heimzuhallen, als besagter Steuerzahler ja bis zum heutigen Tage, d. h. nach drei Monaten Kriegsführung buchstäblich noch nicht weiß, für welchen Kriogszweck er denn eigentlich Gut und Blut hergeben soll.
Das wird auch gerade in dem genannten Artikel des .Lour" auf eine sehr anschauliche Weise versinnbildlicht. Der betreffende Leitartikel über die Kriegskosten der Entente und über die ungünstigen Wirkung der Heimatstimmung auf die Front in Frankreich ist ein wahres Zeilenstaket. Nach jeweils 1 bis 2 Sätzen heißt es jedesmal in einer Zensurlücke, soundsoviel Zeilen feien von einem der 650 Pariser Zensoren gestrichen worden. Der Leser, der diese Hinoernisbahn von Zensurlücken mit Hilfe der stehengebliebenen Sätze mühsam durchstolpert, wird also auf diese törichte Zensurmanier darüber belehrt, daß er nach Ansicht der maßgeblichen Stellen nichts Wesentliches erfahren darf. Nur der Ausdruck „barer UnsiNn" für die Gesamtheit der französischen Regierungspropaganda ist durchgeschlüpst. Mit so genasführten Völkern will die Entente einen Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland gewinnen!
Oaladier fordert „materielle Garantien" 189 Stimmen in der Kammer
gegen den Ministerpräsidenten.
B r ü s f e l, 30. Noo. (DNB.) In der französischen Kammer wurde von D a l a d i e r und im Senat von Chautemps eine Regierungserklärung abgegeben, in der die Einsatzbereitschaft der französischen Armee und das unverbrüchliche Bündnis mit England gefeiert wurden. Den angeblichen Greueln in Polen — wobei indes nicht an die unmenschlichen Massenmorde von Bromberg gedacht wurde — wurde breiter Raum gegeben, offenbar um die Kriegsbegeisterung zu fchüren. Als Kriegsgrund wurde außerdem angegeben die Notwendigkeit, Frankreichs Sicherheit und Freiheit vor einem Deutschland zu verteidigen, das Frankreich in Wirklichkeit nie bedroht hat. Zum Schluß kündigte Da- lädier an, daß Frankreich nach einem siegreichen Kriege die Forderung „materieller Garantien" stellen würde, von denen jeder weih, daß sie Versailles bedeuten würden.
Nach der Regierungserklärung unterbrach die Kammer ihre Sitzung bis gegen 21 Uhr. Nach Wiederzusammentritt stimmte sie in Gegenwart sämtlicher Minister über den Gegenentwurf des Vor- sitzenden des Finanzausschusses ab. Ein rechtsgerichteter Abgeordneter erläuterte diesen dahin, daß die Kammer der Regierung die verlangten außerordentlichen Vollmachten gewähren, aber nicht von ihren Rechten ab treten wolle. Ministerpräsident Daladier lehnte den Antrag des Finanzausschusses ab und stellte die Vertrauensfrage. Daraufhin zog der Vorsitzende des Finanzausschusses seinen Antrag in seinem persönlichen Namen zurück, „um nicht die Existenz der Regierung in dieser tragischen Zeit aufs Spiel zu setzen". Da der Antrag aber weiter- hin vom Finanzausschuß unterstützt wurde, kam es zur Abstimmung, wobei der Gegenvorschlag des Finanzausschusses auf Abänderung des Ge- setzes über die Organisation der Nation in Kriegs- zeiten mit 309 gegen 189 Stimmen ab gelehnt wurde.
Achtens Ernährungsvorforge.
Flandrische Leinenbauern sollen Weizen säen.
Brüssel, 30. November. (Eurgpapreß.) Eine Delegation der belgischen Leinenbauern bat den Landwirtschaftsminister im Bezirk der Leinen- kulturen Aenderungen in dem staatlichen Plan der Feldbestellungen emtreten zu lassen. Mit Beginn des Krieges war in Belgien rin Gesetz erlassen wor- den, das unter dem Motto: „Der Bauer ist dem Staat für seine Ernte verantwortlich" den Landwirten vorschreibt, was sie im kommenden Jahr für Feldfrüchte anzubauen haben. Hierdurch soll eine größere Ernte von Getreide erreicht und die ernährungswirtschaftliche Unabhängigkeit Belgiens vergrößert werden. Die flandrischen Leinen- bauern, die das feinste Linnen in Europa anbauen, wollen jedoch nicht auf ihren Leinenfeldern künftighin Weizen säen. ____________________
Scharfe Kritik an der Kriegführung Gamveriams
Melancholie und Verdrießlichkeit über ganz England.
