statt. Spielleitung Günter Wmkel. Bühnenbild: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 29. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30 Uhr, Ende nach 21.30 Uhr.
M-Woffliin M ßraft öarfl Sreuöe
Sportamt NSG. „Kraft durch Freude".
Vetr.: Sporlappell der Betriebe 1932.
Die Ausschreibungen und Sportordnung zum „Sportappell der Betriebe 1939" ist erschienen und zum Preise von 20 Pf., gesondert für Frauen und Männer, auf der Kartenverkaufsstelle, Seltersweg 60, zu erhalten. 3231D
Meldungen zur Teilnahme sind an das Sportamt zu richten, wie auch alle Betriebe über die Durchführungsbedingungen dort Auskunft erhalten.
Reichssieger des RBWK.
aus unserer engeren Heimat.
Der 20 Jahre alte Karl Otto B u r h e n n e aus Gießen, der gegenwärtig in einem Früchteverwer- tunasbetrieb in Elsenfeld (Gau Mainfranken) beschäftigt ist, konnte im Reichsberuf^wettkampf in seinem Fachgebiet als Süßmoster Reichssieger werden.
Gott hold Schönwandt aus Nordeck bei Gießen, der im vorigen Fahre beim Reichsberufs- Wettkampf Reichssieger im Fachgebiet Metallhandarbeiten wurde, ist auch diesesmal wieder in diesem Fache Reichssieger geworden. Der junge Mann ist jetzt in München beim Studium an der Technischen Hochschule, das ihm von der Deutschen Arbeitsfront auf Grund seines vorjährigen Reichssieges ermöglicht wurde.
Wiedersehensfeier
in der Langemarckschule Gießen.
Sechs Jahre AE>V.
Gewaltige Leistungen im Dienste des Volkes. — Imponierende Zahlen im Gau Hessen-Nassau.
NSG. Am 3. Mai jährt es sich zum sechsten Male, das die NS.-Dolkswohlfahrt vom Führer als Organisation innerhalb der Partei für das Reich anerkannt wurde. Einst nur dazu bestimmt, überall dort einzugreifen, wo Kämpfer der Bewegung oder deren Angehörigen m bittere Not geraten waren, hat sie diese Arbeit feit 1933 auf das ganze deutsche Volk ausgedehnt und darüber hin- aus längst Aufgaben in Angriff genommen, die nicht, wie das Winterhilfswerk, die Beseitigung augenblicklicher Not, sondern Wohlfahrtsarbeiten ganz umfassender Art zum Ziele hoben.
Die NS.-Dolkswohlfahrt hat im Gau Hessen- Nossau rund eine halbe Mjllion Mitglieder, deren Beiträge zusammen mit den großen und kleinen Spenden ungezählter Volksgenossen es möglich ge- macht haben, daß in unserem Gau auf dem Gebiet der Wohlfahrtpflege hervorragendes geleistet wer- den konnte. Beispielsweise wurden 1264 Hilfsstellen „Mutter und Kind" eingerichtet, sechs weiträumige Anwesen in klimatisch günstigen Gegenden unseres Gaues wurden als Müttererholungsheime erworben, die allein im Fahre 1938 über 2000 Müttern Erholung gaben. Weiterhin wurden seit 1934 zwei Kleinkinderheime, sechs Kinderheime und ein Kna- benübungslager eingerichtet, teilweise sogar neu erbaut. 1938 waren in diesen Heimen 2700 Klein- und Schulkinder für mehrere Wochen untergebracht. Außerdem werden heute schon über 360 NSD.» Kindergärten und 100 sogenannte Spielrinae in un- serem Gau unterhalten. Rund 15 000 Kinder werden dort laufend betreut. Der Gau Hessen-Nassau hat 1938 außerdem 16 000 Kinder durch die Kinderlandverschickung und über 6000 Urlauber der Hitler-
Freiplatzspende als Gäste ausgenommen. Es bestehen im Gau Hessen-Nassau 100 Gemeinüe- schwesternstationen der NS.-Schwesternschaft. 10 Krankenhäusern find mit 239 NS.-Schwestern und Schwestern des Reichsbundes der Freien Schwestern und Helferinnen, der ebenfalls der NS.- Dolkswohlfährt angeschlossen ist, besetzt. Taufende von Anträgen auf Heilverschickung müssen geprüft, und für etwa 509 davon müssen Kuren oder Heilverfahren möglich gemacht werden. Von befonderer Bedeutung ist auch die Einrichtung des Ernährungshilfswerkes, das heute schon 70 größere und ffeinere Mästereien in unserem Gau in Betrieb hat. 9000 Schweine liegen laufend auf Mast, und 8 bis 10 000 Familien können heute schon ihren täglichen Bedarf an Schweinefleisch durch das Ern -rungs- Hilfswerk decken. Zohlen des Winterhilfsw.rkes bedürfen wohl keiner besonderen Erwähnung mehr. Die hierfür im Gau Hessen-Nassau aufgewendeten Beträge gehen in die Millionen!
