Ausgabe 
1.7.1939
 
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I./2.MMY

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Hr. 151 Zweites Blatt

Wandern und ^Reifen Bäder und Sommerfrischen

der

Auskunft durch die Kurverwaltung

BadSaLzschlüf,

Erholung und gute Verpflegung finden Sie nicht nur in der Ferne, sondern auch in den Sommerfrischen u.Gaststätten der Heimat

aber festzustehen scheint, daß hier eine Kultstätte der Freya angelegt war.

,Hn Lauterbach ... hab ich mein' Strümps ver­lor'»!" singt das Sprichwort, und wirklich, es patzt auf das muntere, aufgeweckte Bölklein, das dort das Holz vor der Tür" aufhäuft und in Ulrich- st e i n , wohl dem zentralsten Ausgangspunkt neben Schotten für den Wanderer und stillen Beschauer der eigenen Landschaft, der hinauf auf die Höhen des Taufsteins und der Herchenhainer Höhe strebt, ist reichlich für eine gastliche Aufnahme gesorgt.

Und welche herrlichen Tagesziele bietet der Vogelsberg! Von Ulrichstein nach Lauterbach, von Alsfeld nach Ulrichstein, von Schotten nach Nidda, durch das Laubachtal von Schotten nach Grünberg, von Gedern die Nidda bergauf über Hartmatzns- hain, dem Hoherodskopf nach Herbstein! Kreuz und quer durch den Vogelsberg, wahrlich eine dankbare Aufgabe.

Ueherall saubere Dörfer und Märkte, allüberall Berührungspunkte kulturellen Lebens mit lebendi­ger Vergangenheit, verwoben mit dem Weistum eines unverdorbenen, seinem Boden anhangenden

Kirche ist 1568 erbaut.

In der Umgebung des Ortes finden sich manche Hügelgräber und Reste vorgeschichtlichen Ackerbaus. Nördlich von Höchst liegt auf waldiger Höhe das Wambolder Schlößchen, so genannt nach den Frei­herrn von Wambold. Hier künden geringe lieber» reffe von einer römischen Niederlassung. Südlich von Höchst, gleichfalls auf bewaldeter Höhe, hat man die Reste einer römischen Villa gefunden und westlich von dem Ort, auf der Hochfläche zwischen Mümling- und Gersprenztal, war an der Stelle, die heute Haselburg heißt, nahe bei Hummetroth, die räumlich bedeutendste römische Anlage. Das Land hier war also schon lange besiedelt und bebaut. In römischer Zeit lag die Gegend von Höchst inner­halb des sich in nicht allzuweiter Entfernung hin- ziehenden Limes.

Heute ist Höchst ein ausblühender Ort, dessen Bewohner sich mit Ackerbau, auch mit Industrie befassen. Vor allem ist Höchst ein gern und ost besuchter Ausflugsort, fei es als Ziel, sei es als Ausgangspunkt für schöne Wanderungen. Schon die

chen eingebürgert, die eineherrliche Bräunung an den Anfang ihrer Anpreisungen stellen. Die meisten dieser Salben nützen nichts, heißen sie wie sie wollen. Ich nenne hier auch zwei Mittel gegen Sonnenbrand:Tschamba-Fij" für Gesicht und Kör­per,Labisar^ für die Lippen! Für diese Empfeh­lung bekomme ich weder Geld noch gute Worte: ich gebe sie, weil sich die genannten Sonnenbrand- Schutzmittel wirklich als vorbeugend und heilend bewährt haben!

Und noch etwas! Es ist herrlich, sich einmal ganz frei und ungehemmt in der Natur freuen und be­wegen zu können und mit der Natur verbunden zu sein. Dieses glückhafte Gefühl der Freiheit und des Ungebundenseins soll aber niemals ein Freibrief dafür sein, sich alsNaturverbundener" nicht mehr zu rasieren und keinem abgerissenen Knopf nachzu­trauen oder zu glauben, daß besonders große Nadel­stiche einen gerissenen Hosenboden besonders apart erscheinen lassen. Schlichtheit und Sauber­keit in allem geben uns auf Bergfahrt nicht nur erhöhtes Lebensgefühl, sondern bewahren uns darüber hinaus vor dem berechtigten Kopfschütteln der Bergbauern!

Lauterbach (Oberhessen), das idnllischc Landstädtchen int lieblichen Tal der Lauter, am Hang des Vogelsberges, umgeben von weiten, stillen Buchen- und Tannemväldern und von fnmtcit Höhenzügen. Sommerfrische. Malerisches Alt-Lauterbach, -veunat- museum. Großer Stadtpark (30 Morgen). Mod.Srelschwlmmtmd.

