Ausgabe 
1.9.1939
 
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-Aus der Stadt Gießen.

Achtung! Luftschutz!

Wenn die goldenen Aepfel reifen...

Don M. A. v. Lütgendorff.

In Großdeutschland kommen auf je 100 Einwoh­ner durchschnittlich 155 Aepfelbäume, und in guten Apfeljahren kann der Durchschnittsertrag dieser Bäume bis auf 30 Kilogramm für den Baum stei- aen. Der Gesamtbedarf des deutschen Volkes an Aepfeln beträgt eine volle Milliarde Kilogramm. Eigentlich sind das schon fast unvorstellbare Mas­sen, aber diese Apfelmilliarden stellen durchaus keine Phantasiezahlen dar, sondern sind Tatsachen. Es gibt sogar Jahre, in denen selbst diese Riesen- zcchl von der deutschen Apfelernte noch übertroffen wird. Rund drei Viertel des Obstes, das in Deutsch­land geerntet wird, sind nämlich Aepfel. Und es sind wirklichgoldene" Aepfel, denn sie dienen der Volksgesundheit und straffen das Wirtschaftsleben, und das ist der beste Dienst, den sie uns leisten können.

Die Bedeutung des Apfels für das Wirtschafts­leben wurde schon früh erkannt. Bereits im Jahr 500 n. Z. gab es bei den Germanen Gesetze, die den ansässigen, wie auch den einwandernden Land­mann zur Anlage und Pflege von Obstbäumen das heißt vornehmlich Apfelbäumen verpflichte­ten, und dreihundert Jahre später war der deutsche Apfelbau schon auf einer verhältnismäßig hohen Stufe, In Bayern forderte ein altes Gesetz den An­bau von 16 Obstbäumen worunter fast nur Apfelbäume verstanden wurden für dengan­zen Hof". Befanden sich in einem solchen Hof weni­ger als die vorgeschriebenen Obstbäume, jo mußte für jeden fehlenden Baum eine Geldstrafe entrichtet werden.

Selbst im Rechtsleben hat der Apfel einmal eine Rolle gespielt, indem das westgotische Gesetz ver­langte, daß jedem Knaben unter sieben Jahren von einer Gerichtsperson ein Apfel vorgehalten werden sollte oder eine Münze. Griff er nach dem Apfel, so glaubte man ihn für die Landwirtschaft geeignet, suchte er dagegen die Münze zu fassen, so bestimmte man ihn für den Handelsberuf, oder sonst einen schwierigen" Lebenserwerb. Uebrigens gab man in der althochdeutschen Sprache dem Apfelbaum den weiblichen Artikel, so daß es also nichtber", son­derndie" Apfelbaum hieß. Die älteste deutsche Be­zeichnung für den Apfel lauteteaphul" oder aphol", während man den Apfelbaumapioltre" oderaphultra" nannte.

Die Wissenschaft der Neuzeit hat aus dem Apfel manches herausgeholt, von dem man sich in frühe­ren Zeiten nichts hat träumen lassen. Da ist zum Beispiel sein Vitamin geh alt, der, nebenbei bemerkt, in der Schale des Apfels sechsmal so groß ist als im Fruchtfleisch in der Nähe des Kerngehäuses, da­her man denn einen Apfel lieber ungeschält ver­zehren sollte. Dann stellt man heute aus den Pek­tinstoffen, den Gallertkörpern des Apfels, ein Blut­stillungsmittel her, Sangoftop genannt, mit dem sich durch Einspritzungen oder Einführung in Ma­gen oder Darm ganz verblüffende Erfolge bei Blu­tungen erzielen lassen, die namentlich Bluterkrankte so häufig in schwere Lebensgefahr bringen. Eine andere Heilwirkung geht vom Apfel aus, wenn man ihn im zerriebenen Zustand bei Darm- Erkran-kungen anwenüet, wobei der erregungshem­mende Einfluß hauptsächlich durch die im Apfel enthaltenen Obstsäuren und den Gerbstoff bedingt wird, die den Darm mechanisch reinigen und ent­giften.

