Gießener Schulen im Zeitgeschehen.
Die Gegenwart stellt auch an die Schulen unserer Stadt, an die Lehrkräfte, wie an die Schüler aller Jahrgänge, besondere Anforderungen. In Rücksprachen mit den Leitern verschiedener Schulen ergab sich dafür mancher interessante Einblick.
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Der Leiter des Landgraf-Ludwigs- Gymnasiums erzählte uns anschaulich von der mannigfaltigen Arbeit, die gerade in den letzten Wochen geleistet werden mußte. Vorübergehend war die Schule für kurze Zeit geschlossen, da das Schulhaus für andere Zwecke gebraucht wurde. Das Gymnasium 30g deshalb in die Horfäle des Dor- lefungsgebäudes der Universität um. Dort liefe sich Unterrichtsbetrieb gut aufrechterhalten. Während der Zeit, da der Unterricht ausfiel, stellten sich die Lehrkräfte sämtlich dem Ernährungsamt, der Rückwandererfürsorge und der Stadtkasse zur Verfügung. Eine stattliche Anzahl Schüler war für den Zeitraum von nahezu vier Wochen zum Erntehilfeeinsatz auf dem Lande. Da inzwischen das Schulgebäude wieder frei wurde, richtete man sich wieder im eigenen Hause ein. Trotzdem sieben Angehörige des Lehrkörpers unter den Fahnen stehen, wird der Unterricht, mit Ausnahme der Leibesübungen, in vollem Umfange durchgeführt.
Eine besondere Eigenart erhält der Unterricht in mehreren Fächern dadurch, daß das Zeitgeschehen unmittelbar behandelt wird. Mit größter Spannung wurde der Feldzug in Polen verfolgt. An Hand der Heeresberichte und mit Hilfe von großen Landkarten wurde der Vormarsch unserer Truppen verfolgt, und der zusammenfassende Heeresbericht gab dann noch einmal Gelegenheit, den gesamten Feldzug in großer Ueberschau zu behandeln. Allwöchentlich ist eine Stunde des Geschichtsunterrichts ausschließlich den aktuellsten politischen Tagesfragen gewidmet. In anderen Unterrichtsfächern wird den großen wirtschaftlichen Fragen nachgegangen, die sich aus dem siegreichen Kampf gegen Polen in der nächsten Zeit ergeben können. Selbstverständlich wurden auch die Ereignisse im Kampf gegen England in allen Einzelheiten verfolgt. Mit besonderer Freude konnte dabei die Lehrerschaft feststellen, daß die Schüler durchweg sehr gut „im Bilde" waren.
In der Langemarckschule war es in den vergangenem Wochen nicht leicht, Schule zu halten. Dreimal mußte die Schule umziehen. Da galt es, kräftig zuzupacken! Gegenwärtig gehen die Realgymnasiasten in der Universität aus und ein. Auch in der Langemarckschule fehlt eine Anzahl der Lehrkräfte, Diele Schüler waren auf einen größeren Zeitraum bei der Kartoffel, urtb Obsternte auf dem Lande. Run kehrten sie, angeregt von dem freien Leben in der Natur und nach der so ganz anders gearteten Tätigkeit, wieder in die Stadt zurück. Die Umstellung auf die Schule fällt manchem der Jungen nicht so leicht. Mancher muß geradezu für die geistige Arbeit wieder ,/eingefangen" werden. Die unteren Klassen werden, soweit das Zeitgeschehen faßbar an sie herangetragen werden kann, mit den Ereignissen in großen Zügen vertraut gemacht. Irn übrigen wird herzliche Feldpostverbindung mit den Lehrern gehalten, die im Felde stehen und die immer wieder erfreut sind, wenn sie Briefe und Grüße der Schüler erhalten.
