Ausgabe 
1.9.1939
 
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Frecher Llebersall polnischer Insurgenten auf den Gender Gleiwitz.

Empörende Schmährede auf Deutschland. Alle beteiligten Polen verhaftet.

12. Die H alb 1 nsel H ela, die entsprechend der Auskimmung wieder zu Polen oder zu Deutschland käme, würde in jedem Falle ebenfalls zu demili­tarisieren sein.

13. Da die deutsche Reichsregierung heftigste Be­schwerden gegen die polnische VNnderheiien- beHandlung vorzubringen hat. die polnische Re­gierung ihrerseits glaubt, auch Beschwerden gegen Deutschland vorbringen zu müssen, erklären sich beide Parteien damit einverstanden, daß diese Beschwer­den einer international zusammengesetzten Unter­suchungskommission unterbreitet werden, die die Aufgabe hat, alle Beschwerden über wirt­schaftliche und physische Schädigungen sowie sonstige terroristische Akte zu untersuchen. Deutschland und Polen verpflichten sich, alle seit dem Jabre 1918 etwa vorgekommenen wirtschaftlichen und sonstigen Schädi­gungen der beiderseitigen Minoritäten wieder gutzumachen bzw. alle Enteignungen aufzu­heben oder für diese und sonstige Eingriffe in das wirtschaftliche Leben eine vollständige Entschädigung der Betroffenen zu leisten.

14. Um den in Polen verbleibenden Deutschen so­wie den in Deutschland verbleibenden Polen das Gefühl der internationalen Rechtlosigkeit zu nehmen und ihnen vor allem die Sicherheit zu gewähren, nicht zu Handlungen bzw. zu Diensten herangezogen werden zu können, die mit ihrem nationalen Gefühl unvereinbar sind, kommen Deutschland und Polen überein, die Rechte der beiden Minder­heiten durch umfassendste und bindende Verein­barungen zu sichern, um diesen Minderheiten die Erhaltung, freie Entwicklung und Betätigung ihres Volkstums zu gewährleisten, ihnen insbesondere zu diesem Zweck die von ihnen für erforderlich gehaltene Organisierung zu gestatten. Beide Teile verpflichten sich, die Angehörigen der Minderheit nicht zum V e h r d i e n st heranzuziehen.

15. 3m Falle einer Vereinbarung auf der Grund­lage dieser Vorschläge erklären sich Deutschland und Polen bereit, die sofortige Demobil­machung ihrer Streitkräfte anzuordnen und durchzuführen.

16. Die zur Beschleunigung der obigen Abmachun­gen erforderlichen weiteren Maßnahmen werden zwischen Deutschland und Polen gemeinsam verein­bart.

Starker Eindruck in Berlin.

Grotze Menschenmenge am Wilhelmplatz.

Berlin, 31.Aug. (DNB.) Das großzügige An­gebot des Führers an Polen zur Erhaltung und Festigung des Friedens und die praktische Ableh­nung durch die polnische Regierung wurden um 21 Uhr durch eine Sondermeldung und in den Abendnachrichten um 22 Uhr bekanntgegeben. So­fort danach belebten sich die Straßen der Reichshauptstadt und zahlreiche Berliner ließen es sich nicht nehmen, noch zu später Nacht­stunde nach dem Wilhelm-Platz zu ziehen, um in der Stunde tiefen Ernstes dem Führer ihre Treue zu bekunden. Durch den Lautsprecher am Platz wurde die Bevölkerung über die politische Lage unterrichtet und die weit Über den Platz schallenden Nachrichten lockten immer mehr Berliner an. Be­sondere Genugtuung wurde bekundet, als die Mel­dung von der Ratifizierung des deutsch­russischen Abkommens durch Rußland durchgesagt wurde. Bald darauf gaben verschiedene Berliner Zeitungen Extrablätter heraus, die den Verteilern aus den Händen gerissen wurden. Besonders gegenüber der Einfahrt zur Neuen Reichskanzlei drängte sich die Bevölkerung, um von hier aus die An-'und Abfahrten der Politiker zu beobachten.

Ztaiien aufs stärkste beeindruckt.

Der großmütige Charakter der deutschen

Vorschläge eröffnete Möglichkeit einer friedlichen Lösung.

