Ausgabe 
1.8.1939
 
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tet werden konnte, wurde die Verhandlung auf nächsten Montag vertagt.

Die trotz ordnungsmäßiger Ladung zum Termin nicht erschienene Zeugin wurde in eine Ordnungs­strafe von 10 RM., ersatzweise 2 Tage Haft, genom­men, und es wurde ihre Vorführung zum Verhand­lungstermin angeordnet.

Der W. R. in Gießen hatte sich wegen Diebstahls, Uebertretung der Straßenverkehrsordnung und Füh­rung eines falschen Namens zu verantworten. Der einschlägig vorbestrafte und geständige Angeklagte hatre am 9. Ium 1939 in Gießen ein Motorrad, das vor dem Eingang einer Badeanstalt abgestellt war, weggenommen und war damit bis nach Bad-Nau- heim gefahren. Dort war er mit dem Motorrad die für Krafträder gesperrte Hermann-Gäring-Straße gefahren: er hat das Motorrad geführt, ohne den Führerschein der Klasse 4 zu besitzen und den Kraft- fahrzeugschein mitzuführen: gegenüber dem zustän­

digen Polizeibeamten in Bad-Nauheim hat er über seinen Namen, seinen Beruf und seinen Wohnort unrichtige Angaben gemacht.

Der Vertreter der Anklage betonte, alle erdenk­lichen Stellen (Jugendamt, Arbeitsamt) hätten sich bemüht, den Angeklagten irgendwo unterzubringen, dieser habe aber einen Hang zum leichtsinnigen Leben, ohne Inhalt und ohne Arbeit. Er beantragte sechs Monate Gefängnis und zwei Tage Haft.

Der Angeklagte wurde zu einer Gefängnis­strafe von fünf Monaten und zu einer Haftstrafe von zwei Tagen verurteilt. Die Haftstrafe und 26 Tage der Gefängnisstrafe gelten durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Dem Angeklagten wurde eröffnet, daß das Gericht ein letztes Mal Milde habe walten lassen, und es wurde ihm wei­terhin klargemacht, welche Mittel dem Staat zur Verfügung stehen, um ihn auf eine andere Bahn und vor allen Dingen zur Arbeit zu bringen.

Die Rechtskraft des Urteils wurde anerkannt.

Devisenschiebungen aus einer Millionen-Erbschast.

Lpd. D a r m st a d t, 31. Juli. Dor einigen Jahren kamen der Freiherr von Kittlitz aus Zoblitz- Lodenau (Oberlausitz) und sein Verwandter E. : .(Ingelheim) durch Erbschaft in den Besitz eines Riesenvermögens, das ihnen der Besitzer einer Zuckerplantage auf Java vermacht hatte. Die Millionenbeträge lagen in Holland und wurden von dortigen Verwandten der Erben verwaltet, o. Kittlitz mnd E. ließen sich aber Gelder aus Holland über- llveisen, die sie der Behörde gegenüber als Darlehen deklarierten. Sie begingen so in die Hunderttausende Netzende Steuerhinterziehungen. Mit Un- tterstützung des Rechtsanwaltes Dr. Z e i m e aus Frankfurt a. M. und anderer Helfer wurden Sperr- «narkgeschäfte getätigt und die Genehmigung hierzu vurch unwahre Angaben erschlichen. Weitere Devi- . ssenvergehen waren das Nichtanbieten von Forde­rungen an eine holländische Bank und des Erlöses J eines Verkaufs von Besitzungen auf Java sowie die ohne Genehmigung getätigte Verfügung über Aus- andsvermögen. Erhebliche Werte wurden so der (deutschen Devisenwirtschaft entzogen. Eines Tages fam die Steuerbehörde hinter diese Schwindelge- chäfte. Die Beteiligten wurden sofort in Haft ge­nommen und eine Untersuchung eingeleitet mit dem Ergebnis, daß sich vier der Beteiligten vor dem -ondergericht zu verantworten hatten. Das Ver­ehren gegen eine weitere Beteiligte mußte wegen Krankheit abgetrennt werden.

