Ausgabe 
2.4.1939
 
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zwanzig Mann der arabischen Garde des Marschalls erkannte, die wie brennend rote Pfeiler unbemeglid) standen, jede einzelne Gestalt vom Lichtkegel eines Scheinwerfers beleuchtet. Der Effekt war einzig­artig, man konnte sich an dem seltenen Bild nicht fattsehen.

Wirklich, dieser Empfang war in einem bewun­dernswert festlichen Rahmen gespannt und wußte die Phantasie gefangen zu nehmen. Der Italiener ist Künstler, auch wenn er ein Fest dekoriert. Drinnen war alles nur elegantes Europa, draußen sah man ein Stück afrikanisches Imperium. Durch die Säle huschten die Diener, alles gleichmäßig ausgewählte Negergestalten, weiß gekleidet mit roten Schärpen, und boten den Besuchern zu rauchen an. Am Buffet gab es ein diskretes Gedränge um die großen Terrinen, aus denen Sektbowle geschenkt wurde, um die Torten und um die Schalen mit Süßigkeiten draußen lag das Sterngefunkel der afrikanischen

Nacht über den Lichteffekten auf dem Bassin und den statuenhaft verharrenden roten Gestalten.

Marschall Balbos Liebe zur Kunst und zu einer dekorativ imperialen Umgebung offenbart sich auch in seinen Arbeitsräumen in dem alten Kastell von Tripolis. Don der Treppe, die man zu ihm hinaufgeht, grüßt oben eine wunderbar erhaltene Statue des römischen Kaisers Claudius, die in Lep- tis Magna gefunden wurde. Die Fußböden sind mit alten römischen Mosaiken ausgelegt; von einer der Wände blickt starr das dämonische Haupt der Medusa. Zur Rechten des riesenhaften Schreibtisches aus kostbarem grünem Marmor steht eine Augen­weide des Marschalls, die Venus Genetrix, die müt­terliche, aus den Ruinen des tripo lila irischen Sa- bratha. Man muß schon italienischer Generalgou- verneur auf altrömischem Boden in Afrika sein, um sich bei seiner täglichen Arbeit mit solchen Schätzen umgeben zu können!

Oie Westfront nach 20 Zähren.

Von unserem H. E.-Gonderberichtersiaiier.

v.

keimatinseln im fremden Land.

Gleich zu Beginn unserer Reise lernten wir eins der schönsten und gelungensten Beispiele deutscher Kriegergräbergestaltung kennen. Es war der bereits von den deutschen Truppen im Kriege angeleate, seit 1936 ausgebaute Ehrenplatz des Regiments List in Haubordin bei Lille. Die 995 gefallenen Kameraden des Führers haben hier eine einzigartig schöne, mit höchster künstlerischer Sorgfalt ausge­schmückte Ruhestätte erhalten: ein mit kriechendem Wacholder begründetes Tiefengrab aus rotem Vo- gefensandstein, dahinter aufragend das trutzige, etwa drei Meter hohe Ehrenmal in Form einer steinernen Kapelle. Durch eine schwere, wunderbar gearbeitete schmiedeeiserne Tür tritt man ein. Im Dämmer der Halle leuchtet das Goldmosaik eines Wandbildes, das den Tod unserer Helden versinnbildlicht. Schwei­gend und ehrfürchtig gehen wir dann an den Grä­bern vorbei. Schon die schmale, von wuchtigen Sand­steinblocken flankierte Eingangspforte, die auf jeder fertiggestellten deutschen Ehrenstätte zu finden ist und die nur einem Menschen zur Zeit Durchlaß ge­währt, zwingt den Besucher zur seelischen Samm­lung. Denn nicht in lauter Gesellschaft, miteinander belanglose Alltagsgespräche führend, sondern in stil­ler Andacht wollen wir den Ort der Toten betreten. Wir wollen auch ihre Ruhe nicht stören. Deshalb sind alle Wege und Stege mit grünem Rasen be­deckt, nicht etwa mit knirschendem Kies bestreut. Die wirkende und wachsende Natur selber soll sich mit dem Werk aus begnadeter Künftlerhand vereinigen, um eine würdige Gesamtwirkung zu erzielen. So ist eine gärtnerische Architektur entstanden, die frei­lich erst nach Jahrzehnten die vom Künstler geschaute Endform erreichen wird. Denn die anaepflanzten Bäumchen und Sträucher wachsen natürlich erst lang­sam in den ihnen vorbestimmten Raum hinein.