R o m, 1. September. (DNB.) Die deutschen Vor­schläge zur Lösung des deutsch-polnischen Konflikts haben, wieAgenzia Stefani" feststellt, in I t a -

lien einen ungeheueren Eindruck ge- macht. Zn gut unterrichteten Kreisen herrsche der Eindruck, daß nach der Veröffentlichung dieser Dor- schlüge zur Lösung der Danziger Frage, des Korri­dors und des Minderheitenproblems e i n K r i e g ein Verbrechen wäre, das die Weltöffentlich­keit nicht zulassen könne. Nach dieser Entwick­lung der Lage werde die Geistesverfassung Polens unerklärlich. Besonders unterstreicht man den vernünftigen und geradezu großmüti­gen Charakter der Vorschläge, die Deutschland unter den gegenwärtigen Umständen ge­macht habe. Der Gedanke einer V o l k s a b st i m - m u n g für den Korridor und die Zuweisung des Hafens von Gdingen an Polen sowie die Einsetzung einer internationalen Kontrollkommission biete ganz klar die Möglichkeit für eine friedliche Lösung. Es scheint unglaublich, daß diese Möglichkeit ungenützt fallen gelassen werden könne.

Holland findet polens Haltung unbegreiflich.

Amsterdam, 1. September. (DNB.) Der erste Eindruck, den der Inhalt der Vorschläge der Reichs­regierung an Polen in der holländischen Oeffentlichkeit gemacht hat, läßt sich dahin zusammenfassen, daß die deutschen Forderungen als außerordentlich mäßig und berechtigt bezeichnet werden. Man kann es nicht v er­st e h e n , wie über derartige loyale Vorschläge ein Gegensatz heraufbeschworen werden könnte, der die Völker in einen völkermordenden Krieg zu stoßen droht. In Holland bezeichnet man es als gerade­zu unbegreiflich, daß diese Vorschläge nicht die nötige Würdigung erfahren haben. Die Oeffentlichkeit ist erstaunt, über den gemäßigten Ton und Inhalt der deutschen Forderungen, da man durch die unaufhörliche Propaganda der Einkrei- sungsmächte innerlich auf viel weitgehen­dere deutsche Ansprüche vorbereitet war. Man war darauf gefaßt, daß die deutschen Vorschläge mindestens den Bestand des polnischen Staates be­drohen würden.

Italien auch für das ernsteste Ereignis gerüstet.

Zwei Armeen unter dem Kronprinzen und Marschall Graziani gebildet.

Rom, 31. August (DNB.) Der Duce hat in seiner Eigenschaft als Wehrmachtsminister das ita­lienische Heer in zwei Armeegruppen auf­geteilt. Den Oberbefehl Über oie erste Armee­gruppe erhält der italienische Kronprinz, dem die Armeegenerale Marin etti und Grosfi beigegeben werden. Den Oberbefehl über die zweite Armeegruppe erhält Marschall Graziani, dem die Generale Ambrosi und B a st i c o zur Seite stehen werden. General dall'Olgio, der langjährige Generalintendant für Krieasmaterialfabrikation, ist auf seinen Wunsch seines Amtes enthoben worden und durch General F a v e g r o s s i ersetzt worden.

Zu diesen Maßnahmen des Duce erklärtTri­buna", Italien sei bis zum letzten Mann bereit, in den Kampf zu ziehen. Alle Italiener ohne Altersunterschied seien geistig und ma­teriell gerüstet und entschlossen, auf alle An­nehmlichkeiten des täglichen Lebens zu verzichten in dem Bewußtsein, daß es um das Schicksal und die Größe des Vaterlandes gehe.Giornale d'Ita- 1 üa" sagt, die Schaffung der beiden Armeegruppen ' beweise, daß Italien auf jedes noch so ernste Ereignis vorbereitet sei. Beide Befehls­haber verkörperten das neue faschistische Italien. In dem Kronprinzen erblicke Italien den Vertreter der Tradition seines Herrscherhauses. Seiner Ernennung komme deshalb eine Bedeutung zu, die jedermann ohne weiteres erkenne, weil sie beweise, daß das italienische Volk auch auf dem Schlachtfelde mit dem Haus Savoyen vereint sei. Marschall Graziani fei das Sinnbild des Heldentums und der afrikanischen Mis­sion Italiens. So blicke Italien mit vollem Vertrauen auf den Duce und harre seiner Ent­scheidungen.

