Ausgabe 
1.9.1939
 
Einzelbild herunterladen

Starker Eindruck des deutschen Vorschlags in Schweden.

Stockholm, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Das großzügige Angebot zur Lösung der Konfliktfrage zwischen Danzig und Polen hat, als es in der Nacht in einer Sondersendung des schwedischen Radio- Nachrichtendienstes wiedergegeben wurde, eine außerordentlich starke Wirkung auf die schwedische Oeffentlichkeit gemacht. Der erste unmittel­bare Eindruck war, daß mit diesem Angebot des Führers eine sichere Grundlage für die Erhaltung des Friedens und die Aus­räumung aller Konflikte gegeben fei. Ueberall war die erstaunte Frage: Warum ver­handelt Polen nicht, warum treibt England die Verhandlungen nicht vorwärts?Stockholm Ti­dingen" erklärt, daß es sich bei dem deutschen An­gebot weder um ein Ultimatum noch um ein Diktat handle und unterstreicht, daß die Ent­scheidung über die letzte Entwicklung im Kampf um Frieden oder Krieg in London liege. Aus Warschau läßt sich das Blatt melden, daß ein Beamter des Außenministeriums das deutsche Angebot als unver­schämtes Ultimatum (!) bezeichnet habe.

Mßvolle deutsche Forderungen.

Belgien über Polens Ablehnung erstaunt.

Brüssel, 1. Sept. (Europapreß.) Um Mitter­nacht erschienen Sonderausgaben der führenden bil- gischen Blätter, die die deutschen Vorschläge zu einer Beendigung der Krise in großer Aufmachung Wiedergaben. Da die Blätter die deutsche Erklärung unmittelbar nach der Bekanntgabe' veröffentlichten, fehlen bis jetzt noch die Kommentare. Trotzdem kann man schon jM sowohl in politischen Kreisen als auch in der Bevölkerung Verwunderung und Er- staunen darüber feststellen, daß diese maß­vollen deutschen Forderungen keine sofortige Annahme zur Folge gehabt haben.

Das Echo in Hom.

England trägt allein die Schuld.

Rom, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.)Die Stunde der Entscheidung und der höchsten Verantwortung hat geschlagen."Die deutschen Vorschläge an Polen nageln Englands Schuld fest."Englands Doppelspiel."Polnische Freischärler und pol­nische Truppen überschreiten die deutsche Grenze", so lauten die riesigen Schlagzeilen der römischen Morgenblätter, die die 16 Punkte, in denen Deutsch­land in so maßvoller Weise seine gerechten An­sprüche dargelegt haben, in größter Aufmachung ver­öffentlichen. Einhellig wird festgestellt, daß Eng­lands Haltung allein an der heutigen Entwicklung die Schuld trägt.

Messaggero" erklärt, es sei eigentlich unglaub­lich, daß die deutschen Vorschläge, deren Verfasser die Demokratien hätten sein können, da sie ja den im demokratischen Lager so viel gepriesenen Grundsatz des Rechts und der Selbstbestimmung der Völker entsprächen, nicht angenommen worden seien. Die Haltung Englands scheine jedenfalls auf Motive zurückzugehen, die geradezu Ekel erregen. Denn ein Wort Englands hätte genügt, um den ungerecht­fertigten polnischen Starrsinn zu brechen und die Entwicklung der Dinge aufzuhalten. Daß England dieses Wort nicht gesprochen habe, be­weise Europa und der Welt, welch ungeheure Verantwortung es auf sich geladen habe. Popolo di Roma" zieht eine Parallele von der Haltuna Englands im Jahre 1914 und betont, sein Spiel sei heute noch zweideutiger als da­mals. England sei daran, ein Verbrechen zu begehen, für das es sich vor der Geschichte werde verantworten müssen. Europa werde seinen Richt­

spruch auf Grund der konkreten Tatsachen erfüllen, der Ablehnung der deutschen Vorschläge durch Polen und der zynischen Ratschläge, die England den Polen empfohlen habe, auf seinem verhängnis­vollem Widerstand zu verharren.

Italien wird die Neutralität der Schweiz achten.

