Ausgabe 
2.1.1939
 
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Nr. \ Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 2. Januar 1939

Das größere Gießen

Pflicht Einsatz land."

das geschehen soll, irgendeines, das den Anstoß gibt/ die zweite Formel in Kraft treten zu lassen.

Danach nimmt man sich nun ernstlich vor, seinen- Vorsatz durchzuführen. Vielleicht, daß man sich nochj eine schmale Frist gibt und erstvon morgen an' zur Praxis übergeht aber da fängt man nun, wirklich an. Man nimmt sich einen Kalender her- sieht sich den regelmäßigen Ablauf der Zukunft an.' die so hübsch in Abschnitte aufgeteilt ist, und rech-^ net seine Pläne hinein. Am glaubwürdigsten roer^ den einem immer, wie gesagt, jene Vorsätze bleibens die man zahlenmäßig auf zwei Stellen Hinterm' Komma errechnen kann.

Die Zukunft geht wunderbar auf, wenn man sie' dividiert, und dann fängt man an.

Manchem gelingt die Wirklichkeit nach dem Mu­ster der Vorsätze, wenigstens zum Teil schon, narir dem zweiten VorsatzIch habe mir nun ernstlich^ vorgenommen..." Gelingt sie nicht, dann tritt an! irgendeinem Tag die dritte und letzte Formel in Kraft.

Die Zahl 3 ist nicht umsonst von mystischer Be­deutung: hier entscheidet sichs. Es gibt gewiß, wenw man so will, noch eine vierte, fünfte, womöglich eine zehnte Formel, aber sie alle, die nach der drit­ten kommen, sind eigentlich keine mehr, es sind nur Nachlänge, die keinen eigenen inneren Gehalt mehr haben. Echos des bösen Gewissens sind sie allenfalls.

Ganz selten wird nun allerdings überhaupt ein guter Vorsatz rund und ganz durchgeführt, auch nicht' nach der dritten Formel. Aber man könnte beirkah sagen: Dazu sind gute Vorsätze auch nicht da. Sie' sind dazu da, zu einem Drittel verwirklicht zu wer-- den. Wenn uns nur das gelingt, dann ist es out

Denn das war noch vergesien gute Vorsätze schlagen von vorneherein schon 200 Prozent aus, sie? wissen, was sie wert sind (ein Drittel nämlich).

Aber leben wir nur weiter mit unseren Vorsätzen, dieses Drittel von ihnen ist gut und taugt. Wie mit guten Freunden wollen wir mit unseren guten Vor­sätzen umgehen, wollen mit ihnen leben, mit ihnen hoffen, mit ihnen verzweifeln und wieder glauben< bis zum letzten guten Drittel.

unb dank des Einsatzes des Personals klappte auch hier alles!

Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten." Dies gilt auch für den dies­jährigen Weihnachtspaketverkehr. Die grimmige Kälte und der Schneefall brachten Stockungen im gesamten Eisenbahnverkehr. Dadurch bedingt, begann sich der Paketeingang zu verzögern, die ein­gehenden Paketkarten schwollen zu immer größeren Bunden an. Es war vorauszusehen, daß ein Teil der Pakete zum 1. Feiertag nicht vorliegen würde. Die Sonderzustellung, die nur für den 1. Feiertag vorgesehen war, wurde auf den 2. Feiertag und die folgenden Tage ausgedehnt. Den Paketzustellern war es allerdings dadurch nicht möglich, einen Feiertag im Kreise ihrer Familie zu verleben. Un­ermüdlich t(U jeder seine Pflicht bis ^um äußersten.

Die Statistik ergibt vom 14. bis 27. Dezember an eingegangenen Paketen und Päckchen 1935: 28 112 Stück, 1936: 30650 Stück, 1937: 33 686 Stück, 1938: 35 510 Stück. Eingeliefert wurden vom 14. bis 24. Dezember: 1935: 32 869 Stück, 1936: 38 309 Stück, 1937:: 40 190 Stück und 1938: 40 895 Stück.

