Symbole des geeinten deutschen Volkes.
Schwerter und Dolche Ausdruck unserer Verbundenheit mit -er Front.
Jagd und Fischerei im November.
für seinen Freiheitstarnpf angetreten ift. Wenn wir alle am Samstag und Sonntag die Schwerter und Dolche tragen, dann bringen wir zum Ausdruck, wie stark wir uns mit unseren Kameraden an der Front verbunden fühlen. Durch unser Opfer stärken wir aber auch die Innere Front und damit den Rücken unserer Wehrmacht. Vergesse auch kein Volksgenosse im Gau Hessen-Nassau, zu den Schwertern und Dolchen, die er für. sich erwirbt, noch ein Abzeichen für einen Soldaten an der Front zu kaufen!
An der Herstellung der Millionen von Abzeichen für die zweite Reichsstraßensammlung war auch unser Gau in besonderem Maße beteiligt. In Hanau wurden achteinhalb Millionen Schwerter und Dolche geprägt und die Halbedelsteine eingesetzt. Dielen Volksgenossen wurde dadurch lange Zeit Arbeit gegeben. Die Schmucksteinchen stammen wieder aus Jdar-Oberstein, das insgesamt 23 Millionen Steinchen lieferte, von denen neun Millionen echte und daher wertvolle Edelsteine sind.
den. Die Schütten für Fasanen und Rebhühner sollen schon regelmäßig zur Gewöhnung des Wildes bespickt werden, denn durch Schneefälle kann unerwartet Notzeit eintreten.
In der Fischwaid ist die Sporttätigkeit noch immer sehr vielseitig. Karpfen, Schleien und Brachsen gehen aber nur an schönen und noch warmen Tagen ans Eisen. Rotauge, Barsche und Rotfedern haben sich in wärmere Tiefen zurückgezogen, dagegen gelingt es in diesem Monat, einen oder den andern starken Hecht an den Spinnköder zu be- kommen. Aitel und Nerflinge greifen — wie mir den Fischwaidberichten des „Deutschen Jägers", München, entnehmen — selbst bei stärkster Kälte zum Wurmköder. Mit Spinnködern ist auch noch der Schied zu erbeuten, und in manchem Wasser ist der Zander leichter zu fangen als im Hochsommer.
Aus der Stadl Gießen.
November.
Von allen Monaten des Jahres trägt der November den schwermütiasten Charakter. Zwar sind die Tage noch nicht so kurz und dunkel wie im Dezember, die Kälte noch nicht so empfindlich wie im Januar, aber weder der Dezember, der ganz im Zeichen von Advent und Weihnachten steht, noch der frosttlingende Januar haben eine so trübe Grunostimmung wie der „Nebelmond" mit feinen grau in grau dahinschleichenden Tagen, in denen die letzten freudigen Herbstfarben erlöschen, die schwarzen, kahlen Aeste im Regen schwanken und der Frühling hoffnungslos fern zu fein scheint. In diesem Jahr, in dem uns die Dunkelheit viel spürbarer wird als früher und wir auch sonst manche ungewohnte Einschränkungen hinnehmen müssen, liegt der Gedanke an den beginnenden Winter, der uns im November zu Bewußtsein kommt, besonders lastend auf uns, und wir müssen uns schon auf das Tröstliche und Erfreuliche besinnen, das auch dieser Monat uns zu bieten hat, um uns Nicht von der Schwere überwältigen zu lassen.
