Ausgabe 
2.9.1939
 
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heißt Kapitulation. Wenn irgend jemand aber meint, daß mir vielleicht einer schweren Zeit ent­gegengehen, so möchte ich bitten zu bedenken, daß einst ein Preußenkönig mit einem lächerlich kleinen Staat einer der größten Koalitionen gegenübertrat und in drei Kämpfen am Ende doch er­folgreich bestand, weil er jenes gläubiae starke Herz besaß, das auch mir in dieser Zeit benötigen.

Der Umwelt aber möchte ich versichern: L i n November 1918 wird sich niemals mehr in der deutschen Geschichte wiederholen! So wie ich selber bereit bin, jederzeit mein Leben für mein Volk und für Deutschland einzusehen, so verlange ich dasselbe auch von jedem anderen! Der aber glaubt, sich diesem nationalen Gebot, fei es direkt oder indirekt, widersehen zu können, der fällt! Verräter haben nichts mit uns zu tun! (Tosende Zustimmung.) Wir alle bekennen uns damit nur zu unserem alten Grundsatz: Es ist gänzlich unwichtig, ob wir leben, aber notwendig ist es, daß unser Volk, daß Deutschland lebt! (Der Deutsche Reichstag erhebt sich wie ein Mann und bereitet dem Führer eine überwäl­tigende Kundgebung.)

Ich erwarte von Ihnen als den Sendboten des Reiches, daß Sie nunmehr auf allen Plätzen, auf die Sie gestellt sind, Ihre Pflicht erfüllen. Sie müssen Bannerträger sein des Wider st andes, koste es, was es wolle! Keiner melde mir, daß in feinem Gau, in feinem Kreis oder in seiner Gruppe oder in seiner Zelle die Stimmung einmal schlecht sein könnte. Träger, verantwortliche Träger der Stimmung sind Sie! Ich bin verantwortlich für die Stimmung im deutschen Volk, Sie sind verantwort­lich für die Stimmung in Ihren Gauen, in Ihren Kreisen! Keiner hat das Recht, diese Verantwortung abzutreten. Das Opfer, das von uns verlangt wird, ist nicht größer als das Opfer, das zahlreiche Generationen gebracht halben. Alle die Män­ner, die vor uns den bittersten und schwersten Weg für Deutschland antreten mußten, haben nichts ande­res geleistet, als was wir auch zu leisten haben. Ihr Opfer war kein billigeres und kein schmerz­loseres und damit kein leichteres, als das Opfer fein würde, dasvonuns verlangt wird.

Ich erwarte auch von der deutschen Frau, daß sie sich in eiserner Disziplin vorbildlich in diese große Kampfgemeinschaft eingefügt! Die deutsche Jugend aber wird strahlenden Herzens ohnehin erfüllen, was die Nation, der nationalsozialistische Staat von ihr erwartet und fordert. Wenn wir diese Gemeinschaft bilden, eng verschworen, zu allem ent­schlossen, niemals gewillt zu kapitulieren, dann wird unser Wille jeder Not Herr werden!

Ich schließe mit dem Bekenntnis, das ich einst ausfprach, als ich den Kampf um die Wacht im Reich begann. (Die Wänner des Reichstages erheben sich von ihren Plätzen.) Damals sagte ich: Denn unser Wille so stark ist, daß keine Rot ihn mehr zu zwingen vermag, dann wird unser Wille und unser deutscher Staat auch die Rot zerbrechen und besiegen. Deutschland Sieg Heilt

Der Reichstag gelobt blinde Treue und Gehorsam.

Reichstagspräsident Göring schließt die denkwürdige Sitzung.

Nachdem die minutenlangen Begeisterungsstürme sich gelegt hatten, gab Reichstagspräsident G ö - ring dem Führer der Reichstagsfraktion, Pg. Dr. Frick, das Wort zur Bekanntgabe des Gesetzes über die Wiedervereinigung der Freien Stadt Dan­zig mit dem Reich.