Amsterdam, 30. Nov. (DNB.) In beiden Häusern des britischen Parlaments war die Regierung Chamberlain Gegenstand lebhafter Kritik. Im Oberhaus kritisierte Lord Addison (Labour Party) verschiedene Kriegsmaßnahmen. Die Beschlagnahme von Hotels und Schulen habe schwere Härten mit sich gebracht, obwohl man diese Frage bereits im Jahre 1936 erwogen habe. Die idustrielle Kapazität werde noch nicht für die Kriegsproduktion ausgenutzt. Die Methoden des Munitionsministers seien unbefriedigend. Der Liberale Lord R e a betonte, daß die Aufrechter- haltung des Außenhandels für den britischen Erfolg von lebenswichtiger Bedeutung sei. Unverzüglich sollte man all die Kontrollen, die sich nicht als notwendig erwiesen hätten, abmildern oder abschaffen. Man brauche Mittel zur Wiederherstellung des Vertrauens in den Kreisen des Handels, wo dieses Vertrauen so tief erschüttert sei, daß man zögere, neue Verpflichtungen einzugehen. Auch der Konservative Lord Brockit bestätigte, daß den Hotelbesitzern Unrecht geschehen sei und daß der Exporthandel schwer leide. Die Regierung sollte alle ihre Energie darauf verwenden, den anderthalb Millionen Arbeitslosen wieder Arbeit zu verschaffen statt Kriegsmaterial in großem Umfange aus dem Auslande zu beziehen.
Auch im Unterhaus wurde die Regierung scharf kritisiert. Der Labour-Abgeordnete Hall erklärte, niemand könne leugnen, daß es auch wichtig fei, die Moral des Volkes aufrechtzuerhalten. Falls die Regierung die häuslichen Probleme nicht kraftvoll ansasfe, könnte die Nation Unruhen als Folge der steiaenden Preise, der niedrigen Löhne der Industriearbeiter, der unzureichenden Pensionen, der Arbeitslosigkeit und der unzureichenden Fami- l'.enunterstützungen für Soldatenfamilien erleben. Während der letzten drei Monate habe die Regierung die rückhaltlose Unterstützung der Opposition, der Gewerkschaften, der Arbeiter und der Schichten gehabt. Bisher sei diese Unterstützung aber ohne Gegenleistung geblieben. Jetzt ersuche man die Regierung, ihre Sympathien nicht nur in Worten, sondern auch in Taten zu zeigen und sofort zu handeln. Wenn das Parlament in diesen Fragen nicht schnell handele, dann könne es auch nicht überrascht sein, wenn Kräfte außerhalb des Parlaments eingriffen. — Dann erklärte der Labourabgeordnete Buchanan, daß die Behandlung der Alterspensionäre eine Schande sei. Der nationale Labourabgeordnete Davis forderte Beweise für mehr Entschlußkraft, Energie und Voraussicht. lieber das ganze Land scheine sich eine Art von Melancholie und Langeweile zu breiten. Das Feuer sei zweifellos vorhanden, aber niemand sei da, der es zu einer hohen Flamme entfache. England beschränke sich zu sehr auf die Defensive. Man könne einen Krieg nicht bei ständiger verdrießlicher Stimmung führen. Das Land fordere Energie nicht nur in den Ministerien, sondern auch in den Fabriken und auf den Aeckern.
Riesige Kapitalverluste Englands im Ausland.
Der Wert der britischen Investierungen im Ausland um 81% gesunken.
Amsterdam, 30. Nov. (DNB.) Der britische Bankier Sir William Clare Lees äußerte sich in einer Ansprache an das Manchester Institute of Bankers zu der Frage der britischen Kapitalanlagen in Uebersee. Die erstaunlichste Tatsache, die sich aus den Ziffern über die britischen Investierungen in Uebersee ergeben, sei die gewaltige Entwertung in den Bonds fremder Regierungen und fremder Eisenbahnen. Nominell belaufe sich die britische Investierung in ausländischen Bonds auf 10 715 000 000 Pfund. Sie seien aber nach den Marktausweisen Ende März d.I. nur mehr 487 Millionen wert. Bei den ausländischen Eisenbahnen habe England ursprünglich 639 Millionen Pfund investiert gehabt, doch betrage der Wert dieser Anteilscheine nach den Ziffern des letzten März lediglich noch 132 Millionen Pfund. Somit habe England in seinen überseeischen Investierungen insgesamt einen Wert
verlust von 8 1,5 v. H. erlitten. Selbst der Wert der Geldanlagen imbritischenEmpireseium 128 Millionen Pfund zurückgegangen. Diese Ziffern stellten ein trauriges Bild dar, die britischen Geldgeber hätten viel Geld verloren. Man dürfe bei diesen Zahlen auch nicht übersehen, daß sich in allen Ländern die starke Neigung bemerkbar mache, wirtschaftlich selbständig zu werden, Industrien zu entwickeln und diejenigen Waren zu produzieren, die früher aus England bezogen worden seien. Dadurch würden die britischen Exporte immer mehr beschränkt.
