kratischen Großbritannien unt) dem bolschewistifchen Rußland Stalins. Sollte aber wirklich hier kein ideologischer Unterschied sein, dann kann ich nur sagen: Wie richtig ist doch meine Einstellung zum Marxismus und zum Kommunismus und zur Demokratie! Warum zwei Erscheinungen, wenn sie doch den gleichen Inhalt besitzen! (Heiterkeit.)
Wir erleben in diesen Tagen einen sehr großen Triumph und eine tiefe innere Genugtuung. Ein Land, das ebenfalls vom Bolschewismus verwüstet wurde, in dem Hunderttausende von Menschen, Frauen und Männer, Kinder und Greise, abgeschlachtet worden sind, hat sich befreit, befreit trotz aller ideologischen Freunde des Bolschewismus, die in Großbritannien, Frankreich und in anderen Ländern sitzen! Wir können dieses Spanien nur zu gut begreifen in seinem Kampf,
und wir begrüßen und beglückwünschen es zu seinem Erfolg. Das können wir Deutschen heute ja mit besonderem Stolz aussprechen, da viele deutsche junge Männer dort ihre Pflicht getan haben. (Brausende Sieg-Heil-Rufe.) Sie haben als Freiwillige mitgeholfen, ein tyrannisches Regime zu brechen und einer Nation wieder das Selbstbestimmungsrecht zu geben. Es freut uns, feststellen zu können, wie schnell, ja wie außerordentlich schnell auch hier der weltanschauliche Wandel der Kriegsmateriallieferanten der roten Seite gekommen ist, wie sehr man dort jetzt das nationale Spanien begreift und bereit ist, mit diesem nationalen Spanien wenn schon nicht weltanschauliche, dann wenigstens wirtschaftliche Geschäfte zu machen! Auch das ist ein Zeichen, wohin die Entwicklung geht.
Ich glaube an eine endgültige Verständigung der Völker.
f NN, meine ' Volksgenossen, ich glaube, daß alle Staaten vor dieselben Probleme gestellt werden, vor denen wir einst standen. Staat um Staat wird entweder der jüdisch-bolschewistischen Pest unterliegen, oder er wird sich ihrer erwehren. Wir haben es getan und haben nun einen nationalen deutschen Volksstaat aufgerichtet. (Brausende Sieg-Heil-Rufe.) Dieser Volksstaat will mit jedem anderen Staat in Frieden und Freundschaft leben, er wird sich aber von keinem Staat jemals mehr niederzwingen lassen! (Minutenlange Beifallskundgebungen.) Ob die Welt faschistisch wird, weiß ich nicht!, daß sie nationalsozialistisch wird, glaube ich nicht! Aber daß diese Welt am Ende sich dieser sch wer st en bolschewistischen Bedrohung erwehren wird, die es gibt, davon bin ich zutiefst überzeugt. Und deshalb glaube ich au eine endgültige Verständi- gung der Völker, die früher oder spater kommen wird. Erst wenn dieser jüdische Völker- spallpilz beseitigt sein wird, ist daran zu denken, eine auf dauerhafte Verständigung aufgebaute Zusammenarbeit der Rationen herbeizuführen.
Heute müssen wir uns auf unsere eigene Kraft verlassen! Und wir können mit den Ergebnissen dieses Vertrauens auf uns selbst zufrieden sein im Inneren und nach außen. Als ich zur Macht kam, meine Volksgenossen, war Deutschland im Inneren zerrissen und ohnmächtig, nach außen ein Spielball fremden Willens. Heute sind wir im Inneren geordnet, unsere Wirtschaft blüht. Nach außen sind wir vielleicht nicht beliebt, aber r e s p e k- tiertund geachtet! Das ist das Entscheidende! (Erneut bricht jubelnder Beifall los.) Vor allem, wir haben Millionen unserer Volksgenossen das größte Glück gegeben, das es für sie geben kann: die Heimkehr in unser großes Deutsches Reich. (Brausende Sieg-Heil-Rufe und Sprechchöre: „Mr danken unserem Führer.") Und zweitens: Wir haben Mitteleuropa ein großes Glück gegeben, nämlich den Frieden, der geschützt wird durch die deutsche Macht. Und diese Macht soll keine Gewalt der Welt mehr
brechen. Das sei unser Gelöbnis! (Unbeschreibliche Begeisterung der Massen.) So erkennen wir, daß die über zwei Millionen Volksgenossen im großen Krieg nicht umsonst gefallen sind. Aus ihren Opfern mit ist d a s neue Gr o ß d e u t s ch e Reich erstanden. Aus ihren Opfern mit ist d i e s e s st a r k e junge deutsche Dolksreich ins Leben gerufen worden und hat sich nun im Leben behauptet.
