Ausgabe 
2.5.1939
 
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der FilmP o u r le m e r i f e" unter der Regie von Professor Karl Ritter. Er zeichnet sich durch eine starke nationalpolitische Tendenz, durch die sichere Erfassung eines Themas -aus unserer mo­dernen Geschichte und durch eine kluge und über­legene Darstellungs- und Menschenführung aus. Karl Ritter hat mit diesem Film ein neues Ruh­mesblatt in das Buch seiner großen Erfolge einge­fügt. Er wurde in Anerkennung seiner künstlerischen Arbeit am 20. April vom Führer zuni Profes- s o r ernannt.

Es ist mir ein Bedürfnis, beiden Preisträgern, die bei dieser Gelegenheit vor der ganzen Nation ehrend ausgezeichnet werden die herzlichsten Glück­wünsche des Führers und des ganzen deutschen Vol­kes zum Au^ruck zu bringen.

Damit verbinde ich meinen und den Dank aller deutschen Kulturschaffenden an Sie, mein Führer. Sie haben im vergangenen Jahr wiederum das Reich größer und stärker gemacht. Mr können in diesem Jahre den 1. Mai in einem Frieden und in einem Glück ohnegleichen feiern. Als wir an Ihrem 50. Geburtstag bei der großen Parade Ihre Sol­daten mit ihren neuen Waffen an Ihnen vorbei­marschieren sahen, da ist es uns warm ums Herz

geworden. Da wußten wir: Auch unsere deutsche Kultur, blühend und groß geworden in vielhundert­jähriger Geschichte, bracht Nicht von Pariser, Lon- doner oder Neuyorker Demokraten und Juden be­schützt zu werden; die beschützt das deutsche Volk selbst, und zwar mit den Waffen seiner Wehrmacht, nicht mit dem Zeitunaspapier, das durch tote Rotationsmaschinen läuft. Und stolz sind wir wieder geworden: stolz darauf, daß über dem Reich, seiner Wirtschaft, seiner Politik und auch seiner Kultur wieder diese starke Wehrmacht steht und den Eingang zu unseren Grenzen ein scharfes Schwert beschützt. So können Sie denn jetzt wie immerdar freudig erhobenen Hauptes unter dieses Volk treten. Wenn Sie jetzt durch die Millionen- massen der Reichshauptstadt fahren, die Sie an den Straßen voll Ungeduld erwarten, dann können Sie mit Stolz sagen: Dolk, du gabst mir die Macht, und ich gab dir dafür wieder dein Recht!"

Die Ausführungen des Ministers wurden immer wieder von lebhaftem Beifall unterbrochen. Die Ver­kündung des nationalen Buch- und Filmpreises rief begeisterte Zustimmung hervor. Nach dem Siegheil auf den Kihrer beschlossen die Nationalhymnen den Festakt.

Die Nationalpreisträger

den. Allen Deutschen wäre es zu wünschen, daß sie die Werke des Preisträgers Bruno Brehm kennen­lernen würden, um die geschichtliche Größe unserer Zeit würdigen zu können.

Prof. Carl Froelich.

Am 5. September 1875 in Berlin geboren, gehört er zu den ersten deutschen Filmregisseuren und -Produzenten. Seit 1902 arbeitete er volle 16 Jahre lang mit Oskar M e ß t e r, einem der deutschen Filmpioniere zusammen. Dabei beschäftigte er sich in der Hauptsache mit der Verbesserung desBio­phons", dem Vorläufer des Tonfilms. Mit der glei­chen Zielstrebigkeit wandte er sich der künstlerischen Verbesserung des,Filmes zu. So hat er als einer der Ersten wichtige aktuelle Begebnisse im Film­streifen festgehalten und so unbewußt die Grund­lagen zu den filmischen Wochenschauen ge­schaffen. Auch im Kriege blieb er beim Fach und machte als Beobachtungsflieger Reihenbilder der Frontabschnitte noch dem Meßterschen Verfahren. Später war er bei der Inspektion für Lichtbildwesen im Generalstab tätig.

