Sicherheit im Finnischen Meerbusen garantieren und würde damit zugleich auch den Interessen der Verteidigung der finnischen Küste entsprechen.
Molotow deutete an, daß in dieser letzteren Frage bis jetzt noch kein Einvernehmen mit der finnischen Regierung erzielt worden sei. Trotzdem habe dke Sowjetregierung sich ä u einer Reihe weiterer Zugeständnisse bereit erklärt. Sie habe z. B. in der Frage der B e f e st i g u n g der Aalandsinseln, die Finnland besonders am Herzen liege, ihre grundsätzliche ablehnende Stellungnahme zurückgenommen für den Fall, daß Finnland s e l b st die Befestigung durchführe und kein dritter Staat daran teilnehme, sofern auch die Sowjetunion nicht beteiligt fei. Weiter habe die Sowjetregierung eine Aufhebung ihrer Grenzbefestigungen in Aussicht gestellt, eine Reihe striktester Garantien für die exakte Durchführung ihrer Borschläge sowie, die Herstellung von für beide Seiten vorteilhaften wirtschaftlichen Beziehungen.
„Wir können nicht annehmen, daß Finnland sich weigern wird, unsere Vorschläge anzunehmen", so sagte der Außenkommissar. Er befürchte, daß eine Ablehnung der sowjetrusfischen Pläne für Finnland mit ernsthaften Nachteilen verbunden sein könne, und hoffe nur, daß die finnischen regierenden Kreise sich nicht dazu entschlössen und sich nicht durch gewisse „äußere Einflüsse" gegen die Sowjetunion aus stacheln ließen. Bei einigem guten Willen werde - es Finnland nicht schwer fallen, den minimalen fowjetrussischen Wünschen entgegenzukommen, deren Verwirklichung eine dauernde Basis für freundschaftliche politische und wirtschaftliche Beziehungen zwischen der Sowjet- rnion und Finnland verspricht.
2m Zusammenhang mit der finnischen Frage habe, wie Molotow weiter ausführte, der Präsident der Vereinigten Staaten, Herr Roosevelt, es für nötig erachtet, sich in die Fragen der sowjetisch-finnischen Beziehungen e i n z u > mischen. Roosevelt habe am 21. Oktober ein Telegramm an den Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets, Kalinin, gerichtet, worin er seine Wünsche für die „Unabhängigkeit" Finnlands bekundet habe. 2n Moskau hat, wie Molotow ironisch bemerkte, die Botschaft Roosevelts umso größeres Befremden erregt, als der amerikanische Präsident offenbar über seinen Sorgen um die „Unabhängigkeit" Finnlands ihm näherliegende Fragen wie die „Unabhängigkeit" Cubas oder der Philippinen vergessen habe! Trotzdem habe Kalinin Herrn Roosevelt geantwortet, die Sowjets können erwidern, daß gerade die Sowjetunion die Unabhängigkeit Finnlands zur Grundlage ihrer Beziehungen zu diesem ihrem Nachbarstaat gemacht habe, und daß nichts anderes als die Festigung der Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten zur Sicherheit der Sowjetunion und Finnlands den Gegenstand der gegenwärtigen Verhandlungen bilde.
Das Verhältnis zu der Türkei.
Nwskaus Vorschlag eines Meerengenpaktes von Ankara abgelehnt.
Die ursprüngliche Absicht der Sowjetunion in den letzten Verhandlungen mit der Türkei habe darin bestanden, einen auf das schwarze Aleer und auf die Meerengen begrenzten Beistandspakt mit der Türkei abznschliehen. Da die Sowjetunion, entsprechend ihrer Freundschaftspolitik gegenüber dem Deutschen Reich, in keinem Falle auch nur die Möglichkeit ejnes Konfliktes zulassen wollte, habe sie der Türkei vorgeschlagen, die Meerengen für die Kriegsschiffe aller Staaten, mit Ausnahme der Uferstaaten des Schwarzen Meeres, z u sperren. Die Türkei habe jedoch, angeblich auf Grund ihrer bereits gegenüber den Westmächten übernommenen Verpflichtungen, diese Vorschläge abgelehnt.
