Ausgabe 
1.7.1939
 
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Nr. 151 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)

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Aus dem Leben eines Welttekord-Segelfliegers

Waffenmeister Schmidt (IR. 116) erzählt von seinem Sohne.

Ihm

folgten Vie Segelflieger Bräutigam

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ihm, er könne sich nun an Gutem, an Eßbarem und Trinkbarem bestellen, was ihm gerade behage. Und was tut der Segelflieger? Er bestellt sich--

Haferbrei mit Zimt und Zucker!"

Der Lebensweg.

Interessant ist es, zu hören, welchen Lebensweg der Segelflieger gegangen ist. Er wurde im Jahre 1906 zu Straßburg geboren, ging nach der Versetzung eines Vaters in Allenftein zur Schule, machte dort

Vor einigen Tagen hat überall eine überragende segelfliegerische Leistung aufhorchen lassen: NSFK.- Ohersturmführer Kurt Schmidt konnte bei dem Zielstreckenflug, den das NS.-Fliegerkorps veran­staltet, als Erster die Strecke von Freiburg i. B.

Im Dienste des NSFK.

Schon seit längerer Zeit steht der Weltrekord­flieger Kurt Schmidt ausschließlich als Referent für Segelflug im Dienste des NS.-Fliegerkorps und viele junge und angehende Segelflieger hat er schon durch Vorträge, durch praktische Lehrarbeit, durch Fliegerschulung mit dem herrlichen Sport vertraut gemacht und sie für den Segelflug begeistert. Er selbst ist aber auch Motorflieger und weiß mit dem Motorflugzeug ebenso sicher umzugehen, wie mit dem Segelflugzeug. Außerdem pflegt er auch den Kunstflug und beim Großflugtag in Frankfurt a. M. wird er voraussichtlich sein Können im Segelflug­zeug-Kunstflug zeigen. So nahe seinen Eltern, wird er auch bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, wieder einmal in Gießen vorzusprechen.

Aus der Stadt Gießen.

Oie Postkarte.

Es läßt sich nicht leugnen: die Postkarte spielt eine sehr wichtige Rolle. Schon zu ganz normalen Zeiten, wenn sich ein Alltag an den anderen reiht, und die Gedanken an die Urlaubsfreuden so weit entfernt sind wie eine Martinsgans vom Sommer- fest. In jenen gleichmäßig dahinrollenden Tagen hat man beispielsweise einen Brief zu schreiben. Die Sache eilt, daran ist kein Zweifel. Aber woher soll man die Zeit nehmen, die kostbare Zeit? Kommt da nicht wie ein freundlicher Götterbote der Gedanke an die Postkarte? Aber selbstredend, das »ist doch der einzige Ausweg. Nur her mit der Postkarte, den Brief kann man ja später noch immer schreiben. So gehen viele Postkarten hinaus als tröstende Vor­boten von Briefen, die nie geschrieben werden.

Anders ist es in der Urlaubszeit. Sie wird zu jener glanzvollen Periode, In der die Postkarte wahre Triumphe feiert. Jeder, der hinausfährt, und sei es auch nur auf einige Tage, spürt den unbe­zähmbaren Drang in sich, Postkarten zu schreiben. Nicht, als ob es sich auch hier gewissermaßen um einen Briefersatz handeln würde. Nein, ganz und gar nicht. Die Postkarten, die während des Urlaubs ge­schrieben werden, haben mit jener Postkarte nichts gemein, die nur geschrieben wird, um eine drückende Briefschuld loszuwerden. Hier tritt vielmehr eine er­staunliche Wandlung ein: der Mensch, der während des ganzen Jahres keinerlei Schreiblust verspürt, strengt sein Gedächtnis an, um alle die aufzuspüren, die er mit einer Ansichtskarte beglücken kann.

Und so fliegen denn die reizvollsten Postkarten ins Haus. Don Tonte Berta, die sich am Seestrand aufhält, von Vetter Paul, der auf die Berge ge­kraxelt ist, von Neffen und Nichten, die sich auf lohnenden Fußwanderungen befinden, und von jenen vielen Bekannten, die alle die Wonnen der Ferienfreuden genießen. Der Daheimgebliebene nimmt diese Fülle der Kartengrüße mit gemischten Gefühlen entgegen. Teils weil er selber zu Hause sitzt, teils, weil er sich nur mit Mühe der Absender entsinnen kann. Aber er mag sich trösten: dieselbe Mühe haben sich die Absender auch machen müssen, einerseits, um den Namen richtig zu schreiben und anderseits, um die genaue Anschrift herauszubekom­men, die sich dann gewöhnlich doch als falsch er­weist. Die Briefträger wissen ein Liedchen davon zu singen.

