Ausgabe 
3.5.1939
 
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Nr. 102 Erstes Blatt

189. Jahrgang

Mittwoch, 3. Mai 1939

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Polens Abkehr vom Pilsudski-Kurs.

Äon unserer Berliner Schriffleiiung.

Ueberraschung in London.

Zwiespältige Meinung über Polens anmaßende Forderungen.

Zurückhaltende Beurteilung in Paris.

auch für Polen billig sein". Polen stelle keine An­sprüche auf fremdes Gebiet, es fordere nur, was trotz derGermanisierungspolitik" polnisch geblie­ben sei! Zum Schluß stellt das Blatt die ungeheuer­liche Forderung nach einem breiteren Zu­gang zum Meer als dem bisherigen. Besonders was Danzig anbetreffe, so habe, wenn irgend je­mand, nur Polens!) Anspruch auf die freie Stadt.

Korfanty in polen verhaftet.

Kattowitz, 1. Mai. (DNB.) Wojciech Kor­fanty, der sich seit vier Fahren als politischer (L m i g r an t in der ehemaligen Tschecho-Slowakei and zuletzt in Paris aufgehalten hat, kehrte nach seinem früheren Wohnort Kattowitz zurück. Kor­fanty hatte es im Fahre 1935 vorgezogen, ins Aus^ land zu gehen, da er als früherer Oppositionsführer eine schwere Freiheits st rase wegen seiner politischen Betätigung zu verbüßen hatte und außer­dem gegen ihn ein Strafverfahren wegen steuer­licher Vergehen eingeleitet worden war. Nach seiner Flucht erließen die politischen Behörden gegen Kor­fanty einen Steckbrief. Korfanty stellte sich dem Kattowitzer Staatsanwalt und wurde sofort in Haft genommen.

Ein Wort an Polen" mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit, in England habe der Ton der polnischen Presse Beunruhigung hervorgerufen. Polen solle lieber keine übertriebenen For­derungen aufstellen, die Polen niemals vorher hätte Vorbringen können. Polen sei heut­zutage gestärkt durch die englisch-frayzösische Garan­tie. Aus diesem Grunde fei das britische Volk an der ganzen Angelegenheit inter­essiert, und deshalb habe England bei den wich­tigen diplomatischen Schritten in dieser Gegend e i n Wort mitzureden. Die Bestrebungen Polens und Deutschlands seien nicht unvereinbar. Es würde schwer sein, die Demokratien davon zu überzeugen, daß eine Lösung, durch die die pol­nischen Wirtschaftsinteressen slchergeftellt würden, nicht auf dem Verhandlungswege her­beigeführt werden könnte. Man wisse sehr gut, daß die Franzosen nicht bereit seien, sich wegen eines solchen Streitfalles in einen europä­ischen Konflikt zu stürzen. Das britische Volk ver­trete die gleiche Ansicht.

Ein Teil der Presse ermuntert Polen jedoch er­neut zurFestigkeit" gegenüber Deutschland und sucht damit weiter Oel ins Feuer zu gießen. Diese Richtung vertritt z. B. derDaily Telegraph". Er macht sich einseitig den polnischen Standpunkt zu eigen und behauptet, Deutschland wolle durch seinen diplomatischen Vorstoß gegen Polen derAnti-An- griffs-Front" den Todesstoß versetzen. Im übrigen berichtet der Daily Telegraph aufs neue in großer Aufmachung aus Warschau die Ansicht, daßdie polnischen Rechte in Danzig" nur durch aus­reichende polnische Streitkräfte in der Umgebung von Danzig sichergestellt werden könnten. Die deutschen Angebote, auch das eines 25jährigen Nichtangriffspaktes, werde Polen zurückweisen.

Berlin, 3. Mai.

