Ausgabe 
3.4.1939
 
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Hr.79 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 3. April (939

sagen, daß unter der Fülle die Qualität nicht er« drückt wurde; im Gegenteil: die Landschaften, die Bildnisse und Figurengruppen liegen alle auf bet klaren Linie stetiger Entwicklung zu einem persön­lich gefestigten und ausgeprägten Stil. Man mutz sich altere Arbeiten von Hagenauer vergegenwärti-- gen, um das abzuschätzen. Die Schwalm, wo Hage­nauer in der letzten Zeit viel und intensiv arbeiten konnte, hat auf seine Entwicklung den entschiedensten Einfluß ausgeübt. Man gewinnt den Eindruck, daß diese Landschaft, in ihrer spezifischen Eigenart, ihrer Weltabgeschiedenheit und mit der dort lebendigen künstlerischen Tradition, in einem besonderen Sinne anregend wirkt und Kräfte entbindet, die sich zuvor kaum je mit solcher persönlichen Klarheit freimachen und durchsetzen konnten.

Die Schwälmer Menschen und ihre heimatliche Welt, wie sie Hagenauer abbildet, haben etwas von der gesunden Erdhaftigkeit und Natürlichkeit, die ihren Charakter (bis in die Tracht hinein) kenn- zeichnet. Die stilistische Entwicklung, von der die Rede war, ist auf den Wesenskern, auf Verinner­lichung und, im Zusammenhang damit, auf Verein­fachung und Sparsamkeit der Ausdruckswerte ge­richtet. Daß dies nichts mit Dürre und Dürftigkeit zu tun hat, erkennt man mit einem Blick auf die farbig (nicht bunt) bewegte, liebliche Mädchengruppe ebenso wie an dem großen Bilde mit den beiden Bäuerinnen: hier ist etwas von der schwerblütigen, in sich ruhenden, selbstsicheren Lebensfülle zu spüren, wie man sie von den Gestalten auf Bantzers be­rühmten Bildern kennt. Und in den Landschaften, mit wenigen Ausnahmen ebenfalls in Willings­hausen entstanden, herrscht ein freundlicher Reich­tum der Farben wie der Formen, in denen sich das vielfältige Antlitz des gesegneten heimatlichen Him­melsstriches vertraut und anmutig spiegelt.

Hans Thyriot.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Konrad Z w i e r z i n a , der her­vorragende em. Ordinarius für Deutsche Philologie an der Universität Graz, vollendete das 7 5. Le­bensjahr. Zwierzinas kritischer Scharfsinn und ästhetisches Formgefühl haben vor allem der mittel­hochdeutschen Textkritik unschätzbare Förderung ge­bracht. Niedergelegt sind seine Ergebnisse in Schriften über Hartmann von Aue und Wolfram von Eschen­bach sowie in den mit C. von Kraus besorgten Kritischen Ausgaben altdeutscher Texte, daneben zer­streut in wissenschaftlichen Organen und Festschriften. Der Gelehrte, ein geborener Wiener, wirkte als Or- dinarius in Graz, wo er sich 1897 habilitierte, und wohin er 1912 zurückkehrte, dazwischen lehrte er in Freiburg (Schweiz) und Innsbruck. Er ist Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften.

Mglieder-Appell der Ortsgruppe Gießen-Aord.

Aus der Stadl Gießen.

Mütter, lehrt eure Kinder Äerkehrsdisziplin. (

Wenn heute im Interesse einer erhöhten Ver­kehrssicherheit Eltern und Erziehungsberechtigte stärker als früher zur Verantwortung herange­zogen werden, so bedeutet das für sie nicht etwa eine unerträgliche Belastung. Wer um die Tau­sende von Derkehrsunfällen weiß, die durch unbe­aufsichtigte Kleinkinder entstehen, wer ferner ver­folgt, wieviel Unfug von unserer Heranwachsenden Jugend auf öffentlichen Verkehrswegen angerichtet wird, der wird nicht zuletzt im Hinblick auf die unseren Buben und Mädel selbst drohenden Ge­fahren die Forderung nach erhöhter Aufsichts­pflicht begrüßen.

