Ausgabe 
1.12.1939
 
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15 Gebote für die Verdunkelungszeit.

(Sorgfältige Beachtung bewahrt vor (Schaden.

Ein beleuchtetes Fenster kann einen ganzen Ort in größte Gefahr bringen.

Alle Volksgenossen, die Wert darauf legen, in der Volksgemeinschaft als gute Deutsche zu gelten, handeln während der Verdunkelungszeit nach fol­genden Grundsätzen:

1. Dom Beginn der Dämmerung ab jede Woh­nung und alle Geschäfte sorgfältig verdunkeln.

2. Die Verdunkelung muß sich auch auf die Fen­ster der Speisekammern, Klosett- und Kellerräume erstrecken.

3. In Zimmern ohne Derdunkelungseinrichtung fmter keinen Umständen Licht einschalten.

4. Wer in der Dunkelheit durch das Fenster Um­schau halten will, darf nicht vorher oder während des Hinausschauens das Zimmer beleuchten.

5. Bei Fliegeralarm unter keinen Umständen Licht in den Zimmern einschalten.

6. In den verdunkelten Straßen möglichst ge­ringe Lichtquellen anwenden. Taschenlampen nur dann benützen, wenn deren Licht nach oben gut vbaeblendet ist.

7. Taschenlampenlicht in den dunklen Straßen stets nach unten richten, niemals geradeaus, da fünft entgegenkommende Personen geblendet werden.

8. An den Fahrzeugen vorn und hinten vor­schriftsmäßige Lampen mttführen. Es ist sorgfältig daraus zu achten, daß das Licht der Borderlampen nicht nach oben sttlchlt und auch keinen weithin leuchtenden Schein wirst. Kraftfahrzeuge dürfen in

den Ortschaften nicht mit ausblendetem Licht fahren.

9. Fußgänger stets nur aus der rechten Stra­ßenseite gehen. Nicht mit Stöcken und Schirmen in der Lust herumhantieren, damit andere Personen nicht gefährdet werden.

10. Fahrbahnen sind von Fußgängern möglichst nur an den durch Lampen gekennzeichneten lieber« gütigen und in jedem Falle nur im rechten Winkel zu überqueren.

11. Kinder und Jugendliche gehören vom Beginn der Dämmerung ab nicht mehr auf die Straße, sondern müssen im Hause behalten werden.

12. Bei Fliegeralarm Ruhe und Besonnenheit be­wahren und den Luftschutzkeller aufsuchen. Wer auf der Straße ist, begibt sich in die nächste Deckungs- Möglichkeit.

13. Luftschutzkeller ober Deckungen nicht vor der Entwarnung verlassen.

14. Beim Schießen der Flakartillerie nicht auf die Straßen laufen und neugierig zuschauen, sondern in den Wohnungen bleiben, oder von der Straße weg sofort in Deckung gehen. Wer anders handelt, ist durch Splitter der explodierenden Granaten ge­fährdet.

15. Bei Fliegeralarm und Flakschießen alle Licht­quellen in den Häusern und in den Straßen mit besonderer Sorgfalt vermeiden, um dem Feind keinen Anhaltspunkt für Bombenwürfe zu geben.

Aus der engeren Heimat.

Arbeitstagung des Sängerkreises Ehattia- in Hungen.

* Hungen, 30. Nov. In Anwesenheit der Ab- drdnungen von 14 Vereinen wurde die Herbstoer­sammlung des S ä n g e r k r e i s'e sC h a 11 i a" imDarmstädter Hof" zu Hungen abgehalten. Mit dem Sängergruß und zwei Liedern, vom Chor des Gesangvereins ,Liederkranz" Hunaen unter der Stabführung des Chorleiters W. Lenz gesungen, wurde die Tagung eröffnet. Vereinsführer Kam- beitz vom GesangvereinEintracht" Hungen ent- hot den Sängern herzlichen Willkommgruß.

