Ausgabe 
2.1.1939
 
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ttr.t Erste? Blatt

189. Zahrgmg

Montag, 2. Januar 1939

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Neujahrserlasse au die Wehrmacht

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man seit 1912 alsmodernes China" Grundsatz der offenen Tur festzuhalten. Sa

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Berlin, 1. Jan. (DNB.) Mit einer hervorra­genden Flugleistung hat die deutsche Luftfahrt noch am letzten Tage -ihr erfolgreiches Schaffensjahr 1938 abgeschlossen. Das mit der Besatzung Oberleutnant P U l k o w s k y und Leutnant I e n n e t auf einem Langstreckenflug nach 2l u st r a l i e n be­findliche zweisitzige KabinenreiseflugzeugArado 79" stellte äuf seiner vierten Etappe einen neuen inter­nationalen Langstreckenrekord für Leichtflugzeuge auf.

Das mit 105-PS-Hirth-Motor ausgerüstete Flug­zeug war von seinem Startplatz in Branden­burg-Havel in drei Tagesetappen nach Ben­gasi (Nordafrika) geflogen, wobei die Besatzung mit der Ueberfliegung der Alpen und der 1000 km langen Mittelmeerstrecke in Anbetracht der überaus schlechten Wetterlage bereits eine ausgezeichnete fliegerische Leistung vollbracht hatte. So mußte ste über das Mittelmeer in 5 Meter Höhe fliegen, da schon dicht über der Wasseroberfläche Nebel und Wolken jede Sicht nahmen. Ohne Funkgerät fand das deutsche Reiseflugzeug seinen Weg, wäh­rend ein viermotoriges Verkehrsflugzeug der Afrika- Linie auf dem gleichen Flugweg seinen Flug unter­brechen mußte. Eine weitere Schwierigkeit bot d e r Start der für den Langstteckenrekordflug schwer beladenen Maschine in Bengasi, der jedoch ebenfalls ohne Zwischenfall glatt vonstatten ging. Das Flugzeug landete nach einem Ohnehaltflug von 6400 Kilometer eine Entfernung, die der Flug-

Rekordstrecke mußte die Besatzung mit ihrem leicht- motorigen Flugzeug zwei Nachte hindurch ohne Orientierungsmöglichkeit über der Erde fliegen und die 4000 Kilometer hohen Aus­läufer des Himalaja-Gebirges überqueren. Gegen­winde und Sandstürme erschwerten den Flug über zum Teil unbewohnte Gegenden. DieArado 79" hat während ihres Rekordfluges 9 Liter Brennstoff je 100 Kilometer, also nicht mehr als ein kleiner Kraftwagen, verbraucht, eine Tat­sache, die die Ueberlegenheit des deutschen Lelcht- flugzeugbaues erneut beweist. In vier Etappen ist die Maschine über drei Erdteile von Mitteleuropa nach Indien geflogen.Arado 79" ist am Neujahrs­tag zu ihrer nächsten Etappe noch dem 2000 Kilo­meter entfernten Bangkok, der Hauptstadt von Siam, gestartet.

Mit diesem Rekordflug wird sich die neugeschaf­fene deutsche Luftfahrt zum 3 5. M al'e im Verlaufe eines Jahres in die Liste der internationalen Rekorde eintragen. Diese Tatsache verdient um so mehr Beachtung, als bis zum Jahre 1933 überhaupt nur sechs Flugrekorde in deutschen Händen waren. Nach unerwartet kurzer Aufbauzeit hat sich Deutschlands Fliegerei also wieder in die führende Gruppe emporgearbeitet und besonders im vergangenen Jahr 1938 ihre Leistungsfähigkeit un­ter Beweis gestellt. Angehörige der Luftwaffe, des Luftverkehrs und des im NSFK. zufqmmengeschlos- senen Luftsportes haben sich an diesen überragenden Weltbestleistungen beteiligt. Schulter an Schulter werden sie sich auch im kommenden Jahr, gestützt auf die Erzeugnisse der deutschen Flugzeug- und Motorenindustrie in friedlichem Wettstreit weiter für Deutschlands Weltgeltung zur Luft einsetzen.

zwei Gründen: Erstens ist eine solche Haltung nach englischer Ansicht eine Prestigefrage, und zweitens hängt von ihr in weitem Maße das Sein oder Nichtsein Englands im Fernen Osten ab. Ein Ver­treter der Regierung hat diese Einstellung mit den Worten Umrissen:Die Wahrung englischer Inter­essen ist einer der Kardinalpunkte der englischen Politik im Fernen Osten."