Was kann die Mutter aber tun, um die an sie gestellten Forderungen zu erfüllen, ohne deshalb mit ihrem übrigen reichen Pflichtenkreis in Kon­flikt zu geraten? Beim Kleinkind muß die ver­stärkte Aufsichtspflicht wörtlich genommen werden Die Mutter wird also dafür zu sorgen haben, daß ihr Kleinkind keine Gelegenheit zum unbeaussich- trgten Spielen auf Derkehrsstraßen findet.

Für die Aelteren aber verfängt diese direkte Aufsicht nicht mehr, sie wollen und sollen nicht den ganzen Tag an Mutters Schürzenzipfel hangen. Hier setzt die passive Aufsicht ein. Man muß die Kinder von einer besonderen Seite packen, und abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen hier ist auch der wildeste Junge, das gedankenloseste Mädel zu fassen: Einanständiger Kerl" wollen sie alla. sein! Wenn die Mutter dies ausnutzt, wenn sie ihren Kindern anhand irgend eines, aus dem Alltag herausgegriffenen Beispiels die Notwendig­keit straffer Disziplin auch auf der Straße auf- zeiqt, dann wird sie mehr erreichen, als durch Dro­hungen oder Schauergeschichten. Denn wir dürfen nicht vergessen: Schon Pimpf und Jungmädel füh­len sich heute als Träger einer Gemeinschaft, für die sie mit ihrer ganzen kindlichen Kraft einzu­treten bereit sind, selbst unter Verzicht auf einen der sanft sehr beliebten dummen Streiche. Diese innere Haltung setzt auch schon bei den jüngsten Gliedern der Gemeinschaft eine Disziplin voraus, die jede Mutter zur Erleichterung ihrer Aufsichts­pflicht sich zunutze machen sollte.

Vornotizen.

Tageskalender für TNonlag.

NS.-GemeinschaftKraft durch Freude": 20.30 Uhr im Gloria-Palast (Seltersweg)Lachendes Allerlei". Gloria-Palast (Seltersweg) 16 Uhr: Die Frau am Scheidewege". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Drei wunderschöne Tage". Obechessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Aus- ftellung hiesiger Künstler im Turnihaus am Brand.

WHW., Ortsführung Sießen-Nord.

'Bett.: Kohlenabrechnung.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die m Zahlung genommenen Kohlengutscheine Serie F bis spätestens Mittwoch, 5. April, auf der Ge­schäftsstelle, Walltorstraße 38, einzureichen. Später eingehende Gutscheine können nicht mehr berück­sichtigt werden.

B DM.-Untergau 116 Gießen.

Befr.: Weltanschauliche Arbeitsgemeinschaft.

Am Mittwoch, 5. 4., 20 Uhr, findet im Studen­tenheim die letzte weltanschauliche Arbeitsgemein­schaft für das abgelaufene Winterhalbjahr statt.

" Bett.: Stabsbesprechung.

Am Montag, 3. 4., findet um 20.15 Uhr auf der Dienststelle des Untergaues für alle Stabsmitglie­der und Ringführerinnen eine Besprechung statt.

Die Ortsgruppe Gießen-Nord der NSDAP, hielt am Samstagabend im Cafe Leib einen General- Mitglieder-Appell ab, der der Vereidigung von eini­gen Hundert Parteianwärtern diente. Der festlich geschmückte Saal, aus dessen Bühne, von Grun- chmuck umgeben, eine Führer-Büste Ausstellung ge- unden hatte, war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Spielmanns- und Fanfarenzug des Fähn­leins 21 und der Musikzug der Kreisleitung mit Marschweisen die Veranstaltung einleitete.

