Aus der Stadt Gießen.
Ernährung aus dem Walde.
Der Wald liefert uns vor allen Dingen den wertvollen Rohstoff Holz; aber daneben sind es die Beeren, Pilze und Kräuter, die für unsere Ernährungswirtschaft und für die Herstellung von Drogen bedeutsam sind. Man hat schon in den früheren Jahren in verstärktem Umfange das Ern- sammeln der Beeren gefördert und eine großzügige Verwertung von Waldpilzen ermöglicht. Daneben sind in waldreichen Gebieten Deutschlands besonders kundige Kräutersammler tätig, die vielfach auf eine reiche Ausbeute rechnen können, weil es nach den bisherigen Feststellungen etwa 800 verschiedene Kräuter und Heilpflanzen gibt, die verwertbar sind. Bekanntlich spielen diese Wurzeln und Kräuter auch bei der Likörherstellung und in einer Reihe von anderen Industriezweigen eine Rolle.
„Die Ernährung aus dem Walde" nennt sich eine Reichsarbeitsgemeinschaft, die vor einiger Zeit gegründet worden ist und nun die Verwertung der verschiedensten Beerensorten and Pilzen sicherstellen will. Es ist dies eine dankenswerte Aufgabe, bie manchem nur beschränkt Arbeitsfähigen eine Beschäftigung und zusätzlichen Verdienst vermittelt. Aber weit wichtiger ist noch die Verwertung der eßbaren Beeren- und Pilzbestände, die in manchen waldreichen Gegenden große Erträge erbringen.
Don den B e e re n , die in den Großstädten besonders beliebt sind, ist in erster Linie an die Blaubeere oder Heidelbeere zu denken, die im Juli und August oft in großen Mengen auf den Markt kommt. Eine Verwandte der Blaubeere ist die Preiselbeere, die ein vorzügliches Kompott ergüt und deshalb in der Vorrratswirtschaft der Gaststätten eine beachtliche Rolle spielt. Die Preiselbeere gedeiht am besten im Kiefernwald. Die wilden Himbeeren, die man in den Geschäften kaufen kann, kommen meistens aus den Gebirgsgegenden, während die Walderdbeeren mit ihrem köstlichen Aroma meistens nur in kleinen Mengen feil- geboten werden. Eine größere Rolle spielen wieder die Brombeeren, die ein schmackhaftes Gelee und ebenso ausgezeichnete Kompotte ergeben. Brombeeren wachsen bevorzugt am Waldesrand und an wenig befahrenen Feldwegen und Landstraßen. Schließlich ist noch die Moosbeere zu erwähnen, die hauptsächlich im Hochmoor vorkommt und, ebenso wie die Preiselbeere, aus Finnland, Holland und Schweden eingeführt wird.
Neben den Beeren sind es die verschiedenen eßbaren Wald pilze, die in größerem Umfange eingesammelt und für die menschliche Ernährung nutzbar gemacht werden sollen. Waldpilze gibt es in großer Anzahl, aber die Ernte ist nicht einfach, weil derjenige, der sich als Sammler betätigen w>ll, über genaue Kentnisse auf diesem Gebiete verfügen muß. Hier gilt der Grundsatz, daß man nur die Arten von Pilzen sammeln darf, die man unbedingt kennt und von den giftigen Sorten unterscheiden kann. Eine Verwechslung kommt immer wieder vor, so daß wir auch heute noch häufig Fälle von Pilzvergiftungen feststellen müssen. Das gilt übrigens auch für die Beerensammler. Eine ganze Anzahl von Beeren hat im Aussehen Doppelgängerinnen, die äußerst giftig sind. So sieht die Blaubeere z. B. der Rauschbeere ähnlich. Auch die Hollunderbeere oder Fliederbeere, die erst im Spätsommer und Frühherst geerntet wird, kann verwechselt werden. Also auch hier ist Vorsicht geboten. Wenn schon der erste Frost in späten Oktobernächten Waldrand und Hecken mit einem weißen Schleier überzogen hat, wird als letzte die Schlehe reif, die in manchen Haushaltungen von allen Wald- und Feldbeeren am meisten geschätzt wird.
D.S.
Heute kein Platzkonzert in Steins Garten.
