Lahre, nachdem die Schülerinnen durch (Erwerbung hauswirtschaftlicher Kenntnisse und durch Borschulung in Kindergärten und Heimen usw. die nötige Grundlage für die Fachausbildung erhalten haben.
Als Vorschule für einen sozialen Frauenberuf kann für unsere jungen Mädchen auch die Zeit als Haushalthelferin der N SD. angesehen werden. Die Haushalthelferinnen werden als stets hilfsbereite Kräfte eingefetzt, wenn eine Frau und Mutter der Unterstützung bedarf; wenn sie plötzlich erkrankt oder vor der Niederkunst steht, wenn sie in der Zeit des Wochenbettes schonungsbedürftig ist oder xur Erholuna und Heilung verschickt wird. Die Haushalthelserin der NSV. muß über gründliche hauswirtschaftliche Kenntnisse und Erfahrungen in der Kinder- und Säuglingsbetreuung verfügen. Auch sie muß vertraut sein mit den Grundsätzen, die für das Hausfrau- und Muttersein im neuen Reich Bedeutung haben. Dor dem Einsatz in den Familien werden die Haushalthelferinnen von der NSV. in Zusammenarbeit mit dem Mütterdienst gefchult. Dm neuen Reich als Frau in einem sozialen Beruf in schaffender Arbeit stehen heißt, die naturgegebenen Anlagen entwickeln und ihre Kräfte steigern; heißt, das Glück genießen, Helferin zu sein im Ringen um eine blühende deutsche Zukunft.
Jetzt machen wir Quitten ein.
Diele Hausfrauen wissen noch nicht so reckt, was sie mH der Quitte ansangen sollen, wahrscheinlich, weil sie eine der wenigen Fruchte ist, die man niemals roh genießen kann. Deshalb ist es um so notwendiger, auf den großen Wert der so vielseitig zu verwendenden Frucht yinzuweisen, um unsere Vorratskammern mit ihren Erzeugnissen ansüllen zu können. Die Quitte muß immer gekocht werden, weil das rohe Fleisch zwar köstlich duftet, aber ungenießbar hart ist. Man kocht daher die Frucht in Wasser. Der Säst wird zu dem schon eher bekannten Quittengelee verarbeitet, während das weiche Fruchtfleisch zu Mameladen, zu Pasten oder Süßigkeiten Verwendung findet. Man kann allerdings auch Saft und Schnitze zum Kompott nehmen, das uns aber heute nicht so wefenttich erscheint, als der Brotaufstrich.
Die weichgekochte Quitte hat einen sehr starken Dust und Wohlgeschmack, ist aber nicht süß. Wir stellen daher die Quitte mit solchem Obst zusammen, das diesen kleinen Mangel aufwiegt, damit wir nicht allzu viel Zucker brauchen. Nun fällt die Reifezeit der Quitte m die Zeit, in der auch die Birnen reifen. Da nun Liese Fruchtsorte die Eigentümlich- feit aufweist, sehr schnell zu reifen, so daß ein größerer Vorrat an Birnen — vielleicht aus dem eigenen Garten — in wenigen Tagen eigentlich gegessen werden müßte, so ist anzuraten, solche Birnen mit Quitten zusammen zur Marmelade zu nehmen: die Birne gibt ihre Süße, die Quitte den starken Dust und Geschmack. Wir bekommen also eine große Menge wohlschmeckendster Marmelade, zu der wir in dem Maße weniger Zucker brauchen, als wir Birnen zusetzen. Man kocht die geschalten Birnen weich und mischt sie mit den ebenfalls für sich weichgekochten Quitten und kocht alles zusammen zu einer Marmelade.