Es sind nur wenige Zahlen, die hier angeführt werden können, und sie geben nur einen kleinen Ausschnitt aus der Gesamtarbeit der NS.-Volks- wohlfährt, die als Wahrer vor den ewigen Rechten und Pflichten unseres Volkes steht. Nur sechs Fahre find vergangen feit ihrem Bestehen, aber es ist mehr geleistet worben, als man je zuvor von irgendeiner Stelle auch nur in Jahrzehnten billigerweise hätte erwarten können. Die NSV. kann also wie überall im Reich auch in unserem Gau an ihrem Geburtstag voll Stolz auf die von ihr geleistete Arbeit zurückblicken, die ausschließlich dem Wohle des Volkes dient.
Fn dem Bericht der Langemarckschule über das Schuljahr 1938/39 lieft man: „Zur Pflege der Tradition und zur Anregung und Förderung steten und ununterbrochenen Austausches zwischen ehemaliger Schülerschaft und Schule gedenkt die Schule, in Zukunft ihren ehemaligen Abiturienten am Tage der goldenen (50.) Maturitas nicht nur wie seither ihre Glückwünsche zu übersenden, sondern ihnen als Zeichen unverlierbarer Zusammengehörigkeit in einer künstlerisch ousgestatteten Urkunde das Zeugnis der Reife zu erneuern." Diese Auszeichnung erhielten zum ersten Male acht Herren von 19 Abiturienten des Jahrgangs 1889 am 14. März d. I., am ehemaligen Tage der Reifeprüfung.
Diese acht Getreuen konnten nun den an diesem erinnerungsreichen Tage geplanten Besuch der Schule erjt am gestrigen 2. Mai ausführen. Ihnen zu Ehren fand um 12 Uhr im Schulhofe in Anwesenheit sämtlicher Lehrer und Schüler eine schlichte Wiedersehensfeier statt. Oberstudiendirektor A n g e l d e r g e r hob in einer herzlichen Begrü- hungsanspräche hervor, daß innere Gründe, die hohen Ideale Liebe, Dankbarkeit und Treue gegen die Schule und innige gegenseitige Kameradschaft, die Fudilare zum Besuch der Musenstadt und der Schule bestimmt hätten. Zum Schluß mahnte der Schulleiter die Fugend, den Alten in den Leistungen und Erfolgen im Leben und in der goldenen Treue nachzueifem. Der Schülerchor umrahmte die eindrucksvolle Feier mit würdigen Gesängen.
Die Namen der Jubilar« sind: Oberstudienrat i. R. Professor Dr. Biedenkopf, Gewerberat i.R. Otto Diefenbach, Direktor i. R. Dr. Karl Dietz, Oberstudiendirektor i. R. Oekonomierat Heinrich Fuhr, Direktor i. R. Dr. Oskar Jonas, Professor Dr. Wilhelm Lorch, Oberveterinärrat Dr. Albert Scheibe!, Direktor i. R. Dipl.-Fng. Otto Lenz.
(Sauwonberfag im Vogelsberg.
NSG. In Schotten findet am 18. Mai der Gauwandertag der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" statt. Aus zahlreichen Kreisen des Gaues Hessen-Nassau kommen zu ihm Wanderer-
Sonderzüge. Einer großen Zahl von Volksgenossen des Rhein-Main-Gebietes werden so die Schönheiten des Dogelsberges erschlossen.
Aus den Wanderer-Organisationen.