Piratenkreuzer kapert jugoslawisches Schiff.
Belgrad, 1. Dez. (DNB.) Der San* „Lovtfche n" der jugoslawischen Schiffahrtsgesellschaft Zeteka-Plovidba, welcher einen regelmäßigen Schiffsverkehr zwischen Jugoslawien und Rumänien durchführt, wurde an der griechischen Küste von einem englischenKriegs schiff aufgebracht und nach dem Kriegshafen La Valette auf Malta beordert, wo seine Ladung untersucht werden soll. Wie der 21 gramer ,Hrvatski Dnennik" meldet, wurde den jugoslawischen Seeleuten nur erlaubt, eine persönliche Mitteilung über ihr angeblich gutes Befinden an ihre Angehörigen zu schicken. In Belgrad erwartet man mit Spannung, ob Jugoslawien diesen neuesten völkerrechtswidrigen Eingriff Englands in seine Hoheitsrechte stillschweigend wie die früheren hinnimm t, ober ob es diesmal wenigstens einen offiziellen Protest gegen den britischen Seeräuberstaat wagt.
Oie „Geschäfte" Lord Lloyds in Agram.
Belgrad, 30.Nov. (DNB.) Der britische „Geschäftsreisende" Lord Lloyd hat in Agram ein umfangreiches Besuchsprogramm abgewickelt und sich dabei auch gehörig auf Festessen und in den Zeitungen als „intereffanter und interessierter britischer Kulturträger" feiern lassen. Der Agramer Erzbischof und der Oberrabbiner sowie die Präsidenten der Messe und Börse erschienen zu diesen Veranstaltungen, bei welchen auch die Vertreter der kroatischen Bauernpartei nicht fehlten. Der erst kürzlich aus der teilweise in London verbrachten Emigration heimgekehrte Generalsekretär dieser Partei, Krnjewitsch, schleppte Lord Lloyd noch am Montag gegen 22.30 Uhr zum Parteiführer und stellvertretenden Ministerpräsidenten Dr. Matschet, dec gerade nach Belgrad ad- reisen wollte. Der Vizepräsident der Kroatischen Bauernpartei, K o s ch u t i s ch , erklärte dem Aara- mer Mitarbeiter des DNB., daß mit Lord Lloyd über politische und wirtschaftliche Fragen überhaupt nicht gesprochen worden sei. Dientag nacht reifte Lord Lloyd weiter.
LoSgeriffene englische SperrballonS gefährden neutrale Länder.
Amsterdam, 30. November. (DNB.) Eine große Anzahl holländischer Ortschaften ist durch einen englischen Sperrballon in Gefahr gebracht worden, der sich infolge der Mangelhaftigkeit der englischen Stahl kabel losgerissen hatte und mit einer Schnelligkeit von 70 Kilometerstunden nach Holland hineintrieb. Diese treibenden englischen Sperrballons werden für die neutralen Staaten eine eben so große Gefahr wie die losgerissenen und hochexplosiv bleibenden englischen Minen. Der über Holland treibende englische Sperrballon vernichtete in zahlreichen Orten die elektrischen Lichtleitungen, die Antennen und die Fernsprechleitungen, so daß nicht nur schwere Störungen im Telephonverkehr und in der Elektrizitätsversorgung auftraten, sondern sich auch verschiedentlich gefährliche Kurzschlüsse ereigneten. Schließlich zerstörte der dahintreibende englische Sperrballon auch noch die Oberleitung der Eisenbahnlinie Hertogenbosch—Uttecht, so daß der Zugverkehr längere Zeit unterbrochen war.
9ht4 dem netten „Kladderadatschs
Die Londoner KriegSmnstkanten
Sie pluiokraiischen Demokratien.