Die Feiertage des November freilich tragen der ernsten Grundstimmung des ganzen Monats Rechnung. Allerseelen, Bußtag, Totensonntag — alles Tage der Rückschau, des feierlichen Gedenkens und der Selbstbesinnung. Aber grade sie weisen uns darauf hin, was diese Jahreszeit uns zu sagen hat: es ist eine Zeit, in der alles Aeußere ab fällt, in der Die Kraft nicht in äußerer Entfaltung sichtbar wird, sondern nur still im Innern wirkt, so wie der Saft in den Bäumen sich in die inneren Zellen zurückzieht, um hier die Keime für den nächsten Frühling zu bereiten. Das gibt den Blick ins Innere, aber auch ins Jenseitige, auf Tod und Ewig- feit frei, und durch keine Zeit raunen so viele Geisterstimmen wie durch den November. Unsere germanischen Vorfahren glaubten in den wilden, stürmischen Herbstnächten Wodan mit dem Geisterheer durch die Lüfte reiten zu hören, und Erinnerungen an den alten mythischen Glauben haben sich noch bis in manche unserer heutigen Novemberbräuche erhalten. In manchen Gebirgsgegenden z. B. hält das Landvolk hartnäckig an der Vorstellung des Vvrüberziehens der Geister in der Allerseelennacht fest, an chrer Einkehr in den Häusern, und die Bäuerin läßt es sich Nicht nehmen, ein Allerseelenlicht für sie ins Fenster zu stellen, oder in der Nacht im Ofen ein tüchtiges Feuer zu machen, damit die armen Seelen sich wärmen können.
Auch in den Gestalten der beiden volkstümlichsten Heiligen des Novembeer, St. Leonhard und St. Martin, wirken gewisse Anklänge an uralte mythische Vorstellungen nach. St. Leonhard, der Schutzpatron des Viehes und der Pferde, genießt vor ollem in Bayern Verehrung, und im „Leonhardi- ritt", der am 6. November alljährlich in Tölz und anderen Gebirgsdörfern gehalten wird, haben wir einen der ältesten und ehrwürdigsten bäuerlichen Festzüge. Ein Gegenstück dazu ist der Martinstag,' der hauptsächlich am Rhein gefeiert wird und in neuerer Zeit m erster Linie ein Fest der Kinder geworden ist, die mit Laternen und Gesang durch die Straßen ziehen. Früher war der Martinstag, der 11. November, also eine Zeit, zu der die landwirtschaftlichen Arbeiten draußen ihren Abschluß gefunden haben und winterliche Ruhe eintritt, ein wichtiger Termin im bäuewichen Leben, Zichtag für das Gesinde und Fälligkeitstermin für Pacht und Zins. Das Einzige, was wir heute noch davon wissen, ist die „Martinsgans", denn da die Pacht' häufig in Form von Geflügel zu zahlen war, so hängt der Brauch, am Martinstag Gänsebraten zu essen, wahrscheinlich damit zusammen. Der Brauch ist schon im frühen Mittelalter urkundlich belegt, uich die Legende, nach der die Gänse den hl. Martin durch ihr Geschnatter verraten haben sollen, als er sich aus Bescheidenheit bei seiner Wahl zum Bischof
NSG. Wieder werden am Wochenende in allen Straßen und Gäßchen und auf den Plätzen der Dörfer und Städte des Gaues Hessen-Nassau die roten Opferbüchsen klappern. Und wieder wird sich die Bevölkerung zu einer geschlossenen Opfergemeinschaft zusammenfinden. Diesmal sammeln die Kampfformationen der Partei, die SA., ff, das NSKK. und das NS.-Fliegerkorps am Samstag und Sonntag anläßlich der 2. Reichsstraßensammlung für das Kriegs-Winterhilfswerk. Diese kampferprobten Männer, deren Einsatz in den Kriegszeiten noch mehr als bisher dem Vaterland gilt, bürgen für den Sieg der Sammelschlacht.
