Ausgabe 
3.4.1939
 
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befriedigend" und 15 mit der Notebestanden". Sämtliche Absolventen traten am 1. 4. ihre Stel­lungen in der deutschen Wirtschaft an.

** Pennalerinnerungen vor sech - zi g Jahren". Man schreibt uns: Zu dem Ar­tikelPennälererinnerungen" in der Samstagsnum- mer desGießener Anzeigers" ist noch hinzuzu- fügen, daß der langjährige Oberlehrer am hiesigen Realgymnasium, der vor ungefähr 10 Jahren hier verstorbene Professor Dr. Richard Eduard Ott- mann, auch zu den damaligen Abiturienten des Jahres 1879 gehörte.

Große Gtrafkammer Gießen.

E. S. in Watzenborn-Steinberg war durch Urteil der Strafkammer Gießen vom 15. März 1938 zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt, ihm die bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von fünf Jahren aberkannt und die Berufsausübung für die Dauer von drei Jahren verboten worden. Gegen das Urteil legte er. Revision beim Reichsgericht ein, das die Sache zur erneuten Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwies.

Er war beschuldigt, im Juni 1937 oder um diese Zeit in Trohe fortgesetzt und wider besseres Wissen über das Erwerbsgeschäft eines anderen, die Per­son des Geschäftsinhabers, die Waren oder gewerb­lichen Leistungen der Wahrheit zuwider Behaup­tungen aufgestellt, oder verbreitet zu haben, die ge­eignet waren, den Betrieb des Geschäfts zu schädi­gen. Weiterhin wurde er des Betrugs im straf­verschärfenden Rückfall beschuldigt.

Der Vertreter der Anklage hielt nach dem Ergeb­nis der Beweisaufnahme die Anklage wegen Be­trugs und Betrugsversuchs nicht mehr aufrecht, er beantragte aber, den Angeklagten wegen Vergehens gegen § 15 des Gesetzes gegen unlauteren Wett­bewerb zu einer Gefängnisstrafe von sechs Mona­ten und zu einer Geldstrafe von 150, RM. zu verurteilen, außerdem der betroffenen Firma Publi­kationsbefugnis zuzusprechen und Berufsverbot für die Dauer von drei Jahren auszusprechen.

Der Verteidiger beantragte, den Angeklagten we­gen des ihn zur Last gelegten Betrugs und Betrugs­versuchs freizusprechen. Wegen Vergehens gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb sei er zu bestrafen, doch bitte er, auf eine wesentlich geringere Strafe zu erkennen, auch das Berufsverbot und die Publikationsbefugnis nicht auszusprechen. Es müsse berücksichtigt werden, daß sich der Angeklagte in den letzten Jahren einwandfrei geführt habe und seine Vorstrafen auch darauf zurückzuführen seien, daß er lange arbeitslos war und seinen erlernten Beruf wegen körperlicher Behinderung nicht mehr habe ausüben können.

Das Gericht sprach den Angeklagten eines Ver­gehens gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wett­bewerb schuldig und belegte ihn mit einer G e - fängnisstrafe von vier Monaten und einer Geldstrafe von 150, RM. Der betroffenen Firma wurde die Befugnis zugesprochen, den erken­nenden Teil des Urteils auf Kosten des Angeklag­ten öffentlich bekannt zu machen.

Rundfmikprogramm

Dienstag, 4. April.

5.50 Uhr: Dauer, merk auf! 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Ausführung: Das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. 7: Nachrichten. 8.10: Gym­nastik. 8.25: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 8.40: Froher Klang zur Werkpause. Es spielen die Münchner Rundfunkschrammeln. 9.30: Nur Frei­burg: Nachrichten. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mit­tagskonzert I. Ausführung: Kurhessifches Landes- orchestcr Kassel. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskon- zcrt II. 14: Nachrichten. 14.15: O holde Frau Musika. (Jndustrie-Schallplatten.) 16: Nachmittagskonzert. Ausführung: Das Orchester des Reichssenders Kö­nigsberg. Einlage: Das Mikrophon unterwegs. 18: Volk und Wirtschaft:Das Gesetz des Brotes". 18.15: In der Werkstatt des Osterhasen. 18.30: Schöne deutsche Volkslieder. Ausführung: Annie Bräuning (Sopran), der Chor des Reichssenders Frankfurt. 19: Mein Weg zur Bühne: Gustaf Gründgens. (Plauderei aus dem Band:Schau­spieler erzählen".) 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Jetzt geht es in die Welt ...! Von frohen Fahrten in Lied und Wort. 20: Nachrichten Grenzecho. 20.15: Wenn Sie Zeit und Luft haben". (Ein buntes Pro­gramm.) L2: Nachrichten. __________

Die Lagd im April

Aus der engeren Heimat

Beim Kaffeetisch in einer Jagdhütte von einem Keiler beacht.

