Ausgabe 
1.9.1939
 
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Sipper war in Wiesbaden geboren und war auch dort ansässig. Sein aus Polen stammender Vater hatte in Wiesbaden ein Trödlergeschäft. Seine Eltern befinden sich heute in Palästina. Sip- per wurde am 19. Juli v. I. in einem Frankfurter Hotel verhaftet, als er im Begriff stand, eine größere Schiebung vorzunehmen. Er war in dem

Konsortium an die Stelle einer Berliner Jüdin ge­treten, der es gelungen war, zeitig das Ausland zu erreichen. Der 30jährige Benno Israel Stein­lauf, der ebenfalls Jude ist, bekleidete in Frank­furt den Posten eines kaufmännischen Angestellten. Er war gelegentlich seines Aufenthaltes im Aus­land an die Schieberorganisation geraten.

Wirtschaft.

Erhöhung des Wagenstandgeldes.

Fwd. Dom Donnerstag, 24. August, an ist bei sämtlichen Reichsbahndirektionen Westdeutschlands das Wagenstandgeld auf das Dreifache erhöht wor­den, d. h. es sind für Wagen aller Gattungen nach Ablauf der Ladefrist am ersten Tage 6, am zwei­ten 9, am dritten und vierten je 12 und für jeden weiteren Tag 18 RM. zu entrichten. Wegen der Schwierigkeiten der Be- und Entladung bleibt es bei den Wagen der 88-Gruppe für den ersten Tag nach Ablauf der Lieferfrist beim einfachen Stand­geld, vom zweiten Tage ab wird das Fünffache erhoben. Bei den Tiefladewagen bleiben der erste und der zweite Tag ohne Erhöhung, vom dritten Tag ab wird das Zehnfache erhoben.

Mein-Mainische Börse.

Tendenz: weiter fest.

Frankfurt n. M., 31. August. Das Fehlen von nennenswerten Abgaben unterstützte die feste Haltung der Börse nicht unerheblich, weil anderer­seits die einseitige Kausneigung der Kundschaft fort- bestand. Die Geschäftstätigkeit erfuhr indessen eine weitere Schrumpfung.

Am Aktienmarkt zeigten die ersten Kurse durchschnittliche Befestigungen von 0,50 bis 1,50 v. H., etwas schwächer waren nur Holzmann mit 158,50 (159,75). Chemiewerte blieben weiterhin im Vordergrund, besonders JG.-Farben mit 157,25 (155,75), ferner Scheideanstalt 1,50 v. H. erhöht auf 213 und Rütgerswerke um 1 v. H. auf 145,75. Am Montanmarkt gewannen Verein. Stahl 0,40 v. H. auf 100,40, Hoesch 1,25 v. H. auf 107,25 und Deutsche Erdöl 1,50 v. H. auf 125. Fest waren außerdem Zellstoff Waldhof mit 114,50 (112,75), Rheinmetall mit 122 (120,25), ferner zogen Bekula auf 165,50 (164,50), Gesfürel auf 131,90 (131,50), Daimler auf 120 (119,50) und Verein. Deutsche Metall auf 174,50 (173,50) an.

Der Rentenmarkt lag ruhig. Von Aus­losungsanleihen Reichsaltbesitz knapp gehalten mit 131,80 (131,90), Dek Osama I unv. 136,50, ebenso II mit 156,50. Von Industrie-Obligationen erholten sich 5 v. H. Gelsenberg auf 97,25 (96,65), im übri­gen ergaben sich hier meist wieder leichte Ab­schwächungen. Von Stadtanleihen gingen 4,50 v. H. Hanau auf 97 (97,50) und 4,50 v. H. Heidelberg von 26 auf 94 (95) zurück. Reichstitel und Pfandbriefe konnten sich trotz Angebots behaupten. Steuergut­scheine I gaben auf 97,70 bis 97,60 (97,80) und Kommunal-Umschuldung auf 92,90 (93) nach.