Der paFeteinganq ist also gegen das Vorjahr u m rund 1 900 Sendungen gestiegen. Auch die Einlieferung Hal eine erhebliche Zu­nahme erfahren. Wurden doch rund 500 Sen­dungen mehr eingeliefert als im Vorjahr.

Ach, ich habe privateEtats" gesehen, die mit sauber errechneten Treppenstufen schnurgerade in die Höhe führten, in denen sogar der unberechen­bare Zufall rechnerisch erfaßt war. Ein Posten hieß vorsichtig:Unvorhergesehenes ... 30 RM."

Aber dann kommt etwas, das ganz unvorherge­sehen ist. Irgendwann einmal kommt eines Tages ein Tag, ein Abend vielleicht, an dem man guter Dinge ist und plötzlich erkennt, daß man dieses große wunderbare Leben niemals nach einer kor­rekten Rechnung leben darf, daß es Rasenflächen genug gibt, deren Betreten ohnehin verboten ist, daß man sich nicht mit eigener Hand noch Verbots­tafeln aufrichten soll. Da streicht man alle Berech­nungen durch, streicht, streicht und will von keinem Vorsatz etwas wissen. Und solche Begeisterung ist in diesem Augenblick tatsächlich mehr wert als alle Berechnung. Ja, wer im Leben kein Zweimarkstück mehr riskiert, weil er seinen ängstlichen Etat um­stürzen könnte, der hat schon verloren, so ist es.

Trotzdem braucht man kein Pedant zu sein, wenn man sich nach einem Vierteljahr wieder plötzlich hinsetzt, um sich ein neues Leben mit neuen guten Vorsätzen auszurechnen.

Wir glauben ja noch, das ist es. Der Pedant glaubt nicht mehr: er rechnet- Und es ist sein Feh­ler, daß er seinen Additionen bedingungslos und dem Leben gar nicht glaubt.

Der chronologische Verlauf der Wirklichkeit nach gefaßten Vorsätzen ist in drei Formeln enthalten, die wir olle kennen.

Die erste Formel heißt:

Ich habe mir nun vorgenommen ..

Die zweite:

Ich habe mir nun ernstlich vorgenommen ...

Die dritte:

Ich habe mir nun wirklich ernstlich vor- genommen..."

Die erste Formel ist noch nicht viel mehr als der Versuch, sich mit einem bestimmten Gedanken zu­nächst einmal vertraut zu machen. Man weiß aus­gezeichnet gut, daß man diesen ersten Vorsatz noch nicht Wirklichkeit werden lassen braucht, daß er kaum mehr als der Anfang zu der zweiten und, wenn es sein soll, zu der dritten Formel ist. Man geht nur so herum und nährt seinen guten Vorsatz mit ein paar freundlichen Gedanken und stellt sich gelegentlich auch einmal vor, wie es sein wird, wenn er erst einmal Wirklichkeit geworden ist man wartet.

Sonderbar, man geht und wartet. Ich sagte schon, gute Vorsätze faßt man nicht so überlegt wie andere Beschlüsse, sie» kommen einem plötzlich wie von selbst. Und auch der zweite Vorsatz kommt von außen her. Man geht und wartet auf ein Ereignis,

Der Weihnachspäckereiverkehr hat in den letzten Jahren im Betrieb der beiden Postämter in Gießen eine erhebliche Steigerung erfahren. Es war vorauszusehen, daß der Umschlag sich für Weihnachten 1938 noch bedeutend verstärken würde. Mit den Vorarbeiten zur Bewältigung des zu er­wartenden Andrangs wurde daher rechtzeitig begon­nen. Sonderdienstpläne wurden aufgestellt, alles verfügbare Personal in Doppel schichten ein­gesetzt und Sonder zu st ellfahrten einge­richtet. Die fehlenden Arbeitskräfte stellte das Ar­beitsamt. der fehlende Wagenpark wurde aus Heeresdeständen geholt. Bereits im November be­gann der Paketumschlag erheblich anzuschwellen. Die Geschäftswelt füllte die Warenlager auf, um für den Weihnachtsverkauf gerüstet zu sein.

