Ausgabe 
1.9.1939
 
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Oie Wehrmacht hat -en aktiven Gchutz -es Reiches übernommen.

Berlin,!. Sept. (DRV. Aunkfpruch.) Das Ober- kommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf Befehl des Führers und Obersten Befehls­habers hat die Wehrmacht den aktiven Schuh des Reiches übernommen. 3n Erfüllung ihres Auftrages, der polnischen Gewalt Einhalt zu gebieten, sind Truppen des deutschen Heeres heute früh über alle deutsch-polnischen Grenzen zum Gegen­angriff angetreten. Gleichzeitig find Ge- fchwaderder Luftwaffe zum Riederkämpfen militärischer Ziele in Polen gestartet. Die Kriegs­marine hat den Schuh der Ostsee übernommen.

Oer Schulbesuch fällt bis auf weiteres aus.

Berlin, 1. Sept. (DRB. Funkspruch.) 3m Rahmen der durch den Reichsminister für Luftfahrt und Obersten Befehlshaber der Luftwaffe erlafsenen zivilen Luftfchuhmahnahmen fällt im gesamten Reichsgebiet der Schulbesuch vom heutigen Tage bis auf Widerruf aus.

Weisung an alle deutschen Handelsschiffe in der Ostsee.

Berlin, 1. Sept. (DRV. Funkspruch.) Durch Rundfunk erging an die deutschen Handelsschiffe in der Ostsee eine Warnung, in der mitgeteilt wird:

1. Das Anlaufen von Danzig-Reu- fahrwaffer und polnischen Häfen wird bis auf weiteres verboten.

2. Bon Westen kommende deutsche Handelsschiffe dürfen die Linie GjedferDagter-Ort ostwärts nicht mehr passieren.

3. Deutsche Handelsschiffe haben den S e e r a u m der mittleren O st fee fofort zu räumen, der begrenzt wird von Gjedser-Riff im Westen und dem 57. Breitengrad im Rorden, Südspihe Got­land durch Ausweichen nach Westen oder Norden, oder durch Fortsetzung der Reise innerhalb der schwedischen und lettischen Hoheitsgewässer dieses Seeraumes oder durch Anlaufen des nächsten Ha­fens auher Danzig-Reufahrwaffer und polnischen Häfen.

Schiffahrtswarnung für Hafen und Seegebiet der Danziger Bucht.

Berlin, 1. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Zur Ab­wehr feindlicher Uebergriffe seitens polnischer See­streitkräfte ist vom Zeitpunkt dieser Bekanntgabe ab mit militärischen Operationen vor und in der Danziger Bucht zu rechnen. Das Gebiet wird im Westen durch den Längengrad 18 Grad 5 Min. Ost, deutsch-polnische Grenze, im Osten durch den Längengrad 20 Grad Ost, nahe öst­lich des Leuchtturms Brüster-Ort, im Norden durch den Breitengrad 55 Grad Nord begrenzt.

Alle sich in der Ostsee aufhaltenden Schiffe wer­den in ihrem eigenen Interesse vor dem Befah­ren des angegebenen Seegebiets ge­warnt. Schiffe, die sich auf dem Wegeckach Häfen dieses Gebiets befinden, werden von deutschen See­streitkräften Weisungen erhalten, andere Häfen anzulaufen. Der Zugana^um Hafen von Gdingen ist gesperrt. Jedes Ein- oder Auslaufen zieht die Gefahr der Vernichtung nach sich.

Notverordnung für den Luftverkehr.

Berlin, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Reichsminister für Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe erläßt folgende Notverordnung:

Dom heutigen Tage ab wird unter Aufhebung aller bisher ergangenen Anordnungen der gesamte Luftverkehr mit in- und ausländischen Luftfahr- Küber deutschem Hoheitsgebiet mit sofortiger rg verboten.

Diese Derordnuna findet auf Luftfahrzeuge, die im Dienste der deutschen Wehrmacht verwendet werden, und auf Regierungsflugzeuge keine An­wendung.

Zuwiderhandelnde setzen sich der Gefahr der Be­schießung aus.

Personenzugverkehr der Reichsbahn.