Acht verschiedene Nachbildungen von Schwertern und Dolchen aus Funden germanischer Kriegergräber, geschmückt mit einem Halbedelstein aus dem Hunsrück, werden sie zum Kaufe anbieten. In diesen Abzeichen liegt ein besonderes Sinnbild. Waren die Schwerter und Dolche, die das WHW.-Abzeichen des Dritten Kriegsmonats darstellen, früher Abzeichen des freien germanischen Mannes, so sind sie heute Symbole des geeinten deutschen Volkes, das
Im November beginnt die Zeit der herbstlichen Waldtreibjagden. Hasen, Kaninchen, Fasanen, aber auch Füchse und die Waldschnepfe zieren die Strecke. Um Mitte des Monats fängt der Fuchsbalg an, „weißlederig", also vollwertig zu werden. Der Damhirsch geht in die Brunft. Im Hochgebirge kommt im letzten Monatsdrittel die Gamsbrunft in Gang und bringt dem Gebirgsjäger die höchsten waidmännifchen Freuden im Jagdjahre. Der Abschuß des weiblichen Schalenwildes soll nach genauestem Anfpvechen nur auf der Pirsch od^r auf dem Ansitz vorgenommen werden. Das Schwarzwild ist im November feist und es lohnt sich darum gerade jetzt der Abschuß. Die hegerifche Tätigkeit soll in diesem Monat schon in den Vordergrund treten. Nach der gerade gegenwärtig so wichtigen Ernte dürfen die Vorsorgen für die Zukunft unserer Wildgattungen nicht außer acht gelassen wer-
im Gänsestall versteckte, ist sicher eine spätere Erklärung. Vorchristliche Vorstellungen, die wiederum deutlich auf Wodans Geisterheer Hinweisen, werden wach bei einem Brauch, der noch heute in man- chen Tiroler Dörfern lebendig ist, in dem sogenannten „Martinsgestampfe". Wenn die Almen im Herbst vom Vieh verlassen sind, so zieht nach dem Volksglauben ein großer schwarzer Mann mit seiner schwarzen Herde in die Sennhütten und treibt hier seine gespenstische Almwirtschaft, in her Tiar’ tinsnacht aber zieht er mit ungeheurem Getöse zu Tal. Wehe jedem, der ihm begegnet! Dieser unheimliche Zug nun wird in den Dörfern am Martinstag sinnbildlich aufgeführt, indem Bauernburschen, als zottige Riefen und andere Masken vermummt, das Vieh lärmend durch das Dorf sagen.
Schließlich muß noch des letzten Novembertages gedacht werden, des Andreastages. Die Andreas- nacht, die zur Adventszeit hinüberleitet, ist eine richtige Orakel- und Zaube-rnacht. Was man in. dieser Nacht träumt, soll in Erfüllung gehen, die Mädchen blicken um Mitternacht zwischen zwei Lichtern angstvoll und hoffend in den Spiegel, in denen ihnen das Bild ihres zukünftigen Eheliebsten erscheinen soll, sie werfen ihre Pantoffeln hinter sich, deren Fall ihnen anzeigt, ob sie im kommenden Jahr heiraten werden oder nach warten müssen. Aber auch, ob jemand und wer in diesem Jahr im Haufe sterben werde, Krankheit und UnMcks-
sälls sollen Träume und Orakel in dieser Nacht verkünden. Als der letzten Nacht des Kirchenjahres haftet der Andreasnacht etwas vom Zauber der Silvesternacht an. C. K.
Vornotizen
Tageskalender für Mittwoch:
Stadtheater: 19.30 bis 22 Uhr: „La Traviata". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Leinen aus Irland." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Fasching".
Stadttheater Gießen.
Heute abend wird die Neueinstudierung von „La Traviata", Oper von Verdi, wiederholt. Die musikalische Leitung hat Heinz Markwardt, die Spielleitung Bernhard Schmitz. Das Bühnenbild stammt von Karl Löffler. Die Chöre sind geleitet von Richard Boeck, die Tänze von Thea Maaß. 5. Vorstellung der Mittwoch-Miete. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr.
Ehrung verdienter Beamter.