Schon die ersten unter seiner Spielleitung ge­drehten Großfilme der Nachkriegszeit hatten beson­deres künstlerisches Format. Sie schöpften nicht nur alle von Froelich bis ins Letzte beherrschten tech­nischen, sondekn auch alle künstlerischen Möglich­keiten aus. In der mit Henny Porten begründe­ten eigenen Mlmproduktion erschienen eine ganze Anzahl von Filmen, die als Spitzenleistungen des deutschen Stummfi lms zu bezeichnen sind. Aber erst der Tonfilm gab Earl Froelich Gelegenheit, sein technisches Wissen, seine vielseitige und reiche Er­fahrung und sein sicheres künstlerisches Wollen auf das Zelluloidband zu übertragen. Seine hervor­ragenden Regieleistungen, die Höhe der künstlerischen Darstellungen und die technische Voll­kommenheit verhalfen dem deutschen Tonfilm zum Siege. Seine Arbeiten waren wirklich, um das abgenutzte Wort zu gebrauchen, richtungweisend.

Aber nicht nur die deutschen Filme, auch zahllose deutsche und ausländische Darstellungen hoben der meisterhaften Führung durch Earl Froelich ihren Weltruf mitzuverdanken. Don seinen Stummfilmen seienTirol in Waffen",Die Brüder Karamasoff", Der Taugenichts",Kabale und Liebe", von den Tonfilmen der ersteDie Nacht gehört uns";Kö­nigin Luise",Der Choral von Leuthen",Liselotte von der Pfalz",Mädchen in Uniform",Traumu­lus",Die Umwege des schönen Karl",Wenn wir alle Engel wären" und vor allemHeimat" ge­nannt. Der letztgenannte Film mit Zarah Lean­der ist zum größten bisher erlebten deutschen Filmerfolg auch in finanzieller Hinsicht geworden. Carl Froelich hat bereits am 1. Mai 1936 für seine großen Verdienste um das deutsche Filmschaffen den Filmpreis erhalten. Der Führer hat seine schöpferische Gesamtleistung durch die Ernennung

Bruno Brehm

Mit Bruno Brehm, dem sudete-ndeutschen Dich­ter, wurde ein Mann mit dem deutschen Buchpreis 1939 ausgezeichnet, dessen Schaffen und Leben aleich vorbildlich ist. Gin aufrechter und kämpferi­scher Mensch, ein seinem Volkstum aufs tiefste ver­bundener Dichter, erfährt damit eine Ehrung, die In ganz Großdeutschland freudige Genugtuung aus- löfen wird. Bruno Brehm erhielt den deutschen Buchpreis für seine Trilogie über den Weltkrieg Apis und Este",Das war das E n d eYi undWeder Kaiser, nöch König".

Bruno Brehm, Soldat und Dichter, wurde als Sohn sudetendeutscher Eltern 1932 zu Laibach in Krain geboren. Er, dessen Vater K. u. K.-Haupt­mann war, wuchs so inmitten der Dolkstumskämpfe der alten Doppelmonarchie auf. So stand sein gan­zes Leben im Zeichen des Kampfes für das deutsche Volkstum. Ursprünglich wollte Brehm auf die Ka­dettenschule, um Offizier zu werden. Er mußte jedoch das Gymnasium besuchen und kam dann als Ein­jähriger zu einem Wiener Artillerie-Regiment. Er selbst bezeichnete seine Soldatenzett als die schönste Zeit seines Lebens.Die ftrenge Form und Ord- nun war es", so schreibt er,der ich mich mit gan­zem Herzen hingab." Im Weltkrieg wurde er schon in den ersten Monaten verwundet und kam dann in russische Gefangenschaft. Nachdem er im Jahre 1916 ausaetauscht wurde, meldete er sich sofort wieder an die Front, wo er in Italien abermals eine schwere Verwundung erlitt. Nach seiner Wiederherstellung ging er wieder an die italienische Front. In seinem BuchDas gelbe Ahornblatt" schilderte Bruno Brehm seine Kriegserlebnisse. Der tragische Aus- gana des Weltkrieges, der Zusammenbruch unt> der Zerfall des alten Oesterreich, das bittere Schicksal, das den von der Front zurückkehrenden Offizieren zuteil wurde, alles dieses war für Bruno Brehm von entscheidender Auswirkung. Ein zunächst be­gonnenes Univerfitätsstudium gab er bald auf, da er die damalige Atmosphäre in den Hörsälen nicht ertragen konnte. Er finH in jener Zeit zu schreiben an, und nach einigen ihn weniger befriedigenden Versuchen entstand eins seiner schönsten Bücher Susanne und Marie".