Dazu kommt noch eine merkwürdige Eigenschaft des Apfels, nämlich die Tatsache, daß Aepfel auf -in der Nähe befindliche Gewächse keimungs- und Wachstumshemmend einwirken können. Lagert man zum Beispiel ungekeimte Kartoffeln mit frischen reifen Aepfeln zusammen, so wird die Bildung der Augen bei den Kartoffeln stark unterbunden, ähn­lich verhält es sich auch, wenn man Wickenkeim- linge mit Aepfeln zusammenbringt, da auch in d'e- sem Falle das Wachstum der Keimlinge fast völlig gehemmt wird. Auch Bananen- und Orangenkeimlinge unterliegen der gleichen Beeinflussung, deren Ur­sache zweifellos in einer die genannten Pflanzen schädigenden Ausdünstung der Aepfel liegt. Wodurch derApfelhauch" seine Nachbarn schädigt, ist aller­dings noch nicht geklärt.

Rotbäckig, saftig, groß und klein, gelb oder grün­lich, hängen die Aepfel jetzt zwischen dem dunklen Laub, und zwar zwischen viel Laub, weil auf jeden Apfel auf seinem Baum ungefähr 30 bis 50 Vlät- ter kommen. Aberwenn es so weit ist", dann haben jung und alt gute Zeiten. Denn Apfelzeit fft und bleibt goldene Zeit.

Vornotizen.

Tageskalender für Frelkag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Der Polizeifunk meldet".

Kein Ehrenkreuz für verfforbeneMütter.

Der Reichsinnenminister stellt in einem Erlaß nochmals klar, daß an verstorbene kinderreiche Müt­ter gruicksiätzlich keine Verleihung des Ehrenkreuzes erfolgen kann. Lediglich in den Fällen, in denen die zu ehrende Mutter zwischen dem auf der Ver- lechungsurkunde angegebenen Tag und dem Aus­händigungstag stirbt, kann den Angehörigen Ehren- kreuz und Verleihungsurkunde überlassen werden.

BOM- und Zungmädel des Gaues Heffen-Tlaffau bei der Obsternte.

NSG. Um den Ertrag der in diesem Jahre so überaus reich ausgefallenen Obsternte sicherzustellen, haben alle hessen-nassauischen BDM.- und Jung­mädeleinheiten und die Arbeitsgemeinschaften des VDM.-WerkesGlaube und Schönheit" Weisungen erhalten, sich in diesen Wochen erneut zum Ernteeinsatz und zum Helfen bei der Ob st ernte bereit zu stellen. Gerade die flinken Hände unserer Jungmädel können beim augenblick­lichen Arbeitskräftemangel wertvolle Hilfsdienste leisten; z. B. durch das Auflesen von Fallobst, durch Entsteinen von Zwetschen und Pflaumen für das in melen Orten unseres Gaues übliche Honigkochen, durch Schälen von größeren Mengen von Kernobst, iias zum Dörren bestimmt ist, usw. Der BDM.- Obergau Hessen-Nassau führt diese Aktion in Zu- ammenarbeit mit den Kreisbauernschaften durch. Anforderungen von Einsatzkräften sind an die zu- tändigen Untergaudienststellen des BDM. zu richten.

Fernunterricht durch

das Deutsche Volksbildungswerk.

NSG. Das Deutsche Volksbildungswerk führt in Zukunft Fernunterricht durch, an dem jeder teil- nehmen kann, der sich in der Muttersprache nicht sicherfühlt. Er soll vor allem denen helfen, die aus rgendwelchen Gründen nicht in der Lage sind,

auch Kompott einzukochen, soweit der Zucker irgend­wie reicht. Auch bis zum Spätherbst können wir hier und da einmal, wenn z. B. Wäsche ist, die Tagesarbeit durch unsere Konserven vereinfachen. Rasch ist das geleerte Glas wieder mit dem gefüllt, was billig am Markt ist. Ob Obst, ob Gemüse oder z. B. Tomatensalate, alles lohnt sich einzumachen, wenn man preiswert kauft.

Kaum bekannt ist, daß man auchMischobst" sterilisieren kann. Birnen, Pfirsiche, Pflaumen oder Zweffchen, Mirabellen usw. vertragen sich gut im Glase. Jedes Eckchen im Glase kann dabei ausge­füllt werden. Pfirsich- und Birnenscheiben, blau- oder rotschalige Früchte geben dem Ganzen eine herrliche Farbe. Später ist Mischobst von Apfel- und Birnscheiben, Zwetschen und Herbstpfirsichen oder einigen Melonenscheiben einzulegen.