Der Führer hat dem Justizsekretär Heinrich Metzger in L a u b a ch für 40jährige treue Dienste das Treudienstehrenzeichen in Gold verliehen. Das silberne Treudienstehrenzeichen für über 25jährige Dienste erhielten der Justizwachtmeister Karl D e - prö in Gießen und der Oberwachtmeister Ernst
W o r r e t in Butzbach. Die Ehrenzeichen wurden den Beamten im Auftrage des Oberlandesgerichtspräsidenten und des Generalstaatsanwalts durch die zuständigen Behördenleiter in feierlicher Form überreicht.
Ermähigung der Höchstpreise für die Abgabe von zerwirktem Wild.
Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — (Stelle für die Preisbildung) hat eine mit sofortiger Wirkung in Kraft tretende Verordnung erlassen, wonach sich bei der Abgabe von Wild und Wildgeflügel in zerwirktem Zustande unmittelbar an den Verbraucher durch den Jäger, Jagdberechtiqte und Forstbehörden die durch die Bekanntmachung vom 21. Dezember 1937 festgesetzten Verbrauche ^Höchstpreise (Kleinhanüelshöchst- preife) um 15 v. H. ermäßigen. Bruchteile von Pfennigen, die sich bei dem Abschlag ergeben, dürfen von V- Rpf. ab nach oben auf volle Pfennige aufgerundet werden. Wer diese Preise überschreitet, wird bestraft.
Aenderung in der Feldpostanschrift.
Angabe der Postsammelstelle fällt fort.
Mit dem 1. November 1939 fällt in der Feld« Postanschrift die Angabe einer PostsammelsteHe grundsätzlich fort. Die Anschrift enthält demnach nur noch Dienstgrad, Dor- und Zuname und Feldpostnummer.
Beispiel: „An den Soldaten (Gefreiten, Leutnant usw.) Fritz Schmidt, Feldpostnummer 13 875" (diese Nummer ist nur ein Beispiel).
Die bisherigen Feldpostnummern bleiben weiterhin bestehen, soweit nicht durch den betreffenden Soldaten die Aenderung seiner Feldpostnummer mitgeteilt wird.
Einzahlungen auf Postsparbücher durchFeldzahlkarten.
Soldaten im Felde können jetzt mit Feldzahl- karte auch Einzahlungen auf Postsparbücher machen. Feldzahlkarten werden von den Feldpostämtern unentgeltlich abgegeben. Es können sowohl Einzahlungen auf das eigene Postsparbuch, als auch auf Postsparbücher von Angehörigen geleistet werden. Wie die Feldzahlkarte auszufüllen ist, ist auf der Rückseite angegeben. Nach der Gutschrift des eingezahtten Betrages auf dem Postsparkonto übersendet das PostsparkaffenanU in Wien dem Inhaber des Postsparbuches eine Gutschriftan- Weisung. Der Betrag der Gutschriftanweisung wird von jedem Postamt, in Ausnahmefällen auch vom Feldpostamt in dem Postsparbuch eingetragen. Um die Eintragungen im Postsparbuch zu beschleunigen, empfiehlt es sich, als Empfänger der Gutschriftanweisung möglichst einen Angehörigen in der Heimat anzugeben, der das Postsparbuch, auf das die Einzahlung geleistet worden ist, im Besitz hat.
Willst Du zur Polizei?
Auf Befehl des Führers stellt die Schutzpolizei infolge der ihr in Polen neu gestellten Aufgabeneinmalig eine größere Anzahl von ungedienten Wehrpflichtigen der Geburtsjahrgänge 1909 bis 1912 und eine beschränkte Anzahl aus den Geburtsjahrgängen 1918 vis 1920 ein. Die Dienstzeit bei der Schutzpolizei wird nach Maßgabe besonderer Bestimmungen auf die Wehrdienstzeit angerechnet.