Sein weiteres Schaffen wandte sich dann den großen historischen Fragen, die in der Trilogie vom Weltkrieg eine großartige Darstellung erfuhr. Der Aufbruch des südslawischen Nationalismus, der Zusammenbruch der Mittelmächte und der Unter­gang der habsburgischen Monarchie werden in die- em Werk von Brehm in einer einzigartigen Ge- chlossenheit mit bewunderungswürdiger historischer Treue und wirklichem kämpferischen Geist dichterisch ausgezeichnet. Mit der geschichtlichen Tat des Füh­rers, der Schaffung Großdeuffchlands, ist dem kämpferischen Willen und Schaffen des Dichters Bruno Brehm in herrlicher Weife Erfüllung gewor-

unfere Theater gespielt und die Massen durch ihre festlichen Darbietungen unterhalten, erbaut und er­hoben, haben wir Filme produziert, deren Welt- geltung nicht mehr bestyitten werden kann, wurde in Deutschland gedichtet und musiziert, gemalt und gebaut.

Es liegt uns nichts ferner, als der Demokratte, die sich zum ungerufenen Splitterrichter über uns auf­wirft, etwa gute Ratschläge zu erteilen. Aber ebenso erwarten und akzeptieren wir solche von ihr. Wir sind in unserem ganzen Geschmacks-, Sttl- und Kul­turempfinden längst über sie hinaus. Wir sind jung, unsere Aufbauwerke sind stark und einer impulsiven Schaffenskraft entsprungen. Mr haben zwar hier und da Fehler gemacht und Rückschläge erlitten, aber wir sind doch nicht selbstgenügsam ge­meßen und haben uns nicht in unserer Eigengefällig- feit gesonnt. Wir haben die kulturellen Probleme, die unsere geistige Welt und vor allem unser Dolk betreffen, mit Mut und Tatkraft angepakt. Mr haben Kultur gewollt, aber wir haben auch Kul­tur geschasfen. Damit komme ich zur Der- kündung der Träger des diesjährigen Nationalen Buch- und Filmpreises.

Der Nationalevuchpreis 1939 wird dem Dichter Bruno Brehm zuerteill. Seine Oesterreich-Trilogie ist einer der be­achtlichsten Leistungen der modernen deutschen Literatur. Die nationalpolitische Bedeutung die­ses Werkes beruht vor allem in seiner scharfen Kritik an der Donaumonarchie, die dem alt­reichsdeutschen Leser den Blick für die Gesamt- Problematik des Südostraums geschärft hat und damit einen wesentlichen Beitrag zur Vorberei­tung der großdeuffchen Lösung in diesem Raume zusteuerte.

Auch ist die stilistisch-künstlerische Lei­stung dieses Mrkes besonders hervorncheben, die die einprägsame Lebendigkeit der Geschichtsgestal­tung Bruno Brehms bedingt. Bruno Brehm ist über seine literarische Leistung hinaus auch als Mensch eine der soldatischsten Erscheinungen des deutschen Schrifttums. In Laibach geboren, war er Hauptmann im ehemaligen österreichisch-ungarischen Heer und hat später studiert und promoviert. Da er im Vorjahr als damaliger tschecho-slowakffcher Staatsangehöriger aus der Debatte über den Staatspreis ausscheiden mußte, ist seine diesjährige Auszeichnung um so sinnvoller, als er als Sudeten­deutscher auch zum deutschen Ost raum gehört,' der seine endgülttge Heimkehr zum Reich in den jüngst vergangenen krisen- und spannungsreichen Monaten vollzogen hat.

Der Rationale Filmpreis dieses Jah­res wird dem Filmregisseur Prof. Carl Froe­lich für seinen FilmHeimat"" zuerteilt. Professor Froelich ist einer der ältesten Pioniere des deutschen Films. Jedes Werk, das aus sei­ner Hand hervorgegangen ist, trägt seinen be­sonderen Stempel. Niemals hat er sich zu einer rein handwerklichen Arbeit degradieren lassen. In den vielen Jahren seiner filmschopferischen Tätigkeit wahrte et immer ein hohes künstle­risches Niveau, das er mit einer souveränen Beherrschung aller technischen Mittel des Films auf das glücklichste zu vereinen wußte. Im ab­gelaufenen Jahr beschenkte er die deutsche Film­kunst in seinem FilmHeimat" mit seiner reif­sten Leistung. Dieser Film wurde auf der letzt- jährigen Biennale in Venedig mit einem Pokal ausgezeichnet; er errang damit den Titel eines der besten Filme der weltproduklion des Jahres.

