Ausgabe 
1.7.1939
 
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MW

eine Rundfahrt um Diamond Head herum,

sollen

An der Saale Hellem Strande

sals.

eines

Sag der Deutschen Kunst.

Amerikas Hauptfestung im Stillen Ozean. Hier die größten Geschütze der Welt

nächste Umgebung bietet Gelegenheit zu abwechs­lungsreichen genußvollen Waldspaziergängen. Wei­ter in die Ferne führen Gänge zum Otzberg, der nördlichen Warte des Odenwaldes, zum Breuberg, der größten und schönsten Burg des Gebirges; ins Mümlingtal zu den Nachbarorten Bad König, Zell, Michelstadt, Erbach; über die Hasenrother und Hum- metrother Höhe zur sagenumwobenen Höllsteiner Höhe und der Ruine Schnellert; endlich hinüber ins Maintal nach Oberburg oder Wörth. Alle diese Wege erschließen schöne Teile des östlichen Odem walos, die nicht nur landschaftlich, sondern auch durch die reichen naturgeschichtlichen Erinnerungen aller Art immer wieder den Besucher zu fesseln vermögen.

EinGehbad" für Rheumakranke.

Bad Oeynhausen hat seine Kureinrichtungen jetzt um einGehbad" vermehrt, das die Heilung der Rheumakranken erleichtern soll. Das neuartige Geh­bad besteht aus einem großen, mit 15 Kubikmeter kohlen äurehaltigem Thermalwasser gefüllten Becken Es ist an den Seiten mit Haltestangen versehen und ermöglicht selbst den Gehbehinderten die Bewegung ohne fremde Hilfe, da das spezifische Gewicht des Wassers die Schwere der kranken Glieder aushebt. Auf die so gelockerten Gelenke wirkt die Heilkraft des heißen Thermalsprudels stärker ein als auf die in einer Wanne ruhenden unbewegten.

Aloha!

Honolulu, den 20. August 1931.

Gibt es wohl einen Ort auf der Welt, wo man dem Reisenden, der eben ankommt, zur Begrüßung einen duftenden Blumenkranz um­hängt? Das ist mir heut hier in Honolulu begegnet. Auf dem Pier spielte zum Empfang unseres Damp­fers eine Militärkapelle, und Hunderte von Men­schen erwarteten das Schiff, alle mit Kränzen in der Hand. Im Augenblick, wo die Sperre auf­gehoben wurde, flutete der Strom an Bord, und zum Willkommen bekam jeder feinen Kranz um- gehänat. Besonders geschickt und freigebig warb auf diese Art eine Hotelagentin Gäste. Ich komme auf den Pier, ein junger Mann aus befreundetem Hause in San Francisko begrüßt auch mich mit dem Blütenkranz. Aloha! ist das Grußwort auf diesen Inseln. Aloha steht mit großen Buchstaben auf dem Signalturm am Hafen geschrieben. Aloha! Liebe! Wort und Sitte haben schon die ersten Weißen, die sich vor hundert Jahren in Honolulu. nieder­ließen, von den Eingeborenen übernommen.

UnserPresident Wilson" bleibt hier einen Tag liegen; Man macht einen Plan für die Jnselrund- fahrt. Ein schöner Sechssitzer bietet sich an. Joseph I. Gomes, der Chauffeur, sagt: Schlechte Zeiten, nur 20 Dollar für den ganzen Tag, große Tour, rund um die Insel! Wir sind fünf Personen, jemand aus München, jemand aus Augsburg, jemand aus Neuyork, aber mit Spreewasser getauft, und zwei junge amerikanische Lehrerinnen, macht vier Dollar auf jeden.