Berlin, 1. September (DNB.) Die Deutsche Reichsbahn gibt folgendes bekannt: Je nach dem Stand der Transportlage werden an vielen Stellen des Reiches über dem durch Anschläge auf den Bahnhöfen bekanntgegebenen Stamm fah rp l an hinaus weitereZüge gefahren. Es ist daher zu empfehlen, sich vor Antritt einer Reise nach den jeweils vorhandenen günstigsten Verbindungen bei den Auskunfts­stellen der Bahnhöfe zu erkundigen.

Folgen des Pfundsturzes.

Rekordsteigerung des englischen Noten­umlaufs.

London, 31. August. (DNB.) Obwohl das englische Pfund sich Mitte dieser Woche gegenüber dem bisher erreichten Tiefstand am Dienstag leicht erholen konnte, hält die Unsicher­heit über die künftige Entwicklung unvermindert an, was am Donnerstag erneut darin zum Aus­druck kam, daß der Kurs wieder rückläufig wurde.

Ein besonderes Schlaglicht wirft darüber hinaus auch der soeben veröffentlichte Ausweis der Bank von England auf die Finanzlage, da sich der Banknotenumlauf in Großbritannien auf einen in der englischen Geschichte noch nie d a - gewesenen Rekordstand erhöhte. Allein in der letzten Woche stieg der Notenumlauf von 508,1 auf 529,5 Millionen Pfund und weist somit eine Zunahme von 21,4 Millionen Pfund auf.

Anderseits sind die Bankdepositen nach dem genannten Ausweis in der letzten Woche von 91,1 auf 90,1 Mill. Pfund zurückgegangen. In beiden Fällen spiegelt sich somit der von allen Seiten trotz der in der Vorwoche erfolgten Ver­doppelung des Diskontsatzes der Bank von Eng­land von 2 auf 4 v. H. einfetzende verstärkte Geld­bedarf deutlich wieder. Zwar hat auch der Gold­münzen- und Barrenbestand der Emissionsabteilung der Bank von England um 16,6 auf 263,0 Mill.

Des Führers historische Entscheidung.

A-olf Hitler spricht in entschei-ungsreicher Stun-e zu Volk un- Reichstag.

Der Führer gibt die Parole.

Berlin, 1. September. (DNB.-Funkspruch.) Der Sitzungssaal des Reichstages bildet an diesem Tage, an dem das ganze deutsche Volk die bedeut­samen Erklärungen des Führers erwartet das Bild ganz großer entscheidungsreicher Stunden. Fast vollzählig sind die Abgeordneten des Großdeutschen Reichstages versammelt. In lebhafter Unterhaltung stehen die Männer des deutschen Reichstages in kleinen Gruppen beieinander, der Ernst und Be­deutung dieser Stunde ist von ihren Gesichtern ab­zulesen, mancher vernimmt ihn aus ihren Worten, die man gelegentlich ausfängt.

Im Sitzungssaal herrscht wie immer die Uni­form vor, diesmal sieht man aber ganz besonders viel Feldgrau. Eine große Anzahl von Ab­geordneten tragen schon das Ehrenkleid des deut­schen Soldaten, andere wieder sind schon zu den Waffen eingezogen und müssen dieser historischen Sitzung'fernbleiben. Eine erwartungsfrohe Span­nung liegt über dem Hause, das schon lange vor Beginn der Sitzung bis auf den letzten Platz besetzt ist. In der Diplomatenloge finden sich zahl­reiche Vertreter der in Berlin beglaubigten Mächte ein. Nach und nach füllen sich auch die Minister- bänke. Alle Reichsminister sind zugegen. Wie immer präsidiert auch an diesem Tage General­feldmarschall Go er in g dem Deutschen Reichstag. Die historische ÄeichslagssiHung.

Heute vormittag hat der Führer zum Reichstag und damit zum ganzen deutschen Volke gesprochen. Wie im Reichstag, so haben auch an allen Rund­funkgeräten und an den Lautsprechern in den Be­trieben, die deutschen Volksgenossen mit stärkster innerer Bewegung den Worten des Führers ge­lauscht und sein Bekenntnis zur unbedingten Pflicht­erfüllung, zur Hingabe -an unser Reich und Volk bis zum Aeußersten auch zu ihrem Bekenntnis und Gelöbnis gemacht.