Und angesichts dieser Opfer würden auch wir, wenn es jemals notwendig fein sollte, kein Opfer scheuen. Das soll die Welt zur Kenntnis nehmen! (Stürmische Ovationen.) Sie mögen Pakte schließen, Erklärungen abgeben, so viel sie wollen: Ich vertraue nicht auf Papiere, sondern ich vertraue auf euch, meine Volksgenossen! (Stürmischer Jubel.) An uns Deutschen ist der größte Wortbruch aller Zeiten verübt worden. Sorgen wir dafür, daß unser Volk im Innern niemals mehr brüchig werde: dann wird niemand in der Welt uns je zu bedrohen vermögen. Dann wird unserem Volke der Friede erhalten bleiben oder, wenn notwendig, erzwungen werden. Und dann wird unser Volk blühen und gedeihen. Es wird seine Genialität, seine Fähigkeit, feinen Fleiß und feine Beharrlichkeit einfefjen können in die Werke des Friedens und der menschlichen Kultur. Das ist unser Wunsch, das erhoffen wir, und daran glauben wir.
Vor nunmehr 20 Jahren ist die Partei gegründet worden, damals ein ganz kleines Gebilde. Ermeffen Sie den Weg von damals bis heute! Ermeffen Sie das Wunder, das sich an uns vollzogen hat. Und glauben Sie daher gerade aus diesem wunderbaren Weg heraus auch an den Weg des deutschen Volkes in feiner kommenden großen Zukunft! Deutschland — Sieg- Heil! Sieg-Heil! Sieg-Heil!
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Das Sieg-Heil, das von den Massen mit unbeschreiblicher Begeisterung ausgenommen wird, geht in nicht endende Jubelstürme über, die noch einmal die ungeheure Bewegung brausend ausdrücken, die die Zehntausende erfüllt.
Das Ausland zur Rede des Führers
Das Scho in Paris.
Paris, 2. April (Europapreß.) Die großen Nach- mittagsblätter unterstreichen am Sonntag die Erklärung aus der Führerrede in Wilhelmshaven, in der es heißt, daß Deutschland niemand angreifen wolle. Auf diese Weise habe Hitler darauf hingewiesen, daß ein englisch-polnisches Bündnis mit der „deutlichen Richtung gegen Berlin" durch nichts begründet fei. Der „Äntransigeant" meint: „Wie man auch diese Rede auslegen mag — man muß unter
streichen, daß die Rede Herrn Hitlers die internationale Situation nicht erschwert hat." Eine Stellungnahme des Quai d'Orsay liegt noch nicht vor. In politischen Kreisen unterstreicht man, daß Hitler neuerdings die deutsche Friedensbereitschaft hervorgehoben, aber ebenso nachdrücklich betont habe, daß Deutschland nicht gewillt sei, sich einkreisen zu lassen., Im übrigen findet man, daß die schärfsten Vorwürfe, die Hitler gegen den Kurs der Westmächte richtete, an die Adresse Englands gingen, und man äußert sich hierzu nicht
fall.) Das Deutsche Reich ist nicht nur ein großer Produzent, sondern auch ein ungeheurer Konsument. Wie wir als Konsument ein unersetzbarer Handelspartner werden, so sind wir als Produzent geeignet, das, was wir konsumieren, auch ehrlich und reell zu bezahlen.