Und das mit Recht. In diesem Film vereint sich eine starke, tiefschürfende deutsche Problematik mit einer weisen und überlegenen Menschenführung und einer überragenden schauspielerischen Leistung zu einem einzigartigen Ausdruck deutscher Filmkunst. Professor Carl Froelich wird damit zum zweiten Mal, nachdem er im Jahre 1936 für seinen Film Traumulus" mit dem Nationalen Filmpreis aus­gezeichnet wurde, diese hohe Ehrung zuteil. Er krönt damit ein künstlerisches Leben, das feine höchste Erfüllung in fanatischer Arbeit und selbst­sicherem künstlerischen Wirken findet.

Besonders lobend erwähnt werden muß daneben

Eine Frau mit Herz

Roman von Hedda Lindner

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin

16 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Sie schluckte ein paarmal schwer, dieser gräßliche Druck in der Kehle wollte nicht weichen, aber trotz­dem gelang es ihr, in einigermaßen natürlichem Ton zu fragen:Wie kommst du hierher?"

Ich sviele doch vom ersten Februar ab im Cla- ridge", sagte er, als sei es die selbstverständlichste Sache von der Welt,hast du die Ankündigung nicht gelesen?"

Nein, ich komme wenig ins Dorf. Ich wohne oben im Kulm."

Auch sehr hübsch, und wenn man Schi laufen will, natürlich am bequemsten."

Ja, sicher." Sie erhob sich ziemlich unvermittelt. Ich muß gehen, ich will den Schlitten abpassen, der von der Bahn heraukommt."

Ich habe mich aufrichtig gefreut, dich zu sehen, und hoffe, daß wir uns hier öfter begegnen", seine Stimme hatte einen bestrickenden Klang.Wir sind doch schließlich keine Feinde."

Nein, und ich wünsche dir viel Erfolg." Sie zwang ihr Gesicht m einem Lächeln, das sie krampf­haft festhielt, bis sie aus der Tür war. Draußen lehnte sie sich völlig erschöpft gegen die Wand. Die Hitze drin, sie war klatschnaß am ganzen Körper ober war es nur die Aufregung? und nun stürzte plötzlich die Kälte über sie her und ließ ihre Zähne wie im Schüttelftost zusammenschlagen.

Hallo! Schi-Heil, Frau Wegner! Fehlt Ihnen was?" Der Berliner Doktor aus dem Schikursus, der im Begriff war, die Konditorei zu betreten, hatte sie bemerkt und kam hilfsbereit näher. Dina mühte sich wieder um ein Lächeln.

Nein, gar nicht, nur brinnen war es so heiß und hier mit einem Male Kälte, da wurde mir etwas schwindelig."

Vielleicht eine Grippe geholt? Bleiben Sie nicht hier stehen", sagte der Doktor vernünftia. Kom­men Sie noch mal mit hinein, wir trinken einen ordentlichen Grog."

Um Gottes willen, nein!" Dinas Entsetzen stand in keinem Verhältnis zu dem harmlosen Vorschlag. Sie scheint tatsächlich krank zu sein, dachte der Doktor.Dann ist es am besten, ich pfeife einem Schlitten, und Sie fahren ins Hotel und legen sich hin", schlug er vor.Wenn Sie das tun würden", tagte Dina dankbar.Ich wollt« auf den Hotel­

schlitten warten, aber das dauert wohl noch einige Seit."

Und ob." Mit einem Blick auf die Uhr sagte er dann:Der Zug kommt ja erst in einer Viertel­stunde. Aber hier um die Ecke stehen ja meistens ein paar Schlitten einen Augenblick." Es dauerte kaum eine Minute, da war er zurück.Äommt schon", meldete er, und da klingelte es bereits heran. Sorgfältig zog er die Decke über sie.Recht gute Besserung."

Eigentlich eine nette Frau, dachte Dr. Baumgart, während er das Cafe betrat, macht sonst solch ge­sunden Eindruck. Ob sie tatsächlich eine Grippe in den Knochen hat irgenbmas stimmt jedenfalls nicht mit ihr.Nein, danke, Fräulein, jetzt keinen Kaffee mehr. Bringen Sie mir einen Viertel Roten."