Vom Musikkorps der Fliegerhorst-Kommandantur wird uns mitgeteilt, daß das Platzkonzert in Steins Garten am heutigen Mittwochnachmittag aus dienstlichen Gründen a u s f a l l e n muß.
Gießener Pimpfe auf Eger-Fahrt begegnen dem Führer.
Der vorige Sonntag brachte unseren Gießener Pimpfen das Erlebnis der Domstaüt Bamberg; sie sahen dort den Reiter im Dom, jenes Bildwerk deutschen Geistes, dessen Kraft und Gewalt sich wohl keiner der Jungen entziehen konnte. Eingehend wurde die Stadt besichtigt und dann die Weiter- fahrt in die Fränkische Schweiz angetreten. Schloß Wiesenfels und Schloß Freienfels grüßten von den Höhen, in tiefen Tälern mit steilabftürzenden Felsformen zogen die jungen Radfahrer dahin, machten dann zu abendlicher Stunde in' Hollfeld Halt und blieben auch dort im Quartier.
Der Blickpunkt der Reife für den anderen Tag war Bayreuth. Noch am Morgen ahnte keiner von den Pimpfen, daß ihnen gerade dieser Tag ein ganz besonderes Erlebnis bringen sollte. Der Führer weilte in Bayreuth, und unsere Pimpfe des Jungbannes 116 stellten sich am Bahnhof auf. Ihr Warten war nicht vergeblich. Sie sahen den Führer auf seiner Anfahrt zu den Festspielen. Begeistert und erhoben grüßten sie ihn und hatten nur den einen Wunsch, noch einmal in feiner Nähe sein zu können. Sie marschierten zum Festspielhaus und hofften, in der Pause feiner noch einmal ansichtig zu werden.
Man hatte die Pimpfe vom Balkon aus anmarschieren sehen, denn unmittelbar danach wurde
Oberfähnleinführer Moos zum Adjutanten des Führers, Obergruppenführer Brückner, gerufen, der sich eingehend nach dem Ziel unserer Fahrt erkundigte, sich einen Uederblick über die Fahrtstrecke geben ließ, und sich erzählen ließ, was die Pimpfe auf ihrer bisherigen Fahrt alles gesehen und gehört hatten. Später kam Obergruppenführer Brückner auch noch zur Einheit auf die Straße und übergab anschließend dem Oberfähnleinführer Moos ein Geschenk des Führers in Gestalt eines Fahrtenzuschusses von 250 RM. War den Pimpfen schon der Anblick des Führers ein großes Erlebnis gewesen, mit dem sie zufrieden und tief erfüllt ihre Fahrt fortgesetzt hätten, so brachte sie dieses Geschenk doch fast aus dem Häuschen.
Unbeschreiblich wurde die Begeisterung, als sich der Führer dann am Fenster zeigte und die ober- hessischen Pimpfe wie aus Erz gegossen vor seinen Augen standen. Wie aus einem Munde klang der Ruf und Gruß der Pimpfe zu den Fenstern empor, und den Gruß erwiderte der Führer auf seine herzliche Weise.
Tiefbewegt von den außerordentlichen Stunden und Ereignissen dieses Tages gingen unsere Pimpfe an diesem Abend in der Bayreuther Jugendherberge zur Ruhe.
Raumordnung und wirischastliche Leistung.
Dem vierten der von der Abteilung für Beruf s- erziehuna und Betriebsführung der DAF. für die Betriebsführer und führenden Mitarbeiter veranstalteten Vorträge, der am gestrigen Dienstagabend im Hotel „Hindenburg" durchgeführt wurde, wohnten auch Gauberufswalter Richard Stein und der Gaureferent für Berufslehre Eilers aus Frankfurt a. M. bei. ©aureferent Eilers ist übrigens mit der Betreuung der Lehrlinge auf gesundheitlichem und hygienischem Gebiet im ganzen Reichsgebiet beauftragt worden, eine Ausgabe, zu der er nur beglückwünscht werden kann.