Bedingungen für die Einstellung: Volle ff» und Polizeitauglichkeit, Mindestgröße 170 cm (in Ausnahmefällen 168 cm), einwandfreie Lebensführung. Auf das Lebensalter wird bei der Besoldung Rücksicht genommen. Merkblätter, die alles weitere enthalten, sind bei der nächsten Dienststelle der Schutzpolizei ober der Gendarmerie, sowie bei jeder ff» Dienststelle erhältlich, wo auch jede Auskunft erteilt wird. Die Einstellungsgesuche können unter
mal
der
(Nachdruck verboten.)
30. Fortsetzung.
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mir das da droben nicht peinlich war", beginnt Friedrich schüchtern.
Nikotine, aus ihrem Sichversinnen aufgescheucht, erwidert:
SleMMöerMöe
Roman Don Walther klvepfer WglMl 6y Carl Duntfcr Verlag / Berlin w 62
„Sie dürfen das nicht so schwer nehmen, Frau- lein Ferber. Sie tun ja gerade, als würde es Sie betreffen. Darf ich Ihnen einen Platz in meinem Wägelchen anbieten? Das Postauto geht erst am Abend zurück. Ich habe zwar nur einen Gaul, aber das ist immer noch besser als zu Fuß gehen. Kommen Sie, Sie zittern ja wie ein Lämmer- schwänzchen." Er nimmt seiner Liesel die Decke ab und faltet sie ordentlich zusammen. Er hilft Nikoline beim Aufsteigen und sagt hüh. Dann vergeht eine halbe Stunde wortlos, und jedes ist in sich gesperrt. iWenn Friedrich mit der Peitsche schnalzt, verfallt ! der alte Gaul in ein bißchen Trab. Das Knallen
Friedrich stellen. Zu warten hat keinen Zweck. Wie die Dinge fliegen, kann ich es nicht verantworten, Herrn Friedlich noch länger hinzuhalten. Ich bin gezwungen, die Versteigerung am — heute ist der fünfzehnte —, sagen wir am 20. Juni ausschreiben zu lassen. Diesen Entscheid erhalten die Parteien noch schriftlich zugestellt. Guten Tag, meine Herrschaften."
Pas ist das Ende, denkt Nikoline bestürzt. Das bedeutet für Severin den Zusammenbruch, die Vernichtung, das Ende ganz einfach! Diese Ausschreibung ist genau so viel wie die Versteigerung selber. Kredittötung, Schande, Abwürgen der nackten Existenz! Jede Möglichkeit, das Krankenhaus zu einem annehmbaren Preis loszuschlagen, hört damit auf. Das Vermögen Severins fliegt in alle Winde, und was wird mit den Kindern fein? Gerade an die Kinder muh sie sehr stark denken in dieser gottverlassenen Minute. Sie macht eine hilflose Bewegung mit der linken Hand, die an das Aufstiegen eines lahmgeschossenen Vogels gemahnt, um ihren Mund ist ein törichter, nicht verstehender Zug eingegraben, und sie stammelt mit einer ihr fremden, zittrigen Stimme:
„Aber, das kann doch nicht sein, das geht doch nicht, Herr Notar..."
Eberlein vollführt eine entschuldigende Geste. Sapperlot, haben der seine Worte zugesetzt, wie wenn es um ihr eigenes Geld ginge.
„Ich kann nicht anders, Fräulein Ferber; kein Notar an meiner Stelle könnte anders, das müssen Sie einsehen. Guten Tag!" Er geht mtt raschen Schritten zum Aktenschrank, damit er dieses verstörte Gesicht nicht mehr anblicken muß.
Nikoline steht mit Friedrich plötzlich auf der Straße.
„Drei Inserate! Und alle erfolglos? Dann ist ja wohl nicht anzunehmen, daß das vierte bessere Chancen hat", sagt Notar Eberlein. „Hat Ihr Chef noch anderweitige Einnahmequellen?"
„Sie meinen außer der Praxis? Nein, Herr Notar. Ich bin nur davon unterrichtet, daß er jetzt eine gut elmgeführte Münchener Praxis übernehmen könnte, wenn ihm das nötige Kapital zur Verfügung stünde."