LPD. Büdingen, 2. April. Ein Jagdpächter aus Frankfurt a.'M. war mit seiner Frau und einigen anderen Jagdgästen gerade beim Kaffee- tisch in seiner Jagdhütte in der Nähe des Dorfes Bindsachsen, als plötzlich mit großer Wucht die Tür aufgestoßen wurde und ein K e i l e r h e r e i n st ü rm t e, der von wildernden Hunden verfolgt wurde. Bei dem raschenEintritt" des un­verhofften Besuchers flogen der Kaffeetisch, die Stühle und das Kaffeegeschirr bunt durcheinander. Die Jagdgesellschaft, aber auch der Keiler waren nicht wenig überrascht von der gänzlich unerwarte­ten Begegnung. Der Schwarzkittel wollte nun schleunigst wieder ausreißen und sein Heil in der Flucht versuchen, doch kam ihm die Frau des Jagd­pächters dadurch zuvor, daß sie geistesgegenwärtig die Jagdbüchse ihres Mannes ergriff und den flüchtenden Keiler auf etwa 20 Meter Ent­fernung noch durch einen gutgezielten Schuß zur Strecke brachte.

Landkreis Gießen.

(D Wiefeck, 2. April. Der Turnverein W i e f e ck brachte am Freitag feinem Ehrenmitglied Ludwig Oßwald II. anläßlich seiner goldenen Hochzeit ein Ständchen, bei dem die Gesangsabtei­lung einige Chöre fang und Dereinsführer D a u - pert dem Jubelpaar die Glückwünsche des Vereins aussprach. Die Jungmädelgruppe hatte zu einem Elternabend bei Gastwirt Braun ein­geladen, zu dessen Beginn die Gruppenführerin Elfriede Schneider nach der Begrüßung den sehr zahlreich erschienenen Eltern einen kurzen Ueberblick über die Jungmädelarbeit gab und die Hoffnung aussprach, daß der Zweck des Abends, ein paar fröhliche Stunden gemeinsam zu erleben, erfüllt werde. Was die Kinder im Laufe des Abends an Liedern, Tänzen und Spielen brachten, fand reichen Beifall und wurde am Schluß des Abends auch von Ortsgruppenleiter Euler lobend aner­kannt. Eine Ausstellung von Arbeiten der Kinder zeigte das ernsthafte Streben der Jugend.

* Allendorf (Lahn), 3. April. Am heutigen 3. April wird unser Mitbürger Gastwirt Heinrich H ö r r I. bei bester Gesundheit 7 0 Jahre alt. Als geborener Heuchelheimer kam er am l.Mai

Während im Vorjahre, als am 1. April das neue Jagdjahr begann, nach ungewöhnlich warmen Märztagen es überall blühte und grünte und die Saaten in vollem Grün standen, will heuer der Winter nicht recht weichen. Don den Höhen des Taunus und Westerwaldes und vom Vogelsberg leuchtet es weiß hinunter in die Täler, und auch den Niederungen brachte der März noch Schnee und Frost in solchem Maße, daß der Jäger mit Sorgen an die ersten Häschen dachte, die nur zu leicht solchem Wetter zum Opfer fallen, zumal wenn es draußen an schutzgebenden Deckungen fehlt. Die­ser erste Hasensatz aber, der selbst in diesem Jahre noch zur Fortpflanzung kommt, kann das Gdsamt- jagdergebnis entscheidend beeinflussen.

Für die tieferen Lagen aber scheint die Schnee­decke der Höhen eine andere Folge gehabt zu haben: der S ch n e p f e n st r i ch war besser als seit Jah­ren, wenn auch das winterliche Märzwetter wäh­rend eines großen Teiles des Monats die Jagd- ausübung erschwerte. Auch in der ersten Aprilhälfte kann die Jagd auf denVogel mit dem langen Ge­sicht" noch ausgeübt werden, doch dürfte es sich nun bald nur noch um Brutschnepfen handeln, die abends streichen, während der eigentliche Zug, der schon in den ersten Märztagen einsetzte, vorüber ist. Das bedeutet für den JägerHahn in Ruh!" .