Breslau, 31.August (DNB.) Etwa um 20 Uhr am Donnerstag wurde der Sender Glei- wih durch einen polnischen Ueberfall befehl. Die Polen drangen mit Gewalt in den Senderaum ein. Es gelang ihnen, einen polnischen Aufruf in polnischer und zum Teil in deutscher Sprache zu verlesen. Sie wurden aber schon nach wenigen Minuten von der Polizei überwältigt, die von Glei- wiher Rundfunkhörern alarmiert worden war Die Polizei mußte von der Waffe Gebrauch machen, wobei es auf Seilen der Eindringlinge Tote gegeben hat.

Dazu gibt der Polizeipräsident von Gleiwitz die ersten Ergebnisse der sofort auf» genommenen Ermittlungen bekannt. Danach ist eine Gruppe von polnischen Insurgenten kurz nach zwanzig Uhr in das Gebäude des Senders Glei- witz eingedrungen. Zu dieser Zeit befand sich in dem Hause nur die übliche kleine Nacht­wache, zumal der Sender Gleiwitz am Donners­tagabend kein eigenes Sendeprogramm mehr durch­sagte, sondern die Sendungen des Reichssenders Breslau übernahm. Die polnischen Aufständischen müssen eine ausgezeichnete Ortskennt­nis des gesamten Sendegebäudes gehabt haben. Sie schlugen die Wache nieder und stürmten sofort in den Senderaum. Auch das hier anwesende geringe Sendepersonal wurde mit Stahlruten und Totschlä­gern zu Boden geschlagen. Dann schal­teten sie den Sender Breslau aus und lasen über ein mitgebrachtes Handmikrophon über den Sender Gleiwitz einen vorbereiteten Aufruf in polnischer und zum Teil auch deutscher Sprache vor.

Die polnischen Insurgenten meldeten sich am Mikrophon alsder polnische Sender Gleiwitz" und sprachen im Namen despol-

Polens militärische Lage hoffnungslos

Das Urteil

eines amerikanischer Fachmannes.

Neuy ork, 31. Aug. (DNB.) Am Donnerstag erklärte auch das Mitglied der ersten Roosevelt- Regierung, General Jownson, daß Polens mi­litärische Lage hoffnungslos sei, weil England und Frankreich ihm keine direkte Hilfe leisten könnten. Jownson warnte nach­drücklich vor jeder Einmischung in Eu­ropas machtpolitisches Spiel und erklärte, daß ein Blick auf die Karte genüge für die Feststellung, daß für die Truppen der Westmächte keine Marschwege nach Polen existierten. Die einzige Möglichkeit sei, die Franzosen versuchten mit dem Kopf ge­gen den Westwall anzurennen. Beim Westwall würde das Verhältnis aber noch um vie­les ungünstiger. Jownson hält es dementsprechend für unmöglich, daß Frankreich eine Million oder mehr seiner Soldaten abschlachten lassen würde, um selbst im Erfolgsfall immer noch weit von Polen entfernt zu fein. Wenn man darüber hinaus die erheblich kürzeren Flugverbindungs­linien Deutschlands berücksichtige, müsse man zu der Erkenntnis kommen, daß England und Frankreich Polen auch nicht mit der Luft­waffe retten könnten.

Ueberfall auf deutsche Feldwache.

Marienwerder, 1. Sept. (DNB.) Polnische Banden überfielen, unterstützt durch reguläre pol­nische Soldaten, die Trambahnhaltestelle in A l t ei ch e, Kreis Rosenberg (Westpreußen). Die deutsche Feldwache brachte den polnischen An­

Nischen Freiwilligen-Korps oberschlesischer Aufstän­discher". Sie erklärten, daß sich Stadt und Sender Gleiwitz in polnischen Hän­den befinden. Sie schlossen gemeinste Schmähreden auf Deutschland an und sprachen von einem pol­nischen Breslau und »einem polnischen Danzig. Der Ausruf war gezeichnet von dem Kommandanten des polnischen Frei­willigenkorps.

Die völlig überraschten Rundfunk Hörer in Gleiwitz alarmierten sofort die Glei- witzer Polizei. Diese war nach wenigen Augenblicken zur Stelle, riegelte das Gebäude ab, drang in den Senderaum ein und schaltete den Sender ab. Die Aufständischen eröffneten auf die Polizei das Feuer. Nach kurzer Gegen­wehr gelang es der Polizei, alle Aufstän - difchen gefangen zu nehmen, wobei ein polnischer Insurgent getütet wurde.