Wir denken nicht daran, andere Völker zu bekriegen, allerdings unter der Voraussetzung, daß auch sie uns in Ruhe lassen. Das Deutsche Reich ist aber jedenfalls nicht bereit, eine Einschüchterung oder auch nur Einkreisungspolitik auf die Dauer hinzunehmen. (Stürmische Bravo-Rufe.)
Ich habe einst ein Abkommen mit England abgeschlofsen, das Floltenabkommen. Es basiert auf dem heißen Wunsch, den wir alle besitzen, nie in einen Krieg gegen England ziehen zu müssen. Dieser Wunsch kann aber nur ein beiderseitiger fein. Denn in England dieser Wunsch nicht mehr besteht, dann ist die praktische Voraussetzung für dieses Abkommen damit beseitigt. (Die Zehntausende stimmen dem Führer begeistert zu.) Deutschland würde auch das ganz gelassen hinnehmen! Wir sind deshalb so selbstsicher, weil wir stark sind, und wir sind stark, weil wir geschlossen sind und weil wir außerdem sehend sind!
Und ich kann gerade in dieser Stadt an Sie, meine Volksgenossen, nur die eine Aufforderung richten! Sehen sie der Welt und allen Vorgängen um uns mit offenen Augen entgegen. Täuschen Sie sich nicht über die wichtigste Voraussetzung, die es im Leben gibt, nämlich über die notwendige eigene Kraft. Wer Macht nicht besitzt, verliert das Recht im Leben! Wir haben das 15 Jahre lang erlebt. Deshalb habe ich Deutschland wieder stark gemacht und eine Wehrmacht aufgerichtet, eine Wehrmacht zu Lande, zu Wasser und in der Lust. (Tosende Heilrufe).
Wenn man in anderen Ländern redet, daß man nun aufrüstet und immer mehr aufrüsten werde, dann kann ich diesen Staatsmännern nur eines sagen: Wich werden Sie nicht müde machen! (Stürmische Ovationen). Ich bin entschlossen, diesen Weg weiterzumarschieren, und ich bin der lleber- zeugung, daß wir auf ihm schneller vorwärts- kommen als die anderen, keine Wacht der Welt wird uns durch irgendeine Phrase noch jemals die Waffen entlocken. Sollte aber wirklich jemand mit Gewalt feine Kraft an der unseren messen wollen, dann ist das deutsche Volk auch dazu jederzeit in der Lage und auch bereit und entschlossen! (Ungeheure Begeisterung. Brausende Siegheilrufe steigern sich zu einer Kundgebung unbedingter Kamps- enlfchloffenheit.
Und genau so, wie wir denken, so denken auch unsere Freund«, so denkt insbesondere der Staat, mit dem wir aufs engste verbunden sind, und mit dem wir marschieren, jetzt und u n - te^r allen Umständen auch in aller Zukunft! (Stürmisches Sieg-Heil.) Wenn die feindlichen Journalisten nichts anderes zu schreiben wissen, dann schreiben sie über Risse oder Brüche in der Achse. Sie sollen sich beruhigen. Diese Achse ist das natürlichste politische Instrument, das es auf dieser Welt gibt. Es ist eine politische Kombination, die nicht nur den Ueberlegungen der Vernunft und dem Wunsche nach Gerechtigkeit, sondern auch der Kraft des Idealismus ihre Entstehung verdankt. Diese Konstruktion wird haltbarer sein als die augenblicklichen Bindungen nichthomogener Körper auf der anderen Seite. Denn wenn mir heute jemand sagt, daß es zwischen England und S o w j e t r u ß l a n d keinerlei weltanschauliche oder ideologische Differenzen gibt, so kann ich nur sagen: Ich gratuliere Ihnen, meine Herren! (Stürmische Heiterkeit und brausender Beifall.) Ich glaube, daß die Zeit nicht mehr fern sein wird, in der es sich Herausstellen dürfte, daß die weltanschauliche Gemeinschaft zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland immerhin noch eine andere ist, als die zwischen dem demo-
Gießener Konzertverein.
Klavierkonzert Wilhelm Backhaus.