1576 wurde als Folge der Res aufgehoben. Vom Kloster ist Bauten heute echalten. Der frühere Konventsbau wird jetzt als Pfarrwohnung benutzt. Das Propstei­gebäude ist heute vermietet; ein an seiner Front sich erhebender runder Treppenturm fällt durch sein stattliches Aussehen auf; der untere Teil stammt aus 1592, die Bedachung ist dagegen neueren Da­tums; die Schlüsselscharten erinnern an einstige Wehranlagen. Das ehemalige Refoktorium dient jetzt als Scheune; hier findet sich ein schönes gotisches Portal mit Laubwerkverzierungen, das freilich schon ziemlich zerstört ist. Von der alten Kloster­kirche steht heute noch der Turm an der Westseite des Langhauses, aus romanischer Zeit. Die heutige

Richtige Kleidung auf Bergfahrten.

Von Leo K. Krasser, Äannfachwart und Zugend-Bergführer.

... Das eine war eine deutsche Touristin mit ausgeprägten Weiblichkeiten, entblößtem Hals, rot und schwitzend, mit Tiroler Hut und Fasanenfeder, mit zehnpfündigen Bergschuhen und einem mit Sicherheitsnadeln gerafften Lodenrock ..." Ja, das habe ich neulich in einem herzerquickend bösen Ab­schnitt eines bekannten Buches gelesen. Und weil gar so viel Wahrheit in dieser stillen Naturbeobach­tung liegt, kann ich den Wortlaut nicht verschwei­gen; er reizt mich geradezu, über das Kapitel, das die Überschrift kennzeichnet, eine Art von Predigt zu halten, deren Weisheit sich auf alte Erfahrung gründet und die von selbst befolgten Ratschlägen dessen versichere ich Sie nur so strotzt.

Wenn man also in die Berge reift, fei es allein, mit Kind und Kegel oder mit KdF., soll man sich bewußt fein, daß man an den Gegenpol von Nor­derney oder Borkum fährt; was hier billig ist, ist dort noch lange nicht recht! Shorts oder ähnliches stümperhaftes Kleiderwerk hat in den Bergen nichts zu suchen, weil es vorkommen kann, daß einem der Winddurch und durch" pfeift. Ich meine dabei den Jochwind, der meist recht scharf in Moll bläst (auch bei schönem Wetter), also lange nicht so heroisch wie der Wind an der See. Und wenn dann noch ein erfrischender Regen das edle Antlitz der Berge ver­schleiert und das Wasser in den Halbschuhen quatscht, 1 finden Sie das nicht poetisch? Mir wenigstens fehlt die dichterische Ader und wir Bergsteiger haben un­seren Stolz soweit er die Ausrüstung betrifft immer noch in erster Linie in der großen Zehe sitzen, die sich in einem gut anliegenden, bequemen und starken Schuh wie zuhause fühlen muß. Man wird für Berg-Spaziergänge noch lange keine Knospen", wie man bei uns die schwer genagelten

Bergschuhe nennt, anziehen, wohl aber feste Schuhe, die bis über die Knöchel reichen und wenigstens leicht benagelt sind. Mit solchem Schuhwerk ver- knaxt man sich nicht den Fuß, rutscht nicht bei jedem Schritt und hat auch bei Schlechtwetter warme und trockene Füße. Hat jemand die verpönte Gewohnheit zwar nicht in Angst-, sondern vielmehr in Fuß­schweiß auszubrechen, ist es für ihn noch mehr wie für jeden anderen wichtig, über den Strümpfen feste Socken zu tragen, die den Schweiß aufsaugen, den Fuß weich betten und außerdem das Eindringen von Steinchen verhindern. 3 Paar Strümpfe und Socken zum häufigen Wechsel werden die Füße mit Dank zur Kenntnis nehmen. Die Lange der Strümpfe richtet sich ganz nach der Ueberklei- dung, Bei Männern, die auf Bergfahrt am besten Pumphosen (Knickerbocker) tragen, reichen Kme- strümpse vollkommen aus. Sofern Frauen und Mädchen bei Touren nicht ebenfalls Pumphosen tragen, müssen unbedingt lange Strümpfe vorge­zogen werden. Ist es heiß, kann man auf Berg­pfaden ja den Knie-Verschluß der Hosen öffnen. Bei Frauen kommt für einfache Wanderung auch noch der Hofen-Rock aus festem Stoss in Frage. Kleider bewähren sich bei Touren nicht. Außerdem sieht ein hübsches Sporthemd oder eine schlichte Bluse weit ansprechender aus, als ein durch Regen verzogenes Wanderkleid! lieber Bluse oder Sport­hemd trägt man, wenn es kühler ist, eine Jacke oder Weste mit Aermeln, wobei aber darauf zu achten ist. daß sie den Rücken vollständig bedecken. An kal­ten Tagen kann unter der Weste noch ein Pullover getragen werden.

