Ausgabe 
2.10.1939
 
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BW-!

Hans Thoma.

Damann.

werden.

frei

der Metallgehalt dieser vier Lager wird auf 190 000 Tonnen geschätzt genügten nicht. Es mußte ein» geführt werden. Auch die Einfuhr an Zinn ist an­gestiegen. In den letzten Jahren nun haben die Russen auf Grund ihrer vorzüglichen Vorkommen an Bauxit auch mit der Fabrikation von Alu­minium begonnen. Im Jahre 1936 wurden 200 000 Tonnen Bauxit mit einem Tonerdegehalt von 25 bis 60 v. H. gefördert. Die Alumimumpro- duktion stieg von 400 Tonnen im Jahre 1932 auf 49 000 Tonnen im Jahre 1938. Es sind große An­lagen im Bau, damit das von der russischen Re­gierung gesteckte Ziel, die Aluminiumerzeugung auf über 200 000 Tonnen im Jahr zu steigern, erreicht werden kann. t.

tung in guter Lösung und schöner Harmonie ausklin- gen läßt, fügte Herr Schewe seiner sprachlichen auch noch eine ausgezeichnete mimische Leistung cn Dr. Hannes Razum sprach alsStimme Gottes in schöner Ruhe und edlem Maß. Die Zuhönr dankten durch ihre große Aufmerksamkeit, so Önj es des lauten Beifalls nicht bedurfte.

Heinrich Ludwig Neuner.

Gießener Gtadttheater.

Benatzky:Bezauberndes Fräulein".

Nach der Ueberfteigerung her Operette Mir aus- stattungsüberladenen Revue führt die natürliche Reaktion hin zu einem intimen Stil, der die Sinne des Hörers vom Schaugepränge wieder auf die menschlichen Werte und auf das Jnnenerleden lei­tet. Der weitgespannte Rahmen vergangener Jahre engt und schließt sich, statt oberflächlichem Spiel und Geplänkel nun ein Zug zur Verinnerlichung.

Das bezeugt Ralph BenatzkysBezau­berndes Fräulei n", das ließ in der vorigen SpielzeitMeine Schwester und ich" erkennen. Es ist nicht mchr ein bloßes Erfüllen von traditio­nellen Operettenformen je nach dem Zettalter der Modelaune unterworfen, hier wird ein Lustspiel in der Beleuchtung durch die Musik wirkungsvoll intensiviert, ja, man könnte fast sagen, gemütvoll vertieft.

DasBezaubernde Fräulein" ist eigentlich ein Störenfried schlimmster Sorte, der. infolge eines Autounfalls zu nachtschlafender Zett' in die lang­weilige Einsamkeit eines Landlebens hinein schneit, überall Verwirrung ansttftet, die hohen vorgesetzten Behörden des heiratsfähigen Hausherrn mit er- frifchend-ehrlicher Offenherzigkeit in Schrecken fetzt, emnört, und die Rollen zum Schluß so weit ver­tauscht, daß sie durch ihren reichenPapa" um die " Hand desfristlos entlassenen Trottels" bitten läßt.

Diesembezaubernden Fräulein" steht em Hexen­meister mit allbereitemHokuspokus-Fidibus" ge­genüber, der mit Sicherheit Schicksal zu spielen vermag. Die äußerst spannend auf geh ernte Hand­lung läßt bis zu den letzten Szenen hin nicht die Lösung des verwickelt geschürzten Knotens erkennen. Ständig wechselnde Situationen ziehen fast in atemloser Folge am Hörer vorüber, ihn immer mehr spannend auf den endgültigen Ausgang des Abenteuers.

Stets aber greift die Musik als erfindungsreicher Helfer den Faden auf und leitet ihn in der be­stimmten Richtung weiter mit seiner Pointierung, ironisierend die Situation aufhellend, stellenweise grotest Überhöhend, dann aber wieder Einblicke ins Innere gebend, gefühlvoll, aber nie sentimental in der Haltung. So fließen hier Spiel und Musik, Geschehen auf der Bühne und im Orchester zur

Nächtlicher Ausmarsch der Warschauer Besahungsarmee

Zeitschriften.

