Ausgabe 
1.7.1939
 
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Br. 151 Erster Blaff

189. Jahrgang

Samstag, l./$oitnfag, 2. Juli 1939

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ren verübten

Stellung in China, zumindest durch Unterstützung Tschiang-

Das arabische Komitee fordert Abstellung der britischen Grausamkeiten in Palästina.

Der Tientsin-Zwischenfall ist den Briten tatsäch­lich höchst ungelegen gekommen. Denn ihre Be­mühungen, Moskau selbst unter Dran gäbe aller frü­heren Vorbehalte und unter Verzicht auf eine ideologische Distanzierung zum Bolschewismus in die britisch-französische Einkreisungsfront gegen die autoritären Mächte einzubauen, stoßen, je dringen­der und bedingungsloser sie bei den Gewalthabern des Kreml vorgebracht werden, auf umso kühlere Aufnahme. In Moskau verhehlt man nicht, daß der britische Bündnisantrag das alte Mißtrauen gegenüber der Schaukelpolitik der westlichen Demo­kratien keineswegs beseitigt hat, und dies Mißtrauen erfährt besondere Nahrung aus Englands Stellung zum ostasiatischen Krieg, in dem das Empire zwar Tschiangkaischek, den Verbündeten Moskaus, wirt­schaftlich und finanziell mit allen Mitteln unter­stützt und mit seinen Waffenlieferungen, mit seiner Stützungsaktion für den Tschungking-Dollor und mit seiner Förderung der unterirdischen Verschwö- rerumtriebe gegen alles, was in China mit den Japanern zusammenarbeitet, den Marschall über­haupt erst in die Lage versetzt, so hartnäckig und zäh der japanischen Expansion Widerstand zu leisten, zum andern aber England sich scheut, es zum offe­nen Bruch mit dem ehemaligen japanischen Bun­desgenossen kommen zu lassen, zu dem die Lon­doner City immer noch wichtige wirtschaftliche Be­ziehungen unterhält. Diese Zweideutigkeit ist charak­teristisch für die englische Politik, sie rnemt^ Eng­lands beherrschende Stellun '

im Jangtse-Becken, durch Unterstützung Tschiang- kaischeks vielleicht noch retten zu können, aber he will das Risiko eines offenen Kampfes mit Japan nicht auf sich nehmen, sie kann es heute auch nicht dank ihrer sturen Einstellung zu den europäischen Problemen, die England ganz überflüssigerweise, denn seine Lebensinteressen werden in keiner der ungelösten Fragen. Europas irgendwie tangiert, zu den autoritären Mächten in ein so, gelinde ge­sagt, wenig freundschaftliches Verhältnis gebracht hat. Und so sucht England.sich c^uch für den Fall, daß seine Hoffnungen auf eine Erschöpfung der japanischen Kampfkraft trügen sollten, zu sichern, indem es den offenen Bruch mit Japan vermeidet und solange die Finger im chinesischen Kuchen be­hält wie möglich. Auch in Tokio wünscht man offen­bar den Bruch nicht, denn schon der chinesische Krieg hat die militärischen, wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte Japans in vorher ungeahntem Maße bean­sprucht, und jede Komplikation mit einer Großmacht des Pazifik könnte auch für die andern das Zei­chen zum Kampf bedeuten. Vor allem ahnt man in Tokio, daß die Sowjetunion wahrscheinlich nur auf diesen Augenblick wartet, um'vorn latenten Kriegs­zustand, der schon seit Jahren an den Grenzen Mandschukuos und der Aeußeren Mongolei herrscht, zum offenen Vorstoß auszuholen. Deshalb wirken auch die von England sowohl wie von Japan ge­wollten Halbheiten und Undurchsichtigkeiten in Mos­kau so irritierend, und der Kreml benutzt die Ge­legenheit des englischen Antichambrierens um den Einkreisungspakt dazu, die Engländer tüchtig m die Zange zu nehmen. Auch deshalb liegt den Eng­ländern daran, den Tientsin-Zwischenfall beizu-

Am Krisenrand.