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Die Justus-von-Liebig-Schule kann zwar den Unterricht im eigenen Schulgebäude ab«
halten, muß aber die Räume gegenwärtig mit dem Lyzeum teilen. Während der einen Woche bevölkern die Mädchen an den Vormittagen das Schulhaus, während es am Nachmittag die Jungen beherrschen. In der anderen Woche wird dann gewechselt. Der Unterricht in den Nachmittagsstunden wird dabei so eingerichtet, daß insbesondere die jüngeren Schülerinnen und Schüler noch vor einbrechender Dunkelheit zu Hause sein können. Der Unterricht mußte rein zeitlich etwas eingeschränkt werden, unter dem Einsatz des guten Willens aller Beteiligten geht den Schülern und Schülerinnen kaum etwas verloren. Von Lyzeum und Justus-von-Liebig-Schule waren selbstverständlich auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler während mehrerer Wochen im Erntehilfsdienst tätig. Wie an den anderen Schulen, wird auch in diesen beiden Anstalten den Kriegsereignissen in den verschiedensten Unterrichtsfächern viel Raum gegeben, so daß die Jugend in engstem und unmittelbarem Zusammenhang mit den bedeutsamen Ereignissen der Gegenwart bleibt.
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Die Mädchen der S ch i l l e r s ch u l e stehen auch mehr oder weniger bewußt inmitten des Zeitgeschehens. Wenn auch im Unterricht den Ereignissen in Polen, den Kämpfen im Westen, zur See und in der Luft nicht so breiter Raum gegeben werden kann, wie in den höheren Schulen, so wissen doch auch in der Schillerschule Lehrerinnen und Lehrer auf den Ernst und die Forderungen der Gegenwart hinzuweisen. Dabei wird sorgfältig berücksichtigt, was die Kinder fassen können.
In mancher Stunde eines gemeinsamen Ausmarsches widmeten sich die Kinder eifrig der praktischen Arbeit der Herlkräutersammlung. Es wurden 100 Kilo Hagedutten, 40 Kilo Kamille, 25 Kilo Brombeerblätter, 8 Kilo Huflattich und je 5 Kilo Spitzwegerich und Schafgarbe (alles getrocknet gewogen) gesammelt. Auch an Opferbereitschaft für die verschiedensten Zwecke hat es in der vergangenen Zeit nicht gefehlt. Etwa 600 RM wurden der Sache des DdÄ., 358,10 RM. dem Jugendherbergs werk, 419 RM. der Film- und Lehrmittelbeschaffung für Schulen von geringerer wirtschaftlicher Leistungskraft und 60,60 RM. der Kriegs- gräberftirsorge übermittelt. Eifrige Handaideit galt dem Hilfswerk „Mutter und Kind", dem aus den Handarbeitsstunden manches Stück Kinderkleidung 3ugeleitet werden konnte. Gegenwärtig werden aus Wollresten Quadrate gestrickt, die zu warmen Decken für unsere Soldaten zusammengesetzt werden. Vorbildlich war der Einsatz der Schule, als es galt, die Sudetendeutschen im vergangenen Jahr mit Kleidung zu versorgen.
Trotzdem auch an der Schillerschule sieben Lehrkräfte fehlen, ntirt) der Lehrplan mit voller Stun« den zahl erfüllt. Die Klasse I M war vom 17. September bis zum 2. Oktober geschlossen im Erntehilfsdienst. Darüber hinaus waren 50 Schülerinnen mit etwa 160 Arbeitstagen auf dem Lande bei der Kartoffel- und Obsternte tätig.