Nach dem Einbringen der Fahne eröffnete Orts­gruppenleiter Thomas den Mitglieder - Appell. Das gemeinsam gesungene LiedVolk, ans Gewehr" leitete zu der Ansprache des Kreisamtsleiters H c ß über, der in großen Linien den zu verpflichtenden Parteianwärtern die Pflichten des Gefolgsmannes des Führers auseinandersetzte. Er ging dabei von einem Vergleich der Zeit vor der Machtübernahme mit den heutigen Tagen aus und legte dar, wie durch die Macht der Idee des Führers ein Wandel auf allen Gebieten eingesetzt hat. Aus einem dem Verfall nahestehenden Staate, so führte er u. a. aus, sei wieder ein starkes und mächtiges Reich ent- tanden, in dem viele bisher vor den Grenzen stehende Volksgenossen wieder eine Heimat gefun­den hätten und dessen Volk von 80 Millionen ein Bollwerk des Friedens in Europa darstelle. Ueberall sähen wir heute, wie die Idee des Führers Ausdruck finde in dem Schwung, mit dem alle Arbeit voran­gehe, in den Formen des Lebens und in der Hal-

Jn festlichem Rahmen, im Saale des Gesellschafts­vereins, hielt der Bauersche Gesangverein die Feier seines 75jährigen Bestehens ab. Die Stirnseite des Saales war mit Blumen und frischem Grün und der Zahl 75, von einem Blumenkranz umgeben, ge­schmückt. Ferner sah man eine stattliche Anzahl wert­voller und im Laufe der vergangenen Jahrzehnte errungener Ehrenpreise zur Schau gestellt. Die Mit­glieder nahmen fast vollzählig teil, und viele Gäste weilten im Kreis der Sänger. Zahlreiche Gesang­vereine der näheren und weiteren Umgebung hatten Abordnungen entsandt.

Nach einer Reihe ausgezeichneter Darbietungen bester deutscher Konzertmusik (C. M. von Weber), R. Wagner, Strauß, Thomas usw.) durch die Ka­pelle K r e n g e l hieß der stellvertretende Vereins­führer H. Schneider alle Teilnehmer willkom­men. Sein besonderer Gruß galt dem Vertreter des Kreisleiters, Grünewald, dem stellvertre­tenden Gauführer im DSB., Schulrat Born, dem Gauchormeister Universitätsmusikdirektor Professor Dr. Temesvary, dem Sängerkreisführer M ü l-- ler, dem Kreischormeister Blaß, den Ehrenchor­meistern Harnisch (Watzenborn-Steinberg) und Kasten und den Vertretern der befreundeten Ver­eine aus Lich, Wetzlar, Marburg, Schlitz, Butzbach, Hungen, Watzenborn-Steinberg, Großen-Linden so­wie den Gießener BrudervereinenHeiterkeit",Lie­derkranz",Frohsinn-Quartettverein" und allen Mit­gliedern mit ihren Angehörigen. Mit besonderer Freude wurde die Anwesenheit des Ehrenvorsitzen­den Georg Todt und Louis Bellos ausgenom­men.

Der stellvertretende Dereinsführer betonte, daß die 75 Jahre des Bestehens des Bauerschen Gesangver­eins Dienst an Volk und Vaterland gewesen seien und wünschte allen Teilnehmern des Festes unter­haltsame Stunden. Unter der Leitung von Kreis­chormeister Blaß sang dann der Chor des Vereins dieHymne an die Musik" von Bruckner und schuf damit ernste und feierliche Stimmung, die durch den Vortrag der Schudertschen KompositionDie Nacht" gesteigert wurde.

Die Festrede hielt der Ehrenvorsitzende Louis Bellos, der einen umfassenden Rückblick auf die

tung der Menschen, nicht zuletzt auch in dem Stil der Architektur und des Bauwesens. Daß diese Wandlung eintreten konnte, sei dem Führer und seinen alten Parteigenossen zu danken, die treu zum Führer und zur Fahne standen. Wie früher schon, so setze die Zugehörigkeit zur Partei auch heute ein hohes Maß von Einsatzbereitschaft, Disziplin, Mut und Treue voraus; denn wer auf die Fahne Adolf Hitlers schwöre, habe nichts mehr, was ihm selbst gehöre. Abschließend forderte er von den neuen Parteigenossen Einsatzbereitschaft auf allen Gebieten des Lebens im Dienste der Bewegung.