D i e S i r e n e", die deutsche ßuftfdjW Illustrierte, behandelt die neuen Ausführung ^ bestirnmungen zum Luftschutzgesetz, die angeben,,v behelfsmäßige Luftschutzräume herzurichten fllft Ausführliche Texte und 21 große klare Zeichnung enthalten alles Wissenswerte über Splitter- Gasschutz-Sicherungen, Deckenabsteifungen, Notall gänge, Notaborte, Inneneinrichtung und vieles M dere. Außerdem bringt das Heft noch intercfW Bilder-Artikel aus dem praktischen Luftschutz '1Pi die Mitteilungen des Reichsluftschutzbuttdes,

Stattsttk des Deutschen Reiches über die eingeführ­ten russischen Rohstoffe noch nicht zum Ausdruck kommt. Die gesamte Einfuhr dieses Jahres aus Rußland bestand zu 95 v. H. aus wichtigen Roh­stoffen, u. a. aus Holz, Mineralöl, Flachs, Mangan­erzen, Manganoeroxyd, Baumwolle (eine Million RM), Baumwollabfällen (eine Million RM), fer­ner aus Borsten, Pferdehaaren, Bettfedern, Där­men, Fetten und Deien. Wertmäßig wurde der Höchststand des deutsch-russischen Güteraustausches nach dem Weltkrieg im Jahre 1931 erreicht, als Deutschland den ersten Platz im Außenhandel der Sowjetunion einnahm und der Wert der gegen» seitig getauschten Waren sich auf 1,2 Milliarden RM. belief. Noch bettächtlicher war der Handel vor dem Welttrieg. Im Jahre 1913 beispielsweise war Deutschland mit 1,4 Milliarden Mark (-- 48 v. H.) an der russischen Einfuhr beteiligt, während es für 1 Millarde RM. Waren (= 30 v. H. der russischen

Hochschulnachrichten.

Es sind ernannt worden: zum o. Professor in N Rechtswissenschaftlichen Fakultät der UniversW Frankfurt a. M. Dr. Adalbert von Unruh; w Honorarprofessoren der Pros. Dr. med. habil. EkW Bracht, der Generalarzt Dr. med. Kittel un» der Ministerialdirektor Dr. Friedrich Weber; außerplanmäßigen Professoren der Dozent Dr. med. habil. Carlo Brentano in Berlin, für das W Vergleichende Musikwissenschaft der Dr. phil. habt Wilhelm Heinitz in Hamburg, der Dozent vn Anton Schotterer in Wien, für das Fach Pff fit der Dr. phil. habil. Otto von Auwers Berlin, für das Fach Psychologie und Pädagogik W Dr. phil. habil. Christian E ck l e, Tübingen, Mfl Dozenten für Mathematik der Dr. sc. nat. haM Martin Eichler, Göttingen, für Syphilidoloffi und Dermatologie der Dr. med. habil. Richer Geiger, Wien, für Schweißtechnik der Dr.-IA habil. Karl Iurczyk, Aachen, für Wirtschaft Staatswissenschaften der Dr. rer. pol. habil. Schiller, Kiel, für Völkerrecht, Staatsrecht inj Rechtsphilosophie der Dr. jur. habil. Hans-Ul rilj Scupin, Breslau, für Zoologie und Ornitholoss! der Dr. phil. habil. Richard Stadie, G reif sw für das Fach Alte Geschichte der Dr. phil. ha.y Erich Swoboda, Wien, für Archäologie W Dr. phil. habil. Joseph Wiesner, Königsv«^

Ausfuhr) aus Rußland bezog.