Artois alleinstehende hochstämmige Baumgruppen ein ziemlich sicheres Merkmal für das Vorhanden- fein eines deutschen Ehrenmals, so hat die abseitige Lage vieler deutscher Begräbnisplätze in den südlich anschließenden Hügel- und Berglandschaften auch dazu geführt, entweder burgartige Formen zu ent­wickeln oder das Gesicht der Anlage ganz nach in­nen zu kehren und so Stimmungen und seelische Wirkungen von höchster Eindringlichkeit hervorzu­rufen.

Als ein Beispiel für diese ganz nach innen, in seelische Tiefen gerichtete Bauweise kann vor allem Romagne-sur-Montfaucon nördlich des Argonnerwaldes gelten. Wir mußten im Dorf erst fragen und nach dem Weg suchen, so versteckt liegt dieser kleine deutsche Heldenhain abseits der großen Autostraße. Ein Schritt durch die kleine schwere Bronzepforte, und man ist in einer anderen Welt. Der etwas schwermütige Zauber mancher deutschen Nadelwälder klmfängt überraschend den Besucher. Ernst und steil stehen die Reihen der Tannen, die den schmalen Mittelweg zur Kapelle säumen. Schwei­gend und hvheitsvoll stehen auch die Fichten über dem dahinterliegenden Gräberfeld und bewachen unter ihren schirmenden Zweigen den Schlaf der Toten. Aber es ist doch nicht so, daß hier eine dü­stere Stimmung den Menschen zu Boden drücken müßte, denn in wohlabgewogener Wechselwirkung stellen sich auch lieblichere Töne und freundlichere Formen ein: der Fuß tritt auf schwellende Moos­polster in den Schneisen des Wäldchens, rotblühen­des Heidekraut umwuchert die niedrigen Kiefern- kreuze, und im dichten Fichtengezweig entdeckt man die verlassenen Nester der Waldvögel. Im Frühling wird wieder das Zwitschern der jungen Brut aus dem Dickicht ertönen. So siegt auch hier das Leben, we'.l ihm die Deutschen über den stillen Gräbern der Abgeschiedenen eine Wohnstatt bereitet haben. Denn dieser von heimlichem Leben erfüllte Helden­

hain ist ja erst aus einem gleichgültigen, leeren Stück Land neu geschaffen worden.

Hören wir, was für die 1432 Toten auf dem klei­nen Fleckchen Erde gepflanzt wurde: 355 Fichten, 50 Rottannen, 3000 Wildrosen, 2500 Erika. Hören wir, was dort aus Stein und Metall gesetzt wurde: 800 Schieferkreuze, eine Mauer aus Vogesensand. stein rund um die ganze Anlage, eine Kapelle mit einer künstlerisch höchstvollendeten Pieta aus Mar­mor und Goldmosaik, Tür- und Fenstergitter sowie sonstiger Schmuck in bester, materialgerechter Aus­führung. Bedenken wir weiter, daß dies alles in handwerklicher Einzelarbeit, nicht fabrikmäßig her- gestellt wurde, und zählen wir die langwierigen Vorbereitungen, die künstlerischen Ueberlegungen, die Umdispositionen und mannigfachen AuseinarLer- fetzungen mit Behörden und Unternehmern hinzu, so bekommen wir ein ungefähres Bild von der Lei­stungssumme, die in einer einzigen kleinen deutschen Kriegergräberstätte enthalten ist.

Dies hohe Verantwortungsbewußtsein für deutsche Würde, das keinen einzigen Gegenstand uuj unseren Ehrenstätten aus maschineller, serienmäßiger Arbeit heroorgehen läßt, das auch die kleinste Einzelheit noch zu einem Kunstwerk im Gesamtrahmen der Anlage macht, das denselben Grundgedanken un­serer Heldenverehrung in jeder Gräberstätte je nach den Bedingungen des Klimas, der Landschaft, der Bodenbeschasfenheit oder des politisch-militärischen Raumes verschieden abwandelt, dies hohe Ver­antwortungsbewußtsein also beherrscht den Ausbau sämtlicher Ehrenmale und Kriegergräber ohne Aus­nahme! Ein ungeheures Werk, nicht prahlend und prunkend nach außen hin, sondern unter den schwierigsten Voraussetzungen in der Stille geschaf­fen und in der Stille wirkend und eben deshalb unvergänglich.