Am Sonntag, 11. Dezember, wurde die 1. Paket­sonderzustellung durchgeführt. Die 2. Sonderzustel- lung erfolgte am 18. Dezember. Vom 20. bis ein­schließlich 24. Dezember wurden täglich Zwei Zustellungen vorgenommen. Hochbeladen ver­ließen die Wagen den Posthof-, sie kehrten erst in den Nachmittagsstunden zurück, um sofort von einer anderen Arbeitsgruppe beladen und wieder fahr­bereit gemacht zu werden. Manche Familie wird noch in den späten Abendstunden die ersehnte ©ans oder das PaketFrischgeschlachtetes" erhalten haben.

Erfahrungsgemäß und bedauerlicherweise fehle die Privallieferung erst am 19. ein und stei­gerte sich bis zum 23. Die Schaltervorräume konnten manchmal die Einlieferer kaum fassen und die Beamten hatten alle Hände voll zu tun, um diesem Ansturm gerecht zu werden.

In unermüdlicher Arbeit wurden die Sendungen gewogen, beklebt, freigemacht und zur Absendung bereit gelegt. Wagen auf Wagen rollte zur Paket­umschlagstelle am Bahnhof, um hier auf die ein­zelnen Richtungen verteilt und an die Züge ge­bracht zu werden. Tag und Nacht wurde gearbeitet und, nachdem der Eingang immer stärker wurde, sah es manchmal aus, als wenn die Arbeit nicht zu bewältigen wäre. Doch täglich wurde aufgearbeitet

Aus Oer Stadl Gießen.

Januar kalt das gefallt!"

Der Bauer achtet auf denCharakter" des Tages im Jahr und des ersten Iahresmonats im besonde­ren, um daraus die Art des ganzen Jahres voraus­sehen zu können. Und weil er weiß, daß ein kerni­ger Winter meist einen heißen, fruchtreifenden Som­mer bringt, so will er im besondern, daß der Ja­nuar durchaus seinem alten NamenEismond" Ehre mache. So heißt es denn in Württemberg:

Der Januar soll mit Strenge walten, sonst wird der Frühling sich nicht gut halten." Uebereinstimmend dazu sagt ein Bauernorakel aus der Gegend um Koblenz:

Ist der Januar hell und weiß, wird gewiß der Sommer heiß!"

Und das'gibt gute Ernten, so daß man weithin nsit Recht reimt:

Jänner, je kälter und Heller,

Scheuern und Faß desto voller."

Auch unsere Landsleute und Landleute in Steier- markt sind der gleichen Meinung, man sagt dort­zulande:

Knärrt im Jänner Eis und Schnee, gibt's zur Ernt' viel Korn und Klee!"

Auch gilt diese Baernweisheit fast überall in deut­schen Gauen:

Ist der Januar feucht und lau, wird das Frühjahr trocken und rauh."

Also soll es lieber so kommen, wie es sich die Schwaben und Badener mit Hinsicht auf das länd­liche Wirtschaftsjahr wünschen:

Ist der Jänner von Anfang bis Ende gut, so hat das ganze Jahr einen guten Mut!"

Der 1. Januar ist nicht nur des Monats, sondern des gesamten Jahres Spitze, und es ist begreiflich, wenn man ihn freundlich nahen sehen will:

Kommt des Tages Helle am Neujahrsmorgen sschnelle,

so bedeutet das fürwahr ein besonders frucht­sbar Jahr!"

Dreikönigstag ist am 6. Januar. In Thüringen prophezeit man:Scheint am Heiligdreikönigstag die Sonne, so bedeutet es ein friedliches Jahr!" Und mit Hinblick auf die Entwicklung der Witterung sagt man:

Friert's in der Dreikönigsnacht, das Eis noch mindest 6 Wochen kracht."

