nr. 205 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
2./Z. September (939
Vorratsschuh Hilst die Ernährung sichern.
Wohl zu keiner Zeit ist allen Volksgenossen, insbesondere unseren Hausfrauen, die Pflicht zur pfleglichsten Behandlung aller Nahrungsgüter so eindringlich erkennbar geworden, wie gerade jetzt. Die Neuordnung auf dein Gebiete unserer gesamten Er- nährungswirtschaft, die mit der bisherigen unbegrenzten Beschaffung der Güter des täglichen Bedarfs Schluß gemocht hat und „Jedem das Seine" nach Maßgabe von Recht und Gerechtig-
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Eine praktische Kartoffelkiste-, die Entnahme der Kartoffeln erfolgt von unten, so daß die Knollen von Zeit zu Zeit immer in Bewegung sind.
feit zubilligt, hat die Anhäufung von Nahrungsmitteln in Speisekammern und Schränken unterbunden. Damit ist zugleich — erfreulicherweise! — der egoistischsten und sinnlosen Hamsterei, bei der von manchen viel mehr gekauft wunde, als in Wochen, von ihnen verbraucht werden konnte, ein wirksamer Riegel vorgeschoben worden. Dafür wird jeder vernünftige und gerechtdenkende Volksgenosse der Staatsführung nur Dank und Anerkennung wissen. Die behördliche Einteilung unserer Nahrungsgüter macht es aber zur besonderen Pflicht, mit den für die Woche bestimmten Vorräten haushälterisch zu verfahren, nicht minder auch die Nahrungsmittel, die von den Hausfrauen bisher eingemacht wurden, oder die, wie Kartoffeln, Mehl und Brot
jederzeit frei und unbegrenzt zu haben find, so wirtschaftlich zu verwenden, daß nichts verdirbt und dadurch der Ernährung verloren geht. Die Wichtigkeit und dringende Notwendigkeit dieser Gesichtspunkte gelten gleichermaß'- , für alle Haushalte, gleichviel ob Stadt oder L.nb, sie gelten aber noch in erhöhtem Maße für alle diejenigen, in deren Obhut Lebensmittel zur Einlagerung bis zum Zeitpunkt der Inanspruchnahme für die Dolksernäh- rung gegeben sind. Nur wenn alle, Erzeuger und Verbraucher, Lagerhalter und Einzelkaufmann, Städter und Landbewohner, Hausfrauen und Nahrungsmittelbewirtschafter, Koch und Köchin in Hotels, Gaststätten oder Kantinen sich jederzeit dieser besonderen Verpflichtung bewußt sind, kann man damit rechnen, daß die weitgesteckten Ziele unserer gesamten Ernährungswirtschaft und die darauf aus- gerichtete Arbeit aller verantwortlichen Stellen durch die wirksame Mitarbeit aller Schichten des Volkes erreicht werden bzw. ihren verdienten ideellen Lohn findet.
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Alle Nahrungsmittel pflanzlichen und tierischen Ursprungs sind vorzeitiger Zerstörung ausgesetzt, wenn sie nicht in verantwortungsbewußter und zielklarer Arbeit vor dem Verderb genügend geschützt werden. Welchen Umfang die Schädigungen durch den Verderb von Nahrungsgütern avnehmen können, ist unserm Volke von berufener Stelle schon oft klargemacht und überzeugend nachbewiesen worden. Der Verlust durch Dorratsschädlinge wird allein auf mehrere hundert Millionen jährlich beziffert. Aber noch weit größere Mengen an Lebensmitteln und dementsprechende Werte an Geld gehen in jedem Jahre durch unzweckmäßige Lagerung und mangelnde Vorbeugungsmaßnahmen in den Haushaltungen verloren. Diese Nahrungsmittel, zu deren Erzeugung unsere Bauern viel Fleiß und dankenswerte Mühe aufgewandt haben, beeinträchtigen zunächst nur den einzelnen Haushalt, bei der Vielzahl solcher Fälle und der dadurch bedingten großen Mengensteigerung sind sie aber auch ein erheblicher Verlust für die gesamte Ernährungswirtschaft. Alle diese Schäden sind um so mehr zu bedauern, wen sie bei nur etwas größerer Aufmerksamkeit und pflichtbewußter Sorgfalt vermieden werden können.