Wang Tsching-Wet aus der Kuomintang ausgeschlossen.

Shanghai, 2. Jan. (Europapreß.) Der Zen- tralvoll zugsausschuß der Kuomintang hat sich mit der Haltung seines bisherigen Vor­sitzenden Wang Tsching-wei auseinandergesetzt, der in der vergangenen Woche von Hongkong aus eine Aufforderung an , Tschiangkaischek gerichtet hatte, über Friedensmöglichkeiten mit Japan Besprechungen einzuleiten. Der Ausschuß faßte den Beschluß, Wang Tsching-wei aus der -Kuomintang auszuschließen mit dem Hin­

wicklungen.

Abseits vom großen Weltgeschehen ging der arabische Freiheitska m p f in Palä - st i n a weiter und mündete im allgemeinen Dolks- aufstand gegen England, durch den England zu stärkstem Krafteinsatz gezwungen wurde. Daß es diesen Kräfteeinsatz seit Monaten in erster Linie gegen die Zivilbevölkerung richtet und sich dabei Härten und Grausamkeiten schlimmster Art zuschul­den kommen läßt, ist das besonders dunkle Stigma dieses Volksaustandes, her England schon viel Pre­stige gekostet hat. So reifte unter diesem Eindruck in London endlich die Erkenntnis, die als Voraus­setzung erscheint für die Lösung der Palästina- Frage: Daß London nicht unchin kann, den A r a - bernzu geben, w g s derAraber ist. Was auszufechten bleibt, ist ein Endkampf zwischen dem gesunden Menschenverstand der verantwortlichen Politiker Englands und den verderblichen jüdischen Einflüsterungen, die die englische Nahost-Politik * den Rand der Katastrophe gebracht haben.«

strecke BerlinNeuyork entspricht am Samstag- srüh in Gaja (Britisch-Jndien). Damit ist der bis­her stets vom Auslands verteidigte Rekord mit sei- letzten Stand von 4175 Kilometer um mehr die Hälfte Überbote n^worden. Auf der

Deutsches Leichtflugzeug stellt neuen internationalen Langstreckenrekord aus

Arado 19" fliegt ohne Halt 6400 km. z

weis darauf, Wang Tsching-wei habe seinen Posten als Vorsitzender des Zentralvollzugsausschufses ver­lassen und sich in Gegensatz zur amtlichen chme- sischen Polittk gestellt. Aus Hongkong roiri) ge­meldet, der japanische General D o i h a r a , der erfolgreichste politische Offizier des Kaiserreiches, habe Wang Tsching-wei einen Posten in der von Japan unterstützten Peking-Regierung an­geboten.

Amerika schlägt Ostasien-Konferenz vor

Tokio, 31. Dez. (Europapreß.) Die amerika­nische Regierung hat den japailischen Plan, im Fernen Osten eineneue Ordnung" zu schaffen, mit einer Note beantwortet, in der sie behauptet, Japan diskriminiere den amerikanischen Handel in China auf unfaire Art und Weise. Durch Gewalt reiße Japan Machtbefugnisse der souveränen chinesischen Regierung an sich und lasse bestehende Verträge unbeachtet. Diese Verträge garantierten die Unab­hängigkeit Chinas und die Rechte ausländischer Mächte in China. Amerika könne die Beeinträch­tigung dieser Rechte nicht dulden. Schließlich wird der Vorschlag zur Einberufung einer Kon­ferenz gemacht, auf der Mischen Japaü und den anderen beteiligten und interessierten Mächten die Frage der fremden Rechte und Interessen erörtert werden soll.

Oer Führer an die Wehrmacht.

Soldaten!

Im Jahre 1938 ging der Traum von Jahrhunder­ten in Erfüllung. G r'o h d e u t s ch l a n d ist erstan­den. Ihr habt hierbei entscheidend mrtge- ^Jch danke Euch für Euere treue Pflichterfüllung.

Ich bin gewiß, daß Ihr auch in Zukunft stets be­reit sein werdet, die Lebensrechte der Nation gegen jedermann zu schützen. Adolf Hitler!

Generaloberst von Brauchitsch an das Heer!

Mit Stolz sehen wir auf das vergangene, mit Zu­versicht dem neuen Jahr entgegen.

Mag es noch so große Ausgaben uns stellen, wir werden sie meistern; denn vom Aeltesten bis zum Jüngsten wird jeder sein Bestes einsetzen.