Die Sowjetunion ist eines der reichsten Rohstoffländerder Erde. Sie verfügt über das größte einheitliche Wirtschaftsgebiet. Mit gro­ßem Eifer haben die Russen nach dem Weltkrieg systematisch ihre Erde auf Bodenschätze untersucht. Eine Anzahl neuer Forschungsanstalten wurde ge­gründet und die wissenschaftliche Arbeit der Geolo­gen über das ganze Land organisiert. Die Folgen haben sich dann auch bald eingestellt. Stein- ko h l e hat Rußland etwa 1443 Milliarden Tonnen, von denen mchr als Neunzehntel im asiatischen Rußland liegen. Die bedeutendsten Becken sind das Donezbecken in der Ukraine und das Kusnezker Rentier. Auch d ie Stein kohlen f örderung in Kara­ganda hat in den letzten Jahren immer mehr zu­genommen. Insgesamt wurde die Produktion von 1913 bis 1938 von 28 Millionen auf 126,2 Mil­lionen Tonnen allein an Steinkohle gehoben. Da der Eigenbedarf im Lande wegen der fortschreiten­den Industrialisierung dauernd steigt, ist in der letz­ten Zett der Export an Steinkohle jurütfgegangen. Auch Braunkohle gibt es in Rußland. Man schätzt die Vorräte auf 176 Millionen Tonnen. Die Förderung an Braunkohle ist in hen letzten Jah­ren wesentlich gestiegen, obwohl sie im Verhältnis gur Steinkohle keine große Rolle spielt.

Vielleicht wurden die größeren Anstrengungen zur Produktionssteigerung in der Erd ölwirt- schäft gemacht. Nach russischen Schätzungen sollen die Erdölvorräte der Sowjetunion etwa 32 v. H. der Welterdölvorräte, also 3 Milliarden Tonnen betragen. Don 9,2 Millionen Tonnen im Jahre 1913 stieg die Produktion auf nicht ganz 30 Mil­lionen Tonnen im Jahre 1938. Mit dem Export liegt es hier ähnlich wie bei der Steinkohle. Er ist mit Rücksicht auf das starke Anwachsen des eigenen Bedarfs rückläufig. Eisenerzvorräte gibt es in der Sowjetunion etwa 11 Milliarden Tonnen. Da­von sind 2,5 Milliarde dem Abbau unmittelbar zu­gänglich. Die Regierung legt auf die Förderung der Eisen- und Stahlerzeugung den allergrößten Wert. Von 1913 bis 1937 ist die Eisenerzförderung von 9,2 Millionen Tonnen auf 31 Millionen Ton­nen gestiegen. Heute ist die Sowjetunion zum zweit­größten Roheisenproduzenten Europas geworden. Durch Errichtung neuer großer Montanwerke wurde diese Steigerung möglich. Die wichtigsten dieser so­genannten Kombinate befinden sich in Magntto- gorsk (Ural), in Stalinsk (Becken von Kusnezk), Nishny Tagil (Ural), Kriwoj Rog und in Mariupol (Ukraine).

Bekannt ist das M a n g a n m o n o p o l Ruß­lands. Die Förderung betrug im Jahre 1937 3,2 Millionen Tonnen gegen 1,2 Millionen Tonnen im Jahre 1913. 1937 wurden 1,3 Millionen Tonnen ausgeführt. Die Menge des produzierten Kup­fers genügt allerdings nicht, um den Bedarf des Landes zu decken. Jedoch ist auch dieser Zweig der Bergbauproduktion vorangetrieben worden. Im Jahre 1938 wurden 104 500 Tonnen Hüttenkupfer und Elektrolysekupfer gewonnen. Das ist doppelt so viel wie 1913. Auch Blei müssen die Russen einführen, obwohl die Produktion seit 1913 von 1400 Tonnen auf 78 000 Tonnen im Jahre 1938 gestiegen ist. Mit ihrem Zink kommen die Russen aus. Auch bei diesem Metall ist eine außerordentliche Steigerung der Produktion eingetreten. Sie wurde seit 1913 fast verachtfacht. 1938 wurden 84 000 Ton­nen Zink gefördert. Trotz der Selbstversorgungs­bestrebungen mußte Nickel eingeführt werden. Die vier großen Vorkommen im Mittelural, im Süd­ural, auf der Halbinsel Kola, sowie in Sibirien

Programmmit allen Mitteln" beiderseits gefördert werden wird.

Oer lettische Außenminister reist nach Moskau.