Einleitend erinnerte der Führer an seine unend­lichen Bemühungen um eine friedliche Lösung des Danzig-Korridor-Problems, zugleich verwies er in eindrucksvoller Weife darauf, daß unsere Wider­sacher 15 Jahre lang Zeit gehabt haben, eine fried­liche Revision dieser unhaltbaren Lage durchzufüh­ren. Wie sie aber damals alles vermissen ließen, um dem deutschen Volke an dieser Stelle Gerechtig­keit widerfahren zu lassen, so sind auch jetzt wieder die außerordentlich bescheidenen Forderungen Deutschlands abgelehnt worden. Unter stärkster Zustimmung des 'Reichstages und des ganzen deut­schen Volkes betonte der Führer, daß es für uns einfach unmöglich ist, weiterhin diesen Zustän­den zuzusehen und uns damit abzufinden, daß uns von der Gegenseite die Erfüllung unserer Revi­sionsforderung verweigert wird.

Einhelliger Beifall des Reichstages löste die Fest­stellung des Führers aus, daß für uns das Ver­sailler Diktat kein Gesetz ist, und daß wir

daher mit aller Schärfe den Vorwurf zurückweisen müssen, die von uns geforderte Revision verstoße gegen ein Gesetz. Jedermann im Reichstag und im ganzen deutschen Volke stimmte dem Führer, von ganzem Herzen zu, als er davon sprach, daß «die von ihm jetzt formulierten und in der letzten Nacht bekanntgegebenen Vorschläge zur Lösung des Dan­zig-Korridor-Problems so gehalten seien, daß es etwas Loyaleres und Bescheideneres überhaupt nicht mehr gäbe. Und dennoch wurden diese Vorschläge nicht nur abgelehnt, sondern mit der Gesamtmobilmachung, verstärktem. Terror und gesteigertem Druck auf unsere Volksdeutschen in Polen beantwortet. Demgegenüber stellte der Führer unter einmütiger Zustimmung fest, daß Deutschland seine Verpflichtungen gegenüber den Minderheiten stets erfüllt hat und keine Minderheit in Deutschland jemals verfolgt wurde, auch heute nicht.

Jeden Hörer des Führers packte es im Herzen, als er gegen die Schandtaten der Polen Stellung nahm und insbesondere die Lüge zurückwies, unsere Volksdeutschen in Polen hätten sich Provokationen zuschulden kommen lassen. Mit Recht stellte der Führer in diesem Zusammenhang heraus, worin wohl die Schuld von Kindern und von schwachen Frauen, die von den Polen solcher Provokationen beschuldigt werden, bestehen solle. Damit wurde diese freche polnische Lüge schlagend widerlegt. Und zu­gleich hob der Führer in vollster Uebereinstimmung mit dem Empfinden des ganzen deutschen Volkes hervor, daß es keine Großmacht von Ehre gebe, die aus die Dauer solchen Zuständen tatenlos zusehen würde.

Sodann erwähnte der Führer den Vorschlag der britischen Regierung, zwischen Deutschland und Po­len durch Verhandlungen einen Weg herzustellen. Dieser Anregung hat der Führer mit seinen Vor­schlägen entsprochen, die polnische Regierung aber habe den Führer und die deutsche Reichsregierung einfach auf einen Bevollmächtigten zwei Tage lang warten lassen, um schließlich mitzu­teilen, daß sie noch e r w ä g e, ob sie in der Lage sei, auf die Vorschläge einzugehen. In voller Ueber­einstimmung mit dem Empfinden aller deutschen Menschen erklärte der Führer, wenn das Deutsche Reich und die deutsche Nation sich etwas Derartiges widerspruchslos bieten ließe, dann müsse sie von der politischen Bühne abtreten. Deshalb hat der Führer durchaus im Sinne seines Volkes die auf englische Anregung hin entstandenen Vermittlungsvorschläge nunmehr als gescheitert bezeichnet, da die pol­nische Regierung keine ernste Aussprache nfit uns wünscht.

Wenn Polen glaubt, es nun mit Taten von der Art machen zu können, wie sie in der letzten Nacht von den polnischen Horden wieder begangen wur­den, so mag es zur Kenntnis nehmen, daß das ganze deutsche Volk seinem Führer aus vollem Herzen zu­stimmt, als er in seiner Rede betonte, er habe sich entschlossen, von nun ab mit Polen in der gleichen Sprache zu reden, in der Polen

seit Monaten mit uns spricht. Die gewaltige Zustim­mung im Reichstag bei dieser Feststellung war die klarste Aeußerung des gesunden Empfindens aller aufrechten deutschen Menschen. Den Staatsmännern im Westen sagte der Führer, daß er diese Entwick­lung zwar bedauere, sich aber dadurch nicht einL Sekunde bange machen lasse.