In der zweiten Börsenstunde herrschte ausge­sprochene Geschäftsstille, teilweise bröckelten die Kurse dadurch leicht ab, die Gesamthaltung erfuhr aber keine Beeinträchtigung. JG.-Farben 157 nach

157,25, Verein. Stahl etwa 100 nach 100,40, an­dererseits Rheinstahl fest mit 130,25 bis 131 (127,75), ebenso Schuckert mit 179,50 (178), Har­pe ne r mit 135 (133).

Im Freiverkehr gingen Katz & Klumpp um 1 v. H. auf 93 bis 95 und Verein. Fränk. Schuh auf 78 bis 80 (80 Geld) zurück. Tagesgeld auf Ultimoansprüche hin gesucht und 3 v. H. (2,50) v.H.

Abendbörse fest.

Die Abendbörse lag zwar still, aber fest, wenn­gleich an den Aktienmärkten nur vereinzelte Ab­schlüsse erfolgten und die Kurse dabei nicht ganz einheitlich lagen. Die höchsten Berliner Schlußkurse wurden nicht immer erreicht, jedoch verschiedene tiefer liegende überschritten. JG.-Farben gingen mit umo. 157,25, Bemberg 0,40 o. H. höher mit 132,50 um. Arn Montanmarkt wurden Verein. Stahl mit 100 (100,40, Berlin aber 99,50), Hoesch mit 107,50 (107,25), Mannesmann mit 105 (104,75, Berlin 105,90) Deutsche Erdöl mit 124,75 (125 bzw. 125,50) gesucht, ebenso Laurahütte mit 18,75 (19). Im übri­gen wurden noch Adlerwerke mit 97,50, Daimler mit 119,75 (119,50), Gesfürel mit 132 (131,90), Metallgesellschaft mit 111, Scheideanstalt mit 213 und Moenus mit 116 gefragt. Am Einheitsmarkt stiegen Andreae Roris-Zahn auf 160,50 (156,80). Von Renten gingen 4,50 v. H. Franks. Pfandbrief­bank Gold R 12 bis 15 mit unv. 99, 4,50 v. H. Meininger Gold R 22 mit unv. 99, 5 v. H. Gel­senberg mit 97,25 (97,13) um, während 6 v. H. JG.- Farben zu 120,40 (120,50) und Reichsbahn-VA. zu 122,50 gefragt waren. Steuergutscheine I stellten sich bei einigem Geschäft auf 97,50 bis 97,55 (97,70 bis 97,60).

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 31. August. Auftrieb: Rin­der 462 (gegen 828 am 24.8.), darunter 49 (105) Ochsen, 101 (143) Bullen, 220 (400) Kühe, 92 (180) Färsen. Kälber 549 (609), Schafe 20 (35), Schweme 1033 (711). Rotiert wurden je 50 Kilogramm Le­bendgewicht in RM.: Ochsen a) 46,50 (45 bis 46,50), b) 42,50 (42,50), c) 37,50 (37,50). Bullen a) 43 bis 44,50 (44,50), b) 40,50 -(40,50). Kühe a) 42,50 bis 44,50 (43 bis 44,50), b) 39,50 bis 40,50 (38,50 bis 40,50), c) 33 bis 34,50 (30 bis 34,50), d) 20 bis 25 (23 bis 25). Färsen a) 44,50 bis 45,50 (45 bis 45,50), b) 40 bis 41,50 (40,50), c) 36,50 (36,50). Kälber a) 63 bis 65 (62 bis 65), b) 56 bis 59 (56 bis 59), c) 45 bis 48 (44 bis 50), d) 30 bis 40 (30 bis 40). Hümmel. Schale a) 42 (40 bis 42), b) 39 (39),c) 32 (25 bis 32). Schweine a) 62 (62), bl) 61 (61), b2) 60 (60), c) 56 (56), d) 53 (53), Sauen 2fl) 61 (61). Marktverlauf: Rin­der, Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe mittel.

§ Jl.-'Spoitt

©r. Luh bei den Siudenten-Weltspielen in Wien erfolgreich.

In Wien fanden vom 20. bis 27. August die Studenten-Weltfpiele statt, an denen europäische und auch überseeische Rationen teilnahmen, vor allem Italien, Ungarn, Schweden, Japan, Peru, Finnland und Estland. Wie bekannt, konnte Deutsch­land im Gesamtergebnis mit Vorsprung die Spitze vor Italien erobern.