Wie Inseln in einer verwüsteten oder ungepfleg­ten Landschaft, so wirken ost diese baumumstande­nen Gräberfelder, in denen das Gefühl heimatlichen Geborgenseins wohnt, in denen die Klarheit und Wahrheit deutschen Wesens regiert, in denen die Stimmen der göttlichen, ewig sich erneuernden Na­tur, die im heimlichen Wisvern des deutschen Wal­des, im Flüstern des Windes und im Gesang der Vögel erklingen, Zwiesprache halten mit den Leben­den und den Toten.

Schon sind insgesamt 93 Kriegergräberstätten allein in Frankreich so ausgebaut, daß sie deutsches Empfinden und jene stolze, aufrechte Lebenshaltung widerspiegeln, die unserem Volke heute zu eigen ist. Aber viel bleibt noch Zu tun, unendlich viel. Durch Augenschein konnten wir uns davon über­zeugen, wie kläglich und kümmerlich noch der Zu­stand vieler deutscher Gefallenenstätten ist. Zer­brochene Holzkreuze mit verwaschenen Inschriften stecken im Sand, rostige Drähte bilden die Ein­gangspforte, und eingefallene Grabhügel zeigen die dürftige Totenstatt an. Mögen recht viele Volksge­nossen begreifen, daß es für uns Deutsche kaum eine höhere Pflicht gibt, als diesen unwürdigen Zuständen ein Ende zu bereiten. Das verlangt schon das deut­sche Ansehen im fremden Land. Darum gebraucht derVolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" un­ser aller Mithilfe.

Brief aus der Reichshauptstadt.

Geheimnisse einer Berliner Großbank. Was her April bringt.

Von unterer Berliner Schristlettung.

Ein paar Kilometer weiter, auf der Straße stach La Baffee, sahen wir schon von weitem eine Gruppe hochaufgeschossener Pappeln aus der Landschaft hervorragen. Es ist die E h r e n st ä t t e von W i c r e s , die sich auf solche Weise ankün- digt. Die Bäume, die zusammen mit einer Wild­rosenhecke und einer aus Sandsteinplatten gebilde­ten niedrigen Mauer die ganze Anlage umgeb *1, können hier glücklicherweise auf ein höheres Alter zurückblicken. Lag Haubourdin etwas versteckt hinter einem französischen Gemeindefriedhof, so ist Wirres mitten in die freie Landschaft hineingestellt. Das Auge schweift von hier aus weithin über Felder und Aecker, stößt sich aber beim Rundblick immer wieder an den dicken Pappelstämmen und wird so zum eigentlichen Gegenstand der Betrachtung zurückge­lenkt. Diese freie Wechselwirkung der Sinne, die eine engere Beziehung herstellt zwischen dem engumschlvs- senen Feld, wo die Toten ruhen, und dem weiteren Feld, wo sie gekämpft und geblutet haben, ist bei vielen deutschen Kriegergräberstätten anzutreffen.

Ueberall, wo nur das Gelände die Möglichkeit da­zu bietet, wurde der Platz an einem Berghang oder j^ügel so angelegt, daß die Gefallenen gewissermaßen im Angesicht der Schlachtfelder ruhen und daß über ihnen auf der Höhe als bekrönender Abschluß eine Totenhalle die ewige Wache hält. Doch sind die Lösungen im einzelnen sehr verschieden. Dilden in der flachen, sonst waldlosen Ebene des

Berlin, März 1939.

Wohl jeder von uns ist für Neuigkeiten empfäng­lich. Besonders, wenn es geheimnisvolle Neuigkeiten sind. Handelt es sich aber gar um d i e Geheim­nisse einer Berliner Großbank, dann kennt die Neugier keine Grenzen. Aber man darf auch nicht zu neugierig fein. Sonst ergeht es einem wie jenem Berliner, den man just vor einem Jahre fragte:

Haben Sie schon die Sache mit der Berliner Großbank gehört?"