Dennoch habe der Meinungsaustausch mit der Türkei viel Leigetragen zur Klärung der beiderseitigen politischen Standpunkte. Die Türkei habe freilich dadurch, daß sie die Bindung ihres Schicksals an die Kriegspolitik der Westmächte einer Neutralitätspolitik vorgezogen habe, eine ernste Entscheidung auf sich genommen. Es werde sich noch zeigen, ob die Türkei diesen Schritt nicht später zu bedauern habe. Die Sowsetregierung werde jedenfalls sorgfältig die Ereignisse in dieser Gefahrenzone weiter beobachten und werbe insbesondere im Bereich des Schwarzen Meeres eine Politik verfolgen, die ihren Interessen und den Interessen der ihr befteundeten Völker entspreche. Bessere Beziehungen zu Japan.
Molotow glaubte bann eine fühlbare Besserung der sowjetisch - japanischen Beziehungen feststellen zu können. Einer gemischten sowjetisch-japanischen Grenzkommission müsse die Entscheidung einer Reihe von striltMen Fragen übertragen werben. Bei einigem guten Willen müsse dabei ein positives Ergebnis zu erwarten sein In weiterer Perspektive stehe die Neuordnung der japanisch-sowjetischen Handelsbeziehungen, die den Interessen beider Staaten dienen könnten. Freilich sehe man in Moskau noch nicht klar, in welcher Form diese Frage geregelt werden könnte und ob die in Tokio bestehenden politischen Voraussetzungen dafür schon günstig genug seien. Die Moskauer Regierung jedenfalls verhalte sich grundsätzlich positiv zu den mit einer Verbesserung chrer Beziehungen zu Japan zusammenhängenden Fragen.
Zum Schluß seiner Rede wies Molotow nachdrücklich auf die Bedeutung der erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Antwort der Sowjetregierung auf die britischen Bann- gut-Bestimmungen hin. Die Sowjetunion könne nicht zulassen, daß der Krieg infolge der völkerrechtswidrigen britischen Konterbande - Bestimmungen auch gegen Frauen, Kinder undGrelse geführt werde. Die Sowjetregierung fei vielmehr im Gegenteil bestrebt, den Krieg abzukürzev und die Schrecken des Krieges von der Zivilbevölkerung fernzuhalten. Der Beschluß des amerikanischen Senats, das Waffenembargo aufzuheben, fei nach Ansicht der Sowjetregierung nicht dazu geeignet, die Beendigung des Krieges herbeizuführen, sondern könne zu einer Verschärfung und weiteren Ausdehnung des europäischen Krieges führen. Damit beschloß Molotow seinen Bericht, der von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen wurde. Die Tatsache, daß Molotow es Überhaupt nicht für nötig fand, die Beziehungen ber
Mit dem gleichen Schwung führte General DI» bricht am 9. September einen Handstreich gegen Lowicz durch, um hier die Bzura- brücke in die Hand zu bekommen und dem bereits umfaßten Gegner den Weg nach Süden zu sperren. Nachdem General Olbricht feine Infanterie auf allen irgendwie erreichbaren Fahrzeugen
ner Truppe nach Lowicz hinein, wo sein Ueberfall eine tolle Panik auslöste. Auf dem Bahnhof wurden die Besatzungen mehrerer feindlicher Truppentransporte regelrecht „verhaftet". Der schönste Erfolg dieses Ueberfalls aber war die
noch die fünf Warthebrücken hätten sprengen können.
Befreiung von 2800 verschleppten Volksdeutschen, denen somit das Schicksal ihrer Bromberger Volksgenossen erspart blieb. Bei Lowicz wie bei So- chaczew sperrte die Division Olbricht drei Tage lang weit vor der Masse der Armee hie, Bzura-Uebergänge und hielt sie in ungemein schweren Kämpfen gegen alle polnischen Durchbruchsversuche. An dem beispiellosen Erfolg der De r n i ch t u n g s s ch l a ch t im Weichselbogen hat die Division Olbricht damit einen wesentlichen Anteil. „Das persönliche Verdienst", so äußerte Generalleutnant Olbricht, „tritt völlig zurück hinter den einzigartigen Leistungen meiner Truppenführer und meiner Truppen, die wahrhaft heldenhafte Leistungen vollbracht haben."