Bei den verhafteten polnischen Aufständischen wurde ein Manuskript des bereits in pol- nischer und zum Teil in deutscher Sprache ver­lesenen Aufrufes gefunden. Vor dem Gebäude wurde ein polnischer Insurgent, der als Posten dort zurückgelassen worden war, fe ft genom­men. Die Vernehmungen dauern noch an.

Der Ueberfall war offensichtlich das Signal 3u einem allgemeinen Angriff pol­nischer Freischärler auf deutsches Gebiet. Etwa zur gleichen Zeit haben polnische Aufstän­dische, wie bisher festgeslellt werden konnte, an zwei weiteren Stellen die deutsche Grenze überschritten. Es handelt sich wie­der um schwer bewaffnete Abteilungen, die an­scheinend von regulären polnischen Trup­penteilen unterstützt werden. Abteilungen der im Grenzdienst stehenden Sicherheitspolizei haben sich den Eindringlingen entgegengestellt, die hef­tigen Kampfhandlungen dauern noch atu

griff mit Maschinengewehrfeuer zum Stehen. Nach einem langen und lebhaften Feuer­wechsel zogen sich die Polen zurück. Deut­scherseits wurde ein Gefreiter tödlich ver­letzt und ein Schütze verwundet. Die Verluste auf polnischer Seite konnten nicht festgestellt werden, da die Angreifer sich unter Mitnahme ihrer Toten und Verwundeten zurückzogen.

Deutsche Konsulate zwangsweise geschlossen.

Die Konsuln zwangsweise nach Warschau gebracht.

Berlin, 1. Sept. (DRV.) Die deutschen Konsulate in Lemberg und Teschen sind von den polnischen Sicherheitsbehörden zwangs­weise geschlossen und die Konsuln Selos und v. Dommerau mit dem Konsulatspersonal zur Uebersiedlung nach Warschau genötigt worden. Gegen die polnische Forderung einer Schließung der beiden Konsulate sind, wie wir erfahren, seitens des Auswärtigen Amtes Vorstellungen bei der pol­nischen Regierung erhoben worden.

Bombenattentate auf das deutsche Konsulat in Teschen.

Mährisch-Ostrau, 1. Sept. (DNB.) Pol­nische Aufständische haben einen Bombenanschlag auf das deutsche Konsulat in Teschen verübt. Durch die Gewalt der Explosion wurde das Filla - Denkmal zerstört. Zwei weitere Bomben­attentate wurden gegen zwei deutsche Druckerei en in Teschen verübt.,

Gydannyce - Gedanum - Danzig.

DiePerle Polens", eine deutsche Stadt.

Zur Zeit versuchen die Polen durch ein Serien­werk in englischer Sprache den Briten den Wert ihres Landes zu veranschaulichen. Das geradezu verschwenderisch ausgeftattete WerkGlories of Pol and zählt natürlich auchGdansk" (= Dan­zig) zu denPerlen Polens" und erweckt den An­schein, als sei es nur zur Zeit der Ordensritter und in den letzten hundert Jahren vor dem Weltkrieg in der Machtteutonischer Gewaltmenschen" gewesen. Da sich der Verfasser, gelinde gesagt, in seiner Dar­stellung fast andauerndirrt, sei hier kurz der deutsche Weg Danzigs aufgezeigt.

Zum erstenmal wird Danzig in der deutschen Ge­schichte um das Jahr 1000 erwähnt alsGydan- nyce"; diese Bezeichnung stammt aus dem Alt­germanischen und bedeutet soviel wieSiedlung in der Flußniederung". Die Römer nannten es im frühen Mittelalter Gedanum; aus diesen beiden Worten entwickelte sich später der Name Danzig, den die Polen am liebsten inGdansk" umändern möchten. , .

Im Jahre 995 erhoben die einheimischen Her­zöge vonPommerellen die von kaschubischen und pruzzischen Fischern und Bernsteinsuchern be­wohnte ausgedehnte Siedlung zu ihrer Residenz und errichteten in ihrer unmittelbaren Nähe eine feste Burg. Um das Jahr 1224 erfolgte die Grün­dung Danzigs als Stadt, die a u s f ch l i e ß - lichvon Deutschen bewohnt war und nur nach deutschem Recht verwaltet wurde. Bald wuchs die junge Stadt und gehörte in weni­gen Jahrzehnten zu den wichtigsten Handelsplätzen des Ostens. Ein Versuch des Markgrafen von Bran­denburg, die Stadt im Jahre 1271 für sich zu ge­winnen, mißlang; dagegen faßte der Deutsche Orden 1303 festen Fuß in Danzig, das sich ihm 1310 anschloß. Unter dem mächtigen Schutz der Or­densritter konnte es seine Handelsbeziehungen von Riga und Kowno im Osten bis nach Dänemark, Flandern und England im Westen nicht nur aus­bauen, sondern auch wirklich auswerten. Natürlich gehörte Danzig im 13. Jahrhundert auch dem Städtebund der Hanfe an und galt als Haupt­stadt des vierten Quartiers, d. h. für die preußischen und livländischen Städte.