Die obstarme Zeit des letzten Winters hat gewiß vielen Hausfrauen bewiesen, wie wertvoll eigene Vorräte bei großer Familie sind. Mag namentlich in den ersten Tagen der Bezugsscheinpflicht die Zuckerzuteilung das Einkochen von Obst bestimmen, so fällt diese Beschränkung bei Gemüse ganz weg. Es gibt jetzt soviel Gemüse zu kaufen und in soviel Arten, daß jeder Geschmack auf seine Rechnung kommen kann. Bei den Hausftauen liegt es, sich ausreichend einzudecken.

** Die Reichslotterie findet statt. Der Präsident der Deutschen Reichslotterie weist nochmals darauf hin, daß die Ziehung der 5. Klaffe am Sams­tag, 2. September, beginnt.

* Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 16. bis 31. August: 16. August: Margarete Steller, geb. Pfeffer, o. B., Wwe., 84 Jahre, Schillerstraße 9; 17.: Adolf Helfen­bein, o. B., 61 Jahre, Marburger Straße 83; Carl Schmidt, Goldschmied, 69 Jahre, Bahnhofstraße 10; 21.: August Krebs, Amtsgehilfe a. D., 68 Jahre, Seltersweg 62; 22.: Michael Wolz, Invalide, 80 Jahre, Steinstraße 73; Theodore Jochim, Schnei­derin, 25 Jahre, Kaiserallee 139; Erwin Müller, Koch, 27 Jahre, Seltersweg 19; 23.: Elise Mades,

Hast du schon deine Selbstschuhgeräte beisammen?

Durch die 7. Durchführungsverordnung zum Luft­schutzgesetz ist den Hauseigentümern die Be­schaffung von Selbstschutzgeräten für jede Luftschutzgemeinschaft zur Pflicht gemacht worden. Bei der Erfüllung der Verpflichtung wir­ken sämtliche Mieter des Hauses mit. Die Vermieter- und Mieterverbände haben im Einver­nehmen mit dem Reichsluftfahrtministerium einen Aufruf erlassen, in dem zur gemeinsamen Zusammenarbeit bei der Beschaffung der Selbstschutzgeräte aufgefordert wird. Auf der Rück­seite des Aufrufes ist eine Liste mit den notwendigen Geräten abgedruckt.

In den Luftschutzgemeinschaften, in denen die Ge­räteaufstellung noch nicht vollständig ist, gehe des­halb der Luftschutzwart mit dieser Liste zunächst zum Hauseigentümer und lasse dort diejenigen Ge­genstände eintragen, die der Hauseigentümer von sich aus beschaffen oder zur Verfügung stellen kann. Danach begebe sich der Luftschutzwart von Mieter zu Mieter, erläuterte ihnen Art und Zahl der noch

fehlenden Geräte und stelle durch Eintragung in der Liste fest, welche Gegenstände der Mieter zur Verfügung stellt oder welchen Geldbetrag er spendet.

Die meisten Selbstschutzgeräte werden in den einzelnen Haushaltungen bereits vorhanden fein, z. B. Eimer, Wasserbehälter, Sandkisten, Schaufeln, Aexte. Andere Geräte, z. B. Einreißhaken, Feuer­patschen, können unschwer aus vorhandenen Mitteln selbst hergestellt werden. Der Luftschutzwart gibt hierzu die notwendige Auskunft.

Die Luftschutzhausapotheke und die Handfeuerspritze müssen dagegen gekauft werden. Wo sie nicht erhältlich sind, rann die Luft­schutz-Hausapotheke durch Einzelbeschaffung ihrer wichtigsten inhaltlichen Bestandteile bei Apotheken oder Drogerien einstweilen ersetzt werden. Solange eine Handfeuerspritze noch nicht vorhanden ist, kön­nen als Ersatz zusätzliche Wassereimer verwendet werden. Sehr gute Dienste leisten auch Garten- und Garagenschläuche, die an die Haus- wasserleitungen angeschlossen werden können.