Mil fünf Bataillonen drei polnische Divisionen znm Stehen gebracht
Berlin, 31. Okt. (DNB.) Generalleutnant
das für den Gegner zur hartnäckigen Verteidigung wie geschaffen war. Aber Generalleutnant Olbricht war entschlossen, dem Feind keine Zeit zu lassen, um sich zu neuem Widerstand zu setzen. Persönlich eilte er nach vorn, um den Angriff an Ort und Stelle zu leiten. Auf dem Marktplatz in Warta überholte er die vorderste Jnsanteriespitze und fuhr allein mit feinem Ersten Generalstabsoffizier bis zur er ft en Warthebrücke am Ostrand vor, die er unbesetzt und unzer ° stört fand. Unverzüglich schickte der Kommandeur seinen Generalstabsoffizier zurück, um schnell Verstärkung heranzuholen. Im Laufschritt eilten die ersten rasch zusammengerafften Truppen heran, die sofort die erste Brücke nahmen und sicherten und bann unter einem nun einsetzenden heftigen MG.- Feuer unter Führung ihres Divisionskommandeurs mit beispiellosem Schneid an zwei weiteren Stellen den Flußübergang erzwangen. Inzwischen war der Kommandeur des vordersten Regiments mit weiteren Verstärkungen eingetroffen, um auf Befehl des Divisionskommandeurs auch die beiden letzten Flußübergänge im Handstreich zu nehmen.
Inzwischen hatte sich der Widerstand der Polen verstärkt, vor allem hinter der letzten Brücke, deren Schutz mehrere feindliche Panzer übernommen hatten. Da sagte unter Führung eines Unteroffi» Ziers in einer tollen Staubfahne ein Pak im 100- Kilomete-rtempo über die Brücke vor, protzte im heftigsten feindlichen Feuer ab und schon fegten seine ersten Granaten mit sichtbarer Wirkung gegen die feindlichen Panzer. Mit dem gleichen Schneid brauste ein deutscher Panzerspähwagen unter Füh- nmg des Wachtmeisters Niefch alk vor, dem sich der Pionier-Leutnant Grelle angeschlossen hatte. Während die Infanterie in der inzwischen herein- gebrochenen Abenddämmerung mehrere polnische Angriffe im Nahkampf abschlug, konnten die Pioniere die an den Brücken bereits angebrachten Sprengkörper unschädlich machen. Durch diesen kühnen Handstreich hatte Genercll Olbricht der Armee den Weg über die Warthe geöffnet und den hier eingesetzten Truppen tagelange und zweifellos sehr verlustreiche Kämpfe erspart, die unausbleiblich gewesen 'wären, wenn die Polen in letzter Stunde
M dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet
Kühner Handflreich auf die Warthe- und Bzurabrücken.
Olbricht hat durch sein blitzschnelles Zupacken und seinen schonungslosen persönlichen Einsatz mehrfach Entscheidungen eingelestet und erzwungen, Die für die Armee des Generaloberst Blaskowitz weitgehende Folgen hatten. Eine infanteristische Glanzleistung war der kühne Hand st reich gegen die Warthebrücken bei dem Städtchen Warta, der so Überfallartig erfolgte, daß , u .
den Polen keine Zeit mehr blieb, diese wichtigen; behelfsmäßig motorisiert hatte, brauste er mit fei' Flußübergänge zu sprengen. Am, 4. September ------ —A °—fc:—s- — r-s-
hatten sächsische Truppen nach kurzem Kampf das Städtchen Warta genommen. Oestlich von Warta zog sich die mehrere Kilometer breite Nehrung der Warthe mit fünf Flußarmen entlang, ein Gelände,
vor sich hat, sieben Kilometer südlich der Stadt zurückziehen, da ihm die Munition ausgeht.
Generalleutnant von Briesen hat den Angriff auf 5 Uhr befohlen, da Ueberläufer mit der Nachricht gekommen sind, daß am Vormittag die Polen in Stärke von drei Divisionen angrei- s e n wollen. Er selbst hat dem Geaner n u r f ü n f Bataillone entgegenzustellen. Der deutsche Angriff richtet sich zunächst gegen Westen, er muß jedoch bald abgeblasen werden, da die Division Front nach Norden und Nordwesten machen muß, um hier den weitaus überlegenen Gegner abzuwehren.