Wir fahren los und kommen über den Platz, wo mitten in der Stadt das Denkmal Kameha- m e h a s des Großen steht: der nackte Körper aus dunkler Bronze, Schurz, Federmantel und Feder­helm vergoldet, auf den ersten Anblick seltsam, aber die Figur, die stolze Gebärde, das kühne Gesicht machen Eindruck. Dieser Kamehameha wurde 1781 Häuptling auf Hawaii. Er eroberte den ganzen Archipel, vereinigte ihn zu einem einzigen Staat, öffnete ihn für den Handel der Weißen und neigte sich zum Christentum. Man nannte ihn den Napo­leon der Südsee. 1872 starb sein letzter männlicher Nachkomme, 1898 wurde das Sternenbanner in Honolulu gehißt. Kamehamehas braune Kinder sind im Aussterben, aber 50 000 Amerikaner, 30 000 Chinesen, 150 000 Japaner, dazu viele Misch­linge bevölkern jetzt die Inseln.

Honolulu und das ganze Eiland Oahu ist eine Welt voll von Blumen und Früchten. Bäume, so groß wie Eichen, leuchten brennend rot und gelb unter einer Decke von Blüten. Die feuerrote Hibis- kusblüte auf ihrem dunkelgrünen Strauch säumt

Robert Guiscards, das Neapel und Sizilien beherrschte. !^>as konnte in jenen Tagen ein Deut­scher nicht alles sein? Befehlshaber in Apulien oder an der Klause von Verona, Gesandter in Konstan­tinopel oder Gefolgsmann seines Kaisers beim Ein­reiten in Jerusalem; ritterlicher Gast unter der Fahne des Deutschen Ordens in Preußen ober Lio- land ober Mitkämpfer auf der Walstatt bei Liegnitz unter Herzog Heinrich gegen die Mongolen! Die Pommernherzöge riefen adlige Lehnsleute, Bürger und Bauern in ihr wildes Land, und die Könige von Ungarn warben Kolonisten, um ihre Krone an den Tr cm ssy Iranisch en Pässen zu verteidigen. An der Ostsee wuchs der Kranz der deutschen Städte von Lübeck bis Reval; die Hansen hatten ihre Kon­tore in Bergen und Nowgorod, und der Engländer lernte das Geld, das die deutschen Kaufleute in sein Land brachten, das Pfund der Osterlinge nennen. Deutsche Kleriker und deutsche Baumeister studier­ten auf der Universität von Paris und auf der Bauhütte in Reims; deutsche Ritter tränkten ihre Pferde im Tiber und im Jordan. Vom Atlantischen Ozean bis Arabien, von Sizilien und Byzanz bis zum Nordmeer reichten die Linien der Politik, des Handels, der Heerfahrten, des wissenschaftlichen und künstlerischen Verkehrs, die sich in Deutschland kreuz- ten.

Dies Deutschland muß man sich vorstellen, wenn man Antwort auf die Frage sucht, woher die un-

Gladenbach Dernbach Bottenhorner Heide Hartenrod.

Wir fahren über Niederwalgern nach dem an­mutig in einem Talkessel gelegenen Gladenbach und folgen von hier schwarzen Punkten, die uns an der Ruine Blankenstein vorbei über Kehlbach durch die wegen ihrer schluchtartigen Wald- und Wiesen­täler Hinterländer Schweiz genannten Landschaft bergauf über Römershausen nach dem hochgelegenen Dernbach, der Perle des mittleren Hinterlandes, bringen. Von der den Ort bekrönen­den Burgruine genießt man einen feinen Blick. Rote Punkte führen uns jetzt über die hochliegende große Bottenhorner Heide, die namentlich zur Blütezeit des Heidekrauts einen reizvollen An­blick gewährt, nach Bottenhorn. Unterwegs bieten sich prächtige Blicke auf Dernbach, nach Koppe, Hemmerich, Schneeberge und Dünsberg. Von Bot­tenhorn leiten uns rote Striche abwärts. Auf unserem Wege erfreuen uns wieder hübsche Blicke auf Tringenstein, ins Dilltal, nach Greifenstein und Hirschbergkoppe. Wir kommen durch das rings von steilen Bergen eingeschlossene Dorf Schlierbach und alsbald nach unserem Endziel Hartenrod. Wander- zeit: 4 Stunden.