Die Kopfbedeckung scheint immer noch ein Problem zu sein, besonders für die Weiblichkeit. Wir Männer tragen immer schon unseren alten, wasser- und winddichten Lodenhut, den mir ,e älter er ist um so lieber gewinnen. Die Frauen scheinen, halt, sie scheinen nicht nur, sondern find um ihre jeweilige Wellen- und Tackel-Anlage viel zu besorgt und haben daher zu recht absonderlichen Kopfbedeckungen Zuflucht genommen, die weder schön und noch weniger zweckmäßig sind, Noch bin

Gicht Rheuma Jschias

richtet.

Wie fast der ganze Odenwald, ist auch die Ge­gend von Höchst alter Kulturboden. In der Ge­schichte erscheinen Ort wie Zent Höchst zuerst 1158, als die Abtei Fulda hier begütert war und die Kur- pfalz damit belehnte. Dann kam Höchst an die Herren von Breuberg, die auf dem etwa eine Stunde entferntenHohen Haus Breuberg" saßen; von ihnen erhielten es ihre Erben, die Grafen von Wertheim, deren Stammsitz sich am Zusammen­fluß von Main und Tauber erhebt; nach deren Aussterben erlangten die Häuser Erbach und Löwen­stein den gemeinsamen Besitz, bis 1806 das Groß­herzogtum Hessen mir vielem anderen standesherr- lichem Besitz auch Höchst erhielt.

Um 1200 wurde in Höchst ein Augustinennnen- kloster gegründet, dasunserer lieben Frau" ge­weiht war. 1508. folgten Benedektinerinnen; nach 1576 wurde als Folge der Reformation das Kloster ' ' noch ein Teil der

Volkes. Schauen wir hinüber nach Münzenberg, der trotzigsten Stauferveste, zum hierliebenden Lich mit dem berühmten Grabstein des Ritters von Lich, und wir stehen in Gießen, der das Land um den Vogelsberg mit feinem Reichtum und einer leben- digenden Geschäftigkeit versorgenden Grenzstadt.

Kommen und schauen ... vermag man dem Su­chenden nur zu raten. Freilich fehlen der stillen, ganz in sich versunkenen Landschaft die weithin leuchtenden grellen Schlaglichter, wie sie die Alpen, Rhein und die See zu geben vermögen, wohl

Höchst im Odenwald.

Von Hans Otto Becker.

Wo das Odenwaldflüßchen Mümling seinen ur- sprünqlich von Süden nach Norden gerichteten Lauf zum Main nach Osten ändert, liegt in einem ver­hältnismäßig weiten Talkessel, von bewaldeten Hö­hen und Hängen umgeben und beschützt, der freund­liche Marktflecken H ö ch st. Der Ort ist Station der Odenwaldbahn, die von Darmstadt bzw. Hanau über WiebelsbachHeubach nach Eberbach führt, und ist Ausgangspunkt der Bachgaubahn, deren Ziel Aschaffenburg ist. Die Odenwaldbahn durch­ährt, kurz bevor sie Höchst berührt, den 1600 Meter langen Hetschbacher Tunnel zwischen Frau-Nauses und Hetschbach, nach dessen Verlassen fid)1 für kurze Zeit ein Blick auf den Kegel des Breubergs mit einer alten Feste öffnet. Die Autostraße nach Höchst ührt von Groß-Umstadt über den Berg, den die Eisenbahn durchfährt, in vielen Schleifen die Höhe nehmend, die das fogenannte Rondell, mit einem Christusbild aus Sandstein zur Seite am Wald­rand, krönt; ein überraschend schöner Blick in das grüne Mümlingtal mit seinen dunklen, bewaldeten Hängen erschließt sich bei der jetzt bergab gehenden Weiterfahrt.