Jnterpreß Copyright.

Amsterdam. im Juni.

Noch im Vorjahr bestand das geflügelte Wort zu Recht, daß den Holländer nichts auf der Welt er­regen könne außer Hochzeiten und Taufen in feinem Königshause. Hundert Jahre ungetrübten Friedens und wachsenden Wohlstandes hat das Land hinter sich, selbst unter der letzten großen Weltwirtschaftskrise hat Holland im Vergleich zu anderen Ländern wenig zu leiden gehabt, und aus der neuen Zwischenkonjunktur hat es reiche Ge­winne gezogen. Gehen diese hundertfetten Jahre" jetzt zu Ende? Das ist die bange Frage, die sich heute das holländische Volk zu stellen beginnt, weil die Realität es dazu zwingt.

Gerüchte Über einen im vergangenen Winter an­geblich geplanten deutschen Angriff, die ihre Quelle wohl in demDeuxieme Bureau", dem Apparat des französischen Spionagedienstes, hatten, lösten damals in Holland eine unvorstellbare Panik aus. Eine Heeresreform war zwar schon vorher eingeleitet worden, aber nun erfolgte eine Sturzflut von Schutz- und Verteidigungsmaßnahmen, von der Teil-Mobilisierung bis zur fieberhaften Errichtung von Grenzsperren und der Unterminierung der Deiche. Inzwischen hat man sich wieder beruhigt, die Reservisten sind zum größten Teil wieder ent­lassen, der Angriff ist nicht erfolgt. Das hatten allerdings selbst prononciert deutschfeindliche Kenner der strategischen und wirtschaftlichen Zusammen­hänge den Holländern vorausgesagt. Sie argumen­tierten mit der Tatsache, daß selbst in der härtesten Kriegsnot ein neutrales Holland mit Rücksicht auf seine nur bei voller Neutralität möglichen Mittler­rolle für die Versorgung mit überseeischen Kriegs­rohstoffen viel nützlicher ist als selbst die Vorteile, die ein besetztes Holland durch das Näherrücken der Flugstützpunkte an die englische Küste bieten könnte, ein ' neutrales Glacis ist für Deutschland bedeitt-

höuser Mendelsohn & Co. undAllgemeene Handels Maatschappij", die diese für sie recht lukrative Finanzoperation ohne viel Rücksicht auf die Wäh­rungsspannung und den Kapitalbedarf des eigenen Landes durchgeführt haben: der Devisentransfer, den dieses Geschäft zur Folge hatte, war in feinen Auswirkungen bedenklich. Es ist also nicht verwun­derlich, daß im Haag und in Amsterdam neue Ab- wertungsgerüchte kursieren und daß der Finanz­minister Dr. van der Wilde fein mit un­mittelbarer Demisfionsdrohung verbundenes Veto gegen die Schlachtschiffpläne eingelegt hat. Er ist ein vielleicht zu nüchterner Rechner, abgefeimter Gegner aller Wahrungsexperimente, und verleugnet als Finanztheoretiker nicht die alte klassische Schule.

Ministerpräsident C o l i j n hat es in diesem Streit in seinem Kabinett nicht leicht. Auch ihm ist bei diesem riesigen Flottenprogramm nicht wohl, als sehr aktiver Anhänger derOxford-Bewegung" neigt er wohl auch politisch etwas zu dem vagen

Das arabische Komitee schlägt die Bildung eines Ausschusses vor, der aus ausländischen Konsuln in Palästina und den Delegierten der arabischen Länder, die an der Londo­ner Konferenz teilgenommen haben, bestehen soll. Wenn Macdonalds Ableugnung zu Recht erfolgt ist, so werde er diesen Vorschlag annehmen können. Es wird auch angeboten, einige lebende Opfer nach London zu senden, damit Macdonald und die Londoner sie einmal sehen und die Opfer selbst bei der Beschreibung der näheren Einzelheiten der Grausamkeiten hören können, die ihnen die Quäle­reien und der Terror der britischen Truppen zu- fügten. Das arabische Komitee fordert den britischen Kriegsminister Hoare Belisha aus,-der briti­schen Armee sofort einen Befehl zu geben, die Grausamkeiten einzustellen.