Ebenfalls bis zur Monatsmitte darf sein Jagen noch dem rufenden Ringeltauber gelten, der ihm einen Ersatz bieten kann für den großen Hahn, auf den jetzt der Weidmann in anderen deutschen Jagdgründen im Morgendämmern weidwerkt, oder für den Spielhahn, der in Heide und Mohr balzt.

Sonst aber ist der April ein Monat der Wild­pflege und W i l d h e g e. Die Brut- und Satzzeit beginnt und damit die Sorge für den Jäger, wie er Jungwild und Gelege vor der Vernichtung schützen kann. Denn wenn man die natürliche Vermehrung unseres Niederwildes einmal damit vergleicht, was wirklich zur Strecke kommt, so muß einem mit er­schreckender Deutlichkeit klar werden, wie hoch die Verluste doch sein müssen, die aus b-en verschieden­sten Gründen im Laufe des Jahres eintreten. Ge­rade jetzt ist es noch Zeit, sich daran zu erinnern, daß der Mangel an guten Deckungen eine Haupt­ursache ist. Die rücksichtslose und jeden Verständ­nisses für die Bedeutung der Hecken und Baum­gruppen in unseren Fluren bare Heckenvernichtung hat ja nun im Landkreis Gießen erfreulicherweise ein Ende gefunden. Durch eine Polizeiverordnung vom 31. März 1939 ist es verboten, Hecken und Bäume der freien Landschaft (außerhalb des ge­schlossenen Ortsbereiches oder des Waldes) zu be­seitigen, beschädigen usw., wenn dafür nicht die Zu­stimmung des Landrates eingeholt wurde. Wenn diese Bestimmungen auch vor allem aus Gründen der Landeskultur und des Vogelschutzes getroffen wurden, so sind sie in ihren Auswirkungen doch auch gerade für die Niederjagd von ausschlaggeben­der Bedeutung. Sache der Jäger wird es vor allem sein, die Innehaltung der Vorschriften überwachen zu helfen. Doch in vielen Gemarkungen ist auch mit der Erhaltung der wenigen noch vorhandenen Hecken nicht genug getan. Hier muß an Ersatz für das Vernichtete gedacht werden. Fast überall findet man kleine oder größere Flächen Oedland, alte Steinbrüche, Sand- und Kiesgruben, die ungenutzt liegen, die Landschaft verunzieren und von Pflan­zen überwuchert nicht nur schöner wirken, sondern auch ideale Schutzinseln für -die gesamte Tierwelt darstellen würden. Man darf allerdings nicht war­ten wollen, bis vielleicht einmal im Laufe von Jahrzehnten eine natürliche Besiedlung stattfindet. In Zeiten, in denen die Schädlingsbekämpfung im Feld- wie Obstbau eine so große Rolle spielt wie heute, in denen die Imker überall nach Pflanzmög­lichkeiten für Honig oder Pollen spendende Sträu­cher suchen und in denen der Wunsch wieder auf­taucht, die Feldmark nicht nur zweckmäßig, sondern auch schön zu gestalten, sollten sich gemeinsame Kräfte zu Genüge finden, um etwas Wertvolles zu schaffen. Aber die Zeit dazu ist da, wenn nicht wieder ein Jahr nutzlos verstreichen soll. Es gibt für den hegenden Weidmann, der solche Anlagen einmal' geschaffen hat, eigentlich keinen schöneren Dank, als wenn er dann während des ganzen Jah­res dort das Wild antrifft, das hier brütet und

1896 nach hier und übernahm die WirtschaftZum grünen Grund". Drei Jahre später gründete er noch eine Mineralwasserhandlung. Als Gastwirt sowie als Mineralwasserhändler hat er sich in seiner Heimat­gemeinde und darüber hinaus einen guten Namen gemacht. Sein goldener Humor und seine Freund­lichkeit brachten ihm viele Freunde. Sein Heimat­blatt, der Gießener Anzeiger, ist seit 44 Jahren in seinem Hause. Wir gratulieren dem Jubilar herz­lich zum Geburtstag.