Weliwanderer in der Weltenwende

Paul Rohrbach zum 70. Geburtstag.

stehen. Kein Besucher darf sich nähern, kein Flieger darf in Honolulu mit einer Kamera an Bord auf* steigen. Man weiß, wer die Festung heimlich um­lauert! Noch ein kurzer Besuch an dem berühm­ten Badestrand von Waikiki, wo dieBrandungs­reiter" ihre Kunst üben, noch ein Blick ins Aqua­rium, wo Märchenfische, so bunt wie Schmetter- finge, und furchtbare Seeteufel hinter gläsernen Wanden schwimmen, und bann, nur zu früh, wieber auf ben Pier, wo derPresibent Wilson" gerabe unter bem Aloha-Turm liegt. Noch em bunter

alle Wege. Bvugainvillien fließen wie purpur- violette Wasserfälle von Mauern und Zäunen. Un­möglich, die Namen aller Blumen zu nennen, die süß duftend in den Gärten, an den Hecken, an allen Landstraßen blühen. Prachtvolle Autostraßen laufen um die Insel, durchschneiden sie von Gestade zu Gestade. Jedes benutzbare Stückchen Boden ist mit Zuckerrohr oder Ananas bepflanzt. Millionen Früchte wachsen in endlosen Reihen, eine grau­grüne, stachlige Wildnis. Die Ananas von Hawaii geht in Büchsen schiffsladungsweise in die Welt, das meiste nach Amerika.

Wir kreuzten die Insel, vorbei an Haleiwa, dem märchenhaft schönen Dillenort am türkisblauen Meer und hielten am Mormonentempel. Es gibt 12 000 Heilige der Jüngsten Tage in Hawaii, meist Chinesen. Dann kamen wir zum David von Punaluu. Er ist ein eingeborener Hawaiier, der sich ein Grashaus nach alteinheimischer Art ge­baut hat. Die Regierung zahlt chm ein Monats­geld, damit er den Fremden die primittve Roman- ttk der alten Zeit vormimt. Alle seine Geräte sind von Stein und Holz. In den Matten, mit denen das Dach feiner Hütte unterlegt ist, stecken Tau­sende von Visitenkarten, und jeder Be­sucher wird um die seine gebeten. Hinter dem Haus ist ein Teich mit Lotosblumen, die David mit Grazie den Damen überreicht. Er ist ein schöner Bursche, sein brauner Körper ist wohlgeformt wie ein Modell, die blasierten Amerikanerinnen machen förmlich Jagd auf ihn.

Großartig war die Fahrt über den Pali- Paß. Steile Felsmassen aus rotbraunem Gestein erheben sich wie riesige Türme, eine Windsbraut führt in unablässigen Stößen auf dem Gebirgs­kamm ihren wilden Tanz auf. Man sieht tief hinab aufs Meer; am Gestade leuchtet es grün, weiter draußen tiefblau und dunkelviolett, da­zwischen schneeweiß die wanderttden Kämme der Brandung. Ueber den hohen, buntgefärbten vulka­nischen Felsen, über dem tropischen Pflanzenkleid liegen ein weißblauer Himmel und brennende Sonne.

Pünkttich um Mittag hält Joseph I. Gomes vor dem deutschen Pfarrhaus: ein deutscher Willkommensgruß, ein deutscher Familientisch, deut­sche Speisen, deutsche Bücher alles mitten im Stillen Ozean, wo warme Tropenlust durch die offenstehenden Türen streift und tropischer Blu- menbuft hereindringt. Ein Sohn des Hauses ist Lehrer in Kanton und arbeitet dort an einer Disser­tation für eine deutsche Universität; ein zweiter verdient sich in Honolulu als Lehrer das Geld, um in Deutschland zu studieren. Dazu eine Tochter, ein ganz geliebter Backfisch, der barfüßig auf die höchste