Ganz gewiß aber ist die Urlaubszeit ohne An­sichtspostkarten undenkbar. Sie gehören dazu wie der Rucksack zum Wandern, wie die Sonne zu einem richtigen Strandvergnügen. Und wenn wir auch mit kritischen Gefühlen vom Brief­träger nahezu täglich die hübschen Karten entgegen- nehmen, es kommt der Tag, wo wir selber draußen irgendwo sitzen werden, um Postkarten zu schreiben. Denn das Schreiben dieser Karten ist eine so ge­nußreiche Handlung, daß niemand ohne Not darauf verzichten wird. H. W. Sch.

bis Stettin unter den widrigsten Wetterver- häitnissen zurücklegen und in Stettin landen. ....... ~ und

Das neue INonalsheft ist erschienen und bietet einen außerordentlich inter­essanten Inhalt für nur 10 Pf. 4663D

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Sonderzug nach Stuttgart.

Vom 22. bis 23. Juli 1939 führt die NSG.Kraft durch Freude" zur Reichsgartenschau nach Stuttgart einen Sonderzug durch. 4687D

Fahrpreis einschließlich Uebernachtung, Frühstück und Eintritt zur Ausstellung 10,90 RM.

Zu Wohnsiedlungsgebieten erklärt.

Entsprechend dem Gesetz über die Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten wurden durch den

Dornotizen.

Tageskatender für Samstag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Parkstraße 13". Artillerie-Kameradschaft 1895: 20.30 UhrHessischer Hof" Monatsappell. Mtv.: 20 UhrAndres" Mitgliederversammlung.

Tageskalender für Sonntag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Parkstraße 13".

INttglieder-Versammlung

der Oberhessischen Viehversicherungsanstatt.

Die Oberhessische Viehversicherungsanstalt veran­staltet am Sonntag, 16. Juli, um 15 Uhr imBurg­hof" ihre ordentliche Mitgliederversammlung.

Hitler-Jugend Dann 116.

HI.-Gefolgschaft 8/116 Watzenborn-Steinberg.

Am Sonntag, 2. Juli, findet ein Fahrtenappell innerhalb der Gefolgschaft 8/116 in Watzenborn- Steinberg statt. Sämtliche Fahrtenteilnehmer sowie

der Eltern. Hier sind viele seiner Auszeichnungen aufbewahrt; hier liegen sauber geordnet die zahl­reichen Glückwunschtelegramme, die der Segelflieger vom Führer Adolf Hitler, von dem ehrwürdigen Generalfeldmarschall von Hindenburg, von Generalfeldmarschall Göring, von Korpsführer C h r i st ia n s en , vom Reichssportführer von T s ch a m m e r und O st e n und vielen anderen, die der Bewunderung über die Leistungen des Segelfliegers Ausdruck geben wollten.

Höchstleistungen.

Der großen Leistung, die der Segelflieger nun in dieser Woche mit dem Flug FreiburgStettin unter Beweis stellen konnte, ist manche andere segelfliegerische Tat vorausgegangen. Vor wenigen Wochen brachte er den Streckenflugweltrekord mit 505 Kilometern von Trebbin nach Holzhausen bei München an sich, im Jahre 1936 stellte er mit 13V2 Stunden einen Rhön-Dauersegelrekord auf (der allerdings vor kurzem Überboten wurde), und aus dem Jahre 1933 datiert die wohl einzige Lei­stung eines Dauerflug-Weltrekords von über 36 Stunden, der über dem Kurischen Haff erzielt wurde. Es ist gut, sich einmal vorzustellen, was es bedeuten mag, 36 Stunden ununterbrochen auf kleinstem Raume fast bewegungslos zu sitzen, sich anderthalb Tage lang ausschließlich von Keks, Scho­kolade und Aepseln zu ernähren und zu keiner Sekunde dieser 36 Stunden ein Auge schließen zu können, sondern immer überwach zu sein, bereit, jeden Windstoß aufzufangen und auszunutzen, Hohe zu behalten, unzählige Male die Dune auf und ab zu kreuzen, um schließlich erst auf ausdrücklichen Befehl zu landen! Der Sohn spricht, so erzählt uns der Vater, selten von dieser Leistung und wenn er es tut, dann geschieht es mit einer ihm angeborenen Bescheidenheit, die auch dem Vater zu eigen ist, der in der langen Zeit, da er in Gießen ist, nur wenigen Menschen von den überragenden Lei­stungen seines Sohnes erzählt hat, obwohl er allen Anlaß hätte, auf ihn stolz zu fein.