Von den Vorgesetzten aller Dienstgrade verlange ich den zähen unbeugsamen Willen, die Einsatzbe­reitschaft und Schlagkraft der ihnen unterstellten Truppe auf das höchste zu steigern.

Möge so der Arbeit jedes einzelnen voller Erfolg beschieden sein. / m

Das wünsche ich dem Heere zum Neuen Jahr.

Der Oberfehlshaber des Heeres, von Brauchitsch, Generaloberst.

GeneralferdmarschaU Göring an die Luftwaffe.

Kameraden der Luftwaffe!

Die Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Reich und die Befreiung unserer suedetendeutschen Brüder sind geschichtliche Ereignisse, die das Jahr 1938 zu einem entscheidenden Jahr der deutschen Geschichte gemacht haben. Durch die geniale Lenkung und die einmalige Tatkraft unseres Führers ist der Traum

Nieneue Ordnung" im Fernen Osten

Japans Chinapläne und die englische Neaktion.

der Deutschen Tat geworden: Großdeutsch« land!

Auch die Luftwaffechat ihr gerüttelt Maß an den Erfolges dieses Jahres. Voll ruhiger Entschlossen­heit und unerschütterlicher Siegesgewißheit stand die Luftwaffe bereit, für Führer und Reich den höch sten Einsatz zu wagen. Ich weiß, daß jeder einzelne von Euch, Offizier wie Mann, Flieger, Fallschirmjäger, Kanonier und Fun­ker, seine äußer st e Pflicht getan hat. Euch allen hierfür zu danken, ist mir ein stolzes Bedürf­nis. Die Leistungen des vergangenen Jahres sollen uns Ansporn sein für das kommende. Wir werden alle Anforderungen mit letzter Hingabe erfüllen in treuer Gefolgschaft unseres Führers und Obersten Befehlshabers und im Glauben an die Größe unse­res ewigen Deutschlands.

Hermann Göring, Generalfeldmarschall.

Generaladmiral Or. h. c. Meder:

An die Kriegsmarine!

In zäher Arbeit hat die Kriegsmarine im Auf­baujahr 1938 ihre Pflicht getan.

Das neue Jahr erfordert weiterhin den Entsatz aller Kräfte.

Großdeutschland zur See stark zu machen, ist das Ziel unserer Arbeit.

Der Oberbehlshaber der Kriegsmarine. R a e d e r, Generaladmiral, Dr. h. c.

An die politischen Leiter.

Berlin, 31. Dez. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley hat an bi e Politischen Leiter fol genden Neujahrsaufruf gerichtet:Allen Politischen Leitern und Mitarbeitern in der NSDAP, und in der Deutschen Arbeitsfront sage ich für die unermüd liche treue Arbeit im Jahre 1938 meinen herzlichen Dank. Es war ein Jahr seltener Größe

bezeichnet. Das Recht zu einer politischen Neuord­nung ' leitet Japan somit aus seinen strategischen Erfolgen und seinem z. B. in Schanghai bereits ein­geleiteten wirtschaftlichen Wiederaufbauwerk ab.

Die Proklamierung derneuen Ordnung" durch die japanische Regierung hat in London den seit Ausbruch der Feindseligkeiten immer wieder gezeigten Widerstand gegen die japanischen Ziele in China zu neuen, fast krassen Formen wachsen lassen. Fünf Tage nach den ersten hier aus Tokio eingetroffenen Meldungen wandte sich Lord Plymouth als Vertreter des Außenministers im Oberhaus gegen Tokio und stellte zur Frage der Bildung eines Dreierblocks im Fernen Osten fest: Die Regierung Seiner Majestät kann solche Plane unmöglich unterschreiben." Diese englische Einstel­lung basiert aus dem Grundsatz deroffenen Tür", der offensichtlich von Japan anders ausge­legt wird als von England. Tokio will ihn aus der Auffassung verstehen, die erstmalig um die Jahr­hundertwende von dem amerikanischen Staatssekre­tär Hay dargelegt und damals allen interessierten Mächten in Form einer Erklärung zuqeleitet wurde, nämlich rein wirtschaftlich, während London 'n die­sem Grundsatz ein politisches Instrument zur Wah­rung nicht nur wirtschaftlicher Belange sieht.