Wie sich schon im Herbst der Winter und damit dasAbsterben" der Bäume man sollte lieber Ausruhen" sagen kenntlich macht, so ersieht der Landmann auch an den Eigenschaften der Rinde und des Bastes, daß die Bäume allmählich wieder innerlich zu arbeiten" anfangen, um sich auf das

Hochschulnachrichten.

Am 1. Januar feierte der Reichsdozentenführer, H-Brigad-eführer Ministerialdirektor Professor Dr. Walther Schultze seinen 45. Geburtstag. Pg. Schultze nahm als Offizier des Freikorps Evp der Befreiung von München teil. Bereits 1919 trat er der NSDAP, bei und nahm als Chef des San- tätswesens der SA. unter Hermann Göring ans Marsch des 9. November 1923 teil.

Frühjahr umzustellen:

An Fabian und Sebastian t

bricht sich der Saft in den Bäumen Bahn', beißt es auf Hochdeutsch für den 20. Januar, der St. Fabian und St. Sebastian als Kalenderhell,ge verzeichnet. In Schleswig-Holstein heißt's:Fabian und Sebastian let den Saft int Holt gähn."

Der 22. Januar trägt den Namen St. Vinzenz'. Der Name klingt gar sehr an das lateinische Wort vinum, d. h. Wein, an, und überdies sagt man mirh in Süddeutschland für die edle Gottesgabe Win" oderWi". Da ist ein aller Winzerglaube verständlich, der orakelt:

Hat St: Vinzenz Sonnenschein,

füllt uns das Jahr die Fässer mit Wein!" Sei's drum! Aber es darf auch ein guter Tropfen sein, drum reimen die wackeren Schwaben hoff­nungsvoll:

Scheinet die Sonn auf Vinzenti baß,

so füllt's mit feinem Wein uns das Faß!"

Der 25. Januar ist dem Tag geweiht, da aus einem Saulus ein Paulus ward, und heißtPauli Bekehrung". Das soll ein lichter, heiterer Tag fern, wenn sich der Bauer freuen soll, weil er nämlich aus alter Erfahrung prophezeit:

St. Paulus klar verspricht ein gutes Jahr.

Kommt aber Regen oder Schnee o weh!"

turereignisse hingewiesen werden. Unter Anspannung; aller Kräfte, in manchmal 12- bis 14ftiinMger un­unterbrochener Dienstfolge, hat die Gefolgschaft ihrs ' getan, getreu dem Diensteid:Persönlicher) bis zum äußersten für Führer und Vater--

Jn ihren Aufsätzen zum Jahresschluh 1938 haben Oberbürgermeister Ritter als Leiter der Stadt Gießen und Landrat Dr. Lotz als Leiter des Land­kreises Gießen imGießener Anzeiger" vom 31. De­zember 1938 auf die bevorstehende Eingemein­dung von Wieseck und Klein-Linden in die Stadt Gießen hingewiesen. Diese beiden Aeußerungen von maßgebender Seite lenken die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf die ansehn­liche Vergrößerung des Gießener Stadtgebietes hin, die mit dem 1. April 1939 in Kraft treten wird.

Die Einwohnerzahl von Gießen, die sich nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1933 auf 35 913 belief, wird sich durch die Ein­gemeindung um 5922 erhöhen (Klein-Linden 2090, Wieseck 3832), so daß Gießen also immer nach dem Ergebnis der Volkszählung von 1933 gerech­net vom 1. April ab annähernd 42 000 Ein­wohner haben wird.

Nach dem Ergebnis der statistischen Ermitt­lungen vom Juni 1933 wird Gießen in Zukunft 2665 Gewerbebetriebe aufweisen (Gießen 2326, Klein-Linden 127, Wieseck 212).

von 1934 auf 5711 Hektar Gesamtfläche erhöhen (Gießen 4175, Klein-Linden 294, Wieseck 1242); davon sind 1383 Hektar Ackerland (Gießen 845, Klein-Linden 155, Wieseck 383); 1010 Hektar Wie­sen und Weiden (Gießen 606, Klein-Linden 67, Wieseck 337); 2227 Hektar Wald (Gießen 1838, Klein-Linden 1, Wieseck 388).