Riga, 1. Oktober. (DNB.) Das lettische Mini- sterkabtnett gelangte nach einem Bericht des Außen­ministers über die in Moskau abgeschlossenen Ver­träge zwischen der Sowjetunion und E st l a n b und der Sowjetunion und Deutschland zu der Schlußfolgerung, daß diese Verträge so weit­gehende Veränderungen in die politische Lage Osteuropas gebracht haben, daß auch Lett­land sich zu einer Prüfung feiner außen­politischen Beziehungen veranlaßt sieht. In erster Linie müsse eine zusätzliche Kläruna feiner Beziehungen zur Sowjetunion erzielt wer­den. Zu diesem Zweck beauftragte die Regierung den lettischen Außenminister M unters, sich un­verzüglich nach Moskau zu begeben, um in un­mittelbare Fühlung mit der Sowjetregierung zu treten. Der lettische Außenminister wird bereits am Montag aus Riga abreisen.

Einheit zusammen, geknüpft, verflochten und ver­webt, eins das andere fördernd und bestimmend.

Mit elastischem Schwung lieh Harry G r ü n e k e (Spielleitung) das Ganze in Geschlossenheit vor dem Zuschauer abrollen, fein ausgestimmt in Hal­tung, Gebärde, Tanz und Wort. Ein ständiges Fließen, ja, oft ein Aufeinanderprallen und Sich- überftürzen der Situationen. Als Mittelpunkt be­herrschte Friedel Fornallaz als bezauberndes Fräulein das Geschehen. Charmant, keck, selbstbe­wußt, mit fast dreist erscheinender unbekümmerter Offenheit und Furchlofigkeit, prickelnd und bezau­bernd reizvoll im wahrsten Sinne des Wortes, im Singen, Spielen und Tanzen. Ihr gegenüber im beabsichtigten, schärfsten Kontrast war Walter Erler der typische pflichtgefesselte Beamte, nahe dran vor dienstlicher Gewissenhaftigkeit sein Inneres zu ersticken. Weich bis zur Schwärmerei, aber doch ebenso schnell enttäuscht und niedergeschlagen, durch die Fäden desbezaubernden Fräuleins" schick­salhaft bestimmt. Aeußerst dezent in der Darstel­lung, aber ebenso treffend in der Charakterisierung des Couplets; eine feingeistige Durchdringung des Komischen. Im Gegensatz zu Pauls Passivität war Harry G r ü n e k e der zukunftshoffende Optimist als Maler Felix. Aktivität, pulsierendes Leben, Frische, offene Männlichkeit, fitucttionsficher im Herausstellen bestimmender Höhepunkte; ein wahrer Hexenmeister in seinem treffsicheren Couplet.

Ein Typus der Verknöcherung, ein Tyrann in seinem Kreise war Hilmar Manders als Mini- sterictt-Direktor, dem sich seine Tochter, die viel an- geschwärmte Luise (Irene D u i l l) sonst meist der Ohnmacht nahe, zum Schluß doch zu entziehen ver­mag. Weibliches Verstehen mar Elisabeth Leip- recht als Rosette eigen. Hans Albert S ch e w e gab den geprellten Liebhaber; und Gustav BI e Y alsPapa" derbezaubernden Annette" zeigte in seinem Spiel einen alten Herrn, der dem Leben und der Gelegenheit immer noch genußfähig und bereit gegenübersteht. Ein Hausmädchen in treff­licher Mschung von Sentimentalität und sicherem Zugreifen mar Anneliese Garbe als Julie; ihr trat Siegfried Lowitz als Chauffeur ebenbürtig zur Seite.

Die Bühnenbilder hatte Karl Löffler eng auf die Handlung abgestimmt; Heinz M a r k w a r d t , gab der vielfältigen melodischen Kraft der Musik , Eindringlichkeit, Charakter und Impuls. Lebhafter , Beifall, oft auf offener Szene, bestätigte das freu» : 1 bige Mitgehen des Hauses. Dr. Hermann Hering.

DNB. ..., 1. Okt. (P. K.) Es ist ganz anders als man es gewohnt ist. Eine tiefe Stille ruht über dem Kampfgelände um Warschau. Kein Abschuß gellt hinter den erstürmten Dörfern, keine Granate zischt mehr über die Köpfe, fein Maschinengewehr rattert seinen Streifen ab, keine Kolonne jagt mit Munition oder Ablösung über die Straßen.