In der Kammer wurde das Gesetz zur Ver­hütung der ausländischen Propa­ganda in Belgien beraten. Interessant waren Ausführungen des flämischen Abgeordneten Rom- fee über die Urheber der ausländischen Propa­ganda. Romsee verwies auf die Umtriebe der Komintern und den starken propagandistischen Einfluß, den Frankreich in Belgien auszuuben suche. Belgische Zeitungen und Handelsgesellschaften arbeiteten' mit französischem Kapital. Der ftanzösische Einfluß suche sich besonders stark auch durch den Film durchzusetzen: fast alle bel­gischen Lichtspieltheater ständen unter französischem Einfluß. Romsee ließ zum Schluß noch durchblicken, daß Geldmittel aus französischen Quellen reichlich fliehen, wie zum Beispiel aus dem Geheim­fonds des Quai d'Orsay. Die offenen Worte üks Abgeordneten rit-fen m Der Kämmer eine erhebliche Beunruhigung hervor.

a b I e u g n e t. Wenn es schändlich ift, solche NreDer- trächtigkeiten zu begehen, warum gibt man denn der Armee nicht einen entsprechenden Befehl? Das augenblickliche grausame Wüten geht unauf­hörlich und ohne Milderung weiter, Tausende wurden bereits hingeschlachtet, Städte und Dörfer zugrunde gerichtet.

Englands Pläne in Vorderasien

Oie Jtolk der Türkei im englischen Einkreisungsplan.

Belgiens Unabhängigkeit bleibt Grundzug seiner Außenpolitik

Umtriebe der französischen Propaganda bloßgestellt.

kehrt führen sollen.

Zu dieser völligen Umkehrung aller Voraussetzun­gen gehört auch, daß d i e Araber, die im Welt­krieg auf englischer Seite kämpften, heute in die schärftte Gegnerschaft zu England und Frank­reich geradezu hineingestoßen werden. Die Türken und Araber Heben sich wie Hund und Katze, obwohl Araber und Türken Mohammedaner sind. Die vielen tausend Araber, die jetzt aus dem Distrikt von Alexandrette flüchten, weil sie den Einmarsch der Türken fürchten, sind ein sprechender Beweis. Zu dieser völligen Umkehrung aller politischen Verhält­nisse gehört auch, daß die Türken zu den Wach­tern des Suezkanals bestimmt werden, den sie im Weltkriege vergeblich in ihre Kontrolle zu bekommen versuchten. Zwischen Palästina und Aegypten, die beide schon durch eine Eisenbahn verbunden sind, wird jetzt in schnellstem Tempo auch noch eine Autostraße gebaut, die bereits m neun Monaten fertiggestellt fein soll. England selbst ver­doppelt in Aegypten seine Besatzungstruppen gegen­über dem Stand von 1936. Diese Verdoppelung der rein englischen Streitkräfte widerspricht natürlich kraß dem Begriffe eines selbständigen und unab­hängigen Aegyptens. Der englisch-ägyptische Vertrag sieht auch eine solche Maßnahme charakteristi­scherweise! nur fürZeiten höchster Gefahr oder vollzogener Mobilmachung" vor.

moralischen Aufrüstungsprogramm". Ob er aller­dings aus dieser Einstellung heraus den Weg finden Mrd, mit den materiellen Lasten des schwer lös­baren praktischen Rüstungsproblems seines Landes fertig zu werden, muß bezweifelt werden.Bewaff­nete Neutralität" ist, wenn sie wirksam sein soll, für eine kleine Nation teuer...