L i ch, 31. März. Dieser Tage fand in unserer Stadt eine Tagung der Amtsträger des Reichsluft­schutzbundes der Gemeindegruppe Lich statt, die von der Ortskreisgruppe Gießen einberufen worden war. Nach feierlicher Flagaenhissung wurden mit den etwa 50 erschienenen Luftschutzwarten die einzelnen Fragenthemen aus der Luftschutzarbeit durchberaten. An die jeweiligen Referate schloß sich eine eingehende Aussprache an. Gegen Abend konnte der Ortskreis­gruppenführer Clotz (Gießen) die Tagung schließen. In dem mit den Fahnen des Reiches festlich ge­schmückten Licher Lichtspielhaus fand am Freitag­abend die Entlassungsfeier des ältesten Jahrganges der Volksschule statt. Nach dem feierlichen Einzug der neuen Schulentlassenen, begrüßte Rektor S a - mes die Vertreter der Partei, die Lehrer sowie die Elternschaft und stellte den Abend unter ein mar­kantes Führerwort. Wechselgespräche, Musikvorträge und Lieder verschönten die Feier. In seiner Ab­schiedsrede ermahnte Rektor Sarnes die Schüler und Schülerinnen, alles einzusetzen, um draußen im Leben tüchtige und treue Deutsche zu werden. Den Abschluß der würdigen Feier bildete die Ansprache von Ortsgruppenleiter Kuhn, der die Jungen und Mädel in die Gemeinschaft aufnahm. In der hiesigen Turnhalle kam nm Samstagabend durch die Gau­filmsteste der NSDAP, in Verbindung mit dem NS,-Reichsbund für Leibesübungen der Film vom 1. Deutschen Turn- und Sportfest 1938 in Breslau zur Aufführung. Vor Beginn der Aufführung sprach Kreisführer Dr. Schäfer (Gießen) über die gro­ßen und erhebenden Tage von Breslau.J5n der Turnhalle fand ein von der Sängervereinigung Cäcilia" und dem Frauenchor in Verbindung mit der Partei durchgeführter Volksgemein­schaftsabend zu Gunsten des WHW. statt. Ne­ben Chor- und Quartettvorträgen verschönte Heimat­dichter Gg. Heß (Leihgestern) durch Mundartdich­tungen das Programm.

setzt, seine Jungen hochbringt und im Winter Deckung vor Wetter und Feinden und Futter findet. Etwas auf diesem Wege kann überall geschehen, es muß nur der Wille zur Tat vorhanden sein!

Neben der Verstärkung der Deckungen handelt es sich vor allem um Kurzhaltung der natürlichen Feinde. Allmählich beginnen die Katzen wieder zu feldern. Je höher die Saaten werden, um so mehr wird Mieze von der Hauskatze zur Feldkatze. Und wildernde Hund^ finden an Mutterwild, das vor dem Setzen steht, und an Jungwild leichte Beute. Dazu kommt dann das schwarze Gelichter der Krähen und Elstern. Die Rabenkrähen sind schon gepaart, es ist leicht, das Jagdgebiet der einzelnen Paare festzustellen, auch den Brutbaum zu finden. Wo der Abschuß nicht ausreicht oder vielleicht unmöglich ist, weil die Nester im Walde des Nach- barrevieres stehen, während die Krähen hier die Feldflur absuchen, muß das Giftei helfen, dessen Benutzung durch das Jagdgesetz ja ausdrücklich ge­stattet ist. Nur vergesse man nicht, vorher die polizei­liche (nicht des Kreisjägermeisters) Genehmigung einzuholen. Auffallend ist die überall bestätigte Zunahme der Elstern, die als Eierräuber ver­mutlich noch gefährlicher find als die Krähen. Da ihre Nester meist verhältnismäßig niedrig stehen, ist ihre Zerstörung leichter und sollte unter allen Um­ständen durchgeführt werden. Verwiesen fei schließ­lich noch auf die Gefahr, die das Großwiesel für die Niederjagd darstellt. Sein Fang in Kasten­fallen führt am raschesten zum Erfolg.

Zur Wildpflege gehört im Schalenwildrevier auch

die Anlage von Salz lecken. Wer Ackerflächen im oder am Walde zur Verfügung hat, legt sie als Wildäcker an und bietet damit feinem Wilde nicht nur zuträgliche Aesung, sondern vermindert auch den Wildschaden. Viel zu wenig geschieht für die Aesung auf den Waldschneisen. Durch Gaben von Kainit, Kali, Kalk läßte sich nicht nur ihre Zu­sammensetzung pflanzlicher Art günstig beeinflussen, sondern auch der Nährstoffgehalt der Pflanzen be­einflussen, der dann wieder in der Entwicklung des Tierkörpers (Geweihbildung z. B.) zum Ausdruck kommt.