Das Landschaftsbild von Höchst ist bedingt durch den warmen roten Farbton der Sandsteinhänge; aber auch klimatisch betrachtet findet sich hier eine bevorzugte Gegend, geschützt vor rauhen Winden; das in nordöstlicher Richtung weiterziehende Müm­lingtal heißt daher seit alters die Rosenau oder auch Blumenau; und bei dem Nachbarort Sand­bach hat man des günstigen Klimas wegen eine Lungenheilanstalt, die Ernst-Ludwig-Heilanstalt, er»

und andererseits für den radfahrenden Wanderer mit schonen Straßen und Abfahrten den Anstieg lohnt.

Mag man nun den Vogelsberg in Gelnhau­sen, der alten Barbarosjapfalzstadt betreten, mag man in Nidda und Schotten in seinen Bann geraten oder von Nordosten her kommend aus Fulda in Schlitz, der farbenfreudigen Stadt, dieses alte Kulturland betreten, mit Staunen und Wohlbeha­gen wird der Gast dem Reiz dieses Landes verfal­len, den Sitten nachschürfen und den Bauer bei feiner mühevollen Arbeit begleiten.

Bei jedem Schritt spricht uns die Geschichte des Landes an, einerlei, ob wir in Schlitz vor dem wuchtig trutzigen Wehrschloß stehen, einem mäch­tigen Würfel der Renaissance, in Alsfeld, der ältesten Stadt Oberhessens', den Marktplatz mit feinem zierlichen Rathaus aus Giebelwerk und Lau­bengang unsere Bewunderung zollen, dem geschäfti­gen Treiben am Markttag beschaulich zusehen, oder Büdingen, die Stadt der Tore betreten, lieber» Haupt Büdingen, welche Vielheit ficht uns an! Die mächtigen Rundbogen des Jerusalemer Tores, der Schloßeingang, die weiten Wehrgänge, die Roman­tik der Kirchenportale und eine verwirrende Vielfalt schöner Brunnen, ein bestechendes Beispiel des Boll­werkbaues, mit dem das Mittelalter feine Siedlung umspannte.

Wir erfreuen unser Auge am Fachwerk des Herdsteiner Rathauses, stehen erstaunt vor den Schloßquadern der Herren von Nidda und finden i n O r t e n b e r g die lleberrefte einer idealen mittelalterlichen Stadtfeste.

Schenken wir weiter Bad Salzhausen un­sere Aufmerksamkeit, einem sich regenden Bad, das seinen Ruf immer fester verankert und seinem vul­kanisch begründeten warmen Sprudel großen Ru sichert. Schotten, bekannt durch die Rennbahn, die alljährlich Hunderttausende anlockt, idyllisch im Kessel, geschützt vor rauhen Winden gelegen, hat feine äußere Struktur wohltuend erneuert und ist zentraler Ausgangspunkt von Süden her.

Reich natürlich ist dieser alte Kulturboden, war er doch der Sitz der Chatten, an Denkstätten, die in ferne Zeiten zurückreichen, so streifen wir nur kurz den Glauberg, der uns durch seine Funde neue Einblicke in die Kultur unserer Ahnen ge­schenkt hat, erinnern uns derwilden Fr a u", einem aufstürmenden Quadernbau, über dessen Sinn man noch keine volle Klarheit erlangt hat, wohl

Grün berg. Die Sommerfrische an Wald und Wasser, malerisch am Fuße des Vogelsberges gelegen. Herrliche Spaziergänge m den Tälern, in prächtigen Tannen- und Laubwäldern, Ausflüge nach dem hoben Vogelsberg. Eisenbahnknotenpunkt. Gute Gattitatten. Grofies Waldschwimmbad. Prospekt durch die Stadtverwaltung.

ich nicht verkalkt und ich freue mich das ganze Jahr, wenn mich im Sommer zwei schwarze Augen eines gesunden Bauernmädels aus einem roten, drei­eckigen Kopftuch hervor ganz heimlich angelacht haben; da war es meistens so, daß ich auch gelacht Üab oder war ich dabei der erste? und dann packte sie wiederum eine Garbe um die andere und ich zog weiter in der Mittagsglut den Bergpfad entlang. Wie langweilig und lächerlich schauen da­gegen unsere Stadt-Jungfern aus, die mit einem scheckigen Kopftuch ebenso natürlich wirken mochten wie mein Bauernmädel. Das Kopftuch will m heißer Sonnenglut erarbeitet sein beim Heuen, beim Korn- schneiden, auf dem Acker bann, und nur dann hat es Berechtigung! Jeder kleide sich so, wie es seinem Lebenskreis entspricht. In den Bergen hat nur bas Berechtigung, was Wetter, Sturm und Sonnenschein trotzen kann: Ein schlichtes Gewand, ein fester Lodenhut (auch für Frauen!), gute Schuhe und ein dauerhafter Regenschutz!