Der Gesamt-Oberhessische Gebirgsverein veranstaltet am 18. Mai (Himmelfahrt) seine diesjährige Sternwanderung nach dem Frauenberg bei Marburg. Die Jahresversammlung des OHGV. findet am 1. und 2. Juli in Homberg an der Ohm statt. Mit der Hauptversammlung ist die 45-Jahrfeier des OHGV. verbunden. An beiden Veranstaltungen wird sich der Zweigverein Gießen des OHGV. beteiligen.
Die diesjährige Haupttagung des Vogelsberger Höhen-Clubs, die für den 3.Z4. Juni vorgesehen war, ist wegen des Gauparteitags auf den 10. und 11. Juni verlegt worden. Sie findet auf dem Hohe- rodstopf statt.
Semestereröffnungsappell der Fachgruppe Medizin.
Die Fachgruppe Medizin der Studentenführung Universität Gießen begann ihre Semesterarbeit mit einem Appell sämtlicher Medizinstudenten im großen Hörsaal des Physiologischen Instituts.
Der Leiter der Fachgruppe Medizin, cand. med. W. Stumpf, bemühte zu Beginn des Semesters alle Kameraden und Kameradinnen sowie besonders diejenigen, die nach Ableistung ihrer Dienstpflicht zum ersten Male die Hochschule besuchen. Er machte bann einige Ausführungen über die neue medizinische Studienordnung, insbesondere über die Ausführung der Pflichtfamulatur und das praktische Fahr.
Dann sprach der Leiter des Amtes für Volksgesundheit, Pg. Dr. Sch I i e m a n n , über die Führung des jungen Medizinstudenten durch den NS.-Aerzte- bund. Er führte etwa folgendes aus: Die neue medizinische Studienordnung zeigt ganz klar, wo die Ziele der Gesundheitsführung liegen. Früher war es fast die einzige Ausgabe des Arztes, Kranke zu heilen. Heute darf sich der Arzt damit nicht mehr beschränken. Er muß hinausgehen in den Betrieb,
ins Bergwerk oder zu dem Bauern aufs Land. Fn persönlichem Kontakt mit dem Arbeiter muß er dessen Arbeit und ßebensbebingungen kennenlernen. Nur so wird der Arzt wirklich gesundheitsführend tätig sein können. Für den jungen Mediziner ergeben sich daraus eine Menge von Folgerungen. Er muß sich bereits während seines Studiums die Kenntnisse an eignen, die ihn nach Abschluß des Studiums befähigen, an der Gesunderhaltung des deutschen Menschen tätig mit^uarbeiten. Im kommenden Semester werden sich deshalb verschiedene Arbeitsgemeinschaften junger Mediziner mit den brennenden Tagesfragen beschäftigen. Unter Leitung des Amtes für Volksgesundheit werden sie durch Betriebe gehen und dort bei dem Arbeiter an der Maschine sehen, wo ihn der Schuh drückt. Auf diese Weise bekommen sie einen lebendigen Einblick in das Getriebe der Arbeit und der Dolksgesundheits- pflege. Andere Gruppen werden hinausaehen in unseren oberhessischen Raum und an Hand umfassender Unterlagen eine große Ernährungskarte auf« stellen, damit wir Einblick erhalten in die Ernäh- rungsaewohnheiten in verschiedenen Gegenden Deutschlands. Dann ist es auch immer möglich, dem einzelnen Volksgenossen eine seiner Gewohnheit angepaßte Ernährung zu gewährleisten. Pg. Dr. Schliemann schloß mit dem Worte des Führers: „Meine ganze Arbeit ist umsonst, wenn ihr deutschen Aerzte mir mein deutsches Volk nicht gesund erhaltet." Reicher Beifall dankte diesen treffenden Ausführungen.
Außer diesen Arbeitsgemeinschaften wird die HJ- Arbeitsgemeinschaft der Fachgruppe Medizin sich mit den Leistungsgrenzen Jugendlicher beschäftigen. Die Unterlagen zu dieser Arbeit wurden bereits im vergangenen Semester erhoben.
Mitgliederversammlung
im Sanitätsverein Gießen.