Der weit über die Grenzen unseres Heimataaues bekannte Wurfathlet Dr. Luh (VfB.-Reichsbahn in Gießen) konnte wieder einmal feine gute Form unter Beweis stellen, indem er im Kugelstoßen mit der guten Leistung von 14,72 Meter den vier- ten (!!) Platz belegte. Dabei schlug er die be­kannten Italiener Silvestri und Biancani. Unser Olympiasieger Gerhard Stock wurde Sieger dieser Konkurrenz mit der hervorragenden Leistung von 16,33 Meter vor dem Europameister Kreek (Est­land) mit 16,26 Meter; 3. Groß-Fengels (Deutsch­

land) 14,79; 4. Dr. Luh (Deutschland) 14,72; 5. Silvestri (Italien) 14,01; 6. Biancani (Italien) 13,86 Meter.

Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer langjährigen, harten Trainingsarbeit, und um so höher zu be­werten, wenn man bedenkt, daß Dr. Luh infolge einer schweren Knieverletzung ein ganzes Jahr aus­setzen mußte.

Alle Kegler werden organisiert.

Im Einvernehmen mit dem Reichssportführer hat der Fachverband für Kegeln im RS.-Reichsbund für Leibesübungen an alle Kegelgemeinschaften die Aufforderung gerichtet, sich bis zum 1. Oktober über den Deutschen Keglerbund anzumelden. Von Zehn- tausenden der in Frage kommenden Gemeinschaften haben sich bisher erst Hunderte gemeldet. In den Kegelklubs ist man meist davon überzeugt, nicht ge­meint zu sein, weil es sich nicht um Sport handele. Demgegenüber weist der Deutsche Keglerbund darauf hin, daß es sich beim Kegeln um eine regelmäßig

betriebene Leibesübung handele. Die fachliche Be­treuung solle fid) nicht nur auf die leider noch zu kleine Zahl von Wettkampfkeglern erstrecken, sondern auf alle Kegler im Reiche. Auch das Kegeln habe im Rahmen der Leibesübungen feine Aufgabe, nämlich die Erfassung und Erhaltung der älteren Menschen, die gerade im Kegeln eine ihnen gemäße und zweck­dienende Leibesübung fänden.

Hermann Lang am schnellsten.

Rennwagenlraining in Belgrad begann.

Zu dem Auto-Rennen, das am kommenden Sonn­tag in Belgrad stattfindet, wurde am Donnerstag zum ersten Male trainiert. Es gab schon an diesem Tag erstklassige Zeiten, obwohl die 2,794-Kilometer- Rundstrecke im Herzen der Stadt nicht gerade ideal

ist. Der Kurs ist zwar nach dem Ausbau den An« forberungen moderner Rennwagen angepaßt wor« den, aber einige Wellen im Kleinpslasterbelag wir­ken sehr störend. Die deutschen Fahrer erfüllten bet diesem ersten Stadt in Belgrad die großen Er­wartungen der Jugoslawen und warteten mit Zei­ten auf, die weit unter denen der Konkurrenz lie­gen. Als schnellster Fahrer erwies sich wiederum Hermann Sang, der auf seinem Mercedes-Benz die Runde in 1:17 Min. = 129,2 km/st zurücklegte. Sein Markengefährte Manfred von Brauchitsch kam auf 1:17,7 Min. = 127,8 km/st und Hermann Müller benötigte auf dem Auto-Union-Wagen 1:18,3 Min. = 126,6 km/st. Ruvolari, der ebenfalls gemeldet ist, war noch nicht zur Stelle. An seiner Stelle fuhr Bigalke in dem Auto-Union einige langsame Runden.

Li. Garvs hai'S geschafft.

Deutscher Sieg im Stockholmer Fünfkampf-Wettbewerb.