Nachdem der Reichstag ihm seine verfassungs­mäßige Zustimmung erteilt hatte, verkündete Reichstagspräsident Göring unter lautem Beifall diese einstimmige Annahme des Gesetzes. Dann gab Reichstagspräsident Göring den Gefühlen des Deutschen Reichstages und des gesamten deut­schen Volkes in kurzen, markigen Worten Ausdruck.

Mein Führer! Der Deutsche Reichstag in Ver­tretung des deutschen Volkes steht in dieser ge­schichtlichen Stunde geschlossen und ein­mütig hinter dem Führer. Er repräsentiert den Willen des deutschen Volkes, für die Ehre und

Zukunft der Nation und des Reiches, jedes, aber auch jedes Opfer zu bringen. Er gelobt in diesem Augenblick vor der Nation dem Führer blinde Treue und Gehorsam in jeder Not und in jeder Gefahr. Die einzelnen Mitglieder des Reichstages werden auf allen Plätzen, auf die sie gestellt sind, oder als Soldaten ihre Pflicht bis zum äußersten erfüllen. Ihr Vertrauen auf die Wehrmacht ist unbegrenzt, ihre Ueber- zeugung vom endgültigen Sieg in dem uns von Posen 'aufgezwungenen Kampfe zur Abwehr un-

Tagesbefehle an

Berlin, 1. Sept. (DNB.) Die Oberbefehls­haber der drei Wehrmachtsteile haben folgende Tagesbefehle erlassen:

Tagesbefehl an das Heer.

Soldaten! Die Stunde der Bewährung ill ge­kommen. Nachdem alle anderen Mittel erschöpft sind, müssen die Waffen entscheiden. Im Bewußtsein unserer gerechten Sache ziehen wir in den Kampf für ein klaresZiel: Die dauer­hafte Sicherung deutschen Volkstumes und deutschen Lebensraumes gegen fremde Ueb ergriffe und Machtansprüche. Als Träger der stolzen Ueberliefe- rung der alten Armee wird das junge national­sozialistische .Heer das ihm geschenkte Ver­trauen rechtfertigen. Unter dem Oberbefehl des Führers wollen wir kämpfen und sie­gen. Wir bauen auf die Entschlossenheit und Einigkeit des deutschen Voltes. Wir wissen um die Stärke und Kraft der deutschen Wehrbereitschaft. Wir glauben an den Führer. Vorwärts, mit Gott für Deutschland!

Der Oberbefehlshaber des Heeres, gez. von Brauchitfch, Generaloberst.

Tagesbefehl an die Kriegsmarine.

Der Ruf des Führers ist an uns ergangen. Die Stunde der Entscheidung findet uns bereit, ein­zustehen für Ehre, Recht und Freiheit unseres Vaterlandes. Eingedenk unserer ruhmreichen Tradition werden wir den Kampf führen in unerschütterlichem Vertrauen auf unseren Führer und in festem Glauben an die Größe un­seres Volkes und Reiches! Es lebe der Führer!

gez. R a e d e r, Großadmiral, Dr. h. c.

Tagesbefehl an die Luftwaffe.

Soldaten der Luftwaffe! Kameraden! Wochen und Monate habt Ihr mit geballten Fäusten und zusammengebissenen Zähnen die unerhörten und un­glaublichen Provokationen erlebt, die ein dem Wahnsinn des Versailler Diktates entsprungenes Staatsgebilde dem Großdeutschen Reich zu bieten wagte. Das Maß ist voll! Nicht länger mehr

erträglicher Uebergriffe und zur Wiedergutmachung des uns zugefügten Versailler Unrechtes ist eine unerschütterliche. Der Reichstag verspricht in seiner eigenen Geschlossenheit jederzeit das Vorbild der Nation zu sein.

Abgeordnete! Es lebe der Führer! Sieg Hell!