Nach einer Pause sprach Ortsgruppenleiter Thomas, der auf die Bedeutung dieses Mit- glieder-Appells hinwies, der einer der größten seit dem Bestehen der Ortsgruppe sei. Bei der Grün­dung der Ortsgruppe waren npmlich nur 80 Partei­genossen vorhanden, bis zur Machtübernahme zählte die Ortsgruppe schon 300. Heute zähle die Orts­gruppe Nord 800 Parteigenossen und -genossinnen. Mit einem Ausspruch des Führers gab er den Soldaten des Führers" den Hinweis auf ihre Pflichten und las ihnen dann die Richtlinien für ihr ferneres Verhalten vor. Hierauf erfolgte die Ver­eidigung, an die im Anschluß das LiedDer Gott, der'Eisen wachsen ließ" gesungen wurde.

Der Sturm 43/116 und das Fähnlein 21 mit dem Spielmanns- und Fanfarenzug sowie mit dem Ziehharmonika-Orchester verschönten die Veran­staltung.

Geschichte des Vereins gab und an vielen exakt fest- gehaltenen Einzelheiten erkennen ließ, in welch vach­haltiger Weife, selbst in schweren Zeiten, der Verein in Treue der Sache des deutschen Liedes diente. Er rief auch die Namen oll jener Männer in die Er- innerung zurück, die im Laufe der 7V2 Jahrzehnte immer wieder einsatzbereit der Sache des deutschen Liedes, des Bauerschen Gesangvereins dienten, (lieber die Geschichte des Vereins berichteten wir bereits ausführlich in unserer Ausgabe vom 11. und 12. März 1939.) In würdiger Form wurde der im Weltkrieg gefallenen neun Sangesbrüder des Ver­eins gedacht.

In grundsätzlichen längeren Ausführungen sprach dann der stellvertretende Gauführer im DSB., Schul­rat Born (Darmstadt) über die hohe Bedeutung der Pflege des deutschen Liedes in unserer Zeit, von der Kraft und Allgewalt des Liedes über alle deut­schen Menschen und feiner hohen politischen und zeitlosen Bedeutung. Gleichzeitig überbrachte er die Grüße des- Gaufuhrers, Ministerialrat Rings­haufen, wie auch des Deutschen Sängerbundes in seiner Gesamtheit, und übermittelte als Ehren­gabe ein schönes Bild. Herzliche Glückwünsche galten dem nunmehr feit 65 Jahren aktiven Sänger Georg Todt. Darüber hinaus wurden die Sänger Justus K r a f t h ö s e r für 40jährige Sangestätigkeit und der Sänger Karl Schmidt für 50jährige Sanges- tätigtcit im Auftrage des DSB. durch den stellver- tretenden Gauführer ausgezeichnet. Sie erhielten den Ehrenbrief des Bundes.

Der Vertreter des Kreisleiters, Pg. Grüne­wald, wies in kurzer Aussprache darauf hin, daß der Führer dem deutschen Männergesang alle Auf­merksamkeit und Förderung widme. Im weiteren Verlauf des Abends wurden von Sängerkreisführer Müller und von den eingangs erwähnten Ver­tretern befreundeter Vereine überaus herzliche Glück­wünsche entgegengebracht.

Die Vereine übermittelten als Jubiläumsgabe manches Notenmaterial für Chöre, manches schöne Bild und ließen dabei ihre. Hochachtung vor der Leistung des Bauerschen Gesangvereins erkennen. Die Redner fanden manches herzliche Wort der Ver­bundenheit zwischen den Vereinen. Worte des Dankes

fand vor allem der Leiter der Kriegsblinden, Stu« ötenrat Kranz (Friedberg), denen schon öfter mit Liedoorträgen Freude bereitet wurde. Nachdem der Chor noch ein Lied gesungen hatte, fand die Feier ihren offiziellen Abschluß. Kameradschaftliches Bei­sammensein beschloß den festlichen Abend.

Hitler-Lugend Bann 116.

Fliegergesolgschaft 1/116 Gießen.

