Ausgabe 
2.5.1939
 
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Hr. 101 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Dienstag, 2. Mai 1939

Vergeßt niemals, was Deutschland groß gemacht hat!"

Oer Führer spricht zur deutschen Lugend am Morgen des 1. Mai.

Schon in aller Frühe des 1. Mai entbot dem Führer das junge Deutschland den Fest- aruß. Es war ein beglückender Beginn des großen Freudentages des Volkes, als die mehr als 130 000 Berliner Jungen und Mädchen als Repräsentanten der ganzen deutschen Jugend im Olympia­stadion vor den Führer traten. In riesigen 'Blocks teilte sich eine bunte Farbenskala, das Braun der HJ.-Hemden, das Blau des Jungvolkes und die weißen Blusen des BDM. Den Stadionbau. um­schloß auf seiner oberen Mauer ein Ring von Fah­nen. Im Jnnenrund hatten die Sonderformationen Ver HI. Aufstellung genommen: die Marine-HI., Vie Flieger-HI. und die Motor-HI. mit ihren Fahr­zeugen. Sechs schmucke Segelflugzeuge flankierten das imponierende Bild auf der weiten Rasenfläche, den der Ehrentribüne gegenüberliegenden Mittel­punkt nahmen die Fanfarenzüge der HI. ein. Unter den Klängen des LiedesAuf hebt unsere Fahnen" werden die Banner in das Stadion getragen. Fan­faren künden das Eintreffen des Reichsjugend- nührers und des Gauleiters Reichsministers Dr. Goebbels, die von brausenden Heilrufen empfangen werden. Beide richten kurze Ansprachen an die Jugend. Dann richten sich aller Augen auf das Marachontor, durch dessen Tunnel der Führer n feinem Wagen stehend in das Stadion einfährt. Aus hunderttausend Kehlen hallt über das weite Stadion der hellstimmige Begeisterungschor der Jungen und Mädchen. Minutenlang umtost Adolf Hitler die Begeisterung der Jungen und Mädchen, ils er über die Aschenbahn langsam vor die Ehren- nibüne fährt, wo in diesem Augenblick die Stan­darte des Führers an dem schlanrenn Mast empor- tteigt. Rach der Begrüßung durch den Reichsjugend- Ährer grüßt Adolf Hitler'seine Jugend, und in hunderttaufendstimmige^Heil, mein Führer!" antwortet ihm. Der DhorDeutschland, heiliges Wort" verklingt. Der Reichsjugendführer tritt vor nd verkündet:Es spricht jetzt der Führer!" Im Zeichen Augenblick legen auf der der Führertribüne ^genüberliegenden Seite schlagartig Zehntausende non BDM.-Mädel ihre Jacken ab und bilden mit hren weißen Blusen in leuchtenden Buchstaben Zruß und Gelöbnis an Adolf Hitler:W i r g e - 1 ören Dir!"

Der Führer spricht:

Meine deutsche Jugend!, so sagte der Führer in ! iner Ansprache, 1933 konnte ich euch jm Berliner Lustgarten an der Seite des verewigten Herrn Ge- sgeralfeldmarschalls von Hindenburg zum er- fien Mal begrüßen und in euch, meine Berliner Ju- (snb, zugleich die Jugend des damaligen Deutsch­land! Seitdem sind sechs Jahre vergangen, Jahre tner für unser Volk gewaltigen geschichtlichen Ent- r-icklung. Aus dem damals zertretenen ohnmächtigen f eich ist jetzt Großdeutschland entstanden, <js einer verachteten Nation eine der bestge- irii ft e t e n Nationen der Welt. Damals noch ter Gnade oder Ungnade der UmweU ausgeliefert, hrute gesichert dank der eigenen Kraft dank der Freunde, die wir besitzen.