Das alles ist nun vorbei. An den Straßenkreuzun­gen dicht vor der Stadt stehen deutsche Trup­pen mitten auf dem Damm, in Wlochy, einer Stadt, die schon in dem modernen mehrstöckigen Häuserbau Vorortcharakter verrät, und über die seit langem die deutsche Artillerie hinwegschoß, spiett die Regimentsmusik auf dem Hof eines Häuserblocks, und rings herum haben sich die dort einquartierten Truppen zu frontkriegswidrigen Schwärmen ge­sammelt. Am stadtwärts gelegenen Ausgang des Ortes sind viele Jnfanteriegeländewagen auf gefahren, die Gefangenenzüge be­gleiten sollen.

Am abendlichen Himmel schimmert zur Stadt noch ein Rosaschein in den Wolken, der von den schwe­lenden Brandstellen des Bombarde­ments herrührt. Gleich hinter Wlochy, wenn man zum Vorort Wola fahren will, beginnt der KranzderKampfstellungen; Gräben und Einschlagstrichter haben das Feld zu beiden Setten der Straße tief zerfurcht. Die Straße selbst sperrt zwischen Häusertrümmern noch eine Verteidigungs­linie der Polen, eine Barrikade aus Bäumen und Wagen, dahinter ein ganz tiefer Graben, der un­besetzt und jetzt ruhig herankommen läßt.

Den ganzen Tag schon sind kleine Abteiun- gen der Besatzungstruppen, die nach der Waffenstreckung nun Warschau verlassen, durch Wlochy zum Sammelplatz in Prustkow hindurchgezogen. Jetzt, als es ganz dunkel geworden ist, hört man von Norden her ununter­brochen Marschtritt und Räderrollen. Es kommt eine große Truppeneinheit her Polen in Stärke von etwa 20 000 Mann. Gleich bei der Spitze fällt uns etwas auf. Das sind nicht die abgekämpften demoralisierten Soldaten der Weichseldivisionen, die wir bei Sanniki und Lowicz sahen. Sie gehen stramm und auftecht im Geschwindschritt an uns vorbei, jede Kolonne geführt von den eigenen Of­fizieren und in tadelloser Marschord­nung, neues Koppelzeug um die Lenden und an der Seite den unentbehrlichen Brotbeutel. Mancher trägt um Kopf oder Arm noch einen frischen Ver­band. Jeder Kolonne folgen einige politische Militär- autos so etwas kannten wir bisher überhaupt noch nicht und die üblichen Dagagewagen mit den Pan je-Pferdchen.

Unsere Begleitposten sind nur spärlich zugeteilt. An der Seite fahren Krafträder mit Hellen Schein­werfern vorüber und warten dann wieder an einem Feldweg. Dazwischen fahren einige Kübelwagen mit daschinengewehren daraus oder auch Panzerwagen

Marschau erwacht wieder zu Leben und Arbeit.

DNB. 1. Okt. (P.K.) Tiefster Friede ist an der vordersten Front eingekehrt. Wo vor wenigen Stunden noch erbittert um jeden Fußbreit Boden gekämpft wurde, stehen sich heute die deutschen und die polnischen Truppen frei gegenüber. Alle haben sie feste Biwaks bezogen, und nur wenige Wachmannschaften zeugen davon, daß hier eigent­lich die Kanrpflinie verlaufen ist. Die A u f r ä u - mungsarbeiten auf polnischer Sette haben mit Macht eingesetzt Ueoerall sind die Polen dabei, Straßensperren zu beseitigen. Wo gestern noch um» gestürzte Straßenbahnwagen, tiefe Erdwälle und Baumsperren den Vormarsch der deutschen Truppen versperren sollten, ist jetzt die Straße wieder befahrbar gemacht. Nur noch große Mengen Laub und kleine Erdwälle zeugen von den Hinder­nissen. Schwierigkeiten machen noch die zahlreichen Bodenminenfelder, die nut weißen Fackeln oder Bändern abgegrenzt sind. Vorsichtig werden die Minen ausgegraben oder aber auch mit Schüs­sen zur Explosion gebracht. Da und dort werden auch schon Trichter, die von Artilleriegeschossen her­rühren, zugeschüttet, und zahlreiche Straßenbahn­drähte, die gestern noch auf den Boden herab- hingen und eine Gefahr für den Verkehr bildeten, sind bereits entfernt.