Heute, Montag, 3. 4., treten sämtliche Jg. deü Fliegerschar 1 und 2 um 20.15 Uhr am Heim (Lud- wigstraße 30) in Zivil an. Sämtliche Beurlaubun­gen werden für diesen Abend aufgehoben. Entschul­digungen werden keine angenommen.

Lachendes Allerlei."

Die NSG.Kraft durch Freude" bringt heutL abend wieder eine große unterhaltsame Veranstal­tung, in der die Musik und der Humor die erste Rolle spielen sollen. Es wurden Künstler verpflich­tet, die vom Rundfunk her schon allgemein bekannt sind und immer wieder ihre Zuhörer zu Beifalls­stürmen hinreißen. Herbert Jäger (am Flügel) wird mit seinen Solisten zu begeistern wissen, In­grid L a r s s e n wird ihre Kunst auf dem Saxophon beweisen, Udo Dietz plaudert, singt und jodelt und. Leonore Bader wird auf ihre Weise zu unter­halten wissen. Helmuth 9)1 o e n cf e wird sich als Akkordeon-Virtuose die Zuneigung seiner Zuhörer zu verschaffen wissen.

Schwere Derkehrsunfälle.

Bei einem Motorradunfall stürzte am Freitage abend die Ehefrau Emma Krümmer aus Wißmar (Kreis Wetzlar) so unglücklich, daß sie mit einem schweren Schädelbruch in die Klinik ein ge­liefert werden mußte.

Am Samstagnachmittag kam der 26 Jahre alts Zimmermeister Ludwig Seim aus Climbach dicht vor dem Orte, in der Richtung nach Beuern zu, mit seinem Motorrad zu Fall. Dabei erlitt der be-?

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dauernswerte Mann einen schweren Schädel^ bosisbruch, der seine Ueberführung in diS Chirurgische Klinik notwendig machte.

Auf der Reichsautobahn in der Nähe von Gie­ßen verunglückte die Frau Elsbeth Kretz aus Elgersberg (Thüringen) bei einem Autvunfoll. Mit schweren Schnittwunden mußte die Verunglückte nach Gießen in die Klinik gebracht werden.

In der Nähe von Sichertshausen stürzte der acht­zehn Jahre alte Johannes Gilbert am gestrigen Sonntag fo unglücklich mit seinem Fahrrad, daß er mit einem schweren Oberschenkelbruch der Chirurgi­schen Klinik Gießen zugefühvt werden mußte.

*

* Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 24. bis 30. 3. ein gegen Kraftfahr­zeugführer mit 18 Anzeigen und zwei gebühren­pflichtigen Verwarnungen, gegen sonstige Fahrzeug, sichrer mit 3 Anzeigen, gegen Radfahrer mit 7 An- zeigen und 13 gebührenpflichtigen Verwarnungen.

** Abgangsprüfung ander Gewerbe- schule Gießen. Unter dem Vorsitz des staatlichen Prüfungskommissars, Regierungsbaurat Kuhl­mann, Gießen, dem Vertreter der Hessischen Lan­desregierung, Schulrot Stirle, Darmstadt, dem Vertreter der Hessischen Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft,. Kreishandwerksmeister' Stühler, Gießen, fand die Abgangsprüfung an der Gewerbeschule statt. Der Prüfung unterzogen sich insgesamt 40 Prüflinge, die sämtlich bestanden, davon 11 mit der Notegut", 14 mit der Note

7S-Mrseier des Pauerschen Gesangvereins.

Gießener Giadttheater.

Eduard Kiinncke:

Der Vetter aus Dingsda".