In mehr als 50 Derhandlungstagen hat das Son- ).ergericht in Darmstadt sich mit den Schiebungen beschäftigt und 'am Montag in dem seit Anfang I April dauernden Devisen- und Dolksverratsprozeß liegen Dr. Freiherrn von Kittlitz und drei andere wlgende Urteile gefällt:

Gegen Dr. Freiherrn von Kittlitz unter Frei­machung im übrigen wegen fahrlässigen Vergehens im oinne des Gesetzes gegen Verrat der deutschen Volkswirtschaft,

wegen Abgabe-einer wissentlich falschen eidesftatt- ichen Versicherung,

wegen Vergehens gegen die Deoisengesetze von ! 935 in vier Fällen und wegen fortgesetzten Ver- : crehens gegen die Verordnungen des Reichspräfiden- «n über Devisenbewirtschaftung von 1931 eine G e - .amtgefängnis strafe von 2 Jahren I Monaten sowie Geldstrafen von 13 000 und ö 000 RM. An Stelle der nicht einziehbaren Reichs- marftonten werden 10 000 RM. und an Stelle der

übrigen, nicht einziehbaren Werte 30000 RM. ein­gezogen. Von der Gefängnisstrafe gilt ein Jahr als durch die Untersuchungshaft verbüßt.

Gegen den früheren Rechtsanwalt Dr. Fritz Zeime (Frankfurt a. M.):

wegen Erschleichung von Deoisengenehmigunggen in zwei besonders schweren Fällen;

wegen fortgesetzter Nichtanbietung von Forderun­gen in ausländischer Währung in Tateinheit mit ungenehmigter Verfügung unter Annahme eines besonders schweren Falles und

wegen Erschleichung von Devisengenehmigungen Auswanderer-Sperrguthaben eine Gesamtzucht- Ha u s st r a f e von 4 Jahren und Geldstrafen von insgesamt 210 000 RM., sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre. 1 Jahr gilt als durch die Untersuchungshaft verbüßt.

Gegen den aus Frankfurt stammenden, in Mainz wohnhaften Rechtsanwalt Dr. Fritz B. unter Frei­sprechung, im übrigen:

wegen fahrlässiger Nichtanbietung von Forderun­gen in ausländischer Währung in Tateinheit mit ungenehmigter Verfügung und

wegen fahrlässiger ungenehmigter Verfügung über Auswanderer-Sperrguthaben, Geldstrafen von 30000 und 10 00 0 RM.

Soweit bei diesen drei Angeklagten die Geld­strafen nicht beigetrieben werden können, tritt an Stelle von fe 300 RM. 1 Tag Gefängnis.

Der vierte Angeklagte Dr. Ernst E. wird frei- gesprochen.

Der Vorsitzende des Sondergerichts betonte in der Urteilsbegründung allgemein, das Volksverratsgesetz sei erwachsen aus der Not des deutschen Volkes und aus der Notwendigkeit, den Wirtschaftskrieg des Auslandes gegen die deutsche Regierung wirkungs­los zu machen. Deshalb sei es eine Selbstverständ­lichkeit für alle Angehörigen der Volksgemeinschaft, an diesem Abwehrkampf mitzuwirken. Wer gegen diese Pflicht verstoße, sei einem Soldaten gleichzu­achten, der im Schützengraben die Abwehrmaßnah­men der Führung sabotiere. Das fei auch der Grund, weshalb der Gesetzgeber so scharf vorgehen müsse. Auch bei Annahme bloßer Fahrlässigkeit müsse die Sache unter dem Gesichtspunkt behandelt werden, wie wenn ein Soldat auf Feldwache stehe, bei dem man ein Höchstgrad von Aufmerksamkeit verlange. Auch der Begriff der Fahrlässigkeit sei daher in diesem Zusammenhang besonders streng auszulegen.

Aus der engeren Heimat.

Landkreis Gießen.

5 Steinbach, 31. Juli. Vergangene Woche tonnten Landwirt Peter Balser und seine Frau Narie Martha Helene, geb. Albrecht, das Fest der Albernen Hochzeit feiern. Die Ehefrau ist ie zweite Gattin und war vorher Gemeindeschwe- *er in Steinbach. In diese Woche fallen die silber- sen Hochzeiten der Kriegstrauungen aus 1914. Lei­st: ist der Mann der ersten Kriegstrauung Ludwig lulius Haas 1918 gefallen, dagegen können die iheleute der zweiten Kriegstrauung Ernst Ludwig e ß l e r und Margarethe Eleonore, geb. Stumpf, e silberne Hochzeit am 3. August feiern. Im be- :achb arten Albach fanden 1914 keine Kriegs- nauungen statt.