Oie holländische Regierung zurückgetreten.

Den Haag, 30. Juni. (DltB.) Amtlich wird mitgeleilt, daß die holländische Regierung ihren Rücktritt erklärt hat. Die Königin hot Freitag- morgen den bisherigen Ministerpräsidenten Eolijn mit der Neubildung des Kabinetts beauf- tragt. Der Anlaß dieses Regierungsrücktritts ist in finanzpolitisch en Gegensätzen innerhalb des Kabinetts zu juchen. Es wird angenommen, daß Ministerpräsident Lolijn den versuch unternehmen wird, die neue Regierung auf breiterer Grundlage unter Hinzuziehung der Freisinn», gen und der Demokraten zu bilden.

Hollands bewaffnete Neutralität

Don unserem B. W.-Korrespondenien.

land und Frankreich auf der anderen Seite. hat die politisch-militärische Phantasie mächtig an­geregt. In Jerusalem haben sich dieser Sage Die militärischen Chefs der englischen und französischen Streitkräfte in Vorderasien zusammengefunden, um öie Folgerungen aus der neuen Lage zu ziehen, die durch den Beitritt der Türkei entstanden ist. Gleichzeitig fanden in London Besprechungen zwi­schen englischen uni) türkischen Generalstäblern statt, und außerdem hat der ägyptische Außenminister eine Rundreise über Ankara, Athen bis nach Bukarest angetreten. Diese Reise des ägyptischen Außenmmi- sters macht die ganze Gegensätzlichkeit der gegenwärtigen Lage im vorderen Orient offenbar.

Seit hundert Jahren haben die Aegypter darum gekämpft, daß sie von der Türkei unabhängig werden. Sie haben tatsächlich em sehr hohes Maß von Freiheit schon lange vor dem Kriege gewon­nen, und die Oberherrschaft des Sultans von Kon­stantinopel war eine reine Scheinherrschaft. Im Kriege streiften sie auch diese letzten Reste der tür­kischen Herrschaft ab, freilich nur, um Zunächst die englische Herrschaft dafür einzutauschen. Vor zwei Jahren wurde Aegypten dann zu einem unabhängigen Staate erklärt, freilich nur unter recht erheblichen Auflagen, wozu zunächst ein ewigesBündnis" mit England gehört, das der Londoner Regierung nach wie vor ein gewalti­ges Mitfpracherecht einräumt. Aber nun handelt es sich darum, daß d i e T ü r k e n im Kriegsfälle e t n e Armee nach Aegypten schick e.n sollen, deren

famer als problematische strategische Vorteile.

Die Richtigkeit dieser Erkenntnis hat sich jetzt im ganzen Lande durchgesetzt. Das hindert nicht, daß die Hochdruck-Aufrüstung in diesem Lande des : klassischen Pazifismus weitergeht, zu Land, zur See und in der Luft. Die akute Panik hot einer chro­nischen Sorgenstimmung Platz gemacht, nur das Objekt der Besorgnisse hat gewechselt.

Jetzt spricht man nicht mehr von einem deutschen Angriff auf das Mutterland, son­dern von einem japanischen Angriff auf das indische Kolonialreich, denn in ihm liegt der Reichtum Hollands begründet. Aus Petro­leum, Zinn, Tabak, Kaffee, Kakao, tropischen Ge­würzen, Oelpflanzen und Edelhölzern ist die hollän­dische Finanzmacht zusammengesetzt worden, und nicht aus roten Käsekugeln und blühenden Tulpen­feldern. In dem gleichen Maße, in dem Japan seinen Einfluß in Süd-China und dem ihm be­freundeten hinterindischen Siam ausbreitet, wächst die Angst Hollands. Sein riesiges Kolonialreich ist weit entlegen, für dieses kleine Land schwer zu ver­teidigen, und von geradezu verlockendem Reichtum. 1946 wollen die USA. die Philippinen frei geben, was dann aus ihnen wird, weiß noch niemand. Dis dahin will Holland in der Lage sein, sein Kolonialreich notfalls verteidigen zu können.