Nach dem Zusammenbruch des Ordensjtaates kam

Danzig mehrere Male in die Gewalt fremder Mächte, von denen sich manche türkischer Söldner bedienten. Als wieder einmal im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts wilde Kämpfe vor den Mauern der alten Hansestadt tobten, verfaßte ein heute ver­gessener Dichter, Hans Hasenstädter, folgenden markigen Kampfruf:

O Danzig, halt dich feste, du weitberühmte Stadt! Betracht jetzund dein Beste und geh nit lang zu Rat.

Mit vielem Kontrahieren wird es nit werden gut. Der Feind will dich vexieren, drum tut nit mehr traktieren und faß' eines Mannes Mut! Dem Feind tu widerstreben, laß dich nit weiter ein; tuftu dich ihm ergeben, so wirds dir bringen Pein!

Das wirft du wohl erfahren, wenn du halb türkisch bist; dafür will dich bewahren au vielen tausend Jahren der mächtige heilige Krist.

Der Sänger mit dem merkwürdigen Namen starb 1577, doch sein Lied lebt weiter, weil es gesungen ward aus einer gequälten deutschen Seele.

Nach 1600 erlerne Danzig eine neue Blütezeit und erhielt den BeinamenKönigin an der O st - s e e". Erst im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts, als die Schweden und Russen mit Brandenburg- Preußen in Streit gerieten wegen der Weichsel­mündung, verlor es an Macht und Ansehen, aber das Deutschtum der Bevölkerung, die zu allen Zei­ten mindestens zu 95 Hundertteilen deutscher Her­kunft gewesen ist, blieb unversehrt erhalten; Aus­länder" durften zum Beispiel weder in der freien Stadt Handel treiben noch größeren Grundbesitz erwerben.

Im Jahre 1793 wurde Danzig dem preußischen Staate angeschlossen und so befreit von den Lasten einer Politik, deren Anforderungen es nicht mehr in vollem Maße gewachsen war; vorerst wurden die daraus zu erwartenden Ergebnisse nicht merkbar wegen der napoleonischen Kriege, durch die im Til­siter Frieden 1807 Danzig auch zur Freien Stadt erklärt ward. Nur nach und nach gelang es der feit 1814 wieder mit Preußen vereinten Bürger­schaft, zu neuem Wohlstand zu kommen. Mit dem Aufschwung, den die gesamte deutsche Kolkswirt-

schast seit 1870 nahm, begann auch Danzigs Ent­wicklung zur deutschen Großstadt.

Nach 100 Jahren friedlicher Arbeit, wie sie der Stadt nur in der Zeit der Deutschritter beschieden gewesen war, trennte der Weltkrieg sie vom deut­schen Mutterlande. Nun brandet wieder fremde Flut um ihre Mauern; nun geht wieder ein Kampf um die alte deutsche Feste, der Kampf der deutschen Seele, der deutschen Arbeit und des deutschen Wil­lens. Man darf im Geschehen der Völker weder die Macht der Seele noch die Kraft der Kulturen über­sehen, sie wirken unablässig, sind Tat und Werk. Und hierin liegt Danzigs größte, letzte Bedeutung, seine uremige Aufgabe in der deutschen Ostmark. Im Jahre 1927 schrieb ein klar und gerecht denken­der Engländer, der Diplomat Arthur Green- w o o d , die Worte:Die alten städtischen Akten, die Sprache der Gesetze und des Gerichtshofes zeigen, daß Danzig immer eine deutsche Stadt gewesen ist." TI.

Zeitungen

des Schützengrabens.