Das Stockholmer Fünfländertreffen im Modernen Fünfkampf wurde mit dem 4000-Meter-Gelände- lauf zum Abschluß gebracht. Zwar belegten die vorzüglichen Schweden die ersten Plätze, aber Deutschlands große Olympiahoffnung, Lt. Garvs, placierte sich tls Fünfter, und damit stellte er auch den Sieg in der Gesamt-Einzelwertung sicher, zu­mal der Finne Kiviperä, der sich nach dem Schwim­men an die Spitze gesetzt hatte, verhältnismäßig schwach lief. Lt. Garvs siegte in dieser großen vor­olympischen Prüfung mit insgesamt 30 Punkten vor dem Schweden Lt. Bratt, Oblt. Grut und Lt. Egnell, die aber ihrem Land zum Sieg imPreis der Rationen" vor Deutschland verhalfen. Mit Lt. Garvs hat zweifellos der beste Fünfkämpfer des auserlesenen Stockholmer Feldes den Sieg davon­getragen. Der junge deutsche Offizier setzte sich am zweiten Tag an die Spitze der Gesamtwertung, verlor sie aber durch eine mäßige Leistung im Schwimmen vorübergehend an den Finnen Kivi­perä, aber beim Laufen stellte Lt. Garvs dann doch den Sieg endgültig sicher. Zweitbester Deutscher war Oblt. Lemp, der diesmal nicht so erfolgreich kämpfte wie sonst. Er belegte vor Oblt. Freiherr von Schlotstein den siebten Rang. Hptm. Cramer wurde Vierzehnter und Lt. Fleckner Zwanzigster. Die Ergebnisse:

4000-Meter-Gelände-Lauf: 1. Lt. Gultafsson (Schweden) 14:33 Min.; 2. Lt. Canell (Schweden) 14:54; 3. Oblt. Grut (Schweden) 14,54,4; 4. Serg. Lindblad (Finnland) 15:08; 5. Lt. Garvs (Deutschland) 15:17; 6. Lt. Bolgar (Ungarn) 15:20; ... 12. Oblt. Freiherr von Schlotheim (D.) 15:42,4; 13. Oblt. Lemp (D.) 15:42,6; 15. Hptm. Cramer (D.) 16:02,2; 23. Lt. Fleckner (D.) 16:38,0.

Gesamt-Einzelwertung (Reiten, Fech­ten, Schießen, Schwimmen, Lausen): 1. Lt. Garvs (Deutschland) 30 Punkte (2+3+6 + 24+5), 2. Lt. Bratt (Schweden) 34 P. (5+4 + 11 + 5 + 9), 3. Oblt. Grut (Schweden) 36 P. (14 + 15+3+1+3), 4. Lt. Egnell (Schweden) 38 P., 5. Lt. Kiviperä (Finn­land) 39 P., O. Oblt. Gyllenstierna (Schweden) 43 Punkte, 7. Oblt. Lemp (Deutschland) 46 Punkte, (6+20+5 + 2 + 13), 8. Oblt. Freiherr v. Schlotheim (Deutschland) 52 P. (11 + 2+7+-20 + 12), 9. Serg. Lindblad (Finnland) 52 P., 10. Lt. Gustavsen (Schweden) 54 P. 14. Hptm. Cramer (D.) 69 P. (20+4 + 18+12 + 15), 20. Lt. Fleckner (D.) 83 P. (17 + 4 + 23 + 16+23).

Rationen-Wertung: 1. Schweden. 108 Dünkte (Lt. Bratt, Oblt. Grut, Lt. Egnell), 2. Deutschland, 128 P. (Lt. Garvs, Oblt. Lemp, Oblt. Freiberr von Schlotheim), 3. Finnland, 157 P. Lt. Kiviperä, Serg. Lindblad, Fäbnr. Vartia), 4. Ungarn, 195 P., 5. Schweiz, 243 P.

Rurze (^portnotizen

Major Stein, der Leiter des Fahrstalles der Heeres-Reit- und Fahrschule und seit vielen Jahren erfolgreichster Fahrer im deutschen Turniersport, ist zum Oberstleutnant befördert worden.

*

Adolf Heuser (Bonn) ist bei der Internatio­nalen Box-Union als Bewerber um den freien Titel eines Europameisters im Halbschwergewicht angemeldet worden. Bekanntlich verlor Heuser den Titel durch Uebergewicht kampflos.