Auch in diesem Jahre wird anläßlich desTages der Deutschen Kunst" in München eine Fest- Plakette heraus gegeben, die von dem Münchner Bildhauer Karl Roth entworfen und von ihm selbst in Stahl geschnitten wurde. Die Plakette zeigt die aufrechte Gestalt der Pallas Athene, der Schutz­göttin der Kunst. Unterhalb des Schices steht zu ihren Füßen ein Adler, als Wächter der deutschen Kunst. Die Plakette wird hergestellt aus einem neuen Werkstoff Maanewin, einer Verschmelzung von Magnesium und Aluminium. (Scherl-M.)

Gießen Hangelstein Beuern Bersrod Winnerod Reiskirchen.

Zu dieser Wanderung benutzen wir die am Justizgebäude beginnenden blauen Dreiecke. Wir gehen über die Wiesen bis zum Philosophenwald und an dessen Rand entlang nach unserem Vorort Wieseck, der zum Teil durchschritten wird. Hinter der Ludwigsburg führen die Zeichen zum Han­ge l st e i n, dessen bemerkenswerte Punkte, wie Aussichtspunkt über dem Steinbruch, Felsenkanzel, Teufelskanzel und Unionslinde, wir berühren. Wir kommen über den Daubringer Paß mit schönen Blicken in das Busecker- und Lumdatal und auf stillen Waldpfaden nach Beuern, wo wir rasten können. Der Weitermarsch geht über Bersrod, hinter dem wir die Reichsautobahn überschreiten, nach Winnerod mit seinem altersgrauen, efeu­umrankten Kirchlein, in dessen Innern die zum Teil noch wohlerhaltenen sehenswerten Epitaphien der letzten Herren von Windhausen sich befinden. Die Zeichen verlassend, gehen wir nun auf guter Straße nach unserem Endziel Reiskirchen. Dauer der Wan­derung: 5V2 Stunden.

Naumb urg, 5.Oktober 1926.

Im Westchor des Naumburger Doms stehen e Figuren. Sie sind nicht hineingestellt in den

t, sondern der Raum und die Bildwerke sind füreinander gedacht. Don den zwölf Gestalten sind zwei Ehepaare; acht stehen einzeln. Die berühmte­sten sind Ekkehard und Uta, das eine der bei­den Paare. Alle waren Stifter oder Wohltäter des Doms Ihre Burgen lagen in Thüringen und Sachsen, im Gebiet der alten Markgrafschaft Mei­ßen.

Diese Steinbilder sind bas Höchste, was mittel­alterliche deutsche Plastik geschaffen hat. Wüßte man den Namen des Künstlers, der sie um die Mitte des 13. Jahrhunderts schuf, so würde man ihn un­ter die größten Bildhauer von den Griechen bis auf die Gegenwart rechnen. Alle die Jahrhunderte vorher waren in der bildenden Kunst auf deutschem Boden gebunden durch lieb erlief erung, durch Be­fangenheit ober durch Kampf mit Stofs und Form. Der Naumburger Meister hat beides beherrscht. Seine Ausdrucksmittel sind sparsam, aber gerade darum von hoher Wirtting. Alle zwölf Gestalten leben, und jede wirkt durch Blick, Gebärde und Haltung als die Verkörperung eines Gedenkens oder

Wie sind diese Kunstwerke aus einer Zeit, da sich die Sterne des Hohenstaufengeschlechtes schon ab­wärts neigten, zu erklären? Warum wurden vor­her keine von gleichem Range geschaffen, und warum mußten nachher wieder Jahrhunderte Der» gehen, bis einem deutschen Meister ähnliches ge­lang?