,/Die Sache mit der Berliner Großbank? Nee, keine Ahnung! Was ist denn los mit ihr?"

Na, Sie werden staunen! Tolle Sache!"

Um Himmelswillen! Erzählen Sie doch!"

Wollen Sie sich selbst überzeugen, was mit der Berliner Großbank los ist?"

Aber natürlich! Interessiert mich kolossal!"

Na, dann wollen wir uns morgen Punkt zwölf Uhr im Harry-Andersen-Park in der Gitschiner Straße zwischen Halleschem und Kottbuser Tor tref­fen. Und dann werden Sie ja selbst sehen!"

Gesagt, getan! Pünktlich zur verabredeten Stunde trafen sich die beiden Berliner am nächsten Tage im Harry-Andersen-Park. Und nun konnte sich der neugierige Berliner auch tatsächlich davon über­zeugen, daß die Sache mit der Berliner Großbank wirklichtoll" ist. Denn in diesem Park steht eine Bank, die 300 Meter lang ist und auf der 900 Personen zu gleicher Zeit' sitzen können. Ist das eine Berliner Großbank oder nicht? Allerdings saßen an diesem Tage keine 900 Personen auf der Bank. Es war noch reichlich kühl, weil nämlich der ---1. April mar! Na, und die Geheimnisse? Von den Geheimnissen, die man sich auf dieser Berliner Großbank erzählt,, erfährt man leider nichts. Denn, wo 900 Personen beieinander sitzen, da wird zumeist im Flüsterton gesprochen.

Tolle Sache mit der Berliner Großbank, nicht wyhr? Aber warum sollten wir nicht unseren Lesern von ihr berichten, zumal jetzt wiederum der 1. April ist?

Der Monat, der an diesem Wochenende beginnt, wird für Berlin von besonderer Bedeutung sein: es ist der Monat, in dem der 50. Geburtstag des Führers begangen wird. Begreiflich, daß die Reichshauptstadt emsig am Werke ist. diesen Ehrentag so feierlich und festlich wie irgend möglich auszugestalten. Schon sieht man hier und da das Rüstzeug" für den 20. April. So zum Beispiel die großen Scheinwerfer, mit denen die Staatsgebäude Unter den Linden angestrahlt werden. Vor allem aber wird die letzte Hand an jene Bauten gelegt, deren Fertigstellung für den April oorausgefägt wurde. Da ist einmal b 'i e OftWest-Achse mit dem Großen Stern zu nennen. Auf dem Großen Stern sind nunmehr die drei Denk­mäler von Bismarck, Roon und Mollke in ihrer alten Wuchtigkeit aufgerichtet. Damit ist im Zusam­menhang mit der neuen Siegesallee und der Sieges­säule dasForum" des Zweiten Reiches vollendet. An der Siegessäule, deren obere ,/Stockwerke" seit langem fertiggestellt sind, ist man dabei, am Sockel die Mosaik-Bilder wieder einzufügen, nach-

Während der Wechseljahre treten häufig Unpäßlichkeiten auf,wie Blutandrang -um Kopf, fliegende Hitze, und zuweilen macken sich Nervenstörungen unangenehm bemerkbar. Als ein ausgezeichnetes Mittel, das diese Beschwerden und Schmerzen lindert, hat sich feit über einem Jahrhundert Klosterfrau-Melissengeist bewährt, der, regelmäßig angewendet, wie in den Wechseljahren so auch in den kritischen Tagen der Frau wertvolle Dienste leistet. Man nimmt bei Bedarf auf einen Teelöffel Feinzucker etwasKlosterfrau-Meliffengeist oder trinkt einen Teelöffel davon mit einem Eßlöffel Waffer. Schon nach kurzerZeit bemerken die meisten deutlich fühlbare Besserung.