Fm großen Saal des „Burghof" hielt der Sanitätsverein Gießen, Krankenversicherungsverein a. G., seine diesjährige Mitgliederversammlung ab. Aus idem Geschäftsbericht des Vorstandes, den der Vor
sitzende Simon erstattete, war iu ersehen, daß der Verein sich sehr gut entwickelt hat. Der Kassenbericht zeigte eine gute Geschäftslage. Der Reservefonds beträgt 16 504 Mark. Die Einnahmen und Ausgaben gleichen sich mit 36 008 Mark aus. Für Arzt, Apotheke, sonstige Heilmittel, Krankenhaus- behandlung und Sterbegeld wurden 18 952,90 Mark an die Mitglieder vergütet, Die persönlichen 23er« waltungskosten betrugen nur 3,5 v H. der Einnahmen. Das Vermögen des Vereins ist in Reichsschatz- anweisungen und Reichsanleihen angelegt und damit eine vorbildliche Tat für die Aufbauarbeit des Führers gegeben. An der Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft beteiligte sich der Verein wie im Vorjahre. Der Bericht des Aufsichtsrates, der von dessen Vorsitzenden Fleischmann gegeben wurde, zeigte, daß alles vorzüglich geleitet wird. Vorstand und Aufsichtsrat wurde einstimmig Entlastung erteilt und der Dank der Versammlung für die ehren- amtNche Tätigkeit ausgesprochen. Die Wahlen in den Aufsichtsrat ergaben die einstimmige Wieder-
Barometer und Schuhpflege. Es ist falsch, sich mit der Schuhpflege nach dem Barometer zu richten. Schuhe müssen bei jedem Wetter regelmäßig mit Erdal gepflegt werden. Das Leder braucht Erdal, um weich und geschmeidig zu bleiben. Mit Erdal gepflegte Schuhe halten länger und bleiben länger schön. 1MaV
wähl der Herren Karl Schneider und August Köhler. Nach kleiner Aenderung der Satzung und Erhöhung der Vergütung für Arznei, die ohne Beitragserhöhung eingeführt wird, kam man zu dem Beschluß, in diesem Fahre im Juli oder August wieder einen Ausflug zu veranstalten. Nach Erledigung verschiedener weiterer Dereinsangelegen- heiten wurde die Mitgliederversammlung mit einem Gelöbnis für Führer und Reich geschlossen.
Zagdgebrauchshundverein Oberheffen.
Der Jagdgebrauchshundverein Oberhessen hielt am Samstag in Revieren bei Gießen seine diesjährige Verbandsjugendprüfung in Gemeinschaft mit der Landesgruppe Hessen der Fachschaft Deutsch- Drahthaar ab und versammelte dabei auch seine zahlreich als Führer, Richter oder Zuschauer erschienenen Mitglieder zu seiner Jahreshauptversammlung.
Der Jahresbericht des Dereinsobmannes August Pascoe (Dutenhofen) ergab das Bild eines in der Geschichte der jagdkynologischen Vereine Deutschlands einzigartigen Aufstieges. Gelang es doch innerhalb eines Jahres, die Mitgliederzahl von rund 100 auf 375 am Berichtstage zu steigern und den Verein an die vierte Stelle im Reich unter allen gleichartigen Vereinen rücken zu lassen. Dieses Wachstum ist der äußere Ausdruck dafür, daß die Jäger Oberhessens erkannt haben, daß eine weidmännische Jagdausübung unter den hiesigen jagdlichen Verhältnissen ohne den vielseitigen Gebrauchs- hund nicht möglich ist. Dieser Hund kann aber dem Jäger nur zur Verfügung gestellt werden, wenn immer und immer wieder auf Anlage- und Gebrauchsprüfungen das Beste herausgelesen und der Zucht zur Verfügung gestellt wird. Darin sieht der Verein seine Hauptaufgabe. Die zweite, nicht minder wichtige ist die Heranbildung von wirklichen Führern, weil auch der beste Hund in der Hand eines unverständigen Führers nur ein Stümper bleibt. Um diese Aufgaben bewältigen zu können, ist die Mitarbeit aller Jäger nötig; daher schloß der Bericht mit der Mahnung, nicht lockerzulasfen in der Werbung, bis auch der letzte oderhessische Weidmann seine Verpflichtung zur Mitarbeit erkennt.