Die Sitzung ist geschlossen." Görings Ruf fand einen gewaltigen Widerhall im Hause. Der Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liebes beendeten die denkwürdige Sitzung.

die Wehrmacht.

kann das deutsche Volk dem verbrecherischen Trei­ben zusehen, dem schon Hunderte und Tausende un­serer Volksgenossen in den ehemaligen deutschen Ostprovinzen zum Opfer fielen. Jedes weitere Zögern wäre jetzt gleichbedeutend mit der Aufgabe der heiligen Lebensrechte der deutschen Nation. Ka­meraden! Der Führer hat gerufen! Eure große Stunde ist da. Die Luftwaffe jahrelang wirksamstes Instrument der Friedenspolitik des Führers hat nun zu beweisen, daß sie in dem entscheidenden Augenblick zur Erfüllung ihrer gewaltigen Aufgaben zur Stelle ist. Grenzenlos ist das Vertrauen des Führers und des deutschen Volkes zu Euch. Als Euer Oberbe­fehlshaber bin ich stolz und glücklich darüber, denn ich weiß mit felsenfester Gewißheit, daß jeder ein­zelne unter Euch sich dieses Vertrauens in jeder Weise würdig zeigen wird. Flieger! In blitzschnellem Zupacken werdet Ihr den Feind vernichten, wo er sich zum Kampfe stellt oder in der Auflösung zurückflutet. Ihr werdet jeden Wider- stand zermürben und zerbrechen mit letztem opferfreudigem Einsatz.

Männer der Bodenorganisation! Ihr werdet freudig und gewissenhaft den Einsatz und die Sicherheit Eurer Kameraden in der Luft vor- b ereilen und gewährleisten. Flakartilleri­sten! Ihr werdet jeden Angreifer herunterholen. Jeder Schuß aus Euren Geschützen wird dem Leben Eurer Frauen, Mütter und Kinder, wird dem gan­zen deutschen Volke die Sicherheit verbürgen. Funker! Ihr seid die Träger des raschen und reibungslosen Zusammenwirkens in unserer Waffe. Ihr gebt unserer Waffe die Möglichkeit, den eige­nen, alles überrennenden Angriff voranzutragen und den feindlichen Gegenstoß rechtzeitig abzufan­gen und zum Scheitern zu bringen. Kameraden! Jedem von Euch blicke ich jetzt ins Auge und ver­pflichte jeden von Euch, alles zu geben für Volk und Vaterland. An Eurer Spitze un­ser geliebter Führer, hinter Euch die ganze im Nationalsozialismus geeinte deutsche Nation. Da gibt es für uns nur eine Losung: Sieg!

gez. Hermannn Göring, Generalfeldmarschall.

Front gegen den Lügenkrieg.

Das Abhören ausländischer Gender wird bestraft.

Berlin, 2. Sept. (DNB.) Der Ministerrat fürdieReichsverteidigung hat eine Ver­ordnung über außerordentliche Rund­funkmaßnahmen erlassen. In der Einleitung zu dieser Verordnung heißt es: Im modernen Krieg kämpft der Gegner nicht nur mit militärischen Waf­fen, sondern auch mit Mitteln, die das Volk seelisch beeinflussen und zermürben sollen. Eines dieser Mit­tel ist der Rundfunk. Jedes Wort, das der Gegner übersendet, ist selbstverständlich verlogen und dazu bestimmt, dem deutschen Volke Schaden zuzufügen. Die Reichsregierung weiß, daß das deut­sche Volk diese Gefahr kennt und erwartet daher, daß jeder Deutsche aus Verantwortungs­bewußtsein heraus es zur Anstandspflicht erhebt, grundsätzlich das Abhören ausländi­scher Sender zu unterlassen. Für diejeni­gen Volksgenossen, denen dieses Verantwortungs­bewußtsein fehlt, hat der Ministerrat für die Reichs­verteidigung eine Verordnung erlassen, die das Abhören von politischen Nachrichten und Ueber- tragungen ausländischer Sender verbietet und unter Strafe stellt.