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dem sie gründlich überholt wurden. Der Fries dieser Mosaikbilder, deren Schöpfer Anton von Wer­ner war, setzt sich aus einer Million buntfarbiger, silberner und goldener Mosaiksteinchen zusammen, von denen rund 400 000 erneuert oder ergänzt werden mußten! Dann sind die Tordenkmäler auf der Charlottenburger Brücke zu nennen, die seiner­zeit wegen des Brückenerweiterungsbaues abgebro­chen werden mußten und die nun ebenfalls er­neuert und gereinigt aufgerichtet wurden. Und endlich winkt für den Anfang April die Eröffnung des großen unterirdischen S - Bahnhofes Potsdamer Platz". Schon prangen die riesengroßen Buchstaben S an den Eingängen zur Unterwell" und zeigen an, daß jetzt die Nord Süd-Bahn bis zum Potsdamer Platz vorgeftoßen ist. Wenige Tage also nur noch und man kann, unterhalb der Grundmauern des ehemaligen Palast-Hotels (jetzt Mitteleuropäisches Reisebüro) spazierengehend, auf Bahnsteig 2 feinen S-Bahnzug erwarten. Gewaltiges hat hier deutsche Jngenieur- kunst geleistet, indem sie das Gebäude des ehe­maligen Palast-Hotels unterfangen und auf riesige Betonpfähle gesetzt hat. So fügt sich in das Mosaik­bild der Neugestaltung Berlins einSteinchen" neben das andere, bis eines Tages alles vollendet sein wird und der Besucher der Reichshauptstadt gestehen muß: Welch wundervolles Bild, das geniale und fleißige Hände geschaffen haben!

Berlin beherbergt die größte deutsche B ü ch e r fa m m I uh g. Es ist die Preußische Staatsbibliothek, die soeben ein kleines Jubi­läum begehen konnte: Es sind dreißig Jahre her, daß die einstmals Königliche Bibliothek von jenseits des Opernplatzes, wo sie im Ostflügel des Palais Kaiser Wilhelm I., in der sogenanntenKommode", untergebracht war, nach der Nordseite derLinden" (Ecke Charlottenstraße) übersiedelte. Diese große Bibliothek, die beim Tode ihres Gründers, des Großen Kurfürsten, bereits 20 600 Bücher umfaßte, zählt jetzt rund 3 Millidnen Bände und Handschriften, lieber eine halbe Million Besucher suchten, im letzten Jahre diese Bücherei auf, um in den weiten und behaglichen Lesesälen zu studieren und zu forschen. Man sage nicht, daß an dieser Stätte der Büchergelehrsamkeit der Fortschritt der Zeit vorübergegangen ist. Nein, auch hier ist die Technik als Helferin tätig. Sie hat eigene Bücherbahnen" zum Befördern der Bücher und eine zweigleisige Rohrpostcmlage für die schnellere Uebermittlung der Bestellzettel geschaffen und vor allem den Film in den Dienst der Bibliothekswissen- chaft gestellt. Wertvolle und unersetzbare Bücher, aber auch viel benutzte und daher oft zerlesens

Geschichten aus aller Welt

und daß ab-

schwister, die Schulkameraden, die Lehrer Freunde haben ihr Zeugnis dahin abgegeben, Robert trotz seiner außergewöhnlichen Größe fohlt ^normal sei.

Operation mit der Weinbergschere.

Japanerinnen sollen den Hut abnehmen.

Ndz. Tokio.

Künftig werden die japanischen Frauen, wenn sie europäische Kleidung tragen, den Hut abneh­men müssen in allen den Fällen, wo man das auch von den Männern erwartet. So verlangt cs bas neue Gesetz der Etikette, das kürzlich' von einem besonderen Ausschuß im japanischen Er- zlehungsministerium unter Vorsitz des Marquis Joschitschika Tokugawa ausgearbeitet worden ist. Das Ministerium hat bereits an den Regierungs­präsidenten und die Leiter der Mädchenschulen eine Abeisung herausgegeben, dieses neue Gesetz be- fannt zu machen. Die männlichen Schüler und Studenten werden, sobald sie in Uniform erschei­nen, durch Anlegen der Hand an den Mützenrand, ol|o in militärischer Weise, grüßen müssen. Diese Verhaltungsmaßregeln beruhen auf den Anord­nungen, die für Gottesdienste am kaiserlichen Hof gelten. Der Etikette-Ausschuß des Erziehungsmini- ftenums, der aus über 30 Mitgliedern besteht, hat etwa ein Jahr gebraucht, um die neuen Verhal­tungsmaßregeln für Schüler und Schülerinnen auszuarbeiten.