Die Zahl der land- und forstwirtschaftlichen Be­triebe bis % ha Gesamtfläche wird sich künftig auf 4092 belaufen (Gießen 3222, Klein-Linden 314, Wieseck 556); die Zahl der land- und forstwirtschaft­lichen Betriebe über ha Gesamtfläche wird 388 betragen (Gießen 99, Klein-Linden 108, Wieseck 181).

Die Beamten und Angestellten der Gemeinden Wiefeck und KleiwLinden werden in die Dienste der Stadt Gießen übernommen, lieber die künftige Glie­derung des Verwaltungsdienstes, d. h. welche Dienst­stellen in den beiden Vororten verbleiben bzw, dort neugeschaffen werden, und über die Verwendung der 'Mitarbeiter in den einzelnen Dienststellen kann

Dornotizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Pour le merite Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Tanz auf dem 23u(< kan".

Spielplan des Stadttheaters vom 3. bis 8. Januar.

Dienstag, 3. Januar, Anfang 20, Ende gegen? 23 Uhr,Die lustige Witwe", Operette von Franz Lehar. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt, Spielleitung: Gert Buchheim. Dienstag-Miete, 14. Vorstellung.

Mittwoch, 4. Januar, Anfang 19.30 Uhr, Ende 21.30 Uhr, zum letzten Mal,Der Hochverräter" Schauspiel von Curt Langenbeck. Spielleitung: Han-? nes Razum. Mittwoch-Miete, 14. Vorstellung.

Donnerstag, 5. Januar, Anfang 20 Uhr, EndÄ 22 Uhr, einmaliges GastspielMeister-Sextett' (Comedian Harmonists), außer Miete!

Freitag," 6. Januar, Anfang 20 Uhr, Ende 22.3'X Uhr,Läuter Lügen", Komödie von Hans Schweif fort. Spielleitung: Hermann Schultze-Griesheim."

75000 Weihnachtspakete passierten das Postamt Gießen, pofete, wie sie nicht sein sollen. post im Dienst der Weihnachtsfreude.

mit der Aufschrift: Lieber Karl! Als Unterschrift^ Deine Minna? Einziger Anhaltspunkt im Briefs Nachbar Schars ch hatdiese Woche f r i f dj* geschlachtet. Der Postagent in K. wird beaufi tragt, auf Grund dieser Tatsachen näheres festzu-t stellen. Eines Tages kommt die Nachricht: Ded Empfänger der Sendung ist Karl Schmidt im Ar-t bcitslager H. Die Sendung kann nun dem Emp4 fänger, allerdings ganz erheblich verzögert, zuge^ stellt werden. Wieviel mag aber in der Zwischenzeit) über die Post geschimpft worden sein?!

Ein großes Schmerzenskind sind die vielen a u fa schriftslosen Koffer unserer Arbeits 4 männer und © ol baten. Die auf geflehte ii< Adressen fallen ab, die Anhänger reißen ab, übrid bleibt ein Koffer ohne Anschrift, in welchem audj das Doppel der Anschrift fehlt. Läßt sich der Emp? fänger nicht ermitteln, so werden die Sendungen der Postmeldestelle Frankfurt a. M. 9 zugeführt. In vielen Fällen gelingt es'erst nach Monaten, bei^ Empfänger zu ermitteln. Ergebnis: Viel unnötige Schreibarbeit, viel Merger! Darum: Doppel bed Anschrift im Paket nicht vergessen.

3n ähnlicher Meise verursachen diekranken", . bas sind die beschädigten Pakete, viel Arbeit > und Zeitverlust.