Haferbrei mit Zucker und Zimt...!"

Aus den Tagen, in denen der junge Segelflieger den Weltrekord an sich brachte, erzählt Waften- meister Schmidt eine reizende und doch auch sehr bezeichnende Episode. Er habe damals, so sagte er, seinem Sohne einmal etwas Besonderes zugute kommen lassen wollen. Beide seien deshalb m ein gutes Restaurant gegangen und der Vater sagte

NSFK.-Obersturmführer, Weltrekord-Segelflieger Kurt Schmidt. (Aufnahme: Privat.)

F l i n s ch. Am Mittwoch dieser vergangenen Woche berichteten wir über das bedeutende segelfliegerische Ereignis in Wort und Bild.

Die Eltern wohnen in Gießen.

Durch einen Zufall erfahren wir' nun, daß den erfolgreichen Segelflieger Kurt Schmidt, der sich schon durch verschiedene segelfliegerische Großtaten hervorgetan hat, ein nicht unwesentlicher Umstand herzlich mit unserer Stadt, mit Gießen verbindet. Der Vater des Segelfliegers steht als Waffen­meister seit einigen Jahren beim Jnfanterie-Regl- ment 116. Wir besuchten ihn und ließen uns von ihm über seinen Sohn erzählen. Immer wieder in Abständen weilt der junge Segelflieger im Heim

die gesamte Schar 2 treten um 8.45 Uhr bei der Volkshalle an.

Stamm V., Lumdatal, Gefolgschaft 22 und 23.

Die Teilnehmer der Hessen-Nassau-Gahrt der bei­den Gefolgschaften treten am Samstag, den 1. Juli 1939, um 21 Uhr zur Besichtigung durch den Adju­tanten des Bannführers, Gefolgschaftsführer Krech- berger, in Lollar an dem üblichen Antretplatz an. Für die Führer der Gefolgschaft 23 ist mit dieser Besichtigung eine Führertagung zum Zweck der Einführung des neuen Gefolgschaftsführers ver­bunden. Entschuldigungen gibt es nur im Krank­heitsfälle.

Gefolgschaft 21 Grünberg.

Die Besichtigung der Teilnehmer der Hessen- Nassau Fahrt Gef. 21 findet am Sonntag, den 2. Juli 1939, vormittags 9 Uhr in Grünberg auf dem Sportplatz statt. Mit dieser Besichtigung der Fahrtteilnehmer ist ein Appell der Gefolgschaft 21 durch den Bannführer verbunden.

Stamm 11/116.

Am Sonntag, 2. Juli, finden im Stamm 11/116 folgende Fahrtenappelle in vorschriftsmäßiger Uni­form und Tornister statt: Gef. 10, 8 Uhr, Holzheim

das Abitur und kam dabei zu einer entscheidenden Begegnung mit den Segelfliegern, denen von da an sein Herz gehörte. Noch studierte er vier Seme- ter an der Technischen Hochschule in Stuttgart, dann acht Semester Philosophie in Königsberg und der Vater, der es gerne sähe, daß der Sohn ins Lehramt kommt, bringt für das Studium manches Opfer. Aber er kann es nicht verhindern, daß der Sohn mit Leib und Seele Segelflieger wird? Noch macht Kurt Schmidt die Mittelschul-Lehrerprüfung, dann geht er nach München, arbeitet in der Werk­statt für Segelflugzeugbau an der Technischen Hoch­schule zu München, konstruiert unter mancher äuße­rer Entbehrung die 13"*, das einzige Flug­zeug, das sich in seinen tragenden Elementen aus Stahlrohren aufbaut, deren Wandungen nur die Stärke von 0,5 Millimeter aufweisen und ein Ge­rüst ergeben, das leichter ist als Holz. Die 13" wird jetzt serienmäßig in Donaueschingen hergestellt. Die erste 13" hat der Segelflieger nicht nur in allen Einzelheiten selbst konstruiert, sondern auch .......g selbst gebaut. Den Dauerflug- ______ _____ Kurischen Haff stellte er auf einer Grunau Baby" auf, einer Maschine, die er nach ' vorliegenden Plänen ebenfalls selbst gebaut hatte. Den Dauersegelflugrekord der Rhön im Jahre 1936 stellte er auf der ureigensten Maschine auf. Für den Streckenflugrekord von 505 Kilometer bediente er sich einesReiher".