Heffen-Aaffaus Frauen fmb tapfere Kameraden

NSG. Die ersten Tage der Bezugsscheinpflicht für die wichtigsten Nahrungsgüter liegen hinter uns. Sofort nach Verkündung dieser vorsorglichen Maßnahme der nationalsozialistischen Staatsfüh­rung hatten alle Haushalte in den Städten und Dörfern unseres Gaues die Bezugsscheine erhalten, die dafür forgen, daß eine gerechte Vertei­lung der reichlich vorhandenen Le­bensmittel im Ernstfall erfolgt. Im national» ozialistischen Staat hat nicht der den Vorzug, >er über einen größeren Geldbeutel verfügt, son­dern alle Volksgenossen haben die gleichen Rechte, wie sie auch die gleichen Pflichte dem Staat gegen­über zu erfüllen haben. Es wird hierin keine Aus­nahme geben. Jeder bildet ein Glied in der großen Volksgemeinschaft, die in ihrer Gesamtheit das Schicksal des Volkes in frohen und ernsten Zeiten teilen muß.

Die Frauen des Gaues Heffen-Nafsau haben die weitblickende Vorsorge verstanden und sich sofort umgestellt. Ueberall im Rhein-Main-Gebiet hat das Geschäftsleben nach der Einführung der Be­

zugsscheine ohne größere Stockungen seinen Fortgang genommen. Dem Ge­schäftsmann gebührt dafür Anerkennung. Diese Tatsache kennzeichnet aber auch die entschlossene Haltung unserer Frauen allen Maßnahmen gegen­über, die von der Regierung getroffen werden. Viele haben die Nöte des Weltkrieges miterlebt. Daß der Führer bei einer aufgezwungenen kriege­rischen Auseinandersetzung um die Lebensrechte der Nation die Not nicht erst an das Volk heran­kommen läßt, sondern ihr schon in Krffenzeiten vor­beugt, hat sie im Glauben an ihn noch bestärkt. Mit Rühe sehen sie der weiteren politischen Ent­wicklung entgegen.

Die letzten Tage haben so gezeigt, daß auch im Gau Hessen-Nassau die Frauen tapfere Kamerad­schaft halten. Wie chre Männer einsatzbereit an den Grenzen des Reiches zum Schutz des Vaterlandes stehen, werden sie an ihrer Stelle dem Führer bei der Durchsetzung der Lebensnotwendigkeiten des Volkes helfen und damit der Nation dienen.

Jagd und Forst im September.

Der September birgt eine Fülle von Geheim- niffen und Schönheiten im Walde, die in sich, wie das buntgefärbte Herbstlaub, schon eine Vorahnung vom Sterben des Jahres, von der Erstarrung des Winters bergen. Nicht nur, daß der Wald sich vor der kommenden Oede festlich schmückt, auch die Tiere scheinen vor der Notzeit des Winters ihre besten Kräfte zu entfalten und chre herrliche Viel­fältigkeit zeigen zu wollen.

Wenn die Zugvögel rufen, die Kraniche sich auf den Wiesen sammeln oder mit lautem Rufen in die Lüfte zu erheben, zu dem eigentümlichen Keil formen und südwärts ziehen, dann befällt den Forstmann, der gerade mit dem Auszeichnen der für die Durchforstung vorgesehenen Bestäicke be- chäftigt ist, ein schmerzliches Gehobensein; bald sind wieder Novemberstürme, Schnee und Winter, wer­den Axt und Säge des Waldarbeiters zur Ernte des Holzes die Stille des- Waldes erfüllen.

Wenn die Störche sich zu Taufenden auf den Feldern sammeln und in einzelnen Zügen süd­wärts ziehen, hält der Jäger bei seiner Pürsch inne und eilt in Gedanken dem Vogelzug voraus an die fetten Gestade des Nils in Afrika, wo die Vögel wiederum Winterquartier beziehen werden. Lange hält den Jäger die Sehnsucht auf seiner Pürsch fest, obgleich er im Revier zu tun hat: es gilt Wechsel und Standort der Hirsche festzustellen, die zwar noch in der Feiste sind, aber sich schon immer mehr zu den Brunftrudeln schlagen und Ende Sep­tember ihre urigen, halligen Brunfffchreie ertönen lassen werden. Gleichzeitig gilt es aber auch, wenn Damwild im Revier ist, die Feisthirsche auszu­machen, denn auf diese zu jagen ist Hirsch- und weidgerecht, weil der Damschaufler in der Feist- zeit viel vorsichtiger ist als in der Brunstzeit Ende Oktober. Selbstverständlich müssen in erster Lime die Artverderber und Kümmerer zur Strecke kom­men, während die starken Hirsche für die Brunst erhalten bleiben müssen. Don Mitte des Monats an ist an den Abschuß von weiblichem Rotwild und