Der Frontsoldat des Weltkrieges hat sich oft ge­wundert, wenn er in den ins Feld geschickten deut­schen Zeitungen die Tagesberichte der feindlichen Heeresleitungen lesen und feststellen konnte, daß jene Mitteilungen in stärkstem Gegensatz standen zu dem tatsächlichen Verlauf der Kämpfe, die er selbst mitgemacht hatte. Er hat sich vor allem auch dar­über gewundert, daß feindliche Heeresberichte über­haupt und ohne jedes Wort der Richtigstellung von deutscher Seite in unseren Zeitungen erschienen, ob­wohl sie von dem amtlichen Tagesbericht der deut­schen Obersten Heeresleitung glatt widerlegt wur­den. Dem deutschen Frontfoldaten war klar, daß die Engländer und die Franzosen mit ihren Heeres­berichten ihm s e l b st kein X für ein U vormachen wollten, denn er hatte ja den Verlauf der Kämpfe selbst miterlebt; er war sich vielmehr bewußt, daß diese feindlichen Berichte für die deutsche Heimat­front bestimmt waren, die dadurch mit Zweifeln gegenüber der eigenen Führung erfüllt und für die feindlichen Absichten reif und mürbe gemacht wer­den sollte. Kam der Frontkämpfer auf Urlaub in die Heimat, so wurden ihm nicht selten die feind­lichen Heeresberichte vorgehalten, und dabei konnte

MemlmgsJüngstes Gericht"

Danzigs kostbarstes Kunstwerk.

Wuchtig erhebt sich St. Marien, Danzigs berühm­tes Gotteshaus, über das Gewirr der Dächer. Seit mehr als vier Jahrhunderterten hält der mächtige rötlichbraune Glockenturm mit seiner stumpfen Haube Wacht hoch oben über der alten deutschen Stadt. Der gewaltige gotische Dom birgt in seinen Mauern trotz manchen beklagenswerten Verlustes noch immer die reichsten Kunstschätze. Unter ihnen das kostbarste Kunstwerk der Stadt Danzig über­haupt, desduytschen Hanns", Hans Mem- ti n g sIüngst e s G e r i ch t". Bis in die neueste Zeit war die Geschichte dieses Altarwerkes in ge­heimnisvolles Dunkel gehüllt. Die Berichte über die Herkunft des Bildes enthielten so viel Sagenhaftes, aber auch fo viel Wahrscheinliches, daß es schwer war, Dichtung und Wahrheit voneinander zu schei­den. Erst Forschungsergebnisse in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts fd) afften Klarheit. Danach ist das Kunstwerk im Jahre 1473 als Kriegsbeute in den Besitz der Stadt Danzig gelangt.

Seit vier Jahren lagen damals die Hansestädte in einem fast ununterbrochenen Kampf zur See mit England. Mit Kaperbriefen versehen, kreuzten auch Danziger Schiffe in der Nordsee. Da erfuhr um die Osterzell der Danziger Schiffsführer Paul Be­ne k e, daß ein mit wertvollen Gütern befrachteter feindlicher Schiffszug von Sluys nach England un­terwegs sei. Er folgte den beiden Schiffen bis in feindliches Gewässer, griff sie am Dienstag nach Ostern mit seinemPeter von Danzig" an und ka­perte die GalleydeSt. Thomas". Die Ladung sie hatte einen Wert von 480 000 Talern wurde in Beschlag genommen und zunächst auf Hambur­ger, dann auf Bremer Gebiet gebracht. Bei der Bergung der Ladung fand man, wohlverpackt in einer Kiste, das Altarwerk, das von nun an fast 350 Jahre hindurch den wechfelvollsten Schicksalen unterworfen war. Unter sicherem Geleit wurde das Kunstwerk auf dem Landwege über Pommern nach Danzig gebracht. Ueb er all wurde es als ein nicht von Menschenhand stammendes Wunderwerk be­trachtet, und als Paul Beneke mit seiner Beute im Kloster Oliva anlangte, wurde ihm ein festlicher Empfang bereitet. Die drei Reeder aber, denen der Peter von Danzig" gehörte, stifteten das Bild für den Altar derSt.-Georgev-Brüberschaft.