London hat immer wieder versucht, seine Inter­essen in China nicht nur durch unzählige Proteste in Tokio, sondern und das hat Japan besonders übelqenommen durch eine moralische und zum Teil auch materielle Unterstützung des Ge­ne r a l s T s ch i a n g k a i s ch e k s zu wahren Kürz­lich gaben zuständige Stellen bekannt, London er­wäge zur Zeit die Frage, ob und auf welche Weise man China einen Exportkredit gewahren könne. Eine solche Haltung sieht Tokio als Ein­mischung zugunsten Chinas an und hat das auch an verschiedenen Stellen offen ausgesprochen und bei vielen Gelegenheiten danach gehandelt. Wieder­holt ist versucht worden, auf diplomatischem Wege die vorhandenen Schwierigkeiten zu beseitigen. Er­folgreich sind diese Versuche noch nicht gewesen. Als Außenminister Arita vor noch nicht allzulanger <5eit sein neues Amt antrat, hat er zum erstenmal den Botschaftern in Tokio keine der bislang üblichen Versicherungen abgegeben, wonach Japan an der Politik der offenen Tür festhalten werde, wahrend im gleichen Augenblick die japanische Presse den Neunmächtevertrag von Washington.für lot erklärt. In London hat man das mit peinlicher Heber- raschung vermerkt und ist nach den Andeutungen Lord Plymouths nach wie vor entschlossen, an dem

Nahöstliche Bilanz.

S. K. Kairo, Ende Dezember 1938.

Dieses zu Ende gehende Jahr stand i m Z e i - chen Europas.. Aber die Wolken, die über Europa lasteten, wurden auch im Nahen Osten sichtbar und warfen hier ihre beängstigenden Schat­ten. Unb' es offenbarte sich auch dem Unbefangenen mit erschreckender Deutlichkeit, wie sehr der Nahe Osten, obschon unmittelbar völlig unbeteiligt, in jeden Konflikt der europäischen Mächte verwickelt ist. Das wurde während der Tage der Tschechen^ krise vor allem in Aegypten sichtbar, im Bann­kreis desSuezkanals. Hier vollzog England, dank der Vorrechte, die ihm im ägyptischen Unabhängig- keitsvertrag garantiert sind, eine MobilisierunH, durch die das Land am Nil nicht nur in Verteidi- gungs-, sondern ebensosehr in Angriffsbereitschaft versetzt wurde, während es gleichzeitig möglich wurde, durch eine trommelfeuerartige Propaganda die Aegypter selbst in einen Erregungszustand zu manövrieren, aus ' dein heraus sie aus eigenen Kräften diese Mobilisierung mitmachten. Und das alles geschah trotz wiederholter Versicherungen Roms, daß es nicht an einen Angriff auf Aegypten denke, solange Aegypten nicht eine Haltung ein­nehme, die eine Bedrohung römischer Interessen im Mittelmeer und in Nordafrika darstelle. Diese römischen Erklärungen wurden in den Wind ge­schlagen, obschon es nicht an nachdenklichen Stim­men fehlte, die zur Zurückhaltung mahnten und rieten, den allzuscharfen und -bereitwilligen anglo- phjlen Kurs abzustoppen, um dem Land seine na­türliche Neutralität zu bewahren.

Die Reaktion auf diese politische Haltung Aegyp­tens in den Krisenlagen ist nicht ausgeblieben. Nachdem sich die Wogen der Erregung gelegt haben, hat man in Aegypten erkannt, an welchen Abgrund man das Land durch die Politik der Panik und der voraussetzungslosen Parteinahme für England her­anmanövriert hatte. Das Pendel der Stimmung beginnt nun nach der entgegengesetzten Seite hin auszuschlagen. Das bedeutet nicht Uebergang zu be­tont deutschfreundlicher oder italophiler Stimmung, das bedeutet vielmehr entschiedenen Wil­len zur Neutralität. Damit Hal die ägyp­tische .Politik einen neuen außenpolitischen Kurs eingeschlagen, der darauf ausgeht, Aegypten und damit vermutlich weithin den gefamten Nahen Osten aus Verwicklungen herauszuha.lten, die diese Gebiete n'cht unmittelbar berühren. Die­ser neue Kurs wird in zwei Symptomen sichtbar. Einmal in dem betonten Willen, mit Rom zu

Die Jahreswende im Nahen und Kernen Osten

Die Auslandskorrespondenien des Gießener Anzeigers berichten.

einem italienisch - ägyptischen Nicht­angriffspakt zu kommen, zum andern aber in dem ägyptischerfeits in London geäußerten Wunsch, über Abänderungen des anglo-ägyptischen Allianz­vertrages zu verhandeln. Diese Abänderungsver­handlungen können sich nur im Sinne ein^r Lockerung der ägyptischen Bündnis­verpflichtung vollziehen und zielen von dieser Seite auf die nun als notwendig empfundene Neu­tralisierung des Landes, denn Aegypten soll nicht Korn zwischen Mühlsteinen werden.