2,66 groß und schwer beleidigt.

Ndz. Neuy 0 rk.

Robert Pershing Wadlow gilt mit seinen 2,66 Metern als der längste Mann der Welt. Auch sein Gewicht läßt nichts zu wünschen übrig, es beträgt rund 41/2 Zentner. Er macht gegenwärtig durch eine Klage von sich reden, die er gegen Dr. Char­les Humberd in Barnard im Staate Montana eingereicht hat, der in einem Artikel behauptet haben soll, daß der junge Riese nicht ganz normal sei. Der Artikel ist in einer medizinischen Zeit­schrift in Amerika erschienen, und nun verlangt der Riesensohn von dem Artikelschreiber 100 000 Dollar Schadenersatz und von der Zeitschrift wei­tere 150 000 Dollar. Harold Wadlow, der Vater des größten Mannes der Welt, hat ausgesagt, daß sein Sohn Robert der gehorsamste und bravste von seinen sechs Kindern sei. Auch die älteren Ge­

deihen, können die Pinguine offenbar ein freies Leben in Europa nicht vertragen. Dr. Hoel erklärt jetzt, daß sein Versuch nicht geglückt sei. Auf Röst ist kein einziger Pinguin mehr vorhanden und auch auf anderen Lofoten-Inseln hat sich kein Mit­glied der Pinguinen-Kolonie eingefunden.

Wiedersehen mit dem alten Löwen.

Ndz. Kopenhagen.

Der kleine Zoo im dänischen Horsens rühmt sich, den ältesten gefangenen Löwen der Welt zu be­sitzen. Die Zoo-Direktion hat von diesem Rekord erst vor kurzem erfahren, und das geschah auf ganz romantische Weise. Eine deutsche Besucherin, die früher Artistin war, meldete eines Tages dem Direktor freudestrahlend, sie habe im Löwenkäfig ihren allen Freund und ZöglingLeo" wiederer­kannt an. ganz bestimmten Kennzeichen. Dor 28 Jahren habe sie als Dompteuse mit dem damals zweijährigen Löwen gearbeitet. Erst durch diese Mitteilung erfuhren die Horsenser das ehrwürdige Alter ihres Löwen, der erst vor wenigen Tagen wieder glücklicher Vater geworden ist.

Beschwerliche Hochzeitsreise eines gewichtigen Ehepaares.

B. London.

Das gewichtigste Ehepaar der Welt ist auf feiner Hochzeitsreise aus Australien in London eingetrof­fen. Das niedliche junge Paar sind der gutgelaunte Barney Worth, der 26 Jahre alt ist und 311 kg wiegt, und sein graziöses Frauchen Joy, das soeben 27 Jahre all geworden ist und 190 kg wiegt. Am Gürtel mißt er 2,13 Meter, feine Ehehälfte nur 1,83 Meter. Die beiden haben in Sydney, wo Barney einen Schlächterladen besitzt, geheiratet und sich auf die Reise gemacht, die aber nicht ohne verschie­dene Schwierigkeiten vor sich ging. Der junge Ehe­mann konnte, als er an Bord ging und als er vom Schiff wieder herunter wollte, nicht über den gewöhnlichen Laufgang gehen, sondern mußte mit einem Kran herauf- und herabgewunden werden. Während der Ueberfahrt sind nicht weniger als sieben Betten zusammengebrochen. Als die beiden in Tilbury angekommen waren und den Zug nach London nehmen wollten, stellten sie mit Schrecken fest, daß die Waggons der englischen Eisenbahnen zu enge Türen für sie haben. Sie mußten also

Ndz. Buenos Aires.