Es war kurz vor dem Abendessen und das Caft war ziemlich leer. Der Doktor musterte die Gesich­ter; er war lange genug hier oben, vom Sehen kannte er die meisten. Der Herr zwei Tische weiter, der so nachdenklich vor sich hinsah, war bestimmt ein Neuer, das sah man schon an der blassen Ge­sichtsfarbe. Uebrigens ein hübscher Kerl, alles was recht ist! So aussehen und doch nicht feminin wir­ken, das gibt es nicht oft, dachte Dr. Baumgart noch. Dann widmete er sich seinem Roten. Woher hätte er wissen sollen, daß gerade dieser hübsche Mensch die nette Frau Wegner dermaßen beun­ruhigt hatte?

Mikeny war der Sohn eines ungarischen Vaters der als Primas einer Zigeunerkapelle in den Kaffeehäusern Budapests einen ausgezeichneten Ruf hatte und einer österreichischen Operettensängerin. Eine Mischung, die für fein Talent ein Vorzug, für feinen Charakter ein Nachteil war. Er erbte die Musikalität beider Eltern, das Temperament des Vaters und den bezaubernden Scharm der Mutter. Aber er erbte zugleich von ihr den Leichffinn, das verantwortungslose Hinwegsetzen über Menschen und Dinge, die unbequem wurden, und von feinem Bater den unseligen Hang zum Spiel und die Flatterhaftigkeit, die ihn verhinderte, jemals an irgend etwas, fei es ein Mensch, ein Ort ober auch nur ein Gegenstand, wirklich zu hängen. Er ergriff alles, was neu war, alles, was ihm gefiel, mit einem Ungestüm, dem kaum zu widerstehen war, und ebenso rasch ließ er das gleichgültig Gewordene wieder aus den Händen gleiten.

Die Ehe der Eltern Mikenys war sehr leiden­schaftlich und sehr kurz gewesen; die Scheidung war im beiderseitigen Einvernehmen erfolgt. Leidttagen- ber war allein der Junge gewesen, der nun zwischen den Eltern hin und her gependelt, gelegenllich auch

einmal in ein Institut gekommen war, wenn sie beide ihn nicht hatten brauchen können; zeitweise war er wie ein Prinz gehalten worden wenn der Vater gerade im Spiel gewonnen hatte, zeitweise hatte er sich von den Mitgliedern der Kapelle ober einem gutmütigen Oberkellner bas Abendbrot erbetteln müssen.

Bei einer vernünftigen Erziehung in einem geord­neten Elternhaus wäre vielleicht etwas ganz Großes aus ihm geworden, denn feine musikalische Bega­bung war taffächlich ungewöhnlich. So aber ver­flachte sie durch mangelnde Schulung, mangelnde Selbstdisziplin und durch den ebenfalls mangelnden Ehrgeiz. Es hatte dem Heranwachsenden durchaus genügt, sich in der Kapelle des Vaters sehr bald in die vorderste Reihe zu spielen und als der schöneJoschi" angeschwärmt und umschmeichelt zu werden.

Als er achtzehn Jahre alt war, verlor er kurz hintereinander die Eltern. Merkwürdigerweise einte die im Leben Getrennten die gleiche Krankheit: sie fielen beide einer sonst nicht besonders stark auf- tretenden Grippe zum Opfer.

Die Kgpelle des alten Mikeny löste sich auf, und der Junge begann ein Wanderleben, das ihn in alle möglichen Länder führte und aus demJoschi" einenJoe" werden ließ. Er lernte fast alle Orte von internationalem Ruf in Europa kennen, Enga­gementsschwierigkeiten gab es für ihn nicht, denn der Ruf feines Könnens ging ihm rasch voraus.

Im Späffommer Dreißig kam er nach Berlin und lernte kurz darauf Dina Wagner kennen. Sie gefiel ihm, fit war ganz anders als die anderen Frauen, und er begriff sofort, daß hier eine andere Bin­dung als durch Heirat nicht in Bettacht kam. Aber schließlich, warum nicht? Er war inzwischen acht­undzwanzig Jahre alt geworden, und außerdem schmeichelte es feiner Eitelkeit, ein Mädchen aus erstklassiger Familie zur Frau zu bekommen. Also heiratete er. Vorher ließ er sich in Deutschland ein» bürgern, was im Jahre Dreißig ziemlich einfach war unb außerdem von Dinas Vater ebenso wie von ihr als selbstverständliche Voraussetzung der Heirat angesehen wurde.