Die G 0 e t h e f ch u l e hat — wie wir im „Gießener Anzeiger" Nr. 237 vom 10. Oktober bereits berichteten — auf dem Gebiete der Heilkräutersammlung ebenfalls sehr erfolgreich gewirkt. In Ergänzung unseres Berichtes von jenem Tage fei heute noch mitgeteilt, daß sich die Menge der von den Lehrern und Kindern der Goethefchule gesammelten Heilkräuter um 10 Kilogramm auf abschließend insgesamt rund 137 Kilogramm erhöht hat. Ferner hat
die Schule rund 250 Kilogramm Hagebutten gesammelt und der Verwertung für unsere Volksgemeinschaft zugeführt. Don den Schulen in W i e s e ck und in Klein-Linden wurden der Goethefchule 11 bzw. rund 5 Kilogramm Heilkräuter zur Weiterleitung an die Verwertungsstelle übermittelt. Die Goethefchule plant jetzt eine Sammlung von Bucheckern und Eicheln, für deren Ingangsetzung die ent
sprechenden Schritte bei den zuständigen behord« liehen Stellen bereits unternommen wurden. An Geldspenden wurden für den VDA. im August von 300 Schülern der Schule über 990 RM. gesammelt. Das große politische und militärische Geschehen unserer Zeit wurde natürlich auch in den oberen Klassen der Goethefchule zum Gegenstand des Unterrichts gemacht. N.
Wirtschaft.
Rbein-Mainistbe Börte.
Mtlagsbörse: kleines Geschäft.
Frankfurt a. M., l.Nov. An der Börse hielt die Geschäftsstille der letzten Tage an. Erschwerend wirkte heute, daß vielfach die Limite noch nicht erneuert waren und infolge des katholischen Feiertags aus Süd- und Westdeutschland kaum Aufträge vorlagen.
Am A k i e n m a r k t war die Entwicklung weiterhin uneinheitlich und sehr vom Zufall abhängig, so daß verschiedentlich auch stärkere Abweichungen als durchschnittlich 0,50 bis 1 0. H. vorlagen. Nach Pause kamen MAN. mit 145.50 (148) zur Notiz. Höher eröffneten u. a. Moenus Maschinen mit 111,25 (110), Zellstoff Waldhof mit 106 (104,50), VDM. mit 146 (145), AEG. mit 114,90 (114,50), Rheinmetall mit 110,75 (110,25) und Salzdethsurth mit 158,50 (158). Montanwerte waren andererseits etwas leichter, Vereinigte Stahl 91 (91,25), Mannesmann 100,50 (100,75), Hoefch unverändert 107, Rheinstahl fest und etwa 127,75 (126,50). IG. Farben zunächst wieder ohne Nottz und etwa 158 (158,13).
Am Rentenmarkt war die Umsatztättgkeit gleichfalls klein, es verblieb aber noch überwiegend Nachfrage. Die Kursaestaltung roarjbabei nicht ganz einheitlich. Liqui-Pfandbriefe bröckelten zumeist leicht ab, auch Jnd ustrie-Obligatt0nen nicht immer ganz behauptet, weiter fest aber 5 v. H. Eisenbahn- Bank mit 88 (87). Höher waren ferner Reichsaltbesitz mit 134,90 (134,75), Dekosama I mit 139,90, Reichsbahn-Vorzugsaktien mit 124,13 (123,65). Im Freiverkehr wurden Kommunal-Urnschulduna mit 93,40 gesucht, Steuer gutscheine I zogen bei kleinen Urnfätzen wieder etwas an.
Der Freiverkehr lag ruhig. Tagesgeld wurde auf 2,25 (2,50) 0. H. gesenkt.
Srantfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 1. November. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilo) in RM.: Weizen W9 201, WH 203, W 12 204, W 13 205, W 16 208, W 18 210, W 19 212, W 20 214; Roggen R11 187, R12 188, R14 190, R15 191, R 16 193, R 17 194, R 18 195, R 19 197 Groß- Handelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Futterhafer —. Weizenmehl Type 812 W 13 bis W 20 einschl. Kreis Alzey 30,05, W 20 Kreis Worms 30,40; do. Type 630 W 13 bis W 20 einschl. Kreis Alzey 31,20, W 20 Kreis Worms 31,55; do. Type 1600 W13 bis W 20 einschl. Kreis Alzey 23,05, W 20 Kreis Worms 23,55; Roggenmehl Type 997 R 12 22,45, R15 22,80, R 16 22,95. R 18 23,30, R 19 23,50 alles zu- züglich 0,50 RM. Frachtausgleich. Weizenfutter- mebl W 19 13,60. Weizenooll'kleie W 19 11,60, Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W18 11—, W19 11,10, W 20 11,20 Mühlenfestpreis ab Müh- lenstatton. Roggenfttttermehl R18 12,90. Roggenvollkleie R18 10,90, Roggenkleie R12 9,95, R15 10,15, R16 10,25, R18 10,40, R 19 10,50 Mühlen-
festpreis ab Mühlenstation. Treber getr. —. Wie- senheu, handelsüblich 5,20 bis 5,40 Wiesenheu, gut, gesund, trocken 6,— bis 6,40; Ackerhcu, gut gesund, trocken 6,80 bis 7,—; Kleeheu, handelsüblich 6,60 bis 7,20, do. gut, gesund, trocken 7,— bis 7,50; Luzerneheu, handelsüblich 7,20 bis 7,60, do. gut, gesund, trocken 7,70 bis 8,20; Weizenstroh, bindfadengepreßt oder gebündelt. 2,50, Roggenstroh, do. 2,70, Hafer- und Gerstestroh, do 2,30 bis 2,40 Erzeugerpreis ab Erzeuger-Verladestation. Tendenz: ruhig.
Schweinemarkt in Hungen.
* Hungen, 2. November. Auf dem gestrigen Schweinemarkt standen 394 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten bis zu 6 Wochen alte Ferkel 8 bis 10 RM., 7 Wochen alte 11 bis 15 RM., 8 bis 12 Wochen alte 16 bis 17 RM., 13 Wochen alte Ferkel 18 bis 22 RM. pro Stück. Das Geschäft verlief mittelmäßig, es verblieb geringer Heber- stand.
Frankfurter Schlachlmeymortt
Frankfurt a. M., 2. Nov. (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 1450 Rinder (330 Ochsen, 173 Bullen, 526 Kühe, 421 Färsen), 289 Kälber, 150 Hämmel 66 Schafe, 331 Schweine. Es kosteten: Ochsen 37,50 bis 46,50 RM., Bullen 35,50 bis 44,50, Kühe 20 bis 44,50, Färsen 28 bis 45,50, Kälber 39 bis 65, Härnrnel 35 bis 50, Schafe 25 bis 42, Schweine 50 bis 56 RM. Marktverlauf: zugeteilt.
G. A.-Sport.
Sparta schlägt Rapid 6:3.
Der deutsche Fußball-Pokalrneister Rapid Wien hatte am Allerheiligentag die berühmte Prager Sparta, den Meister des Protektorats Böhmen und Mähren, in einem Freundschaftskampf zu Gast. Vor 15 000 Zuschauern siegten die Prager, die mit einer glänzenden Mannschaftsleistung aufmarteten, verdient mit 6:3 Toren, nachdem man die Seiten beim Stand von 1:1 gewechselt hatte.
Radball-Turnier mit 88 Spielen.
29 Mannschaften im Kampf.
Um die deutschen Radballspieler war es viele Wochen recht still, aber am kommenden Sonntag eröffnen sie die Winterkampfzeit in der Messestadt Leipzig gleich mit einer Riesenveranstaltung, bei der nicht weniger als 88 Spiele zur Ermittlung der Sieger notwendig sein werden. Es handelt sich bei diesem Turnier um Leistungswettkämpfe der Reichsklasse und der Gauklasse, die gewissermaßen als Dorprobe und Ausscheidung für die erste deutsche Kriegsmeisterschaft im Zweier-Radball im Dezember in Berlin dienen.
im 74. Lebensjahre.
Gießen, den 30 Oktober 1939.
04877
Am Montagmorgen verschied nach langem Leiden mein lieber Mann, mein guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel
Die Beisetzung fand auf Wunsch des Verstorbenen in der Stille 9 statt.
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