*

Die Fecht-Weltmeisterschaften, die am Wochenende nicht stattfinden können, sollen nun,

einem Beschluß des Weltverbandes zufolge, am 25^ September in Meran beginnen.

Nur

nochGroßdeutsche Krastfahrmeister-".

Die Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt hat eine Anordnung erlassen, nach der im Zeichen der Schaffung des Großdeut« schen Reiches für die Großen Preise und die Mei­sterschaften neue Bezeichnungen gelten. Es wird in Zukunft nur noch den Großen Preis von Groß­deutschland für Rennwagen bzw. Motorräder geben und auch die Ehrentitel wurden dementsprechend inGroßdeutscher Straßenmeister" undGroß- deutscher Bergmeister" umgewandelt.

Aus aller Wett.

Zwei Eifenbahnbrücken bei Lüttich eingestürzt.

Der Blitz in vorbereitete Sprengstoffladung geschlagen.

Lüttich, 1. Sept. (DRB.) In der Nähe von Lüttich ereignete sich eine schwere Explosions-Kata­strophe. Eine neue Eisenbahnbrücke ;n Val-Beloit ist am Donnerstagabend bei einem Ge­witter vom Blitz getroffen worden. Da die Brücke aus militärischen Gründen mit Minen belegt war, kam es zu einer gewaltigen Ex­plosion. Die Brücke stürzte in d i e Maas. Im Augenblick der Explosion fuhr ein voll­besetzter Personenzug auf die Brücke. Die Lokomotive und der Tender dieses Zuges find in die Maas gefallen. Zahlreiche Fahrgäste wurden durch die Trümmerstücke der explodierten Minen ge­troffen und verletzt. Der Lokomotivführer und der Heizer des Zuges wurden getötet. Ebenso fand der Führer einer Lokomotive die von der anderen Seite auf die Brücke fuhr, den Tod. Auch diese Lo­komotive stürzte in den Fluß. Die Katastrophe for­derte, soweit bisher bekannt ist, 12 Todesopfer und 46 Verletzte. Unter den Toten sind ferner vier Soldaten, die die Brücke bewachten. Der Scha­den ist sehr groß.

Infolge der gewaltigen Explosion, die durch dis vom Blitz entzündeten Minen verursacht wurde, wurden Hunderte von Fenstern im Umkreis zerstört. Eine Fabrik steht in Flammen, Wasserleitungen sind geborsten, und das Wasser hat sich in den Straßen verbreitet. Die Brücke von Ougree, die sich in nächster Nähe der in die Luft geflogenen Brücke befindet, ist ebenfalls eingestürzt. Zwei Personen, die sich in der Nähe befanden, sowie ein Soldat, der auf der Brücke Wache hielt, wurden getötet.

Brütfcnneubßu eingestürzt.

Von 40 Arbeitern bisher nur sieben gerettet.

Aus Stockholm wird gemeldet: In Hernoesund stürzte während des Baues eine Brücke über den Angermanelven ein. 40 Arbeiter, die auf der Brücke tätig waren, stürzten ins Wasser. Bisher konnten sieben Arbeiter gerettet werden.

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Der Täter mitten unter uns

Roman von Kurt Riemann

Copyright by Verlag Dskar Meister, Werdau L Sa.

21. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Das ist das Glück eines Mannes", fügte sie leise hinzu,eine Frau aber ..."

Sie bricht ab, als reue sie dieses Gespräch bereits und hastig gibt sie der Unterhaltung eine andere Richtung.

Warum haben Sie eigentlich nicht geheiratet, Herr Doktor? Ich kann mir denken, daß manche Frau glücklich wäre, zu geben, was Ihnen fehlt! Einern Manne Kamerad zu sein, der so in seiner Arbeit lebt wie Sie ... das ist doch das schönste Frauenlos."

Er lächelt mühsam und legt die Hände fest auf dem Rücken zusammen. Nur jetzt nicht verraten, wie es in ihm aussieht!