„Es steht aflfo, präzise ausgedrückt, mit ihm zur Zeit so, daß er die dreitausend Mark nicht beschaffen kann?"
Nikoline schweigt. Sie hat tagelang auf Severins Anruf gewatet; denn er wollte sie ja verftän- diaen, sobald er das Geld aufgetrieben hat. Sie hat sich Nicht aus dem Haus getraut, um diesen so wichtigen Anruf nicht zu versäumen; aber immer klingelten andere Leute.
„Nun?"
„Ich glaube nicht, daß er das Geld momentan zur Stelle schaffen kann, Herr Notar", sagt sie zögernd.
„Wie stellen Sie sich zu Ratenzahlungen, Herr Friedrich?" fragt Eberlein und trommelt mit dem Blei stiftende auf den Schreibtisch.
„Ratenzahlungen? Der? Das halte ich für aussichtslos, Herr Notar; der Mann hat mir die ganze Zeit über auch nicht eine einzige Abschlagszahlung geleistet. Er redet sich auf fäuniigtf Patienten hinaus; ich möchte bloß wissen, was mi( seinen Kasseneinnahmen ist."
„Das kann ich Ihnen schon sagen, Herr Friedrich. Die gehen für die laufenden Ausgaben drauf", erklärte Nikotine, die ihre Position immer schwächer
„Weil er ein anständiger Mensch ist! Anständige Kerle sind so selten im Leben, Herr Friedrich. Und weil es mir wehe tut, wenn ich mitansehen muß, wie er immer tiefer und tiefer hineingetunkt wird, anstatt daß man ihm Gelegenheit gibt, sich wieder hochzurappeln. Es geht vorwärts im Land, das kann niemand leugnen. Auch mit Efchelbrunn wird es aufwärts gehen, wenn wir an der Reihe sind. Geduld haben ist alles, Herr Friedrich."
„Ich meine, ich höre den Konsul reden. Es soll mich freuen, wenn Sie recht haben, Fräulein Ferber. Anzeichen sind bei uns allerdings noch wenig da. Von der Wasserleitung schwätzen sie schon seit Jähren; aber es geschieht nichts. Und mit dem Moor ist das auch so eine Sache. Es werden Eingaben gemacht, aber es rührt sich nichts. Wann kommen wir dran? Warum kriegen immer die anderen Geld?"
Eine Viertelstunde später, als man schon die ersten Häuser von Efchelbrunn sieht, sagt Friedrich zögernd:
„Sie haben wohl eine sehr schlechte Meinung von mir, Fräulein Ferber?"
,Zch? Meso? Gar nicht. Nur Ihr Standpunkt gegenüber Severin paßt mir nicht. Im übriaen halte ich Sie für einen ehrenhaften und ordentlichen Menschen."
Er faßt sich ein Herz und plaudert weiter: „Mit Ihnen geht es wir ganz merkwürdig. Ich bringe Sie einfach nicht aus dem Kopf, Fräulein Nikoline. Damals, Sie wissen schon, habe ich eine Wut auf Sie gehabt, das stimmt. Aber die ist längst verflogen, und nun denke ich wieder gern an Sie. Manchmal träume ich sogar von Ihnen."
„Das ist ja viel Ehre", lächelt Nikoline.
„Wollen Sie nicht doch meine Frau werden? Ich komme nicht los von Ihnen, das ist ganz arg mit mir. Jeden Wunsch würde ich Ihnen erfüllen."
„Jeden Wunsch? Ist das nicht ein wenig übertrieben?"
,Zch kann mit den Worten nicht so umgehen. Aber was ich sage, daraus können Sie sich verlassen, Fräulein Nikotine. Ich weiß, daß an mir nicht viel dran ist, aber ich bin in Sie halt nun einmal verschossen ..."