Der von dem Schatzmeister, Bankdirektor Zelt- mann (Gießen), erstattete Jahresbericht ergab ein Bild geordneter Finanzverhältnisse und der Möglichkeit, bereits heute praktische Arbeiten im Sinne der Zielsetzung leisten zu können.
Für das Jahr 1939 sind, wie der Obmann mitteilte, vorgesehen: Außer der Derbandsjuaendprü- fung eine Prüfung in Schleppen-, Wasser- und Schweißarbeit, eine Verbandsgebrauchsprüfung und eine Verlorenbringerprüfung auf natürlicher Wund- spur. Ferner besteht die Absicht, Prüfungen von Stöber- und Erdhunden ideell und materiell zu un-
Eine Frau mit Herz
Roman von Hedda Lindner
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin
17 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Mikeny hatte sie auf den ersten Blick erkannt. In der Pause war er auf sie zu gekommen und hatte sie in der Haltung der vollendeten Kavaliers begrüßt. Er war reifer geworden seit ihrem letzten Zusam- mentreffen, aber er hatte nichts von seinem Scharm eingebüßt. Margit war nicht Menschenkennerin genug, die feinen Runen in dem schönen Gesicht zu deuten, sie fand nur, daß die paar Fältchen ihn Zwar etwas älter, aber zugleich auch interessant erscheinen ließen.
Er setzte sich zu ihr, und kaum hatten sie die ersten Begrüßungssätze gewechselt, da platzte Margit schon nut ihrer Neuigkeit heraus: „Wissen Sie, daß Dina eine Millionenerbschast gemacht hat?" — (Unter dem tat es Margit nicht, obwohl sie von der Summe keine Ahnung hatte.)
„Dina? Ist nicht möglich! Woher denn?"
„Von einer uralten Großtante, von der sie selbst keine Ahnung hatte und die im übrigen ebenso gut meine Großtante ist."
„Haben Sie denn nicht mitgeerbt?"
„Nichts. Und eigentlich sind Sie schuld daran", sagte Margit, der letzt e-tn neuer Gedanke kam.
Er schaute sie erstaunt an, begriff nicht. „Ich?" ,.Fa. Sie! Weil Dina sich von Ihnen scheiden lassen mußte, hat die Alte ihr aus Mitgefühl das Geld vermacht. Eigentlich müßten Sie von ihr Prozente fricaen , lachte sie.
„Hamit würde Dina kaum einverstanden sein", gab er ebenso lachend zurück, „sie will von mir nichts mehr wissen."
In Margit keimte ein Gedanke auf. Sie mar überzeugt davon, daß Dina mit ihrem früheren Manne noch nicht fertig war, ihr Verhalten im EafL bei seiner Erwähnung war Margit noch deutlich in Erinnerung. Sie wußte ferner, daß er Dinas kleines Vermögen verspielt hatte und sie dadurch gezwungen war, nach der Scheidung für ihren Unterhalt zu arbeiten. Spieler bleibt Spieler, es war kaum anzunehmen, daß er sich geändert hatte.
„Spielen Sie eigentlich noch", fragte sie mit ge- wohnter Ungeniertheit. Er sah sie verblüfft an, diese Antwort auf seine letzte Bemerkung wußte er nicht recht zu deuten. Andererseits hatte er keine Veranlassung, eine Ausrede zu ersinden.
„Doch, manchmal. In der letzten Zeit sogar meist mit Glück", gestand er lächelnd, .Hoffentlich wollen
Sie mir nun nicht erzählen, daß Spielen ein Laster | ist."
„Sie wissen, predigen liegt mir nicht", sagte Mar- St ebenfalls lächelnd. „Ich fragte auch nur, weil ina es mißbilligen wird."
„Es wird sie kaum noch interessieren", meinte er gleichmütig. Man merkte ihm an, daß für ihn das Kapitel dieser Ehe völlig abgeschlossen war.
Das paßte aber keineswegs in den Plan, der in Margit langsam Gestalt gewann, den Plan, Dina wieder mit ihrem früheren Mann zusammenzubrin- gen. Dann kam das Geld, das eigentlich ihr gehörte — dieser Gedanke wurde allmählich zur fixen Idee — wenigstens einem Menschen zugute, den sie leiden mochte und der — hier zuckte ein böses Lächeln um ihre sorgfältig gemalten Lippen — auch damit rasch genug fertig werden würde. Dann war sie auf eine unentdeckbare Weise gerächt. Außerdem konnte sie sich mit der Glorie des versöhnenden Engels umgeben. Solch eine Komödie war ganz nach ihrem Geschmack — oh — sie würde ihre Rolle vollendet spielen und gleichzeitig Regie führen.
