dort untergebracht werden, wo etwa ein solcher UeberfaU und Einfall droht. Befestigte Zonen mit Dauerbesetzung und Vorbereitung strategischer Sperren sind weitere Sicherungsmaßnahmen. Die beste Parade ist aber auch hier der Hieb. So sieht man im Ausland den eigenen UeberfaU als die sicherste Abwehr des feindlichen an.
führt ist. Dieser Gefahr kann nur dadurch vorge- nen. Erst bann werden Operationen folgen, wie beugt werden, daß die EinfaUkräfte st a r k gemacht sie 1914 sofort einsetzten. Hier liegen viele Raffel, werden — damit die Ueberraschung erschwert — deren Lösung die größte Bede"-"-: **'- oder daß sie nach der ersten Wirkung schneU wieder tige Kriegführung haben wird.