Daß ihr, meine Jugend, heute einem geachteten, sarken Volk angehört, ist ausschließlich das Ergebnis unserer Arbeit im Innern. As vor 20 Jahren die Nationalsozialistische Partei e tstand, zog sie für das kommende Deutschland schon fcii e neue Flagge auf. Und nach noch nicht b-jährigem Kampf wurde dieses Symbol die an- elkannte deutsche Staatsflagge! Seitdem ist Deutsch- limds Wiederauferstehung unlösbar mit diesem iruen Symbol verbunden. Ihr deutschen Jungen imb Mädel werdet nun einmal berufen sein, diese Zllagge in eure Obhut zu nehmen, Ihr wer- dit sie aber nur dann mit Würde und mit Erfolg tragen und beschützen können, wenn auch ihr m i t derselben Geschlossenheit zu dieser Zll a g g e st e h t, wie die nationalsozialistische Be­ilegung und durch sie das deutsche Volk heute. Don

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Deutschlands Jugend begrüßt den Führer im Olympia-Stadion. (Scherl-Bilderdienst.)

euch erwarte ich, daß ihr einmal aufrechte, harte deutsche Männer und zuverläs­sige deutsche Frauen werdet. Harte Männer, die von vornherein wissen, daß ihnen nichts ge­schenkt wird, sondern daß man sich alles auf dieser Welt erringen muß, das man nichts behält als das, was man bereit ist, wenn notwendig,^ auch jederzeit zu verteidigen.

Ihr werdet in eure Herzen nicht jene ver­logenen Parolen aufnehmen, mit denen eine andere Welt glaubt, aufrechte Völker vergiften und damit zersetzen und vernichten zu können. Ihr wer­det aber auch schon in eurer Jugend außer dem Geist den Körper pflegen. Ihr müßt gesund sein, müßt euch zurückhalten vop dem, was eure Körper vergiftet. In der Zukunft wird der Deutsche nur gemessen an den Werken seines Geistes und der Kraft seiner Gesundheit, lieber allem aber wol­len wir in euch eine Jugend sehen, die schon jetzt, die Arme eineinander verschränkt, eine g e - schlossene, unlösliche Gemeinschaft bildet.

Ls gibt Völker um uns, die unsere Einigkeit nicht wünschen. Sie wollen unserem Volk die­jenigen notwendigen Lebensrechte nicht gewäh­ren, die ollen Völkern selbstverständlich gegeben sind, wir und andere junge Völker müssen uns diese Lebensrechte, die von unseren Vorfahren einst preisgegeben wurden, mühselig wieder­erwerben und vielleicht einmal für sie eintreten. Und da baue ich nun zuerst auf euch, meine deutschen Jungen, vor allem erwarte ich, daß, wenn einmal die Stunde kommen sollte, in dex eine andere Welt glaubt, nach der deutschen Freiheit greifen zu können, aus dieser Jugend als Antwort ein millionen­facher Schrei ertönen wird (die Jugend unterbricht den Führer minutenlang mit brau­

senden Heilrufen) ein Schrei, so einmütig und deshalb so gewaltig, daß die alle erkennen müssen, daß die Zeit der Hoffnungen auf eine innere deutsche Zersplit­terung endgültig vorbei ist, daß die harte Schule nationalsozialistischer Erziehung es ferligebracht hat, endlich das deutsche Volk zu formen.

Damit aber gehorchen wir auch einem Gebot des Allmächtigen, der uns unser gemein­sames Blut und unsere gemeinsame Sprache gab. In dem Bekenntnis zu diesem Gebot ist nun seit sechs Jahren Deutschland wieder groß und geachtet, wenn auch vielleicht weniger be­liebt geworden. Allein wir Deutsche wollen uns begnügen mit der Liebe der Volksgenossen untereinander. Ich bin es zufrieden, daß ihr, meine Volksgenossen, und vor allem auch du, meine deut­sche Jügend, zu mir steht, daß ich mich in eurem Herzen genau so weiß, wie mein Herz ganz euch gehört. Dann mag die andere Welt ruhig drohen und dräuen sie wird an dem scheitern, an dem sie noch immer scheiterte: an der deutschen Einigkeit! Daß sie bestehen wird, dafür seid ihr mir genau so Bürgen für die Zukunft, wie es die heutige Generation der Großen für die Gegenwart ist! So vereinen wir uns heute, an dem Tage, der einst. Tag der deutschen Zerrissenheit war und heute Tag der deutschen Volksgemeinschaft ist, wieder zu unserem gläubigen Bekenntnis, zum Bekenntnis zu unserem Volk und unserem tausendjährigen großen Deutschem Reich. Unser Volk und unser Großdeutschland Sieg-Heil.