In den Sommermonaten ist die Haltbarmachung und Frischhaltung der Lebensmittel besonders dringlich, jedoch auch mit mancherlei Schwierigkeiten verbunden. Aber auch in der kühleren und in der kalten Jahreszeit ist der pfleglichen Behandlung der Nahrungsmittel, insbesondere der Dauervorräte wie Kartoffeln, Gemüse, Obst, Eingemachtes usw., die nicht so rasch verbraucht werden können und sollen, größte Aufmerksamkeit zu widmen. Abgesehen von der sorgfältigsten Behandlung der Nahrungsmittel bei der Ernte und bei der Einlagerung ist besonderes Augenmerk auf geeignete und gesicherte Aufbewahrungsmöglichkeiten zu richten. Man glaube nicht, daß beispielsweise Kartoffeln, Gemüse, Obst und Eingemachtes in einem Kellerraum untergebracht werden könnten, der den Dunst- und Geruchseinflüssen von der Waschküche her ausgesetzt ist, durch dessen zerbrochene Fensterscheiben ober schlechtschließende (meist weil verdreckte) Fenster Frost und Schnee oder Regengüsse Zugang zu dem Aufbewahrungsort der Nahrungsmittel haben, Kohlen oder Aschendreck in ungewöhnlichem Ausmaß zur Verschmutzung der Vorräte führen, Heizungswärme und übermäßig Licht die Kartoffelvorräte beeinträchtigen bzw. die allzu frühe Keimung veranlassen. Wer seine Vorräte zum eigenen Nutzen und auch zum Vorteil der Gesamt-
So dürfen Einmachgläser nicht aussehen. Laufende Kontrolle ist unbedingt erforderlich, um sofort eingreifen zu können.
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wirtschaft in der richtigen Weise betreuen will, muß dafür sorgen, daß die Dorratsräume gründlich sauber sind, stets in den Räumen bzw. in der - Speisekammer frische Luit herrscht und die einzelnen Nahrungsmittel in einem solchen Zustand gehalten und verpackt werden, daß kein Schädling Unterschlupf oder eine versteckte
Einnistungsmöglichkeit findet. In den städtischen Haushalten gilt dieses Erfordernis aber nicht nur für die Speisekammer, sondern auch für den Keller oder für Kammern, in denen Eingemachtes aufbewahrt wird: auf dem Lande gilt es außerdem für die Böden, Scheunen und Speicher, kurzum für alle Räume, in denen Vorräte lagern. Wer für die Erfüllung dieser Forde-
Die Gläser mit dem Eingemachten müssen von Zeit zu Zeit durchgesehen werden, um das Verderben des Inhalts zu verhüten.
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rung nicht Sorge trägt,
hat nicht nur am eigenen Geldbeutel die Folgen zu tragen, sondern er versündigt sich zugleich auch an den lebenswichtigen Interessen der Volksgemeinschaft. Wo vorhandene Vorratsräume, auch Speisekammern, diesen Erfordernissen nicht entsprechen, wird man sich mit zweckdienlichen Schränken behelfen müssen, vor allem aber den Einkauf von frischen und leichtverderblichen Lebensrnitteln nur in solchen Mengen vornehmen dürfen, daß sie noch bei nächster Mahlzeit verzehrt werden und Vorräte dieser Art zu längerem Aufbewahren nicht kommen. Die beste Lösung, auch vom Standpunkt des Geldbeutels aus gesehen, bleibt natürlich die Anschaffung eines Kühl- ober Eisschrankes, die heute bereits in billigeren unb doch durchaus zweckdienlichen Ausführungen hergestellt werben.
türlich nicht angewandt werden. Lockmittel (Köder) gibt es erst für wenige Vorratsschäblinge, abgesehen oon ben allbekannten Fliegenfängern und -glocken. Ratten und Mäuse können in geeigneten Fallen leicht und wirksam abgefangen werben: gifthaltige Köber zu verwenden, ist in ben Vorratsräumen ober; beren Umgebung selbstverstänblich nicht angebracht.