Bern, 31. Aug. (DNB.) Der italienische Ge­sandte in Bern, Minister T a m a r o, sprach bei Bundesrat Motta vor, um im Namen der ita­lienischen Regierung die Erklärung abzugeben, daß Italien im Falle eines Krieges die Neutralität und Unversehrtheit der Schweizer Eidgenossenschaft peinlich respektieren werde. Der italienische Gesandte erklärte gleichzeitig, daß im Falle eines Krieges die italienischen Verkehrswege und Häfen den für die Schweiz bestimmten Waren offenstehen wer­den. Italien sei bereit, sich in kürzester Frist mit der Schweiz über Grenzfragen zu verständigen, die sich auf diese Freiheit der Durchfuhr beziehen. Bundesrat Motta hob in seiner Antwort hervor, daß die Schweizer Eidgenossenschaft auf jeden Fall eine strenge und gewissenhafte Neu­tralitätspolitik befolgen werde. Dann sprach er Minister Tamaro für die im Namen der italie­nischen Regierung gemachten Mitteilungen seinen Dank aus.

Reichsdeutsche nach polen verschleppt.

Ka tto w itz, 1. September (DNB.) An der deutsch-polnischen Grenze ereignete sich abermals ein brutaler Ueberfall polnischer Freischärler auf wehrlose Frauen. Die Reichsdeutschen Anna Martin und Emma Schwarz wurden auf deutschem Boden von einem polnischen Grenzbeamten angehalten. Während es Frau Mar­tin gelang, weiter ins reichsdeutsche Gebiet zu flüch­ten, wurde Emma Schwarz nach Polen ver­schleppt. Ueber ihr.Schicksal ist nichts in Er­fahrung zu bringen.

Ausnahmezustand in Ostoberschlesien.

Kattowitz, 31. Aug. (DNB.) Im Zusammen­hang mit der Generalmobilmachung tn Polen ist am Mittwochabend in sämtlichen Grenzgebieten Ost­oberschlesiens der Ausnahmezustand verfügt wor­den. Die Bevölkerung darf in der Zeit von 19.30 bis 5.30 Uhr nicht die Straße betreten, hat auch die Fenster verschlossen und verhüllt zu halten, es darf kein Lichtschimmer zu sehen sein und es dürfen keinerlei Geräusche irgendwelcher Art, wie z. B. Sirenengeheul, erzeugt werden.

Der Telefon- und Postverkehr sowie der Rund­funkempfang sind unter strenge Kontrolle gestellt worden. Sämtliche Einwohner müssen sich mit besonderen Personalausweisen versehen, die zugleich zum Verkehr innerhalb des betreffenden Wohnortes berechtigen. Das Betreten anderer Orte ist streng untersagt. Ebenso darf niemand aus den benachbarten Gebieten die unter Ausnahmerecht ge­stellten Orte betreten. Der Verkehr wird streng überwacht. Alle Zuwiderhandlungen werden den Militärbehörden zu strenger Aburteilung übergeben. Damit ist auch in gewissem Maße das Stand- recht eingeführt worden.

polnische Brandstifter überfallen deutsche Gehöfte.

Thorn, 1. September (DNB.) Dis polnischen Terrorbanden versuchen weiterhin, in deutsches Grenzgebiet einzudringen, um dort deutsche Anwesen in Brand zu stecken. In Sommi- nerele, Kreis Bütow, wurde das Haus des Müllers Domke von einer polnischen Terrorbande in Asche gelegt. Bei der Untersuchung der Brandstätte fand man elektrische Zeitzünder und verschie­dene Gegenstände, die auf eine gute Technik der Organisierung der Terrorbanden schließen lassen. Die polnischen'Terroristen wurden in Thorn

Danzig, die alte deutsche Stadt.

M M

>4

-

fc fll

AMW

MM > M

r*-«

Im Hintergrund der 76 m hohe Westturm der Marienkirche, eines der umfangreichsten und bedeutendsten Bauten der Ostseeländer, bei dem sich die baltische Gotik zu großartiger Pracht entfaltet. Davor ein Teil der N i k o l a i k i r ch e sowie der Markthalle. Rechts im Vordergrund ein achteckiger Wehrturm aus dem 15.Jahrhundert. (Scherl-M.)

unter Leitung eines Hauptmannes in b e f o n i deren Kursen geschult. Nach Abschluß der Schulungskurse begaben sich die Terrorbanden an verschiedene Grenzorte, wo sie mit Sprengstoff, Zeitzünder und ähnlichem Material versorgt tour« den.

polnische Vorbereitungen an der slowakischen Grenze.

Zusammenstöße

zwischen polnischen Soldaten.