Der Naumburger Dom steht im Uebergang von der romanischen zur gotischen Bauweise. Der West­chor wurde errichtet, als Kaiser Friedrich II. regierte, der Enkel Barbarossas, der Sohn Heinrichs VI. von Konstanze, der Normannentochter aus dem Haufe

Kokospalme klettert, auf dem Schwimmbrett stehend gleich der kecksten Hawaiierin durch die Brandung fährt, aber sich in Deutschland einen deutschen Mann holen möchte,damit ich mit meinen Kindern nicht englisch reden muß!" Man konnte an diesem Pfarrhaus schon seine Freude haben!

Der Pastor hatte als Silberhochzeitsgeschenk von einem wohlhabenden Gemeindemitglied ein schönes neues Auto bekommen. Damit machten wir noch

eine oiunosayn um uiumunu t u u yctum, x uiuci «««v/tv

einen großen erloschenen Kraterberg am Meere, Kranz für den Scheidenden, noch ein Händeschütteln ~ ----- ~ - auf Wiedersehen in Deutschland! schon geht

Ibie Schraube an Aloha! Aloha!

Wanderfahnen

Janine 1" Marika Rökk und Rudi Godden sind

elektrische Glühlampen, die strahlen ließen, so sind es hi und 25 000 Glühlampen. W<

;er nun glaubt, daß Ver­

scherzt, man lacht, bis

Gaststätte in Berlin,

und

flamen. Aber bald schwirrt es einander. Man plaudert, man die Arbeit von neuem ruft.

deren weite Gärten und Felder inmitten des drängenden Steinmeeres eine Riesentankstelle Rosenduft bilden.

Während so der Rosenmonat Juni eitel Lust

an» für

vermutet hier eine sommerliche Idylle. Doch kaum hat man den Torweg des Hauses Nr. 132 durch­schritten, da sieht man rechts das Theatergebäude, geradaus die Gartenbühne, deren Zuschaüerraum mit einem Riesenzelt überdacht ist, und zwischen Theatergebäude und Gartenbühne den Garten selbst, der mit wundervollen hohen Bäumen bestanden ist, deren dichte Laubkronen die Mauern der angrenzen­den Stockwerkhäuser verdecken. Bunte Garten­schirme und bequeme Korbsessel fordern zum Ver­weilen auf. Was aber dem Ganzen das echt ber­linerische Gepräge gibt, das ist die Kaffee- küche! Hier herscht noch der alte Brauch:Fa­milien können Kaffee kochen. So spielt sich in diesem Großstadtwinkel ein gemütliches Familien- und Volksleben ab, dem der Berliner von Herzen zugetan ist. Uebrigens hat das Rose-Theater an sich nichts mit Rosen zu tun. Es heißt nach seinem Besitzer, dessen künstlerischer und kaufmännischer Geist dieses Theater durch alle Stürme der Inflation und der Systemzeit gerettet hat.

Freude bringt, gibt es einen Menschen in Berlin, der bereits wieder mit Sorgen in die Zukunft sieht. Denn der Juni bringt ja neben den blühenden Rosen auch die Wende, von der ab die Tage wieder kür­zer werden. Und das will für den, der Frau Be­rolinas Lichtrechnung pünktlich bezahlen soll, viel heißen. Diese Rechnung hat esin sich", wie aus den vor kurzem abgehaltenen Beratungen über den Berliner Haushaltsplan hervorging. Man versteht es daher wohl, daß der Stadtkämmerer

elektrische Glühlampen, die in Berlin ihr Licht er­beute 100 000 Gaslampen

Aber da gibt es noch eine deren hohe schattige Bäume zum Besuch einladen, und die zugleich in engster Nachbarschaft mit einer Kunststätte gelegt ist: das Gartenrestaurant des Rose-Theaters. Es liegt im Osten Ber­lins, in der Großen Frankfurter Sttaße. Niemand

Bries aus der Reichshauptstadt

Von unserer berliner Schristleiiung.