Den Vortrag des Abends hielt der Wirtschafts- fchriftleiter Dr. Fritz W i l u tz k y aus Hannover, der über „Raumordnung und wirtschaftliche L e i ft u n g" sprach. Dr. Wilutzky, der sich als ehemaliger Marburger Student bekannte, dem der hessen-nassauische Wirtschaftsraum nicht unbekannt ist, begann mit einer knappen Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Wetzlar, wo er am Vorabend gesprochen hatte, und schilderte die Verhältnisse der Werksbelegschaften, die zum größten Teil aus Arbeitern vom Lande bestehen, welche täglich in die Stadt kommen; der Vortragende machte auf die Hemmungen aufmerksam, die sich, volkswirtschaftlich betrachtet, aus dieser Sachlage ergeben. In erster Linie verwies er auf die daraus erwachsenden Schwierigkeiten für den Nachwuchs, die die Wetzlarer Industrie durch die Einrichtung eines Lehrlingsheimes zu meistern versuchen will. Weiterhin zeigte er die Schwierigkeiten auf, die sich durch eine 'Entfremdung für die landwirtschaftliche Arbeit ergeben. Die gleichen Erscheinungen wies er für das Land Hessen nach, in dem die um 7 bis 8 v. H. gesteigerte Beschäftigung in der Industrie auf Kosten der Landwirtschaft erfolgte.
. Diese Schwierigkeiten zu beheben und eine organisch entwickelte Volkswirtschaft zu schaffen, in der jede Arbeitskraft zu möglichster Leistungssteigerung auf eigenem Raum gelangt, ist die Aufgabe der 1935 geschaffenen Reichsstelle für Raumordnung. Dr. Wilutzky gab einen Aufriß des organisatorischen Aufbaues dieser Reichsstelle, wobei er die Mitarbeit der Hochschulen Gießen, Marburg, Frankfurt und der Technischen Hochschule in Darmstadt an diesen Aufgaben im Rhein-Main- Gebiet betonte. Das Aufgabengebiet der Reichs-
planungsstelle gliederte er in die Ausgleichsarbeit, in die Arbeit zur Beseitigung der Schäden aus früherer Zeit, und in die zahlreichen mit diesen Aufgaben verbundenen Zukunftsarbeiten. Die Ausgleichsarbeit erläuterte der Vortragende als die planvolle Aufteilung des Raumes für die vielseitigen wehrtechnischen, ernährungspolitischen, verkehrspolitischen und anderen Aufgaben, um volkswirtschaftliche Schäden zu vermeiden und eine bestmögliche Verwertung des vorhandenen Raumes zu erreichen; diese Aufgabe fei bisher sehr gut gelöst. Die zweite Aufgabe der Beseitigung von Schäden aus früherer Zeit sah der Redner in der Auflösung der volkswirtschaftlichen und bevölkerungspolitisch ungesunden Menschenballungen in den Großstädten und den Industriezentren, wie er sie auch für das Rhein-Main-Gebiet in der Industrie von Hanau bis Mainz für gegeben hielt. Neben der Auflockerung der Großstädte und der Ansiedlung der Arbeiter rechnete er auch die Neuordnung der Verhältnisse von Stadt und Land, die Linienführung der Reichsautobahn und die Neugestaltung der Kleinstädte aus verkehrspolitischen Rücksichten zu diesem Arbeitsgebiet. Als Zukunftsaufgaben bezeichnete der Vortragende die Zuordnung von Menschen und Raum durch eine planvolle Draanifation, wie etwa die Ansiedlung der Gefolgschaft im Bereiche der Arbeitsstätte, um den Zeitverlust auszugleichen und durch die Ansiedlung der Landflucht zu steuern. Die Beseitigung des Pendelverkehrs des Arbeiters von dem Wohnort zur Arbeitsstätte stellte der Redner als wichtigste Aufgabe der Raumordnung heraus.
Abschließend schilderte Dr. Wilutzky die planvolle Anlage der Hermann-Göring-Werke bei Salzgitter, die unter Berücksichtigung aller volkswirtschaftlichen und bevölkerungspolitischen Voraussetzungen erfolgt.
Alle Gießener
beim Großen Zapfenstreich?
Wie der Standortoffizier der Division uns mitteilt, ist die gesamte Bevölkerung von Gießen und Umgegend zu dem heute abend aus Anlaß des 25. Jahrestages des Weltkriegsbeginnes ftatt- findenden Großen Zapfenstreich herzlich eingeladen und hat völlig ungehindert Zutritt zu
Feldgraues Französisch.