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Ein erweiterter, allgemeiner Vorratsschutz aller zur menschlichen Ernährung bienenben Erzeugnisse und Waren, oerbunben mit einem planmäßigen Vernichtungskampf aller entgegenwirkenden Zerstörer unb Schmarotzer, ist im Großen wie im Kleinen als eine Volksaufgabe aufzufaffen, bie sowohl im Interesse ber Volksernährung, als auch ber Ge-> sunbheit der Bevölkerung erfüllt werben muß.
Hauptsächlichste Vorratsschäblinge im Haushalt sind bie Insekten mit ihren Larven (Maben unb Raupen). Ebenfalls kann aber auch bas „Beschlagen" der eingemachten Früchte mit Pilzen unb Bakterien schäblich werben, währenb bas Auftreten von Mäusen oder gar von Ratten in ben städtischen Haushaltungen wohl meist seltener sein bürste. In den länblichen Haushalten kommen alle diese Schüblinge ebenfalls in Betracht, Mäuse und Ratten wird man dort auch zu ben häufiger anzutreffenben Feinden unserer Nahrungsgüter rechnen müssen. Es ist ber Mühe wert, sich biese tierischen unb pilzlichen Schabenbringeh etwas genauer anzusehen. Von ben wichtigsten seien hier folgenbe genannt. An Fleisch unb Käse: Fliegen und Brummer: am Backobst (Rosinen, Feigen, Manbeln, Nüsse): Saftkäfer, Dörrobstmotten, Milben: im Mebl (Grieß, Teig- unb Backwaren): Mehlmotten, Mehlkäfer, Mehlmilben: an ben verschiebenen (Setreibearten: Kornkäfer, Kornmotten, Milben: in ben Hülsenfrüchten: Samenkäfer, Samenmotten. Eingemachte Früchte werden von Fäulniskeimen und Schimmelpilzen befallen, auch tierische Schädlinge, Gärungserreger usw. können verberblich wirken. Hier kann nur bauernbes Aufpassen unb rechtzeitiges Eingreifen nützen: es wird sich meistens um beschädigte Gummiringe, mangelhaft schließenbe unb abge- bröstelte Glasbeckel ober gelockerte Verschlüsse han- beln. Schimmelbilbung auf der Oberschicht und verschimmelte Früchte werben entfernt: es wird nochmals aufgekocht und etwas Zucker zugesetzt, immer vorausgesetzt, baß biese Mängel, insbesondere Gärungen, frühzeitig beobachtet unb behandelt werden.
Zur Bekämpfung der Vorratsschäblinge bieten bie bereits erwähnten oorbeugenben Maßnahmen bie beste Aussicht, ba Brutstätten ferngehalten ober in sauberer Umgebung alsbald entdeckt werben. Neben Sauberkeit unb Durchlüftung ber Räume finb als mechanische Abwehrmittel u. a. anzusehen: Abbich- ten der Fugen und Ritzen in Böben und Wänden, Entfernen von Scheuerleisten unb sonstigen Schlupfstellen, ferner Reinigung der Räume mit scharfer Seifenlauge, Kalkanstrich der Wände und Decken usw. Chemische Spritz- und Bestäubungsmittel sowie Vergasungen können in belegten Vorratsräumen na-
Die Aufbewahrung von Obst muß mit größter Sorgfalt erfolgen. Unser Bild zeigt eine praktische Obst- Horde, in ber von allen Seiten genügenb Luft an die Früchte herankommen kann.
(Aufnahmen [4): Engelbart.)
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Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
Dec Täter mitten unter uns Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Verbau L Sa.
22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Sind Sie verrückt? Soll das Personal lachen über feinen neuen Chef? Auf keinen Fall jetzt einen Fremden hierher. Herrgott, was für Sachen! Los! Holen Sie ein Glas frisches Wasser und ein Handtuch! Ich sehe solange nach ihm."
„Wie Sie wünschen!" Achselzuckend geht Hellmers, bas Verlangte zu holen. Als er zu rückkommt, ist Holgerson schon wieder bei Besinnung.
„Das ... das sollen Sie büßen!" knirscht er in ohnmächtiger Wut. Aber Joachim kümmert sich gar nicht um ihn.