Man sieht und hört weniger Kinder auf der Straße, daran erkennt man den Beginn der Ber­liner Schulferien. Die Rundfahrtwagen haben jetzt ihre große Zeit; denn stehen vielen Durchreisenden auch nur wenige Stunden zur Ver­fügung, zu einer Rundfahrt reicht es und man sieht doch einiges von der Neugestaltung der Reichshaupt­stadt. Aber nicht das Ferttge, das Werdende wollen die Berliner Gäste gerade sehen und darüber gibt auch der Baedeker keine Auskunft. So fand in dem neuen Botschaftsviertel am Tiergarten in diesen Tagen das Richtfest der neuen japanischen Botschaft statt, das vierte in dieser Diplomaten­kolonie. In Jahresfrist werden über 20 Staatsver­tretungen ihren Umzug hierher in die neuen Bau­ten vollzogen haben, der notwendig wurde, weil die bisherigen Gesandtschaftsgebäude der Neugestaltung Berlins im Wege stehen. In der Gegend, wo 1813 der preußische General Bülow den französischen Marschall Oudinot durch die Schlacht bei Groß­beeren von der Eroberung Berlin abhielt, sind gegenwärtig 6000 Mann an dem Bau des 7 Kilo­meter langen Verschieb ebahnhofs beschäf­tigt, auf dem nach feiner Fertigstellung täglich 700 Wagen .verschoben' werden können. In diesem Jahre noch soll auch mit dem Bau des riesenhaften Süd- bahnhoses begonnen werden. Neue Seen von statt­licher Größe entstehen in der Umgegend Berlins durch das Ausbaggern gewaltiger Erdmassen, die zum Aufichütten neuer Bahnkörper benötigt werden. Auch für die Spree bricht mit der Neugestaltung Berlins eine neue Zeit an. Sie wird hier und da erheblich verbreitert. Zwischen dem Reichstagsufer und der Roonfttaße ist ein umfangreicher Häuser­block niedergelegt worden, um die Spree nach dem Königsplatz gelangen zu lassen. Der Spreebogen vor dem Lehrter Fernbahnhof, der auch nicht mehr allzu lange dort stehen wird, muß verschwinden. Von dem Durchstich am Reichstagsufer wird auch das jetzige Reichstagsminifterium des Innern (das ehemalige Generalstabsgebäude) getroffen, das ebenfalls verschwindet. Mitten auf dem Königsplatz ist für die Spree ein neues Bett von fast 70 Meter Breite ausgebaggert worden, es fehlt nur noch die Verbindung nach beiden Seiten desbegrabeten" Flusses. Doch dieses neue Bett wird später durch die Kongreßhalle wieder überbaut.

es, die in diesem von Pariser Lust erfüllten großen Spielfilm neue Triumphe feiern. Plötzlich taucht eine Anzahl ostmärkischer Bauern und Arbeiter auf. Sie spielten soeben in einer großen Jnnenszene des Ganghvfer-FilmesW alb r auf ch", dessen Außenszenen bereits im Großglockner-Gebiet ge­dreht wurden. Filmsterne und Filmkomparsen sitzen hier einträglich und kameradschaftlich beieinander. Doch halt! Weshalb wenden sich mit einem Male alle Köpfe dem Pörtnertore zu? Eine elegante Limousine fährt vorüber und in chr sitzt Zarah Leander. Auch sie will zur Kantine, aber nicht zu der, in der wir sitzen, sondern zu jener Kantine, die in einer der Atelierhallen aufgebaut ist für den allerneuesten Zarah-Leander-FilmDas Lied der Wüste". In diesem Augenblick verstummt das Gespräch an den Tischen unter den hohen Ka- " ......... wieder munter durch-