Johann Sebastian Bachs Gollberg-Va- ria Nonen nehmen unter den Werken für Tasteninstrumente eine Sonderstellung ein. Schon die Veranlassung für die Entstehung dieser Abfolge von Veränderungen gibt dem Ganzen eine besondere Note.
Der russische Gesandte am Dresdener Hofe Graf K a y s e r l i n g k hatte unter Schlaflosigkeit zu leiden. Durch seinen Haus-Cembalisten Johann Theo- philus Gollberg läßt er Bach bitten, chm eine Musik zu schreiben, die ihm über die wachen langen Nächte hinweghelfe und ihm seinen Trübsinn vertreibe. Bach kam diesem Anliegen nach; eine Dose mit hundert Louisdor war der klingende Lohn dafür. Joh. Theoph. Gollberg, ein Schüler von Friedemann und später von Joh. Sebastian Bach, wurde so als Spieler dieses Werkes mit dem Namen desselben eng verknüpft.
Der genaue Titel des 1742 gedruckten Werkes „Clavier-Uebung, bestehend in einer Aria mit verschiedenen Veränderungen vor's Clavicirnbal mit 2 Manualen. Denen Liebhabern zur Gemüths- Ergetzung verfertiget von Johann Sebastian Bach" weift diesem einen besonderen Kreis von Hörern zu. Es ist nicht für den breiten Kreis der Musikhörer bestimmt, sondern mehr den Kennern, denn es setzt beim Auffassenden eine äußerst geschulte Selbsttätigkeit und Eindringungsfähigkeit voraus.
Bach läßt hier die Ueberlieferungen der Daria- tionskunst sich in einem Hvhenwerk vereinigen, indem er die rein äußerliche Veränderung zu vertiefender, durchgeistigter, organisch bedingter Durchbildung erhebt und in der Fülle seiner Ersindungs- fahlgkeit und satztechnischer Kunst ein Dokument feiner Persönlichkeit gibt, das m seiner organischen Vielseitigkeit wegweisendes Vorbild für die 'kommenden Generationen wurde.
Als Ausgangpunkt wählte Joh. Sebastian Bach eine Sarabande aus dem Notenbuch für Anna Magdalena Bach (1725). Er gliedert die dreißig Veränderungen in Gruppen zu dreien, die jedesmal durch einen Kanon abgeschlossen werden Die einzelnen Variationen, mehr ober minder eng an das Thema gebunden, lassen aber in irgendwelcher melodischen Entwicklung ihre BezogeNheit wieder erkennen. Das Ganze findet seine Zusammenfassung in einem Quodlibet, das zwei Volkslieder thematisch miteinander verbindet. Eine nochmalige Wiederkehr des Eingangsthemas schließt den Rahmen.
Das ursprünglich für das Cembalo bestimmte Werk fordext ausdrücklich für einzelne Variationen zwei Klaviaturen, die durch ihre verschiedenartige Registrierung die Plastik der Stimmenfuhrung gewährleisten. Die Vorherrschaft unseres modernen Klavieres ließ die Gollberg-Dariationen in Vergessenheit geraten, weil man sie meist für unausführbar ans ah. Max Reger versuchte, durch eine Bearbeitung für zwei Klaviere die in dem Werk ruhenden musikalischen Werte der Musikwelt zugänglich zu machen.