Nun noch einige Hinweise, wie man beim Kochen der Quitte recht rationell vorgeht: In den Schalen Und in den Schichten um das Kernhaus herum befindet sich bei der Quitte das meiste an Stoffen, die das Gelieren Hervorrufen. Es macht aber sehr viel Mühe, die weich gekochten Quitten dann durch ein Haarsieb zu streichen, so daß es viel ratsamer ist, die Früchte erst zu schälen und das Kernhaus herauszuschneiden. Allerdings wäre es ganz falsch, diese Teile ungenutzt zu lassen, im Gegenteil, wegen des Reichstums an Gelierstoffen kochen wir Schalen und Kerngehäuse erst gut in nicht zu viel Wasser aus, seihen die Flüssigkeit ab und kochen dann die geschälten Schnitze in diesem schon stark aromatischen und an Gelierstoffen reichen Wasser. Dann haben wir die Möglichkeit, die weichgekochten Schnitze einfach durch die Fleischmaschine zu geben, und ersparen uns die Mühe, die Masse durch das Haarsieb zu streichen. Wer die Masse sehr fein haben möchte, kann sie auch zweimal durch die Maschine drehen. Der sehr reiche und starke Saft wird schnell ein gutes Gelee geben, und wir brauchen auch nicht so viel Zucker, sondern es genügt, auf 1 Kilo Saft 750 Gramm Zucker zu nehmen. W.
„Mcrwmzeln" aus der Erde.
Von M. A. v. LüLgendorff.
Im zweitältesten deutschen Kochbuch, dem handgeschriebenen, aus dem 15. Jahrhundert stammenden „Tegernseer Kochbüchlein", steht das Rezept einer „Ruebensuppen", die aus „bairisch rueben" gekocht, und über gebähtem hellem Brot angerichtet wurde sowie auch die Anweisung, „ruebenkraut" süß oder sauer zuzubereiten. Aber die Rüben spielten in der kräftigen deutschen Hausmannskost schon viel früher eine bedeutsame Rolle, namentlich vor der Einführung der Kartoffel.- Wie von einer einzigen, zusammengehörigen Familie stammend, wird im Sprachbrauch Rübe genannt, was wie eine Rübe aussieht; genau genommen, sind aber die gelben mtt den roten Rüben botanisch überhaupt nicht verwandt, ebensowenig wie die massige Runkelrübe mit dem zierlichen Teltower Rübchen. Wem seine Rüben schmecken, der kümmert sich freilich nicht um solche Fragen. Und wem schmecken sie nicht?
Da sind einmal die gelben Rüben, ange- angen von der zarten Karotte bis zur handelten gelbroten Möhre, alle mit dem würzigen, üßaromatischen Geschmack und alle aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken. Ihre Kultur reicht denn auch so weit zurück, daß schon der römische Kaiser Tiberius die „Zuckerwurzeln" ständig aus Germanien bezog. Mohrrüben sind ihres reichen Vitamingehaltes wegen auch zu einer beliebten Rohkost geworden und roh verzehrt, eines der wirksamsten Vorbeugungsmittel gegen die Zahnfäule.
Dann kommen die feinen weißenSpeise- r ü b e n sowie die echten und rechten Feinschmeckerrüben, die Te ltower, die besonders gut im märkischen Sand reifen und gedünstet in weißer Soße ein Gericht sind, das seinesgleichen sucht. Weiße Rüben lassen sich übrigens auch mit Kartoffeln zu einem gut schmeckenden Kraftessen zusammenkochen, sind aber ebenso schmackhaft süß und braungedünstet oder mit Essig gewürzt wie saueres Gemüse. Während der Befreiungskriege wurde die weiße Rübe in gedörrter Form in Bayern zu Mehl vermahlen, worauf auch der Berliner Magistrat daran ging, ein Rübenbrot Herstellen zu lassen, zu dessen Einführung es aber dann doc^ nicht kam, denn ttotz ihrer nutzbringenden Verwendbarkeit, als Brotfrucht eignet sich die Rübe denn doch nicht. Ein
sehr annehmbarer Ersatz für diesen „Verlust" ist, daß sich weiße Rüben, fein geschnitten ober gehobelt und mit Salz und Kümmel bestreut, wie Sauerkraut einstoßen lassen und als Rübenkraut einen ebenso wohlschmeckenden als nährstoffreichen Dauer- oorrat für den Winter liefern. Unter dem Namen „Rübenkraut" wird auch etwas anderes hergestellt, was gleichfalls nicht zu verachten ist: eingedickt, ähnlich wie das bekannte rheinische Apfelkraut, geb^n zuckerreiche Rüben einen vorzüglichen Brotaufstrich.