Sodann machte der Führer dem Reichstag Mit­teilung von dem Nichtangriffspakt mit Rußland und erwähnte dabei die Ratifikation dieses Vertrages in Moskau und in Berlin, gleich­zeitig hob er hervor, daß er mit der Stellungnahme des russischen Außenkommissars Molotow bei diesem Vertragsabschluß vollkommen übereinstimme. Der Reichstag bekundete durch lebhafte Kundge­bung seine Zustimmung zu diesem Vertrag und unterstrich damit auch die Feststellung des Führers, daß dieses Werk eine politische Entschei­dung von ungeheuerer Bedeutung für die Zukunft sei.

Unter stärkster Zustimmung des Reichstags stellts der Führer dann als das Ziel seines Handelns fest, daß er in der Frage Danzigs und des Korridors dafür sorgen werde, daß dort Verhältnisse Platz greifen, die eine friedliche Zusammen-« arbeit zwischen Deutschland und Polen ermög­lichen. Gewaltiges Echo fand seine Erklärung, er würde so lange kämpfen, bis die jetzige pol« nische Regierung geneigt sei, die Voraussetzung gen für ein solches Zusammenarbeiten zu schaffen, oder eine andere polnische Regierung diese Ge« neigtheit bekunde. Er wolle dafür sorgen, daß im Osten der Frieden an der deutschen Grenze ebensa hergestellt werde, wie an unfern übrigen Grenzen- Reichstag und Volk stimmten auch hierbei dem Führer in vollstem Maße zu.

Am Schlüsse seiner Rede ermahnte der Führer den Gegner zu humaner Kriegführung, die auch wir befolgen werben, er ließ aber auch keinen Zwei- fel darüber, daß wir auch andere Mittel zur An­wendung bringen können, wenn der Gegner uns dazu durch sein Verhalten nötigt. Stürmische Zu­stimmung fand er auch mit der Feststellung, daß von jetzt ab gegen Polen jeder Schuß mit einem Schuß und jede Bombe mit einer Bombe vergolten wird.

Die Aufforderung des Führers an das ganzs deutsche Volk, in dieser schweren Zeit mit besonde­rer Hingabe seine Pflicht zu tun, jeder an seinem, Platze, findet überall im Volke die denkbar stärkste Zustimmung. Gewaltig war der Eindruck bei allen Hörern, als der Führer zum Schluß sagte, er hqbe jetzt den Rock wieder angezogen, den er einst vier Jahre lang in Ehren und mit Stolz getragen habe, nämlich den Rock des Soldaten, und wenn er ' diesen Rock wieder ausziehe, dann nur nach dem deutschen Sieg! Und auch hier wieder bekun­dete der Reichstag als Sprecher des ganzen Volkes mit Recht die Uebereinstimmung mit dem Führer, daß es für unser Volk nur einen Ausgang dieses Kampfes geben kann und wird, nämlich den vol­len deutschen Sieg!

Pfund zugenommen, doch steht diese Steigerung nur auf dem Papier, da die Goldbestände bekannt­lich seit Anfang des Jahres nicht mehr nach der alten Parität, sondern nach dem jeweiligen Stande des Goldpreises bewertet werden. Da dieser in der laufenden Woche eine bisher noch nicht zu verzeich­nende Höhe erreichte, ist die erhöhte ausgewiesene Goldmenge nur eine buchmäßige Neubewertung. Sie ändert auch nichts an der Tatsache, daß das Ver­hältnis der Reserven der Bank von England 3U den Passiven binnen einer Woche von 26,0 auf 21,4 v. H. zurückging und somit die Verbind­lichkeiten nur noch zu etwa einem Fünftel gedeckt werden.

Volksgruppen hüben un- -rüden.

Es hat zwar einige Zeit gedauert, bis das Aus­land sich von den Grausamkeiten überzeugt hat/ die polnische Banden unter Führung und Dul­dung der Behörden gegen zahllose Volksdeutsche verübt haben. Die Tatsache, daß Tausende deutscher Flüchtlinge im Reiche Zuflucht suchten, daß diese verfolgten Menschen .furchtbare Qualen erleiden mußten, bevor sie die deutsche Grenze oder die des Protektorats erreichten, läßt sich nicht bestreiten. Davon hat schließlich auch das Ausland Notiz ge­nommen, obwohl die französische und englische Presse die polnischen Schandtaten möglichst totge­schwiegen hat.