Der Reiz, den die Ehe auf ihn ausübte, hielt immerhin ein ganzes halbes Jahr vor; bann nahm er mit der Unbekümmertheit, die bas Erbteil feiner Mutter mar, fein gewohntes Leben wieder auf.

Er begriff nie und würde es auch nie begreifen, wie sehr er sich an feiner jungen Frau ver­sündigte. Er war ehrlich erstaunt, daß sie seine Leidenschaft für die Tänzerin so ttagisch nahm, machte aber weiter keine Schwierigkeiten bei der Scheidung, und wenn ec in den nächsten Jahren

zum Professor anerkannt und nun ist ihm auf der Festsitzung der Reichskulturkammer am National, feiertag des deutschen Volkes zum zweiten Male der Filmpreis zugesprochen worden. Fürwahr eine stolze künstlerische Bilanz!

Ehrengäste des Führers.

DieArbeitnehrnerabordnungenundReichs- wettkamPfsiegerinderNeuenReichskanzlei

Berlin, 1. Mai. (DNB.) Die zum 1. Mai. in der Reichshauptstadt weilenden Ehrenabord- n u n g e n der deutschen Arbeiterschaft wurden gemeinsam mit 141 Reichssiegern des Reichsberufswettkampfes heute nach­mittag in der Reichskanzlei empfangen. In dem Mosaiksaal hatten sie im offenen Viereck, nach Gauen geordnet, Aufftellung genommen, als der Führer in Begleitung von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsmini- fter Funk, Reichsjugendführer Baldur von Schirach unb dem stellvertretenden Gauleiter Staatsrat Gör- litzer erschien und jedem einzelnen die Hand schüttelte. Für jeden fand er ein herzliches, anerkennendes Wort; da und dort verweilte er in kurzem Gespräch unb ließ sich über berufliche oder persönliche Dinge unterrichten. In einer Ansprache umriß er den tie­feren Sinn des Leistungsbedankens. Alle Arbeit fei Arbeit für unsere Volksgemeinschaft. Alles, was wir haben, beruhe auch Leistung. Ständige intensive Leistungssteigerung aber solle bazu dienen, auch unser Leben immer befriedigender unb immer schöner zu gestalten. Begeisterte Sieg- Heilrufe dankten dem Führer, als er sich bann mit herzlichem Gruß verabschiedete und die V>renab- ordnungen der deuffchen Arbeiterschaft zusammen mit den Reichsberufswettkampffiegern einlud, nun noch als seine Gäste einige frohe Stunden an der gemeinsamen Kaffeetafel im Gartensaal der Neuen Reichskanzlei zu verleben.

Erhebender Ausklang.

Göring sprich, am Abend im Lustgarten.

B erlin, 1. Mai. (DNB) Den Auftakt zu der großen AbendkundgebiWg im Lustgarten, mit der ebenso wie in den vergangenen Jahren die feier­lichen Veranstaltungen am 1. Mai ihren Abschluß fanden, bildete ein Fackelzug, an dem über 15 000 Mann teilnahmen. Um 20 Uhr setzte sich die Spitze des gewaltigen Zuges von der Frankfurter Allee aus in Bewegung und nahm den Mg über den Alexanderplatz zum Lustgarten. Wenige Minu­ten vor 22 Uhr, dem Beginn der Abendkund- gebung im Lu st garten, war mit militärischer Pünktlichkeit der Aufmarsch der 15 000 beendet. Der Lustgarten bietet im Sttahlenglanz der Scheinwer­fer unb lodernden Fackeln ein einzigartiges, festlich belebtes Bild. Auf der Frettreppe des Alten Mu­seums leuchtet von der blumenumkränzten Redner­tribüne eine große Hakenkreuzfahne. Goldgelbes Licht durchflutet die Säulengänge.