Einen breiten Platz nehmen die roten Rüden ober Beten ein, beren dunkelrotes Fleisch sich für alle möglichen Zubereitungsarbeiten verwenden läßt, fei es, daß man die Rübe als pikant-erfrischen- den Salat anrichtet oder zu einer dicken Suppe verkocht, wie sie in Rußland sehr beliebt ist. Man kann sie sogar — backen, bas heißt, im Bratrohr ober auch in heißer Asche weich werden lassen, eine Zubereitung, die den Geschmack der Rüben sehr verfeinert. Rote Rüben können auch Obst sparen helfen, insofern nämlich, als Rübenmus ein sehr zweckdienliches Streckmittel für Fruchtmus ist und fast jeder Obstsorte beigefügt werden kann, also Aepfeln oder Preißelbeeren so gut wie Stachelbeeren oder Aprikosen. Auch Tomatenmus läßt sich mit Rotrüben- mus „verheiraten". Allerdings muß das Rübenmus für sich gekocht werden, ehe man es mit einer Fruchtmarmelade vermischt, schon deshalb, weil man bann das Ganze besser abschmecken kann. Wenn die Rüben geputzt werden, ist darauf zu achten, daß ihre Oberhaut nicht angeschnitten wird, da sonst der nahrhafte Saft schon während des Kochens aus- fließt. ,
Neben der gewaltigen volkswirtschafllichen Bedeutung, die der Futterrübe und der aus der Runkelrübe herausn»züchteten Zuckerrübe zukommt, fallen die Speise' en freilich nicht ins Gewicht, wenn ihre Anbaufläche auf deutschem Boden auch ungefähr 6000 bis 8000 Hektar umfaßt. Zuckerrüben bringt Deutschland nämlich bis zu 17 Millionen Tonnen hervor, und zwar mit einem Zuckergehalt, der von etwa 7 v. H. im Jahre 1850 heute bis auf mehr als 20 v. H. gestiegen ist und Futterrüben in einer Menge, die im großdeutfchen Reich 40 Millionen Tonnen überfteigen.
Oie Seeschlacht bei Coronel.
3urErinnerung an denSiegdesKrenzergeschwadersGrafSpee aml.11.1914
Beim Ausbruch des Weltkrieges befand sich das Ost asiatische Kreuzergeschwader des Admirals Graf Spee unweit der Carolinen- Jnseln im Stillen Ozean. Diese Tatsache verursachte den Engländern größte Besorgnis, mußten sie doch damit rechnen, daß Gras Spee nach dem Atlantischen Ozean durchbrechen würde, der — wie später der britische Marinefachmann John Irving zugegeben hat — „einem unbesiegten deutschen Geschwader ein unermeßliches Tätigkeitsfeld geboten hätte".
Diesem Durchbruchsversuch des Grasen Spee sollte sich der englische Admiral Cradock, dessen Verband bei Pernambuco versammelt war, entgegenstellen. Am 27. Oktober 1914 erreichte Cradock die chilenische Reede Valenar an der Westküste Südamerikas, von wo aus er begann, den deutschen Gegner aufzuspüren. Durch Funksprüche erhielt Graf Spee, der im Begriff stand, seine Kohlenvor- räte zu ergänzen, Nachricht von der Anwesenheit Cradocks. Sofort trifft Graf Spee alle Vorbereitungen, um seinerseits den Gegner zu stellen. So kommt während der gegenseitigen Suche der Sonntag des 1. November 1914 heran, der für die „meer- beherrschende" Flotte Englands eine entscheidende Wendung bringen sollte.
Gegen vier Uhr nachmittags erhalten die beiden Gegner, deren Geschwader aus je zwei großen und zwei kleinen Kreuzern bestehen, die erste lose Fühlung. Aus deutscher Seite stehen die Kreuzer „Scharnhorst", „Gneiseirau", „Leipzig" und „Dresden", auf der englischen Seite die Kreuzer „Good Hope", „Monmoitth", „Glasgow" und „Otranto"
zum Angriff bereit. Doch noch kommt es zu feiner Kampfhandlung. Graf Spee will den Sonnenuntergang abwarten, damit sich die englischen Kreuzer Kbcn hellen Abendhimmel besser abheben und rutschen Schiffe weniger gute Ziele bieten.