Die W i l d z ä h l u n g wird zu Ende geführt. Am 10. April müssen die Abschußpläne in der Hand des Kreisjägermeisters sein. Während bann der Jäger seine Hochsitze und Leitern in Ordnung bringt, Pirschsteige anlegt usw., bestätigt er sich seine Ab­schußböcke, die zu Beginn der Schußzeit Mitte Mai möglichst rasch fallen sollen. Vielfach wird dies wäh­rend der Zählzeit, da die Böcke noch im Bast gingen, nicht einwandfrei möglich gewesen fein. Außerdem verteilen sich ja nach der Fegezeit die Sprünge, die Böcke stehen nach den Kämpfen um den Einstand vielfach allein und müssen nun einwandfrei bestätigt werden. .Das gibt dem Jäger Grund genug, auch wenn e? nicht jagen kann, sein Revier zu begehen und zu überwachen.

Am 1. April hat das neue Jagdjahr begonnen, und damit ist die Erneuerung des Jagd­scheines nötig geworden. Jeder Jagdausübungs- berechtigte und Jagdschutzbeamte muß ihn bei Jah­resbeginn besitzen, weil er sonst seiner Jagdschutz­verpflichtung nicht nachkommen kann. Auch jeder Hundebesitzer denke daran, daß nur mit einem gül­tigen Jagdschein die Haftpflichtversicherung ver­bunden ist. Hubertus.

As MöSchm Mm.

Nomon von Mllher Kloepffer.

(kopyrlghl by <IacI Duncker Verlag, AorllnV^zz

35 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Nach eingehender Schilderung seiner Versuche schloß Holl:Ich hoffe, daß durch diese beiden Versuche die Brauchbarkeit und Ungefährlichkeit meines Verfah­rens erwiesen ist. Man kann in Zukunft Menschen­blut haltbar machen, wenigstens für eine gewisse, praktisch verwertbare Zeit, und das ist immerhin, wie ich glaube, ein Fortschritt. Hier sind die genauen Notizen, und hier ist das Gestell mit den Röhrchen. Bitte, Herr Professor!"

Brettschneider entwickelte plötzlich eine ungeahnte Lebendigkeit, denn er sprang auf, griff sich ein paar Gläschen heraus und stelzte ^um Mikroskop. Als cf hinlänglich durch den Tubus gestarrt hatte, machte er sich über Holls Aufzeichnungen her. Dann mur­melte er:Bitte, wie war das mit Ihrem Selbst- verfuch? Noch mal, langsam, ganz ausführlich."

Ich habe am verflossenen Dienstagnachmittag fünf Uhr einer gewissen Anna Schwiebus ..."

Halt, wer ist diese Schwiebus?"

Eine kleine Zeitungsverkäuferin, die ich seit Jah­ren kenne. Sie hat den Kiosk draußen norm Ein­gang. Ich habe sie darum als Versuchsperson ge­wählt, weil ihr die paar Mark Gebühr guttun. Sie ist nämlich sehr arm. Ihr Blut war einwandfrei, auch bezüglich der Blutgruppe."

Schön! Weiter", forderte der Professor und de- , fdjäftigte seine Blicke mit einem Plakat:Es wird gebeten, den Wasserhahn nach Benutzung abzu­drehen."

Ich habe also der Schwiebus die übliche Menge Blut entnommen und es in zwei Hälften in den Brutschrank gegeben. Gläschen A zur Kontrolle, Gläschen B unter Zusatz von Wirkstoff X. Vier Tage später, also gestern, habe ich Blut B geprüft und un­verändert befunden. Daraufhin habe ich Dr. Kisten­macher ersucht, es mir einzuspritzen, aber er hat sich geweigert und hat mich an Sie verwiesen."

Hm! Eigentlich ganz in Ordnung. Aber ihr jungen Leute wollt ja immer mit dem Kopf durch die Wand."

Ich war meiner Sache sicher", entschuldigte sich Holl.

Na und weiter?"

-Weiter war nichts. Es wäre höchstens noch zu ttwähnen, daß ich bisher niemand in meine Versuche LlngeEht habe. Sie M !b& erste. Hexx Prosejspx,"

Sehr verbunden! Und dann haben Sie sich das Zeug eingespritzt?"