Unter den Pianisten der Gegenwart steht wohl Wilhelm Backhaus mit der Wiederbelebung der Gollberg-Variationen einzig da. Ihm waren dafür zwei Möglichkeiten offen. Er konnte einmal das Werk vom historischen Standpunkt in der damit bedingten dynamischen Abstufung erfassen und so die Klangwelt Bachs im traditionellen Sinne erschließen, aber mit einem auf ganz anderen tonlichen und technischen Voraussetzungen beruhenden klanglichen Material. Wilhelm Backhaus ist aber zu sehr mit seinem Instrument, dem modernen Flügel, verbunden, der für ihn ständig den Ausgangspunkt für die Werkdarstellung bedeutet. Als Vollmusiker fetzt er sich darum über die historische, an einen bestimmten Jnstrumententyp gebundene Bedingtheit hinweg und beschreitet so den zweiten Weg. Er läßt Bachs Werk so erstehen, wie es vielleicht in der heutigen Zeit mit den heutigen Klangmöglichkeiten geschrieben worden wäre. Für ihn, dem die schwierigsten technischen Probleme spielend streichbar sind, bedeutet auch die Gebundenheit des Werkes an zwei Manuale fein Hindernis. Durch Uebergreifen läßt er die melodischen Linien in scharf profilierter Plastik heraustreten und den heutigen Klavierklang mit feiner elementaren Kraft zum Träger des leitenden Gedankens werden. Mit sinnender, verhaltener Gemessenheit führte er die Thema-Sarabande ein und ^füllte die einzelnen musikalischen Bilder in ihrer Eigenart. Aeußerst gespannt im Ausdruck linearer Lnergie waren die Kanonveränderungen, besonders Nr. 15 (der Quint-Kanon mit Gegenbewegung). Mit pompöser barocker Kraft entwickelte sich Nr. 16 in Der Form der alten Ouvertüre: Nr. 7, im Charakter einer Gigue, erklang in anmutiger Grazie, Nr. 25 liefe den melodischen Bogen etwa im Stil eines alten Vwlin- oder Flöten-Adagios in herber Äanti= lene sich ausbreiten; die folgende Veränderung knüpfte das Sarabanden-Thema mit den umspielenden Figuren. Die letzten Variationen wuchsen in technischer Vollendung als Zeichen höchster Virtuosität heraus. Das Quodlibet gab er burschikos mit stärkster Energiespannung der melodischen Linie.
Der zweite Teil der Programmfolge sah Proben aus der romantischen Klaviermusik vor. Auch hier bestätigte es sich, daß Wilhelm Backhaus eigene Wege in der Auffassung und Darbietung der Werke beschreitet. Seine harte, männliche Natur ließ ihn von dem Klangcharakter des modernen Instruments her die Werke erschließen. Dabei umgeht er möglichst die weicheren Farben und nützt die Unmittelbarkeit des Klanglich-Elementaren aus. So wurde die Variationenreihe des Impromptus op. 142 Nr. 3 von Schubert zu einer plastischen Bilderreihe mit scharf gezeichneten melodischen Konturen, betont in der Verwobenheit des Themas wie auch in dem Wechfellicht der sich ändernden Tonart. Moment musical op. 94 Nr. 6 in as-dur weitete er zur verinnerlichten Szene, eigenartig und persönlich betont in der Auffassung und in der Dehnung des Tempos.
Den Höhepunkt pianistifch technischer Entfaltungsmöglichkeiten führte er in den Etüden von Chopin op. 10 Nr. 1 und 2 und op. 25 Nr. 11 vor Augen mit orgelhaft sich ausbreitenden Bässen und einem Passagenwerk, das das scheinbar Unmöglichste Wirklichkeit werden liefe; op. 10 Nr. 3 in E-dur erblühte in voller Kantilene.
Die Hörer waren von diesem Spiel hingerissen. Ständig neu ausbrechender Beifall rief den Solisten immer wieder aufs Podium; eine Reihe von Zugaben entsprachen dem drängenden Verlangen.
Dr. Hermann Hering.
Der Taschenspiegel.
Die Zeitung brachte eine fettgedruckte Anzeige, in der eine Dame ihren Taschenspiegel suchte, den sie verloren hatte. Ein ganz gewöhnlicher Taschenspiegel. Gegen gute Belohnung abzugeben. Rund, aus gelblichem Horn. Mit einem Stein das Datum eingeritzt: 15. März 1936.