Rehwild zu denken. Der Waldjäger, der in seinem Bezirk auch Schwarzwild beherbergt, muß an den Abschuß von Ueberläufern und Keiler denken, um Schäden an benachbarten Feldern zu vermeßen.

Wenn die Brachvögel oder Regenpfeifer am Abend ziehen, oder Gänse ihre Eins an den Him­mel malen, wird der Jäger sich auch erinnern, daß die Tage kürzer, die Nächte länger werden und für fein Wild durch vorbeugende und helfende Maß­nahmen die winterliche Not gemildert werden muß.

Wenn die Zugvögel ziehen und an der Dichtung ein Schwarm von Meisen unter der Führung eines Buntspechtes turnt und zwitschert, morgen Zeisige in den Zweigen hängen, dann wieder Goldhähn­chen oder Zaunkönige da sind, dann weiß der Forstmann, daß es Zeit wird, die Herbstkultur­arbeiten einzuleiten, damit sich nicht zuviel Arbeit zusammendrängt, und die Pflegearbeiten das Anbringen von Teer und anderen Schutzmitteln an die Jungpflanzen gegen Wildverbiß durchführen zu lassen. Er weiß dann auch, daß es Zeit wird, Luderschächte anzulegen, Schlagbäume herzurichten und die Plätze für die Aufstellung von Schwanen­hälsen auszuwählen, damit der Fang bes. Raub­wildes im Winter vorbereitet ist. Er weiß, daß auch die Krähen von dem Wandertrieb der Zug­vögel ergriffen sind und stundenlange Schwärme aus dem Norden in Deutschlands Gaue einwandern und hier an jungem und kranken Wild unermeß­lichen Schaden verursachen können. Er wird des­halb die aufgestellten Krähenhütten auffuchen und mit dem echten oder künstlichen Uhu Krähen be- jagen.

Wenn die Zugvögel ziehen und rufen, füllt die Natur den Wald mit tausend köstlichen Farben aus, dann läßt sie den König des deutschen Waldes in brünstiger Liebe rufen, daß das Echo vielfältig widerhallt, bann läßt sie die reiche Tier- und Vogel­welt in allen Bäumen, A-esten und Zweigen er­scheinen und zeigt ihre Pracht dem, der zu sehen versteht.

Abendkurse zu besuchen. Wie viele Volksgenossen auf dem Lande können z. B. nicht an den Veranstal­tungen des Volksbildungswerkes teilnehmen, weil die nächste Uebungsftätte zu weit entfernt ist. Viele in der Stadt möchten sich auch beteiligen. Ihr Be­ruf ober anbere Pflichten la fen ihnen aber keine Zeit dazu! Diesen Volksgenvs en werden die neuen Fernkurse sicher willkommen ein,

Anmeldungen für die Fernunterrichtskurse nimmt die Gaudienststelle des Deutschen Volksbildungs­werkes in der Gauwaltung der DAF. Hessen-Nassau entgegen. Die Teilnehmer erhalten ein Lehrbuch. Die darin gestellten Aufgaben sind schriftlich zu be­arbeiten, die Lösungen an die Gaudienststelle einzu­schicken. Der Unterrichtsleiter sieht die Arbeiten durch und schickt sie verbessert zurück mit Anweisun­gen und Ratschlägen. Außerdem wird er jederzeit gerne Fragen beantworten. Um Lehrer und Kurs­teilnehmer in noch engere Fühlung zu bringen, ist beabsichtigt, in gewissen Abständen eine Besprechung von Arbeiten und Beantwortung von Fragen der Kursteilnehmer im Rundfunk einzuschieben.

Jede Hausfrau sollte sich reichlich mit Obff und Gemüse eindecken.