Berlins dem Kürzerwerden der Tage höchst abhold ist. Wie hoch beläuft sich nun Frau Berolinas Licht­rechnung? Sie beläuft sich auf 11 Millionen Reichs­mark und ist damit um 1 Million höher als im ver- aangenen Jahre. Dieses Ansteigen der Berliner Lichtrechnung ergibt sich einmal aus dem steten An­wachsen Berlins, zum andern daraus, daß Berlin immer Heller wird wenigstens am Abend! Waren es 1933 rund 76 000 Gaslampen und 19 000

lin für feineErleuchtung" Zuviel Geld ausgibt, dem fei gesagt, daß sich die Lichtrechnung von 11 Millionen RM. auf rund 4,4 Millionen Einwohner verteilt. Also: je Tag und je Berliner Nase beträgt die Rechnung 0,7 Reichspfennige. Wer möchte da noch von einem übertriebenen Licht-Luxus sprechen?

*

Berlin hat viele Gasfftätten, in denen man zur Sommerszeit unter hohen, schattigen Bäumen die Großstadt vergessen kann. Dennoch zieht es den Wissenden immer wieder hinaus nach Babels- berg-Ufastadt zur Ufa-Kantine. Hat man das Pförtnertor zum Ufa-Gelände durchschritten, so erblickt man sofort linker Hand die großen, breit ausladenden Kastanien, unter denen es sich selbst an den heißesten Tagen behaglich sitzen läßt. Gewiß gibt es Berliner Kaffeegärten, die eleganter ein­gerichtet sind. Aber sitzt man in ihnen in so inter­essanter Nachbarschaft wie hier in der Ufa-Kantine? Ringsum an den Tischen, die in den großen Dreh­pausen fast alle besetzt sind, herrscht eine lebhafte Unterhaltung, die oft von einem fröhlichen Lachen unterbrochen wird. In einem seltsamen Durchein­ander begegnen sich hier die Jahrhunderte und Kontinente. Dort sitzt eine Scharfriderizianischer" Pimpfe, die in dem Karl-Ritter-FilmKadetten" mitgewirkt haben und sich nun an einer Portion Eis gütlich tun. An jenem Tische spricht man von demSensationsprozeß Casill a", einem Film, der in Amerika spielt und in dem Heinrich George einen berühmten Anwalt darstellt. Wieder an einem anderen Tisch hört man rufen:Hallo

Berlin, Juni 1939.

Tankstellen sind in unserem motorisier­ten Zeitalter eine Lebensnotwendigkeit. Zu­mal in Berlin, dessen Bestand an Kraftfahrzeugen am 1. Juni dieses Jahres 226 289 Stück betrug, mit­hin 8667 mehr als am selben Stichtag des Vor­jahres. Nun find Tankstellen an sich kein besonderer Schmuck des Sttaßenbildes. Dennock gibt es in Berlin, vor allem an den großen Ausfallstraßen, viele Tankstellen, die sich mit schönen gärtneri­schen Anlagen umgeben haben, in denen es grünt und blüht. Vor einer solchen Tankstelle fuhr jüngst ein schnittiger Sportzweisitzer vor. Während der Herr dem Auffüllen seines Bezinvorrates sach­verständig zusah, entstieg seine Begleiterin dem Wa­gen 'und lustwandelte zwischen den blühenden Bee­ten.Was machst du denn da?" war die erstaunte Frage des Herrn. Woraufhin er zur Antwort er­hielt:Ich? Ich tanke Rosenduft!" Ja, so sind die Berliner! Sie verbinden stets das Nütz­liche mit dem Angenehmen. Das Erfreuliche ist nur, daß ganz Berlin nach Herzenslust Rosendust tanken kann. Denn selten hat es in Berlin eine so reiche Fülle blühender und duftender Rosen gegeben wie in diesem Jahre. So fiel denn auch das Britzer und Neuköllner Rosenfest ganz besonders schön und üppig aus. In diesen südöstlichen, dicht­bevölkerten Stadtteilen Berlins gibt es nämlich überraschenderweise noch 180 Rosenzüchter,

daz> ßMuMyrfäfage ^juckc^cha.fi .M.CbrietäHiße 29/30 - ^aKri^v(y{&tv-. 2/4.