Schule; Gef. 8, 8.45 Uhr, Watzenborn Schule; Gef. 9, 9 30 Uhr, Großen-Linden Sportplatz; Motor-Schar 1/116, 10.15 Uhr, Langgöns Sportplatz; Gef. 6, 11 Uhr, Klein-Linden HJ.-Heim.

BOM.-!lntergau 116 Gießen.

An alle Egerlager-Teilnehrnerinnen!

Wir fahren am 5. Juli mit dem. Personenzug um 18.40 Uhr in Gießen ab. Die Sonderzugfahrkarten sind an dem Fahrkartenschalter vorzuzeigen, damit ihr von eurem Heimatort bis Frankfurt,a. M. 75 Prozent Fahrpreisermäßigung bekommt. Die Mädel, die an der Bahnstrecke GießenFrankfurt wohnen, steigen in ,i)en obengenannten Zug jeweils ein. Die in Gießen abfahrenden Mädel sind bereits um 18 Uhr am Bahnhofsplatz angetreten.

NSD., Ortsgruppe Mitte.

Betr. Pfundsammlung.

Die Pfundsammlung der Ortsgruppe Gießen- Mitte für den Monat Juli wird am Montag, 3, und Dienstag, 4. Juli, von der NS.-Frauen- schaft durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Lebensmittelspende durch einen Geldbetrag ab­zulösen. __________________

Volkslied, und doch stolzer als alles Gezüchtete, ge- adelt durch Dürer, der sie vor vier Jahrhunderten genau so sah und malte^ wie ich sie sehen, wenn auch nicht malen darf.

Darf ich sie nicht malen, so darf ich sie doch lob­preisen. Ich liege am Hang einer Bergwiese über einem Bergsee zwischen Wetterstein und Karwendel und vergesse die eine schroffe Majestät in meinem Rücken und die andere vor mir. Sie sollen mich nur wiegen und gängeln und mein Lager und meinen tastenden Schritt mit Akelei umstecken. Hoch schwingt der Stengel der Blume auf und windet sich oft in Bogen zwischen die gebogenen Zacken der hängenden Blütenkrone hinein. Fünf Trompetchen oder Waldhörnchen sind es, die diese Krone bilden, die fünf dünnen Enden nach oben in Haken gegen­einander gekrümmt, die fünf Trichter nach unten mit ausgeschweiften Rändern geöffnet und mit ihren Wandlungen zusammengewachsen zu einer einzigen Wandlung, aus der der Griffel frei und nackt her- ausdringt. Und zwischen den fünf Blumenhorn ern kommen noch fünf weitere Blumenblätter wie ko­kette Schleifen vor. Ich bin kein Botaniker, ich mag mich im ©inne der Wissenschaft falsch ausdrücken, ich sehe nur mit staunenden, nicht mit forschenden Blicken das Gebilde an. Purpurbraun glöckeln und prunken die blutdunklen Blumen über der hellbun- ten Bergwiese, Braun bis ins Blau und Tief- violette und Bordeauxrote. Ich lasse die Sonne hin­durchscheinen, und die Kelche hängen in meiner Hand, hängend noch mit einem tieffunkelnden Wein gefüllt.

Wie der Berglwirt ins Blaue fuhr. Von Karl Robert Popp.

Ein überaus milder Herbst war in die kleinen Dörfer der stillen Täler gekommen, und weiter droben, wo die Häuser und Hütten größeren Ab­stand voneinander hielten und die Hänge sich unter den Sonnenstrahlen förmlich reckten, schien gar der Frühling noch einmal ins Land lächeln zu wollen. Der Berglwirt mochte das wohl besonders eindring­lich fühlen, und da fein Geschäft den ganzen Som­mer über geblüht hatte, wollte er wenigstens in den letzten Sonnentagen des Jahres nachholen, was nach der Mühe der Fremdenverkehrsmonate einem braven Wirte wohl zu gönnen war: Auch er wollte auf ein paar Tage gründlich ausspannen.