Auch das Leben der Einwohnerschaft be­ginnt bereits normale Bahnen anzunehmen. Der Rücksttom der Flüchtigen ist fast schon beendet, und sie sind in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Man­ches Heim, besonders die Häuser, die in der Nähe der Forts liegen, haben bei der Beschießung etwas abbekommen. Was wir aber so oft festgestellt haben, ist die Tatsache, daß zahlreiche Wohnungen von auf dem Rückwege befindlichen Polen ausgeplündert worden sind. Wüst hat es in manchen ausgesehen, und was mitnehmenswert schien, haben polnische Räuber mitgehen heißen.

Am 2. Oktober 1839, vor hundert Jahren, wurde der große deutsche Maler Hans T h o m a in Bernau im Schwarzwald geboren. Die heutige Nummer der Gießener Familienblätter ist der Per- sönlichkeit und dem Werk Hans Thomas gewidmet (Scherl-M.)

mit Scheinwerfern. Aber im Grunde ist nichts mehr zu besorgen. Die polnischen Soldaten haben den nutzlosen Krieg gründlich satt. Sie haben aus dem ganzen Lande, in der Hauptstadt ihrer Milttär- pflicht genügt oder sind dahin bei der Mobil­machung eingezogen worden. Als es ihrer Heimat unter deutschem Schutz nicht schlecht ging, trieb es sie nach Hause. In Warschau gab es zuletzt, wie sie erzählten, weder Licht noch Wasser noch Brot. Und dabei setzte das deutsche Artilleriefeuer ihnen übel zu. Es ist ihnen jetzt leichter ums Herz, wo der ungleiche Kampf heendet ist. Sie können hocherhobenen Hauptes in die Internierungslager gehen. Denn sie haben sich zäh gehalten, und von dort wird bald für sie der Weg zu ihrer Familie

Zahlreiche Geschäfte haben wieder ihren Betrieb ausgenommen, abgesehen von den jüdischen, deren Inhaber fast allesamt das Weite gesucht haben. Hier und da, vor allem vor Lebensmittelgeschäften, sehen wir lange Schlangen von Warten- den. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die normale Versorgung der Stadt mit Nahrungsgütem sichergestellt sein wird, jedoch arbeiten alle beteilig­ten Stellen jetzt schon mit Nachdruck, diese Zeit |o stark wie möglich zu verkürzen.

Mlschastliche Zusammenarbeit des amerikanischen Kontinent«.

Panama, 1. Okt. (DNB.) Die Vollkonferenz des Panamerikanischen Kongresses nahm die Vor­schläge des Wirtschaftsausschusses an, deren Sinn engste Zusammenarbeit der 21 Staaten ist, um die augenblicklichen Notstände zu beseitigen und für gedeihliche Weiterentwicklung des Wirtschaftslebens zu sorgen. Dies ist der von den Vereinigten Staaten vorgeschlagene, von anderen Staaten ergänzte Plan, der Amerika krisenfest machen soll. Da der Plan nur durchführbar ist, wenn das reiche Nord­amerika die Mittel dazu liefert, so mar es ver- stündlich, daß man den Vereinigten Staa­ten hierin die Führung beließ. Entsprechend den Vorschlägen des Ausschusses wird ein inter­amerikanischer Finanz- und Wirt, schafts aus schuß mit je einem Vertreter btt 21 Staaten eingesetzt, der nicht später als am 15. November in Washington zusammentreten soll. Er wird folgende Fragen zu prüfen haben: Interamerikanische Zahlungsbilanz, Erleichterungen für Waren- und Geldaustausch, Beratung;- stelle für Ein- und Ausfuhr und alle da­mit zusammenhängenden Fragen, Neuregelung des Warenaustausches zur Beseitigung bet Schwierigkeiten, die die Lage in Europa durch den Verlust der Absatzgebiete hervorrief. Dieser Waren­verkehr soll zwischen den amerikanischen Ländern nach liberalen Grundsätzen des internationalen Han- bei5 organisiert werden. Ferner werden erwogen: Ermäßigung von Zöllen und Abbau von Einfuhr­lizenzen, Schaffung eines interamerikanischen Fi« nanzinstitutes zur Zusammenarbeit von Schotz' minifterien und Zentralbanken, Förderung der Ein­fuhr amerikanischer Produkte und Studium der Möglichkeit neue Industrien zu begründen.