Nachdem Kreisführer Rinker der durch den Tod abgerufenen Sänger gedacht hatte, gab er hie Parole aus, daß trotz mancher Schwierigkeit roeitergefungen werden solle. Obwohl nahezu die Hälfte der aktiven Sänger unter den Fahnen stehe, müsse die Sängersache hochgehalten und das bewahrt werden, was von den Kameraden an der Front in langen Jahren der Arbeit mit aufgebaut wurde. Die Aufforderung zum ^Beiterfingen wurde von den Dereinsvertretern in bejahendem Sinne ausgenom­men, und die meisten Vereine erklärten sich bereit, die regelmäßigen Gesangsstunden wieder aufzu- Mhmen.

Im weiteren Verlaufe der Versammlung gab Kreischorleiter Stein (Lich) aufschlußreiche Er­läuterungen über das letzte Sängertreffen in Laubach uni) verband damit Anregungen für die weitere Gestaltung des Gesanges in unserer engeren Heimat.

Kreisrechner Wagner (Birklar) erstattete den Kassenbericht. Für seine gewissenhafte Arbeit wurde ßhm alle Anerkennung zuteil.

Herzlich wurde der im Felde stehenden Kamera­den gedacht, denen durch Liebesgaben eine Aufmerk­samkeit erwiesen werden soll. Den Soldaten soll bewußt werden, daß sie von den Kameraden im Verein nicht vergessen sind. Mit zwei Liedern fand die (Sängertagung ihren Abschluß.

kreis Bübingen.

f. Schotten, 30. Nov. Das hiesige Rote Kreuz, weibliche Abteilung, hatte einen Ausbil- dunaskursus durchgeführt, an dem sich 30 weibliche Personen beteiligten. Die Ausbildung geschah unter Leitung des hiesigen Assistenzarztes vom Städttschen Krankenhaus, Dr. W e i s s i g , der die Teilnehme- rinnen in allen Zweigen des Hilfsdienstes und der Krankenpflege unterrichtet hatte. Gestern abend fand die Abschlußprüfung statt, zu der Kreisftauenfchasts-

leiterin Kn auß, Büdingen, DRK.-Hauptführerin Becker und viele andere Gäste erschienen waren. Die Führerin des hiesigen weiblichen RK., Frau dengel, begrüßte alle Erschienenen und sprach dem ausbildenden Arzt besonderen Dank aus. Die Prüfung gab einen Beweis für die gute Ausbil­dung, die Die neuen DRK.-Anwärterinnen während des Kursus erfahren haben. Auch die früher schon ausgebildeten Helferinnen beteiligten sich an der Prüfung. Die DRK.-Hauptführerin Frau Becker richtete alsdann beherzigenswerte Worte an die neuen Anwärterinnen und nahm sie in das Rote Kreuz auf. Die hiesige Abteilung des Roten Kreuzes hat damit eine Stärke von über 50 Mitgliedern^

Schwerer Verkehrsunfall bei Groß-Gerau.

Lpd. Groß-Gerau, 30.Nov. Abends ereig­nete sich in einer durch Unfälle bekanntgewordenen Kurve an der Bahnunterführung Groß-Gerau Dornberg ein neuer schwerer Verkehrs- Unfall. Ein aus Darmstadt kommender Motor­radfahrer mit Beiwagen stieß mit einem aus ent­gegengesetzter Richtung herankommenden Personen­wagen zusammen. Der Motorradfahrer war sofort t o t; der Beiwagenfahrer wurde schwerver­letzt abtransportiert und liegt in bedenklichem Zu­stand im Darmstädter Krankenhaus.

Rundfurrkprogramm

Samstag, 2. Dezember.

6 Uhr: Landvolk, merk' auf! 6.10: Morgengym­nastik. 6.30: Frühkonzert. Es spielt das Rhein- Mainische Landesorchester. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Gymnastik. 9.10: Deutschland Kinderland: Weibnachtswünsche so ober so! 9.30: Frohe Weisen. 10.30: Konzert. Ausführung: Das große Orchester des Reichssenders Frankfurt. 12: Stadt und Land Hand in Hand. 12.10: Mittagskonzert. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 13: Konzert. Das große Or­chester des Reichssenders Frankfurt. 14: Nachrichten. 14.15: Beliebte Melodien. 16: Nachmittagskonzert. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. 17 bis 17.10: Nachrichten. 17.10 bis 17.20: Bühne und Film im Rundfunk. 17.45: Frohsinn zum Wochenende. Dazwischen 18.30: Aus dem Zeit­geschehen. 19.10: Berichte. 20: Nachrichten. 20.15: Übertragung vom Deutschlandsender. Dazwischen 22 bis 22.15: Nachrichten.