Burgl", sagte er zu seiner Wirtschafterin, denn er führte seit zwei Jahren ein einschichtiges Witwer­leben,auf den Freitag fahr ich in die Stadt her­unter. Schaust gut auf alles derweil, gelt? Am Samstag Abend bin ich z'ruck." Der Burgl war es nicht einmal unlieb, für ein paar Tage allein zu hausen und zu schaffen. Sie war ein rechtschaffenes Weibl, aber in manchen Dingen hatte sie halt ihren Kopf für sich, und sie konnte mordsgrantig werden, wenn ihr der Wirt immer die Verblichene als leuchtendes Vorbild und alleinige Richtschnur aller Handlungen hinstellte. Sie sah dem Abschied also ohne großen Schmerz entgegen, und es wurmte sie nur, daß der Wirt so sehr das große Wort führte. Was weißt du von der Welt, Burgl", sagte er mitleidig.Ich dagegen! Ich fahr' jetzt m die Stadt, und von da aus gehen die Züge in alle Welt hinein! Leicht werd' ich gar nach München fahren!"

Nach Minka, freili!" echote die Burgl spitz und fuhr erregt fort:Auf Minka fährt er, der Herr, und i darf derweil das Dreckputtel spielen, gelt?!" Tätst dich nur aufregen, B-urgl", meinte der Wirt gelassen,dös ist Manndersache, verstehst? Da hinein findest du eh nit!" Die Burgl schoß darauf­hin wie ein Wiesel in ihre Küche, ließ ihren Zorn an Tellern und Tassen aus und kochte zu Mittag einen Schlangenfraß. .

Der Berglwirt aber fuhr am andern Tage in die Krachledernen, zog seinen Sonntagsjanker an und stieg ins Tal hinab. Die Morgensonne schien so strahlend, und die Lust war so würzig und frisch, vaß er mehr als einmal hell aufjauchzte und voll froher Unternehmungslust der Kreisstadt zufuhr. Nachdem er sich darin zur Genüge umgeschen und

im kühlen Schatten eines alten Bräuhauses erfrischt hatte, bummelte er langsam nach dem Markt und 'ah dort mehrere große Ausflugswagen stehen. Einer, dessen schmuckes Aussehen ihm besonders gut gefiel, trug quer über den Fenstern ein großes Schild mit der Aufschrift:Morgen wieder die be­liebte Fahrt ins Blaue!" Angesichts dieser Wer- - bung verlor sich der Berglwirt nun sogleich in allerlei romantische Vorstellungen, und rein berufs­mäßig verwoben sich in seiner Phantasie die Worte Fahrt ins Blaue" mit dem Gedanken an das Hof- brauhaus und wurden zu dem lockenden Begriff: München". Wo konnte es auch anders hingehen? Er ging näher heran und blinzelte dem Besitzer des Wagens zu. Der zwinkerte verständnisvoll zurück, und nun gab es für den Berglwirt kein Zögern mehr. Rasch kaufte er eine Fahrkarte, und als er den Preis mit der Bahnfahrt verglich, beglück­wünschte er sich innerlich, weil er ja hier viel besser daoonkam und entschloß sich, die Differenz im Hofbräuhaus auszugleichen.

Am anderen Morgen fand sich eine bunte Ge­sellschaft auf dem Marktplatz ein, und der Bergl­wirt war entschieden der Lustigste von allen, ja, er brachte mit seinen Schnurren erst die rechte Stim­mung in den Wagen, so daß ihn der Reiseleiter dankbar ansah und sich immer einen solchen Fahrt­genossen wünschte. Als aber die Stadt hinter den Hügeln verschwunden war, wurde der Berglwirt merkwürdigerweise stiller, und als kein 3roeifel mehr daran war, daß der Wagen gar in die Rich­tung der Taldörfer fuhr, da schwieg er ganz. Sollte man einen solchen Umweg machen? Er wurde immer unruhiger, je mehr das Verhängnis biejer Heimatfahrt feinen Verlauf nahm. Endlich kamen die Berge in Sicht, der Wagen stieg schneidig und viel zu hastig für den Berglwirt hinan, und dann erhob sich der Reiseleiter in seiner vollen Große und sagte mit einer gewissen Feierlichkeit:Meine Damen und Herren! Die heutige Ueberraschung wird wohl besonders gut gelungen sein! Das Ziel unserer Fahrt, der herrliche Berggasthof, liegt nun vor uns! Meine Herrschaften, wir fahren jetzt zum Berglwirt!" . .... , .