lieber die anderen Punkte des Programms, H die Erhaltung des Friedens und die Wahrung tir Neutralität, liegen noch keine Resolutionen vor.

Der russische Eigenbedarf an allen diesen Stoffen ist enorm gestiegen, obwohl die weiter­verarbeitende und Fertigwarenindustrie mit dem sprunghaften Wachstum der Schwerindustrie nicht Schritt gehalten hat. Trotz, dieses starken russischen Eigenverbrauches ergibt sich die uneingeschränkte Möglichkeit der vollen Erfüllung des skizzierten Wirtschaftsprogramms um fo mehr, als nach der bezeichnenden Formulierung dieses Wirtfchasts-

Ackermann von Böhmen.''

Erste Morgenfeier 1939/40.

Die erste Morgenfeier des Stadttheaters in der Spielzeit 1939/40 brachte gestern vor erfreulich vielen Zuhörern eine Dichtung aus dem Jahre 1400 zu Ge­hör, die dem Saazer Stadtschreiber Johannes von T e p l zugeschrieben ist und die zu ihrer Zeit be­rühmt, viel gelobt, viel gedruckt und gelesen wurde und uns auch heute noch etwas zu sagen hat. Der Ackermann von Böhmen" ist ein Streitgespräch, fast eine Gerichtsverhandlung vor Gottes Throkl und eine leidenschaftliche unb wortgewaltige An­klage eines Ackermannes gegen den Tod. Dem Bauern ist, so heißt es in der Urschrift,gar ein schöne Frowe, fin gemahl gestorben", und er will sich nicht bereitfinden, den Tod der edlen Frau hinzu- nehmen, sondern er rechtet mit dem Too, schilt ihn einen Würger und Mörder, eine ungerechte Gewalt, die unvernünftig wüte in Gottes Garten. Und der Tod hat Mühe, sich zu rechtfertigen und dem Acker­mann verständlich zu machen, daß sein Wirken zu­tiefst sinnvoll sei, und er, der Todein Werkzeug sei in Gottes Hand". In lebhaftem Gegensatz stehen die Worte desAckermannes als ein Bekenntnis zu Leben, Schönheit und Menschenwürde den feind­seligen Worten des Todes gegenüber, der allen Sinn des Lebens darin sehen will, daß es ihm an­heimfalle. Bis Gott, als Richter angerufen, den Tod in seine Schranken weist, ihn an seine Herrschaft als an ein Leben erinnert, und dem Ackermann wissen läßt, daßjeder Mensch dem Tode sein Leben, den Leib der Erde und die Seele Gott zu geben schuldig ist". Das Ganze bedeutet in der geistigen Haltung schon eine Abkehr vom christlichen Mystizismus, eine erste Ablösung aus der geistigen Enge des Mittelalters.

An der Dichtung, die in dieser Morgenfeier nur in erheblicher Kürzung wiedergegeben werden konnte, ist die Sprache hinreißend, bilderreich und voll inneren Lebens. Der Ueberfetzer, ^>er das Wert aus der mittelalterlichen in unsere Sprache über­trug, nennt die Dichtung in ihrer Urschriftein Denkmal deutscher Sprache, wie es in Vers und Prosa vor Luther sich nicht wiederfindet".

Das Streitgespräch stellte an die Darstellung des Ackermanns (Hans Albert S ch e w e) und des Todes (Viktor v. G s ch m e i d l e r) erhebliche An­forderungen insbesondere im Hinblick auf den sprach­lichen Ausdruck und den nahezu einstündigen Dia­log. Im Schlußgebet, dem Höhepunkt, der die Dich-