Die Pakete sollen zu Weihnachten besonders halt5 bar verpackt sein. Da wird ein durchnäßtes Pakets vorgelegt. Der Empfänger erscheint: Verpackum, äußerlich ein dünner Pappkarton, Inhalt einq Flasche Wein, eine Flasche Kognak unb vieles an? bere. Beide Flaschen ganz dünn mit Holzwolle um=* wickelt! Die Flasche Kognak zerdrückt, die Ginlagei^* des Pakets durchtränkt und vielleicht unbrauchbar^ weil der Absender es verabsäumt hatte, für Glas^ wie vorgeschrieben, eine besonders haltbare 23er Packung zu wählen! Ergebnis: Statt Weihnachts^ freube Aerger. Schadenersatz kann in den mei* ften Fällen nicht geleistet werden.

Der verzögerte Paketeingang verursachte die Be­antwortung einer Unmenge fernmündlicher Anrufe) Einige dieser Anrufe waren recht unfreundlich ge* halten. Menschlich verständlich, konnte der Anrufes nur immer wieder auf die unverhergesehenen Na­

im rheinischen Dialekt war der Angeklagte Bätes des Herrn Haars. Ihm assistierte mundartlich Herr Schorn, der sich leider darstellerisch eine grobe Geschmacklosigkeit leistete; so geht das nicht, auch nicht zu Silvester, und es wäre Sache der Regie gewesen, derartige Entgleisungen zu ver­hindern, welche, zumal wenn sie sich wiederholen, das Publikum aus dem Theater treiben. Vom übrigen Ensemble, das angeregt bei der Sache war, seien die Damen Vollert, Garbe, Schloe- d e r und Kneip und die Herren v. Gschmeid - ler und Schlick genannt.

*

Es gab lebhaften Beifall, stellenweise sogar bei offener Szene. Hans Thyriot.

Die kleine Philosophie

der guten Vorsätze.

Von Christian Bock.

Eines unserer Haupt- und Gala-Sprichwörter behauptet, daß der Weg zur Hölle mit guten Vor­sätzen gepflastert sei. Aber sagt was ihr wollt, es spaziert sich besser darauf als auf barem Nichts, unb es ist nicht so ausgemacht, daß man geradeswegs zur Hölle spaziert: solche Sprichwor^r sind oft eher von Pädagogen gemacht als von Philosophen, sie sind eher Warnungen als Wahrheiten. Gute Vor­sätze sind, alles in allem, besser alß das Sprichwort sie macht.

Sie haben übrigens eine wunderliche Eigenart. Wir fassen sie eigentlich nicht mit Bedacht unb langsamer Umsicht sie kommen über einen. Un­erwartet, beinahe wie ein Regenschauer ober ein Gewitter mitten im Winter: Plötzlich will man nun grünblid) anders werden, besser, hilfreicher, arbeit­samer, sparsamer, freundlicher zu seinen Mitmen­schen es sind ganz biblische Kardinal-Tugenden, die man sich vornimmt.

Die Vorsätze mögen heißen, wie sie wollen, sie lassen sich olle auf einige drei, vier Grundtugenden zurückführen, derenAusführungsbestimmungen sie sind. Dom verwegensten Männerentschlußnicht mehr so viel zu rauchen" bis zum guten Vorsatz, von nun an über fein leibliches unb inwendiges Le­ben pedantisch Buch zu führen, mit Daten, Rerchs- markbeträgen und allen Möglichkeiten, die es rech­nerisch gibt.'Denn es ist sonderbar genug, aber e_s ist so: Des Menschen Glaube ist noch viel mehr sein Himmelreich, wenn er diesen Glauben in ein De­zimalsystem bringen kann.

Durch alljährliche Bekanntgabe in der Presse hat die Deutsche Reichspost immer darauf hingewiesen, die Sendungen während des Weihnachtsverkehrs besonders sorgfältig zu verpacken. Ein Doppel der Aufschrift im Paket ist ja eine Bestim­mung für postordnungsmäßige Einlieferung. Einige größere Aemter im Bereich der Reichspostdirektion Frankfurt a. M. (darunter auch Gießen), sind be­rechtigt, aufschriftslose Pakete zu öff- n e n und weiter zu behandeln. Die Gießen be­rührenden Bahnposten weisen derartige Sendungen hierher ab. Beim Oeffnen wird oft festgestellt, daß das Doppel der Anschrift fehlt und nun beginnt ein Suchen nach einem Anhaltspunkt.