Die Kriegshetzer in Warschau, die mittlerweile gemerkt haben, daß ihre Aktien schlecht genug stehen, suchen nach einer Ausrede oder einer Ent­schuldigung für den Terror, den sie über die deut­sche Volksgruppe verhängt haben. Da ihnen nichts Besseres einfällt, treten sie mit der Behauptung auf, daß die Polen in Deutschland sich einer schlechten Behandlung zu beklagen hätten. Das ist dreister Schwindel. Vor einigen Wochen gab ein Warschauer Blatt selber zu, daß die kleine polnische Volksgruppe in Deutschland trotz der politischen Spannung über nichts zu klagen habe. Seit Jahrhunderten haben polnische Dolksangehörige im preußischen bzw. österreichischen Staate gelebt und an den Segnungen der deutschen Kultur reichen An­teil genommen. Die Polen in den preußischen Pro­vinzen hatten wirtschaftlich und kulturell eine Ent­wicklung erfahren, die sie turmhoch über ihre Volks­genossen in Kongreßpolen und in Galizien gestellt hatte. Die Polen in Deutschland sind auch mit ihrem Schicksal ganz zufrieden gewesen, wenn nicht ge­legentlich ein chauvinistischer Hetzer Illusionen unter ihnen verbreitet hätte.

Vor einiger Zeit hat ein polnischer Festredner in Posen darauf hingewiesen, daß das 5. Armeekorps an den größten Siegen des Jahres 1870 hervor­ragend beteiligt war. Damit wollte dieser geschicht­lich gebildete Mann den Nachweis erbringen, daß der Pole ein besonders guter Soldat sei. Hier wäre die Einschränkung nötig, daß das 5. preußische Ar­meekorps zur Hälfte in der Provinz Posen, zur andern Hälfte im Regierungsbezirk L i e g n i tz be­heimatet war! Aber trotzdem, wir ziehen aus der Posener Festrede einen anderen Schluß, als der Redner ihn gezogen hat. Wir stellen fest, daß der in Deutschland lebende polnische Staatsbürger ferne Pflichten als Soldat anständig und tapfer erfüllt hat, zum Zeichen dafür, daß er sich unter der deut­schen Herrschaft und Fürsorge recht wohl fühlte.

Seit dem Versailler Vertrag sind die Gebiete voy,

Gewalt gegen Gewalt!

Oer Führer und Oberste Befehlshaber an die Wehrmacht.

DRV. Berlin, 1. September.

Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat folgenden Aufruf an die Wehrmacht erlassen:

An die Wehrmacht!

Der polnische Staat hat die von mir erstrebte friedliche Regelung nachbarlicher Be­ziehungen verweigert. Lr hat statt dessen an die Waffen appelliert. Die Deutschen in polen werden mit blutigem Terror verfolgt und von Haus und Hof vertrieben.

Eine Reihe von für eine Großmacht unerträglichen Grenzverletzungen be­weist, daß die Polen nicht mehr gewillt sind, die deutsche Reichsgrenze zu ) achten.

Um diesem Wahnwitz ein Ende zu bereiten, bleibt mir kein anderes Wittel, als von jetzt ab Gewalt gegen Gewalt zu fetzen.

Die deutsche Wehrmacht rotrö den Kampf um die Ehre und die Lebensrechte des wieder­auferstandenen deutschen Volkes mit harter Entschlossenheit führen.

3ch erwarte, daß jeder Soldat eingedenk der großen Tradition des ewigen deutschen Soldatentums feine pflicht bis zum Letzten erfüllen wird. Bleibt Euch stets und in allen Lagen bewußt, daß 3hr die Repräsentanten des nationalsozialistischen Grohdeutschland seid.

Ls lebe unser Volk und unser Reich.

Adolf Hitler.

Berlin, den 1. September 1939.