„Das würde ich nicht so ohne weiteres behaupten", sagte sie auf seine letzte Bemerkung über Dinas Uninteressiertheit. „Ich habe eher ...", sie stockte scheinbar verlegen.
Sie hatte richtig gerechnet; ihr Zögern wecktt seine Neugierde.
„Sie wollen doch nicht bestreiten, daß Dina mich haßt. Grund genug habe ich ihr schließlich gegeben", fügte er in einer Anwandlung von Aufrichtigkeit hinzu.
Sie spielte gedankenvoll mit ihrer Zigarette. „Hassen — vielleicht! — Aber Sie wissen ja, Haß und Liebe sind Geschwisterkinder." Das war zwar nicht mehr ganz neu, aber richtig vorgetragen wirkte es immer noch, und Margit war Meisterin im Vortrag von Gemeinplätzen.
In ihm regte sich die geschmeichelte Eitelkeit. „Meinen Sie tatsächlich?" fragte er mit erwachendem Interesse.
Noch genau so einaebilbet wie früher, dachte sie und schlug mit einem seelenvollen Blick die Augen zu ihm aus. „Sie müssen mich richtig verstehen, Mikeny", sagte sie sanft „Ich will mich nicht in Dinns Angelegenheiten mischen. Aber anderseits — ich bin Ihre einzige Verwandte und möchte sie natürlich gern glücklich sehen. Und ich habe seit langem den Eindruck, daß sie ihre Scheidung doch — wie soll ich sagen — als übereilt empfunden hat."
„Das war es auch. So hätte sie sich nicht gleich zu haben brauchen." Er war ganz gekränkte Unschuld. „Ich bin immer sehr nett zu ihr gewesen."
„Sicher sind Sie das. Und sie hat es sich wohl auch selbst gesagt — als cs zu spät war. Aber dick- köpfig war sie schon als Kind, das heißt, jetzt hat sie
sich sehr zu ihrem Vorteil verändert", sagte Margit eilig. „Die Millionen sind ihr ausgezeichnet bekommen."
„Tatsächlich Millionen?? —"
„Die Alte mar immens reich. Denken Sie, Mikeny, was das für ein Witz märe: Dina bekommt erst das Geld, weil sie sich von Ihnen scheiden ließ — und Sie heiraten sie dann roieber!" Sie lackste schallend auf.
„Da könnte man wirklich sagen — nicht im Sinne der Verstorbenen — aber die Gefahr ist nicht groß", meinte er, „da ich Dina wohl kaum begegnen werde. Mein Engagement hier läuft nur bis zum ersten Februar."
„Und wo gehen Sie dann hin?"
„Voraussichtlich in die Tatra, mein Manager hat ein sehr gutes Angebot, ich will diese Woche ab- schließen."
„Könnten Sie nicht nach Arosa kommen?"
Er überlegte. „Das Claridge hat auch ein Angebot gemacht, aber ich will lieber in die Tatra. Ich kann bann einen Abstecher in meine alte Heimat machen."
„Rührend diese Anhänglichkeit. Nur — die alte Heimat läuft Ihnen nicht davon, aber die Millionen tun es", sagte Margit mit Nachdruck.
„Gnädige Frau, das ist doch nicht Ihr Ernst?"
„Aber auch nicht nur Spaß. Warum wollen Sie Dina nicht guten Tag sagen. Ich persönlich würde Ihnen die Millionen eher gönnen als einem Fremden."
„Das weiß ich, gnädige Frau, und ich bin Ihnen aufrichtig dankbar für Ihr liebenswürdiges Interesse.