Generalleutnant von Briesen wird schon zu Beginn des Angriffes durch ein Sprengstück am rechten Unterarm verwundet. Er läßt sich nur einen Notverband anlegen und bleibt bis Mittag 1 Uhr auf dem Kampffeld. Erst als er den Eindruck hat, daß die Schlacht steht, daß die Division den Angriff der überlegenen polnischen Truppen halten wird, bis die notwendige Verstärkung heran- gekommen ist, begibt er sich in ein Lazarett, um sich verbinden zu lassen. Der Führer hat das tapfere Standhalten der Division und das beispielhafte Verhalten des Divisionskommandeurs in seiner Reichstagsrede am 6. Oktober gewürdigt.
Generalleutnant von Briesen, der am 3.5.1883 geboren wurde, ist der Sohn des im November 1914 bei Brzezint) gefallenen Generals der Infanterie von Briefen. Er trat 1904 in das Garde- grenadier-Regiment Nr. 2 ein, nahm am Weltkrieg als Adjutant und später in Generalstabsstellungen teil. Am 1. 4.1934 trat er als Oberstleutnant wieder in die Wehrmacht ein, nachdem er 1920 aus dem Heeresdienst ausgeschieden war, sich inzwischen aber um Aufstellung und Ausbildung des Grenzschutzes an der Ostgrenze Pommerns verdient gemacht hatte.
Die Armee des Generaloberst Blaskowitz bewegte sich gestaffelt gegen Warschau, um die Flanke der Armee von Reichenau zu decken. Verzweifelt versuchten die Polen sich der drohenden Umzingelung Zum entziehen. Während die deutsche Armeeführung den Gegner auf dem Rückzug vermutete, machten vier polnische Divffionen und mehrere Kavalleriebrigaden plötzlich einen Durckbruchsv ersuch. Er trifft in voller Stärke auf eine einzige Division, die unter dem Befehl des Generalleutnants von Briefen steht. Starke polnische Kräfte, und zwar mehrere Batterien, Schwadronen und Kampfwagenverbände, sind im Baume B:e» tarnt)—Piatek—Leszyca bereits „durchgesickert". Bei Lefzyca befindet sich ein Infanterie-Regiment der Division im schweren Kampf. Zwischen diesem Regiment und der übrigen Division klafft eine Lücke von zehn Mometer Breite, durch die die Polen durchzubrechen versuchen. Hier liegt am 9. September der Schwerpunkt des polnischen Angriffes, der sich im Laufe des Tages bis P i a • t e k ausdehnt, wo sich Generalleutnant von Brie- f e n mit seinem Stabe aufhält.
Auch, die Nacht bringt schwere Angriffe des Gegners. Ueberläufer melden, daß sich die Polen bereits in der Flanke und im Rücken der Division befinden. Generalleutnant von Briefen entschließt sich daher zu einem Gegenangriff, um die Teile der Division wieder zu vereinen. Bei Leszyca steht das erwähnte Infanterie-Regiment weiter im schweren Kampf mit dem Gegner, der schon mit starken Kräften die Bzura überschritten hat. Es gelingt dem Regiment, den Feind wieder an den Fluß zurücfzuroerfen, während es in der Stadt Lefzyca selbst zu schweren Straßenkämpfen kommt. Gegen Abend muß sich das Regiment, das mindestens anderthalb Divisionen
Sowjetunion zu England und Frankreich Zu erwähnen, fand stärkste Beachtung. Nach der Rede Molotows nahm der Oberste Sowjet, unter Verzicht auf eine Diskussion, folgende Resolutton an: „Der Oberste Sowjet beschließt ahf Grund des Berichtes des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare und Außenkommifsars Molotow über die auswärtige Politik der Sowjettegierung, die auswärtige Politik der Regierung gutzu- heiße n."
Um das Waffenausfuhrverbot in USA.
Washington, 31. Okt. (DNB.) Angesichts der sehr knappen und auch nicht ganz sicheren Mehrheit, die die amerikanische Regierung im Kongreß für die Aufhebung der Waffensperre zusammenbringen kann, dauern die Bemühungen an, das amerikanische Volk von der Notwendigkeit einer baldigen Annahme der Vorlage zu überzeugen. Op- posittonelle Abgeordnete, wie Hamilton Fish, und objektive Kommentatoren, wie Lindley und Carter, betonen demgegenüber, daß kein amerikanisches Interesse an einem Sieg der Alliierten bestehe. Für die Vereinigten Staaten sei es nicht wesentlich, daß das Dritte Reich zerstört und das britische Empire erhalten werde. Amerika solle sich vielmehr — wie das in Panama beschlossen wurde — ausschließlich um den amerikanischen Erdteil kümmern. Carter mies in einer Rundfunkrede darauf hin, daß die vom Senat beschlossene Fassung des Gesetzes nicht einmal alle Gefahren banne, durch die Amerika in den Krieg verwickelt werden könne, denn amerikanische Dampfer könnten danach weiterhin Kriegsmaterial in neutrale Häfen bringen, ohne daß, wie im geltenden Gesetz, Vorkehrungen dagegen getroffen feien, daß dieses Kriegsmaterial nicht a n t> i e Alliierten verschoben werde. Dieser sehr bezeichnende Mangel im Gesetz öffne Tür und Tor für viele peinliche Zwischenfälle.