Plutos war der Gott des Reichtums bei den alten Griechen. Unter einer Plutokrcttie versteht man also eine Gesellschaftsform, in der der Gott des Reichtums oder — nüchterner gesprochen — dasGroß- kapital das Zepter führt. Nun ist die Herrschaft des Großkapitals in voller Nacktheit niemals eine sehr einladende Sache. Also legen sich die Plutokra- tien oft äußere Herrschaftsformen zu, welche die Herrschaft des Großkapitals verhüllen. Dieses Bestreben ist besonders dort vorhanden, wo das Groß- kapital als Finanz- oder Börsenkapital drastisch in Erscheinung tritt, also der Uebergang zum reinen Raubkapitalismus an sich offenbar wäre, wenn nicht gewisse Kulissen gestellt würden. Gerade die Eng- länder, Franzosen und Amerikaner haben in der Demokratie Möglichkeiten solcher Kulissenschiebunaen entdeckt, wobei ihnen die soziale Zersetzung Des Volkskörpers und die entsprechenden politischen Entartungserscheinungen wesentlich halsen. Mussolini hat dann den Ausdruck von den Pluto-Demokratien geprägt, womit er Staaten bezeichnet, in denen jeder echte Volkstumseinfluß geschwunden ist und parlamentarische oder pressemäßige (Einrichtungen nur den Zweck der Tarnung des Finanzkapitals haben.
Mliens elektrische Eisenbahnen, die längsten in Europa.
Die Leistungen des faschistischen Regimes beim Aufbau der wirtschaftlichen Autarkie Jtcttiens springen besonders deuttich in die Augen, wenn man die Elektrifizierung des kohlenarmen Landes betrachtet. Italien ist heute das Land mit der größten Kilometer länge elektrischer Eisenbahnen in Europa. Ja, in der ganzen Welt wird es in dieser Beziehung mir von den Vereinigten Staaten Nordamerikas übertroffen. Noch 1922 hatte Italien nur 700 Kilometer elektrifiziert, heute sind es 7000 Kilometer von den etwa 13 000 aller italienischen Bahnen. Vom Brenner bis zur Südspitze des italienischen Festlandes kann man ununterbrochen elektrisch fahren mit einer Durchschnittsgeschwin- digkeit von 100 Stundenkilometer.
Dabei beanspruchen die Eisenbahnen nur 10 v. H. der zur Verfügung stehenden elektrischen Kraft. Weitere 10 v. H. erfordert die Beleuchtung und volle 80 v. H. bilden die Kraftquellen der Industrie. In Italien sind besonders elektrische Schmelz- Öfen und elektri sche Walzwerke stark vertreten. Die elektrische Kraft, die in Italien aus „weißer Kohle", also aus Wasserkraft, gewonnen
Mm im Zoo.
Von Marie Tomas.
„Hansi, warum erzählen Sie uns heute nichts?" rief das Perlhuhn und trippelte vor seinem Käfiggitter auf und ab.
„Ja, man genießt gar nicht den Ruhetag, von Besuchern verschont zu bleiben, wenn sie nicht Neuigkeiten bringen", pflichtete die Turteltaube bei und gurrte aufmunternb.
Hansi kratzte sich mit lässiger Eleganz am Kopfe, blinzelte nach dem Löwen, der in einem etwas entfernteren Käsig hindöste, zog das Maul breit, und hierauf sagte der Schimpanse mit behaglichem Grinsen: ,Hch weiß schon etwas. Mein Wärter hat es mir vertraut. Er erzählt mir ja alle seine Geheimnisse, sogar seine ©eitenfprünge gesteht er mir. Er nimmt offenbar an, daß ich für diese Art Sprünge ein besonderes Verständnis besitze."
„Ist er wieder gesprungen?^ rief die Turteltaube erregt.
„Aber nein", beruhigte sie Hansi. „Das würde ich Ihnen auch nicht auf den Schnabel binden. Es ist etwas ganz andres, das er mir mitteilte."
„So reden Sie doch endlich!" rief das Perlhuhn und sprang vor Neugierde an dem Gitter hinauf und hinunter.
„Also", fagte Hansi und turnte sich an den Stangen seines Käfigs höher hinauf, um auch im weiteren Umkreis gehört zu werden, „wir werden heute gefilmt."
„Gefilmt!" schrien Perlhuhn und Turteltaube gemeinsam.