„Wir reden schönen Unsinn zusammen, wir zwei. Dielen Dank für die Fahrt, Herr Friedrich, ich bin jetzt da. Kann ich gleich hier aussteigen, ich möchte noch zu Schlosser Pütz. Unsere Dachrinne ist schon wieder undicht. Es war sehr nett von Ihnen, .mich mttzunehmen", verabschiedet sich Nikotine hastig.
(Fortsetzung folgt.)
„Was Sie Leichtsinn nennen, Herr Friedrich, ist Gutherzigkeit. Er kann fremdes Leid nicht lchen. Er hat fünfhundert Mark für Sie hergerichtet gehabt, dann ist der Höfling zu ihm gekommen, dem die zwei Kühe umgestanden sind — man darf zu keinem Menschen gut sein, Herr Friedrich. Man muß es wie Sie machen, nur bann kommt man vorwärts im Leben", sagt sie bitter.
„Das soll heißen, ich bin hart. Jetzt hm Sie mir unrecht, Fräulein Ferber."
„Sie haben sich mit dieser Versteigerung selbst hineingeritten, Sie werden sehen. Dieser Steinkasten rentiert sich doch höchstens als Krankenbausbetrieb! Wer soll denn steigern? Die Eschelbrunner nicht, das fang ich Ihnen schon jetzt sagen."
„Wieder ein Arzt, sehr einfach.
„So, ein Arzt? Da sind Sie aber gewaltig auf dem Holzweg. Für die Praxis mag die Gemeinde wieder einen finden, das gebe ich zu; aber wer sagt Ihnen, daß dieser Arzt auch operiert wie Se- oerin und so viel Geld für ein Spital anlegen kann? Ich habe meine Erfahrungen bereits gesammelt, lieber Herr Friedrich. Ich sehe es kommen. Sie werden am Schluß dasitzen mit Ihrem Krankenhaus und können ein Hopfenmagazin daraus machen. Ob sich Ihr Kapital damit verzinst, über- lasse ich Ihrer Beurteilung", sagt Nikotine zornig.
„Abwarten", erwidert er gleichgültig, aber zu innerft nagen Bedenken an ihm. Was die Ferber da vorbringt, hat Hand und Fuß. Teufel nochmal, das ist eine Helle. Wie ein Advokat ist sie. Die kann einem richtig Angst machen.
„Doktor Severin ist ein Idealist. Er hat euch das Spital hingeftellt, weil es sein muhte, und hat sein ganzes Geld hineingehängt. Ob aber sein Nachfolger gesonnen ist, sich diese Last aufHupacken, wollen wir abwarten, wie Sie ganz richtig bemerft haben."
„Warum legen Sie sich für diesen Herrn eigentlich so sehr ins Zeug?" _______________________
werden fühlt.
Das Rededuell zwischen den beiden Parteien pen- delt noch eine Zeitlang hin und her, und Notar Eberlein zeichnet inzwischen ein Blumenbukett auf i xvenn yrieuna) nm u«i ycuiw den vor ihm liegenden Bogen Kanzleipapier. Dann.der alte Gaul in ein bißchen Trab. Das Knallen macht er einen abschließenden Strich und steht auf. | und das Hufgeklapper sind die einzigen Geräusche Es ist jetzt genug geredet, meine Herrschaften, auf der Landstraße, nachdem sie die Stadt un unb ich bin vollkommen im Bilde. Fräulein Ferber, Rücken haben.
ich muß mich leider auf den Standpunkt des Herrn | „Sie dürfen nicht glauben, Fraulem Ferber, daß
„Hätte nicht sein müssen. Sie hätten bloß ein wenig zu warten brauchen..."
„Ich bin Geschäftsmann, Fräulein Ferber. Ich muß auf meine Zinsen sehen. Ich kann nun diese verdammte Schlamperei nicht leiden, mit sich gewisse Leute das Leben leicht machen. Ich will ?chrem Doktor nichts wegtun, aber ein leichtsinniges Huhn ist er. Sagen Sie selbst!"