„Den Abtransport übernehmen Sie wohl, Mister Perkins!" meint er spöttisch, schließt den Stahl- schrank ab unb wendet sich zum Gehen. „Mich jehen Sie hier nur noch zur Abwicklung ber laufenden Geschäfte wieder."
Wenige Minuten nach ihm verlassen auch die beiden Herren den Raum. Der Sänger scheint doch sehr mitgenommen zu sein, zu tief ist er in seinem Selbstgefühl verletzt.
Mit zitternden Knien wankt er an der Seite des besorgten William Perkins.
Erstaunte Blicke folgen beiden, unb manches Kopfschütteln gibt es hinter ihrem Rücken. Was mag ba wohl vorgefallen sein?
Im Auto allerdings scheint Holgerson schnell wieder munter zu werden.
Als nämlich William Perkins anerkennend äußert, er habe nie geglaubt, die kitzliche Angelegenheit so gut erledigt zu sehen, lacht Holgerson grimmig unb meint selbstbewußt: »Gelernt ist gelernt!*
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Und abermals d i e „Schwarzen Sterne".
„Ums Himmels willen, Doktor, was ist denn da nur geschehen?..
Aufatmend läßt sich Hellmers in bas helle kühle Leder des grünen Kabrioletts sinken.
Divian hat ben Wagen vorsorglich geschlossen, damit niemand sieht, wer neben ihr sitzt.
Welch Glück, daß Onkel William gleich von dem fürchterlichen Auftritt erzählt hat! Vielleicht gelingt es, noch alles in Orbnung zu bringen, vielleicht können ein paar Frauenhänbe bie Wogen glätten, die der Streit ber Männer aufgewühlt hat! Auf keinen Fall kann boch Hellmers jetzt entbehrt werden.
Während der Wagen längst das Weichbild der Stadt verlassen hat und nun auf einer faum belebten Nebenstraße läuft, erzählt Joachim in kurzen Zügen, was sich zugetragen hat. Er beschönigt nichts, verschweigt nichts. Wozu auch? Hier ist doch alles für ihn aus, unb wenn ihn nun die Verzweiflung hart werden läßt — wer follls ihm verübeln?
Wieder ein halbes Dutzend Jahre gearbeitet — wieder streicht ein anderer den Lohn ein. Ein Mensch, dem seine Arbeit gehört — und diese Frau! Es ist zum Verzweifeln!
Nein, er hat gewiß keinen Grund, ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
„Für mich ist meine Arbeit abgeschlossen!" schließt er hart, und seine Hanb fährt durch bie Luft, als zerschneide sie ein unsichtbares Band. „Ich habe meine Pflicht getan, habe sie gern und freudig getan... aber nun rühre ich keinen Finger mehr."
„Und an diesem Entschluß ist nichts zu ändern?" „Wenig. Mister Holgerson wird kaum kommen unb um Verzeihung bittten."
Divian lenkt ben Wagen in einen Querweg, um zu menben. Doch bann hält sie in plötzlichem Entschluß an.
„Unb wenn ich das nun für ihn täte?"
„Frau Vivian! Warum kämpfen Sie mit solchen Waffen? Sie wissen, daß ich bagegen keine Wehr habe! Aber es ist nicht fair, ben Gegner mit Waffen zu schlagen, die ihm nicht ebenfalls zur Verfügung stehen!"
„Also _ nein ...!" Divian sieht starr vor sich hin, reglos, selbst die Lippen bewegt sie kaum: „Und ich habe mich so gefreut, einen Menschen zu finden, mit bem ich gut Freunb werden könnte..."
„Sie sind traurig, daß diese Hoffnung zuschanden
werden soll?" fragte er mit heiserer Stimme. „Habe ich Sie recht verstanden?"
„Ja", nickt sie ernsthaft. Und wie um das Gewicht des kleinen Wortes zu bestätigen, nochmals: „Ja! ©ie haben ganz recht verstanden, Herr Doktor!"
„Wissen Sie auch, was Sie von mir verlangen, Mrs. Holgerson?"
„Das weiß ich, Doktor Hellmers. Aber wer fragt mich nach bem, was man von mir verlangt und erwartet?"