Mit Bewunderung vermerken die Blätter aus San Juan eine Operation, die der National-Senator Dr. Cantoni in seiner Eigenschaft als Arzt durchführte, eine Operation, die in der chirurgischen Praxis nicht alltäglich ist. Dr. Cantoni wurde an das Kranken­lager eines jungen Patienten gerufen, der sich in­folge eines gefährlichen Abzesses unter den Rippen dem Tode nahe befand. Eine sofortige Operation konnte nur noch helfen. Cantoni hatte aber die nötigen Instrumente nicht bei sich. In der Not griff er zu behelfsmäßigen Mitteln. Mit einem gewöhn­lichen Messer legte er den Krankheitsherd frei und bediente sich dann einer Schere, wie sie in den Wein­bergen zum Stutzen der Weinstöcke Verwendung findet. Mit diesem primitiven Instrument schnitt er dem Patienten eine feiner Rippen heraus, um da­durch die Entfernung des Abzeffes zu ermöglichen. Die Operation ist geglückt, und der Patient ist auf dem Wege der Genesung.

Die Pinguine wollten nicht.

Ndz. Oslo.

Gin interessantes ornithologisches Experiment muß als gescheitert betrachtet werden. Der nor- wegische Dozent Dr. Hoel hatte eine ganze Kolonie von Pinguinen aus ihrer antarktischen Heimat nach Norwegen gebracht und auf der Lofoten- pnlef Rost ausgesetzt in der Hoffnung, daß die spaßigen und in gewisser Hinsicht auch wertvollen Vogel sich in der norwegischen Inselwelt einbiir- gern würden. Die Lebensbedingungen auf den Lo- foten wären für die Pinguine nicht sehr verschieden von denen im füblidjen Eismeer gewesen. Trotz- dem haben die Vogel sich die Umsiedlung nicht ge- sallen (assen. Während sie als Gefangene in vielen europäischen zoologischen Gärten ausgezeichnet ge-

die Fahrt im Gepäckwagen machen. Zum Frühstück nehmen die beiden Gatten gewöhnlich zwei Liter Milchkaffee, zehn Butterbrote und drei Kilogramm Wurst nebst einigen tüchtigen Scheiben Schinken und etwas Zwieback. In London haben sie versucht, in einem volkstümlichen Restaurant mit festen Prei­sen ein Frühstück zu nehmen, das 1,50 Mark kostet; aber nachdem sie schon zweimal eine Wiederholung verlangt hatten, waren sie immer noch hungrig und beschlossen, das ganze als ein einfaches Vorgericht anzusehen und sich in einem ordentlichen Restaurant erst richtig sattzuessen, wofür sie pro Nase zwei Pfund bezahlen mußten. Der junge Barney hatte als Berichterstatter einer Zeitung in Sidney seine Laufbahn begonnen, sehr bald aber den Jour­nalismus wieder verlassen, um einen Schlächterladen zu eröffnen. Er erklärte freimütig, daß er eine große Leidenschaft für das Fleisch habe, und wäh­rend die Zeitungsphotographen ihn in allen mög­lichen Posen aufnahmen, verzehrte er friedlich eine ganze Hammelkeule.

Geheiratet wird?boch!

AS. Warschau.

Seit mehreren Jahren führen zwei junge Liebes­leute in Lettland einen hartnäckigen Kamps mit dem feindlichen Schicksal/das ihre Ehepläne immer wie­der zerstört. Ein junger lettischer Marineoffizier hatte sich vor drei Jahren mit einer Beamtin in Riga verlobt. Obwohl sie bescklossen, sofort zu hei­raten, spielte ihnen das Schicksal einen Streid) nach dem anderen. Wenn das junge Mädchen einmal einen schwer erkämpften Urlaub bekam, erlitt das Schiff, auf dem der junge Offizier Dienst versieht, eine Havarie und blieb irgendwo fern vom Heimat­hafen stecken. Endlich aber schien die Gelegenheit günstig. In Gdingen sollte der Dampfer ^roei Wochen liegen bleiben. Der glückliche Verlobte be­schloß sofort, nach Riga zur Hochzeit zu reifen. Aber das Pech wollte es, daß der Kapitän erkrankte und der Offizier ihn oertreten mußte. Entschlossen telegraphierte der junge Seemann an seine Braut: Komme sofort nach Gdingen. Stop. Hochzeit." Die junge Lettin fuhr in aller Eile nach Gdingen. Hier erwartete sie aber wieder eine Enttäuschung: die jungen Leute hatten keine Beweise für ihr vor drei Jahren in Riga erfolgtes Aufgebot Die verzweifel­ten Verlobten haben sich nun nach Danzig begeben, um dort ihr Glück zu versuchen.