Ausgabe 
3.5.1939
 
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nt.102 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch. Z.Mai 1939

Aus Der Stadt Gießen.

Der Maienmond.

Der May, lateinisch majus", lesen wir bei einem alten Gelehrten der friderizianischen Zeit ist der fünffte Monath im Jahr und wegen seiner vielen Annehmlichkeiten der beliebteste. Einige wol­len den Ursprung seines Namens von derMaje­stät" herführen, weil sich die Herrlichkeit des Schöp­fers kaum in einigem Monath so majestätisch, als in diesem offenbahret, da alles in Feldern und Wäl­dern grünet und blühet, wo Wiesen und Gärten mit mancherley schönen lebendigen Blumen schat­tieret einen lieblichen Geruch von sich geben, und Menschen und Thiere der angenehmen Zeit sich er­freuen."

Wir stimmen mehr als der Namensdeutung unseres Kalendermonates, die allzu schrullig ist der Maibegeisterung jenes alten Perückengelehrten bei. Aber auch dieser wird der Bauer nur bedingt beipflichten. Allzu milde darf der Mai noch nicht sein.Gut Ding will Weile haben", also auch Wachstum und Sommerlust.Kühler Mai bringt Heu und G'streu (Stroh)", heißt es in Süddeutsch­land; und allgemein gelten Bauernregeln wie diese Feuchter Mai verspricht mancherlei: Korn, Obst und Heu sowie Wein dabei!" Natürlich darf der feuchte Himmelssegen nicht gar zu reichlich rinnen; denn

Ist der Mai allzu naß, leert er Scheunen und Faß!"

Dem entspricht der Wunsch des Landmannes, der sich in diesem Volksreim äußert:

Warme und Maienregen bringen uns Glück und Segen!"

In schwäbischen Gauen sagt man:Maierege in der Früh git (gibt) Korn un Wein g'nu (ge­nug)."

Bemerkenswert sind einige bäuerliche Sprüche, die den Mai und das Maienwetter in ursächliche Beziehung zum März und seiner Witterung setzen. So sagt ein alter Orakelvers:Märzenblüte keine Güte! Maienblüte voller Güte!" Und weiterhin:Märzenstaub und Maienregen kann man auf der Goldwaag' wägen!" Und in Württem­berg gibt es diese klimatische Prophezeiung:Mär- zenebel Maiehägel!" Auch den Gewittern wendet man große Aufmerksamkeit zu. In Baden reimt man mit gutem Grunde:

Donnerts über dem kahlen Wald, wird's nochmal sechs Wochen kalt!"

Da aber der Mai meist schon mindestens einen grünen Schleier trägt, hört man Maiendonner ganz gern rollen und betrachtet ihn mancherorts sogar als Zeichen großer Fruchtbarkeit. Ist doch der Donner Donars, des Bauerngottes, Sprache! Mit solcher Jdeenverbindung dürfte auch dieser Bauernbrauch im deutschen Osten Zusammenhängen: wenn der Landmann den ersten Donner des Jahres i m M a i hört, dann lehnt er sich mit dem Rücken fest an einen Baum. Nun wähnt er sich bei der sommer­lichen Feldarbeit, zumal beim Schneiden in der Erntezeit, geschützt gegen Kreuzschmerzen!

Ja, man denkt schon an die Ernte in diesen be­lebenden und segnenden Tagen! Am 1. Mai, der St. Walpurgis geweiht ist, sagt man:Wenn an Walpurgis der Wald grünt, ist an Jakobi (25. Juli) Ernte!" Und in allemannischen Gegenden gilt diese Bauernregel:

Ist am ersten Maientag Reif gefallen, bringt es Segen den Früchten allen."

An diesem Tage des 1. Mai, der auch noch Phi­lippus und Jakobus (d. I.) im Kalender genannt wird, will man Sonne sehen. Ist schlecht Wetter, so erwartet man vor allem schlechtes oder doch wenig Viehfutter. Leider aber stimmt diese alte Volksweisheit:

Philipp und Jakob sind oft noch recht grob."

Und dazu paßt die Beobachtung, die sich auf wei­tere Maiwochen bezieht:Der Mai tut auch noch

porta-Manetta.

Don Frih Müller-partenkirchen.

Als ich vom Hafen ins Gebirge hinaufblickte, sah ich etwas Sonderbares. Eine Kommode schwebte langsam abwärts. Der sie trug, verschwand im Schat­ten.Er muß Riesenkräfte haben", sagte ich zum Capo-Barca.