Minutenlang tosen die Heilrufe der Hitler-Jugend durch das gewaltige Rund des Olympiastadions und klingen aus in dem von den Hunderttausend in­brünstig gesungenen Lied der Jugend.

Wir können stolz sein auf die deutsche Kultur.

Keichsminister Or. Goebbels verkündet die Nationalpreisträger: den Dichter Bruno Brehm und den Filmregisseur Carl Froelich.

Berlin,!. Mai. (DNB.) Die F e st f i tz u n g d e r Yseichskulturkammer fand wie in den frühe- im Jahren im Deutschen Opernhaus in Gegenwart tts Führers, des Diplomatischen Korps, der Reichs- rtgierung, der führenden Persönlichkeiten der Partei, Wehrmacht, der Wissenschaft, des Schrifttums, der Menden und darstellenden Kunst statt. Der Führer o.:rde, als er von der erhebenden Jugendkundgebung r-Stadion kommend seine Loge betrat, ehrfurchtsvoll :lgrüßt. Zu seiner Seite nahmen der Präsident der Mchskulturkammer, Reichsminister Dr. G o e b « Lils und Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, so- roi die beiden Vizepräsidenten der Reichskulturkam- niiir, Reichsminister Funk und Staatssekretär tjim f e Platz. Das festliche Präludium von Richard Strauß, gespielt vom Orchester des Deutschen Opern­glases unter der meisterhaften Stabführung von iSmeralmusikdirektor Roth er, leitete die Feier l«u Kammersänger Rudolf Bocke! mann sang hi von Hugo Wolf vertonten Worte desProme- paus" von Goethe. Die 7. Sinfonie von Anton Ziuckner steigerte die weihevolle Stimmung. )cmn nahm der Präsident der Reichsschristtums- limmer, Reichsminister Dr. Goebbels, das Ik rt zu seiner Festrede, der u. a. folgendes zu iraehmen ist:

.yin einer Zeit starker internationaler Spannungen iirt das deutsche Volk in diesem Jahre am 1. Mai Ki>en Nationalfeiertag. Das deutsche Volk selbst ist >iaen die internationale Hetze und Kriegs- tlfterie, die durch die Lügenpresse in London, kris und Neuyork systematisch betrieben und ent» leit wird, gänzlich immun. Es ruht sicher und fest ; ii feiner eigenen Kraft. Zwar sagt das Sprichwort, cejin die Waffen das Wort ergreifen, haben die Asten zu schweigen. Aber das ist nur bedingt rieh­st Denn es kann nicht bezweifelt werden, daß Mtifche und militärische Blütezeiten auch fast TTter kulturelle Blütezeiten in ihrem leDlge nach sich ziehen.

2 er Neuaufbau eines Volkes muß die Nation

Der Führer auf der Festsitzung der Reichskulturkammer, neben ihm die Reichsminister Funk und Dr. Goebbels, ferner Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Staatssekretär Hanke. In der rechten Nebenloge Stabschef Lutze und General der Polizei D a l u e g e.

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in allen ihren verschiedenen Lebensäußerungen total umfassen. Hier haben Politik, Kultur, militärischer Aufbau und Wirtschaft Hand in Hand zu gehen. Allerdings hat dann die Staatsführung die besonders wichtige und ausschlaggebende Auf­

gabe, dafür zu sorgen, daß die Gesetze des Jnein- anderwirkens dieser verschiedenen Funktionen des öffentlichen Lebens klar und präzise auch ihr Funk­tionieren garantieren.