SJL-fpont

Letzter Fußball-Länverkamps 1939.

DeutschlandSlowakei in Chemnitz.

Mit einem Ländertreffen gegen die Slowakei be­schließt der deutsche Fußballsport die Reihe seiner internationalen Kämpfe im Kalenderjahr 1939. Un­ser östlicher Nachbar hat seit dem Erlangen der Selbständigkeit schon wiederholt Beweise seiner sportlichen Tüchtigkeit gegeben; mit besonderem Stolz aber weift er auf den 2:0-Sieg feiner Fuß­baller im ersten Länderkampf gegen Deutschland Ende August in Preßburg hin. Äuf deutscher Seite hatte man eine Nachwuchsmannschaft für aus­reichend und stark genug gehalten, die Slowaken zu schlagen, aber die Gastgeber wuchsen in heimi­scher Umgebung über sich selbst hinaus und trugen einen in jeder Hinsicht verdienten Sieg davon.

Es war zu erwarten, daß zum Rückspiel, das nun am kommenden Sonntagnachmittag in Chemnitz ausgetragen wird, von Deutschland eine wesentlich schlagkräftigere Elf aufgeboten würde, um die Preß- burger Schlappe wettzumachen. Zwar find auch diesmal mit dem Berliner Torhüter Jahn, dem Gleiwitzer Verteidiger Kubus und dem Berliner Gießener Schützen im

Der Schützenverein Gießen führte dieser Tage den vom Deutschen Schützenverband ausge­schriebenen Vereins-Femwettkampf durch, und zwar wurden Mannschaften in der aktiven Schützen­klasse für Schützen über 18 Jahre und der Alters- schützenklasse für Schützen über 50 Jahre gestellt. Die Mannschaften schossen in der Gruppe der Städte bis zu 100 000 Einwohnern. Jede Mannschaft be­stand infolgedessen aus lh Schützen. Es wurden verhältnismäßig gute Resultate erzielt. Besonders die Schützen, welche sonst nicht den Kampfmann- fchaften angehören, hielten sich gut. Folgende Ring­zahlen wurden erreicht:

Aktive Schützen, Kleinkaliber (Mi­litärische Anschlagsform, 15 Schuß, je 5 Stück liegend, kniend und stehend-freihändig, Ent­fernung 50 Meter): 1. Heinrich Appel 155 Ringe; 2. Willy Schilling 152 R.; 3. Josef Krumpen 148 R.; 4. Hans Schmal! 147 R.; 5. Karl Mootz 146 R.; 6. Willy Horn 144 R.; 7. Hans Wessels 135 R.; 8. Karl Nonnenbroich 130 R.; 9. Emil Müller 130 R.; 10. Wilhelm Schwinn 130 R.; 11. Heinrich Ruckstuhl 128 R.; 12. Georg Schwan 120 .R.; 13. Wilhelm Bach 113 R.; 14. Emst Wieth 112 R.; 15. Julius Funk 105 R. Gesamt- ringzahl 1995 Ringe.

Außenläufer Goede drei Spieler eingesetzt, die erst, mals in einem offiziellen Länderkampf mitwirken, aber in ihrer Umgebung findet man so bewährte Kräfte wie Lehner, Schön, Conen, Rohde, Kitzinger, Billmann usw., daß man von einer recht starken deutschen Vertretung sprechen darf. Sehr ver­trauenerweckend sieht vor allem die Fünferreihe aus, in die auch der talentierte Fürther Hans Fiederer, der seine internationale Feuertaufe im Kampf gegen Luxemburg erhielt. Eingang gefun­den hat. Wenn sich diese deutsche Elf schnell zu einer Einheit zusammenfindet. Dann werden unsere Gäste ihre Schlagkraft zu spüren bekommen.