Vor genau vier Jahren ist diese Operette, die schon damals nicht mehr ganz jung war und auf vielen Bühnen freundliche Erfolge davongetragen hat, zum ersten Male in Gießen gestartet. Es ist die romantische Liebesgeschichte von Roderich und Ju- lia nicht Romeo, zum Unterschied von Shake- speare; übrigens endet die Sache auch nicht mit Blut und Tränen, sondern mit zwei Verlobungen, wie es sich gehört, und weder die Erinnerungen an die Nachtigall und die Lerche noch die Balkonfzene (auch das gibt es hier) brauchen ernftgenommen zu werden. Dieser Roderich ist ein ganz treuloser Bursche, der vor sieben Jahren auf Abenteuer aus­zog, wie im Märchen, und die getreulich wartende Julia schnöde sitzen ließ. Natürlich braucht er sich nicht zu wundern, daß Julia, als er endlich wieder kommt, ihr Herz anderweitig verloren hat, an einen vermeintlichen Roderich, der dem wirklichen zuvor- qefommen ist und durchaus feinen Namen nicht sagen will. Statt dessen singt er ,^ch bm nur em armer Wandergefell", und das ist wirklich eine hübsche und angenehm sangbare Melodie. Da Julia noch eine gute Freundin hat, die sich ihrerseits m den späten Heimkehrer verliebt, ist auch das zweite Pärchen besorgt und aufgehoben.

*

Von wem der Text stammt, wurde, wie vor vier Jahren, auch diesmal verschwiegen; am Ende hat ihn K ü n n e k e selber gemacht. Man muß sich wun­dern, mit wie wenig Handlung die drei Akte aus­kommen, und mit welchem Geschick die Leute an­einander vorbeireden und nichts voneinander wissen. Aber die Musik trägt das Ganze leicht und gefällig über viele Untiefen hinweg: sie ist nicht anspruchs­voll sondern von singspielmaßiger Schlichtheit und Durchsichtigkeit in der Wiederholung der Leitmotive. Nächst dem Wanderlied ist vor allem das Duett aus dem Mittelakt apart gesetzt; der Schlager des Abends war aber das Batavia-Septett, das auf stürmisches Verlangen, sogleich wiederholt werden mußte. *

Herr Buchheim hatte die Spielleitung und brachte die drei Akte, von Herrn P o p e I f a s ge- schmeidiaer Orchesterführung vortrefflich unterstützt, zu unmittelbar zündender Publikumswirkung. Herr Löffler hatte eine stimmungsvolle Mondnacht­szenerie geschaffen; Fräulein Maaß steuerte eine sehr beifällig aufgenommene Urwaldgroteske (Tanz­gruppe mit Ki.nderklafse) bei.

Eva Eckert fang die romantische Julia mit lyrischem Schmelz, Herr Waltz den namenlosen Troubadour mit verführerischem Serenadenklang. Lilly Se di n a a. G. gab die Soubrettenpartie des Hannchens sehr beweglich mit beneidenswertem Mundwerk und drastischen Pointen. Herr Buch - heim machte den komischen Freier.Egon mit dem Blumenstrauß, Herr Weiland den eleganten Fremdling aus Batavia; Herr Haars und Fräu­lein Kneip als Onkel und Tante Kuhbrot auch nicht zu vergessen. *

Es gab viel Beifall, mehrere Wiederholungen und Blumen zum Schluß.

Hans Thyriot

Oberhessischer Kunstverein.

Neue Arbeiten Gietzener Künstler.

Die am Sonntagvormittag eröffnete jüngste Aus­stellung des Oberhessischen Kunstvereins zeigt neue Arbeiten von Lotte D r o e s e, Hans 5) a genauer und Hellmuth M u e l l e r - L e u t e r t: hier sind drei Maler in einem Raume vereinigt, die bei aller individuellen Sonderart stilistisch sehr gut miteinan­der harmonieren.

Don Mueller-Leutert finden wir vor allem die beiden großen, repräsentativen Bilder wieder, von denen in unserem Bericht vom Atelier- Besuch (blvefter-Nummer 1938) bereits die Rede war. Die LandschaftSchwarziach vor der Be- bauung" nimmt ein Lieblingsthema des Künstlers wieder auf und ist gewiß, soweit wir zu sehen ver­mögen, eine seiner reifsten und ausgewogensten Ar­beiten. Die Landschaft am Rande der Stadt mit der begrenzenden Kulisse des Gleibergs im Hinter­gründe erscheint breit und ruhig hingelagert, in sich gegliedert, füllig in Raum uno Tiefe, von einem zart aufgehellten Himmel überwölbt. Ein festes, warmes Erdbraun gibt koloristisch den Grundton, dessen starke Flächen durch eine Anzahl pikant ab­stechender Farbflecken perspektivisch akzentuiert und zugleich gelockert werden. Das Ganze schließt sich in allen Teilen und Schichten zu einer schönen har­monischen Einheit des Bildausschnitts zusammen.