Von Dr. 3- Horn, Gießen.
In dem großen Völkerringen hat der deutsche Soldat ewigen Ruhm geerntet, wenngleich ihm der Siea versagt blieb. Aber nicht nur in den männermordenden Schlachten auf französischem Boden hat er wie ein Held gekämpft, sondern auch mit der französischen Sprache hat er sich — gewissermaßen im friedlichen Krieg — zäh und verbissen heruni- geschlaaen. Selbstverständlich konnte er in diesem ungleichen Streit nicht Sieger werden, aber es gelang ihm doch wenigstens, der gegnerischen Sprache manche schmerzhafte Wunde beizubringen. In den folgenden Zeilen soll nun in liebevoller Ausmalung, an zwei heiteren Vorkommnissen meiner eigenen Erfahrung bargetan werden, wie der sprachunkundige Feldgraue im Kampf mit der fremden Sprache im Dxang der Erfordernisse sich zu helfen suchte.
Wir lagen im Bahnhof zu Dal., als eines Tages zwei brave Bayern von der nahen Front bei D. bei uns mit dem Auftrag auftauchten, zur Feier irgendeines bayerischen Gedenktages blau-weißes Tuch zu beschaffen. Mir wurde der Befehl, diese blau-weiße Suchpatrouille anzuführen, und in kurzer Frist war sie ohne einen Berlust zum gedeihlichen Ende gebracht. Da heimatliches bayerisches Bier naturgemäß in Val. nicht aufzutreiben war und das französische Bier von den biederen Bayern als „saudumm's G'föff" entrüstet abgelehnt wurde, so machten wir uns halt mißgestimmt und in nicht gerade beschleunigtem Tempo wieder auf den Weg nach dem Bahnhof. Unterwegs gesellten sich andere feldgraue Männer zu uns, die es auch nicht eilig hatten, so daß schließlich eine ganz ansehnliche Formation auf den weiten Bahnhofsplatz einschwenkte. Don den beiden großen Toren des stattlichen Bahnhofsgebäudes (EntrSe - Eingang, Lortie-Ausgang) wurde das Sortie=Ior immer geschlossen gehalten zur Erleichterung des militärischen und zivilen Verkehrs. Und gerade auf dieses Tor ging der eine etwas vorausgehende Bayer offensiv vor. Belehrender Zuruf meinerseits! Da blieb der gute Mann stehen, sah auf nach dem Wort Entree und sagte: „Ach ja, da heißts ja Enire!"; der bayerische Mund verachtete das weithin sichtbare Akzentzeichen vollständig und betonte das Wort auf der verkehrten Silbe Mein Versuch, über die Mission der aufgesetzten französischen Akzentzeichen aufzuklären, scheiterte an der niederschmetternden bayerischen Feststellung: „s'isch e Derucktheit, Dippli nauf z'machel" Angesichts dieser gewalttätigen baju-
varischen Sprachreinigungstendenz brach ich meine Belehrungsversuche endgültig ab und verabschiedete mich mit der gebotenen militärischen Kürze.
Zum anderen. Im Bahnhof von Dal. trat jeden Tag eine Abteilung von Arbeiterfrauen an, nicht gerade feenhaften Aussehens, die in unserer Soldatenküche allerlei nützliche Tätigkeiten auszuführen hatten. Der ganze Küchenbetrieb unterstand dem Oberkommando des Unteroffiziers W. aus Tr. bei Gießen, eines ganz ausgezeichneten Kameraden; er weilt, wie viele, viele andere, nicht mehr unter den Lebenden. Auf seinen Wunsch brachte ich ihm einen gewissen Vorrat der notwendigsten Wörter und Wendung bei, mit denen er sozusagen als aktiven Truppen zu operieren begann: Pain Brot, viande Fleisch, aujourd’hui heute, demain morgen, ici hier, midi Mittag, manger essen, travailler arbeiten u. a. rn.; dazu nehme man noch das halbamtliche Wörtchen nix, das ja überhaupt in dem ftan- zöstschen Wortschatz des Feldgrauen eine umfassende Rolle spielte, das bereitwillig die Funktion aller Verneinungen übernahm (nein, nicht, niemand, nirgends u. a. m.) Selbst die Franzosen fanden Gefallen an dem unscheinbar dünkenden, doch so reichen Wörtchen, das sich bei ihnen, für uns fremdartig klingend, zu niex dehnte; selbst sie konnten sich dem Zauber seiner unbegrenzten Verwendungsmöglichkeit nicht entziehen.