In der Slowakei hat man sich auf den Chem­nitzer Kampf recht sorgfältig vorbereitet. 13 Spie­ler wurden einem Sondertraining unterzogen, und zwei Uebungsspiele am Dienstag und Donnerstag fielen zur vollsten Zufriedenheit aus. Auch diesmal werden wieder die Spieler des SK. Bratislava Preßburg den Stamm der Mannschaft bilden.

Vereins-Fernwettkamps.

Aktive Schützen, Wehrmannbüchse (175 Meter Entfernung, je 5 Schuß liegend, kniend und stehend-freihändig): 1. Heinrich Appel 222 Ringe; 2. Karl Mootz 206 R.; 3. Hans Schmal! 204 R.; 4. Hans Wessels 204 R.; Willy Horn 203 R.; 6. Joses Krumpen 202 R.; 7. Wilhelm Schwinn 197 R.; 8. Willy Schilling 185 R.; 9. Fritz Linker 183 R.; 10. Ernst Wieth 178 R.; 11. Karl Nonnen- broich 170 R.; 12. Georg Schwan 168 R.; 13. Hein­rich Ruckstuhl 152 R.; 14. August Trebbe 142 R.; 15. Julius Funk 135 R. Gesamtringzahl 2751 Ringe.

Altersschützen, Scheibenbüchse (175 Meter Entfernung, stehend-aufgelegt): 1. Georg Schilling 239 Ringe; 2. Willy Georg 234 R.; 3. Hermann Sauer 225 R.; 4. Carl Peter 223 R.; 5. Conrad Dreyer 210 R.; 6. Otto Schönau 201 R.; 7. Adolf Möhl 198 R.; 8. Theo Nauheimer 197 R.; 9. Rudolf Weyl 191 R.; 10. Hans Mangelsdorff 191 R.; 11. Wilhelm Scheid 188 R.; 12. Ernst Wag­ner 181 R.; 13. Fritz Klotz 172 R.; 14. Heinrich Beck. 153 R.; 15. Carl Allendörfer 147 R. Ge- samtringzahl 2950 Ringe.

Der errungene Platz innerhalb der betreffenden Gruppe ist erst im Laufe des Dezember zu erfahren.

Wirtschaft.

Mein-Mainische Börse.

Ueberroiegenb fest.

Frankfurt a.M., 30.Nov. In Anbetracht der flüssigen Geldmarktlage setzten sich an der Börse kleine Kurckischaftskäufe fort. Das Geschäft bewegte sich jedoch in engen Grenzen, da einmal wegen des heutigen Ultimos feine stärkere Unternehmungslust bestand und zum andern vielfach der herrschende Materialmangel einen entsprechenden Ausgleich aufhob.

An den Aktienmärkten lauteten die ersten Kurse überwiegend 0,50 bis 1 v. H. höher, einzelne Spezialpapiere zogen darüber hinaus an. Beson­ders fest lagen nach Pause Vereinigte Deutsche Me­tall mit 158,50 (153,50), außerdem stiegen Ilse Ge­nuß auf 153,50 (151), Deutsche Erdöl auf 139,50 (137,75) und Siemens auf etwa 215 (211,25). Von den führenden Werten gewannen Mannesmann 1,13 v. H. auf 107,75, AEG. 1 v. H. auf 118,50, dagegen bröckelten Vereinigte Stahl auf 101,13 (101,50) und IG. Farben auf 159,13 (159,25) ab. Auto- und Maschinenaktien lagen bis 1 v. H./Rhein­metall 1,25 v. H. höher.