Seit der Reichstagsrede des Führers mit ihrer Veröffentlichung der deutschen Vorschläge an Polen hinsichtlich Danzigs und des Korridors sieht sich Polen unfreiwillig im Brennpunkt aller europäischen Scheinwerfer. Mit einer erregten Geschäftigkeit ist man seitdem in Warschau bemüht, sich selbst und anderen zu bescheinigen, daß man sich auf Grund der mobilisierten einen Million Mann und auf Grund der englischenGarantie" jeder, aber auch jeder Eventualität auf jeden Fall gewachsen sei. Das dürfte im allgemeinen auch den Hintergrund der Rede bilden, die der polnische Außenminister Beck am »Freitag in der Parlaments­sitzung als Antwort auf das deutsche Memo­randum und auf die Reichstagsrede halten wird. Man hat zu dieser Sitzung eigens den polnischen Botschafter in Berlin, Lipski, nach Warschau zitiert, spielt also das westliche Spiele einer zeit­weiligenAbberufung" im Stil einer Großmacht mit. Die schriftliche Fixierung der polnischen Ant­wort soll in einer Denkschrift erfolgen, die im An­schluß an die Warschauer Parlamentssitzung in Ber­lin durch den polnischen Geschäftsträger, den Für­sten L u b o m i r s k i, überreicht werden soll.

Unterdessen haben die Aeußerungen der polni­schen Oeffentlichkeit einen derart bedenklichen Cha­rakter angenommen, daß eine ernfte War­nung an die Adresse Polens zur Notwendigkeit geworden ist. Wir stellen lediglich bekannte Tat­sachen fest, wenn wir daran erinnern, daß Polen eine Garantie seitens Deutschlands bereits in dem Vertrag von 1934 besaß, daß es aber dar­über hinaus sogar noch die weitere Ga­rantie mit einer 25jährigen Dauer von Deutschland angeboten erhielt. Der Ernst und die Bedeu­tung des Führerwortes aus der Reichstagsrede, wonach der Gesamtvorschlag an Polen einwirk­lich einmaliger" Vorschlag gewesen ist, kann nicht stark genug unterstrichen werden.

Wie antwortet Polen auf die von Deutsch­land gegebenen Zusicherungen? Es verbündet s i ch mit der führenden. Einkreisungsmacht Eng­land . veranlaßt die drei führenden Blätter War­schaus zu übereinstimmend scharfen Stellungnahmen etwa gegen die Rückkehr des urdeutschen Memel- gebietes und tut so, als habe es beispielsweise nie­mals jenen polnischen UeberfaU vor 19 Fahren durch General Zeligowski auf jene Stadt gegeben, die Litauen noch heute als seine eigentliche Haupt­stadt beansprucht. Aber damit nicht genug. Plötzlich ist in der polnischen Presse von der Ostsee nur noch als vompolnischen Lebensraum" die Rede, wie auf Kommando erscheinen wieder die alten lächer­lichen Behauptungen von Ostpreußen als einer polnischen Provinz, es werden die arrogantesten Ansprüche auf die urdeutsche Stadt Danzig laut und wir lesen nur die Lumpen sind bescheiden! wieder den alten Unsinn von derpolnischen Pro­vinz" Schlesien? Selbst der englische Derschwörungs- leiter ist da noch zurückhaltender, wenn er inmitten aller Hetze etwa in derTimes" zugibt, daß der deutsche Anspruch auf die Rückkehr Danzigs a n - erkannt werden muß. Gleichzeitig läßt man von Warschau demonstrativ versichern, zwischen Polen und Sowjetrußland seien die Beziehungen durch­aus freundnachbarlich.

Wir verstehen vollkommen. Unser Verständnis geht freilich nicht so weit, zu begreifen, daß ein Diplomat vom Range des polnischen Außenmini­sters Beck den Wert selbst westöstlicher Bündnisse im Verlauf der jüngsten Geschichte anscheinend in keiner Weise richtig einzuschätzen vermochte. Polen, das seit einer ganzen Reihe von Fahren bereits durch innere Kämpfe genau fo in Atem gehalten wird wie durch feine wirtschaftlichen und finan­ziellen Sorgen, sollte sich rechtzeitig sagen, daß es ein sehr gewagtes, um nicht zu sagen gefähr­liches Spiel treibt, wie es fein ^großer Staats­mann Pilfudfki niemals zugelassen haben würde.