Es versteht sich von selbst, daß die Aufrüstung unter diesen Umständen in erster Linie ein FIot - tenprogramm geworden ist. Zwar wird auch die Kolonial-Armee verstärkt und mit wirk­samerem Material versorgt, vor allem in der F l u g- waffe, aber das Schwergewicht liegt bei der Flotte. Zwei neue Kreuzer sind im Bau, zahl­reiche Zerstörer und Unterfeeboote, deren gute Quali­tät durch Rekordfahrten der verschiedenen Proto­typen erhärtet ist. Und nun solle.! gar Schlacht- schiffe gebaut werden, die etwa der neuen deut­schenGneisenau"- oder der französischenDun- kerque"-Klasse entsprechen und zwar gleich vier! Ebenso viel wie in Frankreich und nur eines weni­ger als in den USA. Dieser Vergleich gibt einen Be­griff von der gewaltigen maritimen Krastanstren- gung des Landes, die noch durch manche anderen Projekte, vor allem das des Ausbaues von Surabaja zum erstrangigen Flottenstütz­punkt ergänzt wird. Die Erinnerungen an die stolze Seemachttradition der Geusen- und General- staaten-Zeit wird im ganzen Land durch eine ge­schickte Propaganda neu belebt, das Volk selbst ist es, das sich an der Wiedererstehung einer starken holländischen Kriegsmarine begeistert.

Bedeutend mehr als die Regierung selbst, wenn wir von der selbstverständlichen Ressort-Begeiste­rung des Marineministers absehen. Im ganzen geht das Kabinett nurzöger n.d und unter dauerndem Drängen des Parlaments an die große Flottenauf­rüstung heran. Weniger deshalb, weil in diesem urkonservativem Lande das Beharrungsvermögen gegenüber neuen durchgreifenden Maßnahmen grö­ßer ist als anderswo, sondern einfach weil dieses Riesen-Rüstungsprogramm die Kräfte eines 8,5- Millionen-Dolkes, und sei es noch so finanzstark, übersteigt. Die Frühjahrspanik hat bereits eine be­achtliche Kapitalflucht ausgelöst und jetzt, wo große Teile des Volksvermögens in unproduktiven Rüstungsausgaben festgelegt werden sollen, wackelt auf einmal der Gulden, wackelt nicht nur, sondern gleitet langsam: Holland steht plötzlich am Rande einer ernsten W äh r u n g s - und Finanzkrise.

Die augenblickliche Gulden-Schwäche hat zwar noch andere, börsentechnische Gründe, vor allem die Konsolidierung der französischen Auslandsschuld durch die natürlich jüdischen Amsterdamer Bank-

Kai ro, 1. Juli (DNB. Funkspruch). Das ara­bische Komitee in Kairo sandte an den englischen Ministerpräsidenten und Kolonialministex Maedo- näld ein Telegramm, das auf die Behauptung des Kolonialministers, die britischen Truppen hatten tn Palästina keine Grausamkeiten verübt, fol­gendes .erwidert: Der ganze Orient ist erstaunt und verwundert, daß der britische Kolonialmlnister die von der britischen Armee in Palästina feit VA Jah- i gemeinen Grausamkeiten einfach t. Wenn es schändlich ist, solche Nieder-

B r ü f f e 1, 30. Juni. (Europapreß.) Im belgischen Senat wurde am Freitag neuerdings die Außen- politik eingehend erörtert. Die Aussprache ergab die Forderung, daß sich die belgische Militärpolittk der Außenpolitik des Landes angleichen müsse. Die gegenwärtige belgische Außenpolitik müsse strikte eingehalten werden. Der Senator D o r l o d o t ver­teidigte seine bereits ftüher vertretene Auftassung, die Regierung müsse unverzüglich General- stabsbesprechungen aufnehmen. Die Groß­mächte, welche die belgische Grenze garantiert hätten, erwarteten, daß Belgien militärisch stark sei. Dazu gehörten aber auch rechtzeitige und exakte General­stabsbesprechungen. Ministerpräsident und Außen- mmister Pier lot wies diese Auffassung entschie­den zurück un verklärte, G en er alstabsbesprechung en seien heute keinesfalls am Platze, do üe nur die klare Atmosphäre Der belgischen Auß. ' ;wtttik trüben würden.