Der Rentenmarkt lag ruhig. Nachfrage ver­blieb in Steuergutscheinen und Pfandbriefen. Ge­sucht waren ferner Liquadatianspfandbriefe, die zumeist 0,25 v. H. anstiegen, darüber hinaus nach Pause Nass. Landesbank um 1 v. H. auf 101,75 rat. .Industrie-Obligationen und Stadtanleihen schwank­ten bis 0,25 v. H., während Reichsanleihen wenig verändert waren. Reichsaltbesitz jedoch 0,40 v. H. er­mäßigt auf 136,75, auch Dekosarna I metter nach- gebend auf 140,13 (140,40).

Im Verlaufe herrschte ausgesprochene Geschäfts- stille, und die Kurse lagen etwas uneinheitlich, der feste Grundton blieb aber vorherrschend. IG. Far­ben 0,40 v. H. höher mit 159,50, Bekula plus 0,50 v. H. auf 161, dagegen Stahlverein 101 nach 101,13, AEG. 118,25 nach 118,50. Die später notierten Papiere zogen zumeist 0,50 bis 1,50 v. H. an. Scheideanstalt gewannen 3 v. H. auf 224, MAN. 2 v. H. auf 156, Deutsche Linoleum nach Pause 4 v. H. auf 129. Auch der Einheitsmarkt war über­wiegend fest.

Im Freiverkehr nannte man Dinglerwerke mit 81,50 bis 83,50 (zuletzt 80). Tagesgeld 2,25 (2) v.H.

Roman von Meta Brix

CARL DUNCKER VERLAGBERLIN

16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Sie hatte eine Vision ... da war ein Gerichts- faal ... eine Verhandlung gegen einen Schlaf- rvagendieb Der Mann war ein früherer Filmschau« fpieler ... also ein interessanter Fall. Auch seine damalige Spielpartnerin war verdächtig. Sie sah sich selbst auf der Anklagebank ...

Mit einem wehen Aufschluchzen sank sie auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch. Sie stützte den Kopf tn beide Hände.

Moravitzky bat:Beruhige dich doch, Muschi. Höre mir erst weiter zu."

Was, weiter ...?" sagte Luise. Sie hob ihr Gesicht, es war feucht von Tränen.Sie werden dich natürlich anzeigen!"

Im Gegenteil. Sie wollen ein Geschäft mit mir machen. Eine private Wiedergutmachung ... wie dieser Herr Zaduk sich auszudrücken beliebte."

Luise atmete auf. Vielleicht wurde doch alles gut.

Sie fragte:Und was wollte er?"

Zch soll ihm das Geheimrezept von dem Heit- femfd^n Parfüm .Inkognito' verschaffen. Durch dich!"

Luise schnellte van ihrem Stuhl hach.Und wei­ter wünscht Zaduk nichts?"

Ein heißer Zorn schüttelte sie. Mit ihrer Bei­hilfe! Eine Lumperei sollte der anderen folgen!

Moravitzky nickte zu ihrer Empörung:Dasselbe habe ich Herrn Zaduk auch gefragt: Ob er sonst noch Wünsche habe!"

Er faßte ihren Arm und zog sie dicht an sich. Er zeigte auf das Bild auf ihrem Schreibtisch, seine Stimme war dunkel, bittend:Luise, denke an die Zeit zurück, da wir beide uns da herumgebalgt haben ... zwei übermütige Kinder ..."

Ach", sagte Luise.Beschwöre nur nicht die alten Zeiten heraus! Damit erreichst du bet mir gar nichts! Mein guter Vater würde sich im Grabe umdrehen, wüßte er, was aus mir geworden ift Du hast mir noch immer Unglück gebracht! Du hast mich hineingerissen in dein Leben! Du hast mich zur Mitwisserin eines Diebstahls gemacht, und mm---"

Nun wurde auch er ärgerlich und unbeherrscht.

Besinne dich doch, Luise! Vor uns beiden lag eine glänzende Filmlaufbahn. Du aber gingst auf und davon!"

Luise sah den einstigen Partner an, sehr ernst und sehr hart. Sie sagte:Du verstehst es, dich immer ins rechte Licht zu setzen. Ich habe aber alle deine Absprünge vom geraden Weg sehr gut im Gedächtnis. Immer brauchtest du Geld. Immer hattest du Schulden. Und immer fandest du auch Wege, wieder 3U Geld zu kommen."