Der Kampf um das Bild begann. Es erwies sich, daß das Meisterwerk M e m l i n g s als solches ist es später einwandfrei festgestellt worden von Angelo Tani, der die Interessen der Mediceer in Brugge vertrat, für den Altar einer Kirche in Flo­renz gestiftet und auf dem Wege dorthin gewesen war. Karl der Kühne legte sich ins Mittel, aber seine Bemühungen, von den Danzigern die Rück­gabe des Bildes zu erlangen, blieben erfolglos. Ebenso fruchtete es yichts, daß Papst Pius IV. auf Betreiben der Brüder Juliano und Lorenzo M e - öici und anderer angesehener Florentiner seinen geliebten Sohn", denPiraten" Paul Beneke, den die Chroniken hart Sevoael" nennt, in den Kir­chenbann tat,be von Danske behelden de gu- dere und orageten dar nyscht na".

Danzigs kostbares Kleinod war bald berühmt in ganz Europa. Kunstkenner und Kunstfreunbe mach­ten weite Reisen, um es zu sehen, und nicht wenige kamen in der stillen Hoffnung, den wertvollen Kunstschatz in ihren Besitz bringen zu können. Wir wissen, daß Kaiser Rudolph II. die beträcht­liche Summe von 40 000 Goldgulden bot und daß der Kurfürst von Sachsen 20 000 Taler geben wollte. Auch Peter der Große von Rußland, der das Bild auf der Durchreise am 9. März 1716 gesehen hatte, ließ durch den Fürsten D o l g o r u t i mit dem Rat der Stadt langwierige Verhandlungen über den Ankauf des Bildes führen. Doch den Dan­zigern war ihr Kleinod um keinen Preis feil.

Fast hundert Jahre später. Am 26. Mai 1807 war Danzig in die Hände der Franzosen unter Mar­schall Lefebre gefallen, und am 30. Juni traf Denon, der Direktor des Musäe Napoleon, in der Stadt ein. Er forderte im Auftrage des Kaisers die Herausgabe des Bildes an Frankreich, und drei Tage später, am 3. Juli 1807, mußte dasJüngste Gericht" den Weg nad> Paris antreten. Dort wurde es im Louvre auf gestellt, und es gibt manches Zeug­nis für die zauberhafte Wirkung, die es auf die Be­schauer ausübte.

Napoleon war nach feiner Rückkehr von Elba abermals geschlagen. Der Friedensschluß vom 20. November 1815 entschied auch über das Schick­sal desJüngsten Gerichts". Zusammen mit ande­ren Kunstschätzen auch der Siegeswagen vom Brandenburger Tor befand sich darunter deren Rückgabe Preußen zur Bedingung gemacht hatte, trat Memlings Meisterwerk die Rückreise nach Ber­lin an.

Der Kampf um das Bild begann von neuem. In Berlin plante man die Gründung eines National­museums und machte alle Anstrengungen, das Jüngste Gericht" dafür zu erwerben. 20 000 Taler und eine gute Kopie derSixtinischen Madonna" wollte man den Danzigern geben, dazu für dauernd drei Freistellen für junge Danziger Künstler an der Berliner Akademie. Der Rat 'der Stadt Danzig schlug alles aus. Aber erst, als auch der Versuch fehlschlug, König Friedrich Wilhelm III. zu einem Gewaltspruch gegen die Stadt zu bewegen, konnte Danzigs kostbarster Kunstschatz nach mehr als neunjähriger Abwesenheit am 16. Dezember 1816 auf feinen alten Platz zurückkehren. Das Distichon, das auf kleiner Tafel an desduytschen Hanns" unvergänglichem Werk angebracht ist, kündet den Abschluß seiner seltsamen Schicksale:

Als das ew'ge Gericht des Kleinods Räuber ergriffen, gab der gerechte Monarch uns das Erkämpfte zurück."

A. N.

Abschiedsstrauß.

Von Hans Brandenburg.