<£ Leihgestern, 31. Juli. Bei dem am Sonn- i:ig abgehaltenen Monatsappell der hiesigen Krie - sierkameradschaft hielt Propagandawart eld einen Vortrag über den ersten Großdeutschen lieichskriegertag in Kassel. Nach einer lebhaften i Aussprache und nach der Bekanntgabe, daß die 2 nloy - Feier der Kameradschaft am 20. August suttfindet, wurde der Appell gelchlossen.

# Garbenteich, 1. Aug. Am morgigen Mitt- ®®$, 2 August, können die Eheleute Maurermeister Md Bauunternehmer Heinrich Mo.hr II. und Frau Tarie, geb. Decker, das Fest der silbernen ho cf) 3 e i t feiern. Das Jubelpaar ist seit langem r«zieher des Gießener Anzeigers. (Wir beglück- nJrrfcben zur Silberhochzeit!)

75) Lich, 31. Juli. Die Baurnwärterver- S nigung des Bezirkes Gießen hielt am Ennntag imHolländischen Hof" eine Tagung ab, Mh in der Hauptsache der beruflichen Weiteraus- piibung der Baumwärter galt. Da die Stelle des 8 zirksführers schon seit einiger Zeit verwaist ist, ünrte Obstbauinspektor Rentsch (Friedberg) den Ersitz. Aus dem geschäftlichen Teil der Tagung ist u berichten, daß Baumwärter Mißler (Non- nciroth) zum neuen Bezirksführer ernannt, mäh­end der seitherige Kassenwalter A. Müller (Bel- nsheim) in seinem Amt bestätigt wurde. In einem ausführlichen Vortrag behandelte schließlich Jnspek- io: Rentsch den sogenanntenEschbetogschnitt" Nach ten theoretischen Teil her Tagung schloß sich <nn fr abgang durch die fürstlichen Baumstücke am frocuerberg an, bei dem noch manche Frage an -'lettischen Beispielen erläutert werden konnte. Am leiten Sonntag im September wollen die Baurn- a rter einen Ausflug nach der Bergstraße unter- women, um sich auch dort an Hand eingehender IWigungen weiter auszubilden. Die Tagung vir von rund 70 Teilnehmern besucht.

L i ch, 31. Juli. Einer schönen Sitte gemäß Wen sich am Samstag und Sonntag in unserer >odt die Kameraden und Kameradinnen des '" hrgangs 1889, um gemeinsam die Feier <ts 5 0. Geburtstages zu begehen. Von nah n:i fern hatten sich die Kameraden eingefunden, runter einzelne, die sich feit dem Jahr ihrer Kon- rmation im Jahre 1903 zum ersten Male wieder a»en. Im Saale des HotelsZum Löwen" fand s Wiedersehensfeier statt, bei der AllcrskaMerad i rnrich Menges, der Vorsitzende des vorberei­

tenden Ausschusses, herzliche Worte der Begrüßung sprach. Kamerad Heinrich Zimmer von Lich schil­derte in einem Rückblick, einem Umblick und einem Ausblick, was alle Kameraden gemeinsam verband. Nach gemeinsamem Kirchgang am Sonntagvormit­tag begab man sich zum Friedhof, um der Toten und Gefallenen des Jahrgangs 1889 zu gedenken. Ein Kranz wurde niedergelegt. Arn Sonntagnach­mittag trafen sich die Kameraden noch einmal im HotelZum Löwen" bei gemeinsamem Kaffeetisch und nahmen dann wieder voneinander Abschied mit dem Versprechen, sich in einigen Jahren wieder zu treffen.

)( Ruppertsburg, 30. Juli. In der ver­gangenen Woche wurde die von der Gemeinde vor einigen Jahren angelegte größere Maulbeerpflan- zung durch einen Gausachbearbeiter für Seidenbau besichtigt, der sich sehr anerkennend über den Stand der Anlage aussprach. Es war anfänglich nicht leicht, die Pflanzung durchzubringen. Frost und Wühl­mäuse richteten großen Schaden an, so daß Nach­pflanzungen nötig wurden. Durch gute Pflege haben sich die Sträucher in den letzten beiden Jahren so gut entwickelt, daß sie jetzt reichlich Nahrung liefern für die Seidenraupenzucht, die Lehrer Walter in dem benachbarten Villingen treibt. Wahrscheinlich wird im nächsten Jahre auch hier eine Zuchtstelle geschaffen werden.