Infolge seiner Klugheit und seiner Gewandcheit, denen sich ein gut Teil Humor zugesellte, brachte es 2ß. fertig, mit den Franzosenfrauen einen, wenn auch primitiven, deutsch-französischen Gedankenaus- tausch in Gang zu setzen. Zwar sprach er manche französische Worte etwas eigenwillig aus und gab ihnen nicht immer die richtige Betonung. Aber dis Französinnen verstanden ihn, und sie wußten, daß sie am Nachmittag des nächsten Tages wieder zu erscheinen hatten, wenn W. mit gehobenem Zeige- hnger ilhb mit Nachdruck sagte: „Dimi (-demain) midi ici!"; W. schien meiner Hilfe nicht mehr zu bedürfen.
Eines Tages aber ließ er mich in dringlichen Worten mit der Meldung zu sich rufen, der böse Geist scheine in die Küchenfrauen gefahren zu sein denn sie verstünden ihre eigene Sprache nicht mehr' Als ich der Küche näher kam. schallte mir das ausgelassene Lachen der Französinnen entgegen, übertönt von dem im Kommandoton vorgetragenen W.'schen eigenartigen Französisch, über dessen Sinn ich mir aber im Augenblick nicht klar werden konnte. Und nun stellte es sich heraus, daß W. ihnen unter Zuhilfenahme sämtlicher Hände und Füße begreiflich zu machen sich abmühte, sie sollten, aus irgendwelchem Grunde, nicht dimi midi, sondern erst am
übernächsten Tage am Nachmittag zur Arbeit erscheinen. „Und wie hast du ihnen das klargemacht?" „Nun, ich habe einfach gesagt: „Dimi midi nix, iwer (über) dimi midi ici!“ Der erste Teil dieses klassischen Satzgeblides war infolge des häufigen Gebrauches dem Sinn nach allen verständlich, fast zum geflügelten Wort geworden, aber mit der Enträtselung des fürchterlichen zweiten Teiles war dem französischen Scharfsinn doch zuviel zugemutet worden.
Oie neuen Tobis-Zilme.
Für die Aktivität des heutigen Filmschaffens ist es bezeichnend, daß das für die Spielzeit 1939/40 aufgestellte Programm zum großen Teil schon jetzt erfüllt ist. So hat z. B. die Tobis 14 Filme fertig- gestellt: den Emil Ja n n i n g s - Film „Robert Koch, der Bekämpfer des Todes", Veit Harlans „Reise nach Tilsit", den Fliegerfilm „D III 88", den Hans-H.-Zerlett-Film „Die goldene Maske", Viktor de K o w a s Inszenierung „Schneider Wibbel", den Heinz -Hilpert- Film „Die unheimlichen Wünsche", ferner „Die barmherzige Lüge", „Renate im Quartett", die Lustspiele „Das Ekel" (mit Hans Möser), „Wenn Männer verreisen" und „In letzter Minute", sowie die Wien-Filme „Unsterblicher Walzer" (mit Paul Hörbiger als Johann Strauß), „Seinen aus Irland" und „Das Glück wohnt nebenan".
Darüber hinaus sind in Aufnahme der Emil- I a n n i n g s - Film „Der letzte Appell", der Hans- Albers- Film „Percy auf Abwegen", die Erich- Engel- Inszenierung „Der Weg zu Isabelle", der Mozart-Film „Eine kleine Nachtmusik", der Revue- Film „Wir tanzen um die Welt", der G i g l i - Film „Gang in die Nacht", Veit Harlans „Pedro soll hängen", de K o w a s „Casanova heiratet", sowie die Lustspiele „Ein ganzer Kerl" und ,Lm Rebeloch rumorfs". Bis Ende August werden noch folgende Filme begonnen: Willy Forsts „Radetzky-Marsch" (mit Paula Wessely), der Harry-Piel- Film „Insel der verlorenen Schiffe", ferner „... aus erster Ehe" mit Franziska Kinz und die Lustspiele „Verwandte sind auch Menschen" und „Tip auf Amalia".