Sorgen des Empire.
Kein australisches Expeditionskorps. Wachsende Protestbewegung in Indien.
London, 31. Okt. (Europapreß.) Die von London erwartete ,Lriegsbegeisterung" in den Dominions entpuppt sich täglich mehr zu einer Absage an d i e Londoner Kriegshetzer. Nach der in London sehr unangenehm empfundenen Erklärung des südafrikanischen Generals H e r tz o g über die Haltung Südafrikas kommen jetzt für England unerfreuliche Meldungen aus Australien. Die australische Regierung hat nämlich beschlossen, keine eigenen Expeditionskorps der Luftwaffe nach Europa zu entsenden. An Stelle der ursprünglich zugesagten drei australischen Luftgeschwader für den europäischen Kriegsschauplatz will sich Austtalien jetzt nur auf die Entsendung von Personal für ein Aufklärungs-Geschwader beschränken. Einer Erklärung des australischen Ministerpräsidenten Menzies zufolge beabsichtigt Austtalien, die eigene Landesverteidigung auszubauen.
Am meisten Sorge macht den englischen Politikern die inperpolitische Entwicklung in Indien. Der Parole der Indischen Kongreßpartei an sämtliche von ihr aufgestellten Regierungen in Indien: „Los von England!" sind zwei weitere Provinzregierun-
gen gefolgt. Bisher waren die Begierunger; von Madras, den Bereinigten Provinzen und Lucknow der Aufforderung der Kongreßpartei nachgekommen. Jetzt haben sich auch die Regierungen von Bombay und Bihar diesem Beispiel angeschlossen. Damit sind insgesamt fünf indische Prooinzregierungen, die mit der englischen Politik unzufrieden sind, zurücfgetreten.
„Sei brecherregimenler" terrorisieren dos fr<möfif*c Volk.
Paris, 31. Okt. (DNB.) Die in Frankreich aufgestellten Sonderregimenter, die sich ausschließlich aus Vorbestraften und freigelassenen Häftlingen zusammensetzen, sind für Die Bevölkerung ein Element ständiger Beunruhigung. Diese Sonderrebimenter liegen augenblicklich in verschiedenen Dörfern im Offen Frankreichs, wo sie sich ihrem Vorleben entsprechend aufführen und Die Zivilbevölkerung unter dauerndem Terror hal
ten. Der „Petit Parisien" macht sich zum Sprecher der Klagen dieser Bevölkerung und fordert die Militärbehörden auf, diese Verbrecherregimenter i n besonderen Militärlagern unterzubringen, wo sie keinen Schaden anrichten konnten.
Polens in Frankreich.
Paris, 31. Okt. (DNB.) Die Begeisterung ber in Frankreich lebenden Polen, in den sog. polnischen Freikorps gegen Deutschland in den Krieg zu ziehen, scheint außerordentlich gering zu fein. Die französische Gendarmerie wurde deshalb beauftragt, Jagd auf alle diejenigen zu machen, die sich dem „Gestellungsbefehl" zu entziehen suchen. Allein in dem Oertchen Vimy in der Nähe von Arras wurden am Montag sieben Polen verhaftet, die angeblich Mitglieder einer kürzlich aufgedeckten Geheimorganisation seien. Unter dem Vorwand defaitisttscher Propaganda wurden sie ins
। Gefängnis von Arras eingeliefert.
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achablösung im faschistischen Italien.
Veränderungen in der Leitung von Regierung, Partei und Wehrmacht.