Ja. Es war ein bißchen umständlich, so mit einer Hand, aber es ging. Hier ist der Einstich", sagte Holl und schob den Aermel hinauf.

Besondere Beobachtungen dabei?"

Keine. Wirklich keine. Es war wie jede andere Blutübertragung", antwortete Holl nachdenklich. Wenn Sie, Herr Professor, meine Arbeit günstig beurteilen, möchte ich sie morgen an das Physio­logische Institut zur Nachprüfung schicken."

Der alte Arzt trat einen Schritt näher und sah dem jungen in die Augen. .

Günstig sagen Sie? Bloß günstig? Sie sind be­scheiden, Holl. Was Sie da ausgetüftelt haben, ist eine ganz große Sache. Mit dem Wörtchen groß wird viel Unfug getrieben, aber hier ist es am Platz. Ich beglückwünsche Sie von Herzen zu dieser hervorragenden Leistung!"

Ich habe halt Dusel gehabt, wie man so sagt", lächelte Holl, aber innerlich war er doch recht stolz auf diese Anerkennung.

Natürlich auch Dusel. Aber ein reiner Zufalls­treffer ist das nicht. Das ist eine saubere systema­tische Arbeit, vor der ich meinen Hut ziehe. Das bringt das KapitelBluttransfusion" in ein völlig neues Stadium. Wir brauchen uns da nichts vor­zumachen, wie sind doch beide vom Fach. Hier haben Sie meine Hand! Hochachtung!"

Holl sah verlegen zu Boden.

Brettschneider zog seine Uhr.Was? Schon elf? Da ist es ja höchste Zeit, daß ich zu Hcgemann komme. Einen Vorschlag, junger Freund. Wollen Sie mir Ihre Aufzeichnungen anvertrauen? Ich würde dann selbst mit Buhmüller vom Physiologi­schen sprechen. Dann geht es rascher, verstehen Sie? Sonst liegt Ihre Arbeit eine Ewigkeit herum. Sie können sich ja denken, wie das so ist."

Sie sind sehr liebenswürdig, Herr Professor. Ich fürchte nur, ich kann dieses Anerbieten nicht anneh­men", wand sich Holl.

Wieso? Machen Sie doch keine Geschichten und geben Sie her. So. Danke!"

Herr Professor, ich muß Ihnen zu meinem Be­dauern noch eine weitere Eröffnung machen. Ich bitte um meine Entlassung."

Ach so, der Wirkungskreis hier ist Ihnen jetzt wohl zu eng?" murmelte Brettschneider verletzt.

Nein, das ist nicht der Grund. So dürfen Sie mich nicht einschätzen. Ich habe vielerlei Fehler, aber undankbar bin ich nicht", verwahrte sich Holl er­schrocken.Das bißchen Erfolg hat mich noch nicht größenwahnsinnig gemacht. Der Grund ist ein an­derer und hat mit Medizin nicht das geringste zu tun- Verzeihen Sie mir, vrevü ich ihn nicht nenns»"

Sie begreifen, daß wir eine Kraft wie Sie un­gern verlieren. Wir würden Ihr Gehalt natürlich angemessen erhöhen. Ich setze dos bei Herrn Hege­mann ohne Schwierigkeit durch.", schlug der andere auf den Busch.

Auch mit Geld hat mein Weggehen nichts zu tun."

Dann ist also gar nichts zu machen?'

Leider nicht. Es wäre mir angenehm, wenn Sie nicht auf der Kündigungsfrist bestehen würden ..."

Das eilt ja ungeheuer. Na gut! Wir sind nicht kleinlich. Sonst noch etwas?"

Nein! Ich danke Ihnen für alles, Herr Profes­sor! Ich verdanke dem Werk viel und war gern hier. Ich bebaute diese Trennung vielleicht am mei­sten, aber es geht nicht anders", sagte Holl leise und hatte Bitterkeit im Munde. Nun lag er bald wieder auf der Straße, ein Mann ohne Geld und Stellung.

Na schön. Sie müssen ja wissen, was Sie tun, obschon ich das ganz und gar nicht begreife. Ihre Papiere können Sie trotzdem dalassen; ich werde mit Buhmüller reden. Wollen Sie noch einmal mit zu Hegemann hinüber?"

Ich bitte, mich davon zu entbinden und die wei­tere Behandlung zu übernehmen. Es wird den Herrschaften nichts ausmachen."

Dann alles Gute für die Zukunft. Lassen Sie mal etwas von sich hören; es wird uns freuen."