Sochschulnachrichten.
Der Ordinarius an der Universität Wien, Dr. med. Franz Hamburger, der den Lehrstuhl für Kinderheilkunde innehat, wurde wegen Erreichung der Altersgrenze emeritiert. Professor Hamburger war vor seiner Berufung nach Wien (1930) als Ordinarius an der Universität Graz tätig.
der Feier, die, wie bereits gestern gemeldet, um 21.30 Uhr auf dem Hofe der Zeughaus-Kaserne stattfindet. Es fei auf das gestern veröffentlichte Programm der Feier noch einmal ausdrücklich hin- gewiesen, und es darf der Erwartung Ausdruck ge. geben werden, daß die gesamte Gießener Bevolke- rung sich an der Feierstunde beteiligt.
©er neue Landgerichtspräsident in Gießen.
Amtsgerichtsdirektor Hermann C o l n o t in Wes. baden ist vom 1. 9.1939 ab zum Landgerichts- Präsidenten beim Landgericht in Gießen ernannt worden.
Landgerichtspräsident Colnot wurde im Mai 1888 geboren. Im September 1915 wurde er zum Gerichtsassessor ernannt. Im September 1927 wurde er Amtsgerichtsrat in Minden (Westfalen). Von dort wurde er im April 1928 in gleicher Eigenschaft nach Wetzlar versetzt. Im Juni 1934 wurde er zum Ober- amtsrichter ernannt. Am 1. April 1937 erfolgte feine Versetzung nach Wiesbaden unter gleichzeitiger Ernennung zum Amtsgerichtsdirektor. Don dort kommt er nunmehr als Landgerichtsdirektor nach Gießen.
Katharina Grünewald zum Gedenken.
NSG. Am 2. Auaust 1929 wurde Katharina Grünewald aus Lampertheim im Kreise Bergstraße auf dem Reichsparteitag in Nürnberg erschossen. Zehn Jahre sind seit ihrem Tode vergangen, aber ihr Opfer ist unvergessen geblieben. An ihrem zehnten Todestage wird an dem Hause Ecke König- straße/Karolinenstraße, vor dem sie in Nürnberg die Kugel traf, von der Stadt der Reichsparteitage eine Gedenktafel eingeweiht.
Katharina Grünewald stand ihrem Manne seit Beginn des Jahres 1927, als er die Leitung der Ortsgruppe Lampertheim im Kreise Bergstraße übernahm, tapfer zur Seite und unterstützte die Be- roegung, soweit es ihr möglich war. Im Jahre 1929 fuhr sie voll Begeisterung Aum Reichsparteitag in Nürnberg, um dort den Führer zu sehen. Auf dem Rückweg vom Besuch des Feuerwerks im Stadion traf sie die Kugel vor der Lorenzkirche. Der £ob trat sofort ein.
Die NS.-Frauenschaft des Kreises Bergstraße hat dem Andenken der Katharina Grünewaw in Lampertheim ein Denkmal gesetzt, das die Worte trägt: „Sie starb als deutsche Frau und Mutter durch Mörderhände auf dem Reichsparteitag in Nürnberg am 2.8.1929."
Obersturmführer von der Oovenmühle im Dienst verschieden.
NSG. Am Dienstagmittag erlag der Führer des Musikzuges der SA.-Gruppe Hessen, Obersturmführer von der Dovenmühle, während des Mittagskonzertes beim Reickssender Frankfurt, das er dirigierte, einem Herzschlag.