Warschauer Phantasien.

Warschau, 2. Mai. (DNB.) Das deutsch- polnische Problem steht weiterhin im Mittelpunkt der Erörterungen der polnischen Presse. Gazeta P o 1 s k a sagt,' wer mit Deutschland friedlich Zu­sammenarbeiten und die Wohltaten dieser Freund­schaft genießen wolle, müsse die Bedingungen Deutschlands ohne Diskussion annehmen. Das von Pilsudski und dem Führer getroffene Abkommen vom Fahre 1934 bagatellisiert das Blatt als einen Versuch", eine gute deutsch-polnische Nachbarschaft in der Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Achtung der lebenswichtigen Inter­essen der anderen Seite zu schaffen. Die Entwicklung der Ereignisse scheine zu zeigen, daß dieses Experi­ment negativ ausgefallen fei, es gehe Deutschland darum, Polens Zutritt zum Meer unter deutsche Kontrolle zu stellen.

Das MilitärblattPolska Zbrojna" be­hauptet, daß das polnische Volk von vornherein eine mißtrauische Haltung zu dem deutsch-polnischen Nichtangriffsabkommen eingenommen habe. Das Reich habe alles getan, was es tun konnte,um Polen Schaden zuzufügen, um es einzukreisen, um es einzuschüchtern und zu isolieren". Bei dem Ver­such, diese Behauptung zu beweisen, werden die merkwürdigsten Pläne zusammenphantasiert und Deutschland in die Schuhe geschoben; z. B. soll es in Danzig und Berlin Zentren des ukrainischen Frre- ibentismus eingerichtet und in Kowno versucht 'haben, einen litauisch-weißrussischen Stab mit dem Sitz in Wilna, zu schaffen.

C z a s ist der Anschauung, daß es ein Wahnsinn und für die Kultur eine Katastrophe wäre, wenn man den Zustand der Hochspannung zwischen Deutschland und Polen als geschichtliche Notwendig­keit hinnehmen und auf sie ein politisches System stützen würde,'erklärt aber doch, daß der Nicht­angriffspakt mit Deutschland in Polen keineswegs populär gewesen sei. Der Krakauer Illu­strierte Kurier stellt in der Zielsetzung der polnischen Politik einen Rekord auf. Das Blatt ver­steift sich dabei zu der einfach grotesken Behauptung, als der Führer Oesterreich mit dem Reich als deut­sches Land vereinigte, hätten Schlesien und Ostpreußen an die Polen abgetreten werden müssen, denndiese Gebiete sind rein pol­nisch". In ihnen werde nur künstlich ein deutsches Element erhalten! Das Blatt geht noch weiter und erdreistet sich zu der Feststellung,wenn für Deutsch­land in der österreichischen Frage der Nationalitäten­grundsatz recht war, warum sollte er dann nicht

London, 3. Mai (DNB. Funkspruch). Danzig steht im Mittelpunkt des Interesses der Londoner Morgen. er. Aufs neue tauchen die Meldungen auf poim che Herrschaftsabfichen in Danzig auf. In London wollte man schon gestern darüber un­terrichtet sein, daß einpolnisches Protektorat über Danzig" an der Spitze der Forderungen stehen werde, die Oberst Beck übermorgen in seiner Rede an Deutschland stellen werde. Polen wolle gleichzeitig auch das Recht der Besetzung der Freien Stadt durch polnischeTruppen, der Besetzung des Hafens durch polnische Flotten- einl^iten, ferner das Recht der Kontrolle über die Danziger Industrie (!) und schließlich ein V e - t o r e ch t gegenüber Danziger Regierungsbeschlüssen verlangen. Aus,den Berichten verschiedener Lon­doner Blätter geht hervor, daß diese anmaßenden Forderungen der polnischen Presse sogar in Lon­don Ueberraschung ausgelöst haben. So schreibtTimes", man habe nach dem Lesen der Anregungen der polnischen Presse, wonach Polen gegebenenpaUs ein Protektorat über Dan- z i g zu verlangen beabsichtigte, festgestellt, daß dkeses Wort von keiner amtlichen Seite be­nutzt worden sei. Man müsse einen Unterschied machen zwischen den Ansichten der amtlichen pol­nischen Kreise und denetwas wilden Erklärungen der polnischen Presse". Aus Warschau meldet die Times", es bestehe kein Grund, zu befürchten, daß Polen Feindseligkeiten provozieren werde, da doch in einem solchen Falle Polens Bestehen auf de rp Spiel stehe.