Das Wort Millionen hatte für Foe einen zauberhaften Klang, er berauschte sich daran wie an einem kostbaren Wein. Und viele ernstere und würdigere Männer als der leichtsinnige Joe Mikeny hätten bei diesem Zauberwort scharf aufgehorcht; sie hätten wohl auch mehr dafür getan, als er tat. Denn vorläufig geschah weiter nichts, als daß er sein Engagement in der Tatra mit dem in Arosa austauschte. Margit hatte ihm erzählt, daß sie ebenfalls dort fein mürbe, bas machte ein Zusammentreffen mit Dina sehr viel einfacher unb schließlich — warum nicht?! — Man mußte abmarten, mic die Sache sich entmidelte, er hatte sich für vier Wochen verpflichtet, und vier Wochen gingen rasch vorüber.
Margits Regie hatte geklappt. Aber bie Begegnung Joes unb Dinas im Caf6 war tatsächlich Zufall gewesen.
So lagen bie Dinge an biesem dreißigsten Januar, als Dina völlig verstört unb hastig das Hotelzimmer hinter sich abjchloß unb sich bann erschöpft auf bas kleine Sofa sollen ließ. Nun hat es also boch ftattgefunben, dieses Wiedersehen, vor
dem sie jahrelang gezittert hatte. Sie hatte es sich oft ausgemalt — unb es war in ihrer Vorstellung immer eine höchst dramatische Angelegenheit gewesen: ein reumütiger Foe, der inzwischen erkannt hatte, was er an ihr besessen unb von dem sie sich in kühler Gelassenheit abmenbete, ober auch ein verstockter Joe, der mit höflicher Verbeugung an ihr öorbeigina — ober sogar tat, als ob er sie nicht kannte. An alles hatte sie gebacht, alle Situationen in Betracht gezogen, nur, baß sie in einem Cass sich über Wetter und Wintersvrot unterhalten würden wie zwei oberflächliche Bekannte, bie sich zufällig trafen — soweit hatte ihre Phantasie nicht gereicht. Ob er gemerkt hat, wie erschlagen ich war, dachte sie, er selbst schien völlig unbefangen; genau so unbefangen war er früher, wenn er mir eine schone Geschichte erzählte, bie doch nichts als Lüge war. Sie yerzog ben Munb, als fühlte sie bei bie- fer Erinnerung einen körperlichen Schmerz. Unb bann tauchte ber wichtigste Gebanke auf: was nun!? Sie konnte boch nicht hierbleiben, hier, wo sie jeden Tag Gefahr lief, ihm zu begegnen. Aber mar es denn eine Gefahr, ihn mieberzusehen? Sie gingen sich boch gar nichts mehr an. Sie mar geschieben, unb damit mar er ein fremder gleichgültiger Mensch für sie, unb wenn sie Arosa verließ, sah es beinahe aus wie Flucht. Hatte sie bas nötig? Wenn sie aber blieb? Ach — es mar eine Wirrnis, aus ber sie heute nicht mehr herausfinben mürbe. Ihr Kopf glühte, dabei waren ihre Hände eiskalt — unb dieses Stechen in ben Schläfen! Bestimmt war sie krank, Dr. Baumgart hatte ganz richttg vermutet.
Das vernünftigste wäre, gleich zu Bett zu gehen. Aber es mar noch nicht sieben Uhr und die Nacht war lang, hatte viele, viele Stauben zum Denken. Ihr graute plötzlich vor ber Stille ihres Hotelzimmers, vor bem weißen Bett, in dem sie doch so viele Nächte herrlich geschlafen hatte. Es war schon aufgeschlagen unb es schien sie herausforbernd und höhnisch anzublicken. Nein, nicht ins Bett, hinunter zum Hotel, Essen — hier im Hotel mar sie vor Begegnungen sicher — und bann Grog trinken, viel Grog, damit die Erkältung fortmng. Unb damit sie müde wurde. Sie riß sich die Schwachen herunter, so — nun das kalte Wasser aufgedreht, wunderbar, wie bas bem heißen Kopf wohltat. Während sie sich umfleibete, mürbe sie etwas ruhiger, ihre fahrigen Bewegungen mürben langsamer, bas nervöse Zittern ihrer Hände hörte auf. Und morgen, morgen kommt Holk, überlegte sie. Es war gut, an Holk zu denken, an bi« ruhige Sicherheit, bie von ihm ansging. Wenn er wüßte, wie nötig ich ihn brauche, hoffentlich sagte er nicht ab — bamit schloß sie bie Tür ihres Zimmers hinter sich unb ging hinunter.
(Fortsetzung folgt.)