Man traut seinen Augen kaum. Soviel Umstände und soviel Geldkosten wegen eines lumpigen kleinen Spiegels. Da muß doch bestimmt was hinter dem Spiegel stecken. Es steckt tatsächlich was dahinter. Dieser Spiegel ist, nämlich mehr als ein billiger Spiegel, wenn er auch so aussieht. Er ist ein Lebensretter. Die Dame, die ihn sucht, ist eine kühne Bergsteigerin. Im vergangenen Jahre unternahm sie am Königssee, ganz auf sich gestellt, eine ziemlich schwierige Bergtour. Sie oerftieg sich in den Bergwänden und saß hilflos fest. Als man sie daheim vermißte, wurde eine Rettungsmannschaft ausgeschickt, die mit Scheinwerfern die Bergwände ableuchtete. Die Scheinwerfer tasteten mit ihren hellen Fingern die
weiter. Im allgemeinen lautet die große Frage In Paris: Wie wird die deutsche Haltung auf die von England mit französischer Unterstützung jetzt er» strebten internationalen Verhandlungen zurückwir- ken? Eine posittve Antwort wird erst die Entwicklung der Ereignisse geben. Aber schon jetzt bemerkt man, daß Hitler erneut mit großem Nachdruck die Festtgkeit der Achse Berlin—Rom unterstrichen habe.
Englische Blatterstimmen.
London, 3. April. (Europapreß.) Die Rede des Führers wird von den Londoner Blättern in großer Aufmachung wiedergegeben. Ueberwiegend wird der, Standpunkt vertreten, daß die Rede milder ausgefallen fei, als die oorangegangene Panikmache hatte annehmen lassen, und daß sie die Spannung nicht verschärft, sondern eher eine Atempause gegeben habe. Die Warnung, daß das deutsch-englische Flot- renabkommen auf die Dauer nicht unberührt bleiben könne, wenn auf englischer Seite die friedlichen Absichten, die ihm zugrunde lägefi, nicht mehr bestünden, findet naturgemäß besondere Beachtung. Die „Sunday Times" greift die Aeußerung Hitlers auf, daß Deutschland niemand bedrohe, sondern nur allein gelassen werden wolle. Das Blatt behauptet, England müsse dafür fordern, daß Deutschland „andere Leute allein lasse", ohne irgendwie auf die unmittelbar in diesem Zusammenhang gefallenen ganz unmißverständlichen Vergleiche in der Führer-Rede zwischen englischen und deutschen Interessengebieten einzugehen. Das Blatt glaubt aus der Rede keine Ermutigung — wofür? — und keine Erleichterung ziehen zu können. Der „O b - ferne r"gibt die Berechtigung des deutschen Vorwurfs wegen der Einkreisungspolitik unter Bezugnahme auf den Weltkrieg zu. Heute, so schreibt das Blatt, würden England, Frankreich und die Sowjetunion erneut aufgestachelt, sich gegen Deutschland zusammenzuschließen. Das Blatt meint dann jedoch, daß Deutschland sich die Einkreisungspolitik „selber zuzuschreiben" habe. Das sonntägliche Schwesterblatt der „Daily Mail", „Sunday Dispatch", stellt fest, daß man nicht beunruhigter sei als vorher. Die „kriegerische Haltung", die man nach den vorausgegangene Berichten der englischen Presse hätte erwarten müssen, habe man nicht angetroffen.
Der Widerhall in Belgien.
Brüssel, 2. April (DNB.) Trotz der Paria- mentswahlen, die heute , in Belgien abgehalten wurden, findet die Führer-Rede starke Beachtung in der belgischen Presse. Die meisten Blätter stellen fest, daß die Führer-Rede keine Brücke zu friedlichen Verhandlungen der europäischen Staaten abbreche. Besonders wird hervorgehoben, daß Hitler den Friedenswillen des deutschen Volkes bekräftigt und gleichzeitig versichert habe, daß sich Deutschland durch keine Macht der Welt einschüchtern lassen werde. Der flämisch-kacholische „Stan- daard" unterstreicht, daß Hitler England das Recht aberkannt habe, sich in deutsche Angelegenheiten eingumengen. Hitler glaube an die Verständigung der Völker. „Vingtieme Siecle" schreibt: „Es gibt keinen Zweifel über die festverankerten Absichten des Führers. Die in Versailles errichtete in- ternattonale Ordnung wird vernichtet werden. Der Führer versicherte, daß er a u f gerechteren Grundlagen wieder aufbauen will. Es ist wichtig, daß jede Nation zu einem solchen Wiederaufbau, der sich nach Betrachtung aller Umstände als unvermeidlich erweist, durch ihre Mitarbeit in Freiheit und in einem Gefühl der Gerechtigkeit und des Wohlwollens beitragen kann. Wir sind in eine neue Epoche der Weltgeschichte ein getreten. Es wäre Wahnsinn, das leugnen zu wollen. Die nationalsozialistische Revolution ist ebenso umwälzend, wie es die französische Revolution seinerzeit gewesen ist." Jin übrigen schreibt das Blatt, daß die Rede des Führers Verhandlungen nicht unmöglich gemacht habe. Das sei ein gewaltiger Vorteil in der gegenwärtigen Lage. Ohne Zweifel weiche Deutschland keinen Zoll von seinen Stellungen zurück und mache keine Konzessionen. Der Führer habe gezeigt, daß er entschlossen sei, die Angelegenheiten seines Volkes mit ruhiger Entschlossenheit zu führen.