„Sie bitten für Ihre Werke, denn Sie wissen genau, baß ich für bie Weiterentwicklung not- wenbig bin. Es ist leicht, für bie Existenz des eigenen Hauses zu bitten."
Eine Weile ist es still nach diesen harten Worten.
Doch bann spürt er ihre Hanb auf ber feinen unb hört den vollen Alt ihrer Stimme.
„Warum belügen Sie sich, Hellmers? Sie glauben boch nicht im Emst baran, daß ich um irgendeines Vorteils willen solch ein Verlangen an einen Mann stellen könnte. Spielen wir doch nicht Versteck Doreinanber! Sie wissen es so gut wie ich, worum es bei dieser Zwiesprache geht. Wir wissen es, wir fühlen es. Wir werben nur als tapfere, anftänbige Menschen nicht bavon sprechen!"
„Verzeihen Sie!" murmelt er. „Es war töricht von mir."
Dann küßt er still ihre Hanb.
Als die ersten Häuser in Sichtweite gelangt sind, bittet er, aussteigen zu bürfen.
„Ich möchte noch eine Stunbe allein sein, und außerdem fürchte ich, baß man darüber rebet, wenn ich in Ihrem Wagen gesehen werde."
„Ich fürchte mich nicht!" lächelt sie leise. „Ich freue mich nur, einen Freund zu behalten", unb babei reicht sie ihm bie Hand aus dem geöffneten Schlag ihres Wagens.
Als er sich über sie zum Kuß neigt, fühlt er, wie sich ihre Finger ganz sacht unb zaghaft an seine Wange schmiegen.
Nur für die Dauer eines winzigen Augenblicks ... aber diese kleine Gebärbe macht ihn sehr glücklich. —
Inspektor Linkerton ist aufrichtig wütend. Seit brei tagen telephoniert er in ber Weltgeschichte umher, ohne auch nur eine Spur von seinem
Freunde Pembroke entdecken zu können. Der ist und bleibt verschwunden.
Rätselhaft verschwunden.
Dazu der Aerger mit dem trottligen Mr. Perkins aus Schweden.
Daß ein Mann wie ber selige Sir John an solchen Bruder kommt, ist auch eine ber unbegreiflichen Gottesfügungen.
Jeden zweiten Mann sitzt ber Mann hier und betet dieselbe Litanei: die geheimnisvolle Karte, drei schwarze Sterne, bazu bie blöbsinnige Bemerkung auf der Rückseite.
Und immer muß man ihfn sagen: „Noch nichts, Mister Perkins, wir können beim besten Willen keine Spur entdecken."
Ein ekelhafter Zustand! Dabei scheint tatsächlich was an der Geschichte zu sein.
Wenn Sir John dieselbe Karte erhalten hat — und das muß wohl ber Fall gewesen fein, benn William Perkins, der Halbnarr, hat sie ja selbst unter den Papieren des Toten gefunden — dann ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß hier mit Vorbedacht ein Netz gelegt wirb, um scheinbar die ganze Familie zugrunde zu richten.
„Zum Teufel, was ist denn?' brüllt Linkerton den Sergeanten Smith II an, der sich unter Anwendung aller Vorsichtsmaßnahmen dem erzürnten Löwen genähert hat.
„Schleichen Sie gefälligst nicht wie 'n blindes Suppenhuhn durch bie Gegend! An klopfen haben Sie wohl überhaupt nicht nötig, was?'
„Verzeihung, ich habe achtmal geklopft, Herr Inspektor! Aber ..."
„Kein Aber! Dreimal Klopfen genügt, dann ein- treten! Verstanden? Und nun zur Sache! Was ist los?"
„Der Sänger Holgerson wünscht Sie zu sprechen!"
„Bin ich 'n Theaterbüro? Was will benn ber hier?"
Smith II grinst über sein breites Gesicht unb meint in bedauerndem Ton:
„Aussehen tut er wie ’n aufgedonnerter Puter, und stillsitzen kann der keine drei Minuten!"
„In Gottes Namen, ’rein mit ihm! Aber nach fünf Minuten kommen Sie und holen mich zu einer Konferenz!"
„Wie immer, Herr Inspektor!" (Fortsetzung folgt.)