Rom, 31. Oktober. (DNB.) Amtlich wird eine Reihe von Veränderungen i n der italienischen Regierung bekanntgegeden: Die bis- herigen Unterstaatssekretäre Teruzzi für Italienisch-Ostafrika, Ricci im Korporationsministerium, Riccardi für Devise nbew i rtscha stung, T a s s i - n a r i für Ackerbau, Ho st-Venturi im Ber- kehrsministerium werden zu Ministern ernannt und übernehmen die Leitung der entsprechenden Ministerien.
Das Ministerium für Volksbildung übernimmt Pavolin.i, bischer Präsident des Fafchisttschen Verbandes für die freien Berufe. Minister AI« fiert wird unter Vorbehalt feiner Bestimmung Zum Botschafter befördert. Im Kriegs- Ministerium treten an Stelle des Unterftaatssekre- tärs General Pariani Marschall G r a z i a n i als Generalstabschef des Heeres und General S o d d u als Unterstaatssekretär. Im Lustfahrtministerium tritt an die Stelle des bischerigen Unterstaatssekretärs General Valle General Pricolo als Un- terstaatsfekretär und Generalstabschef der Luftfahrt. Im Marineministerium treten keine Veränderungen ein.
Außerdem ist Parteffekretär Starace zurück- getreten. An feine Stelle tritt der Generalkonsul der Faschistischen Miliz, M u t i. Starace tritt an die Stelle des bischerigen Generalstabschefs der Fafchifttschen Miliz, General Russo, der als Unter staatssekretär in die Präsidialkanzlei kommt.
In unterrichteten Kreisen wird die Regierungsumbildung-als die im fafchisttschen Regime übliche Ablösung der Wache bezeichnet, die an der bekannten Politik des Duce nichts ändern werde.
Oer neue (Generalsekretär der faschistischen Partei.
Der neue Parteisekretär Ettore Mutt wurde 1902 in Ravenna geboren, nahm als Freiwilliger a m Weltkrieg teil und zeichnete sich später bei zahlreichen Unternehmungen der Faschi- sttschen Partei aus, der er bereits im November 1919 beitrat und für die er sich trotz mehrerer Verwundungen und gerichtlicher Verurteilungen leidenschaftlich einjetzte. Der neue Parteisekretär nahm
als freiwilliger Fliegerofsizier am gesamten Feld- Zug in Ostafrika teil und ging mit den ersten italienischen Freiwilligen als Flieger nach Spanien, wo er bis zum Endsieg blieb. Nach Italien zurückgekehrt, nahm er an der Besetzung Albaniens teil und wurde am 15. August dieses Jahres zum Leiter der Faschistischen Auslandsorganisation ernannt. Ettore Mutt ist Mitglied des Nationalrates der Fafchisttschen Partei und der Faschisttschen Korpo- rahnen Kammer sowie Inhaber zahlreicher italienischer und spanischer Kriegsauszeichnungen.
Oie neuen Minister.
Der neue italienische Minister für Volksbildung, Alessandro P av o l i n i, wurde 1903 m Florenz geboren, trat noch als Student der Faschistischen Partei bei und nahm am Marsch auf Rom teil. Mehrere Jahre bekleidete er hohe Parteiämter in । feiner Vaterstadt. Als Kriegsfreiwilliger zeichnete er sich in Abessinien aus. Er war dann Nationalrat der Faschistischen Korporativen Kammer sowie Präsident der Organisation der freien Berufe und Künstler.
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Korporationsminister Ricci, geboren 1896 in Carrara, war Kriegsfreiwilliger während des W e l t kr i e g e s ,wo er sich mehrere Auszeichnungen erwarb. Ricci war einer der ersten Vorkämpfer bes Faschismus und nahm am Marsch auf Rom teil, wo er mit feiner Standarte den Duce nach Santa Marinella geleitete. Er organisierte und leitete verschiedene Jahre lang die faschistische Jugendorganisation Bali lla bis zu deren Ueberführung in die Jugend des Liktorenbündels. Er war Staatssekretär im Erziehungsministerium und dann im Korporationsministerium, wo er jetzt zum Minister aufgerückt ist.
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Der neue italienische Minister für Devisenbewirtschaftung, Rasfaello Riccardi, wurde 1899 in Moskau geboren, nahm als Kavallerieoffizier am Weltkrieg teil und zählt zu den Teilnehmern des Marsches auf Rom. 1928 war er Unterstaats- jekretär im Berkehrsministerium und dann Im