Und ob! Die Porta-Marietta, die Tragmarie, trägt uns alle gut und leicht zuschanden."

Wie? Eine Frau trägt die Kommode?"

Der Doktor von (Sannero nickt.Wer sonst? Hier­zulande tragen nur die Frauen."

Und die Männer?"

Gehen hinterher und legen, wenn es heiß wird, ihre Jacke obenauf."

Ich war empört.Und Sie als Doktor lassen das zu?"

Was soll ich tun? Der Marietta hat s noch nicht geschadet."

.Weil sie jung ist, nicht wahr?"

Der Arzt lachte.Jung? So jung, als eine sein kann, die im letzten Herbst das einundzwanzigste Kind zur Welt gebracht hat."

Da stieg ich rasch den Berg hinan. Ich traf die Tragmarie an der zweiten Wegkehre. Sie rastete. Den Tragtorb mit der festgebundenen Kommode darauf hatte sie van hinten auf den Fels gestützt.

Von wo her, Marietta?"

Sie zeigte tausend Meter hach zum Bergrücken. Dan Trarego."

Eine schwere Last, die Ihr da tragt."

Es geht."

Was mögt Ihr im Leben schon alles getragen Haven, Merrletta?"

Es geht. Einmal täglich rauf und runter, da kommt allerlei zusammen, Herr."

Ich sahs im Geist zusammenkommen: Trauben, Wiesheu, Bretter, Stühle, Tische, Schränke, Betten, ganze Hauseinrichtungen. Alles aneinandergestellt, mochte diesen langen Bergweg wohl so oftmals ohne Lücken säumen, als es Werkeltage gab in einer Woche. Des Sonntags aber, Marietta?"

ist am meisten raufzutragen. Aber", setzte sie nicht ohne Stolz hinzu,mit zweimal zwing 'chs." Und Eure Kinder, können die nicht helfen?"

Die Therese trägt in Oggebio, die Lucia in Can- nobio, die Giovanna geht nach Griffa."

Das sind die drei, Marietta, und man sagt mir, daß -" .

Wieder reckte sich der Stolz ein wenig.Die an­dern achtzehn, Herr, sind Söhne,"

Wegfall der Rentenkürzungen.

Don Verwaltungs-Inspektor Karl Heß, Stadt. Versicherungsamt.

Am 19. April 1939 hat die Reichsreaierung das Gesetz zum weiteren Abbau Der Not - üerorfonungen in der Reichsversiche­rung verabschiedet, das grundlegende Aenderungen in der seitherigen Berechnung und Anrechnung von Renten zum Gegenstand hat. Es werden mit die­sem Gesetz Härten beseitigt, die, durch die Notver­ordnungen geschaffen, das Einkommen eines großen Teiles der Renten- und Pensionsempfänger erheblich geschmälert haben.

Zum Wohle der Heranwachsenden Jugend wird zunächst im Art. 1 des Gesetzes bestimmt, daß die Waisenrenten und Kinderzuschüsse un­eingeschränkt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr gewährt werden. Die seitherige Be­stimmung, daß diese Renten und Zuschüsse über das 15. Lebensjahr hinaus nur dann weitergezahlt wer­den, wenn das Kind in Schul- oder Berufsaus­bildung steht, oder infolge körperlicher oder gei­stiger Gebrechen außerstande ist, sich selbst zu er­halten, ist damit beseitigt. Dies gilt sowohl für die Renten aus der Invaliden- und Angestelltenver­sicherung, als auch für solche aus der Unfall- und Knappschaftsversicherung. Der Artikel 1 gilt nicht nur für die Zukunft, sondern auch für diejenigen Versicherungsfälle, die vor dem Inkrafttreten des Artikels (1.1.1939) bereits eingetreten find.

Artikel 2 des Gesetzes beschränkt das Ruhen der Renten neben Bezügen aus der Reichsversicherung auf die Hälfte und befestigt neben anderen Bezügen das Rühen ganz. So wurden bisher beispielsweise die Invalidenrenten, Renten aus der Angestellten­versicherung usw. neben Renten aus dem Reichs­versorgungsgesetz (Kriegsdeschädigtenrente usw.) und neben Pensionsbezügen (Ruhegeld, Wartegeld) auf Grund versicherungsfreier Beschäftigung gekürzt, und es tarn nur ein kleiner Bruchteil der Rente der Teil, der dem Verhältnis der freiroiUigen Bei­trag sleiftung zur Gesamtleistung an Beiträgen ent­sprochen hat zur Auszahlung. Alle diese ein­schränkenden Bestimmungen werden mit Wirkung vom 1.7.1939 beseitigt. Von diesem Zeitpunkte an wird beim Zusammentreffen mit einer Verletzten­rente aus der Unfallversicherung die halbe Inva­lidenrente unverkürzt gewährt, während die andere Hälfte nur bis zur Höhe der Verletztenrente ruht, vorausgesetzt, daß nicht andere in § 1274 Reichs­versicherungsordnung enthaltene Bestimmungen das Ruhen weiterer Rententeile verhindern und sich damit zu Gunsten des Rentenempfängers auszu­wirken haben.