Preßburg, 31. Aug. (DNB.) Die slowakische Presse bringt eingehende Berichte über die M a s * sierung polnischer Truppen an der! slowakischen Grenze. Die in Silein erschei­nendeSlovenska Politika" schätzt die Zahl der im Abschnitt MostyTeschen eingesetzten Truppen auf mehr als 100 000 Mann. Fieberhaft arbeiten pol­nische Abteilungen in der Grenzzone. Sie errichten Schützengräben und bauen immer neue MG.-Nester. Besonders umfangreiche Vorbereitungen werden polnischerseits im Gebiet um den Jablunkapaß ge­troffen. Dort kam es am Mittwoch zu schweren Zusammen st äßen zwischen polnischen Soldaten aus Ost-Oberschlesien und aus Koni greßpolen. Die. Ost-Oberschlesier warfen Handgrana­ten gegen die Kongreßpolen, die ihrerseits mit Gewehr- und MG.-Salven antworteten. Zahlreichs Tote und Verletzte bezeugen die völlige innere Zer­rüttung, die die polnische Armee befallen hat. Von den chaotischen Zuständen, die in Polen herrschen, berichten auch übereinstimmend die Flüchtlinge, die in den letzten Wochen ihr Heil auf slowakischem Boden gesucht haben.Slovenska Politika" schätzt ihre Zahl auf 3000 und bemerkt hierzu, daß sich unter ihnen nicht nur Slowaken, Deutsche uno Ukrainer befinden, sondern in der Mehrzahl aus­gesprochen polnische Volksangehörige, zumeist Ver­treter der Intelligenz, die den Terror der polnischen Militärgewaltigen nicht mehr länger ertragen wollten. Die slowakischen Behörden haben für dis Flüchtlinge und Ueberläufer mehrere Lager einge­richtet und im übrigen veranlaßt, daß frem Ueber« tritt der Flüchtlinge auf slowakisches Gebiet keine Schwierigkeiten entgegengesetzt werden.

Schamloses Verhalten polnischer Polizisten.

Kattowitz, 1.Sept. (DNB.) Nach den bereits gestern gemeldeten schweren Uebergriffen der pol­nischen Polizei gegen Volksdeutsche in Warschau, Lodz und Kattowitz wird jetzt bekannt, daß die pol­nische Polizei anscheinend auf höhere An­weisung hin in den Bezirken Teschen und Posen ähnlich verfährt. Mit der lächerlichen Behauptung, man sei einer Terrororganisation, die Polen revolü- tiomeren wolle, auf die Spur gekommen, ging man zu einer großen Razzia gegen alle Volksdeutschen über. Die Zahl der Verhaf­teten geht in die Hunderte.

Die Volksdeutschen wurden mitten in der Nacht aus den Betten gerissen und auf den Straßen und Höfen zusammengetrieben. Die Wohnungen wurden demoliert, wobei man sich an den gefundenen Spiri­tuosen gütlich tat. Wie schamlos die polnischen Po­lizisten bei dieser Aktion vorgingen, erhellt daraus, daß man die Leibesvisitationen der Frauen nicht durch Frauen vornehmen ließ, sondern den Polizisten selbst überließ. Ein betrunke­ner polnischer Polizist rühmte sich in einem Tesche- ner Wirtshaus, daß die polnische Polizei bei dieser Leibesvisitation auf ihre Kosten gekommen fei, und daß er in seinem Leben noch nie einen solchen Spaß erlebt habe.

Das Danziger Zeughaus.

- v M

x

\ I

MM

- ' I

M, .

Ein großes Werk niederländischer Spätrenaissance ist das Danziger Zeughaus, von dem unser Bild den mittleren Teil zeigt. Es wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Antony Obbergen aus Mecheln, dem Danziger Stadtbaumeister, aus Ziegeln und Sandstein errichtet und ist ein prunkvolles Zeugnis für die wehrhafte Vergangenheit der Stadt. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Neptunbrunnen und Ariushof.

Em

Eine gotische Prachthalle ist der Artushof in Danzig, der im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Die Schauseite, die auch unser Bild zeigt, trägt barocken Schmuck aus dem 17. Jahrhundert. Der Artushof erinnert an die sagenhafte Tafelrunde von König Artus. Ursprünglich war das stolze Haus ein geselliger Versammlungsort reicher Danziger Kaufleute. Seit 1742 wird es jedoch als Börse benutzt. Die Erzfigur des Neptunbrunnens wurde von dem aus Augsburg stammenden Hans Reichel im 17. Jahrhundert geschaffen, (Scherl-Bilderdienst-M.)