Luise ... als Kinder auf dem Gut da ... bei unseren Ritten über die weite Heide ... da haben wir tausend Streiche verübt und uns noch immer wieder rausgefunden!"

Luise hatte jetzt übergenug. Sie fragte:Was also soll jetzt werden?"

Das eben wollte ich mit dir gemeinsam über­legen."

Sehr fteundlich", sagte Luise spöttisch.Aber daran, daß ich wenn diese Leute dich der Po­lizei übergeben dann auch mit hineingezogen werde, daran hast du nicht gedacht! Bin ich erst in einen solchen Prozeß verwickelt, kann ich keine Ansprüche mehr an mein Kind erheben!"

Daran eben habe ich gedacht, Luise!"

Lüge doch nicht! Ich glaube dir nicht!"

Glaube mir nicht. Aber sei endlich vernünftig. Ueberlege mit mir, was wir tun können."

Hast du das Ansinnen denn nicht sofort abge­lehnt?"

Wir mußten doch erst Zeit gewinnen ..."

Ein Zug der alten, leichtfertigen Liederlichkeit flog über sein Gesicht:Glaube mir, Luise, wir kommen auch aus dieser Patsche wieder heraus!"

Die Frau klopfte ungeduldig auf den Tisch. Patsche", wiederholte sie verächtlich.Auch jetzt hast du nichts als leichtfertige Redensarten bei der Hand. Auf dich war noch nie Verlaß. Nach dem Tode deiner Eltern hast du deinen Besitz vertan ... das schöne, große Gut, das der Stolz'einer alten Familie war. Du hast gespielt, betrogen ... und dann hast du gestohlen!"

Moravitzky hob die Schultern:Du hast recht... das alles habe ich mir selbst gesagt. Ich war gestern übend nahe daran, diesem verpfuschten Leben, das du eben so großartig und durchaus wahrheitsgemäß zeichnetest, eine Ende zu machen. Aber ich dachte an dich. Denn ... darauf können wir uns heilig verlassen ... kriegen die Zaduks mich nicht für ihren Plan, so werden sich diese Erpresser an dich halten!"

Und du mußt mich also beschützen!"

Ja.

Daraus erwiderte Luise nichts.

Das Schweigen stand zwischen ihnen.

Luise sprach zuerst. Ihre Stimme klang müde: Du mußt jetzt gehen. Ich will alles durchdenken. Vielleicht läßt sich ein Weg finden ..."

Luise war so blaß und nervös, daß Doktor Mainz besorgt fragte, ob sie krank wäre. Nein, ihr fehlte nichts ...

Aber dann sah sie in den Spiegel und sah ein müdes Gesicht ... müde und blaß ... und das Haar leuchtete um dieses blasse Gesicht schimmernd als je. Sie hatte sich ein paar Tage und Nächte den Kopf um einen Ausweg zergrübelt. Dazwischen hatte sie ihre Arbeit zu erledigen, reichlich Arbeit. Matthias Heitfeld war abgereift. Der Juniorchef steckte beinahe zu jeder Zeit drüben bei Doktor Mainz und arbeitete da wie ein Besessener. Ja, es war immer wieder vorgekommen, daß er bis spät in die Nacht hinein im Labor blieb.

An diesem Morgen hielt ihn Luise fest. Es waren wichtige Fragen zu besprechen. Da war vor allem der Brief von dem Neuyorker Haus.

Tja", meinte Heitfeld.Ich glaube schon, daß sie drüben noch ein oder zwei tüchtige Leute brau­chen. Die müßte man aber eigentlich auch dort fin­den. Ich weiß im Augenblick nicht, wo ich hier ge­eignete Vertreter für Amerika finden sollte."

In Luise fprang ein Gedanke auf. Sie handelte ganz impulsiv:Wenn Sie einen Versuch machen wollten, Herr Doktor ..."

Heitfeld sah auf:Ja ... wissen Sie jemand, der sich für den Verkauf drüben eignet?"

Luise nickte. Sie sagte:Aus der Branche ist er zwar nicht. Aber das war ich ja auch nicht."