Auf freiem Hügel, nur unterm fchattenfprenkeln- den Dachsieb magerer Obstbäumchen, steht mein Tisch; er hängt, wenn ihn jemand von drunten sieht, in. der Landschaft und im Himmel wie die Spinne im Netz oder wie ein Vogelnest unter Zweigen oder unter dem Kreuz einer Kuppel. Auf der gewürfelten Decke des Tisches steht vor der blauen Zackenwand der Berge ein bunter Strauß von Astern und Studentenblumen, ein Abschieds­strauß. Und auch die noch einmal gegenwärtigen Stunden und Dinge fügen sich zum Abschieds­strauß. Einmal bin ich in die Glockenstube des Dorfkirchturms gestiegen, wartend auf den Schlag des Stundenhammers gegen den erzenen Rand und dann noch auf das Mittagsgeläut, das den Kessel und den Klöppel über mir schwang und Glocken­stuhl und Turm erbeben ließ. So schlägt nun meine Scheidestunde, aber Glocke und Land sollen in mir summen und singen, läuten und schüttern in langem Ausgang.

Auch die Blumen des Feldes drängen sich zu den .GartenbluMN in meiiM Abfchiedsstrauß;

Jeder an seinem Platz."

Berlin, 1. Sept. (DNB.) Der Stellver­treter des Führers hat folgende Verlaut» barung erlassen:

In einer großen Zahl bei mir eingehender Ge­suche bitten Parteigenossen, statt auf ihrem jetzigen Posten, mit der Waffe in der Hand im Dienst für ihr Volk streiten zu dürfen. Alle diese Gesuche müssen der Ablehnung verfallen. So verständlich der in den Gesuchen zum Ausdruck gebrachte Wunsch ist: Nicht der Wunsch des einzel­nen ist entscheidend, sondern entscheidend ist das Gesamtinteresse. Dieses verlangt, daß wichtige Stellen durch die geeignetsten Per­sönlichkeiten besetzt bleiben. Jeder Partei­genosse erfüllt seine Pflicht aus dem ihm zu- ge wies en en Platz', bis ein neuer Befehl ihn zu neuer Verwendung bestimmt.

Berlin, 1. September 1939.

Rudolf Heß.

er immer wieder feftftellen, daß die vom Feind erstrebte Wirkung auf die Heimatfront in der Tat nicht ausgeblieben war.

Aus dieser lehrreichen Erfahrung des Weltkrieges hat unsere von dem Frontkämpfer Adolf Hitler ge­führte Reichsregierung für die Gegenwart die ge­botene, durchaus richtige Nutzanwendung gezogen. Sie handelte nach dem richtigen Grundsatz, daß man sich gegen Gifte, die man kennt, von vornherein wirksam schützt, um Schaden für Leib und Leben fernzuhalten. Darum ist es zu begrüßen, daß mit der jetzigen Rundfunk-Derord- nung von vornherein ein wirksamer Schutzwall gegen die planmäßige Vergiftung unserer Volks­meinung durch die f e i nd l i ch e Agitation auf- gerichtet wird. Freilich, für jeden anständigen deut­schen Volksgenossen war das Abhören der feindlichen Sender von jeher nicht nur eine nationale Würde­losigkeit, sondern auch ein Verstoß gegen die elemen­tarsten Pflichten jedes deutschen Mannes und jeder deutschen Frau gegenüber unserer nur für das Wohl des ganzen Volkes wirkenden Staatsführung. Daher haben diese Männer und Frauen für den Straßburger oder Londoner Sender keine Minute am Rundfunk gesessen, sondern sie haben sich als gute Deutsche an die Sendungen unseres deut­schen Rundfunks gehalten. Und fo wird und soll es erst recht in der jetzigen Zeit fein, denn wir wissen ja zur Genüge, daß die ausländischen Sender nicht die Interessen des deut­schen Volkes vertreten, sondern den Zielen ihrer Regierungen den Weg bereiten wollen. Dabei mögen nun auch die Wenigen, die bisher die Rund­funkberichte aus England und Frankreich nicht mis­sen zu können glaubten, sich in dieser Schicksals- stunde ihres Volkes ebenfalls freiwillig der straffen nationalen Disziplin unterwerfen. Wer trotz dieser Mahnung in dem Kampf gegen Verleumdung und Lüge die deutsche Front verläßt, verdient die Stra­fen, die jeden ßanbesnerräier erwarten.