Vernon Bartlett schreibt in der liberalen News Chronicle, die Nachricht, wonach die polnische Regie­rung die Herrschaft über Danzig verlangen könne, habe in London zur Hälfte Befürchtungen, zur Hälfte Bewunderung hervorgerufen. Die konser­vative Daily Mail sagt unter der Überschrift

E. F. Paris, 3. Mai.

Ministerpräsident Daladier und Außenminister Bonnet hatten eine längere Besprechuna über die internationale Lage gehabt. Das deutsch-pol­nische Problem steht nach wie vor im Mittel­punkt des Interesses. In Paris betrachte man, fo erklären unterrichtete Kreise des Quai d'Orsay, die Danziger Frage als ein Problem, das nicht Frankreich, sondern ausschließlich Polen an­gehe. Man beabsichttge nicht, sich in die endgültige Reaelung dieser Frage einzumischen, sondern über­lasse Polen allein die Entscheidung. Dem wahrscheinlich am 15. Mai erfolgenden Besuch des polnischen Außenministers B e cf in Paris messe man auf jeden Fall große Bedeutung bei.

Einige Blätter wollen wissen, daß Oberst Beck in seiner Parlamentsrede die Uebertragung der Vollmacht der Genfer Liga über Da n - zi g an Polen verlangen werde. Wahrscheinlich würde der von der Liga eingesetzte Dreierausschuß (Frankreich, England, Schweden) während der näch­sten Genfer Tagung am 15. Mai die Zurück­ziehung des Kommissars beschließen. Die Action Fran^aise" gibt Polen folgende Ratschläge: Man müsse vermeiden, Hitler den Vorwand zum Besteigen des Kampfrosses zu geben! Polen solle lieber nicht zur Gegenoffensive übergehen, statt dessen. Gewehr bei Fuß die deutschen Divisionen er­warten und die Dinge an sich herankommen lassen. Es sei wirklich nicht das Klügste, jetzt die Gegen­offensive zu ergreifen ...

DerExcelfior" hält die Hoffnung für berechtigt, daß Deutschland und Polen auf dem Wege der Verhandlungen zu neuen Verein­barungen kommen würden. Durch die Garantie Frankreichs und Englands für Polen feien die Ver­hältnisse für Deutschland schwieriger geworden, aber weder Paris noch London würden Warschau zu übertriebenen Ansprüchen veranlassen. Der Ber­liner Vertreter des .Journal" betont, daß der Führer in seiner Reichstagsrede Polen empfohlen habe, Vorschläge zu machen; d. h. die Türzu Perhandlungen bleibe noch offen. Wenn aber, wie es gewisse polnische Extremisten

verlangten, ein polnischer Handstreich auf Danzig versucht würde, ober wenn Polen offiziell die Sou­veränität über Danzig verlange, würde sich die Lage schwierig gestatten. Die deutsche Regierung würde dann sicherlich nicht zögern, Maßnahmen zu ergreifen, über deren Charakter kein Zweifel be­stehe, welches auch immer die daraus herrührenden Folgen fein könnten. Deutschland werde niemals eine polnische Herrschaft in Danzig annehmen und niemals werde es auf feine eigenen Forderungen verzichten. Wenn aber ein deutsch-polnischer Kon­flikt nur allein wegen Danzig ausbrechen sollte, müsse die französische und englische Regierung mög­lichst rasch ihren Standpunkt präzisieren, um ein schweres Mißverständnis z u ver­meiden.