Herber im Ton, dem veränderten Charakter der Landschaft entsprechend, schärfer und auch schroffer in der Konturenführung, bewegter und kontrast­reicher im Kolorit gibt sich die große Ostseelandschaft, die wir seinerzeit in der Silvester-Nummer wieder- gegeben hatten. Das Bild erhält komposiitionell seinen Charakter durch die lebhaft betonte Diagonale und die weit ausgreifende, im Ungewissen des Hin­tergrundes sich verlierende Küstenlinie. Außerdem haben wir ein kultiviertes Blumenstück und das

schlichte, sehr persönlich empfundene Bildnis Frau L. zu verzeichnen.

Lotte Droese ist mit einer stattlichen Kollektion neuer Arbeiten vertreten, von denen wir beim Atelierbesuch im Dezember so gut wie nichts zu sehen bekommen haben. Abgesehen von der quantita­tiven Fülle, die sich hier auftut: es ist bei jeder neuen Begegnung eine reine Freude, die starke und lebendige Entwicklung festzustellen, die hier als er­freuliches Ergebnis intensiver Arbeit ganz unmittel­bar spürbar wird. Es ist da in erster Linie eine Gruppe von Pastellblättern zu nennen, die in diesem Zusammenhang bemerkenswert erscheinen: in der Pastelltechnik gewann Lotte D r o e f e eine Weich­heit und sinnliche Wärme des Tones, der zuvor selten anzutreffen war, und der ein ganz neues Element der Ausdruckswerte in ihre Malerei hin­einbringt, während doch auch in diesen Bildern nichts von der Großlinigkeit, ja stellenweise Mo­numentalität der Auffassung verlorenging, die der Künstlerin stets eigen war und ihrer Tendenz zum Freskostil entspricht. (Das ist merkwürdigerweise auch da kein Widerspruch, wo es sich um Stilleben handelt.) Die Früchte beispielsweise, die man hier sieht, sind farbig und körperlich von einer fast zärtlich empfundenen Frische, Wirklichkeit und Wärme des Tones nichts vonnature morte, wie der französische Terminus, an sich sehr treffend, diese Bildgattung bezeichnet.

Eines der feinsten Stücke aus dieser Pastell-Serie ist die Gruppe der Bauernmädchen: die Ge­stalten noch im sparsamen Figurenumriß mancher früheren Bilder, aber gefüllt mit einem höchst nobel und empfindlich harmonierenden Akkord von ganz zarten blauen, grünen und violetten Tönen. Er­staunlich, wieviel von der sinnlichen Belebung toter Dinge selbst etwa in dem Stilleben mit Sessel spür­bar wird. (Ein ziemlich unkonventionelles Motiv übrigens; bei Menzel kann man es finden, der sich mit unerhörtem Malerinstinkt in derlei Alltäglich­keiten verlieren konnte.) Fast raffiniert in der Gegenführung der Körperbewegung und Profil­linien und in dem ganz sparsam mit Grün ge­höhten Schwarz-Weiß erscheint die Figurengruppe In der Loge". Zwei sehr gute Bildnisse sind noch zu nennen, deren eines, abgesehen von inneren Qualitäten, auch technisch (Aquarell mit Pastell) bemerkenswert ist.

*

Den größten Teil des Ausstellungsraumes be­anspruchen die neuen Arbeiten von Hans H a ge­nau e r ; wir kennen sie zum Teil bereits vom Atelierbesuch im Dezember her. Hagenauer hat im letzten Jahr enorm gearbeitet, und wenn man die Ausbeute, oder jedenfalls einen beträchtlichen und charakteristischen Teil davon, überschaut, muß man