Dadurch schreckte der Löwe aus seinem Brüten auf. „Ruhe!" brüllte er.
Aber die beiden schrien wieder: „Mr werden gefilmt, gefilmt!"
„Ich nicht", donnerte der Löwe. „Lassen Sie sich ihr Ungeziefer ab klauben, mir kommt feiner in die Nähe."
Perlhuhn und Turteltaube sahen sich entsetzt an. Das Perlhuhn begann sich unwillkürlich mit dem rechten Fuß zu kratzen. „Ich weiß nicht, was filmen ist, aber so viele Läuse habe ich nicht, daß ich gleich gefilmt werden muß", stammelte es.
Hansi lachte dröhnend. „Saladin, alter Wüsten- lituser, Sie haben sich unsterblich blamiert!" rief er dem Löwen zu. ,Hch wurde schon mehrmals gefilmt, allein die Flöhe sind mir geblieben.
Das Perlhuhn atmete auf und stellte das Kratzen ein.
„Beim Filmen", begann Hansi, „geschieht einem weiter nichts. Ein Apparat wird vor einem auf« gestellt. Ein Mann schreit herum, findet alles und alle bis auf sich selber vertrottelt. Wenn er das eine geraume Weile getan hat, brüllt er: Aufnahme! Dann ist er , endlich still, und ein andrer orgelt an einem Hebel des Apparats. Sobald der andere zu drehen einhält, beginnt er das Geschrei neuerdings aber dann hört ihm niemand mehr zu."
„Ist er lauter als Saladin?" fragte die Turteltaube ängstlich.
„Er wird rascher heiser", ttöstete sie Hansi. „Das Schönste kommt erst, wenn man sich selber auf einem Stück Leinwand sieht. Da gibt es nämlich einen andern Apparat, aus dem wird man von dem Filmstreifen auf die Leinwand geworfen."
„Uns kann nichts geschehen. Wenn man uns wirft, fliegen wir einfach fort", rief das Perlhuhn.
Hansi lachte aus vollem Halse. „Man wirst ja nur Ihr Bild", erklärte er.
Perlhuhn und Turteltaube sahen sich verständnislos an. „Warum will man denn unser Bild auf die Leinwand werfen?" fragte die Turteltaube nun.
„Man wünscht einem weiten Kkeife die Eigenart unserer Nahrungsaufnahme zu vermitteln", sprach Hansi.
„Beim Fressen wollen sie einem zuschauen?" brüllte der Löwe.
„So ungefähr", bestätigte Hansis
„Mein Gott, ich speise gewiß "sehr zierlich, aber bei harten Körnern habe ich mitunter Schwierigkeiten", sagte das Perlhuhn. „Wenn man das sieht!"
„Kann ich nicht küssen, statt essen? Darin bin ich viel gewandter", meinte die Turteltaube.
„Ausgeschlossen. Ihre realistische Art, $u küssen, taugt nicht für den Film. Sie wirkte anstößig. Dort küßt man nur mit angestrichenen Schnäbeln, ohne sich zu berühren", erwiderte der Schimpanse und fuhr plötzlich zusammen.
Die Hyäne hatte schneidend gelacht. Ihre boshaften Augen schielten tückisch nach ihm.
Hansi ercholte sich rasch. „Sie werden der Star in unferm Ensemble fein", rief er ihr zu. „Sie haben alle Merkmale eines solchen: die ständig gefletschten Zähne, die Magerkeit und die schleichenden Bewegungen. Sie sind der geborene Vamp."
„Finden Sie?" kreischte die Hyäne. „Daß ich ein Vamp bin, wußte ich zwar noch nicht, aber jetzt werde ich mich danach benehmen."
„Um Gottes willen!" schrie das Perlhuhn entsetzt. „Was wird sie tun?"
„Nichts, sie weiß doch gar nicht, was ein Vamp ist", beruhigte Hansi.
„Das wird ja kolossal", ließ sich nun eine brummige Stimme vernehmen, und der braune Bär warf den Knochen, den er liebevoll benagt, in eine Ecke feines Käfigs. „Glauben Sie, kriegt man doppelte Porttonen, damit man den Leuten ordentlich vorfressen kann? Melleicht ein ganzes Schaf?" erkundigte er sich und schnalzte mit der Zunge.
„Das bezweifle ich", antwortete Hansi. „Man hält mehr von der Anmut des Esiens, als vom Essen selbst."
„Na, das höre ich gern!" brummte der Braune.