Als freiwillige Beiträge entfallende Steigerungs­sätze werden unter allen Umständen voll gewährt. Den freiwilligen ^Beiträgen werden gleichgestellt: 1. Beiträge, die in einer höheren als der gesetzlichen Klasse entrichtet sind, 2. Beiträge für versicherungs­pflichtige Selbständige, 3. Beiträge für Angehörige der Schutzpolizei und des Reichswasserschutzes, oder für Soldaten, die auf ihren Antrag versichert wor­den sind. Die Verletztenrente bewirkt das Ruhen nicht 1. wenn sie für einen Unfall gewährt wird,

der sich nach Eintritt der Invalidität oder nach Vollendung des 65. Lebensjahres ereignet, 2. wenn sie auf eigener Beitragsleiftung des Versicherten oder feines Ehegatten beruht, 3. soweit sie schon ein Ruhen der Dersoraungsaebührnisse nach dem Reichs- versorgungsgesetz herbeiführt.

Das Gesetz erleichtert zum Schluß für die Kriegs­teilnehmer die Erhaltung der Anwartschaft in der In­validen- und Angeftelltenversicherung insofern, als auch die Zeiten, in denen der Versicherte während des Weltkrieges dem Deutschen Reich oder einem verbün­deten oder befreundeten Staate Kriegs-, Sanitäts­oder ähnliche Dienste geleistet hat, bei Errechnung der Halbdeckung nicht mitgezählt werden, wohl aber die hierfür entrichteten Beiträge. Es lebt damit manche verlorene Anwartschaft ohne jegliche Markenver­wendung oder durch zum Teil nur geringe Nach­entrichtung von Beiträgen wieder auf, weshalb den z. Z. nicht versicherten Kriegsteilnehmern eine ge­naue Nachprüfung ihrer früheren Beitragsleistung nur empfohlen werden kann.

Soweit auf Grund der vorstehend beschriebenen Artikel 1 und 2 mit Wirkung vom Tage ihres In-

Aus Anlaß der Gaukulturwoche, die einen Querschnitt durch die kulturellen Leistungen des Gaues Hessen-Nassau geben wird, ver­öffentlicht der NS.-Gaudienst einen Bericht über den kulturellen Aufbau, wie er sich feit der nationalsozialistischen Machtergreifung in den einzelnen Kreisen des Gaues entwickelt hat. Heber den Kreis etter au ist in diesem Bericht unter der vorstehenden lieber» schrist folgendes zu lesen:

Das kulturelle Schaffen im Kreise Wetterau er­streckt sich in der Hauptsache auf die ehemalige Provinzstadt Gießen. Hier sind es die Tätigkeit der Partei, der Stadt Gießen, des Stadttheaters und der Universität, die das kulturelle Schaffen ver­körpern.

Die Stadt Gießen hat feit der Machtübernahme die Altstadt einer umfassenden baulichen Umgestal­tung unterzogen, mit der eine Verbesserung der Verkehrswege und der Wohnungsfürsorge Hand in Hand geht. Auch mit dem Bau eines HJ.-Heimes wird demnächst schon begonnen. An der Verbesse­rung und Bereicherung des Oberhessischen Museums wird ununterbrochen gearbeitet. Einen besonderen, guten Ruf konnte sich das Stadttheater Gießen er­obern. Seit zwei Jahren hat es künstlerische Sonn- tag-Morgenoeranstaltungen eingeführt. Durch den HJ.-Theaterring wird die Jugend in breitesten Massen in das Theater geführt. Das Theater be­spielt außerdem die Städte Marburg, Siegen, Bad Nauheim, Fulda und Alsfeld. Die Ludwigs-Uni­versität tritt ununterbrochen mit öffentlichen Vor­trägen über alle Fragen der Kunst und der Wissen­

krafttretens Leistungen gewährt oder erhöht merbeh, dürfen Dersorgungsleiftungen aus der Reichsbahn« Versicherungsanstalt, Abteilung B, ober aus der Zu- satzversorgungsanstalt des Reichs und der Länder, ober der Versorgungsanstalt der Deutschen Reichs­post nicht herabgesetzt werden.