Kreis Bübingen

h. Schotten, 31. Juli. 450 KdF. - Urlau - ber der Firma Opel waren über eine Woche lang in Schotten zu Gast und hatten sich bald mit der Schotten er Bevölkerung eng befreundet. Eine ganze Reihe Veranstaltungen zu Ehren der Gäste wurde durchgeführt. Stadtbesichtigung, Ausflüge in die nähere Umgebung und zum Hoherodskopf wurden unternommen. Am Samstagabend fand in der dicht besetzten Turnhalle ein wohlgelungener Abschieds­abend statt, bei dem Ansprachen des KdF.-Wortes, des Ortsgruppenleiters und des Bürgermeisters mit mancherlei Darbietungen und Vorträgen abwech­selten. Der älteste Urlauber dankte in herzlichen Worten für die gastliche Aufnahme. Am Sonntag­abend wurde ein großes Feuerwerk auf dem Bock­zahl für die Urlauber und die hiesige Bevölkerung abgebrannt. Am Montag verließen die Gäste im Omnibus die Stadt.

Kreis Dehlar.

ch Hochelheim, 1.August. Am morgigen Mittwoch, 2. August, können unsere Mitbürger Anton Schieferstein und Frau Barbara, geb. Wachtel, das Fest der silbernen Hochzeit be­gehen. Wir beglückwünschen zur Silberhochzeit!

< Krumbach, 31. Juli. Da die Landwirte bisher zum Zweck der Saatgutreinigung und der Beizung entsprechende Anlagen in den Nachbar­orten aufsuchen mußten, hat sich die Bäuerliche Ge­nossenschaft Raiffeisen entschlossen, eine Saatgut- Reinigungsmaschine und eine Beizan - läge anzuschaffen. Die Maschinen sind bereits ein­getroffen und wurden beim Ortsbauernfuhrer auf­gestellt. Die Anschaffung der neuen Einrichtungen wurde von den hiesigen Landwirten sehr begrüßt.

©ie geben ihrem Leben Form...

praktische Mädelarbeii im BOM.-WerkGlaube und Schönheit''.

In den zur Zeit der Großfahrten und Sommerlager des BDM. vorübergehend ver­waisten Führerinnenschulen treffen sich jetzt gruppenweise Mädel aus den ver­schiedensten Gebieten, den verschiedensten Be­rufen und den vielerlei Arbeitsgemeinschaften des WerkesGlaube und Schönheit" zu einem Erholungslager, das jeweils 12 Tage währt.

Selbständig und entschlossen bereitet sich unsere heutige Mädelgeneration auf das Leben mit seinen vielseitigen und vermehrten Anforderungen an die Frau vor. Wie dies in die Tat umgesetzt wird, ging uns aus einem Gespräch mit .einer jungen Sonderbeauftragten für das BDM. - Werk Glaube und Schönheit" hervor.

Viele Menschen", begann sie,wollen m dem BDM.-WerkGlaube und Schönheit" lediglich eine modische oder gar aesthetische Angelegenheit sehen. Damit wird man unseren Zielen Nicht gerecht. Wir möchten vielmehr unseren jungen Mädeln in dem Augenblick, wo sie selbst den Weg zur Persönlich- teitsentfaltung zögernd betreten, diesen Weg ebnen und ihnen eine möglichst gründliche Hilfe geben, die ihnen jeweils gemäße Richtung leichter zu finden. Wir suchten hierfür eine Form, die so bieg­sam ist, daß sie sich sowohl technisch als auch den weitverzweigten Wünschen unserer Mädel entspre­chend durchführen läßt."