Obersturmführer von der Dovenmühle, der mit dem Werden und der Entwicklung des bekannten und beliebten Musikzuges der SA.-Gruppe Hessen für immer verbunden bleiben wird, wurde am 22. Juli 1883 in Oberhode, Kreis Fallingbostel, geboren. Schon frühzeitig erwachte in ihm die Liebe zur Musik, und nach eifrigem Studium wurde von der Dovenmühle im Jahre 1910 die Führung des Musikkorps des Infanterie-Regiments „Graf Schwerin" übertragen. Bei demselben Regiment machte von der Dovenmühle als Musikmeister den Weltkrieg mit. Nach Auflösung des Regiments trat von der Dovenmühle im Jahre 1919 als Musikmeister zur Sicherheitspolizei über, bei der er später auch als aktiver Polizeiofftzier Verwendung fand. Als Polizeihauptmann und Obermusikmeister a. D. wurde er im Oktober 1933 wegen Erreichung der Höchst- attersgrenze in den Ruhestand versetzt.
Seit November 1933 war von der Dovenmühle als Musikreferent bei der SA.^Brigode 49 und seit 1935 mit dem gleichen Aufgabengebiet bei der SA.- Gruppe Hessen betraut. Die SA.-Gruppe Hessen verliert in Obersturmführer von der Dovenmühle einen hervorragenden Könner auf künstlerischem Gebiet und vorbildlichen Kameraden. Sie wird sein Andenken stets in Ehren halten.
Trüffeljagd.
Der Kenner, der den zarten Wohlgeschmack einer kunstvoll bereiteten Trüffelpastete zu genießen weiß, denkt wohl kaum an die Mühen und Umstände, mit denen die seltene Frucht immer von neuem gewonnen werden muß. Denn alle Versuche, Trüffeln zu züchten, sind bisher gescheitert, und die Trüffelsucher müssen ihrem Glück und ihrem scharfen Auge vertrauen, um dem Erdreich die im Verborgenen wachsende Wurzel zu entreißen. Die Beschäftigung mit den delikaten Trüffeln hat bei den Trüffelsammlern ein gewisses Standesbewußtsein erstehen lassen: sie betreiben ihren Beruf gleich einem Sportsmann, sie gehen nicht Trüffeln „suchen", sie gehen Trüffeln „jagen". Unschätzbare Hilfe bei diesen Jagdzügen leisten den Trüffelsammlern besonders in Frankreich ihre Schweine, die dem aromatischen Geruch der Trüffeln nachspüren und eine außerordentlich starke Witterung haben. Daneben werden aber auch Hunde verwandt. In früheren Zeiten war die Trüffeljagd ein Sport, dem viele großen Herren mit Leidenschaft oblagen; damals beherrschten 'bie vornehmen Dilettanten das Feld; König Viktor Amadeus II. von Savoyen hatte eine besondere Vorliebe für die Trüffel« jagö, und Karl Emanuel III. unterhielt ganze Meuten von Trüffelhunden und erfahrenen Jagdgehilfen, mit denen er dann zur Trüffeljagd auszog. Den Gästen zu Ehren wurden solche Trüffeljagden abgehalten. Auch der Herzog von Cumberland war ein eifriger Trüffeljäger, gleich Ludwig XV. und vielen deutschen Königen.
Heute ist die Trüffeljagd völlig in die Hände von Fachleuten übergegangen, die aus dem Sport von ehedem einen lohnenden Beruf gemacht haben. Die Schweine und Hunde werden sorgsam abgerichtet, ja, es gibt sogar eine Art Akademie für Trüffelhunde, wo junge Hunde von August bis November von einem erfahrenen Trüffeljäger gegen billiges Entgelt abgerichtet werden; dafür aber hat der Lehrer auch das Recht, alle Trüffeln, die feine vierbeinigen Avgdzöglinge in der Ausbildungszeit finden, als fein Eigentum zu betrachten. Aber es gibt auch erfahrene Trüffeljäger, die auf die Hilfe der Schweine und Hunde verzichten. Sie verfügen bann freilich über langjährige Erfahrung und haben ihren Beruf zu einer Kunst ausgebildet. An gewissen Veränderungen der Bodenoberfläche, an kleinen Spalten und dergleichen erkennt ihr untrüglicher Blick bas Dor- banbenfein von Trüffeln. Anbere benutzen eine be» fonbere blauschwarze Fliegenart als W^vi-iser Am höchsten ist bie Trüffeljagd in Frankreich, in dem klassischen Lanbe ber deliziösen P6rigordtrüffeln, aus- 1 gebildet. — v.