SPITZENLEISTUNG

OPEL , ________>

Leistungsverbesserungen, die auf Grund der Art. 1 und 2 spätestens vom 31.12.39 an gewährt wer­den, bleiben bei Prüfung der fürsorgerechtlichen Hilfsbedürftigkeit, wenn diese spätestens zum glei­chen Zeitpunkt ein getreten ist, nach näherer Be­stimmung des Reichsarbeitsministers im Einver­nehmen mit dem Reichsminifter des Innern außer Ansatz.

schäft hervor. Das Deutsche Volksbildungswerk ist dauernd bemüht, der Bevölkerung in Gießen und besonders auch in den kleineren Orten Oberheffens durch Theater-, Film- und Varietevorstellungen die Werke deutscher Kultur zu vermitteln."

Gaukulturwoche Wetterau.

Filmveranstaltungen.

Feierstunde auf der Münzenburg.

Anläßlich der Gaukulturwoche finden im Kreis Wetterau von der Gaufilmstelle in folgenden Orten, in denen kein Kino vorhanden ist, mit dem staats­politisch wertvollen und für die Jugend freigegebenen FilmUnternehmen Michael" Filmveranstaltungen statt: Treis Lda. (6. Mai), Großen-Buseck (7. Mai), Reiskirchen (8. Mai), Steinbach (9. Mai), Hausen (10. Mai), Watzenborn-Steinberg (11. Mai), Klein- Li nden (12. Mai), Heuchelheim (13. Mai), Großen- Linden (14. Mai).

Ihren feierlichen und krönenden Abschluß wird die Gaukulturwoche mit einer Feierstunde auf ber Mün­zenburg bei Butzbach finden. Sie wird unter dem Motto stehen:lieber allem steht das Reich" und wird am Sonntag, 14. Mai, um 20 Uhr, ihren An­fang nehmen. Die Feier wird gestaltet durch die Kreiskapelle der N^-DAP., die Werkscharen, die Politischen Leiter, die Hitler-Jugend, die SA. und die ff. Die Gesamtleitung hat Alwin Rüffer. Die Feierfolge sieht, nach derKantate" vom ewigen Reich der Deutschen, u. a. die Aufführung des Spiels Konradin" von Schöttler vor. Ein Sprecher wird SchumannsLieder vom Reich" vortragen.

kreis Welterau:M." der große kuliurmittler

seinen Schrei", d. h. er bringt noch Froste. Dazu stimmen wiederum folgende Verses

Der 3. Mai ist ein Wolf, der 7. Mai eine Schlange; aber nach Servazitag macht kein Frost mehr bange."

Auch vom 4. Mai, dem Florianstage, sagt man nicht mit Unrecht: .Sankt Florian ist oft ein grimmer Mann."

Aber die mit ziemlicher Regelmäßigkeit und Un­erbittlichkeit sich einfteüenbe Zeit der gefürchteten Maienfröste tritt doch fast stets in der Monats­mitte auf. Der erste der Eisheiligen die nach altem schwäbischen Volkswitzmit Handschuhen an­gegangen kommen" ist in Norddeutschland M a - m e r t u s , 11. Mai. In Süddeutschland beachtet man ihn nicht besonders; höchstens sagt man Gutes

Nun, die könnten doch noch besser helfen!"

Sie sah mich erstaunt an.Söhne, Herr! Tragen ist eine Weibersache. Das war immer so behüt Euch Gott, Herr!"

Wie sie dahinschritt mit der Riesenlast! Keine Spur gebeugt. Den Kopf wie eine Königin. Der Oberkörper schlank wie eine Gerte. Nur ein Weib kann jede Last in Segen wandeln.

Ich habe Porta-Marietta noch oft auf dem Berg­weg getroffen, niemals unbelastet. Manchmal ruhend. Niemals seufzend. Manchmal langsam. Niemals ohne Lächeln auf dem jung gebliebenen Antlitz.

Einmal floh ich vor der Hitze drunten in das Berg­dorf droben.Was kostet eine Trage hinauf, Ma­rietta?"

Eine Lire fünfzig, Herr."

Hier find drei, und hier ein Koffer."

Ist das alles?"