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PosenWestpreußen und Oberschlesien dem Reiche zum größten Teil entrissen worden. Die Zahl der im Reiche verbliebenen Polen ist unerheblich. Sie tun ihre Pflicht und leisten ihre Arbeit in loyaler Weise. Das Reich hat ihnen für ihre kulturellen Be­dürfnisse eine umfangreiche kulturelle Selbstverwal­tung eingeräumt, ohne daß die Republik Polen dazu zu bewegen war, ein gleiches für die deutsche Volks­gruppe in Polen zu tun. Jedenfalls besteht für uns kein Anlaß, die polnische Volksgruppe zu bedrängen, und alles, was von Warschau aus darüber in die Welt gesetzt wird, sind beweislose Behauptungen.

Ganz anders sehen die Dinge im polnischen Staat aus. Dieser hat bei seiner Gründung über zwei Millionen Deutsche in seine Grenzen hineingezogen. Obwohl diese Deutschen seit Jahr­hunderten im Lande ansässig und an seiner kulturel­len Entwicklung hervorragend beteiligt waren, hat der polnische Chauvinismus von Anfang an gegen sie eine wüste Hetze entfaltet. Ueber 800 000 Deutschs sind seit 1919 aus Polen vertrieben worden oder mußten unter dem Drucke des Boykotts und der Feindschaft aus diesem Lande weichen. Als 1772 der größte Teil der Provinz Posen zu Preußen kam, war das Land in einem Zustande der Verelendung, der fast an Barbarei grenzte. Durch die Fürsorge des preußischen Staates und durch große finanzielle Opfer ist Posen zur Blüte gebracht worden. Die deutsche Verwaltung ist sowohl den deutschen Ein­wohnern wie dem polnischen Dolksteile zugute ge­kommen, niemand wurde vertrieben und jedem wurde geholfen, der guten Willens war. Die Polen sind, nachdem sie infolge der Waffentaten der Mit­telmächte sich 1919 ein neues Reich gründen konn­ten, umgekehrt verfahren. Sie haben ihre ein­stigen Lehrmeister aus dem Lande getrieben, gegen jedes Recht und jede Verpflichtung. Nach dem Ver­sailler Verttage war das Recht der nationalen Min­derheiten zu schützen und zu erhalten. Polen hat sich trotz der Genfer Liga keinen Augenblick um diese

Verpflichtungen gekümmert. Der Führer der Auf- ständischen in Oberschlesien, G r a z y n s k i, wurdü Wojewode Ostoberschlesiens, erhielt also einen Rang ähnlich dem eines Oberpräsidenten ?n Preußen. Als einmal in Gens die schamlosen Vertragsbrücke und Hetzereien dieses Grazynski in aller Breite aufgerollt wurden, gab Polen kleinlaut nach und stellte in Aussicht, den Wojewoden zu entlassen. Darüber ist über ein Jahrzehnt verflossen, und Grazynski ist noch immer im Amt. Im Gegenteil: er fühlt sich anscheinend berufen, im gegenwärtigen Zettpunkt eine besonders üble Rolle zu spielen.

Es ist wahrhaftig erstaunlich, daß es im Aus­lande Zeitungen gab, die unsere Schilderungen über die Quälereien und blutigen Bedrückungen der Volksdeutschen alsUebertreibung" abtun wollem Als im Jahre 1934 der Führer mit Pilsudfki jenen Vertrag schloß, der ein besseres Verhältnis zwischen beiden Völkern einführen sollte, hegte man auch die Erwartung, daß die deutsche Volksgruppe in Polen ein erträgliches Dasein finden werde. Trotz­dem sind auch in diesen fünf Jahren immer wieder schwere Uebergriffe erfolgt. Es hat von deutscher Seite an Vorstellungen ganz gewiß nicht gemangelt, wenn auch die Presse eine gewisse taktische Zurück­haltung geübt hat. Damals schoben die Warschauer Behörden alle berechtigten -Beschwerden auf ihre untergeordneten Instanzen" ab, die angeblich noch nicht den Geist Pilsudskis erfaßt hatten. Sie haben es niemals getan und wollten es auch nich( tun. Insofern waren diese Jahre eine Probezeit, ein

Exempel auf den Wert polnischer Versprechungen in der Gegenwart. Wir können getrost sagen, daß von deutscher Seit nichts übertrieben wurde,' sondern daß das Los det deutschen Volksgruppe in Polen noch viel schlimmer ist, als der breiten Oef- fentlichkeit bekannt ward. Damit ist die Frage be­antwortet, die das Ausland aufwirft, ob die 23er« folgung der Deutschen in Polen tatsächlich eine G« fahr für den Frieden ist oder nicht.