Da mischte sich ein Spatz ins Gespräch. Er hatte, auf einem Kastanienbaum sitzend, alles vernommen. „Sie, Hansi", sagte er keck. „Wie wäre es, wenn ich die Nachtigall verständigte, daß sie sich während der Filmerei sehen und hören läßt?"
„Tun Sie ihr das nicht an!" rief Hansi. „Wenn die auf eine Großaufnahme kommt, ist sie erledigt. Sie singt schon so lange und so schön, daß man sie nicht mehr ansehen kann. Nachtigallen soll man einzig hören. Für die ist das Grammophon erfunden worden und nicht der Film."
Der Spatz lachte vergnügt. „Das muß ich ihr gleich sagen; es wird sie interessieren, daß man für sie eigens eine Erfindung machte", schloß er boshaft und flog fort.
Jetzt begann es im Tierpark laut zu werden.
„Saladin, brüllen Sie Nicht so schrecklich", bat die Turteltaube angstvoll.
„Ich habe den Rachen gar nicht aufgemacht", brüllte der Löwe sie an.
„Dort, der war es", schrie das Perlhuhn und blickte entsetzensvoll auf eine Schar Männer, die eben vor dem Käfig der Hyäne yaltmachten.
Der Wärter warf der Gestreiften ein Stück Fleisch vor. „Aufnahme!" tönte es. Die Hyäne fletschte die Zähne, und bann begann sie gierig das Fletsch zu zerfetzen.
Wenige Minuten spater stand der Mann mit dem Kasten schon vor dem Löwen. Saladin erhielt ein Mahl. Seine Pranke zerrte es von der Stange in den Käfig. „Aufnahme!" scholl es wieder. Fauchend sah Saladin die Fremden an. Und da er sie nicht zerreißen konnte, stillte er diese Sehnsucht an dem Fleischstück.
Und nun hielt der Apparat vor dem Perlhuhn. Eine Handvoll Korner flog in seinen Käfig. „Lauter harte", stöhnte das Perlhuhn verzweifelt und begann zierttch die Körner aufzupicken, ohne sie zu schlucken. „Aufnahme!" wurde befohlen. Das Perlhuhn war dem Ersttcken nahe, es brachte die harten Körner nicht durch den Schlund.
Da trug man den Apparat bereits vor die Turteltaube. Während das Perlhuhn die Korner wieder herauswürgte, rief die Turteltaube aufgeregt nach ihrem Tauber, der im Schlage schlief: „Küssen , gurrte sie. Allein schon flogen die Körner vor sie und sie horte das schreckliche Wort „Aufnahme! In ihrer Verzweiflung fraß sie mit verbissener Gier.
Und nun standen die Leute vor dem Käfig des braunen Bären. Eine Drange wurde ihm zugeworfen. „Bloß ein Leckerbissen", brummte er, schlürfte aber dennoch genießerisch den süßen Saft, ohne sich weiter um das„Auf nähme!" zu kümmern.
Hansi kam als letzter daran. Allein keiner der andern Käfiginsasfen beachtete ihn.
„Es war furchtbar", sagte das Perlhuhn schaudernd.
„Ich konnte nicht küssen", klagte die Turteltaube.
„Eine Drange gab man mir statt eines Schafes. Als ob unferemer Rohköstler wäre!" schimpfte der Bär.
„Einen Bisten, groß genug für einen hohlen Zahn, reichte man mir", brüllte der Lowe gereizt.
„Ich war ganz Vamp, ich fühlte es!" rief die Hyäne zufrieden.
Hansi, von dessen Käfig sich die Leute entfernt hatten, lachte.
„Was gab man Ihnen?" erkundigte sich das Perlhuhn neugierig bei dem Schimpansen.
„Vne Banane." _ . „
„Das muffen verkrachte Südfrüchtehandler sein » meinte der Bär wütend.
„Aber ist gab ihnen etwas bani", fagte HaiA
„Wie? Sie gaben ihnen noch etwas dazu? brüllte Saladin empört.
„Ja, ich gab ihnen ein Spiegelbild ihrer utt Ich aß tne Banane, wie sie es tun. Damit habe ich uns alle an ihnen gerächt", schloß Hansi. ,Mer kann man sie mehr lächerlich machen, als daß ein Affe sich wie sie selber benimmt?"
„Bravo, Hansi!" schrie der Bär. „Sie taten das Klügste. Und jetzt halten nAr endlich Siesta, wenn mir auch nichts zu verdauen haben."