3n der Zange.

Im britischen Parlament erfreuen sich die kleinen Anfragen außerhalb der Tagesordnung seit jeher besonderer Beliebtheit, wenigstens bei den ehren­werten Abgeordneten. 2Nf der Ministerbank frei­lich hort man sie nur bann nicht ungern, wenn sie der Regierung Gelegenheit geben, eine aktuelle Frage zu erörtern, die die Regierung von sich aus anzuschneiden aus bestimmten Gründen zwar nicht für opportun hält, aber zu der sie sich doch gern äußert, wenn sie von anderer-Seite dazu aufdefor- dert wird. Man nennt das im parlamentarischen Sprachgebrauchbestellte Arbeit", eine besonders auf außenpolitischem Gebiet höchst brauchbare Me­thode, von der leider unsere deutschen Parlamen­tarier der Vor- und Nachkriegsobservanz nicht viel wissen Milten, weil ihnen dies Spiel mit verteilten Rollen nicht lag und sie das schwerere Geschütz der großen Rede dem Frage- und Antwort-Ge­plänkel vorzogen, wie es im britischen Parlament gong und gäbe ist. Nun freilich kann dies letztere auch einem mit allen parlamentarischen Wassern gewaschenen brittschen Minister auf die Nerven gehen, wenn die ehrenwerten Abgeordneten sich nicht mehr an sorgfältig abgekartete Spielregeln halten, sondern chre Neugier soweit treiben, daß von der Regierungsbank schließlich nur noch konstantes Schweigen dem Parlament andeutet, daß mit die­sen Fragen ein Gebiet berührt wurde, das im Augenblick, zu delikat ist, um weitere Erörterungen zuzulassen. So sehen wir in der Parlamentsdebatte dieser Tage als ein für die Abgeordneten ebenso unerschöpfliches wie für die Regierung höchst - un­bequemes Thema neben den endlos sich hinziehen- den Paktverhandlungen mit Moskau immer wie­der de n Tientsin-Zwischenfall auftauchen, und das Kreuzverhör, das die Opposition in Staats­anwaltspose Tag für Tag mit der Regierung dar­über anstellt, zeigt einmal ganz kraß die Schatten­seiten des parlamentarischen Systems, das selbst eine so disziplinierte Opposition wie die englische dazu verleitet, auch in kritischer Stunde der Naton nichts besseres zu wissen, als die Schwierigkeiten der Regierung mit Nachdruck herauszustellen, was be­stimmt nicht dazu beitragen kann, dem sowohl durch die hinhaltende Taktik Moskaus wie durch die ja­panische Blockade der brittschen Niederlassung in Tientsin arg mitgenommenen Prestige der britischen Nation wieder aufzuhelfen. Den Grad dieser Schwie­rigkeiten kann man ungefähr ermessen an den eben­so nxonotor.'-". tote r;»rteg»ncn Antworten Cham berlains, die dann schließlich als letzte Waffe gegen allzu rücksichtslose Ausfrager in konstantes Schwei­gen ausmünden.

Der Abschluß eines gegenseitigen Beistandsoer-1 Stärke bald auf lOOOOft bald sogar auf 250 000 her Tür k ei auf der einen, Eng- Mann angegeben wird. Man sieht: die Dmg. drehen trage? Zwischen der Tur^ ^z absonderlich iin Kreise, und die englisch-

französischen Wünsche laufen darauf hinaus, daß die Türken den Weltkrieg noch einmal, aber umge -