Da legst di nieder", sagte der und klarte dann . seine sich vor Vergnügen windenden Mitfahrer auf. Ihre Heiterkeit verdroß ihn aber so, daß er sich . wieder in Schweigen hüllte und nur in grimmig i vor sich hinknurrte, als er die Burgl in weißer > Schürze winkend und empfangsbereit vor Dem Tore stehen sah. Die Burgl war auf alles gefaßt, nur [ darauf nicht, ihren Herrn und Gebieter inmitten . einer Reisegesellschaft aus dem Wagen klettern zu ) sehen. Der Berglwirt schob sich an ihr vorbei, stapfte

Zeitschriften.

Weftermanns Monatshefte" brin­gen in ihrer Juli-Folge einen AufsatzDeutsche Zeit deutsche Kunst" von Edz. Schumann mit schönen Abbildungen. Von Wilhelm von Scholz er­scheint eine SchilderungWeimarer Erinnerungen' aus dem Anfang unseres Jahrhunderts und Pro­fessor Schultze (Naumburg) hat einen mit mehreren Schriftproben versehenen BeitragSelbstsucht und Güte in der Handschrift" zur Verfügung gestellt. Einenketzerischen Streifzug durch die Malerpara­diese" unternimmt Rudolf Haupt mit heiteren Bil­dern. Die AbhandlungWeg und Aufgabe des far­bigen Fotos" vermittelt einen guten Einblick in die Arbeit der Lichtbildkunst. Neben Erzählungen von Käthe Koopmann, Adalbert Forstreuter und Walter Grothe erwähnen wir noch Beiträge von Edith MikeleitisVom Geheimnis des nahen Sehens' und Dr. DeutelmoserVolkstumsbewegung auf den Färöer",

Akelei.

Von Hans Brandenburg.

Wenn die Sense das Gras im Unterland schon geschnitten hat, blühen im Oberland bis zu den Al­men noch die Höhenwiesen, Sommerwiesen also, nicht nur Frühlingswiesen, Wiesensommer bis in den Juli hinein. Wer kennt und nennt all Die Ar­ten oberbayerischer Feldblumen? Ich kenne viele, aber ich kann sie nicht aufzählen, ich kann sie nur zum 'Strauße sammeln, von jeder Blume immer nur eine Art, und doch zu einem großen Strauße, den die Hand kaum faßt. Oft will der Klee am schönsten scheinen, der weiße Klee, der rosa Klee der Steinklee, der Hornklee, sie alle vereinigt auf dem gebuckelten Grund zu einer Brandung bunten Gold­schaums, die emporwellt zum Schub der dunklen Fichtenwogen und grellen Bergrücken im Himmels­blau. Doch da sind auch die Orchideen, die Knabenkräuter, die weißen, die violetten, die ge­fleckten, und all das abgeftuste Gelb von Klapper­topf und Hahnenfuß, von Arnika und Baldrian. Feiern aber will ich vor allem die Akelei. Ich habe sie fast nur noch für eine Gartenblume gehal­ten, jetzt ist sie. wieder Aglei, das Polkskind und

nach dem Schanktisch und hieb die Maßkrüge unter Den Zapfen.

Die Burgl hatte inzwischen alles erfahren und be­diente. Ihre Ohren hatten dabei beftärtbig Besuch, und ihr Gang hatte etwas Schwebendes, Anzeichen einer ungeheuren inneren Heiterkeit, die leider nicht -tärfer zum Ausdruck kommen konnte, denn der Berglwirt sah aus wie fünf Minuten vor einer Explosion. Und Dann erhob sich Der Reiseleiter, um den Berglwirt zu feiern, dessenInstinkt", wie er agte, ihn mit so untrüglicher Sicherheit dahin ge- ührt habe, wo es sich so herrlich leben lasse: Aus Den Berglhof. Er biüe Die Anwesenden, ein Hoch auf Den findigen Berglwirt auszubringen.

Der also geehrte wog unschlüssig einen Maßkrug in Der HanD und wußte nicht, ob er werfen oder einen Versöhnungsschluck trinken sollte. Unter Dem Beifall feiner Gäste entschloß er sich aber doch zum letzteren, und so Durfte am EnDe dieses Tages Die Burgl doch noch ihrer Heiterkeit freien Lauf lasten, während der Berglwirt sich mit der stattlichen Ein­nahme einigermaßen tröstete. In einem Punkte aber war seine Autorität über die Burgl dahin, und er hütete sich, weitere Reisepläne laut werden zu lassen. Wer weiß, was die Burgl darauf geant­wortet hätte!