Um 6 Uhr 34 Minuten nachmittags, als die Sonne endlich untergangen ist, eröffnet Gras Spee das Feuer. Zwei Minuten später schießen auch die Engländer. Das Wetter ist für ein Seetressen keineswegs günstig. Es herrscht eine sehr starke Dünung und hoch branden die Wasserwogen über die eisernen Leiber der Schifte, die mit qualmender Rauchfahne bas Meer durchpflügen. Nach altem Brauch wehen über den deutschen Schissen die Topp sahnen.
Trotz des starken Schlingerns und ttotz der großen Entfernung ist das Flaggschiff „Scharnhorst" bald eingeschossen. Drei Salven genügen, um fortab die schwersten Treffer auf dem englischen Flag- schiff „Good Hope" zu erzielen. Ebenso zielsicher schießt „Dresden" auf „Monmouth", „Leipzigs auf „Glasgow" und „Dresden" auf „Otranto". Um das Wirkungsschießen zu erleichtern, geht Gras Spee auf 12 Seemeilen Fahrt herunter. Und nun wird das englische Geschwader von seinem Schicksal ereilt! Vierzig Treffer zerstören die „Good Hope". Aehnlich geht es der „Monmouth", Brände lodern ■auf. Geschütztürme stürzen ein. Explosionen lassen die Lust erMern. Die Kreuzer „Glasgow" und „Otranto" werden ebenfalls schwer getroffen und beschädigt. Es gelingt ihnen aber, zu entfliehen. Um 7 Uhr 23 Mnuten sinkt die „Godd Hope" und
mtt ihr Admiral Cradock in die Fluten des Meeres. Die inzwischen eingetroffene „Nürnberg" stößt im Dunkeln auf die schwer zusammengeschossene „Man- mouth" und versenkt sie. So ist, als die Nacht vollends hereingebrochen ist, bas englische Geschwader völlig geschlagen.
Das aber ist die Wendung, die dieser Tag von Coronel der englischen Flotte bringt: sie ist nicht mehr unbesiegbar, wie sie seit über mehr als 100 Jahren, wie sie es seit Nelsons Zeiten gewesen war! Vorüber ist es mit dem Beherrschen des Meeres!
Erstaunlich gering sind die deutschen Derluste: kein Toter ist zu beklagen! Nur zwei Verwundete mußten sich in Bchandlung begeben. Die „Scharnhorst" erhielt zwei, die „Gneisenau" im ganzen nur vier Treffer! Welch ein Vergleich mit den schweren Verlusten der Briten! Das Wort von dem ,chamned good shotting of the Germans", von dem „verdammt guten Schießen der Deutschen" wurde an diesem Tage sprichwörtlich.
Dieser Geist der unerschrockenen Tapferkeit, der Manneszucht, der vorzüglichen Ausbildung und Schießfichecheit, der sich in der Seeschlacht von Coronel so wunderbar offenbarte, — er erfüllt auch die junge Marine des nationalsozialistischen Deutschlands. Auch jetzt wieder ist das „verdammt gute Schießen der Deutschen" sprichwörtlich gewor- den und wird es bleiben, wann immer es auch heißen mag: Wir fahren gegen Engelland!
Abschied von Kreisleiier Lommel.
NSG. In Rod an der Weil wurde am Dienstagnachmittag Kreisleiter e.h. und Landrat Hans Lommel, der auf einer Dienstreise in Bad-Nauheim einem UnglürfsfaH erlegen war, unter stärkster Anteilnahme des Führerkorps der Partei und des Staates und vor allem der Bevölkerung des Kreises Ufingen bei gefetzt. Gauleiter Reichsstatt- Halter Sprenger gab dem Toten das Geleit uick verabschiedete sich am Grabe von einem seiner besten Kameraden. Den letzten Gruß der Behörden» dienststellen überbrachten Staatssekretär, Stelloer- tretender Gauleiter e. h. Reiner als Vertreter der Hessischen Landesregierung und Regierungs- Präsident von Pfeffer. Zur Trauerfeier waren die Oauamtsleiter und Kreisleiter sowie die Führer der Gliederungen der Bewegung an getreten, um mit stolzem Gedenken ihren verstorbenen Kameraden zu ehren.
Die Geliebte in der Lahn ertränkt.