Bergwände ab. Auf einmal fiel das Licht zurück. Die Stelle wurde sofort abgeleuchtet. Und da hatte man die Dame in Bergnot entdeckt. Nach einigen Stunden war sie geborgen. Sie hatte, als der Schein- werfer die Bergwände bestrahlte, plötzlich an ihren kleinen billigen Spiegel gedacht, den sie immer bei sich trug. Sie holte ihn hervor und bewegte ihn hin und her. Der Spiegel warf das Licht zurück, wurde somit zur zwergenhaften Rettungslaterne, die schnell und sicher den Ort angab, wo seine Herrin saß.
Es ist ganz in der Ordnung, daß ein Mensch seinen Retter aus Lebensgefahr nicht vergißt. Es ist deshalb durchaus keine Narrenlaune, wenn die Dams ihren Taschenspiegel mit großen Lettern in der Zeitung sucht. Vielleicht läßt er sich aber nicht mehr finden. Vielleicht hat ihn gerade jetzt ein kleiner Junge gefunden, der auf der Gasse sitzt, die ersten Frühlingssonnenstrahlen in ihm fängt und sie schelmisch zurückwirft in ein Fenster, das noch im Dunkeln liegt und dahinter jemand sehnsüchtig auf die Sonne wartet. Max Jungnickel.
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Zeitschriften
— „D a s I n f e l s ch i s f", eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlags zu Leipzig, XX. Jahrgang, 2. Heft, Frühling 1939, wird eingeleitet mit Clemens Brentanos „Gedanken vor dem Straßburger Münster", wozu eine überaus zarte, zierlich beschriftete Zeichnung von Rudolf Koch die erlesene Illustrierung abgibt. Aphorismen der Marie von Ebner-Eschenbach stellen sich zusammen mit Max Mells Erinnerungen an die Dichterin. Dem ausgezeichneten Kunsthistoriker Karl Scheffler zu Ehren, der kürzlich seinen 70. Geburtstag beging, bringt das „Jnfelfchiff" das liebenswürdige Kapitel „Der Kinderonkel" aus dem Buche „Der junge Tobias". Auf die neuen Dickens-Ausgaben der Insel („Die Pickwickier" und „David Copperfield" werden zuerst erscheinen) weist mittelbar ein Aufsatz Gustav Freytags aus dem Jahre 1870 hin. Von Ernest Claes, dem wir die herrliche flämische Kindergeschichte „Flachskopf" verdanken, erscheint ein neuer Roman „Donkelhof und Wasinghaus"; eine Probe daraus gibt das Heft mit der Erzählung „Die Mütter". „Wein der Heimat" heißt ein großes Gedicht von Eberhard Meckel aus einem neuen Gedichtbuche „Durch die Jahre". Sehr feine Bildbeigaben sind außer der schon erwähnten Münster-Zeichnung des Offenbacher Schreibers ein Bildnis Stifters, eine farbige Reproduktion nach Michelangelo aus dem neuen Jnfel-Bänvchen „Sibyllen und Propheten", ein schlafender Jünger non Riemenschneiders Dett- mangcr Altar und eine Mädchengestalt von Kolbe.