Infolge der Tätigkeit meines Trupventeils auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen gelang es mir, eine ganze Menge von sogenannten .Kriegs­zeitungen" zusammenzubringen; leider war aber alles nur Stückwerk; daher überwies ich das Ma­terial der deutschen Sammelstelle, wo es am besten aufgehoben war und wohin auch m. A. die noch in Privathänden befindlichen Sachen dieser Art gehören, also überwiesen werden sollten. Außer den unter obiger Überschrift in Nr. 200 desGie­ßener Anzeigers" erwähnten Blättern kann ich noch dieArmee-Zeitung der 2. Armee" anführen, die in derArmee-Druckerei 2" hergestellt wurde und den Leutnant H. Reimann zum Schrift­leiter hatte; so war es wenigstens nach den mix zugänglichen Nummern 551 bis 554 (5. Kriegsjahr), von denen die letzte am 2. Oktober 1918 erschienen und als Sondernummer zum 71. Geburtstag des Feldmarschallsllnferm Hindenburg" gewidmet war. In Nr. 551 ist über das Wortlaut" ge­plaudert und darauf hingewiefen, daß dieses Wort nichts mit den Behältern (Wassertank usw.) zu tun hat, sondern von dem englischen Ingenieur Tom Tank Burral stammt, der im Anfang des Krieges starb. Er hatte für landwirtschaftliche Maschinen an Stelle der einfachen Räder andere eingesetzt, durch welche die Fortbewegung auf dem Ackerboden bester

wurde; dieser Mechanismus wurde dann später zum Prinzip der Kriegsmaschinen gemacht, die unter oem Namen ,Zank" zuerst von den Engländern ange­wandt worden sind. Burral war in der Fabrik zu Thetford in der Grafschaft Norfolk angestellt, wo seine Neuerung hergestellt wurde; die Arbeiter der Fabrik tauften die mit der Verbesserung verfehenen MaschinenTanks"; der Name ging dann auf das Kriegsgerät über. Die Armeezeitung erschien zweimal wöchentlich zu je acht Seiten, und mit Bildern; die Sondernummer 554 hatte 12 Seiten und war sehr reich und gut illustriert.

Aus dem Osten brachte ich einige Exemvlare der Kownoer Zeitung" mit, die am 1. Januar 1916 erstmalig erschien und von da ab täglich am Nachmittag ausgegeben wurde; sie war auf dickem grau-hellgrünem Papier gedruckt und hatte inhalt­lich die Form einer gewöhnlichen Tageszeitung.

Zur Kategorie der Kriegszeitu-ngen muß man auch dieLazarett-Zeitungen" rechnen. Don diesen liegen mir noch zwei Exemplare vor; das eine ist betiteltHessische Lazarett - Zeitung. Herausgegeben durch den Ausschuß für Volksvor­lesungen zu Frankfurt a. M. vom Hessischen Lan­desverein vom Roten Kreuz, Darmstadt"; das an­dere Exemplar hat den Titel:Gießener La­zarett-Zeitung. Herausgegeben durch .. vom Zweigverein Gießen vom Roten Kreuz, Gie­ßen". Die Darmstädter Ausgabe hatte eineGie­ßener Beilage", deren Schriftleitung lag in Händen von Geh. Hofrat Dr. H. Haupt, Gießen, Kepler­straße 1, und Prof. Dr. Helm, Gießen, Stephan- straße 7. Die Lazarett-Zeitungen enthielten auch wichtigeMitteilungen über Unterrichtswesen, Be­rufsberatung und Stellenvermittlung".

Die bekannteste Kriegszeitung ist wohl die ,Liller" geworden. Die ersten Nummern sind selten, die allererste Nummer ist sogar sehr selten. Die Zeitung war zunächst sehr primitiv, zum Teil noch schlecht gedruckt, natürlich mit französischem Material, so daß z. B. die Buchstaben ä, ö und ü stets durch ae, oe, und ue ausgedrückt waren. Die Schriftleitung ist anfangs nicht genannt. Der Leit­artikel in Nr. 1 unter dem Titel ,Kameraden" gibt den Zweck der Zeitung bekannt und bittet alle um Mitarbeit; wer etwas auf dem Herzen hat, soll es der Schriftleitung getrost anvertrauen; nur Dinge, dieunfern Gegnern zum Vorteil dienen könnten, dürfen keinen Raum in diesen Spalten finden". Der Feind, wenn er die Zeitung in die Hände be­kommt, soll daraus nur erkennen,wie groß, wie stark, wie kampfesmutig, wie siegesgewiß, wie her­zensfröhlich ift das deutsche Heerf" £L G. ,