NSG. Durch die Rationierung mehrerer Lebens­mittel beschäftigt jede Hausfrau die Frage:Soll ich einmachen?" In jedem jungen Haushalt sollte einer der billigen ©terilifierungsapparate vorhanden sein. Die kluge Hausfrau benutzt ihre Gläser min­destens dreimal im Jahre. Sie kauft immer dann ein, wenn die Ware am billigsten, frisch und in Massen am Markte ist, wie zur Zeit Gemüse und Obst. Sie hält aber nur Vorrat, wenn sie geeig­neten Raum zum Aufbewahren hat.

Die Hausfrau sterilisiert z. B. Winteräpfel gegen Ende des Winters, ehe die Aepfel an Wert ver­lieren, als Apfelmus, der bis zur Rhabarberernte verbraucht wird. So umgeht sie die obstknappe Frühlingszeit. Hochbetrieb herrscht jetzt von August bis in den Spätherbst. Wird Fallobst nach Sturm angeboten, so kauft sie, um viel Brotaufstrich, aber

geb. Seyer, o. B., 82 Jahre, Licher Straße 74; 24.: Karl Römer, Invalide, 72 Jahre, Wetzsteingasfe 4; Minna Schreiner, geb. Günter, o. D., 33 Jahre, Hinter den Schießgärten 26; 25.: Luise Neuling, o. B., Wwe., geb. Salzmann, 84 Jahre, Stein­straße 72; 26.: Jakob Weinehl, städtischer Arbeiter, 45 Jahre, Walltorstraße 23; 27.: Minna Schädel, geb. Volp, o. B., 74 Jahre, Ludwigstraße 46; 28.: Ernst Schupp, Zugschaffner a. D., 47 Jahre, Frank­furter Straße 136; Johannette Ockel, geb. Jughard, o. B., 66 Jahre, Plockstraße 14; 29.: Friedrich Habe- nicht, Kaufmann, 48 Jahre, Horst-Weffel-Wall 32; 30.: Meta Döll, geb. Schröder, o. B., 82 Jahre, Rodheimer Straße 30; Konrad Wörner, Lokomotiv­führer a. D., 85 Jahre, Rodheimer Straße 30; 31.: Louis Lich, Autoschlosser, 63 Jahre, Landgraf-Phi- lipp-Platz 8.

Aus der engeren Heimat.

Todessturz von der Leiter.

Der 80 Jahre alte Landwirt Philipp Leib in Gleiberg stürzte so unglücklich von der Lei- ter, daß er mit schweren inneren Ver­letzungen und einem Oberschenkelbruch nach Gießen in die Klinik eingeliefert werden mußte. Hier ist der bedauernswerte Mann am heutigen Freitag früh seinen schweren Verletzun­gen erlegen.

Der vor einigen Tagen bei Erntearbeiten in Kirtorf in der Scheune abgeftürzte und mit schweren inneren Verletzungen in die Gießener Klinik eingelieferte Adolf Sonnen­schein liegt auch heute noch in der Klinik i n ernstem Zustand darnieder.

Großfeuer im Schliherlaud.

Lpd. Schlitz, 31. August. Im Anwesen des Bauern Johannes Rinn er in Unter-Weg­furth brach ein folgenschweres Schadenfeuer aus, dem die ganzen Oekonomiegebäude zum Opfer fielen. Das Feuer, das in der Scheune fei­nen Ursprung hatte, fand an den fast vollständig eingefahrenen Erntevorräten reiche Nahrung und breitete sich mit großer Geschwindigkeit aus. Nur mit Mühe konnte das Vieh gerettet werden. Scheune und Stall verbrannten vollständig, dagegen gelang es, das Wohnhaus zum größten Teil zu erhalten.

Landkreis Gießen.

A Groß en°Linden, 30. Aug. Dieser Tage konnte unsere älteste Einwohnerin, die Witwe Christine Peppler, geborene Stamm, Bahnhofstraße 110, ihren 8 9. Geburtstag feiern. Die Greisin ist chrem Alter entsprechend noch rüstig und macht noch Gänge in die Nachbar­schaft, nur die Sehkraft hat nachgelafsen. Durch die Rührigkeit der hiesigen NS. - Frauenschaft und den Opfersinn der Bevölkerung konnte hier beträchtliche Anzahl Kleidungsstücke für deutsche Flüchtlinge aus Polen gesammelt werden.