Im mustergültig ausgerichteten Block stehen die Formationen der Wehrmacht, der Partei unb ihrer Gliederungen. Vorn je zwei Ehrenkompanien der Luftwaffe und des Heeres, ein Ehrenbataillon der LeibstandardeAdolf Hitler", die Ehenkompanien der SA.-StandarteFeldherrnhalle", der Schutzpoli­zei, des Reichsarbeitsdienstes und der Feuerlöschpoli­zei, dann SA., jf, NSKK., NSFK., Politische Leiter, weiter Luftschutz, Technische Nothilfe, Bahn- und Postschutz, Kyffhäuserbund, NSKOV., Rotes Kreuz, NSDStB. unb die Werkscharen. Tausende von Ber­linern füllten die Tribünenbauten und umsäumten den Festplatz. Kurz nach 22 Uhr künden brausende Heilrufe das Nahen des Generalfeldmarschalls Gö­ring, als sein Wagen am Lustgarten vorfährt, ertönt der Präsentiermarsch. Dor dem Museumsbau schrottet der Generalfeldmarschall die Ehrenkompa­nien ab, um dann die Rednertribüne zu betreten. Wieder schlagen ihm jubelnde Heilrufe entgegen, bann klingt hart unb metallisch feine Stimme über den Platz. Nach seiner aufrüttelnben Ansprache In­toniert das Musikkorps des RegimentsGroß- deutschland" den Großen Zapfen st re ich. Dann bietet das mächtige Höhenfeuer der Be­völkerung noch einmal ein prächtiges Schauspiel.

überhaupt noch mal an sie dachte, bann fragte er sich höchstens, was aus demarmen Hascherl ge­worden sein mag". Daß sie nach dem Tode des Vaters mittellos zurückblieb, wußte er im übrigen' nicht. Er glaubte, der Oberstleutnant fei wohlhabend genug gewesen, um die dreißigtausend Mark oer- fpielter Mitgift verschmerzen zu können, unb fühlte sich dadurch nicht weiter belastet.

Es war inzwischen allerhand aus ihm geworden. Ein (streit mit seinem Kapellmeister gab den Anstoß zur Gründung einer eigenen Kapelle, unb damit war er erst richtig in seinem Element: hier konnte sich feine überragende Begabung voll auswirken. Die Kapelle Mikeny stand bald in dem Rufe, eine der besten Tanzkapellen der Welt au sein. Joe ver­diente Unsummssn. aber Joe verspielte auch Un­summen?

Als Dinas Mann hatte er auch Margit von Roeder kennengelernt und natürlich sofort einen heftigen Flirt mit ihr begonnen, ©ie hatte eine Schwäche für diesen Menschen gehabt und nie be­griffen, wie er auf ein so simples Wesen wie ihre Cousine Dina hatte hereinfallen können.

Allerdings hatten zwischen Margit o. Roeder unb Mikeny niemals engere Beziehungen bestanden. Margit flirtet zwar ziemlich hemmungslos mit V* dem Manne, der in ihren Gesichtskreis kam, weil sie die Bewunderung als Bestätigung ihrer Schon» heit vor sich selber brauchte; innerlich aber war sie eiskalt und wohl kaum jemals geneigt, ihr sicheres unb angenehmes Leben an Friedrich v. Roeders Seite aufs Spiel zu fetzen. Sie wußte genau, daß hier die Grenze feiner Anbetung war, diese Grenze hatte sie einzuhalten, ein Gebot, das sie unbedingt befolgte.

Immerhin blieb auch Dinas Scheidung eine lose Bindung zwischen Margit unb Mikeny, die Zwar hauptsächlich aus gelegentlichen Postkarten bestand, sie aber doch im großen und ganzen über seinen wechselnden Aufenthalt auf dem laufenden hielt. So hatte sie auch von seinem Gastspiel im Palast« Hotel erfahren und war, als sie kurz nach Dinas Abreise wieder zur Anprobe nach Berlin gekom« men, natürlich sofort hingegangen. Teils aus per« sonlichem Interesse keiner ihrer Bekannten hafte eine so bezaubernde Art, Komplimente zu machen-7, teils aber auch aus Neuaierde, wie er wohl die Nachricht von Dinas Erbschaft aufnehmen würde. Margit liebte es, Ueberbringerin sensationeller Nachrichten zu fein, ganz gleich, ob sie heiter oder traurig waren. Sie gaben ihrem Dasein eine an­genehme Abwechlung, denn sie langweilte sich ost, weil sie nur äußerliche Zerstreuungen und Anre« gungen kannte. (Fortsetzung folgt)