Limburg, 31. Oktober. Seit Freitag, 27. Oktober, wird die 18jährige Anni K. aus Aumenau vermißt. Ein 17jähriger Bursche aus dem gleichen Ort, der mit dem Mädchen ein Verhältnis hatte, das nicht ohne Folgen geblieben war, stand unter dem Verdacht, die K. durch Erttänken in der Lahn umgebracht zu haben. Der Bursche wurde verhaftet und hat bereit vor der Staatsanwaltschaft Limburg und der Mordkommission Frankfurt a. M. ein Geständnis abgelegt. Die Leiche der K. ist bisher noch nicht gefunden worden. Die Untersuchung dauert noch an.
Rundfunkprogranim
Donnerstag, 2. November.
6 Uhr: Landvolk, merk' auf! 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8.05 Gymnastik. 8.20: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 8.35 Musik am Vormittag. Ausführung: Das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. 9.30: Schulfunk. Wir senden für die Landschule. 10: Frohe Weisen. 11: Konzert. Ausführung: Das Strub-Quartett, der Chor des Reichssenders Frankfurt. (Leitung: Günther Bruchhaus.) 12: Stadt und Land — Hand in Hand. 12.10: Mittagskonzert. Das große Orchester des Reichssenders Hamburg. 12.30: bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14.15: Das Stündchen nach Tisch ... 16: Achtung! — Aufnahme! Zwei bunte Stunden mit der Tobis-Filmkunst und der NS.-Gemeinschaft „Äraft durch Freude", Gau Sachsen. 17 bis 17.10: Nachrichten. 18: Ruf ins Land: Berichte vom Landesernährungsamt. 18.15: Blasmusik. Dazwischen: 18 30: Aus dem Zeitgeschehen. 19.10: Berichte. 20: Nachrichten. 20.15: Übertragung vom Deutschlandsender. Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten.
Tyrann, und dann in demütiger Zerknirschung sein sinnloses Wüten beklagend, ein weites Feld der Gefühle, das Manders zu meistern wußte, wenn er auch in den Eingangsszenen nicht immer verständlich blieb. Viktor von Gschmeidler gab Dem Böhmenkönig ruhige Bedächtigkeit und überlegene Reise. Hilde Heinrich war eine Königin von edler Würde, besonders in der großen Gerichtsszene des ersten Aktes und im Schlußauftritt, dessen Schwierigkeiten sie durch weise Zurückhattung überwand. Hilde Kneip war als Paulina eine Frau mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und mit dem rechten Wort im rechten Augenblick auf der Zunge, resolut und mutig auch vor dem Thron eines Wüterichs, klug und verschlagen, sobald es galt, den Dogen nicht zu überspannen und die Versöhnung der Gatten vorzubereiten. Hans Caninenberg spielte den Böhmenprinzen mit schönem jugendlichem Feuer. Jngeborg Riehl war eine liebreizende Perdita, die auf dem Schäferfest mit viel Anmut die Wirtin machte, Karl V o l ck und Walter Edler waren (von einigen leichten Uebertrei- bungen abgesehen) zwei köstlich tölpelhafte Schäfersleute, Siegfried Lowitz ein an Körper und Geist höchst beweglicher Spitzbube voller Anschläge und Pfiffigkeiten, Hans Albert S ch e w e ein würdiger, zuverlässiger Camillo. Als „die Zeit" sprach Rose S t i r l eindrucksvoll den Zwischenprolog.
Die Musik von Hermann Zilcker, dem 1881 fn Frankfurt geborenen Komponisten, fühlte sich, an klassischen Formen ausgerichtet, unter der Stabführung Richard D o e ck s dem Charakter der einzelnen Szenen gut ein. Alle Mitwirkenden, von denen hier nur die Sprecher tragender Rollen genannt werden konnten, hatten teil an dem Gelingen dieser Aufführung des Wintermärchens, das sprachlich und szenisch nicht geringe Schwierigkeiten bietet, mit denen aber das Ensemble unter der lebendigen Regie Dr. Razums fertig geworden tft. Ihm und seiner Schar dankte das Publikum mit Blumen und herzlichen Ovationen.
Dr. Fr. W. Lange.
Aliweiberlotio.