,Zch habe wenig Zeit gehabt", stößt er kurz her­vor.Dann ist auch die Rechte nicht dabei gewesen. Und als sie kam ... da gehörte sie einem anderen Manne. Können Sie begreifen, was das heißt?"

,Ja."

Vivian blickt still zu Boden. Sie getraut sich nicht weiterzufragen.

Schweigend gehen sie zurück. Als sie in ihren Wagen steigt, reicht sie ihm die Hand, die er lange in der feinen hält.

Wir tragen jeder das Schicksal, das wir verdient haben ... ich danke Ihnen für diese Stunde."

Und wann werben mir wieder miteinander so reden können?"

Bitte ... nicht wieder! Ich ... bin nur eine Frau ... und habe auch ein Herz. Es war sehr schön. Leben Sie wohl, Doktor. Man muß lernen, gut zu vergessen!"

Leise surrend entfernt sich der Wagen. Er aber lächelt still vor sich hin.Vergessen? ... Nein, man soll behalten, was das Schicksal Schönes schenkt.

Auch wenn's nicht soviel ist, wie man wohl wünschte!"

Lange sieht er ihrem Wagen nach, dann steigt er versonnen in den seinen und läßt ihn langsam hügelab in die Stadt rollen.

Er bemerkt es nicht, daß sich ein breitschultriger Herr, dem man den Beamten von Scotland-Pard auf zehn Schritt ansieht, sehr eingehend nach ihm erkundigt und voller Befriedigung dem einzigen Kellner des stillen Lokals ein Geldstück in die Hand drückt.

Daß das der Herr Doktor war, wußte ich, aber daß er einsame Spaziergänge mit Frau Vivian Holgerson unternimmt ... schau, schau!"

Behaglich schmunzelnd sieht er noch eine Weile dem entschwundenen Wagen nach.

Wo ist denn das Telephon?" fragt er dann den Ober.Ich habe ein Gespräch nach der City zu erledigen."

18.

Ein F a u st s ch l a g.

Am nächsten Morgen kommt es im Werk zu jenem Zusammenstoß zwischen Hellmers und Hol­gerson, von dem noch die Rede sein wird.

Gegen neun Uhr fand sich Holgerson mit William Perkins zusammen im Werk ein, um eine ein­gehende Besichtigung vorzunehmen. Hellmers hat man gebeten, die beiden Herren zu begleiten.

Während Perkins in feiner betulichen, harmlosen Art fast alles lobt und auch bei den wenigen Gegen­vorschlägen, die er Hellmers unterbreitet, immer Sachkenntnis und Zurückhaltung zeigt, ist Holgerson von einer anmaßenden Torheit, die Joachim lang­sam aber sicher in eine verzweifelte Wut treibt.

Er sieht, wie die Arbeiter grinsen, wenn Holger- son durch seine Fragen beweist, daß er die Grund­prinzipien der Fabrikation nicht erfaßt hat. Er selbst kommt sich vor wie ein Narr, als er ihm die verwickelten Vorgänge an den einzelnen Maschinen erläutert.

Und immer diese abfälligen Bemerkungen, die offenbar niemand anders treffen sollen als ihn.

Zuerst tut er so, als höre er das gar nicht. Er weiß ja, daß Holgersons Tage hier gezählt sind, dafür wird Mrs. Holgerson schon sorgen.

1 Aber im Labor reißt ihm doch die Geduld.

Hier also brüten Sie Ihre Ostereier aus!" Mit diesem dummen Witz durchschnüffelt Holgerson die weiten Räume, in denen die Angestellten kaum auf­blicken von ihren Mikroskopen und Retorten, ruhig weiternotieren, sich leise Anweisungen und Ergeb­nisse zurufen.

Still lächelnd folgt ihm William Perkins. Offen­bar nimmt er den Komödianten genau so wenig ernst wie Hellmers.

Im Privatraum Joachims endet die Besichtigung.

Und hier in diesem Schrank befinden sich die Pläne für unsere letzten Werkerfindungen!" , be­schließt Hellmers die Führung und läßt beide einen Blick in den mächtigen Stahlschrank tun.

Jetzt bringt Holgerson endlich heraus, was ihn bewogen hat, diese .Inspektion" wie er es nennt, zu unternehmen.