Ich weiß nicht, ob ich Ihnen diese schwere Schreib­maschine auch noch?"

Sie schaute die Maschine langsam an:Damit schreibt man, Herr?"Ich nickte.Armer Herr." Waruip arm?"Schon mit der Hand so schwer, nun gar mit der Maschine."

Arme Marietta."

Warum arm?"

Ich hob die Sachen.Schon mit der Hand so schwer, nun gar"

A bah ist das alles?"Ja." Zu wenig für drei Lire, zu wenig." Sie maß mich kritisch, vielleicht erwog sie, ob ich selber nicht als Beipack taugte.

Ich habe sie noch manches Jahr hinauf-, hinunter­steigen sehen. Das letztemal, bei einem Abstieg, holte ich sie ein. Ihr Korb schien leer. Plötzlich stieg ein Händchen aus dem Korb, ein zweites, ein drittes, viertes:Cu-cu-cu-cu, kuckuck!" krähten zwei ihrer Enkel, die sie an den See zurücktrug.

Diese Enkel hatten sich im Korb häuslich einge­richtet. Sie krähten und klatschten in die Hände, sie aßen und sie rauften sich und schliefen endlich selig ein, derweil ihre Ahne leise wiegend abwärts schritt, trapp, trapp, trapp.

Gegen Abend sah ich sie am Landungsplatz. Sie war erregt. Der Capo-Barca suchte zu erklären, daß das Schiff infolge eines Sturmes nicht anlegen konnte; es gäbe nichts fortzuschaffen diesmal.

Impossibile!, beharrte sie,ich kann doch nicht mit einem leeren Korb"

Und warum nicht?"

Sie sah hilflos aus.Es wäre ja das erstemal in meinem Leben", sagte sie.

Nimm in Gottes Namen einen meiner Särge fjief't sagte der Schreiner von nebenan,auf Vor­

über ihn:R-egen am Mamertustag, viel guten Wein verheißen mag." Dagegen läßt sich ja nichts ein- wenden! Aber nun kommen wie man in Würt­temberg sagt diedrei schlimmen Kameraden", die am 12., 13. und 14. Mai herrschen:

Trau nicht Pankraz, Servaz und Bonifaz!

denn oft noch kalte Nächte hat's!"

Und da ihnen am 15. Mai diekalte Sophie" folgt, so heißt es nach alter, betrüblicher Erfahrung: Pankraz, Servaz und Bonifaz find drei Schlingel; aber Sophia ist auch nicht besser!" In der deutsch­sprachigen Schweiz nennt man letzteredie chibig Sophie", was mitschäbiger Sophie" zu übersetzen sein dürfte. In Schlesien sagt die Bäuerin, es sei am Sophientage empfehlenswert, die Hühner zu setzen.

rat, Marietta, mir ist, als müßte demnächst einer fällig fein in Trarego."

Er hatte recht behalten, der Schreiner.

In Trarego warteten sie an diesem Tage umsonst auf die Porta-Marietta.Sie wird drunten über­nachten", sagte einer,sie wirds einmal bequem haben wollen."

Am andern Morgen fand man sie einen Katzen­sprung weit unterm Dorfe. Stehend. Der große Tragtorb mit deüi Sarg darauf stand aufgestützt von hinten auf dem Felsen. Sie war tot.

Man hatte sie an Ort und Stelle nur aus der senk­rechten Lage in die waagrechte Lage zu bringen. Sie lag bequem und schön im Sarge, den sie sich heraufgetragen hatte.

3n München steht ein Hofbräuhaus.

Am 27. September 1589 gab die herzoglich-baye­rische Hofkammer Wilhelms V. ein Gutachten her­aus, daßfür desselben Hofhaltung gar nützlich und mol thuenlich wer, ain qigen Preuhaus zu erpauen". Dieses Dokument, das jahrhundertelang unter dem Aktenstaub des Kreisarchivs verborgen lag, ist nun herausgeholt worden. Es ist die Geburtsanzeige des Münchener Hofbräu- hauses, des bekanntesten Bräuhauses der ganzen Welt. Bis zum Jahre 1589 bezog der bayerische Hof sein Bier aus Einbeck bei . Hannover, ehe er auf die Idee kam, aus bayerischer Gerste und dem Hopfen in der Hollertau sein eigenes Bier zu brauen. Schon zwei Jahre später wurde im heutigen Alten Hof", der die Finanzämter umschließt, mit dem Brauen des Bieres begonnen Es gab sowohl weißes" wie braunes Bier. AmPlatzt", wo jetzt noch das Hofbräuhaus steht, hat man feit 1602 dieses weiße Bier aus Weizen gebraut, der braune Gerstensaft entstand dagegen nach wie vor im Alten Hof". Als aber der Hof feit dem Jahre 1612 fein Bier auch an die Bevölkerung verkaufte und die Leute das dunkle Bier bevorzugten, fiedelte die Brauerei für das Braunbier in die größeren Räume am Platzl über. Hier blieb sie auch, als 1852 der Staat an Stelle des Hofes Besitzer des Hofbräuhauses wurde, und der historische Boden wurde auch nicht aufgegeben, als 1865 der Keller an der Aeußeren Wiener Straße dazukam, in dem jetzt ausschließlich das Bier gebraut wird. Das Hof- bräuhaus am Platz! seither Wallfahrtsort für jeden Fremdling, der nach München kommt wurde das Ausschanklokal, das es noch heute ist.