* Laubach, 1. September. Der diesjährige Schwimmunterricht an unserer Volks­schule hat bis heute folgendes Ergebnis gebracht. Von insgesamt 75 Schülern der vier oberen Jahr­gänge sind 41 Schwimmer; das sind nicht ganz 55 v. H. Dieses nicht günstige Verhältnis hat unter anderen Ursachen die der mehrfachen längeren Er­krankungen im Lehrkörper im vorigen Jahr. Gut dagegen ist die Leistungshöhe der Schwimmer. Von den genannten 41 sind 33 Freischwimmer, darunter wieder 25 Fahrtenschwimmer. Zwei derselben, Fritz Frank und Johanna Franz, haben den Grund- schein erworben. In diesem Sommer wurden auch zum ersten Male kleine Versuche mit dem 3. und 4. Schuljahr (im ganzen 50 Schüler) unternommen. 15 derselben können nun schwimmen, 7 von letzteren sind Freischwimmer geworden. Als hervorragend muß bezeichnet werden, wenn Waltraud Rausch (nicht ganz 9 Jahre alt) und Margot Göbel (9 Jahre) sich neben dem Freischwimmer- auch noch das Fahrtenschwimmerzeugnis erwerben konnten.

Kreis Friedberg.

= Butzbach, 30. Aug. Heute nachmittag gingen mehrere Gewitter von seltener Stärke über unserer Stadt nieder und waren von wölken- bruchartigen Regenfällen begleitet. Die Wassermengen stürzten von den angrenzenden Höhen durch die anschließenden Straßen. Gräben und Sinkkasten konnten sie nicht fassen, so daß die Straßen in ihrer Gesamtbreite von dem Wasser be­deckt waren. In tiefer gelegenen Stadtteilen stauten sich die Wassermassen und drangen in die Keller ein. Während des Gewitters fielen zeitweise größere Mengen Hagel.

Mit dem Motorrad in den Straßengraben.

Lpd. Dillenburg, 31. August. Der 25jährige Kraftfahrer bei der Reichsbahn Erich Ström- mer aus Eiershausen, der sich abends auf dem Weg zu seiner Arbeitsstätte befand, rannte mit seinem Motorrad, das wahrscheinlich auf der regenfeuchten Straße ins Schleudern geraten war, in den Straßengraben und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß er kurz darauf st a r b.

Ein jüdisches Schieberkonsortium kaltgestettt.

Lpd. Frankfurt a. M 31. August. Die Große Strafkammer verurteilte wegen Devisenverbrechens den polnischen Staatsangehöriaen Bernhard S i p- per und den in Frankfurt a. M. geborenen Benno Israel Stein lauf zu je fünf Jahren Zuchthaus und 100 000 RM. Geldstrafe unter Einziehung eines zum Teil in Gold beschlagnahm- ten Betrages von 80 750 RM. Es wurde festge­stellt, daß Sipper 150 000 RM. und Steinlauf 110 000 RM. nach dem Ausland verschoben hatten.

Die Angeklagten gehörten einer weitverzweigten jüdischen D e v i s e n s ch m u g g le r b a n d e an, die organisiert war, um gewerbsmäßig inländisches Kapital, insbesondere von Ostjuden, ins Aus­land zu verschieben. Das Haupt der Organisation war ein polnischer Jude, der früher in Saarbrücken ansässig war und sich jetzt in Paris aufhält. Als Helfershelfer bediente er sich seiner Verwandten und Bekannten. Der Zollfahndungsstelle gelang die restlose Aufklärung des Falles und die Beschlag­nahmung von Hunderttausenden. Eine Anzahl Be­teiligter, unter denen sich auch Frauen befanden, wurde bereits auswärts abgeurteilt; sie erhielten hohe Zuchthausstrafen. Die Bande sammelte bei Juden, die auswandern wollten, hohe Summen, die sie gegen entsprechende Prozente an Adressaten im Ausland verschieben wollten. Die Organisation war mit großem Raffinement aufgezogen und wurde von einem ausländischen jüdischen Bankunternehmen unterstützt. Der 23jährige