Ich hätte Sie auch auf keinen Fall engagiert", lackte der Doktor. ,Zch war sogar Dagegen. Das Haos ich dem Jäckel in Wien damals gleich gesagt."

Oh ..meinte Luise.Das habe ich gar nicht gewußt."

Sie müssen nicht so ein entsetztes Gesicht machen, Frau Domkat. Meinem Vater haben ©ie ja gleich gefallen. Und mich haben Sie inzwischen auch davon überzeugt, daß man lieber keine Vorurteile haben soll."

Vorurteile ...?" fragte Luise. Sie erschrack. Was meinte er denn mit Vorurteilen?

Waldemar Heitfeld fuhr freimütig fort:Natür­lich. Ich hörte doch, Sie waren Filmschauspielerin. Und aus irgendwelchen Gründen, die ja auch wohl heute noch so ziemlich Geheimnis sind, wollten Sie plötzlich die ganze Filmerei sein lassen und tn einen kaufmännischen Beruf gehen. Ich hörte auch entschuldigen Sie, daß ich ganz offen btn> daß Sie geschieden warenNa, Hand auss Herz,

Frau Domkat ... so ein Philister von Kaufmann überlegt dann doch erst mal."

Er reichte ihr herzlich Die Hand herüber:Nichts für ungut. Ich bin inzwischen gänzlich bekehrt. Jetzt geben wir Sie auch gar nicht mehr her, Frau Domtat!"

Ein Lächeln glitt über Das blasse Gesicht brühen. Luise sagte:Für einen Philister habe ich Sie mm nicht gehalten!"

Er hielt noch ihre Hand:Nicht ...?"

Er hielt mit seinem Mick die braunen Augen fest. Diese Augen ... das Haar über Der blassen Stirn ... mein Gott, diese Frau war gefährlich schön...

Er gab ihre nun schon widerstrebende Hand frei und sagte:Also erzählen Sie mal von Ihrem Be­kannten, Den Sie empfehlen wollen. Was ist er denn? Etwa auch Filmschauspieler?"

Ja", sagte Luise.Und ein Windhund. Nun schreibt er an einem Filmmanuskript. Ob er Damit Erfolg hat ... es ist fraglich. Aber er ist ein sehr gewandter Mensch. Ich könnte mir denken, baß er als Verkäufer gute Erfolge erzielen müßte. Die englische Sprache beherrscht er vollkommen. Ebenso natürlch Französisch. Und auch Portugiesisch und ^Spanisch, falls er nach Südamerika müßte/

Sie geben gute Empfehlungen, Frau Domkat. Also gut . .*. lassen Sie Ihren Bekannten Herkom­men. Wie heißt er Denn?"

Franz von Moravitzky."

Heitfeld machte ein verdutztes Gesicht. Er stand auf und blieb vor Luise stehen.Da fällt mir etwas ein ... Sagen Sie, sind Sie etwa Die »Muschtt...?"

Luise Domkat sah Den Doktor sprachlos an, so maß­los erstaunt, daß er lachen mußte.Sie können das ruhig zugeben", redete er ihr zu.Ihr habt doch wohl beim Film alle solche Spitznamen^ Hören Sie zu: ich habe damals vor Jahren in Wien eine .Lustige Nacht der Künstlett mitgemacht. Und sah dort einen Mann, der mich interessierte. Und meine Begleiterin damals ... übrigens eine entzückende kleine Tänzerin ... erzählte mir, daß der Betref­fende ein Filmschauspieler wäre und ausnahms­weise ohne feine Filmpartnerin eben Diese »Muschfl auf Dem Fest sei."

Ja", sagte Luise,Franz von Moravitzky war bei einigen Filmen mein Partner."

Na sehen Sie ... es stimmt also! Komisch, die­ser Zufall. Recht von Jynen, Frau Domkat, daß Sie einem alten Kameraden helfen wollen. Sagen Sie also Dem Herrn, Daß er hier vorbei kommt. Dann werden wir wettersehen."

Fortsetzung folgte