Da liegt z B. ein Paket aus K. vor. Inhalt: mit

| viel Liebe gepackte Weihnachtsgeschenke! Ein Brief 1 Spielleitung

Außer Miete.

Sonntag, 8. Januar, Anfang 19 Uhr, Ende gegem 22 Uhr, ,',Die lustige Witwe", Operette von Franzi Lehar. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt) 1 Spielleitung: Gert Buchheim. Außer Miete!_______

Freitag-Miete, 14. Vorstellung.

Samstag, 7. Januar, Anfang 15 Uhr, Ende 17.3f> Uhr, zum' letztenmalFrau Holle", Märchen von/ Walter Osterspey. Spielleitung: Hermann Schultzes Griesheim. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt.'

heute noch nichts gesagt werden, da die Erwägungen über den Aufbau und die Gliederung der neuen Ver­waltung noch nicht abgeschlossen sind.

Die Eingemeindung bedarf der Verfügung durch Die Gemeinde fläche des größeren Gießen I den Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger als wird sich nad) dem Stand der Erhebungen > Führer der Landesregierung.

Gießener Stadttheater.

Heinrich SPocrl:Der Maulkorb."

Als Silvestervorstellung servierte bas Stadttheater bas heitere Spiel vom Maulkorb. Das ist, mit kurzen Worten, die Geschichte vom Staatsanwalt, der es selber war.Es" geschieht, wie manches, was nicht passieren sollte, unter dem Einfluß allzu reichlichen Alkoholgenusses. Ein schwer bezechter Mann hängt dem Denkmal des Landesherrn m einer Kleinstadt (lange vor dem Kriege) einen Hundemaulkorb um. Es gibt natürlich einen Volks- ouflauf und regelrechten Skandal. Der Witz dabei ist tzaß der Staatsanwalt, der sich in jener Nacht die Nase begossen hat und sich am anderen Morgen an nichts mehr erinnern kann, mit der Unter­suchung des Falles beauftragt wird und sich mit ahnungslosem Eifer an die Entlarvung seiner selbst begibt. *

Staatsanwalt und Täter in ejner Perlon das ist das Kuriosum, an dem Spoerls Phantasie stch ent­zündet. Unbestreitbar, daß er dem Fall allerlei komische Pointen abgewinnt, daß er bas Abenteuer sogar zu einem überraschenden, lustspielhaft harm­losen Enbe steuert; ebenso unbestreitbar daß dies mit einigem Umstand vor sich geht, und daß der Zuschauer ziemlich von Anfang an über den Urheber des Skandals Bescheid weiß, womit, kriminalistisch gesehen, ein gewisser Spannungsreiz verloren geht. Uebrigens war es Spoerl offenbar nicht um eine bissige Satire zu tun, sondern um den Ulk eines Sturmes im Wasserglase, der die Leute zum Lachen bringen soll. *

Dieser löbliche Zweck wurde erreicht. Herr Löff­ler als Bühnenbildner hatte das Denkmal als den Tatort als ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht' und als Vertikalachse auf die Drehbühne gestellt auf der sich die Schauplätze vor einem winterlichen Kleinstadtprospekt lustig verwandelten. Die Spielleitung Hannes Razum mar auf eine umständlich-präzise Aufklärung des Tatbestan­des und Betonung der mehr oder minder über­raschenden komischen Pointen bedacht.

Den Staatsanwalt' spielte, an Stelle von Herrn Geißler, Herr Erich Eschert vorn Städtischen Theater Heidelberg: scharf, schneidig, amtsestrig, cklmung^los als einen Würdenträger vom Kali­ber des Herrn von Wehrhahn. Sehr hübsch mit überlegenem Humor, gab Herr Erl er den Tat- zeugen Rabanus. Eine volkstümlich komische Figur