Alles ganz ordentlich, lieber Doktor!" meint er gönnerhaft.Aber nun kommt doch wohl anderer Schwung in die Bude. Jetzt wird verdient! Heftig sogar! Sie verstehen doch?"

»Hellmers faßt den eleganten Mann scharf ins Auge.

Bitte ... verdienen wir etwa nicht? Wenn mich nicht alles täuscht, haben die Werke Ihnen eine an­sehnliche Erbmasse erarbeitet."

Das entzieht sich wohl Ihrer Beurteilung! Mischen Sie sich bitte auf keinen Fall in Ange­legenheiten der Werksleitung!" weist ihn Holgerson schneidig zurück.Ich sage: hier wird zuviel experi­mentiert und zu wenig fabriziert! Wir find nicht dazu da, den andern zu zeigen, wie man's macht, damit sie den Rahm abschopsen. Versuchen kostet Geld. Begreifen Sie das? Von jetzt ab: unser Geld, verehrter Herr Hellmers!"

Einen Augenblick ist Joachim ganz verblüfft.

Haben Sie diese Weisheit etwa allein ausge­dacht?" fragt er zurück, als hätte er nicht recht ver­standen.

Bitte ... das sind die Ergebnisse meiner Be­ratungen mit Fachleuten!"

Schöne Fachleute! Entweder sind das Narren oder rücksichtslose Profitjäger, die Ihnen das ver­zapft haben!"

Wollen Sie diese Behauptung aufrechterhalten, wenn ich Ihnen sage, daß ich mich darüber mit Mister William Perkins unterhalten habe?"

Ich kann mir nicht denken, daß Mister William Perkins sich so geäußert hat."

Beschwichtigend meint Perkins, das habe er natürlich nicht in dieser krassen Form gesagt, jedoch sei er im Grunde genommen zu einem gewissen Teil der gleichen Meinung.

Das heißt also: ich kann gehen?"

Aber um Himmels willen!" stöhnt Perkins ent­setzt. Sie werden uns doch nicht falsch verstehen? Liebster, bester Herr Doktor! Das sind doch alles nur Mißverständisse! ..."

Nimmt Herr Holgerson zurück, was er behaup­tet hat? Soll dieses Werk so weitergedeihen wie es unter Sir John Perkins ausgewachsen ist ober wollen Sie die allgemeine Plünderung sofort be­ginnen?"

Was für unverschämte Ausdrücke!" brauft Holgerson auf.Was fällt Ihnen ein? Sie ver­gessen, daß Sie hier Angestellter sind! Sie sind zum nächsten Termin entlassen!"

Ruhig sieht ihn Hellmers von oben bis unten an.

Glauben Sie etwa im Ernst, daß ich nach alle­dem noch eine Stunde länger geb rieben wäre, als cs nötig ist? Bestimmt nicht, verehrter Herr. Aber ich habe noch Zett, Ihnen die Wahrheit zu sagen, Herr Holgerson! Männer wie Sir John Perkins brauchten ein Leben, um solch Werk aufzubauen. Aufgeblasene Narren und Nichtskönner wie Sie reißen es in drei Monaten in den Abgrund. Sie müssen hier erst ausgeschaltet werden, verschwin­den müsset Sie, Herr Tenor, sonst ... na, ich bin zu Ende! Trotzdem dürfte in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen sein."

Unverschämter Lümmel!" Knirschend vor Wut stürzt sich Holgerson auf Hellmers, aber der läßt ihn kaltblütig gegen seine Faust anrennen, daß er mit einem Wehelaut zusammenbricht.

Joachims Faust ist ihm in die Magengrube ge« fahren.

Um's Himmels willen!" stöhnt der alte Per­kins.Was haben Sie getan? Seid ihr denn alle beide wahnsinnig geworden?"

Ich werde den Laboratorlumsdiener schicken, da­mit der ohnmächtige Operettenheld da seine Beine wiederfindet!" entgegnet Hellmers verächtlich.Ein seltsamer Held! Dabei habe ich ihn kaum ange­rührt l"

(Fortsetzung folgt.)