Vielen Dank!" würgte Holl hervor und ging.

Brettschneider putzte mit einem Rehlederläppchen nachdenklich seine Goldbrille. Er überlegte, was das seltsame Vorhaben seines dritten Werkarztes wohl zu bedeuten habe und gelangte zu einem Verdacht. Dann raffte er Holls Notizen an sich und schritt nach der Villa hinüber.

Hegemann saß bei feinem Eintritt in einem be­quemen Sessel, sah recht mitgenommen aus und hatte trotz seines Turbans wenig Paschahaftes an sich. Seine Tochter hatte ihm aus der Zeitung vor­gelesen; denn Hegemann ohne Zeitung war wie ein Kurzsichtiger ohne Brille. Beide freuten sich über den Besuch.

Na, alter Schwede, haben sie dich hergesprenat? Das tut mir leid. Welches Kamel hat denn diesen Blödsinn angerichtet?" begrüßte der Geheimrat den Freund des Houses.

Niemand, Franz. Es hat mir keine Ruhe ge­lassen."

Bist ein guter Kerl, Brettschneider. Maxie, sieh mal zu, ob ihr nicht ein Gläschen Portwein in der Nähe hobt."

Danke, danke! Nein, ganz ausgeschlossen! Bleib sitzen Liane. Solltet du nicht im Bett sein, lieber

Freilich sollte ich. Dein Doktor Holl hat mir das eigens ans Herz gelegt. Uebrigens ein fixer Kerl; der flickt dir die Visage zusammen wie's heilige Don­nerwetter. Weißt du, ich bin nur aufgestanden, da­mit sie das Bett machen können. Geht mir ganz an­ständig, nur Kopfbrummen und Schlappfein.

Das läßt fich denken."

Brettschneider erwog, ob er die Angelegenheit Hall nicht zur Sprache bringen sollte. Dann ließ er es bleiben. Hegemann hotte genug Aufregung hinter sich. Sie unterhielten sich noch ein wenig über den Einbruch und über dos Manuskript, das be­reits vorher im Stahlfach einer Bonk untergebracht worden war, so daß es nach menschlichem Ermessen künftig besser geschützt war. Dann empfahl sich der Professor, und Maxie geleitete ihn zur Diele. Hier blieb Brettschneider plötzlich stehen, kämmte mit den Fingern verlegen durch feinen Bart und meinte:

Hör mal, Liane, ich muß dich noch unter vier Augen sprechen. Habt ihr nicht irgendwo ein beschei­denes Kämmerchen?"

Maxie führte ihn in das Rauchzimmer und schloß die Doppeltüren.Hier sind wir ungestört. Was hast du mir zu sagen, Onkel Brettschneider?"

Hm! Du siehst in letzter Zeit gar nicht gut aus, mein Kind."

Findest du?

Deine Gesichtsfarbe, dein ganzes Wesen, vor allem aber die Augen sind anders. Hast du Liebes­kummer? Ich bin ein alter Mann; du kannst ruhig offen sein zu mir. Betrifft es Holl? Du hast mir vor einigen Wochen von ihm erzählt. Entsinnst du dich noch?"

Maxies Blicke flüchteten auf den eingelegten Par­kettboden, als gäbe es da wunder was zu sehen. Sie tändelte mit einem Knopf ihres Kleides und mochte die Lippen dünn. Auf diesen Ueberfall ohne Umschweife war sie nicht gefaßt.

Holl hat vorhin um seine Entlassung gebeten. Einen Grund gab er nicht an, aber ich kann mir schon denken, was los ist. Er hat außerdem gestern eine wissenschaftliche Arbeit beendet, die eine Lei­stung ersten Ranges ist. Eine grundlegende neue Sache auf dem Gebiet der Blutforschung; Einzel­heiten dürften dich nicht interessieren. Doktor Holl wird in Kürze vermutlich ein berühmter Mann sein. Es ist uns natürlich nicht gleichgültig, ob wir einen solchen Mitarbeiter verlieren oder nicht. Deinem Vater habe ich aus guten Gründen noch gar nichts gesagt von diesen Neuigkeiten. Er wird sehr ärger­lich fein, wenn er hört, daß wir Holl nicht zu hal­ten vermochten. Ich habe mir fofort Gedanken ge­macht, ob Holls Entschluß nicht mit dir zusammen­hängt, und es scheint tatsächlich so zu sein. (5timnd

(Fortsetzung folgt)