Wir hören, daß das WerkGlaube und Schön­heit" als die natürliche Fortsetzung der Mädel- arbeit im BDM. alle siebzehnjährigen BDM.-Mädel erfaßt. Der wesentliche Unterschied zur Mädelarbeit jedoch besteht darin, daß die Kurse und Arbeitsgemeinschaften ausschließlich in Händen von Fachkräften lieaen, die sich sämtlich ehrenamtlich zur Verfügung stellen. Für die Aufstellung des jeweiligen Arbeitsplanes ist die Untergaufuhrerin zuständig, der die Sonderbeauf­tragte und die Ringführerinnen des BDM. dabei zur Seite stehen. Die Arbeitsgemeinschaften spielen sich innerhalb der Ringe ab. Einmal im Monat ruft ein Ringappell alle Teilnehmerinnen zu einem Gemeinschaftsabend zusammen, an dem die Spiel­schar zeigen darf, was sie kann.

In meinem Untergau", erzählt unsere junge Sonderbeauftragte,wirb recht rege gearbeitet. Allerdings müssen sich die Mädel beim Uebertritt aus dem BDM. in das WerkGlaube und Schön­heit" durch Ausfüllung einer Verpflichtungserklä- rung zur Teilnahme an mindestens einer Arbeitsgemeinschaft r die Dauer eines Jahres binden. Das bedeutet nun aber nicht, daß sie nicht an beliebig vielen laufenden Kunsen und Arbeitsgemeinschaften nebeneinander teilnehmen können. Jedoch raten wir allzu Eifrigen immer ab, sich von Anfang an zuviel zuzumuten. Man muß ja nicht vergessen, daß bei uns die meisten Mädel schon ernstlich in einen Beruf eingespannt sind und nur wenige Abend­stunden für uns frei haben."

Für alle obenan steht die sportliche Arbeit,

die nicht auf reinen Erholungssport, sondern auf Leistung abgestellt ist. Schwimmen, Leichtathletik, Handball, Tennis, Hockey und selbstverständlich auch Gymnastik alles dies wirb unter der sachkundigen Leitung einer ausgebildeten Fachkraft eifrig ge­trieben. Auf Kunsttanz und Ballett verzichtet man, umso beliebter ist der Volkstanz, der den Vor­aussetzungen der einzelnen Gaue entsprechend mit Anmut gepflegt wird. Für sehr entwicklungsfähig und fruchtbar gelten die dem künstlerischen ver­wandten Arbeitsgebiete. Hier gilt die Werk- arbeit als das Mittel, zugleich mit dem hand­werklichen Geschick den Geschmack und ein sicheres Urteil in Fragen der Heimgestaltung, der Kleidung und Lebensführung auszubilden. Man hütet sich jedoch glücklicherweise davor, den jungen Menschen ein Patentlösung zu vermitteln, vielmehr wird vor­sichtig angebahnt, was das Wachstum und die innere Reife der Einzelnen später vollenden sollen.

Beliebt sind Gemeinschaftsaufgaben, die eine ganze Gruppe zu gemeinsamer Anstrengung zusammenfassen. So galt es einmal, einen Kinder­garten mit Spielzeug auszustatten, auch werden an­läßlich eines größeren Empfanges die Mädel zum Schmücken und Decken der Tafeln herangezogen. Praktische Tat steht hier über dem Kampf mit Be­griffen. Und wo schon einmal Theorie sein muß wie etwa in der Auslandskunde, wird auch an diesen Stoff von der erlebnismäßigen Seite herangegangen, man lieft und studiert gemein­schaftlich Biographien großer Staatsmänner, die Kolonien erstehen aus den lebendigen Berichten bekannter Kolonisatoren, das Geschehen des Welt­krieges wird erlebt an den Schilderungen eines Flex, eines Witteck ufw.

Keineswegs gehtGlaube und Schönheit" an ver­meintlich so prosaischen Dingen wie Kochen, Haushaltführung, Krankenpflege und Nähen vorüber. Besonders auf dem Lande haben diese Fächer den Vorrang vor allen anderen. Don den Städterinnen werden auch Mode und Kos­metik sehr ernst genommen. Im Mittelpunkt aller kulturellen Arbeit jedoch steht für Stadt und Land der Faktor Geselligkeit. Musikalisch und dar­stellerisch Begabte finden sich zur Pflege des Laien­spiels, des Chorgesanges, der Instrumentalmusik zu­sammen. Anregungen hierzu liefern die Musikblätter der Reichsjugendführung, von der jede Gruppe auch Kantaten und Laienspiele beziehen kann. Begabte Mädel aber setzen ihren Stolz darein, selbst kleine Spiele zu dichten uni) von Kameradinnen in Musik setzen zu lassen.