Aber die europäischen Verwicklungen wurden kei­neswegs nur in Aegypten gespürt; ebensosehr emp­fand man sie in S y r i e n, wo der französische Ge­neralstab die gleiche Mobilmachung vollzog, wie der englische sie in Aegypten betrieben hatte. Auch hier spürte man die Gefahr, in Interessen fremde Verwick­lungen verstrickt zu werden. Und diese Sorge wird jetzt um so stärker empfunden, als Frankreich für die Entlassung Syriens aus dem Mandatsverhält­nis Bedingungen gestellt hat, die in erster Linie auf eine Stärkung d e r französischen Posi­tion im Nahen Osten zielen und im Ernst­fall für Syrien äußerst gefährlich werden können. Man kann also nicht überrascht sein, wenn sich die syrischen Nationalisten im Kampf um den Unab­hängigkeitsvertrag in erster Linie gegen die so­genannten Militärklauseln wenden wer­den. Und wie in Aegypten, so ist auch hier die poli­tische Etappenfolge schon jetzt gekennzeichnet durch die Stichworte: erst frei von europäischer Bevor­mundung, und dann frei von europäischen Ver­

di. T-s. London, im Dezember 1938.

Um die Jahreswende 1937/38 leitete Japan nach dem Fall Schanghais neue Maßnahmen zur weite­ren militärischen Durchdringung Chinas ein; an der Schwelle zum Jahre 1939 kündigt Tokio Schritte an, die nach einer seit 18 Monaten erfolgreich ge­führten militärischen Aktion dem Fernem Osten durch die Schaffung einerneuen Ordnung" ein neues Gesicht geben sollen. Japan, Mandschukuo und China werden nach dem von Ministerpräsident Fürst K o n o y e entwickelten Plan einen Block bilden,der abgestimmt ist auf gegenseitige Hilfe politischer, wirt­schaftlicher und kultureller Natur". Japan sieht sich zu der Ankündigung dieser Neuordnung in der Lage, nachdem die militärischen Erfolge Platz für eine neue Politik geschaffen haben.

Die Gebiete Chinas, die bis zum Ausbruch der Feindseligkeiten der unterrichteten europäischen Oef- fentlichkeit alsmodernes China" bekannt waren, befinden sich heute in japanischen Händen. Heber allen wichtigen Städten, wie Peking, Tient­sin, Schanghai, Nanking, Hankau, Kanton usw. weht die japanische Flagge. Neun Zehntel des gesamten chinesischen Eisenbahnnetzes stehen unter der Regie Tokios; trotz eines anhaltenden Guerillakrieges wickelt sich der Verkehr regelmäßig ab. China hat nur noch drei (bekannte und offizielle) Verbin­dungen mit der Außenwelt: eine Schmalspur-Eisen­bahn nach Jndochina, eine noch nicht ganz vollendete Sttaße nach Burma und einen in der letzten Zeit auch von Kraftwagen stark benutzten Karawanenweg nach Russisch-Turkestan.

Der Derkehrsvorterl Japans geht weiter aus Der Tatsache hervor, daß alle H ä f e n an ber stufte, angefangen bei Tientsin bis hinunter nach Äanton, ebenso in japanischen Händen sind wie die Küste selber. Etwa 900 Kilometer des Jangtse werden von japanischen Kriegsschiffen kontrolliert, obwohl die Ufersicherung durch das Landheer zwangsläufig noch große Lücken ausweist. Die bereits in den Fluß­zonen errichteten Garnisonen konnten sich trotz der Politik der verbrannten Erde" Tschiangkaischeks halten. Weder der Raum noch die Zeit haben wider Erwarten vieler ausländischer Militärfachleute Ja­pan an der Besetzung und dem Halten all der Schlüsselstellungen hindern können, in denen bisher der Lebensnerv eines Volkes pulsierte, das ein Fünf­tel der Gesamtbevölkerung der Welt stellt.

Tokio vertritt nunmehr die Ansicht, daß alle wich­tigen Teile Chinas unter seinem Schutze stehen, und daß die wesllichen Gebiete, in die Tschiang- kaischek sich zurückgezogen hat, nicht mehr zu dem