Jur Bekleidung weiteren Sinnes gehört auch der Schutz der Haut vor Sonnenbrand. Gegen dieses schmerzhafte und durchaus nicht ver­schönernde liebel haben sich viele Mittel und Mittel­

fehlen der Gegend die Saison bedingten Luxusorte mit ihrem mondänen Treiben, den Vergnügungen des Abends, doch, haben wir bas nicht alle Tage, während wir hier beschaulich dem Zug der Sterne zuträumen können!

Einfühlen wollen und sollen wir uns in die Land­schaft, in die Eigenart ihres Charakters, und wir werden um ein Erlebnis reicher sein, freilich kein schreiendes, reklamesüchtiges, sondern ein stilles, in­neres Erleben, das uns im Herzen froh macht und uns gesunb, reiner und zufriedener die Allgewalt der Natur auf tut, die nichts verschwendet, sondern sich nur dem ganz zu geben verspricht, der sich ihr ein­fügt, sich ihr mit feinem ganzen Fühlen hingibt und die Augen mitbringt zu freudigem Schauen!

So mag es einerlei sein, ob wir in Salzhausen, in Büdingen, in Gelnhausen ober in Alsselb diesen uralten, vulkanischen Boben betreten, er wirb uns überall seine natürliche Schönheit erschließen.

Die Rhön ist schöner geworden.

Auf ber Wasserkuppe in der Rhön findet vom 23. Juli bis 6. August ber große Segelflug-Wett­bewerb statt. Etwa 80 Maschinen werben daran teil- nehmen. Im preußischen Teil ber Rhön finbet man bereits ein gut ausgebautes Straßennetz. Von allen Seiten gelangt man schnell zu ber Wasserkuppe, bie mit 950 Meter ber höchste Berg ber Provinz Hessen- Nassau ist. Das neue Deutschland arbeitet unermüd­lich an ber Erschließung ber Rhön, bie als Erho­lungsgebiet von Jahr zu Jahr größere Bebeutung erlangt. Inzwischen konnte auf ber Wasserkuppe auch ein mobernes Schwimmbad errichtet werben.

Der Vogelsberg als Wanderziel.

Von Jos. 61. Lohr

Umrandet von den Senken der Wetterau, der oberen Lahn und ber Kinzig, bem Kernstück deut­scher Romantik, aus dem die Gebrüder Grimm den Urstoff ihrer Märchep und Sagen geschöpft haben, erhebt sich das kompakte Massiv des vul­kanisch gewachsenen Vogelsbergs.

Sanft ansteigend, wellig durchbrochen, umwoben von zarten, duftenden Tälern, von unteren, sprin­genden Bächen begleitet, steigt er allmählich empor zu feinen höchsten Erhebungen, bem Taufstein und dem Hoherodskopf. Beibe beherrschen weithin das Land und schenken weite Aussichten gen Fulda, bem entfernten, bläulich leuchtendem Taunus unb hin­über zur verwandten Rhön, bie nur burch das Tal der wilden Kinzig getrennt ist.

Meilenweit sich erstreckende, wildreiche Waldbe- ftänbe, unterbrochen von blumenbestreuten Wiesen, hingeklecksten Dörfern und Marktflecken, die sich den Reiz der Unberührtheit bewdhrt haben, Bächen unb temperaturhohen Quellen verschaffen bem Vogels­berg weithin ben Ruf eines Reiselands für er­holungsbedürftige Großstadtmenschen. Er vermag still und unaufdringlich Ruhe und Labung zu schen­ken bei einem Volke, bas in feiner Geradheit, Ur­wüchsigkeit und einem Trachtenreichtum wetteifert, dem Fremden die Laiidschaft in ihrem Wesen ganz zu erschließen.

Doch, so günstig auch der Vogelsberg durch seine »dealen Bahnverbindungen, der ihn fast durch­querenden Autobahn ausgeschlossen ist und die Zu­fahrten aus Frankfurt, Gießen und Fulda kurze Anfahrten brauchen, entwickelt sich der Vogelsberg mehr unb mehr zu einem Reisegebiet der Raistou- risten und beschaulichen Wanderer. Bedingt einer­seits durch die Abwechslung des welligen Geländes, das immer neue Ausblicke und Fernsichten gewährt

Alter Winkel in Ortenberg." (Aufnahme: I. Cl. Lohr, Frankfurt.)

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