Dem BDM.-WerkGlaube und Schönheit" kann sich jedes)el, auch die noch nicht dem BDM. angehört haben, jederzeit anschließen. Voraussetzung ist ein Alter von 17 Jahren, Reichsbürgerinnen­eigenschaft und körperliche wie moralische Tauglich­keit. Die frühe Anspannung im Beruf bringt oft in wichtigen Entwicklungsjahren eine gefährliche Einseitigkeit der Betätigung und Umgebung mit sich.Glaube und Schönl)eit" will der angehenden jungen Frau dazu verhelfen, allzu früher Ver­einzelung zu entgehen. Dr. Buresch.

Wirtschaft.

Rdein-Mainische Börse.

IMttagsbörse uneinheitlich.

Frankfurt a. M., 31. Juli. Das Börsengeschäft litt stark unter dem Mangel an Aufträgen, und da am Aktienmarkt zudem eher kleines Angebot vor­lag, entwickelten sich die Kurse zwar uneinheitlich, vorwiegend aber leicht nach unten. Eine Bevor­zugung irgend eines Wertes, wie sie in der Vor­woche häufiger war, konnte man auch nicht be­obachten. Von den wenigen Erstnotierungen er­wähnen wir u. a. IG.-Färben mit 144,13 (144,25), Verein. Stahl mit 99 (99,50), RWE. mit 114,50 (115), Reichsbank mit 179,75 (180), Demag mit 141,75 (142,50), andererseits Hoesch mit 106,25 (106), Bemberg mit 134 133,50), Rheinmetall mit 115,25 (115) und Scheideanstalt mit unv. 206. Etwas mehr rückläufig waren Buderus mit 97,50 (99).

Der Rentenmarkt lag noch stiller als sonst und eine Tendenz war nur schwer erkennbar. Reichsbahn-VA. zogen 0,13 v. H. an auf 122,75. Auch das bisher verhältnismäßig lebhafte Frei­verkehrsgeschäft in Steuergutscheinen war heute geringfügig, wobei jedoch die Kurse der Serie II mit ca. 96 weiter etwas anzvgen, während in der Serie I mit 99,10 bis 99,13 keine Aenderung ein­trat. Von Industrie-Obligationen zogen 5 v. H. Hoesch auf 99,40 (99) an, während 5 v. H. Mittel­stahl im gleichen Ausmaß zurückfielen auf 99. Stadt­anleihen und Pfandbriefe lagen ruhig und be­hauptet. Kommunal-Umschuldung 10 Rpf. erholt auf 93,25. Steuergutscheine II schwankten zwischen 95,50 bis 96.

Im Verlaufe stockte das Geschäft am Aktien­markt fast völlig. Die Kurse entwickelten sich weiterhin zufällig. Bemerkenswert hoch lagen Aschaffenburger Zellstoff mit 86,13 (83,50), Löwen­bräu München mit 191 (188), Lahmeyer mit 117,50 (116) und Heidelberger Zement mit 144,25 bis 144,75 (143,50). Andererseits gingen Gebr. Jung- hans mit 91,75 (93,50) und Gesfürel auf 126,25 (127,50) zurück.

Der Freiverkehr war geschäftslos,'Katz & Klumpp 0,50 v. H. niedriger mit 89,50 bis 91,50. Tagesgeld war zum Ultimo gefragt und wurde auf 3 (2,50) v.H. festgesetzt.

Abendbörse guf behauptet.