Irischer Protest in London.

Gegen die Ausdehnung der Wehrpflicht auf Nordirland.

Dublin, 3. Mai. (Eurvpapreß.) Der Oberkvm- missar für Irland in London, Dulanty, der von einer Beratung mit dem irischen Ministerpräsidenten de VaI e r a nach London zurückgekehrt ist, ist be­auftragt worden, in der Frage der Wehrpflicht Nordirlands der englischen Regierung eine scharfe Protestnote zu übergeben. Ministerprä­sident d e Valero wandte sich am Dienstagabend erneut in scharfer Form gegen den Gedanken der Ausdehnung der Wehrpflicht auf Nordirland. Er stellte im irischen Parlament fest, daß ein solcher Schritt nur zur weiteren Perschärfung der Spannung zwischen Irland und der nord- irischen Regierung führen könne. Das irische Volk fei in der Ablehnung des Wehrpflichtgedankens ebenso einig wie es seit zwanzig Fahren einig sei in der Ablehnung der Trennung Nordirlands von Irland. Die im Hoheitsgebiet von England leben­den Fren zum Wehrdienst zu zwingen, stelle einen Angriff dar, den Irland nicht unbeantwor­tet lassen könne. Aus diesem Grunde habe er,

Frühling in Böhmen.

Äon Bruno Brehm.

Bruno Brehm, der den Nationalen Buchpreis 1 9 3 9 erhielt, ist Soldat und Dichter aus der österreichischen Zeit, deren Ende er in manchen Erzählungen meisterhaft gestaltet hat. Heute gehört er zu den Trägern des Gedankens der neuen Ostmark, wie sein Aufsatz inW i 11 e uni) Mach t", dem Füh­rerorgan der HF., zeigt, dem wir folgendes entnehmen:

Es ist nicht an der Zeit, in alten Wunden zu wühlen, es hat auch keinen Sinn, wenn wir uns als Sieger aufspielen. Denn nicht wir, der Führer allein hat gesiegt! Und wir haben nid)f das Recht, diejenigen, die er nun an den ihnen angemessenen Platz gestellt hat, zu verhöhnen. Die Lehre für die Tschechen ist so bitter, daß sie nur der starke Lebens­wille dieses Volkes Überwinden und vertragen kann. Wir selbst haben nicht allzu weit hinter der Größe des Führers zurückzustehen, der nimelas das Volk selbst geschmäht, der aber mit offenen Worten die Verführer dieses Volkes zurechtgewiesen hat.

Freuen wir uns lieber, daß nun doch diese schöne Stadt Prag für uns gerettet ist, ehe der letzte Deutsche aus ihr vertrieben werden konnte. Freuen wir uns, daß dem deutschen Volk feine älteste Universität und eine deutsche Ä a if er ft ab t erhalten worden ist, deren Züge noch heute jenen unvergänglichen Glanz der großen Pläne und Träume jenes Luxemburgers zeigen. Freuen wir uns, daß wir auf Schritt und Tritt auf jenen einmaligen Versuch stoßen, die Herzen eines widerstrebenden Volkes durch Schönheit zu gewinnen, und daß wir immer wieder diese unver­gängliche und schwermütige Schönheit bestaunen dürfen. Gehen wir, wie schon so oft, immer wieder über die stolze Brücke und lassen wir, mit jedem Schritt, den wir tun, das Spiel der sich verschieben­den Türme auf unser glückliches Herz wirken, schauen wir auf die vielen deutschen Soldaten, die wie einst durch die Stadt wandern und sich wun­dern, welche Schönheit cs da in so reichem Maße gibt, und auf die all dieser Glanz jenen gleichen unauslöschlichen Eindruck macht, den Prag seit jeher auf alle Besucher gemacht hat. Rufen wir auch die Deutschen dieses Landes selbst herbei, und bitten wir sie, nicht mehr die Augen und den Sinn vor der großen betörenden Stadt zu schließen und es doch endlich zu glauben, daß nur das einem nicht gehört, was man im Herzen schon aufaegeben hat.