Viele Fremde, die das Hofbräuhaus zum ersten Male betreten, packt ein leichtes Grauen, wenn sie

Aber nun wenn die Fr ost tage vorbei sind pflegt wirklich die schone Maienzeit zu ihrem Rechte zu kommen. Und es liegt sodann ja noch ein voller halber Monat vor uns. W. L.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19.30 bis nach 21.30 UhrEinen Sommer lang". Gloria-Palast, Seltersweg:Ein hoffnungsloser Fall". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Seekadetten".

Stadttheater Gießen.

Heute abend findet die letzte Aufführung des Lust­spielsEiyen Sommer lang" von Katharina Stoll

in dieSchwemme" kommen, wo von früh bis in die Nacht gezecht wird. Dieser Raum ist in seiner äußeren Gestaltung nicht eben das Muster einer Gaststätte. So ist denn geplant, das Hofbräuhaus in diesem Jubiläumsjahr umzubauen und es zu einer Gaststätte zu machen, die unserem Zeit­geschmack entspricht. Der große Festsaal und die Schwenzme werden vollkommen neu gestaltet, die Trinkstube im ersten Stock wird erweitert, und an der Aeußeren Wiener Straße werden vorbildliche Gemeinschaftsräume für die Gefolgschaft der Brau­erei erbaut.

Mit 30 000 Hektoliter Bierumsatz im Jahr ist bas Hofbräuhaus immer noch die größte Bierbrauerei der Erde. Im Jubiläumsjahr macht fie ihren Freun­den, den Fremden und Einheimischen, ein beson­deres Geschenk: in den Sommermonaten fließt eigentlich in München kein Starkbier; deshalb legt das jubilierende Haus einenJubiläumsmaibock" ein und einJubiläumsmärzenbier" nach Fronleich­nam. Wer in diesem Sommer München besucht, wird diese Iubiläumsgaben gern in sein Reise­programm einreihen.

Hochschulnachrichten.

Die Entpflichtung des Professors Dr. Karl von Eicken, Ordinarius für Hals-, Nasen- und Ohren­krankheiten an der Universität Berlin, wurde um ein Jahr, bis Ende März 1940, hinausgeschoben. Nach mehrjähriger Assistententätigkeit habilitierte sich Eicken 1903 in Freiburg. 1904 war er in Heidelberg tätig, siedelte aber dann wieder nach Freiburg über. 1907 wurde er von der Medizinischen Fakultät in Prag an erster Stelle für den zu gründenden Lehr­stuhl für Laryngv-Rhinolvgie vorgeschlagen. Da diese Berufung nicht erfolgte, ging Eicken zunächst nach Basel und von dort 1910 als ao. Professor an die Universität Gießen. Seine Ernennung zum Ordi­narius erfolgte 1920. 1922 folgte er einem Ruf nach Berlin, wo 1926 beide Hals-, Nasen- und Ohren­kliniken der Universität unter seiner Leitung ver­einigt wurden.

Professor Dr. Wilhelm Kroll ehern. Ordinarius der Klassischen Philologie in Breslau, ist im 70. Lebensjahr in Berlin g e ft o r b e n. Er habili­tierte sich 1894 in Breslau für Klassische Philologie. 1899 folgte er einem Ruf als o. Professor nach Greifswald und siedelte 1906 in gleicher Eigenschaft nach Münster und 1913 nach Breslau über. Er war Herausgeber von Bursians Jahresbericht sowie der Zeitschrift Glotta und der Realenzyklopädie der klas­sischen Altertumswissenschaften.