Ein eigenartiger Zufall fügte es, daß mit Ent- stchung der einen großen Reichslotterie für alle Deutschen zugleich das österreichische Lotto, das sogenannte „Altweiberlotto", verschwand. Diesen Namen führte es wegen des starken Aberglaubens, der sich in den Spielertteisen breit machte. Das österreichilche Lotto war im großdeittschen Raum das letzte Ueberbseibsel dieses Glückspiels, das mit Recht allmählich der Klasfenlotterie ge
wichen ist. Zu den vielen Mißständen, die das Lotto mit sich gebracht hatte, gehörte der Aberglaube, der non jeher mtt diesem Spiel verknüpft war. Ausgangs des 18. Jahrhunderts gab es beispielsweise in Wien eine Unzahl okkultistischer Bücher, aus denen man „sicher" erfahren konnte, welche Zahlen beim Lotto gewinnen würden. Aber- gläübische Leute kauften solche Bücher mit Vorliebe, da die Titel schon recht geheimnisvoll klangen, wie etwa: „Neuer, noch nie im Druck erschienener Kabbalistischer Schneck, welcher eine sichere Weisung gibt, die Nummern auf die künftigen Ziehungen zu wählen, und welcher jedem auch Rechnungs- unkundigen sehr leicht begreiflich ist. Don einer glücklichen Lottospielerin". — Es ist kein Verlust, daß solcher alter und neuer Aberglaube samt seiner Ursache verschwunden ist und der in jeder Hinsicht einwandfreieren Reichslotterie Platz gemacht hat.
Im Zoo
Neue T'erfabeln von Wilhelm Gcharrelmann
Der Marabu und der Fischreiher.
„Wie kann man nur eine solche Untätigkeit an den Tag legen und sich stundelang allein damit beschäftigen, vor sich hinzustarren?" fragte ein Reiher im Zoo einen Marabu.
Aber der Angeredete veränderte auch jetzt feine Haltung nicht und blieb den Kopf zwischen die Schultern gezogen, stehen, als wäre er längst Der- steint und nur noch ein Denkmal seiner selbst.
„Einer wie ich ist allerdings nur ein gewöhnlicher Fischreiher", begann der Frager mit merkbarem Spott von neuem. „Immerhin hätte es deinem Ansehen vielleicht keinen allzugroßen Abbruch getan, wenn du mich einer Antwort gewürdigt hättest!"
„Du vergißt", geruhte der Marabu sich jetzt zu äußern, „daß ich aus dem dunklen Erdteil komme, dort im Angesicht der Pyramiden gelebt und einen tieferen Einblick in die Dinge getan habe, als du und deinesgleichen!"
„D, ausgezeichnet!" lobte der Reiher. „Aber wenn das, was du von der Welt gesehen und erfahren hast, auf dich keine andere Wirkung gehabt hat, als dich zur Untätigfett zu veranlassen und stolz und unfreundlich aeoen andere zu machen, können deine Erlebnisse unmöglich viel wert gewesen fein, mein Freund, fetzte er hinzu und stelzte verächllich davon«
Der Adler und der Geier.
In einem der großen Flugkäfige für Raubvögel hockte ein junger Adler tagetn, tagaus auf der Spitze des künstlichen Felsens, den man darin errichtet hatte, Trauer und Weltenferne in seinem Blick, und nur der wütendste Hunger vermochte ihn zu bewegen, ein paar der Flettchb rocken in sich hin einz uwürgen, mit denen der Wärter täglich seinen Futtemapf versah.
„Was zierst du dich nur so?" rief dem Adler eines Tages ein Geier aus einem der benachbarten Käfige zu. „Fehlt dir vielleicht etwas, das nicht auch uns fehlte? Tragen wir doch alle das gleiche Schicksal! Warum also Vergangenem nachtrauern und Unwiederbringliches besagen?"
„Hast du vielleicht eine Klage von mir vernommen?" fragte der Adler zurück, stärker als je von feiner Sehnsucht nach den Gipfeln der Berge ge- kfuält. die feine Heimat gewesen waren-
„Aber dein Verhalten ist Nichts anderes als eine Klage, und du wirft dabin siechen und sterb »n, wmn du nicht lernen wirst, dich zu schicken, belehrte Um der (Mer, der sich soeben, gttrcißia wie immer, gesättigt hatte und nun auf feinen Fluabaum zurückkehrte." „Denn auch die Sehnsucht vermag zu töten, mein Freund, wenn es auch Mn kurzer Tod ist, den sie uns bereitet!"