Der geringe Auftragseingang bewirkte an der Abendbörse auf allen Gebieten weitestgehende Ge­schäftsstille. Trotzdem war die Grundstimmung reundlich und die nicht ganx einheitlich, meist nomi­nell festgesetzten Kurse am Aktienmarkt lagen größ­tenteils um Prozentbruchteile höher. IG-Farben gingen 0,65 v. H. fester zum Berliner Schlußkurs von 144,90 um. Kleine Steigerungen erfuhren fer­ner u. a. Rheinmetall auf 116 (115,25), Verein. Stahl auf 99,25 (99), AEG. auf 114 (113,75), B-kula auf 160,75 (160,50), Gesfürel auf 127 (126,75), Demag auf 142 (141,75) und Hapag auf 45 (44,50). Andererseits lagen Mannesmann mit 103 (103,25), Bemberg mit 133,50 (134), Daimler mit 120 (120,25) und Licht & Kraft mit 129 75 (130) knapp gehalten. Arn Rentenmarkt fanden Reichsbahn-VA. zu 122,65 (122,75) und 6 v. H. JG.-Farben zu 120 (0,13) Nachfrage. In Steuer­gutscheinen wurden auf Basis der Mittagskurse kleine Abschlüsse getätigt. Serie II Juni 95,90, Juli 95,85, August 95,60 bis 95,65. Serie I schwankten zwischen 99,05 bis 99,15.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 31. Juli. Es notierten (Ge­treide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM.: Weizen W9 193, W11 195, W12 196, W 13 197, W 16 200, W18 202, W 19 204, W20 206, Roggen RH 179, R12 180, R14 182, R15 183, R 16 185, R 17 186, R18 187, R 19 189 Groß­handelspreise der Mühlen der genannten Preisge­biete. Futtergerste, Futterhafer. Weizenmehl Type 812 W 13 bis W 20 einschließlich Kreis Alzey 30,15, W20 Kreis Worms 30,50 plus 0,50 RM. Fracht-Ausgleich. Für Weizenmehl Type 812 mit Beimischung von Maisbackmehl liegen die Preise 0,30 RM. unter den Notierungen. Roggen mehl Type 997 R12 22,45, R15 22,80, R 16 22,95, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 RM. Frachtaus­gleich. Weizenfuttermehl W19 13,60, Weizenvoll- kleie W19 11,60. Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W 18 11,00, W 19 11,10, W 20 11,20 Mühlen- feftpreis ab Mühlenstation. Roggenfuttermehl R 18 12,90, Roggenvollkleie R 18 10,90. Roggenkleie R12 9,95, R15 10,15, R16 10,25, R18 10,40, R19 10,50 Mühlenfestpreis ab Mühlenstation. Treber. Wiesenheu, handelsüblich 5,00 bis 5,20, do., gut, gesund, trocken 5,60 bis 6,00; Ackerheu, gut, gesund, trocken 6,00 bis 6,30; Kleeheu, handelsüblich 6,00 bis 6,40, do. gut, gesund, trocken 6,40 bis 6,80; Luzemeheu, handelsüblich 6,60 bis 7,00, do. gut, gesund, trocken 7,00 dis 7,50; Weizenstroh, bind­fadengepreßt oder gebündelt 2,50, Roggenstroh 2,70, Hafer- und Gerstestroh 2,30 bis 2,40 Erzeugerpreis ab Erzeuger-Verladestation.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 1. August. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 748 Kälber, 294 Hämmel und Schafe, 4200 Schweine. Es kosteten: Kälber 35 bis 65 RM., Hämmel 35 bis 50, Schafe 25 bis 42, Schweine 53 bis 62 RM. Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt; Schafe und Hämmel mittel.

Rundfunkprogramm

Mllwoch, 2. August.

5 Uhr: Frühmusik. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Prä­ludium und Fuge von Joh. Seb. Bach (16851750). Morgenspruch. Nachrichten. Gymnastik. 6.30: Früh­konzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 8.40: Bäderkonzert. Ausführung: bas Kurorchester Bad Orb. 9.30: Gau- nachrichten. 11.40: Ruf ins Land. 12: Musik zum Mit­tag. 13: Nachrichten. 13.15: Musik zum Mittag. 14: Nachrichten. 14.10: 50 bunte Minuten. (Jndustrie- Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 16: Sport und Mikrophon. Massenfechten Fechten (Degen und Säbel). Einzelfechten unter Beteiligung von Meister Casmir (Frankfurt). Faustballspiel 1. Halbzeit. Faust­ballspiel 2. Halbzeit. Dazwischen Unterhaltungskonzert a. d. Terrassencafe. 19: Fliegendes Deutschland. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Aus dem Saalbau zu Frankfurt am Main: Wir fliegen in silberne Weiten. Eine Ge­meinschaftssendung von Hitler-Jugend und Wehr­macht mit Choren der Jugend und frohen Soldaten­liedern. 22: Nachrichten. 22.20: Sportnachrichten in Kürze. 22.30: Klangmalereien auf ber Harfe. 23: Musik aus Wien. Ausführung: das kleine Orchester des Reichssenders Wien. 24 bis 3: Nachtmusik.