Der nationalsozialistische Staat hat es sich des­

halb besonders angelegen sein lassen, die Fragen des öffentlichen Lebens insgesamt dem Wohl des Volkes und den Bedürfnissen der nationalen Ge­meinschaft unterzuordnen. Und hier gerade setzt die demokratische Kritik, besonders unserer west­lichen Nachbarn ein. Sie behaupten mit viel Pathos, daß es ihre besondere Aufgabe sei, die Kultur, die sie in Erbpacht genommen zu haben vorgeben, ge­gen die autoritären Staaten in Schutz zu nehmen. Wenn beispielsweise amerikanische Publizisten die deutsche Kultur gegen den Nationalsozialismus in Schutz nehmen zu müssen behaupten, so ist das so ungefähr die arroganteste Frechheit, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Amerika besitzt bis zum heutigen Tage nur in gewissem Umfange ein eigenes, artgebundenes Kulturleben. Es hat weder auf musikalischem noch auf dichterischem noch auf dem Gebiete der bildnerischen Kunst nennenswerte Beiträge zum Kulturbesitz des Abendlandes bei­gesteuert, von denen man voraussagen könnte, daß sie Jahrhunderte überdauern werden. Seine Zivi­lisation ist zum größten Teil das Ergebnis der durch die Jahrhunderte geleisteten Vorarbeit der europäischen Völker. Wenn also Amerika behauptet, gegen Deutschland oder Italien die europäische Kul­tur in Schutz nehmen zu müssen, so ist doch wohl

Carl Froelich.

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die Frage erlaubt, ob es nicht angebrachter wäre, wenn Amerika sich befleißige, vorerst selbst einmal eine Kultur zu schaffen, die zu beschützen dann aller­dings feine nationale Pflicht und feine nationales Vorrecht wäre.

Auch die Behauptung der Demokratie, daß in den autoritären Staaten die Freiheit des Geistes unter­drückt fei, vermag im nationalsozialistischen Deutsch­land keinerlei Eindruck mehr zu machen. Die Freiheit des Geistes hat gewiß in den auto­ritären Staaten da eine Begrenzung gefunden, wo sie sich mit den nationalen Interessen stößt. Wenn sie in der Demokratie an diesem Punkte nicht be­grenzt wird, so doch dort, wo sie sich mit den kapitalistischen Interessen in Widerspruch setzt. Und es sei hier die Frage erlaubt, was für den geistigen Arbeiter angenehmer und ehrenvoller ist: seine geistige Arbeit dem nationalen Wohl eines ganzen Volkes oder dem kapitalistischen Interesse einer kleinen anonymen Geldclique unterzuordnen. Das bezieht sich vor allem . auf die Arbeit der Presse. Wenn der Journalist im nationalsozia­listischen Deutschland dem Staate, dem Volke und seinen Interessen dient, so ist das eine ehren­volle Aufgabe, die ihn dem Soldaten oder dem Beamten berufsmäßig gleichsetzt. Da der Journalist in demokratischen Staaten gewissermaßen nur der Schreibkuli anonymer Kapitalmächte ist, kann hier von einer ehrenvollen Aufgabe überhaupt nicht mehr die Rede fein. Er muß das schreiben, was von ihm verlangt wird, und er weiß nicht einmal,

Bruno Brehm.

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wer es von ihm verlangt. Eine Freiheit der Presse existiert also in der Demokratie nur auf dem Papier.

Ich glaube, was den Erfolg betrifft, brauchen wir uns auch in unserer kulturellen Leistung vor der Demokratie nicht nur nicht zu verstecken, sondern wir haben ihr gegenüber einen Vorsprung errun­gen, der gar nicht mehr einzuholen ist. Ein blühen­des deutsches Theaterleben, ein kühn auf­strebender deutscher Film, eine Großmacht Presse, die den nationalen Interessen dient, ein über das ganze Dolk verbreiteter deutscher Rund­funk, eine schöpferische Musik, die aus den Ur­sprüngen großer Meister hervorgegangen ist und sich wiederum auf den Urbegriff der Musikalität, auf die Melodie, zurückbesonnen hat, ein reiches, auf­strebendes deutsches Schrifttum, eine der Schön­heit und der Harmonie dienende deutsche Male­re i, eine junge köpferische Plastik und vor allem eine Architektur, die mit ihren monumentalen Bauten, Projekten und Entwürfen bereits ein gan­zes Volk in Atem hält, das sind die sichtbaren Zeichen eines kulturellen Aufbauwerkes, das ein­zigartig in der Welt des 20. Jahrhunderts ist. Was haben im Ernst unsere demokratischen Kritiker dem gegenüber aufzuweisen? Und dabei muß betont werden, daß das, was bisher auf diesem Gebiet in Deutschland geleistet wurde, lediglich ein Anfang mar. Während die Demokratie nur schwätzte, hoben