Die Wehrmacht hat den aktiven Schuh des Reiches übernommen.

Gegenangriff

über alle deutsch-polnischen Grenzen.

Berlin. 1. Sept (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf Befehl des Führers und Obersten Befehls­habers hat die Wehrmacht den aktiven Schuh des Reiches übernommen. In Erfüllung ihres Auftrages, der polnischen Gewalt Einhalt zu gebieten, find Truppen des deutschen Heeres heute früh über alle deutfch-polnifchen Grenzen zum Gegenangriffangelreten. Gleichzeitig find Geschwader der Luftwaffe zum Riederkämpfen militärischer Ziele in Polen gestartet. Die Kriegs- m a r i n e hat den Schuh der Ostsee übernommen.

(Für einen Teil der Auflage wiederholt.)

Herbst schon im Sommer, Sommer noch im Herbst. Die blassen ßilaflammen der Zeitlose züngeln bis an meinen Tisch heran, doch auch die Margerite blüht, selbst die pfingstliche Trollblume ist da, das gelbe strandnelkenblättrige Habichtskraut überwuchert wie Löwenzahn die weite Schur der Wiese, und den grünen Wälberbogen ringsum färbt noch fein ein­ziger Hauch des Welkens. Die Nässe der verreg­neten Wochen hat den Strauß der Sommernatur wie in einem Wasserbecken frisch erhalten, und in der einzigen schönen Woche, der letzten meiner Wo­chen, pflücke ich ihn und mit ihm alles übrige späte Sommerleben. Zwei Schwalbenschwänze jagen sich über meinem Tisch, gelb, schwarz geädert, mit Frackspitzen am Gewände und roten Augen am innern Flügelbug; die Trommel und Knarre des Laubfrosches klingt die Hecke entlang, und auf der Dachrinne des Bauernhauses wippt federnd die Bachstelze. Schwalben schießen über den Boden hin, und doch ist es nicht Schlechtwetterflug, son­dern Uebungsflug der Jungen. Aber freilich hängen Junge und Alte schon auf den Drähten in Sammel­trupps des ersten Reisefiebers. Im Häuschen des Briefträgers betreut ein vierzehnjähriges Madönn- chen zweihundert Kanarienvögel, darunter halb­flügge Nestlinge und neue "Brut, deren aufgerissene Schnäbel sich wie an Gummibändern Hochrecken. Ich muß die letzten Stunden wie solche Sonnen­vögel in mir eintägigen und Hecken.

Drunten rauscht in der Falte meines Hügelsaums unsichtbar der Bergfluß. Ich spüre sein letztes Bad noch im Blut und sehe die Goldbarren des ge­trifteten Holzes, die in sanftem Donner aneinvnder- prallen. Während die Alpenwand in einer Aura rosig auf glüht und erst zu Schlacke, dann zu weißer Asche erlischt, kehren an ihr hin die letzten hoch­getürmten Ochsengespanne heim. Süßer Grummet­duft bringt im Hause durch alle Fugen, und noch einmal wird in meine Träume der Doppelschlag des mehrhUnbertjährigen Webstuhls bringen. Doch vorher mache ich noch einen letzten Gang burchs Dorf in ber Tiefe unb wandere zum letztenmal auf meinen Hügel hinauf. Ein Wetterleuchten aus den Zentralalpen huscht Überben lichterblanken, wolken­losen Nachthimmel. Auf ber Kuppe bas Haus zum letztenmal mein Haus steht uralt, aufge- stoßene Arche, als sich die Wasser ber großen Flut verliefen. Ich fahre zu ihm hinan auf bem Him­melswagen, sternschnuppenftiebenb, und bie Milch­straße schlägt als weiße Lohe aus seinem Dach.