„Möglich", gab der Adler zu. „Aber sie zu überwinden, hieße für mich, die eigene Natur vergewaltigen."
..Man muß nur den Willen dcnu in sich entwickeln!" verwies ihn der Geier. „Sieh doch mich an! Habe ich es nicht gleichfalls lernen müssen? Und niemand wird behaupten wollen, daß ich es nicht vermocht hätte!"
„Gewiß nicht! Aber dafür warst du auch ein Geier!" entgegnete der Adler und richtete feinen Blick wieder in die Weite.
Der Leopard und der Bär.
„Womit hat es einer wie du eigentlich verdient, so verschwenderisch gefüttert zu werden?" rief Meister Petz, der soeben wieder in die Dresiurhalle geführt wurde, einem Leoparden zu, dem fein Wärter einen großen Brocken Fleisch durch die Stäbe seines Käfigs schob. „Gibt es doch nicht das kleinste Kunst- stück, das man dir beizubringen vermocht hätte! Alles, was du aufzuweisen hast, ist dein schon geflecktes Fell, unter dem doch nur die Falschheit wohnt!"
Der Leopard blinzelte mit den Augen.
„Warum nennst du mich falsch?" fragte er. „Jedenfalls bin ich in der Gefangenschaft geblieben, was ich von Geburt an war, während es dir nicht
allzuschwer zu fallen scheint, etwas vorzustellen, was du in Wahrheit nicht bist. Wer ist nun ehrlicher, du oder ich?"
Der Bär vermochte nichts darauf zu erwidern und nahm brummend seinen Tanz wieder auf, zu dem man ihn abrichtete, um später einmal eine schaulusttge Menge mit ihm zu erheitern.
Büchertisch.
— Felix Riemkasten: „In Gottes eigenem Land." Roman. In Leinen 5,20 RM. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — (272) — In diesem Buch geht es um Amerika, das hochgelobte Land der freien Demokratie. Die Menschen, die Riemkasten uns zeigt, sind kämpfende Menschen mit Fehlern und Schwächen. Insoweit ist das Buch Roman, aber indem es zeigt, wie die privaten Schicksale bestimmt werden von dem viel größeren Schicksal des Volkes, zu dem ein Mensch gehört, wird das Werk zum Gemälde einer Zeit und ihres Jdeenkampfes. James Miller, Sohn eines Deutsch- Amerikaners, leidet schon als Schüler unter dem Schimpf der Klaffe, die ihn als „blutigen Hunnen" verfolgt. Aus diesen Erlebnissen erwacht in dem Jungen der Zwang, näher auf Deutschland bin* Zusehen. Er wird Jouralist und lernt auch Deutschland kennen. Ohne Nationalsozialist zu sein — er fühlt sich ganz als Amerikaner und liebt fein Land — findet er in Amerika statt Demokratie Geldmacht und als Diener der Geldmacht die Presse. Da er diese Erkenntnis offen verkündet und nicht aufzukaufen ist, muß er gewaltsam zum Schweigen gebracht werden. Es ist ein leidenschaftlich geschriebenes Buch voll Zorn und Satire, aber auch voll großer Siebe.
— Sophie Fleischhauer: Äonrabin. Verlag von Hase & Koehler, Leivzia CI. 17 Abbildungen. Seinen 2,85 RM. — (285)0 — Die Jünglingsgestalt des letzten Hohenstaufen urtb sein tragisches Ende wurzeln fest im Herzen des deutschen Volkes. Den Weg, den der Jüngling in Begleitung feines Freundes Friedrich von Oesterreich ging, von der heimatlichen Burg in Schwaben, über ben Bodensee nach Oberitalien, von dort hinein in die süditalische Welt, in der sein Großvater Friedrich II. einst unvergängliche Stätten der Kultur errichtet hatte, die Ränke und Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, die glänzenden Siege, die Äon- radin errang, bis er schnödem Verrat zum Opfer fiel, hat eine Dichterin — eng sich an die Geschichte haltend — geschildert.