Und so wie in Prag mögen sie über die Plätze von Brünn, Falau, Pilsen, Budweis und Olmütz gehen und dort d ie unverwischbaren deut­schen Züge wiederfinden, die auch die Tschechen nicht haben tilgen können, wollten sie nicht alle alten Kirchen und Häuser einreißen und dem Boden gleichmachen. Lasset die Steine zu euch sprechen, geht auf die Kirchhöfe und leset die Namen der Toten, seht, was mir verloren haben, vergeßt, was ihr aus den Schulbüchern einer Zeit, die nichts von den Deutschen außerhalb der Gren­zen des Zweiten Reiches gewußt hat, gelernt habt. Lernt bei den Steinen, lernt bei den Toten, sucht so bas neue Leben zu verstehen und lasset das Große der Vergangenheit ungehindert und ohne Vorbehalte in eure Herzen einmünben. Seid so groß in eurer Gesinnung wie es der Größe des neuen Reiches entspricht, steht nicht hinter dessen Führer zurück, seid gerecht und zeiget euch der Größe des deutschen Namens würdig. Nirgendwo, wie in die­sem Lande, nirgendwo, wie in dieser Stadt könnt ihr das so lernen. Auf seden einzelnen von uns kommt es an! Feder einzelne von uns hat in Form tu bleiben, denn ihr habt hier ein Beispiel vor Augen, daß Geschenke nichts sind, wenn niemand mehr das Gefühl hat, sie bis zu seinem letzten Hauche tu verteidigen.

Verfrüht wäre es, da sich noch olles im Flusse befindet, viele Worte über die Zukunft zu verlieren, denn immer werden Worte klein aegen die Taten stehen. Wir haben den Vorbeimarsch der deutschen Truvven auf dem Wenzelsplotz am Taae der Wehr­macht gesehen. Das war mehr als alle Worte und Gedanken, die sich sagen lassen. Wikt ihr, was mein Me-henber Eindruck war, wenn ich in den alten Gassen der Kleinseite oder in den schmalen (9äh*en der Altstadt oder oben auf den Mauern des Hra- dschins deutsche Soldaten geiehen habe Welch or­dentliches Volk sind mir doch? Wie weit ent­fernt von Uehermnt sind doch unsere Soldaten? Wie lernbegierio sind sie, wie bereit, zu schai'-n und zu verstehen' Möae es immer so bleiben! Dann wird auch wieder ein erträgliches Zusammenleben dieser beiden Völker in den Sjödten des Landes möglich fein. «

de Valera, sich entschlossen, in der schärfsten Form in London Protest zu erheben.

Die Ablehnung der Wehrpflicht durch die irische Regierung erstreckt sich nicht nur auf die Ausdeh­nung der Wehrpflicht auf Nordirland, sondern auch auf die Erfassung derjenigen irischen Staatsangehörigen, die ihren ständi - gen Wohnsitz im Vereinigten König­reich haben. Auf Grund des englischen Rechts gel­ten diese Fren ebenso wie die Angehörigen aller übrigen Dominions als britische Staats­bürger, obwohl sie auf Grund der irischen Ver­fassung vom Fahre 1937 die britische Staatsangehö­rigkeit verloren haben. Sie werden daher von der Wehrpflicht betroffen, das Gesetz sieht so­gar vor, daß Iren, die sich durch Wechsel ihres Wohnsitzes der Wehrpflicht entziehen, im Falle ihrer Rückkehr nach England die sechsmonatige Dienstzeit n a ch h o l e n müssen.